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Kommunikation in Talkshows - Drei Genres im Vergleich

von Olivia Groß (Autor) Florian Hogg (Autor) Thorben Grote (Autor)

Seminararbeit 2001 71 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

KOMMUNIKATION IN TALKSHOWS - DREI GENRES IM VERGLEICH

1. EINLEITUNG

„Ohne Kommunikation gibt es keine menschlichen Beziehungen, ja kein menschliches Leben“1, schreibt Niklas Luhmann in seinem 1981 verfassten Aufsatz über Die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation. Luhmann konzeptualisiert Kommunikation als eine Synthese aus drei Sektionen: Mitteilung, Information und Verstehen. Erst genanntes meint die Bereitschaft zum kommunikativen Handeln. Die Information bezeichnet das Thema bzw. den Inhalt der Mitteilung, und das Verstehen die richtige Interpretation des Mitgeteilten durch den Rezipienten. Ist diese Grundkonstellation erfüllt, so verläuft die Kommunikation erfolgreich und konstituiert soziale Systeme.

Wenn man die Massenmedien, und im speziellen das Medium Fernsehen als einen Bestandteil dieser sozialen Systeme betrachtet, und das muss man zwangsläufig, so erscheint es interessant zu hinterfragen, wie sich Kommunikation innerhalb dieser Medien vollzieht. In dieser Hausarbeit soll es im speziellen um die Kommunikation in Fernseh-Talkshows gehen. Dabei stehen folgende Fragen im Vordergrund der Betrachtung: Ist die Kommunikation in Form eines Gesprächs oder einer Diskussion, die uns via des Massenmediums Fernsehen erreicht, mit natürlicher Kommunikation zu vergleichen? Weist das Fernsehgespräch besondere Eigenarten auf? Oder lässt sich der Talk im Fernsehen gar einem eigenen Gesprächstypus zuordnen? Zunächst wollen wir jedoch den Begriff der Talkshow etwas näher klassifizieren, indem wir spezifische Charakteristika dieses Sendeformats bestimmen, des weiteren auf die klassischen Talkshow- Typen eingehen und einen Überblick über die historische Entwicklung des Genres geben.

Im analytischen Teil dieser Hausarbeit untersuchen wir daraufhin drei Talkshow-Typen (Andreas Türck, Boulevard Bio, Sabine Christiansen) hinsichtlich verschiedener gesprächsanalytischer Aspekte, wie beispielsweise dem Sprachniveau, den unterschiedlichen Redekonstellationen oder makrostrukturellen Merkmalen. Da das Fernsehen ein audiovisuelles Medium ist, rücken hier auch nonverbale Verhaltensweisen der Gesprächsbeteiligten sowie der visuelle Inszenierungscharakter der Talkshows in den engeren Kreis der Betrachtung. In der Schlussbemerkung findet dann ein Vergleich zwischen den drei Subgenres statt: welche Gemeinsamkeiten gibt es, welche Unterschiede lassen sich feststellen?

2. WAS IST TALKSHOW?

In diesem Kapitel soll es darum gehen, den Begriff der Talkshow etwas näher zu definieren. Was macht das Genre aus? Lassen sich bestimmte Charakteristika festmachen, an denen sich das Sendeformat Talkshow orientiert?

Zunächst muss festgehalten werden, dass es DIE Talkshow nicht gibt. Talkshow kann ganz unterschiedliche Sendeformen und Programmformate haben. „Bei der Definition der Talkshow als Sendeform [...] stößt man unvermeidlich auf Schwierigkeiten, die auf die ausgeprägte Heterogenität der Talkshow als Genre zurückzuführen sind.“2

Dennoch lassen sich einige charakteristische Eigenschaften festmachen, die allen Talkshows gemein sind und im folgenden in Form von Unterpunkten dargestellt sind.

2.1 DIE ZENTRALE FIGUR DES GASTGEBERS / DER MODERATOR ALS IDENTIFIKATIONSFIGUR

Die wichtigste Rolle im Sendeformat der Talkshow spielt zweifelsohne der Moderator (Talkmaster, Host). Vor allem die täglichen Sendungen, oft liebevoll nur „Dailies“ genannt, rücken ihre Gastgeber uneingeschränkt in den Vordergrund. Das lässt sich nicht zuletzt an den Titeln der jeweiligen Shows erkennen. Andreas Türck, Nicole oder Hans Meiser - ihre Bezeichnungen werden auf die Vornamen ihrer Moderatoren reduziert. Dadurch identifiziert sich die Sendung nur noch über ihren Talkmaster, und nicht selten avanciert dieser durch seinen Auftritt zum Vorbild seiner Zuschauer.

Oft sind die Talkshow-Hosts des täglichen Fernsehens regelrechte Stars. Die Selbstinszenierung und -profilierung kennt hier nahezu keine Grenzen. Sollte doch eigentlich der Gast mit seiner Geschichte im Mittelpunkt des Interesses stehen, nutzen die Moderatoren jede Gelegenheit, ihr Image implizit und explizit zu pflegen, denn „ [.. ] Moderatoren sind bemüht, durch pointenreiches Sprechen o.ä. ihren Witz und ihre Schlagfertigkeit unter Beweis zu stellen, um beim Publikum Lachen und Applaus zu erzeugen.“3 Auch nonverbal buhlen Andreas Türck und Co. mit Mimik und Gestik um die Gunst ihrer Zuschauer. Das scheint vor allem bei männlichen Talkmastern besonders ausgeprägt.

Shows, in denen den (zumeist prominenten) Gästen die Hauptrolle zugemessen wird, nennen sich daher abgrenzend vom täglichen Format z.B. III nach 9 oder bloß NDR-Talkshow. Hier stehen die Talkgäste im Vordergrund. Der Moderator nimmt zwar seine gesprächsorganisatorischen Aufgaben sehr ernst, verzichtet jedoch darauf, sich im Rampenlicht übermäßig zu profilieren.

2.1.1 AUFGABEN DES MODERATORS

Der Talkmaster führt durch seine Sendung, indem er sie mit einer persönlichen Begrüßung einleitet und verabschiedend beendet. Er organisiert den Ablauf der Gespräche und kann zu bestimmten Themen Hintergrundinformationen liefern. Durch gezieltes Fragen beschwört der Host Meinungskonflikte herauf, die er dann häufig - ohne sich einzumischen - zwischen den Gästen weiter laufen lässt.

Dieses Verhalten bringt Werner Holly besonders bildhaft auf einen Nenner: „Die Talkmaster versuchen, ohne selbst Gegenstand des Gesprächs zu werden, sich besonders geschickt und geistreich zu zeigen, um durch die elegante Entlarvung ihrer Gäste das Gespräch unterhaltsam und spannend zu gestalten, denn davon hängt ihr Verbleib im Showgeschäft ab.“4 Inwiefern diese „Entlarvung“ im täglichen Talk „elegant“ geschieht, sei einmal dahingestellt.

Weiterhin muss der Moderator seine Gäste dem Präsenz- und Fernsehpublikum vorstellen. Dabei gibt er entweder einen kurzen Einblick in deren Biografie (vor allem im Portrait- und Promitalk) oder erklärt, warum der jeweilige Gast gerade zu einem bestimmten Thema eingeladen wurde (im Themen- oder Confessionaltalk).

Während der Gespräche hat der Gastgeber das Recht - entgegen allen Konversationsregeln - seinen Gästen ins Wort zu fallen. Das turn- taking, also die Zuteilung der Gesprächsbeiträge, erfolgt nur durch ihn. Hier hat man es also mit einer expliziten Fremdwahl durch einen Moderator zu tun. Dadurch können die Themen besser kontrolliert und Abschweifungen der Gäste vermieden werden.

Abweichend davon kommt es in besonders aufgeladenen Situationen (z.B. in den täglichen Talkshows) oft auch zu einer aggressiven Selbstwahl von Talkgästen oder dem Publikum. In solchen Fällen liegt es im Endeffekt jedoch erneut im Ermessen des Hosts, die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen und das Gespräch in eine richtige Bahn zurück zu lenken.

Für Klaus Plake sind die Talkmaster „Herren des Gesprächs“5, die die Show durch ihre Gesprächsleitung dominieren und ihren Gästen so die Möglichkeit der chancengleichen Hervorbringung von Argumenten nehmen.

2.1.2 STRATEGIEN DER MODERATOREN BEI DER PARTNERDARSTELLUNG

Mit Hilfe bestimmter Strategien ist ein Talkmaster in der Lage, das Image seines Gastes in unterschiedlicher Weise erscheinen zu lassen.

Er kann seinem Gegenüber schützend schmeicheln oder es provozierend aus der Reserve locken.

Besonders im Bereich des Promitalks sind diese Strategien von großer Wichtigkeit, da Image dort ein wesentlicher Begriff ist, den es zu bewahren gilt. Im Promitalk nehmen die Gäste bestimmte Rollen ein, mit denen sie ihr Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit aufrecht erhalten oder sogar aufbessern wollen. Die Chance des Moderators liegt nun darin, das Image der Redner zu pflegen oder ihre „Fassade“ durch gezieltes Fragen zum Einsturz zu bringen.

Ulrike Mühlen unterscheidet zwischen drei verschiedenen Strategien: Protektionsstrategie, Provokationsstrategie und Disqualifizierungsstrategie6. Darüber hinaus stellt sie Möglichkeiten von Gegenstrategien, die die Talkgäste im Falle einer Imageverletzung einleiten können, dar.

Mühlen stellt fest, dass diese Strategien von Talkshow zu Talkshow variieren, die Protektionsstrategie jedoch am häufigsten vorkommt. Heutige werktägliche Redesendungen beweisen dagegen oft das Gegenteil, denn dort wird scheinbar überall provoziert und disqualifiziert. Deshalb ist es wichtig zu erwähnen, dass dieses Muster auf den Daily-Talk nur bedingt anwendbar ist.

2.1.2.1 DIE PROTEKTIONSSTRATEGIE

Der Talkgast kann alles erzählen, was er überhaupt will. Dadurch wird er grundsätzlich äußerst positiv dargestellt. Der Gast kann sein Image somit selbst bilden oder aufwerten.

2.1.2.2 DIE PROVOKATIONSSTRATEGIE

Der Talkmaster stellt seinen Gast oder dessen Handeln in Frage. Dies kann z.B. durch Tabufragen geschehen. Hierdurch wird das Image des Gastes massiv bedroht.

2.1.2.3 DIE DISQUALIFIZIERUNGSSTRATEGIE

Es kommt zu einer expliziten Imageverletzung des Gastes.

Der wird daraufhin Gegenmaßnahmen einleiten, um sein gewünschtes Erscheinungsbild wieder herzustellen. Er kann sich propagierend selbst rechtfertigen oder auf andere positive Punkte ablenken, und er kann sich immunisieren, also das Gesagte umdeuten oder abwälzen. Weiterhin kann er boykottieren, indem er die gestellte Frage einfach ablehnt. Natürlich steht es auch ihm offen, dem Moderator gegenüber disqualifizierend zu agieren.

2.2 DIE GÄSTE

Neben dem Moderator bilden die eingeladenen Gäste den wichtigsten Bestandteil der Sendung. Oft sind sie prominent und kommen aus verschiedenen sozial Beachtung findenden Bereichen des Sports, der Politik, Kultur und Wirtschaft oder der Medien, was jedoch keine unmittelbare Voraussetzung sein muss: so greifen die täglichen Geständnis-Talkshows eher selten auf prominente Gäste zurück. Über Casting-Agenturen werden vielmehr die „Leute von der Straße“ eingeladen. Vielfach wird so ausgewählt, dass Menschen, die durch irgendwelche Erlebnisse oder Eigenschaften von der gesellschaftlichen Norm abweichen, „vorgeführt“ werden, um den Zuschauer zu unterhalten oder zu schockieren.7

Auch beim Themen-Talk kommen nicht selten weniger bekannte Gesichter als Betroffene oder Experten zu Wort.

Selbst der Portrait-Talk verzichtet, wenn auch selten, auf populäre Gesichter. So ergreifen beispielsweise bei der ARD - Sendung Boulevard Bio auch weniger bekannte Menschen das Wort. Menschen, die weniger durch allgegenwärtige Medienpräsenz, sondern vielmehr mit besonderen Eigenschaften, Talenten, Lebensläufen (die sie vom Normalbürger unterscheiden) bestechen.

Generell lässt sich sagen, dass das Kriterium der „Besonderheit“ bei der Auswahl der Gäste am entscheidendsten ist. Wer nicht prominent ist, muss anderweitig telegene Kompetenzen aufweisen, die das Publikum und den Fernsehzuschauer unterhalten und zum „Einschalten“ bewegen. „Gesprächspartner kann jeder sein, der etwas zu sagen hat, und dem man auch gerne zusieht, wie er es sagt - sogenannte Prominente, ebenso gut aber auch jemand, dessen Ansichten besonders aktuell, wichtig oder vergnüglich sind.“8

Steinbrecher und Weiske unterscheiden drei grundlegende Auftrittsabsichten, mit Berufung auf Analysen des Medienspiegels. So hängen die Ziele und Interessen der Gäste zum einen mit der Vermittlung politischer Botschaften zusammen, was vor allem in politischen Thementalks zum tragen kommen dürfte, zum anderen steht das Kriterium der Imagebildung im Vordergrund, d.h. die medieninszenierte Selbstdarstellung mit dem Ziel einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erreichen bzw. aufrecht zu erhalten. Als dritter Punkt wird der Aspekt der Eigenwerbung angeführt. Gäste treten in Talkshows auf, um für einen Film, ein Buch oder eine CD zu werben, oder aber für gemeinnützige Ziele einzutreten, indem sie beispielsweise auf Minderheitenprobleme aufmerksam zu machen versuchen.9

2.3 DAS PUBLIKUM

Die Rolle des Publikums in einer Talkshow darf bei einer linguistischen Untersuchung des Genres nicht unerwähnt bleiben. Immerhin gehen auch von den Zuschauern verschiedene Impulse (sowohl verbal als auch nonverbal) aus, die das Verhalten von Host und Gästen grundlegend beeinflussen können.

Hier muss jedoch zwischen Präsenz- und Fernsehpublikum unterschieden werden, da die Möglichkeiten der Einflussnahme auf die Geschehnisse beim Letztgenannten sehr begrenzt sind.

2.3.1 DAS PRÄSENZPUBLIKUM

In den meisten Talkshows gibt es ein Präsenzpublikum, dass auf den Verlauf der Sendung einen direkten Einfluss ausüben kann. Allein die Anwesenheit der Zuschauer übt einen enormen psychologischen Einfluss auf Gäste und Moderator aus.

Ulrike Mühlen unterscheidet auf der verbalen Ebene zwischen spontaner und inszenierter Beteiligung.10 Spontan äußert sich das Studiopublikum z.B. durch Zwischenrufe oder Wortmeldungen. Demgegenüber werden häufig Zuschauerbefragungen inszeniert.

Als nonverbale Reaktionen sind z.B. Lachen, Applaus oder Pfiffe anzuführen. Hierdurch bekommen Moderator und Gäste ein „unmittelbares Feedback“11 auf das Gesagte, und „somit steigt der Profilierungszwang für Moderatoren und Gäste gleichermaßen, es kommt zu Konkurrenzverhalten, zur Rivalität um die Gunst des (Studio- plus Fernseh)Publikums.“12 Die Reaktionen der Zuschauer werden zu einem regelrechten „Stimmungsbarometer“13

Weiterhin erhöht das Präsenzpublikum den Öffentlichkeitscharakter der Redeshows. Es verhindert, dass Moderator und Gast in ihren Gesprächen zu „privat“ werden. Dabei geht natürlich auch ein großer Teil an Spontaneität verloren. Mühlen spricht in diesem Fall von „doppelt gehemmter Spontaneität“14.

In den Daily-Talks findet das Präsenzpublikum oft auch aktionale Beteiligung. So wählte Nicole vor kurzem in ihrer Sendung das „erotischste Nikolauspaar“. Das Publikum durfte dabei mit verschiedenfarbigen Tafeln mit abstimmen.

2.3.2 DAS FERNSEHPUBLIKUM

Im Gegensatz zum Studiopublikum können die Fernsehzuschauer nur wenig Einfluss auf Talkshows nehmen, da es sich bei den meisten Sendungen nicht um Live-Übertragungen, sondern um Aufzeichnungen handelt. Hier ist die einzige Möglichkeit der Kontaktaufnahme ein Zuschauerbrief oder ein Anruf bei den am Ende der Sendungen eingeblendeten Zuschauer-Hotlines. Die Aktualität bleibt dabei verständlicherweise auf der Strecke.

Hans Meiser und Bärbel Schäfer gehen neuerdings jedoch live auf Sendung, um auch den Zuschauern am Fernseher die Möglichkeit zu bieten, bei ihnen mitzureden. In beiden Shows kommt ein Zuschauertelefon zum Einsatz, Bärbel Schäfer nutzt darüber hinaus das Internet. Dort kann das Fernsehpublikum seine Fragen an die Studiogäste live im Chat abgeben. Es wird jedoch nur eine verschwindend geringe Anzahl der Fragen in der Sendung berücksichtigt, so dass von wirklicher Einflussnahme keine Rede sein kann.

2.4 DER SERIENCHARAKTER

Damit sich das Format einer Talkshow im Bewusstsein der Zuschauer festsetzt, ist es notwendig, dass die Sendung in regelmäßigen Abständen den Zuschauer erreicht, und zwar unter gleichbleibenden Bedingungen. In Hinblick auf die Frequenz ergibt sich jedoch ein breiter Spielraum. Neben den täglich übertragenen Bekenntnis-Talkshows dominieren die wöchentlich und vierzehntägig gesendeten Formate des Portrait-, Prominenten- und Themen-Talks.15 Aber auch Talksendungen, die nur viermal jährlich produziert werden, wie beispielsweise Das literarische Quartett erfüllen nach Meinung Foltins den Aspekt des seriellen Charakters, sofern sie einen Wiedererkennungswert erreichen.16

2.5 ELEMENTE DER SHOW

Neben dem eigentlichen Talk, der den Mittelpunkt der Sendung ausmacht, spielen Showelemente eine wichtige Rolle. Gemeint sind Musikeinlagen, Filmeinspielungen, aber auch Einblendungen von Fotos und Textinformationen.

Neben ihrer unterhaltenden Funktion bieten sie die Möglichkeit, dem Zuschauer Zusatzinformationen zu liefern, Übergänge zwischen den einzelnen Gesprächen herzustellen, oder sie sind repräsentativer Natur, wenn beispielsweise Filmbeiträge den Gast bildhaft darstellen. Darüber hinaus können sie Zensurfunktion besitzen, wenn die Regie sie gezielt dazu einsetzt, Gesprächsbeiträge abzubrechen.17

2.6 DER TALK

Das Gespräch bzw. der Talk nimmt die Schlüsselfunktion in der Show ein. Das Gespräch kann in Form einer Befragung oder einer Diskussion stattfinden, immer erscheint der Talk jedoch inszeniert. Allein schon die Rahmenbedingungen (das Zusammenkommen in einem Studio, Reden vor Publikum, zeitliche Festlegung) lassen den Begriff einer natürlichen Konversation nicht zu. Ulrike Mühlen spricht deshalb von der Semi- Natürlichkeit bei Fernsehgesprächen, da zwar ein „echter“, d.h. kommunikativer Sprechanlass besteht, dieser jedoch aufgrund der „Beobachterschaft“ in Form des Studio- und Fernsehpublikums arrangiert erscheint.18

Das arrangierte Gespräch erlaubt dennoch eine gewisse Freiheit im Ablauf des Talks. Auch wenn der Moderator bemüht ist das Gespräch gemäß dem Script zu lenken, so wird er nie in der Lage sein, den ganzen Gesprächsverlauf zu kontrollieren. Der Talk an sich ist so von einer partiellen Spontaneität gekennzeichnet, und genau diese ist es, die das Fernsehgespräch so interessant erscheinen lässt. „Was [... ] kurzweilig unterhält, ist primär die Erwartung des Unerwartbaren, ist die reizvolle Nichtkalkulierbarkeit, ist der Peinlichkeitsreiz für den Zuschauer, der auf den Patzer, auf die Entlarvung der Persönlichkeit, auf das spontane Ablegen eines Rollenverhaltens beim Gast und beim Gastgeber wartet.“19

Als weiteres distinktives Merkmal des im Fernsehen stattfindenden Gesprächs ist die Existenz eines zweiten, äußeren Kommunikationskreises (zwischen Fernsehzuschauer und Studiorunde) zu nennen, „ [... ] der den ersten, inneren Kommunikationskreis (welcher nur die Studiorunde einschließt) nicht einfach ergänzt, sondern quasi überlagert und damit das Verhalten der Gesprächsteilnehmer des inneren Kommunikationskreises mitbestimmt bzw. mitbestimmen kann.“20

Ein wesentliches Showelement bildet zudem der Vorspann einer Talkshow, der meist das Logo der Sendung und die Erkennungsmusik beinhaltet. Der Vorspann fördert wesentlich die Imagebildung der Show.21

Das Vorhandensein dieser äußeren Kommunikationsebene beeinflusst das Gespräch vehement. Sie ist überhaupt erst ausschlaggebend dafür, dass sich die Studiogäste zum TV-Talk zusammenfinden, denn diese nutzen den Fernsehauftritt nicht, um sich mit den anderen Studiogästen auseinanderzusetzen oder zu „plaudern“, sondern vielmehr aus Gründen der Imagebildung und Personenwerbung (siehe Kapitel 1.3).22 Ulrich Sarcinelli und Jens Tenscher bezeichnen in ihrem Aufsatz „Polit- Flimmern und sonst nichts?“ das Gespräch im Fernsehen aus diesem Grund auch als trialogisch statt dialogisch, da zwar jede Äußerung vordergründig an den direkt angesprochenen, physisch anwesenden Gesprächspartner gerichtet ist, der eigentliche Adressat der verschiedensten Kommunikationsinteressen aber der Zuschauer am Bildschirm darstellt.23

2.7 DIE INTENTION DER UNTERHALTUNG

Allen Talkshows gemein ist der Aspekt der Unterhaltung. Es gibt Talkshows mit reinem Unterhaltungswert; hierzu zählen vor allem die personenzentrierten Prominenten-Talkshows, aber auch der Portrait- Talk und das Format der Bekenntnis-Talkshows. Neben der unterhaltenden Absicht besitzt vor allem der Themen-Talk noch einen informativen Wert. So findet in politischen Talkshows eine Vermischung sachlich-rationaler und emotional-unterhaltsamer Auseinandersetzung über aktuelle politische und gesellschaftliche Themen statt.24

Die „Talkshowisierung“ von politischen Themen wie sie Tenscher in seinem Aufsatz beschreibt, führt zu einer Personalisierung und Emotionalisierung der Politik, d.h. bisweilen komplex und intransparent erscheinende politische Themen erhalten mit dem Auftreten von Politikern in TV-Gesprächsrunden ein Gesicht, werden persönlicher. Der daraus resultierende unterhaltende Effekt bleibt als eine Voraussetzung der Talkshow immer gewahrt.

Die Abgrenzung des Genres Talkshow von anderen Sendeformaten bleibt im Einzelfall nach wie vor schwierig. Erheblich erschwert wird eine Eingrenzung zudem von der Tatsache, dass immer mehr Mischformen angeboten werden, z.B. im Falle von Sendungen, in denen der Talk Bestandteil des Konzepts ist, jedoch nicht den erforderlichen Stellenwert einnimmt wie in einer prototypischen Talkshow.

Die erwähnten Kriterien bilden aus diesem Grund lediglich Vorgaben, die eine Kategorisierung des Genres erleichtern sollen, jedoch nicht immer in vollem Umfang können.

3. DIE TALKSHOW-TYPEN

Trotz der bereits erwähnten Schwierigkeiten bei der Kategorisierung des Genres Talkshow, sollen in diesem Kapitel klassische Talkshow - Typen vorgestellt werden.

In der Literatur variieren die Kategorisierungsmuster der Autoren zum Teil. Klaus Plake spricht sich beispielsweise für drei Grundtypen der Talkshow aus, wenn er zwischen der Debatten-Show, der PersonalityShow und der Bekenntnis-Show differenziert.25

Dieser Hausarbeit liegt die Einteilung nach Steinbrecher und Weiske zu Grunde. Die Autoren unterscheiden vier Talkshow-Klassen, die im folgenden erläutert und von zwei weiteren Typen, die Foltin in seinem Aufsatz erwähnt, ergänzt werden.

3.1 PROMITALK

Das sind personenzentrierte Gespräche mit mehreren dem Gros der Zuschauer bekannten Persönlichkeiten (aus Film, Fernsehen, Sport, Politik, Theater/Bühne, Musik etc.). Von diesen wird die Talkshow zumeist wahrgenommen, um für ein kürzlich erschienenes Buch, eine Platte oder Film zu werben, oder um eine gewisse Medienpräsenz zu erhalten. Themenschwerpunkte, sofern es sie gibt, wechseln je nach Gast und orientieren sich beispielsweise nach dem Inhalt des vorgestellten Produktes. Beispiele einer Promi-Talkshow: III nach 9, NDR - Talkshow26

3.2 THEMENTALK

Den Schwerpunkt der Sendung bildet meist ein Thema mit aktuellem Zeitbezug. Zumeist prominente Gäste werden nach Art und Inhalt des Themas eingeladen und bestechen durch Sachkenntnis, weniger durch eine interessante bzw. für das Gespräch relevante Biographie. Die thematische Kompetenz ist also entscheidend, wobei ein unterhaltender Aspekt immer berücksichtigt bleibt (z.B. im Falle einer lebhaften Diskussion).

Foltin erwähnt in seinem Aufsatz das Subgenre der Zielgruppen- Talkshows, und meint damit Sendungen, die auf spezifische Informationsbedürfnisse abgestellt sind. In diesem Zusammenhang erwähnt der Autor beispielsweise Kultur- Sport- und Sexualkunde- Talkshows. Sendungen wie Das literarische Quartett oder Offensiv (DSF) sind seiner Meinung nach diesem Subgenre zuzurechnen. Da sie jedoch mit einem bestimmten Thema befassen, lassen sie sich in diesem Fall auch der von Steinbrecher und Weiske eingeführten Kategorie des Thementalks zuordnen.27

Beispiele des Thementalks: Talk im Turm (bereits abgesetzt), Sabine Christiansen, Berlin Mitte

3.3 PORTRAITTALK

Dieser lässt sich nicht immer eindeutig vom Promitalk unterscheiden, da oft Prominente Gesprächspartner des Moderators sind. Ein Unterschied lässt sich jedoch daran festmachen, dass sich der Portraittalk auf einen kleineren Gesprächskreis konzentriert, mit zumeist nicht mehr als drei oder vier Personen.

Das Gesprächsthema ist oft eng mit dem Talkgast verknüpft. Es nimmt das Hauptgewicht des Gesprächs ein, die Person an sich tritt hinter der Information bzw. dem Thema zurück. Der Portraittalk will in erster Linie unterhaltend wirken, übermittelt dennoch auch ein bestimmtes Maß an Information.28

Foltin erwähnt in diesem Zusammenhang das Subgenre der Jux- Talkshows. Als konkretes Beispiel führt er die Sendung Dall-As an, die zwischen 1985 und 1991 beim Sender RTL ausgestrahlt und von Karl Dall moderiert wurde. Zwar erfüllt sie die äußeren Rahmenbedingungen dieser Talkshow-Kategorie, dennoch ist der Moderator nicht auf ein informatives Portrait seiner Gäste aus, „sondern nutzt die eingeladenen Sänger, Schauspieler und sonstige prominenten nur als Zielscheibe seines Spotts.“29

Beispiele dieser Talkshow-Kategorie: Boulevard Bio, Beckmann, Zimmer frei

3.4 KONFROTALK

Bei dieser Talkshow-Klasse steht ein kontroverses Thema im Mittelpunkt der Sendung. Emotionale und zum Teil unsachliche Streitgespräche vor aufgeheiztem Publikum verdrängen eine sachgerechte, kompetente und argumentative Auseinandersetzung. Auch wenn politische Themen behandelt werden, ist die Wirkung eher auf Unterhaltung ausgerichtet, weniger informativ.30 Beispiele: Explosiv - der heiße Stuhl (bereits Anfang der 90er abgesetzt)

Der Konfrotalk ist in der Form wie ihn Steinbrecher und Weiske beschreiben aus der deutschen Fernsehlandschaft verschwunden.

3.5 LATE-NIGHT-SHOW

Das Format des Late-Night-Talk wird bei Steinbrecher und Weiske nicht als eigenständiges Talkshow-Format aufgeführt, findet jedoch bei Foltins Einteilung Berücksichtigung und soll als fünfte Kategorie in dieser Hausarbeit erwähnt werden. Der Typ der Late-Night-Show ist einer der ältesten Talkshow-Formate, in Deutschland jedoch erst seit 1992 etabliert (Gottschalk). Seit fünf Jahren produziert der Berliner Sender SAT 1 die Harald-Schmidt-Show, die zur Zeit einzige Sendung dieses Formats im deutschen Fernsehen. Typische Merkmale dieser Talkshow-Kategorie sind eine starke Orientierung an amerikanischen Vorbildern, Comedy- und Slapstickeinlagen, Filmeinspielungen, Live- Musik und eben der Talk mit meistens zwei, manchmal drei prominenten Gästen. Die Rolle des Talkmasters ist für den Erfolg der Show von entscheidender Bedeutung, schlüpft er doch nicht allein in die Rolle des Moderators, sondern darüber hinaus in die des „Alleinunterhalters“, mit dem die Qualität/Attraktivität der Sendung steigt oder fällt.

3.6 BEKENNTNIS-TALK

Seit fast zehn Jahren ist das Format der Bekenntnis-Talkshow aus dem deutschen Fernsehen nicht mehr wegzudenken. Gerade für den täglichen Talk ist die Bekenntnisshow (englisch: Confessional-Talk) unverzichtbar geworden. Angelehnt an amerikanische Vorbilder wie beispielsweise die „Oprah Winfrey Show“, talken auf deutschen Programmen knapp ein Dutzend Talkmaster um die Wette. Vor allem die privaten Fernsehanstalten RTL, SAT 1 und Pro Sieben setzen auf die billig zu produzierenden Daily-Talk-Formate, die hohe Einschaltquoten versprechen.

Die Bekenntnis-Talkshow konzentriert sich auf die Aspekte des Lebens. Nicht die Personen stehen im Vordergrund, sondern die Themen. Jeder darf sich äußern, der über entsprechende Probleme und Erfahrungen verfügt.31 Die Themen sind von einer nicht abstreitbaren Trivialität bestimmt und wiederholen sich bisweilen, so dass nach zehn Jahren Confessional-Talk eine allmähliche Übersättigung einsetzt. Der TV- Produzent Hubertus Meyer-Burckhardt äußert sich wie folgt dazu: „Erst haben interessante Menschen über interessante Dinge gesprochen, dann interessante Menschen über belanglose Dinge, dann belanglose Menschen über interessante Dinge, und jetzt reden belanglose Menschen über belanglose Dinge.“32

Weitere typische Merkmale dieses Talkshow-Formats sind die starke Einbeziehung des Publikums, welches nicht nur applaudierend in Erscheinung tritt, sondern ebenfalls durch Unmutsäußerung und Gesprächsbeiträge, und die dominierende Rolle des Moderators bzw. Hosts, der während der ganzen Sendung von den Zuschauerrängen aus die Moderation leitet.33

Mit dieser Liste an verschiedenen Talkshow-Klassen sind die zur Zeit im deutschen Fernsehen etablierten Sendungen des Genres Talkshow weitestgehend abgedeckt.

Allen gemeinsam ist der TALK an sich, d.h. das Gespräch zwischen Host/Gastgeber und eingeladenem Gast, das meist vor Studienpublikum stattfindet, und sowohl als Einzelgespräch als auch als Gruppengespräch geführt werden kann.

4. ZUR GESCHICHTE DER TALKSHOW

Aus Gründen der Übersicht konnten im folgenden nicht alle Stationen der Talkshow-Genese berücksichtigt werden; besonderes Augenmerk galt den „Meilensteinen“ innerhalb der Entwicklung des Genres.

4.1 DIE ANFÄNGE IN DEN USA

Die Ursprünge der Talkshow sind in den Vereinigten Staaten zu suchen. Hier konnte sich zum einen das Fernsehen als Massenmedium sehr schnell etablieren, zum anderen war das Fernsehen von Beginn an von einer hohen Kommerzialisierung gekennzeichnet, d.h. viele Sender finanzierten sich durch Werbeeinnahmen, und waren auf der Suche nach kostengünstigen Produktionen, die gleichzeitig hohe Einschaltquoten versprachen. Diese Bedingungen erfüllt die Talkshow bis heute.34

Klaus Plake macht in seinem Buch Talkshows - die Industrialisierung der Kommunikation jedoch auch soziale und kulturelle Traditionen des Landes für die frühzeitige Etablierung des Genres mitverantwortlich, wenn er sagt:

„Sicherlich ist es kein Zufall, daß die Talkshow in den Vereinigten Staaten beheimatet ist, in einem Land mit einer spezifischen Tradition von Öffentlichkeit, mit einer Justiz, die nicht nur im Namen des Volkes urteilt, sondern an der sich das Volk direkt beteiligt fühlt [... ], mit spektakulären, emotionalen und vor allem personenbezogenen Wahlkämpfen. [... ] Alle diese gesellschaftsspezifischen Eigenarten tragen dazu bei, daß in den USA der Rede als öffentliche Veranstaltung eine ganz andere Bedeutung zukommt als in Europa. [... ] Die elektronischen Medien bauen auf dieser Kultur auf und führen sie fort.“35

Die Wurzeln der Talkshow liegen im Hörfunk. In Amerika führten Radiomoderatoren wie z.B. Fred Allens oder Jack Bennys als eine der ersten talkähnliche, meist live über den Sender gehende Radioshows. Mit Aufkommen des Fernsehens Ende der 50er Jahre übernahm Sylvester Pat Weaver (der heute als Erfinder des Talkshow-Fernsehens gilt) dieses Konzept aus dem Radio und etablierte es im Fernsehen.36 Broadway Open House („Die Mutter aller Talkshows“) war eine Promi- Talkshow mit einer Dauer von sechzig Minuten und wurde erstmals im Mai 1950 bei NBC im Spätprogramm ausgestrahlt. Die Sendung hielt sich jedoch nur ein Jahr, nachdem der Moderator Jerry Lester als Identifikationsfigur der Sendung ausschied.

Als nächstes Talkshow-Experiment entwickelte Weaver eine Talkshow für den frühen Morgen. Today startete im Januar des Jahres 1952 und sollte eine Art Ersatz für die allmorgendliche Zeitung sein, mit journalistischen Inhalten, Live-Berichten, Nachrichten, aber auch unterhaltenden Interviews.

Eine weitere Entwicklung von ihm war The Home Show, die am 1. März 1954 Premiere hatte und mit Einrichtungs- und Pflegetipps...etc. insbesondere die Schar der Hausfrauen ansprechen wollte.37

Die Lücke, die Broadway Open House im späten Abendprogramm hinterließ wurde 1951 mit der Steve Allen Show des New Yorker Senders WNBC-TV gefüllt. Bereits 1954 wurde ihr Moderator Steve Allen jedoch von Pat Weaver für seine neue Tonight-Show als Talkmaster engagiert. Diese Show repräsentierte erstmals die typischen Bestandteile einer Late-Night-Talkshow, mit Merkmalen wie wir sie noch heute wiederfinden. Sie war sozusagen der Prototyp aller Late-Night-Talkshows mit unverkennbaren Kennzeichen; so war der Beginn der Sendung immer von einer Solo-Comedy-Einlage des Moderators geprägt, der im Laufe der Sendung auch schon mal den Gang in die Zuschauerreihen suchte, um das Publikum direkt anzusprechen. Nach ungefähr der Hälfte der Sendezeit nahm der Moderator hinter einem großen Schreibtisch Platz, um als Host die Gäste zu empfangen, meist vor einer „city by night“ - Kulisse.

Als Steve Allen die Show verließ, wurde sie 1957 eingestellt. Erst im Jahre 1962 entschloss sich CBS zum Nachfolger The Tonight Show, mit Jack Paar als Moderator. Dieser führte fünf Jahre lang als Gastgeber und Komödiant durch die Sendung, bis er sie 1962 verließ, mit der Begründung: „There‘s nobody left to talk to“.38

Ab Oktober desselben Jahres moderierte Johnny Carson die Show das erste Mal. Mit ihm erreichte die Show Einschaltquoten, die die Sendung seit ihrem Start nicht erreicht hatte. Carson, der die The Tonight Show bis 1992 moderiert hat, gilt bis heute als der erfolgreichste Talkmaster der USA.39

In den 60er Jahren fand das Sendeformat der Talkshow immer größere Beliebtheit. Günstige Produktionskosten bei hohen Einschaltquoten ließen das Genre expandieren, was nicht heißt, dass jede Talkshow ein Erfolg war. Nicht wenige Sendungen wurden kurz nach ihrer Erstausstrahlung wieder eingestellt. Dennoch wollte jeder Sender von dem Boom profitieren und hatte zumindest eine derartige Show im Programm. Keine konnte jedoch mit dem Erfolg der The Tonight Show gleichziehen.

Ab Mitte der 60er Jahre versuchte ABC mit dem Moderator Dick Cavett ein Pendant zur The Tonight Show zu etablieren. Die zunächst als Dick- Cavett-Show ausgestrahlte, und später als Late Night Show laufende Sendung hielt sich immerhin sechs Jahre, dennoch reichte sie an die Erfolge (was die Höhe der Einschaltquote betrifft) der The Tonight Show nicht heran.

1970/71 war der Boom der Talkshows in den USA auf seinem Höhepunkt. Wer wollte, konnte von morgens 6 Uhr an bis spät in die Nach den Talkshows als Fernsehzuschauer beiwohnen.40

Den ersten Einbruch erlitten die Shows jedoch schon im Jahre 1972, als im Sommer die ersten Watergate-Verhöre im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Die drei größten Sendeanstalten NBC, ABC und CBS übertrugen täglich ausführlich die „hearings“, und viele Talkshows mussten diesen Live-Berichterstattungen weichen. Halten konnten sich überwiegend nur die seichten Promi-Talkshows, während andere Talkshows mit sinkenden Einschaltquoten zu kämpfen hatten und schließlich abgesetzt wurden.41

Die Flaute hielt bis etwa Anfang der 80er Jahre an. Im Sommer startete die David Letterman Show, zunächst am Nachmittag mit mäßigem Erfolg. Erst als die Show 1982 als Late Night with David Letterman im Abendprogramm ausgestrahlt wurde, begann sich ein Erfolg einzustellen, der bis heute anhält.42

In den 90ern etablierten sich weitere Shows des Late-Night-Formats, u.a. die Jay Leno Show oder Conan O‘Brian.

Bereits Mitte der 80er kam eine weiteres Talkshow - Format auf; das der Confessional-Talks und Confro-Talks, die nach Vorstellungen von Phil Donahne konzipiert waren.

Die bekannteste Vertreterin dieser Talkshow-Gattung ist wohl Oprah Winfrey, die mit ihrer Oprah Winfrey Show seit 1986 nicht nur dem amerikanischen Publikum bekannt ist. In dieser Show, die von Anfang an sehr erfolgreich lief, werden insbesondere gesellschaftliche Tabuthemen aufgegriffen und vor Studiopublikum diskutiert. Ihr und Kollegen wie Sally Jessy oder Geraldo Rivera werden seit Beginn der Ausstrahlung TV-Populismus vorgeworfen, indem sie die Rolle eines „Ersatzpsychologen im Beichtstuhl Talkshow“ einzunehmen versuchen und Menschen regelrecht vorführen, mit dem Ziel durch Enthüllung und Darstellung des Andersartigen die Zuschauerquote zu steigern.

Eng mit dem Konzept der Confessional-Talkshow verbunden ist die Confrontional-Talkshow (kurz: „Confro-Talk“). Unterschiede zur ersteren lassen sich daran festmachen, dass Themen noch provokanter sind und das Studio samt Publikum eher einer Arena gleicht, in der nicht nur härter getalkt wird, sondern auch zum Teil Handgreiflichkeiten den Gesprächsablauf bestimmen.43

Die Jerry Springer Show, früher eine weniger erfolgreiche Confessional- Talkshow, hat Mitte der 90er einen Wandel zur härteren Confro- Talkshow durchgemacht und war bis Ende der 90er eine der erfolgreichsten Talkshows in Amerika. Die New Yorker Zeitung Newsday schreibt über die Sendung, die Ende der 90er Jahre mit elf Millionen Zuschauern im Durchschnitt die erfolgreichste Talkshow im amerikanischen Fernsehen war: „[Eine] tägliche Prügelrunde, in der wenig geredet, aber um so mehr geschlagen wird, ist wahrscheinlich das übelste Programm in der Geschichte des Fernsehens“.44

4.2 TALKSHOW IN DEUTSCHLAND

Mit einer Verzögerung von etwa zwanzig Jahren begann man auch in Deutschland zu entdecken, dass mit dem relativ preiswert zu produzierenden Sendeformat Talkshow hohe Einschaltquoten zu erreichen sind.

Als „Geburtsstunde“ der personenorientierten Talkshows wird in Deutschland allgemein die WDR-Talkshow Je später der Abend mit Dietmar Schönherr betrachtet, die erstmals 1973ausgestrahlt wurde. Ab Anfang 1974 wurde die Sendung ins Erste Programm übernommen und erreichte dort zu Beginn Einschaltquoten bis 44%, die sich jedoch nicht lange halten ließen. Nach 63 Folgen wurde Je später der Abend im Juli 1978 abgesetzt.45

Weitere Meilensteine des personenzentrierten Talks waren die von Radio Bremen 1974 erstmals gesendete Talkshow III nach 9 sowie die ab 1979 laufende NDR-Talkshow. Typisches Merkmal dieser beiden Sendungen war die Co-Moderation, d.h. im Gegensatz zu Je später der Abend führte nicht nur ein Moderator, sondern mindestens zwei, bei III nach 9 sogar drei Moderatoren durch die Sendung, welche zudem keinem starren Konzept unterlag, sondern verstärkt auf den Faktor der Spontaneität setzte.46

Hans-Friedrich Foltin beschreibt in seinem Aufsatz Die Talkshow.

Geschichte eines schillernden Genres die sonntägliche Diskussionssendung Internationaler Frühschoppen als einen Vorläufer des deutschen Talkshow-Genres. Doch bleibt die 1953 erstmals ausgestrahlte Sendung, in der der Moderator Werner Höfer mit fünf internationalen Journalisten über die aktuelle Politik debattierte, wirklich nur ein Vorläufer, der nur ansatzweise Elemente von „Show“ erkennen ließ. Wirkliche Talkshow-Elemente fehlten. So schreibt der Autor selbst:

„Der ‚Internationale Frühschoppen‘ kann keinesfalls als Talkshow im engeren Sinne eingestuft werden (schon mangels Studiopublikum). Ob er es im weiterem Sinne war, darf bezweifelt werden. Er wird in diesem Zusammenhang hier dennoch vorgestellt, [... ] weil in den Trink- und Trinkspruchritualen zumindest Ansätze von ‚Show‘ erkennbar sind.“47

Zur erfolgreichsten Talkshow in den frühen achtziger Jahren entwickelte sich Heut‘ Abend, moderiert von Joachim Fuchsberger. In Ein- bzw. Zweiwochenabständen porträtierte der Talkmaster pro Sendung jeweils einen Prominenten aus den Bereichen Medien, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst, Literatur oder Sport.48

Mit Aufkommen der privaten Sendeanstalten Ende der 80er Jahre setzten sich auch andere Talkshow-Formate, wie beispielsweise der Konfrotalk oder später in den 90ern der Confessional-Talk durch. 1989 wurde erstmals das Genre des Konfrotalk mit der Sendung Explosiv - der heiße Stuhl oder A.T. vom Kölner Sender besetzt. Heute ist der Konfrotalk aus der deutschen Fernsehlandschaft weitestgehend verschwunden.

Bezüglich der Themen-Talkshows schickte das ZDF mit Doppelpunkt 1987 eine Sendung ins Rennen, die ein ähnliches Konzept wie Live aus dem Alabama des Bayerischen Rundfunks besaß. 1991 folgte SAT 1 äußerst erfolgreich mit Talk im Turm. Thementalk findet heute fast ausschließlich auf den öffentlich rechtlichen Sendern statt; gerade politische Talkshows wie Sabine Christiansen (ARD), Berlin Mitte (ZDF) oder Talk vor Mitternacht (NDR) bescheren den nicht-kommerziellen Fernsehanbietern hohe Einschaltquoten. Eine Ausnahme bildet der Nachrichtensender n-tv, der ebenfalls einige Talkshows dieser Kategorie anbietet (Der grüne Salon, Talk in Berlin).

Mittlerweile existieren zahlreiche Talkshows aller Kategorien im deutschen Fernsehprogramm. Wer will, kann von morgens 10 Uhr bis spät in die Nacht Talkshows gucken. Quantitativ am häufigsten vertreten ist das Format des Confessional-Talks. Vor allem die privaten Fernsehanstalten setzen auf die billig zu produzierenden Bekenntnis- Talkshows und laden vom Vormittag bis in die frühen Abendstunden zum „talken“ ein. Bärbel Schäfer, Arabella Kiesbauer oder Hans Meiser sind nur drei von insgesamt einem Dutzend nachmittäglichen Talkmastern. Bei der Umsetzung der Konzepte bediente man sich fast gänzlich der amerikanischen Vorbilder, wie beispielsweise der bereits oben erwähnten Oprah Winfrey Show.

Nach dem anfänglichen großen Erfolg der Confessional-Talkshows gehen die Zuschauerzahlen jedoch seit Ende der neunziger Jahre wieder zurück. Sinkende Einschaltquoten belegen dies. So schreibt der Spiegel: „Nach Jahren der unbeschwerten Quasselei befindet sich das Genre in einer Krise. Von ‚Sonja‘ (SAT 1) bis ‚Arabella‘ (Pro 7), von ‚Jörg Pilawa‘ (SAT 1) bis ,Fliege‘ (ARD) - den Talkshows läuft das Publikum davon.“49

Übersättigung der Zuschauer aufgrund des großen Überangebots und die restlose Ausschöpfung des Themenreservoirs haben dazu geführt, daß bereits einige Confessional-Talkshows eingestellt wurden (z.B. Birte Karalus oder Sabrina).

5. GESPRÄCHSANALYSE IN DER THEORIE

5.1 EINLEITUNG

Im Hinblick auf unsere Frage wie Kommunikation in Talkshows funktioniert ist es notwendig deren Hauptbestandteil zu untersuchen: das Gespräch. Dessen Analysierung findet erst seit den vergangenen 30 bis 40 Jahren immer mehr Beachtung im Bereich der Sprachwissenschaft und ist somit eine „relativ junge Teildisziplin“50. Entstanden ist sie aus der Betrachtung von den Grundlagen und Strukturen interagierender Menschen verschiedener Kulturen. Ihr Gegenstandsbereich ist grob gesagt die Analyse sprachlichen Verhaltens in einer Unterhaltung die einerseits sehr diszipliniert, andererseits aber auch gegenteilig ablaufen kann. Die Gesprächsanalyse soll klären wie man beispielsweise am besten in einer Konversation zu Wort kommt oder inwiefern die Sprechbeiträge zueinander passen. Die gesprächsanalytische Forschung bewegt sich auf zwei unterschiedlichen Böden: a) die Koordination verschiedener Gesprächsbeiträge und b) deren thematisch-inhaltlicher Bezug zueinander. Zunächst soll es darum gehen, darzulegen was ein Gespräch ausmacht, woraus es also besteht.

5.2 DAS GESPRÄCH

Man kann es in drei Ebenen analysieren:

Die erste Ebene unterteilt das Gespräch in drei Phasen, den Anfang die Mitte und das Ende. Henne und Rehbock nennen sie „Gesprächseröffnung“, „Gesprächsmitte“ und „Gesprächsbeeindigung“. Sie bilden die Makroebene, also die „oberste“ Ebene. Die mittlere Ebene, geht mehr ins Detail. Auf ihr werden die Beiträge, und deren Sprecherwechsel untersucht. Auf der Mikroebene werden die Gesprächsabschnitte mit Hilfe anderer linguistischer Teildisziplinen wie Syntax, Lexik und Phonetik unter die Lupe genommen.

Wir begeben uns jetzt auf die mittleren Ebene und betrachten, wie ein Gespräch organisiert sein kann, d.h. was nötig ist damit in großer Runde jeder einmal zu Wort kommt, ohne dass alle durcheinander sprechen und was geschehen ist, wenn es trotzdem passiert. Um das zu erreichen, müssen vorher wichtige Fachbegriffe eingeführt und auch erläutert werden. „Grundeinheit des Gesprächs ist der turn, der Gesprächsbeitrag, grundlegende Organisationsgröße ist das sogenannte turn-taking, der Sprecherwechsel“51. Hierbei ändern sich die Rollen, die jeder Gesprächsteilnehmer, der etwas sagen möchte, übernehmen muss. Mal ist er Sprecher, mal Hörer.

5.3 DIE VERSCHIEDENEN FORMEN DES SPRECHERWECHSELS

Möchte man in einer Konversation zu Wort kommen, geht das grundsätzlich auf zwei Wegen: der Fremdwahl oder der Selbstwahl. In einer Talkshow erfolgt die Fremdwahl häufig durch eine Frage, an die sich der Name des vom Moderator ausgesuchten Gasts anschließt, demnach also ein namentlicher Aufruf. Nonverbal erfolgt die Fremdwahl in Form von Blicken, Handbewegungen o.ä..

Ein bestimmtes Thema einer Frage, zu der nur ein bestimmter Gast etwas sagen kann, ist ebenfalls eine Form der Fremdwahl. So gibt es explizite als auch implizite Fremdwahlen. Man bekommt das Rederecht von jemandem zugesprochen.

Ist man nicht gewillt länger zu warten und ergreift eigenmächtig das Wort, begeht man eine Selbstwahl, die mit wesentlich größerer Vorsicht zu genießen ist. Man muss wissen, ob der Sprecher nun wirklich seinen turn beendet hat, ob niemand das Sprechvorrecht, weil er vorher schon mal etwas sagen wollte, besitzt, und man muss darauf achten, dass nicht alle zum gleichen Zeitpunkt zu reden anfangen. „In diesem Fall ist eine meist unmerkliche, aber intensive Koorperation zwischen allen Beteiligten nötig und offenbar auch möglich“52. Achtet man auf einige Regeln läuft man nicht Gefahr mit der Selbstwahl „jemanden auf die Füsse zu treten“. Es spricht immer nur einer alleine um Parallelsprechen besser vermeiden zu können, lautet die erste Regel. Eine weitere sagt aus, dass derjenige, der als erstes nach einem turn das Wort ergreift, sprechen darf. Die letzte sagt aus, dass vorige nicht gilt, wenn für den nächsten Beitrag bereits ein Vorrecht besteht.

Natürlich werden diese Regeln, ob bewusst oder unbewusst, nicht selten gebrochen.

Die verschiedenen Formen des turn-takings veranschaulichen, wie man die Regeln befolgen aber auch brechen kann. Entsteht zwischen zwei turns eine kleine oder gar keine Sprechpause, wird das - aus dem Englischen hergeleitet - gap genannt.

Wenn das Beitragsende des ersten Sprechers gleichzeitig Beitragsanfang des zweiten ist, erfolgte der Wechsel mit überlappend oder overlap. Trotz gleichzeitigen Sprechens, das nicht als störend empfunden wird, spricht man von einem glatten Sprecherwechsel, da bei Überlappungen generell keine Gesprächsinhalte verloren gehen. Bei den überlappenden Teilen handelt es sich um inhaltlich unwichtige Wörter wie „ja also“... oder „so irgendwie“.

Einen doch eher unangenehmen Effekt hat ein Sprecherwechsel mit längerer Pause. Das signalisiert eine Störung im Gespräch und kann z.B. durch Desinteresse am Thema oder Partner verursacht worden sein.

Die „unglatteste“ Form des Sprecherwechsels ist eine Unterbrechung. Sie hat stattgefunden, wenn sich der Sprecher unterbrochen fühlt und seinen Gesprächsbeitrag nicht mehr beenden kann und somit wichtige Beitragsteile wegfallen.

5.4 AKTIVE UND PASSIVE ROLLEN IN EINEM GESPRÄCH

Man hat demnach als Sprecher und auch als Hörer Möglichkeiten, Einfluss auf den Verlauf eines Gesprächs zu nehmen. Der Sprecher übernimmt hierbei den aktiven Part. Er hat das Rederecht bekommen, muss es aber auch wieder abgeben. Um diesen Übergang reibungslos geschehen zu lassen, ist es unumgänglich, auf einige Zeichen zu achten, die bei der Frage weiterhelfen wie man bemerkt, ob der Sprecher seinen turn beenden oder weiterführen möchte. Ein wichtiges Indiz für den Fortgang eines turns sind Pausenfüller („äh“, „hmm“, etc.), um während einer Denkpause nicht den Eindruck aufkommen zu lassen, dass man nicht mehr weitersprechen möchte. Bleibt die Intonationskurve erhöht, kann der Hörer ebenfalls erkennen das da noch etwas nachkommt.

Wird im gegenteiligen Sinne die Stimme leiser, und es schließen sich Anhängsel auch tag questions genannt, wie „nich?“, „eh?“, oder „gell?“ angehängt, kann der Hörer berechtigterweise davon ausgehen, dass er der nächste potentielle Sprecher sein wird. Wird man kurz vor Beitragsende unterbrochen, gibt es verbale als auch nonverbale Optionen um sein noch bestehendes Rederecht durchzusetzen. Starke Gesten und ein lauter werdendes Organ können ebenso hilfreich sein wie die Wiederholung des Redeteils oder Platzierung eines expliziten Hinweises, dass man noch nicht fertig ist.

Auch während eines turns wird ständig daran erinnert, wer den nun die Sprecherrolle inne hat. Vor allem durch Blicke und rhetorische Fragen („verstehst du?“, „nicht war?“) macht sich das deutlich.

Der Hörer hat eine passive Rolle während eines Gesprächs. Trotzdem kann er immensen Einfluss auf dessen Verlauf nehmen. Seine Aktivitäten erfolgen während des Gesprächsbeitrages, wirken aber eigentlich nicht störend. Ganz im Gegenteil: „Wird zu wenig Aufmerksamkeit signalisiert, führt das zur Verunsicherung des Sprechers und hat entsprechende Folgen (vermehrte rhetorische Bemühungen, Nachfragen im Sinne von hörst du mir eigentlich noch zu? oder interessiert dich wohl alles nicht, was?)“.53 Deshalb sind Hörersignale notwendig und werden unter dem Begriff Rückmeldeverhalten aufgegliedert in aufmerksamkeitsbezeugende und kommentierende Hörersignale, wobei die letzteren eine andere Form der ersteren sind. Dazu gehören Mimik, Blickkontakt, Kopfbewegungen oder kommentierende Bemerkungen. Kommentiert man die Äußerungen kritisch, fordert man den Sprecher auf, seinen Standpunkt noch einmal präziser darzulegen oder ein paar mehr gute Argumente anzubringen. Also unterscheidet sich ein guter von einem schlechten Hörer in puncto Partizipation. Letztlich kann man in der Rolle des Hörers noch signalisieren, dass man als nächstes in die Sprecherrolle schlüpfen möchte, indem man sein Rückmeldeverhalten verstärkt. Nachzuschieben bleibt noch, dass in einer Runde mit mehreren Personen die Rezipienten in Hörer und Mit-Hörer aufgeteilt sind. In diesem Falle übernimmt der Adressat die Höreraufgaben, wohingegen sich die anderen eher im Hintergrund halten.

5.5 DIE FUNKTION VON PARTIKELN UND NONVERBALEM VERHALTEN

Die Partikel spielen bei der Gesprächsorganisation, insbesondere beim turn-taking eine besondere Rolle. Es gibt zwei Großgruppen von Partikeln: Redeleitende Partikel und Modal- oder Abtönungspartikel. Die erste Gruppe umfasst Partikel wie „ja“, „äh“, „ähm“, etc., die im wesentlichen dazu dienen, Gesprächspausen zu überbrücken. Deshalb werden sie Pausenfüller genannt.

Mit Redeeinleitungspartikeln kann man einen Gesprächsbeitrag beginnen, obwohl man sich der Formulierung noch nicht ganz sicher ist. In diesem Fall hätte man sich zumindest das Rederecht gesichert. Sie halten das Gespräch mehr oder weniger am laufen um nicht eine unangenehme Gesprächsflaute entstehen zu lassen. Deshalb kommt ihnen ebenfalls eine soziale Bedeutung zu. Viele Smalltalks dienen zwar nicht gerade dazu, tiefschürfende Gespräche zu führen, sind aber sehr wichtig, um soziale Beziehungen zu bestätigen oder gegebenenfalls zu erneuern.

Darüber hinaus kann man mit Partikeln den Hörer zur Aufmerksamkeit bewegen (Sprechersignal), genauso wie umgekehrt der Hörer seine Aufmerksamkeit zeigen kann (Hörersignal).

Die Modal- oder Abtönungspartikel haben keine organisatorische, sondern eine kommunikative Funktion. Durch sie können Aussagen verändert oder kommentiert werden. Wenn man „Eduard kommt nicht“ mit „Eduard kommt eh nicht“ vergleicht, wird schnell klar, welche Veränderung Partikel bewirken können. Aus einer konkreten Aussage wird eine Annahme. Ansonsten werden Partikel eingesetzt, um Aussagen zu unterstreichen („das ist nun mal so“) oder Unsicherheit kund zu tun („Irgendwie leuchtet mir das schon ein aber...“).

Ähnliche Funktionen hat nonverbales Verhalten. Beim Sprecherwechsel kommen der Gestik, Mimik, Körperhaltung, Bewegung und dem Blickkontakt spezielle Bedeutungen zu. Sie können die verbalen Aktivitäten unterstützen (Nachdruck durch Blickkontakt), verdeutlichen, vorbereiten (geöffneter Mund, weil man als nächstes etwas sagen möchte) und sogar ersetzen (Kopfnicken anstelle von „jaja“). Wahrnehmung und Ausführung solcher Aktivitäten geschehen eher unbewusst. „So merkt man es z.B. ja meist erst dann, dass man die ganze Zeit nervös mit einer Büroklammer gespielt hat, wenn diese plötzlich zerbricht“.54

Heben, schwenken oder senken der Stimme gehören zur paraverbalen Unterkategorie der nonverbalen Aktivitäten.

5.6 KURZER AUSBLICK

Weitere gesprächsanalytische Untersuchungsmöglichkeiten liegen auf der inhaltlichen Seite der Gesprächsbeiträge. Die Untersuchung der Gesprächsphasen, der Gesprächssorten oder die Rollen der Gesprächspartner bieten ein weiteres großes Feld, auf dem man Gespräche untersuchen kann. Einige Probleme bei der Analyse von Gesprächen ergeben sich beispielsweise aufgrund verschiedener Interpretationsmöglichkeiten von verbalen wie auch nonverbalen Verhaltensweisen. An und für sich denke ich, dass sich dieser Forschungszweig der Linguistik zukünftig noch größerer Beliebtheit erfreuen wird.

6. GESPRÄCHSANALYSE EINES DAILY-TALKS AM FALLBEISPIEL ANDREAS TÜRCK

In der folgenden linguistischen Untersuchung der Andreas Türck- Talkshow sollen zunächst die äußeren Rahmenbedingungen der Sendung (z.B. Studio, zeitlicher Ablauf, Werbeeinblendungen) betrachtet werden. Weiterhin werden die sprachlichen Besonderheiten (z.B. Sprachniveau, turn-taking, Sprachgeschwindigkeit) anhand des vorliegenden Transkripts genauer analysiert.

In Anlehnung an Ulrike Mühlens Talk als Show soll hier neben der Qualität auch die Quantität bestimmter Äußerungen im Vordergrund stehen und genauer bestimmt werden.

Im Anschluss wird kurz auf die Kameraführung in der betreffenden Talkshow eingegangen, da diese nicht außer Acht gelassen werden darf. Immerhin bekommt das Fernsehpublikum durch gezielte Schnitte und Einstellungen nur einen ganz begrenzten Einblick in das Geschehen. Die Aussagen können so einen vollkommen veränderten Gehalt bekommen.

6.1 ÄUßERE RAHMENBEDINGUNGEN

Unter den äußeren Rahmenbedingungen sollen solche Gegebenheiten zusammengefasst werden, die auf die sprachlichen Diskurse einen indirekten Einfluss ausüben und darüber hinaus den Charakter der betreffenden Sendung prägen.

6.1.1 PROGRAMMZEITPUNKT UND DAUER

Bei der Talkshow Andreas Türck handelt es sich um ein Sendeformat des Daily-Talks, da sie (bereits seit 1998) täglich von montags bis freitags zu sehen ist. Ihren festen Programmplatz hat die Show jeweils um 15 Uhr beim Kabelsender Pro Sieben.

Der zeitliche Rahmen der Show beschränkt sich auf eine Stunde. Unterbrochen wird Andreas Türck dabei durch zwei Werbeblöcke à sechs bis sieben Minuten, so dass sich die reine Sendezeit noch um weitere zwölf bis 14 Minuten reduziert.

6.1.2 STUDIOAUFBAU, KULISSE UND BELEUCHTUNG

Das Studio ähnelt durch Fenster und bestimmte Requisiten (z.B. ein Fahrrad im Hintergrund, Bilder) nahezu einer Wohnung oder gar einem Wohnzimmer, was sich wesentlich auf die Atmosphäre des Raumes auswirkt. Er soll gemütlich erscheinen, damit die Gäste in scheinbar familiärer Runde freimütig ihre Geschichten zum Besten geben können. Da das Publikum den Talkgästen frontal gegenüber sitzt, wird diese Stimmung jedoch sofort wieder zunichte gemacht. Durch die bloße Anwesenheit der Zuschauer wird den Rednern der Öffentlichkeitscharakter der Show bewusst, und so kommt hier Ulrike Mühlens „doppelt gehemmte Spontaneität“55 zum Tragen. (vgl. 1.3.1)

Auch durch die gewählte Beleuchtung kann sich die angestrebte „ruhige Wohnzimmeratmosphäre“ nicht ausbilden. Bei Türck ist jeder Winkel hell ausgeleuchtet.

6.1.3 ANZAHL DER GÄSTE UND GRÖßE DES PUBLIKUMS

Türck lädt bis zu zehn Gäste pro Sendung in sein Studio ein - eine feste Anzahl von Rednern gibt es bei ihm jedoch nicht.

Das Publikum besitzt dagegen eine konstante Größe von etwa 100 Zuschauern. Damit jeder das Geschehen auf der Bühne gut mitverfolgen kann, sind die Stühle auf einer Treppe angeordnet.

6.1.4 THEMEN

Das Themenspektrum bei Andreas Türck ist nahezu unerschöpflich. Von „Ich bin eine Sexbombe“ über „Andreas, hilf mir! Ich bin zu dick!“ bis hin zu „Ich führe ein Doppelleben. Heute lüfte ich mein Geheimnis“ ist alles dabei, was die Gemüter erregt. Fast immer lässt schon der bloße (meist provokante) Titel die in der Sendung folgende Konfrontation verschiedener Parteien mit unterschiedlichen Meinungen erkennen.

Die Show, die im folgenden analysiert werden soll, behandelte das Thema „Glaub mir endlich! Dein Freund geht fremd“.

Nach welchen Kriterien werden nun aber die Talkshow-Themen ausgewählt? In einer statistischen Erhebung hat Stefano Semeria die Themenvielfalt der werktäglichen deutschen Talkshows genauer untersucht.56 Allein von März bis August 1998 bezogen sich 27,2% aller Redesendungen auf den Themenkomplex Beziehungen. Mit 12,3% nimmt auch das Gebiet Charakter und Lebensart einen wichtigen Stellenwert ein. Körper/Schönheit/Mode und Familie schließen diesen Reigen mit jeweils rund 11% ab. Gesellschaft/Wirtschaft, Teenager, Sex, Gesundheit, Beruf, Arbeitswelt, Kriminalität/Recht, Astrologie/Esoterik/Religion sowie Tiere werden laut Semeria dagegen weniger häufig zum Gegenstand des Daily-Talks.

Angst, dass ihnen die Themen irgendwann einmal ausgehen könnten, haben die Talkmaster jedoch nicht. Daily-Talkerin Arabella Kiesbauer erklärt die Themenauswahl folgendermaßen: „ [. ], der Job erfordert die Fähigkeit, aus einer Banalität eine Stunde Talk zu machen. Viele Themen erscheinen einem zuerst banal, und erst, wenn man sie aus sechs verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, sind sie dies nicht mehr. Darin liegt das Geheimnis für die Umsetzung eines Themas. [... ] Aus den meisten banalen Sachen entstehen interessante Talks. Diese Talkshows sind ein Metier für sich.“57

6.1.5 MÖGLICHE GESPRÄCHSKONSTELLATIONEN

Alle von Ulrike Mühlen vorgestellten Gesprächskonstellationen58 ergeben sich auch in der Talkshow Andreas Türck. Hier ist jedoch die Häufigkeit der eingegangenen Redekonstellationen von entscheidendem Interesse, da sich deren Anzahl innerhalb der einzelnen Talkshow-Genres stark unterscheiden kann.

Bei Türck dominiert im Laufe einer Sendung das Einzelgespräch zwischen Moderator und einem seiner Gäste. Sobald ein Redner auf die Bühne tritt, unterhält sich dieser zunächst eine Zeitlang allein mit dem Talkmaster. Eine (möglicherweise provokante) Stellungnahme kann dann aber dazu führen, dass sich die anderen Gäste in die Diskussion mit einschalten.

Aus einem erweiterten Einzelgespräch (mit drei Teilnehmern) kann sich daraufhin schnell ein Gruppengespräch ergeben. Nicht selten sind hier auch Zuschauer miteinbezogen.

Eine weitere wichtige Gesprächskonstellation bei Andreas Türck stellt die Gastbefragung durch das Publikum dar. Nicht selten melden sich Zuschauer, um eine bestimmte Aussage eines Gastes öffentlich in Frage zu stellen. In der analysierten Sendung findet eine solche Einflussnahme durch das Präsenzpublikum immerhin siebenmal statt. Die Publikumsbefragung durch den Moderator nimmt gegenüber den anderen bereits angesprochenen Konstellationen einen geringeren Stellenwert ein. Es kommt eher selten vor, dass Türck von sich aus einen Zuschauer nach dessen Meinung zu einem bestimmten Thema befragt. Meistens führen erst Zwischenrufe aus dem Publikum dazu, dass der Host den jeweiligen Zuschauer daraufhin anspricht. Viermal lässt sich diese Gesprächskonstellation in der vorliegenden Show erkennen.

Das von Mühlen aufgeführte Künstlerinterview stellt wohl die seltenste Redekonstellation bei Andreas Türck dar, denn ein Showteil kommt in diesem Daily-Talk nicht besonders häufig vor. Wenn jedoch ein Künstler auftritt, lässt es sich der Moderator nicht nehmen, diesen zum Thema der Sendung und/oder zu seiner Person zu befragen.

6.2 LINGUISTISCHE ANALYSE

In der folgenden Gesprächsanalyse der Talkshow Andreas Türck vom 17. Juni 2000 sollen die sprachlichen Besonderheiten anhand des vorliegenden Transkripts sowie der gesamten Sendung heraus gearbeitet und genauer auf ihre Aussage und Bedeutung hin analysiert werden.

Darüber hinaus sollen auch die Einblendungen, mit denen die Talkgäste im Laufe der Sendung untertitelt werden, auf ihren eigentlichen Gehalt untersucht werden.

Abgrenzend von den anderen beiden in dieser Hausarbeit analysierten Shows werden auch die An- und Abmoderationen vor und nach Werbeblöcken in die nähere Betrachtung einbezogen.

6.2.1 SPRACHNIVEAU

Besonders auffällig ist das extrem niedrige Sprachniveau in der vorliegenden Szene. Mit der Auswahl der Gäste, die Türck in seine Sendung einlädt, steigt oder fällt dieses sprachliche Niveau.

In diesem Fall reden die jugendlichen Gäste „wie ihnen der Schnabel gewachsen ist“ einfach freimütig in Umgangssprache. Ein spezifischer Jugendton ist dabei durchaus zu erkennen, da z.B. die Partikel „ey“ in dem kurzen Ausschnitt auffallend häufig vertreten ist. Talkgast Markus gebraucht „ey“ gleich dreimal, Rednerin Yvonne dagegen nur ein einziges Mal.

In turn 6 liegt die Partikel mit „ey ich bin ja nicht mehr mit war noch nie mit der zusammen“ an turninitialer Position vor. Hier wirkt die Partikel als attention getter, da Markus seine Freundin Yvonne hierdurch auf einen bestimmten Sachverhalt aufmerksam machen will.

In turn 14 hingegen tritt das „ey“ zweimal turnmedial auf. In beiden Fällen arbeitet es hier als Expressivpartikel und wirkt als Intensifier, der die Aussage der (in diesem Fall ironisch zu verstehenden) Wertungen „gut“ und „super“ noch verstärken soll.

Zum letzten Mal wird „ey“ in turn 24 durch Yvonne mit „GEH MA SCHLAFEN EY“ in turnfinaler Position gebraucht. Indem sie die Partikel am Satzende benutzt, verleiht sie ihrer Aussage einen besonderen Nachdruck. Weiterhin markiert das „ey“ in diesem Fall die Struktur des Diskurses. Mit der turnfinalen Partikel stellt Yvonne klar, dass sie hier einen Schlussstrich unter die Diskussion ziehen möchte. Das „ey“ ist somit wiederum auch als Verstärkungspartikel zu verstehen.59

Ein weiterer Indikator für ein niedriges Sprachniveau stellt in diesem Fall die Wortwahl dar. Das in den meisten Bereichen negativ behaftete Schimpfwort „schlampe“ (turn 5 und 10) fällt gleich zweimal im Laufe weniger Minuten. Und auch der jugendspezifische Ausdruck „BOAH“ (turn 13 und 18) mit Ausrufscharakter trägt mit zur Einteilung in eine niedrigere Kategorie bei.

Auffällig ist, dass der Moderator sich mit seiner Wortwahl auf das sprachliche Niveau seiner Talkgäste begibt. In turn 1 („sie ist die größte schlampe düsseldorfs“) wird dies besonders deutlich. Dadurch dass Türck sich mit den Rednern auf einer gemeinsamen sprachlichen Ebene kommuniziert, schafft er eine gewisse Vertrautheit, mit der er möglicherweise noch mehr provokante Äußerungen aus den Gästen „heraus kitzeln“ kann.

Die schlechte Artikulation seitens der beiden Talkgäste verstärkt ebenfalls die geringe Einschätzung ihres Sprachniveaus.

Herausragende rhetorische Fähigkeiten sollen hier ja nicht unbedingt verlangt werden, aber oftmals erschweren es die „Verhaspelungen“ der Beiden, ihrer Diskussion zu folgen (vgl. turn 6). Weiterhin werden wie in turn 16 („kommt jeden tag mit m anderen typen an“) oder turn 18 („hörste“) häufig Silben verschluckt oder nicht vollständig artikuliert.

Auch die Verwendung von Sprüchen lässt eine Einstufung auf ein bestimmtes Sprachniveau zu. In turn 24 wird dies sehr deutlich. Yvonnes Äußerung „KOMM DU BIST SELBST IM ERDBEERFELD“ scheint ein feststehender jugendsprachlicher Ausspruch zu sein, dessen Sinn recht unklar ist. Auch in dem Satz „GEH MA SCHLAFEN“ lässt sich ein Jugendstil erkennen.

6.2.2 SPRECHERWECHSEL

Wie schon in Kapitel 1.1.1 erwähnt, kommt es - anstelle der „normalen“ expliziten Fremdwahl der jeweiligen Redner durch den Moderator - bei Andreas Türck häufig zur aggressiver erscheinenden Selbstwahl60 einzelner Talk- oder Publikumsgäste. Konversationsregeln im Sprecherwechsel scheint der werktägliche Talk im deutschen Fernsehen nicht zu kennen.

Im vorliegenden Transkript lässt sich dies daran erkennen, dass der Talkmaster sich nahezu voll und ganz aus dem Geschehen heraus hält. Er leitet das Streitgespräch zwar zu Beginn ein, lässt die Diskussion aber zwischen seinen Gästen weiter laufen. Und auch wenn er schlichtend eingreifen wollte, würden Yvonne und Markus durch Selbstwahl immer wieder das Wort an sich reißen. Andererseits leben die Daily-Talks von solchen Streitgesprächen - so ist es nicht verwunderlich, dass Türck sich in diesem Fall erst einmal zurück hält.

Erst in turn 15 schaltet sich der Host wieder in das Gespräch ein. Mit einem kurzen „HA“ und einer Mikropause verschafft er sich zunächst Gehör bei Gästen und Zuschauern. Daraufhin erklärt er Yvonne, dass sie „NICH SO WÖRTER SAGEN“ soll. Hier stellt sich einem dann die Frage, welche Wörter Türck damit meint, da er den Begriff „schlampe“ in turn 1 selbst gebraucht. Er meint sicher den Ausdruck „MÄNNLICHE HURE“ (turn 10). Das impliziert, dass dieser für ihn schlimmer als der einer Schlampe ist.

Insgesamt lässt sich im Verlauf der untersuchten Sendung 175-mal eine Selbstwahl einzelner Talkgäste erkennen. Dagegen fällt die Fremdwahl durch den Moderator mit 107-mal wesentlich geringer aus. Der Akt der Fremdinitiierung erfolgt hauptsächlich durch Fragen. Nonverbale turn-Zuteilungen sind äußerst selten, da diese im Bereich des Daily-Talks nicht aussagekräftig genug wären und/oder bei einer größeren Anzahl von Talkgästen falsch ausgedeutet werden könnten.

Darüber hinaus lassen sich 48-mal eine Fremdwahl zwischen Talkgästen (z.B. in Form von Rückfragen oder Provokationen) sowie zwölfmal eine Fremdwahl durch das Publikum (durch Fragen oder Zwischenrufe) erkennen.

Weiterhin kommt es in dem transkribierten Ausschnitt immer wieder zu parallelem Sprechen (turn 6/7, 8/9, 11/12/13, 22/23). Das erschwerte die Verschriftlichung ganz enorm, und macht es auch nicht gerade einfach, der ganzen Situation zu folgen.

Die gesamte Show weist 147-mal paralleles Sprechen auf. Dabei ist erwähnenswert, dass sich in solchen Fällen fast immer eine auffällige Lautstärke entwickelt. Schließlich wollen sich die Talkgäste in aufgeladenen Situationen mit ihren Statements gegenseitig übertönen.

Weiterhin fällt auf, dass Türck oft bei parallelen turns miteinbezogen ist. Er überlappt die Gesprächsbeiträge der Redner sehr häufig, um wieder eine Fremdwahl durchführen zu können. Dabei spricht er fast immer unbeirrt parallel zu seinen Gästen weiter. Um diese dann endgültig auf sich und sein Anliegen aufmerksam zu machen, wird auch er beim Sprechen stetig lauter.

Außerdem fiel auf, dass die Sprecherwechsel größtenteils ohne gap erfolgen (z.B. turn 2/3 oder turn 5/6). Die Gäste reden einfach hintereinander weg, ohne auch nur eine kleine Sprechpause einzulegen. Jede noch so kurze Pause könnte schließlich einem anderen Talkgast die Möglichkeit zur Selbstwahl bieten.

In einem Fall lässt sich im Transkript eine Unterbrechung erkennen: Markus hat turn 4 noch nicht beendet, als sich Tanja, ein weiterer Talkgast, in seinen Redeteil einschaltet. So kann der männliche Gast nicht einmal sein letztes Wort („kom“) zu Ende bringen.

6.2.3 SPRECHGESCHWINDIGKEIT

Beim Sprechen legen die Talkgäste ein besonders rasches Tempo vor. Das lässt sich daran erkennen, dass im Transkript fast keine Pausen vorliegen. Wenn es welche gibt (turn 1, 15, 18, 22), sind es nur solche unter 0,5 Sekunden.

Die meisten Mikropausen (insgesamt vier) sind in den Redeanteilen des Moderators zu finden. Das ist jedoch nicht verwunderlich, da dieser aufgrund seines Berufs eine professionelle Sprechausbildung durchlaufen haben muss. Er sollte immer so sprechen, dass die Zuschauer dem Gesagten gut folgen können. Deshalb ist seine Sprechgeschwindigkeit auch immer geringer als die seiner Gäste.

Weiterhin könnte für das Genre der Daily-Talkshows einfach ein kürzeres Pausenmaß gewählt werden, da das besonders rasche Sprechen hier an der Tagesordnung steht.

6.2.4 REDEZEIT

Wieviel Redezeit den einzelnen Talkgästen zugemessen wird, ist bei Andreas Türck vollkommen unterschiedlich. Einheitlich ist jedoch, dass jeder Redner zu Beginn im Einzelgespräch mit dem Host kommuniziert. Das kann von wenigen Sekunden bis hin zu fünf Minuten dauern - je nachdem, wie schnell sich andere Gäste oder Zuschauer in dessen Ausführungen einschalten. Wenn es dann aber zu einer Einmischung kommt, sind die Redeanteile meist sehr kurz. Es entsteht ein regelrechter „Schlagabtausch“ zwischen den Parteien.

Im Transkript wird dies besonders am Schluss (turn 19-24) sehr deutlich. Hier sind drei Gäste (erweitertes Einzelgespräch) beteiligt, die in ihrem aufgeheizten Streitgespräch nur extrem kurze Sätze gebrauchen.

Man kann sagen, dass die Redeanteile bei Andreas Türck im Laufe einer Sendung stetig immer knapper werden. Da der Moderator seine Gäste einzeln ins Studio holt, ist zu Anfang nur ein Redner auf der Bühne. Dieser bekommt in seinem Einzelgespräch die meiste Redezeit zugesprochen. Je mehr Gäste dann aber vorne Platz genommen haben, desto kürzer werden die sprachlichen Anteile der Einzelnen.

In der vorliegenden Talkshow werden den Gästen Einzelredezeiten von gerade einmal zwei Sekunden bis hin zu 2.03 Minuten zugemessen. Während die erste Rednerin (Tanja I) mehr als zwei Minuten ungestört sprechen darf, bekommen die folgenden Gäste auffallend wenig Redezeit zugeteilt.

Tanja II diskutiert z.B. nur acht Sekunden im Einzelgespräch mit Türck. Dann richtet sie eine Frage an Tanja I, und so ist ihr erster Redeanteil schnell beendet. Auch ihre kurzen Antworten machen es Tanja I leicht, ihr das Wort zu entziehen.

Den kürzesten Einzelgesprächsanteil der gesamten Show bekommt Yvonne zugemessen. Sie begrüßt Türck und Publikum nur mit einem knappen „hallo“, und schon mischt sich Tanja I in das Geschehen mit ein. Und auch nahezu alle anderen Einzelgespräche zwischen Türck und seinen Gästen werden von Tanja I durch ihre ständige Selbstwahl zerstört.

Es lässt sich festhalten, dass die Talkgäste bei Andreas Türck ihre Redezeit größtenteils selbst bestimmen. Wer nur kurze und knappe Antworten gibt, eröffnet den anderen Talkgästen die Möglichkeit einer Selbstwahl. Andererseits kann jeder durch gezielte Selbstinitiierung das Wort an sich reißen.

6.2.5 LAUTSTÄRKE

Wenn man Andreas Türck mit Vertretern anderer Talkshow-Genres vergleicht, fallen schon beim Zuschauen die extremen Lautstärkeschwankungen während einer Sendung auf. Bei Streitgesprächen wird stets laut gezetert und geschrien.

Im Transkript sind diese ungleichen Lautstärken schnell an den Wörtern in Großbuchstaben zu erkennen. Sowohl Gäste als auch Moderator scheuen sich hier nicht, einen lauteren Ton anzuschlagen. (Zumeist bleibt der Host jedoch gelassener als seine Gäste.)

Von insgesamt 24 turns sind immerhin sieben in auffälliger Lautstärke angegeben. Im Rahmen der gesamten Show kommt es in 73 turns zu lauteren Äußerungen. Somit können größere Lautstärkeschwankungen durchaus als typisches Merkmal für den Daily-Talk herausgestellt werden

6.2.6 NONVERBALE ZEICHEN

Natürlich dürfen auch die nonverbalen Zeichen in einer Gesprächsanalyse nicht fehlen. Hier soll untersucht werden, inwiefern Gestik und Mimik die verbalen Aussagen noch unterstreichen oder sich von ihnen abgrenzen können.

Man merkt sofort, dass es sich bei den Talkgästen nicht um ausgebildete Redner handelt, die ihre Aussagen durch bestimmte Gesten gekonnt unterstreichen können. Sie machen im Laufe ihrer Redeanteile z.B. nur wenig Handbewegungen oder zeigen aussagekräftige Gesichtsausdrücke.

Markus versucht zumindest, dem Gesagten durch Auf- und Abbewegen seiner rechten Hand einen Nachdruck zu verleihen. So richtig gelingt ihm das aber nicht. Hin und wieder tippt er sich an die Stirn, um seiner Freundin Yvonne Dummheit zu attestieren. Aber auch diese Geste wirkt sehr lustlos und wenig aussagekräftig.

Yvonne hat in der kurzen Szene nur wenig zu sagen und zeigt auch ebenso wenig nonverbale Signale. In turn 1, als Türck erklärt, dass sie „die größte schlampe düsseldorfs“ ist, huscht ihr ein kleines Lächeln über das Gesicht. Dessen Bedeutung ist ein wenig unklar. Wahrscheinlich will sie damit zeigen, dass sie eine solche Bemerkung nur lächerlich findet. Wenn sie ihren Freund Markus beleidigt, zeigt sie hingegen einen entrüsteten Gesichtsausdruck und wendet sich ein wenig von ihm ab. Die gewünschte Wirkung, Markus hierdurch ihr Missfallen zu zeigen, verfehlt sie aber.

Nur der Moderator selbst versteht sich darauf, seinen Äußerungen mit den richtigen nonverbalen Zeichen mehr Nachdruck zu verleihen. Wie die Sprechgeschwindigkeit (vgl. 4.1.2.3) ist dies wohl auch auf seine professionelle Ausbildung zurückzuführen.

In diesem Ausschnitt zeigt Türck nur ein einziges Mal, wie gut er sich auf die „Schauspielerei“ mit nonverbaler Kommunikation versteht. Im Anschluss an turn 15 nutzt er die Tatsache, dass die Kamera noch auf ihn gerichtet ist, dazu, sein witzig-legeres Image ein wenig zu pflegen. Seine spontane Aussage „da krieg ich immer ärger mit unserem (.) bundeskanzler“ unterstreicht er gekonnt mit einem kokettierenden Lächeln in Kamera und Publikum.

Im Laufe seiner Sendung schafft es der Host immer wieder, durch spontane lockere Sprüche, sein Publikum zu unterhalten und sich dadurch selbst zu profilieren (vgl. 1.1). In der vorliegenden Show gelingt es Türck siebenmal, die Lacher des Publikums auf seiner Seite zu haben, um so sein Image aufzubessern.

6.2.7 AN- UND ABMODERATION DER WERBUNG

Was den Daily-Talk grundlegend von anderen Formaten im öffentlich- rechtlichen Fernsehen unterscheidet, ist die Einspielung von Werbeblöcken. Damit die Fernsehzuschauer während einer solchen Unterbrechung nicht aus- oder wegschalten und nach der Pause wieder zur Talkshow zurück zappen, wendet sich der Moderator bei der Anmoderation der Werbung direkt und explizit an die Zuschauer zu Hause.

Der am häufigsten verwendete Satz, mit dem Türck und seine Kollegen ihre Zuschauer durch die Kamera ansprechen, lautet: „Bitte bleiben Sie dran. Nach der Werbung geht es spannend weiter.“ Hierdurch sollen die Fernsehzuschauer neugierig gemacht werden, was im nächsten Teil der Show auf sie zukommt. Verstärkt wird diese Aussage oft auch durch eine kurze MAZ, die besonders reißerische Ausschnitte aus dem folgenden Part zeigt. (Solche Szenen sind dann völlig aus dem Zusammenhang gerissen und wirken im späteren Verlauf meist gar nicht mehr so spektakulär.)

Eine weitere Möglichkeit, die Zuschauer am Ausschalten zu hindern, ist das Stellen einer (besonders pikanten) Frage direkt vor der Unterbrechung. Diese soll jedoch erst im folgenden Sendeteil beantwortet werden. „Wenn Sie wissen wollen, was ... dazu zu sagen hat, müssen Sie dran bleiben“, lautet hier der entscheidende Satz.

Viele Moderatoren weisen ihre Zuschauer darüber hinaus auf die Kürze der folgenden Werbeunterbrechung hin. Die Aussagen „In wenigen Augenblicken sind wir wieder da“, oder „Es folgt die kürzeste Werbepause seit es Werbefernsehen gibt“, sollen das Publikum am Bildschirm halten.

Ist die Werbung beendet, begrüßt der Host die Fernsehzuschauer ein weiteres Mal. Er erläutert erneut das Thema seiner Sendung und zeigt Ausschnitte aus dem vorherigen Showteil. Schließlich gibt es Zuschauer, die erst nach der Unterbrechung zugeschaltet haben. Daraufhin laufen die Diskussionen, die vor der Pause begonnen haben, einfach weiter.

6.2.8 INSERTS

Weiterhin muss untersucht werden, mit welchen Einblendungen (auch Inserts oder „Bauchbinden“ genannt61 ) die Talkgäste im Laufe der Sendung untertitelt werden. Was wird darin über den Redner ausgesagt, und wie tragen die Inserts zu seinem Erscheinungsbild bei? Bei Andreas Türck werden nur die Vornamen der jeweiligen Gäste verraten. Die Nachnamen erscheinen hier (möglicherweise aus Datenschutzgründen) nicht. Diese sind außerdem für den Verlauf der Gespräche nicht von Interesse, da ohnehin jeder mit „du“ angesprochen wird. (Eine Ausnahme bilden Experten, wie z.B. Psychologen, die zu einem bestimmten Thema eine „beratende, erklärende oder lösungsorientierte Funktion erfüllen sollen.“62 Die werden im Daily-Talk fast immer gesiezt, um deren Kompetenz und Seriosität zu erhöhen.)

Weiterhin werden der Wohnort und das Alter des Gastes sowie dessen Beruf mit dem entsprechenden Insert angegeben. Durch Beruf und Alter können sich die Fernsehzuschauer ein besseres Bild vom jeweiligen Redner machen und vorgefasste Meinungen (z.B. über eine bestimmte Berufsgruppe) im Verlauf der Sendung bestätigt oder verworfen sehen.

Zusätzlich werden die Talkgäste immer wieder mit eigenen Statements oder deren Meinung zum Talkthema untertitelt.

In der transkribierten Talkshow wird bei Markus z.B. folgender Text eingeblendet: „Yvonne ist eine Schlampe“. Hier wurde eines seiner Statements („yvonne ist die größte schlampe, die es in düsseldorf gibt.“) auf eine Minimalaussage mit hohem Provokationsgehalt reduziert.

Im weiteren Verlauf bekommen Yvonne und Markus mit „Ihre Freundschaft ging an ihrer Untreue kaputt“ ein gemeinsames Insert. Während der Einblendung sind beide Talkgäste im Bild zu sehen. Diese Bauchbinde soll Fernsehzuschauern, die gerade erst zugeschaltet haben, den Einstieg in die Sendung erleichtern.

6.3 KAMERAFÜHRUNG UND SCHNITTE

Pauschal lässt sich sagen, dass bei Andreas Türck immer derjenige im Bild ist, der spricht. Gesicht und Oberkörper (Nahaufnahme/Brustbild)63 werden dabei in Großaufnahme gezeigt, damit jedes Mienenspiel am Bildschirm genau verfolgt werden kann.

Wenn besonders provokante Statements abgegeben werden, kommen zumeist die Talkgäste ins Bild, die eine andere Meinung vertreten. Hierdurch wird die Neugier des Fernsehpublikums befriedigt, das beim Daily-Talk geradezu auf Konfrontationen wartet. Der Zuschauer will sehen, wie der soeben geschädigte Talkgast auf diese Provokation reagiert. Weiterhin soll das Publikum an den Bildschirmen das Gefühl haben, wirklich live dabei zu sein.

Ganz entscheidend ist auch die Einblendung des Präsenzpublikums. Im Verlauf der Show werden immer wieder bestimmte „Typen“, z.B. hübsche junge Frauen oder Personen mit ausgefallener Kleidung, eingeblendet. Wahrscheinlich sollen diese Schnitte die starre Kameraeinstellung auf die Talkgäste ein wenig auflockern.

Zu Beginn der Sendung, beim Auftritt neuer Gäste und wenn Türck im Publikum umher läuft, wechselt sich die starre Kamera mit einer Beweglichen ab. Diese Einstellungen sollen wohl Jugendlichkeit, Lockerheit und eine gewisse Lebendigkeit ausstrahlen und mit zum Image der Show beitragen. Andererseits kann man bei einer Talksendung aber auch nicht dauernd mit der moving cam arbeiten, da es ja vordergründig um die Diskussionen gehen soll.

Neben der gerade beschriebenen „Standardkameraführung“ im Daily- Talk kommen natürlich auch noch andere Einstellungen hinzu, bei denen z.B. das ganze Publikum in einer Totalen (zumeist bei Anfangs- und Schlussapplausen), mehrere Talkgäste auf einmal (wenn die Gespräche durcheinander gehen und kein einzelner Sprecher mehr ausgemacht werden kann) oder Ganzkörperaufnahmen (z.B. beim Auftritt von Künstlern) gezeigt werden. Solche Einstellungen sind jedoch eher seltener.

Der Daily-Talk arbeitet mit einer mittleren Anzahl von Schnitten. Es ist nicht so, dass die Sprecher dauerhaft während ihres Redeanteils im Bild sind. Wie bereits erwähnt lockern hier Einblendungen von Publikumsgästen oder dem (scheinbar stets mit der Kamera kokettierenden) Moderator solche langen (für die Fernsehzuschauer eintönigen) Szenen auf. Andererseits sind aber auch nicht so viele Schnitte vorhanden, dass das Verfolgen der Diskussionen hierdurch beeinträchtigt werden würde.

6.4 FAZIT

Insgesamt lassen sich an der Sendung Andreas Türck sowie an dem transkribierten Ausschnitt mehrere für den Daily-Talk typische äußere sowie sprachliche Merkmale festhalten. Diese sollen hier noch einmal in kurzer Form festgehalten werden:

- Das Publikum sitzt den Talkgästen gegenüber, was den Öffentlichkeitscharakter der Sendung hervorhebt.
- Der Titel der Show ist fast immer provokant und lässt die in der Sendung folgende Konfrontation schon im Voraus erkennen. Die meisten Talks behandeln den Themenkomplex Beziehungen.
- Die häufigste Gesprächskonstellation im Daily-Talk ist das Einzelgespräch zwischen Gast und Moderator. Erweitertes Einzelgespräch, Gruppengespräch sowie Gastbefragung durch das Publikum nehmen ebenfalls einen hohen Stellenwert ein.
- Das Sprachniveau der Sendungen steigt oder fällt mit den eingeladenen Gästen. Da es sich dabei zumeist um Menschen aus „einfachen Verhältnissen“64 handelt, wird hauptsächlich die alltägliche Umgangssprache verwendet. Auch das Alter der Redner spielt dabei eine entscheidende Rolle.
- Die explizite Fremdwahl der Sprecher durch den Moderator wird oftmals durch Selbstwahl von Talkgästen oder Zuschauern ersetzt. Paralleles Sprechen und Unterbrechungen treten sehr häufig auf, und das turn-taking erfolgt fast immer ohne gap.
- Die Redegeschwindigkeit ist (mit Ausnahme des Moderators) sehr schnell. Längere Pausen als solche von weniger als 0,5 Sekunden sind äußerst selten.
- Im Daily-Talk sind extreme Lautstärkeschwankungen - je nach Brisanz des Themas - an der Tagesordnung.
- Nonverbale Zeichen lassen sich (wieder mit Ausnahme des Moderators) nicht besonders gut heraus arbeiten, da die Talkgäste (möglicherweise durch deren Nervosität bedingt) wenig aussagekräftige Gestik und Mimik zeigen.
- Durch sprachliche und/oder visuelle Strategien versuchen die Moderatoren, ihre Zuschauer am Senderwechsel während der Werbepausen zu hindern.
- Inserts beschreiben die Talkgäste genauer und geben deren Statements auf eine minimale (oftmals provokante) Aussage reduziert an.
- Die starre Kameraeinstellung auf Gesicht und Oberkörper desjenigen, der gerade spricht, wird immer wieder durch Schnitte auf Publikum oder andere Talkgäste aufgelockert. Bewegte Bilder mit der moving cam sind eher selten.

7. GESPRÄCHSANALYSE EINES PORTRAIT-TALKS AM FALLBEISPIEL BOULEVARD BIO

7.1 STRUKTUR DER TALKSHOW

Die gesamte Talkshow lässt sich zunächst in drei Abschnitte unterteilen. Die Anmoderation mit namentlicher Nennung der folgenden Gäste, deren Befragung und der Abmoderation ebenfalls mit Nennung der Gäste, die zu der nächsten Sendung eingeladen sind. Die Gespräche mit den Gästen erfolgen in Zweiergruppen, die nacheinander auf die Bühne gebeten werden, sich die Gruppe also von drei über fünf auf letztendlich sieben Personen erhöht.

7.2 SPRACHNIVEAU

Das Niveau, auf dem die Konversation bei Bio abläuft, ist hoch. Es werden zwar keine Fachtermini genannt wie bei Sabine Christiansen, trotzdem besticht das Gespräch sowohl durch die gute Strukturierung der Gesprächsbeiträge, als auch durch die Disziplin (wenig paralleles Sprechen). Dies wird ermöglicht durch eine „[...]meist unmerkliche aber intensive Kooperation zwischen allen am Gespräch Beteiligten“.65 Dazu kommt, dass keine längeren Pausen entstehen und somit der Fluss der Unterhaltung nicht unterbrochen wird. Dadurch könnte auch keine Störung, die aus mangelnder Bereitschaft zur Teilnahme an der Konversation entsteht, auftreten. Generell kommt jedem Gast einer jeden Gruppe die gleiche Gesprächszeit zu, während der Moderator sich ausschließlich mit ihnen beschäftigt und es bei einem erweiterten Einzelgespräch bleibt. Nur äußerst selten kommt es zu einem Gruppengespräch. Demnach entfallen bei einer Gesamtgesprächszeit von 53,14 Minuten 19,47 Minuten (inklusive An- und Abmoderation), auf den Moderator und 33,27 Minuten auf sechs Gäste (im Durchschnitt also etwa 5,50 Minuten pro Gast). Insgesamt verstreichen zwischen An- und Abmoderation 57,26 Minuten. Die Differenz von 4,12 Minuten setzt sich aus Beifällen nach einem Witz, Auftritt eines nächsten Gästepaares und kurzen Gesprächspausen zusammen.

7.3 SPRECHERWECHSEL

In erster Linie wird der Sprecherwechsel durch den Moderator vorgegeben. Seine organisatorische Rolle gebietet es ihm, das Gespräch durch Fragen zu eröffnen und zu erweitern. Seine Selbstwahl ist gleichzeitig die Fremdwahl der Gäste. Aufgrund der wechselnden Kameraperspektiven war es, speziell gegen Ende der Sendung durch die größer werdende Gruppe, nicht möglich eindeutig zu bestimmen, ob der Sprecher eine Selbst- oder Fremdwahl durchgeführt hat. Die durch nonverbalen Verhaltens (Mimik, Gestik), namentlichen Aufrufs oder thematisch bedingten, in Bild und Ton festgehaltenen Selbstwahlen der Gäste belaufen sich auf 60, wohingegen die häufig durch den Moderator durchgeführten Fremdwahlen 95 zählen. Hierbei bleibt noch zu erwähnen, dass mit steigender Personenzahl auch die Zahl der Selbstwahlen stieg. Zwischen den jeweiligen Gesprächsbeiträgen liegen zum größten Teil nur kurze Pausen (gaps). Die kleinere Gruppe bildet der überlappende Sprecherwechsel (overlap). Unterbrechungen, bei denen ein wichtiger Teil des Gesprächsbeitrags verloren gehen, finden nicht statt. Paralleles Sprechen findet nur selten (27 mal) statt und dann auch nur in äußerst kurzen Passagen, da die Gäste sofort bemerken, ob sie das Sprechrecht des Talkmasters übernehmen. Darauf werden sie durch Gesten oder Intonation des Sprechers hingewiesen.

7.4 DAS VERHÄLTNIS BENACHBARTER GESPRÄCHSBEITRÄGE

Während der gesamten Talkshow lässt sich beobachten, dass die Beiträge des Moderators (meist Fragen, gelegentlich Kommentare) absolut initiierende Akte sind. Nur zweimal ist er gezwungen, respondierend zu reagieren, als Rudolf Scharping und Martin Riepkens mit einer Gegenfrage antworten. Die thematische und inhaltliche Verknüpfung ist bei jedem Beitrag gegeben. Somit zeichnet sich innerhalb der Konversation eine hohe Responsivität ab. Nicht einmal die beiden Gegenfragen schließen sich davon aus. Paarige Gesprächsbeiträge lassen sich vor allem bei der Begrüßung der jeweils neu auftretenden Gäste ausmachen. Das sind dann vornehmlich Gruß und Gegengruß.

7.5 DIE ROLLEN DER GESPRÄCHSTEILNEHMER

Die Rollenverteilung zwischen Gast und Moderator ist klar und deutlich. Das Thema („Nur die Liebe zählt“) verdeutlicht, dass jeder Gast eine funktionale, d.h. eine Rolle, die nach dem Gespräch nicht aufgegeben wird. In diesem Fall ist Rudolf Scharping als Verteidigungsminister besser in Sachen schädlicher Uranmunition und Fussballpieler Olaf Bodden notwendigerweise besser über das Thema „Ermüdungssyndrom“ informiert. Als Gäste zu dem speziellen Thema allerdings spielen sie organisatorische Rollen die „mit dem Ende des Gesprächs inexistent werden“66. Der einzige, der eine feste Rolle inne hat, ist der Moderator. Er hat eine ausschließlich organisatorische Funktion. Ihm obliegt es, das Gespräch zu eröffnen und zu beenden. Das zeigt sich allein schon darin, dass er an- und abmoderiert.

7.6 FAZIT

Abschließend ist zu sagen, dass Boulevard Bio eine gelungene Portrait- Talkshow ist und dem Zuschauer stets interessante Informationen über die eingeladenen Gäste bietet. Die klare Art und Weise des turn-taking lässt es zu keiner Zeit dazu kommen, den Faden in der Konversation zu verlieren. Das angenehme Klima während der Unterhaltungen wird niemals durch Unterbrechungen oder große Lautstärkeschwankungen in Gefahr gebracht. Darüber hinaus werden durch die akzidentellen Rollen gelegentlich Informationen über Politik (Uranmunition, Homosexuelle in der Bundeswehr), Medizin (Krankheitsbild des Ermüdungssyndroms) oder geschichtliche Hintergründe (Homosexuelle zur Zeit Adenauers) auf eine stets ausgeprägte eloquente Art und Weise vermittelt.

8. DER THEMENTALK UND DAS SUBGENRE DER POLITISCHEN TALKSHOW

Der Thementalk als Talkshow-Gattung ist auf vielen Sendern des deutschen Fernsehens etabliert und reicht von politischen Debattenshows über Erotik-Talk (Peep auf RTL II) bis hin zu Talksendungen, deren Themenschwerpunkt zielgruppenorientiert ist, und sich beispielsweise auf spezielle Sportarten konzentriert (Offensiv auf DSF).

Im folgenden soll es um das Format der politischen Talkshow gehen. Im deutschen Fernsehen sind zur Zeit sieben Sendungen dieses Subgenres etabliert:

- Sabine Christiansen (ARD)
- Talk in Berlin (n-tv)
- Späth am Abend (n-tv)
- Der grüne Salon (n-tv)
- Talk vor Mitternacht (NDR 3)
- Vorsicht! Friedmann (Hessen 3)
- Berlin Mitte (ZDF)

Bei dieser Aufstellung der momentan ausgestrahlten politischen Talkshows wird deutlich, daß sich das Subgenre lediglich auf einem kommerziellen Sender, nämlich dem Nachrichtensender n-tv, behaupten konnte, und sonst ausschließlich bei den öffentlichrechtlichen Sendeanstalten beheimatet ist.

Dies ist zum einen auf den Einfluss der bundesdeutschen Parteien zurückzuführen, die innerhalb der Landesparlamente die Höhe der Rundfunkgebühren beschließen, von denen die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten neben den zusätzlichen Werbeeinnahmen bis heute abhängig sind. Für die Parteien bietet der Rundfunk und im Speziellen das erfolgreiche Format der politischen Talkshow letztendlich die Möglichkeit, ihre Abgeordneten verhältnismäßig häufig in ein günstiges, karriereförderndes Licht zu setzen und sind deshalb um eine derartige Darstellung Politik im Fernsehen bemüht. Des weiteren dürfte auch der Programmauftrag, dem die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten unterliegen und welcher die Sender zu einer Art publizistischen Grundversorgung der Bevölkerung verpflichtet, eine nicht unerhebliche Rolle spielen.67

Der Nachrichtensender n-tv greift allein schon aus zielgruppen- strategischen Gründen auf das Format der politischen Talkshow zurück, sind doch fast ausschließlich politisch Versierte und am aktuellen Tagesgeschehen Interessierte zu den Fernsehzuschauern zu zählen. Ansonsten ist das Format der politischen Talkshow innerhalb der kommerziellen Sender nicht zu finden. Lediglich SAT 1 hatte bis zum Februar 1999 mit Talk im Turm eine politische Talkshow im Programm, die jedoch nach einem Moderatorenwechsel und durch zunehmende Konkurrenz bedingte sinkende Einschaltquoten eingestellt wurde.

Im weiteren soll es darum gehen, die Gattung der politischen Talkshows kritisch zu hinterfragen: Können Sendungen wie Sabine Christiansen oder Talk im Turm wirklich den Anspruch einer politischen Diskussionssendungen erheben? Wie hoch ist der Informationswert einer solchen Sendung? Und was bewegt Politiker, diesen Talkshows beizuwohnen?

Den wesentlichen Aspekt dieses Kapitels bildet jedoch eine gesprächsanalytische Betrachtung des Genres. Wie wird in politischen Diskussionssendungen getalkt? Welche Regeln bestimmen den Gesprächsverlauf? Wie erscheinen nonverbale Begebenheiten, wie Körpersprache, Bildgestaltung oder Arrangement?

Als Fallbeispiel soll die Sendung Sabine Christiansen vom 12. Dezember 1999 mit dem Thema „Sorgt der Kanzler jetzt für Jobs - neue Runde im Bündnis für Arbeit“ dienen, die in Ausschnitten transkribiert im Anhang vorliegt.

8.1 DIE POLITISCHE TALKSHOW - KOMMERZIALISIERUNG DER POLITIK?

Die Expansion des deutschen Sender- und Programmangebots innerhalb des letzten Jahrzehnts hat zu einem kontinuierlichen Anstieg politischer Informationssendungen geführt. Dies stellt Jens Tenscher, Mitarbeiter des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Koblenz- Landau, in einer Fallanalyse politischer Fernsehtalkshows fest.

Weiter merkt er jedoch an, dass sich der relative Anteil politischer Sendungen im Fernsehen im Vergleich zum Gesamtangebot aller empfangbaren Sender im Zuge dieser Entwicklung deutlich verringert hat.68

Der zunehmende Kampf um Zuschaueranteile machte es darüber hinaus erforderlich, daß sich Politik im Massenmedium Fernsehen „in einem neuen Gewand“ präsentiert. „So haben sich in den vergangenen Jahren u.a. einige der ehemals ‚klassischen‘ Formate der politischen Berichterstattung - Nachrichtensendungen, Reportagen und politische Magazine - in Inhalt, Darstellung und Qualität ‚erneuert‘ und dabei dem vermeintlichen Publikumsgeschmack angenähert.“69

Mit dieser zunehmenden Kommerzialisierung der Politik, Krüger spricht auch von einer „Boulevardisierung“70 politischer Ereignisse, stellt sich die Frage, inwieweit das neue Format der politischen Talkshow noch den Ansprüchen politisch-informativer Berichterstattung genügen kann.

Unumstritten bleibt die Tatsache, dass diese neuartige „Vermarktung“ der Politik in Form geselliger Diskussionsrunden bis dato äußerst erfolgreich verläuft. Sendungen wie Sabine Christiansen oder Talk im Turm erzielen im Vergleich zu allen anderen Talkshow-Gattungen (beispielsweise den fast täglich laufenden Confessional- oder Late- Night-Talkshows) die höchsten Einschaltquoten. „Jeweils knapp über drei Millionen Zuschauer brachten den Sendern im Schnitt Marktanteile von 12,4 (ARD) bzw. 14,3 Prozent (SAT 1).“71 Diese Werte werden von Sabine Christiansen heute noch überboten. Nach Einstellung der zeitgleich laufenden Sendung Talk im Turm schalten jeden Sonntag zwischen fünf und sieben Millionen Zuschauer die Sendung ein (vgl. www.sabine-christiansen.de).

Die neue Form der politischen Darstellung im Massenmedium Fernsehen stößt bei vielen Autoren auf Kritik. Ulrich Sarcinelli und Jens Tenscher sprechen in einem Aufsatz beispielsweise von einer mit der Talkshowisierung einhergehenden Marginalisierung der Politik und werfen gerade im Hinblick auf die Expansion des Kommerzfernsehens die Frage auf, „inwieweit sich politische Informationsangebote als mediale Glaubwürdigkeitsträger und Seriösitätsausweis behaupten können“72. Weiter heißt es: „Ihr Ziel [ das der Fernsehdiskussionen ] ist die fernsehgerechte Selbst- oder Fremddarstellung. Bei Gesprächsverlauf und -organisation geht es dabei nicht in erster Linie um die rationale Klärung einer Kontroverse, nicht um das Sachargument als solches, sondern auch um den medialen Effekt, nicht allein um die Information, sondern auch um die Unterhaltung, nicht vorwiegend um die Überzeugungskraft von Diskussionsbeteiligten, sondern auch um Wahrung des Proporzes.“73

Der Aspekt der Unterhaltung wird im Falle der Sendung Sabine Christiansen seitens der Redaktion auch gar nicht bestritten; allein die Gästeauswahl, die sich nicht nur auf Vertreter der Politik beschränkt, sondern auch auf Menschen des öffentlichen Lebens zurückgreift, unterstreicht einen unterhaltenden Charakter der Sendung. Jedoch geht es nicht um die reine Unterhaltung sondern auch um „Informationen aus erster Hand“74. Die Moderatorin äußert sich selber wie folgt: „Wir wollen uns Themen widmen, die den Zuschauer angehen, die ihn interessieren, die ihn beschäftigen. Wir wollen unseren Gästen stellvertretend für den Zuschauer die wirklich wichtigen Fragen stellen. Wir wollen sehen, was dahinter steckt.“75

Die Synthese aus Information und Unterhaltung/Entertainment, d.h. die Vermischung sachlich-rationaler und emotional-unterhaltsamer Auseinandersetzung aktuell politischer und gesellschaftlicher Themen unterstreicht die Tendenz zum sogenannten Infotainment. Klaus Plake schreibt: „Die Grenzen zwischen dem Interview als einer zur Information gehörenden Gesprächsform und dem als Bühnenshow inszenierten und durch Spiele oder künstlerische Darbietung ergänzten Talk sind fließend. Das redende Fernsehen sprengt die herkömmlichen Kategorien. Berichterstattung und Unterhaltung kommen sich näher und gehen ineinander über.“76

Durch die Elemente der Show werden komplexe und intransparent erscheinende politische und gesellschaftsrelevante Themen emotionalisiert, mit dem Auftreten von Gesprächspartnern aus Politik, Kultur, Wirtschaft oder des öffentlichen Lebens bekommen sie Gesichter. Und das ist erfolgreich.

8.2 GESPRÄCHSANALYSE EINER POLITISCHEN TALKSHOW AM FALLBEISPIEL SABINE CHRISTIANSEN

8.2.1 RAHMENBEDINGUNGEN

Die Sendung Sabine Christiansen wird seit dem Januar 1998 jeden Sonntag abend zwischen 21.45 und 22.45 Uhr im Ersten Deutschen Fernsehen ausgestrahlt, und war das erste Liveformat, welches die ARD aus Berlin sendete. Übertragen wird die Talkshow aus der „Blauen Kugel“, die, vis-à-vis des Rudolf-Breitscheid-Platzes und der Gedächtniskirche gelegen, das Studio Berlin beherbergt.

Bis heute ist es die einzige seriell ausgestrahlte politische Talkshow der ARD.

8.2.2 THEMEN

Innerhalb der Sendung werden vor allem Themen mit aktuellem Bezug behandelt, wobei es sich nicht ausschließlich um politische Diskussionsrunden handeln muss. Auch kulturelle, gesellschaftliche und „human-interest“-Thematiken finden bei Sabine Christiansen Berücksichtigung und machen sogar fast ein Viertel der ausgestrahlten Sendungen aus.77

8.2.3 GÄSTE

Ferner ist eine sehr heterogene Gästekonstellation festzustellen, d.h. in Abhängigkeit zum jeweils zu behandelnden Diskussionsgegenstand werden nicht nur Vertreter der Politik eingeladen, sondern auch Prominente aus Sport, Kultur oder den Medien. Darüber hinaus ergänzen nicht selten Experten oder Betroffene den Gesprächskreis. Die Anzahl der Teilnehmer beträgt im Durchschnitt sechs Gäste, dieser Wert kann jedoch von Sendung zu Sendung variieren. Jens Tenscher schreibt dazu: „Das Format von ‚Sabine Christiansen‘ zeichnet sich [... ] durch Variabilität und Dynamik aus: Anzahl und Art der Gesprächspartner und der Gesprächsformen wechselten, die Moderatorin verharrte nicht in einer Sitzgruppe. Dies unterstreicht den Anspruch einer Talkshow.“78

8.2.4 GESPRÄCHSKONSTELLATIONEN

Als Gesprächsform dominiert das Gruppengespräch (nach Mühlen). Dieses wird jedoch sowohl am Anfang als auch am Ende jeder Sendung von der An- und Abmoderation der Moderatorin ergänzt. Auf Gastbefragungen durch das Publikum, wie sie in der politischen Talkshow des NDR Talk vor Mitternacht recht häufig vorkommen, wird gänzlich verzichtet.

8.2.5 SHOWELEMENTE UND TALK

Wie einleitend erwähnt sind politische Talkshows als informative Unterhaltungssendungen bzw. unterhaltende Informationssendungen zu verstehen. Ganz gleich welche Begrifflichkeit man vorziehen wird, Elemente der Show sind ganz klar bei allen Sendungen dieses Talkshow-Formats zu definieren.

Ein Showelement stellt der zu Beginn eingespielte Vorspann dar. Dieser ist immer mit einer bestimmten, unveränderten Erkennungsmelodie und permanenten Einblendungen des Titels der Sendung in verschiedenen Schriftarten und -größen versehen. Darüber hinaus zeigt der Vorspann Gesichter der deutschen Politik, die im 2:1 - Verhältnis mit einem eingeblendeten Portrait der Moderatorin wechseln. Der Vorspann dient dazu, der Sendung einen Wiedererkennungswert zu geben.

Des weiteren unterstützen Filmeinspielungen den Showcharakter der Sendungen. In der Regel erfolgt bei der Sendung Sabine Christiansen eine solche MAZ nach Vorstellung des Themas und der Gäste. Dies geschieht einerseits um das Thema der jeweiligen Sendung vorzustellen, andererseits dient sie als Überbrückung, wenn die Moderatorin den zuerst gewählten Standort der Anmoderation am Pult (siehe Studioaufbau) verlässt, um innerhalb des Gesprächskreises Platz zu nehmen. Darüber hinaus gewährt die Filmeinspielung, in der das Thema oftmals noch auf bildhafte Weise und graphisch „aufgepeppt“ (in der vorliegenden Sendung werden beispielsweise die verschiedenen Runden im Bündnis für Arbeit als Theateraufzüge optisch voneinander differenziert) veranschaulicht wird, einen schnellen Einstieg in die zu diskutierende Thematik.

Neben diesen gängigen Elementen erscheint selbst der Talk an sich, in Diskussionsstil geführt, als Show. Dieser Gesprächstyp ist sowohl bei Sabine Christiansen als auch allen anderen politischen Talkshows immer inszeniert. Der Inszenierungscharakter ist allein schon dadurch gegeben, daß es sich bei Diskussionen im Fernsehen um „medienexklusive Ereignisse“ handelt, „ [ nämlich ] in dem Sinne, daß sie ohne über sie berichtende Massenmedien überhaupt nicht stattfänden.“79

8.2.6 LINGUISTISCHE ANALYSE

8.2.6.1 SPRACHNIVEAU

Betrachtet man das Sprachniveau in politischen Talkshows so lässt sich feststellen, dass dieses im Vergleich zu den Sprachniveaus anderer Talkshow-Formate, recht hoch ist, sowohl unter inhaltlichem als auch unter sprachlichem Aspekt. Das mag einerseits mit dem Bildungsgrad der Diskussionsteilnehmer zu tun haben, andererseits ist es Tatsache, dass sich Politiker vor Beginn einer derartigen Fernsehdebatte, genau überlegen, was sie wie an welcher Stelle sagen. Ein gewisse Planung und Vorbereitung zum Thema ist also Voraussetzung, sofern man durch Kompetenz und Eloquenz bestechen will. Darüber hinaus weisen vor allem die Vertreter der Politik eine gewisse rhetorische Routine auf, resultierend aus der langjährigen Nutzung des Fernsehens als Medium zur Verbreitung politischer Botschaften. So spricht für die rhetorische Qualität, dass in vorliegenden Politikeräußerungen kaum redeleitende Partikel zu finden sind. Füllwörter, wie „äh“, „ähm“ oder „also“, die normalerweise dem Zwecke der Pausenfüllung, der Redeeinleitung oder der Überbrückung von Gesprächsflauten dienen, finden nur selten Verwendung. Auch längere Pausen sind eher selten. Wenn doch mal ein längeres Pausenmaß auftritt, wird dies sofort seitens der anderen Diskussionsteilnehmer als turn-taking interpretiert, wenn sie nicht schon vorher dem Vorredner ins Wort gefallen sind. Die Gesprächsgeschwindigkeit ist somit recht hoch.

Ein weiterer Aspekt der rhetorischen Qualität in Politikeraussagen ist der gezielte Einsatz von Emphasen, die eine sprachliche Hervorhebung darstellen, beispielsweise, wenn einem Argument oder einer Äußerung durch Betonung bestimmter Wörter Nachdruck verliehen werden soll (vgl. Zeile 49 oder 67f). Des weiteren gewinnt das Gesagte durch gezielte Betonung zusätzlich eine gewisse Struktur. Wirkliche Lautstärkeschwankungen, wie sie beispielsweise beim Daily-Talk häufig in Form zu beobachten sind, gibt es nicht.

Ein nicht weniger wichtiges Indiz für das hohe Niveau von politischen Fernsehdiskussionen ist das häufige Auftreten von Fachtermini, wie beispielsweise „Solidargedanke“ (vgl. Zeile 24), „Umverteilung“ (vgl. Zeile 31) oder „Vermögenssteuerdebatte“ (vgl. Zeile 75). Dem politisch Interessierten werden diese Begriffe sicherlich keine Verständnisschwierigkeiten bereiten, doch sind diese Begriffe in politische Zusammenhänge eingebettet, die ein gewisses Maß an Verständnis voraussetzen.

Auch die in Zeile 66f gemachte Äußerung des CDU-Politikers Peter Müller weist als Floskel („in der geschichte dieser welt hat man die schwachen noch nie dadurch strak gemacht, daß man die starken schwach gemacht hat“) auf das rhetorische Geschick des Politikers hin. Deutlich wird dieses hohe Sprachniveau jedoch nicht nur in qualitativer Hinsicht. Auch die Länge der Redezeit bestimmt das hohe Gesprächsniveau. Betrachtet man das im Anhang beigefügte Transkript, so lässt sich feststellen, dass sowohl der Geschäftsführer der PDS, Dietmar Bartsch, als auch der Ministerpräsident des Saarlandes Peter Müller die meiste Redezeit in dieser Sequenz für sich beanspruchen. Klaus Plake schreibt: „Der Tendenz nach bringen es die Politiker gegenüber allen anderen Berufsgruppen auf die längsten Sprechzeiten in Fernsehdiskussionen“80, und beruft sich damit auf empirische Untersuchungen einer Diplomarbeit von Carsten Zwirtz.

Eigene Beobachtungen anhand des vorliegenden Videomaterials bestätigen diese Ergebnisse. So kommt der saarländische Ministerpräsident Peter Müller im Laufe der gesamten Sendung mit 12.18 Minuten auf die längste Redezeit, gefolgt vom Chefvolkswirt der Deutschen Bank Prof. Norbert Walter (8.17 Minuten) und dem Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes Dieter Schulte (7.50 Minuten). Der Arbeitsminister Walter Riester weist eine Gesamtredezeit von 6.28 Minuten auf. Dietmar Bartsch, der Geschäftsführer redet 6.27 Minuten und der Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt 6.25 Minuten.

Generell lässt sich jedoch konstatieren, dass die Anzahl der Wortbeiträge bei den Moderatoren höher ist als bei den Gästen. Sabine Christiansen greift im Laufe der gesamten Sendung 32-mal durch Selbstwahl in das Gesprächsgeschehen ein. Die Selbstwahl wird jedoch immer (mit Ausnahme der letzten Äußerung, die das Ende der Diskussion und damit keinen weiteren Wortbeitrag vorsieht) dazu genutzt, Wortbeiträge der Talkgäste mittels Fremdwahl einzuleiten. Sie impliziert sozusagen immer eine gleichzeitig erfolgende Fremdwahl. Dabei faßt sich die Moderatorin aber relativ kurz; sie hält keine monologartigen Reden wie mancher Talkgast (mit Ausnahme der An- und Abmoderation), sondern fasst lediglich mal zusammen, gibt Redeimpulse in Form von Fragestellungen (vgl. Zeile 79f) oder Behauptungen (vgl. Zeile 19ff) und hakt nach, wo ausgewichen wird. Kurz: die Rolle des Moderators ist es, für einen zeit- und themenplangerechten Ablauf der Sendung bzw. des Gesprächs zu sorgen und, falls erforderlich, im Falle von Themenabweichungen, einzugreifen und diese zu korrigieren. Der Moderator besitzt sozusagen das Recht auf Themenkontrolle, das ihn befähigt etwaige Themenwechsel rückgängig zu machen. Dies kann unmerklich geschehen, beispielsweise durch einen inhaltlichen Schwenk, aber auch auf metakommunikative Art und Weise durch direktes Ansprechen des „Vergehens“, wie es in Zeile 74ff geschieht: „aber die Vermögenssteuerdebatte wollen wir jetzt nicht noch aufmachen [... ] “. Moderatorin Sabine Christiansen kommt im Verlauf der Sendung auf eine Gesamtredezeit von 5.57 Minuten; zieht man sowohl die An- und Abmoderation davon ab und berechnet die Redezeit innerhalb der eigentlichen Diskussion so verbleiben 3.21 Minuten. Die turns variieren von sehr kurzen dreisekündigen bis hin zu 32 Sekunden umfassenden Redebeiträgen. Die Anmoderation weist eine Dauer von 2.22 Minuten auf.

8.2.6.2 SPRECHERWECHSEL

Die Aufgabe mit themeneinleitenden und themenkontrollierenden Beiträgen den Gesprächsablauf zu bestimmen, obliegt einzig dem Moderator der Diskussionsrunde. Er bestimmt den Sprecherwechsel; besitzt sozusagen ein turn-Übernahme-Priveleg vor allen anderen Gästen. Dies wird unter anderem in Zeile 12 und 13 sichtbar, als einer der Diskussionsteilnehmer nach dem recht langen Beitrag des Professors Norbert Walter, dessen fallende Intonation als Möglichkeit sieht, mit einem „aber“ ins Gespräch einzugreifen, zur gleichen Zeit aber auch Sabine Christiansen den Moment nutzt, um eine Frage in die Diskussionsrunde einzubringen (vgl. auch Zeile 72 und 74). Während bei der Moderatorin die Selbstwahl durchaus legitim ist, selbst im Falle eines turn-taking durch Unterbrechung, denn sie ist es schließlich, die für die Gesprächsorganisation verantwortlich ist, erscheint das turn- taking bei den Diskussionsgästen oftmals als Folge einer gewissen Ungeduld, und geschieht in den meisten Fällen durch Selbstwahl. Zahlreiche Beispiele für einen Sprecherwechsel infolge getroffener Selbstwahl lassen sich im Transkript finden (vgl. Zeile 33, 48, 59, 63, 72). Im Verlauf der einstündigen Sendung sind es vor allem der PDS- Geschäftsführer Dietmar Bartsch (17 Mal), der Bundesarbeitsminister Riester (14 Mal) und der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (13 Mal), die häufig durch Selbstwahl in den Gesprächsverlauf eingreifen. Der Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt und der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes Dieter Schulte kommen auf jeweils sieben Sprecherwechsel durch Selbstwahl. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank Prof. Norbert Walter erscheint bezüglich der Selbstwahl sehr zurückhaltend. Lediglich einmal im gesamten Verlauf der Sendung ergreift er das Wort. Und dies erfolgt sogar mit einer gewissen Unsicherheit, als er sagt „also, ich möchte zunächst mal gerne was sagen...“ (vgl. Videomitschnitt 55.37min ff). Ansonsten werden sechs seiner sieben Wortbeiträge ausschließlich durch Fremdwahl der Moderatorin eingeleitet.

Zumeist handelt es sich beim selbständigen Sprecherwechsel um ein turn-taking ohne gap, d.h. zwischen zwei Gesprächsbeiträgen entsteht nur eine kleine oder gar keine Pause, die als turn-taking genutzt wird (vgl. Zeile 72, turn-taking ohne gap ist mit einem „=“ markiert), oder es ist ein turn-taking mit overlap, d.h. es kommt zu einer Überlappung der letzten beiden Silben oder auch einiger Worte. Dies ist beispielsweise in Zeile 79 der Fall, als Sabine Christiansen dem PDS-Geschäftsführer „ins Wort fällt“ (vgl. auch Zeile 65).

Doch es lassen sich nicht nur Überlappungen einzelner Silben oder Worte feststellen. Die ganze Sendung enthält ca. 35 Momente, in denen es zu einem parallelen Sprechen der Diskussionsteilnehmer kommt. Zumeist handelt es sich zwar nur um kurze „Einwürfe“ in Form von Kommentaren, die parallel zu anderen Sprechbeiträgen erfolgen, doch nicht selten lässt sich das parallele Sprechen auch über mehrere Sätze verfolgen (vgl. Videomitschnitt 24.01 - 24.22min).

Generell lässt sich sagen, dass in der Sendung Sabine Christiansen die Selbstwahl innerhalb des turn-takings im Gesprächsablauf überwiegt. Die Form des Sprecherwechsels durch Fremdwahl erfolgt lediglich dann, wenn die Moderatorin in das Gesprächsgeschehen eingreift, indem sie z.B. einem bestimmten Gast mittels einer konkreten Fragestellung das Rederecht erteilt. Der fremdgesteuerte Sprecherwechsel geschieht einerseits direkt durch namentlichen Aufruf (vgl. Zeile 14) oder durch inhaltliche Vorgaben. Andererseits kann sie auch nonverbal erfolgen, beispielsweise durch Blickkontakt oder körperliche Zuwendung zu einem Gast. Bei Sabine Christiansen ist es auch nicht selten der Fall, dass Fragen ans Plenum gestellt werden. Deutlich wird das u.a. in Zeile 79ff., als die Moderatorin einerseits mit „uns“ alle Diskussionsteilnehmer anspricht, aber auch durch einen Blick in die Runde die Frage jedem zugänglich macht.

Fremdwahl durch einen Diskussionsteilnehmer kommt zu keiner Zeit in vorliegender Sendung vor.

8.2.6.3 DIE BEZIEHUNG VON GESPRÄCHSBEITRÄGEN

Einzelne Gesprächsbeiträge weisen nicht nur eine thematische Kohärenz auf, sondern sind auch funktional-kommunikativ miteinander verbunden. Schwitalla differenziert in initiierende und respondierende Gesprächsbeiträge. Eine Initiierung, die Autoren H. Henne und H. Rebock sprechen im gleichen Zusammenhang auch von Determinierung, meint Gesprächsbeiträge, die den Hörer zu einer Reaktion verpflichten, so erwartet der Sprecher beim Stellen einer Frage (initiierender Akt) eine Antwort, bei einem Gruß einen Gegengruß vom Angesprochenen. Respondierung bezeichnet jenen Gesprächsbeitrag, der als Reaktion auf den initiierenden Akt verstanden wird, wobei eine Respondierung in den meisten Fällen selbst initiierend wirkt: Zweifel an einer Behauptung iniziieren einen neuen Gesprächsbeitrag.81

Eine Respondierung weist jedoch nicht automatisch auf einen inhaltlichen Zusammenhang der gemachten Äußerungen hin. Deshalb unterscheidet man zusätzlich die Responsivität von der Respondierung. Ein respondierender Gesprächsbeitrag kann demnach responsiv sein, wenn sowohl die Intention als auch der Inhalt des initiierenden Aktes berücksichtigt wird, teilweise responsiv, wenn nur auf Teile des Inhalts Bezug genommen wird, oder er weist eine Nonresponsivität auf, nämlich dann, wenn weder auf den Inhalt noch auf die Intention des Gesagten eingegangen wird.82

Politische Talkshows weisen zahlreiche Gesprächsbeiträge dieser Art auf. Man könnte sagen, daß in einer inszenierten Diskussion, wie es bei Sabine Christiansen der Fall ist, fast jede Äußerung einen initiierenden Charakter besitzt. Jede Äußerung, ganz gleich, ob Frage oder Aussagesatz, löst einen respondierenden Akt aus, wirkt also initiierend. Diese Ambivalenz der auftretenden Respondierungen hält letztendlich die Diskussion in Gang. Die einzigen Äußerungen, die im Ablauf der Sendungen gemacht werden und keinen unmittelbaren initiierenden Effekt haben, ist die Anmoderation mit der Begrüßung des Publikums und die Zusammenfassung am Ende der Diskussion in Form eines Fazits.

Wenn man den Aspekt der Responsivität in respondierenden Äußerungen berücksichtigt, so stellt man jedoch fest, daß die Teilresponsivität darin überwiegt. Aussagen anderer Gesprächsteilnehmer werden als eine Art „Sprungbrett“ zum Vortragen eigener Argumente gesehen; dabei werden nur Teile des Inhaltes berücksichtigt. Dies lässt sich beispielsweise in Zeile 33 des Transkripts feststellen, als der Ministerpräsident des Saarlandes Peter Müller lediglich den Aspekt der Umverteilung als „Aufhänger“ dazu nutzt, um wenige Augenblicke später durch Selbstwahl (Zeile 48) das Wort „an sich zu reißen“ und seine Argumente vorzutragen. Der Aspekt der Teilresponsivität unterstreicht auch die These, dass es sich bei politischen Talkshows lediglich um Pseudodiskurse handelt, in denen nicht wirklich miteinander diskutiert, sondern vielmehr politische Werbung betrieben wird.

8.2.6.4 DIE ROLLEN DER GESPRÄCHSPARTNER

Die Teilnehmer eines Gesprächs besitzen nicht immer die gleichen Rechte und Pflichten bezüglich des Gesprächsverhaltens. Bei Sabine Christiansen handelt es sich um ein Fernsehgespräch mit deutlicher Rollentrennung, d.h. es gibt bevorrechtigte und nicht-bevorrechtigte Gesprächspartner.

Die Moderatorin nimmt eine bevorrechtigte Rolle innerhalb der Gesprächskonstellation ein, indem es nur ihr erlaubt ist die Diskussion zu eröffnen oder zu beenden, Subthemen einzuführen oder zu wechseln, Wertungen bei Äußerungen vorzunehmen oder die Länge der Gesprächsbeiträge zu bestimmen. Die Organisation des Gesprächs liegt also einzig in der Hand des Gesprächsleiters, während die Diskussionsteilnehmer überwiegend zu reaktivem, respondierendem Gesprächsverhalten verpflichtet sind, und sich bei wenig responsiven Antworten das Nachhaken der Moderatorin gefallen lassen müssen.

Jedoch handelt es sich bei dieser Rollenverteilung lediglich um institutionelle bzw. organisatorische Rollen, d.h. die Rollenverteilung besteht nur für die Dauer des Fernsehgesprächs, danach werden sie inexistent.83

Darüber hinaus lassen sich die Rollen nach ihrer Funktion bestimmen. Funktionale Rollen nehmen beispielsweise Gesprächspartner ein, die über eine spezifische Eignung oder Kenntnisse verfügen, wie z.B. Experten.84 In der vorliegenden Talkrunde dürfte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank Prof. Norbert Walter als Experte gelten.

Eine funktionale Rolle nehmen auch Betroffene oder Prominente ein, die sich vielleicht weniger politisch-versiert einbringen können, der Sendung aber einen stärkeren „human touch“ geben.

8.2.6.5 UNTERSUCHUNG DER MAKROSTRUKTUR

Betrachtet man die Makrostruktur der Sendung Sabine Christiansen, so lassen sich drei Phasen unterscheiden:

- Anfangsphase: Die Anfangsphase (auch: Gesprächskonstituierung) fungiert primär als Einleitung in die eigentliche Diskussion. Die Sendung Sabine Christiansen beginnt immer mit dem Vorspann, es folgt die Begrüßung des Präsenzpublikums und dem Zuschauern am Fernseher, dann wird das zu diskutierende Thema von der Moderatorin an einem extra dafür vorgesehenen Stehpult vorgestellt (vgl. Transkript). Daran an schließt die Begrüßung der geladenen Gäste und ein Filmbeitrag, der nochmals das Thema der jeweiligen Sendung aufnimmt. Dieser Ablauf ist in allen Sendungen gleich, so dass man die Anfangsphase bei Sabine Christiansen als ritualisiert bezeichnen kann.
- Gesprächsmitte: Die Gesprächsmitte dient der eigentlichen Behandlung des Themas in Form einer Diskussion; es geht also um die inhaltlich-sachliche Orientierung. Die Phase als solche besitzt auch rituellen Charakter, da die Diskussion als Gesprächsform ebenfalls immer wiederkehrt; jedoch ist der Grad der Ritualisierung nicht vergleichbar hoch wie das der Anfangsphase, da sich der Verlauf des Gesprächs nie gänzlich vorausbestimmen lässt.
- Beendigungsphase: diese Phase leitet das Ende der Diskussion ein. Im Fernsehen gelten gesonderte Regeln der Beendigungsphase. Die Diskussion muss aufgrund ihrer zeitlichen Determinierung (festgelegt durch die Sendezeit) einem Zeitplan folgen. Auch wenn nicht alle Argumente vorgetragen oder ein Konsens gefunden wurde, bestimmt der Moderator das Ende des Gespräches. Dies geschieht meist dadurch, dass der Moderator in seinen Äußerungen darauf hinweist, dass sich die Diskussion dem Ende zuneigt (vgl. Zeile 79: „lassen sie uns doch zum Schluss noch mal...“) oder/und geschieht in Form einer Zusammenfassung und Wertung des thematisch Erörterten durch den Moderator. Schließlich erfolgt der Dank an die Gäste und Zuschauer, an der Gesprächsrunde teilgenommen zu haben, und der Hinweis an das Publikum zu Hause, im Chat das Thema weiter diskutieren zu können. Die Beendigungsphase kann jedoch auch nonverbal eingeleitet sein. So symbolisiert das Zusammenrollen der Moderationspapiere ebenfalls einen Akt, der das Ende der Diskussion ankündigt (vgl. Videomitschnitt/Ende der Sendung). Diese Handlungen weisen ebenfalls einen ritualisierten Charakter auf.

8.2.6.6 NONVERBALES VERHALTEN INNERHALB DES GESPRÄCHS

Körpersprache spielt innerhalb von Gesprächen eine große Rolle. Das ist nicht anders in politischen Talkshows. Mimik, Gestik, Körperhaltung und Blickkontakt unterstützen Gesagtes und verdeutlichen das Befinden der Personen (des Hörers wie des Sprechers).

Insbesondere in der Hörerrolle kommt dem nonverbalen Verhalten eine wichtige Schlüsselfunktion zu, bestimmt es doch hauptsächlich die Höreraktivität, auch back-channel-behaviour genannt. So bekundet beispielsweise das Aufrichten und der Blick der Moderatorin während des Gesprächsbeitrages von Dietmar Bartsch (vgl. Videomitschnitt/ Transkript Zeile 23ff) Hörerinteresse; ein Zurücklehnen und Lächeln demonstriert Gelassenheit und Dominanz (vgl. Videomitschnitt/ Transkript Zeile 23ff). Aber auch in der Sprecherrolle wird das nonverbale Verhalten offenbar. Bestes Beispiel bildet die bei fast allen Rednern dieser Diskussion zu findende typischen Bewegungen der Hand (der Bewegung des Dirigierens ähnlich). Durch gezielt eingesetzte Gestik soll hier die Äußerung bekräftigt werden (vgl. Videomitschnitt/Transkript Zeile 55ff). Besonders augenscheinlich wird diese Geste, als sie von den Politikern Bartsch und Müller zeitgleich ausgeführt wird (vgl. Videomitschnitt 54.35 - 54.40min).

Werner Holly unterscheidet das nonverbale Verhalten in politischen Talkshows von dem normaler Gesprächskonstellationen. Seiner Meinung nach wirkt das Politikerverhalten stilisiert; Körpersprache erfolgt nicht unbewusst, sondern wird ganz gezielt eingesetzt. Spontane Körpersprache wird ebenso wie allzu plumpe Werbungsmittel (Lächeln, Arme hochreißen...etc.) generell vermieden. „Was wir in Fernsehdiskussionen sehen, ist also nicht alltagsübliches körpersprachliches Verhalten [... ]. Wir sehen statt dessen Körpersprache, die unter dem Einfluß des sogenannten ‚Agora-Effekts‘ steht - so hat man den Sachverhalt bezeichnet, daß Protagonisten im Fernsehen sich der Kamera bewußt sind und entsprechend verhalten. Beherrschung, Kontrolle, gezielte Mimik, Gestik und Körperhaltung, aber auch adäquates Aussehen, sind wichtige Mittel, Diskussionsrahmen zu fingieren.“85

8.2.6.7 DIE VISUELLE INSZENIERUNG

Die Bildregie nimmt eine wichtige Stellung im Ablauf der Diskussion ein. Kameraführung und Umschnitt86 erscheinen nicht beliebig, sondern haben die Funktion den Gesprächscharakter der Sendung zu stützen oder gar herzustellen.

Dabei bedient sich die Bildregie einem relativ kleinem Spektrum an Einstellungen (shots), die von der Supertotalen, über die Nahaufnahme bis hin zur Groß- und Detailaufnahme reicht.87

Am häufigsten verwendete Kameraeinstellung ist die Nahaufnahme, die man als Normaleinstellung in politischen Fernsehtalkshows betrachten kann. Sie dominiert eindeutig innerhalb des Gesprächablaufs und verstärkt den Eindruck der Unmittelbarkeit, insbesondere, wenn es sich bei der Nahaufnahme um eine Quereinstellung handelt, bei der über die Schulter des Sprechers der Zuhörer ins Bild gebracht wird. Dies ist beispielsweise während des Gesprächsbeitrags von Prof. Norbert Walter der Fall (vgl. Videomitschnitt/Transkript Zeile 1ff). Das Verfahren eignet sich insbesondere dazu, Konfrontationscharakter zu vermitteln.

„Auf diese Weise sollen ‚Spannungslinien‘ zwischen den Beteiligten verdeutlicht werden, was zur Dramatisierung beitragen kann.“88

Aus Gründen der Abwechslung und zur Vermittlung eines räumlichen Eindrucks werden die Nahaufnahmen von Total- und Halbtotal- Einstellungen ergänzt. Sie finden jedoch auch dann verstärkten Einsatz, wenn unklar ist, wer der nächste Sprecher sein wird. In der vorliegenden Sendung ist das beispielsweise der Fall, als die Moderatorin durch Selbstwahl in die „verbale Auseinandersetzung“ zwischen dem PDS-Geschäftsführer Dietmar Bartsch und dem Ministerpräsidenten des Saarlandes Peter Müller eingreift und durch Stellen einer Frage einen Themenwechsel einleitet (vgl. Videomitschnitt/Transkript Zeile 80).

Auch wenn der Umschnitt als dominierendes Bildgestaltungsmittel bezeichnet werden kann, wird er dennoch teilweise ergänzt vom Kameraschwenk und -zoom. Im Videoausschnitt wird dies gleich zweimal offenbar: während des Gesprächsbeitrages Dietmar Bartschs und am Ende, als ein Schwenk in die Halbtotale erfolgt. Ganz zu Beginn der Sendung erfolgt ebenfalls ein Schwenk und Zoom vom klatschenden Publikum (Supertotale) zur am Pult stehenden Moderatorin (Nahaufnahme). Zoom und Schwenk vermitteln ein Gefühl der Dynamik.

Generell lässt sich sagen, dass immer derjenige im Bild ist, der gerade redet. Sprecheraufnahmen werden jedoch immer von Hörereinstellungen ergänzt. Dies geschieht einerseits, um eine gewisse Ausgewogenheit herzustellen, andererseits um den Diskussionscharakter auch visuell aufrecht zu erhalten bzw. zu stützen. Erwähnt seien zum Schluss noch die sogenannten Inserts als ein weiterer Bestandteil der visuellen Inszenierung. Bei Sabine Christiansen werden vorwiegend die Namen der Gäste am unteren Bildschirmrand eingeblendet. Darüber hinaus weisen die Inserts auf Möglichkeiten der zusätzlichen Informationsbeschaffung hin. So wird mehrfach innerhalb des Sendeverlaufs auf die Internetseite zur Sendung hingewiesen.

8.3 FAZIT

Wie wir gesehen haben, sind Fernsehdiskussionen wie Sabine Christiansen eine politische Inszenierung. Dennoch erscheint die Diskussion, die im Normalfall mit mehreren Gesprächspartnern, unter Leitung eines Diskussionsleiters (dem Moderator) stattfindet und innerhalb eines festgesetzten Zeitrahmens (der Sendezeit) ein vorgegebenes Thema erörtert, als ein „geeignetes Instrumentarium, wenn es um öffentliche Meinungsbildung und um kritisches Problematisierung gegebener Sachverhalte oder Ereignisse [ geht ] “.89

Zwar sind der Diskussion, nach Meinung von Angelika Linke, politische Berichterstattungen oder Dokumentationen vorzuziehen, wenn es um die rein informative Präsentation von Politik gehen soll, doch bietet gerade diese Gesprächsform eine gewisse, nicht außer acht zu lassende Objektivität, in der Form, dass Themen pluralistisch und demokratisch angegangen werden können. Unterschiedliche Gästekonstellationen führen zu unterschiedlichen Beurteilungen und Bewertungen eines Gesprächsgegenstandes, die letztendlich den Zuschauer zu einer eigenständigen Meinungsbildung auffordern sollen. Auch wenn die Diskussion als demokratischste Vermittlungsform anzusehen ist, so kritisiert eine Mehrzahl von Autoren die Effektivität einer derartigen Vermittlung politischer Botschaften und Hintergründe. Politische Debatten und Diskussionsrunden erscheinen in ihren Augen als reine Pseudoereignisse und haben mit dem natürlichen Begriff der Diskussion nur noch wenig miteinander gemein. Ist die Diskussion unter normalen, d.h. alltäglichen Bedingungen dem Ideal nach themenbezogen, rational und argumentativ, so erscheint die politische Fernsehdiskussion personenbezogen, emotional und plakativ. Es geht nicht mehr um die Bekräftigung oder Widerlegung einer These, sondern überwiegend um Selbstdarstellung, Karrierearbeit und Parteienwerbung.90 „Daß Politiker sich danach drängen, in solchen Sendungen aufzutreten, hat dann auch weniger mit ihrer Diskussionslust zu tun als mit der nicht zu überbietenden Reichweite und Aktualität des Mediums. Fernsehen ist zum wichtigsten propagandistischen Forum geworden, und dabei sind sogenannte ‚Diskussionen‘ neben den 1 Minute 20-Häppchen-Statements die besten Gelegenheiten zu wirkungsvoller Bildschirmpräsenz.“91 Weiter heißt es: „Eine zweifache Zielsetzung verfolgen die Protagonisten. Sie wollen - ganz legitim - für sich und ihren Standpunkt beim Zuschauer werben; sie möchten aber auch - gut verständlich - ihre Werbeabsicht vor dem Zuschauer verbergen. Deshalb tun sie, als ob sie miteinander diskutieren würden.“92 Mit anderen Worten: Kommunikationsziel- und Zweck der geladenen Gesprächsteilnehmer ist es nicht, sich mit den anderen Studiogästen auseinanderzusetzen oder auch einfach nur mit ihnen zu „plaudern“; es geht weniger darum, einen Mitdiskutierenden, der eine konträre Meinung zu dem infragestehenden Diskussionsgegenstand vertritt, von der eigenen Auffassung zu überzeugen; vielmehr sind die Studiogäste daran interessiert, bei den Zuschauern einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, sie für sich einzunehmen, zu überzeugen und bestimmte Informationen zukommen zu lassen und ihnen bestimmte Argumente näherzubringen. Es sind also nicht die Gesprächsteilnehmer, die angesprochen werden sollen, auch wenn dies zweifelsohne innerhalb des Diskussionskreises auf direktem Wege passiert, sondern der vor dem Fernseher sitzende Zuschauer und das im Studio anwesende Publikum. Wie bereits in Kapitel 1.6 erwähnt verläuft die Kommunikation in politischen Fernsehgesprächen wie Sabine Christiansen also in der Regel nicht dialogisch, sondern trialogisch, d.h. der eigentliche Adressat produzierter Äußerungen ist nicht der Mitstreiter der Diskussionsrunde, sondern der Zuschauer am Bildschirm.

Auch Sarcinelli und Tenscher bemerken, dass die Diskussionsrunden im Fernsehen für politische Akteure eine der effektivsten Formen zur Selbstdarstellung und Eigenwerbung vor großem Publikum sind: „ [... ] stets geht es um politisch-mediales Doppelspiel: einerseits um die Darstellung politischer ‚Wirklichkeit‘, andererseits um die Erringung kommunikativer Positionsvorteile im politischen Wettbewerb. Dabei zielen politische Akteure [... ] darauf ab, ihre Problemlösungskompetenz unter Beweis zu stellen, politische Grundorientierungen, Normen und Wertvorstellungen zu vermitteln [ und ] sich selbst als Verantwortliche mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen zu präsentieren [... ].“93

9. SCHLUSS

Im direkten Vergleich der drei analysierten Talkshow-Genres stechen folgende Gemeinsamkeiten ins Auge: Die Diskussionen haben immer einen inszenierten Charakter mit institutionellen und funktionalen Rollen seitens der Gäste. In seiner institutionellen Rolle wirkt der Moderator stets gesprächsorganisierend. Er ist bevorrechtigter Sprecher, weist durch Fremdinitiierung die Rederechte zu, eröffnet und beendet die entstehenden Gespräche, kommentiert und hakt nach.

Die Anzahl der genrebedingten Unterschiede ist demgegenüber ungleich größer: Bei Portrait-Talk (Boulevard Bio) und Polit-Talk (Sabine Christiansen) lässt sich ein durchgehend sehr viel höheres Sprachniveau erkennen als im Daily-Talk. Lautstärkeschwankungen bleiben bei den Erstgenannten weitestgehend aus, wohingegen bei Andreas Türck eine sehr auffällige Dynamik zu verzeichnen ist. Weiterhin wird eine „niveauvolle“ Talkshow durch längere eloquente Redebeiträge charakterisiert.

Die Gesprächskonstellationen unterscheiden sich bei Biolek, Christiansen und Türck grundlegend: Während bei Boulevard Bio das erweiterte Einzelgespräch vorherrscht und sich nur am Ende der Sendung ein Gruppengespräch andeutet, steht gerade dieses Gruppengespräch bei Sabine Christiansen auf der Tagesordnung. Andreas Türck ist dagegen durch kurze Einzelgespräche, erweiterte Einzelgespräche und Gruppengespräche geprägt.

Im Daily-Talk und Polit-Talk kommt es - abgrenzend vom Portrait-Talk - immer wieder zu parallelem Sprechen (auch über mehrere Sätze hinweg). Dies lässt sich u.a. dadurch erklären, dass in beiden Sendungen die Selbstwahl von Talkgästen gegenüber der Fremdwahl durch den Moderator überwiegt. Bei Biolek übernimmt größtenteils der Talkmaster die Zuweisung der turns.

Zusammenfassend lässt sich herausstellen, dass sich der Daily-Talk am stärksten von beiden anderen Genres abgrenzt. Hier stehen selten prominente Personen auf der Gästeliste, die ihr Image durch einen Fernsehauftritt bewahren oder gar aufwerten müssen. Für Politiker fungieren Polit-Talks als politische Werbebühne, Portrait-Talks hingegen können das öffentliche Ansehen von Prominenten aufbessern (z.B. durch Aufzeigen noch unbekannter persönlicher Facetten). Diese unterschiedlichen Motivationen und Intentionen der Gäste prägen letztendlich den sprachlichen Stil in den Talksendungen des deutschen Fernsehens.

10. LITERATURVERZEICHNIS

- Foltin, Hans-Friedrich: Die Geschichte eines schillernden Genres, in: Geschichte des Fernsehens in der Bundesrepublik Deutschland Band 4, München 1994
- Gehrs, Oliver: Schweigen ist Gold, in: Spiegel 21/2000
- Holly, Werner: Imagearbeit in Gesprächen. Zur linguistischen Beschreibung des Beziehungsaspekts, Tübingen 1979
- Holly, W./Kühn, P./Püschel, U.: Politische Fernsehdiskussionen. Zur medienspezifischen Inszenierung von Propaganda als Diskussion, Tübingen 1986
- Holly, W./Kühn P./Püschel U.: Redeshows. Fersehdiskussionen in der Diskussion, Tübingen 1989
- Linke, Angelika: Gespräche im Fernsehen. Eine diskursanalytische Untersuchung, Bern 1985
- Linke, Angelika/Nussbaumer, Markus/Portman, Paul R.: Studienbuch Linguistik, Tübingen 1996
- Luhmann, Niklas: Die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation, in: Kursbuch Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard, Hg.: Engell, Lorenz/Pias, Claus/Vogl, Joseph, Stuttgart 1999, S. 55-66
- Lutterbeck, Claus: Beichtstuhl über’m Gully, in: STERN 20/98
- Mühlen, Ulrike: Talk als Show. Eine linguistische Untersuchung der Gesprächsführung in den Talkshows des deutschen Fernsehens, Frankfurt a. M./Bern/New York 1985
- Plake, Klaus: Talkshows. Die Industrialisierung der Kommunikation, Darmstadt 1999
- Prott, Jürgen: Ökonomie und Organisation der Medien. Wirtschaftliche Grundlagen des Rundfunks und Probleme der inneren Rundfunkfreiheit, in: Merten, K./Schmidt, S.J./Weischenberg, S.: Die Wirklichkeit der Medien. Eine Einführung in die Kommunikationswissenschaft, Opladen 1994
- Sarcinelli, U./Tenscher, J.: Polit-Flimmern und sonst nichts? Das Fernsehen als Medium symbolischer Politik und politischer Talkshowisierung, in: Fernsehforschung in Deutschland Teilband 1, Baden-Baden 1998
- Schlobinski, Peter/Kohl, Gaby/Ludewigt, Irmgard: Jugendsprache. Fiktion und Wirklichkeit, Opladen 1993
- Semeria, Stefano: Talk als Show - Show als Talk, Opladen 1999
- Steinbrecher, M./Weiske, M.: Die Talkshow - 20 Jahre zwischen Klatsch und News, München 1992
- Steuble, Annette: Integrative Konversationsanalyse zum Zusammenhang von Sprache, nonverbaler Kommunikation und interaktiver Beziehung, Pfaffenweiler 1986
- Tenscher, Jens: „Sabine Christiansen“ und „Talk im Turm“. Eine Fallanalyse politischer Fernsehtalkshows, in: Publizistik 3/99

INTERNET

- www.hausarbeiten.de/rd/archiv/kw/kw-talkshow1.shtml
- www.hausarbeiten.de/rd/archiv/soziologie/soz-talkshows.shtml
- www.sabinechristiansen.de

[...]


1 Niklas Luhmann: Die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation, in: Kursbuch Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard, Hg.: Lorenz Engell/Claus Pias/Joseph Vogl, Stuttgart 1999, S. 55

2 Ulrike Mühlen: Talk als Show. Eine linguistische Untersuchung der Gesprächsführung in den Talkshows des deutschen Fernsehens, Frankfurt a. M./Bern/New York 1985, S. 16

3 Ulrike Mühlen: Talk als Show. Eine linguistische Untersuchung der Gesprächsführung in den Talkshows des deutschen Fernsehens, Frankfurt a. M./Bern/New York 1985, S. 327

4 Werner Holly: Imagearbeit in Gesprächen. Zur linguistischen Beschreibung des Beziehungsaspekts, Tübingen 1979, S. 117

5 Klaus Plake: Talkshows - Die Industrialisierung der Kommunikation, Darmstadt 1999 7

6 vgl. Ulrike Mühlen: Talk als Show. Eine linguistische Untersuchung der Gesprächsführung in den Talkshows des deutschen Fernsehens, Frankfurt a. M./Bern/New York 1985, S. 211ff

7 M. Steinbrecher/M. Weiske: Die Talkshow - 20 Jahre zwischen Klatsch und News, München 1992, S. 70

8 M. Steinbrecher/M. Weiske: Die Talkshow - 20 Jahre zwischen Klatsch und News, München 1992, S. 70

9 ebd., S. 73

10 vgl. Ulrike Mühlen: Talk als Show. Eine linguistische Untersuchung der Gesprächsführung in den Talkshows des deutschen Fernsehens, Frankfurt a. M./Bern/New York 1985, S. 28ff

11 ebd., S. 31

12 ebd.

13 ebd.

14 ebd.

15 Hans-Friedrich Foltin: Die Geschichte eines schillernden Genres, in: Geschichte des Fernsehens in der Bundesrepublik Deutschland Band 4, München 1994, S. 69f

16 ebd., S. 104

17 Ulrike Mühlen: Talk als Show. Eine linguistische Untersuchung der Gesprächsführung in den Talkshows des deutschen Fernsehens, Frankfurt a. M./Bern/New York 1985, S. 27f

18 ebd., S. 68

19 Hans-Friedrich Foltin: Die Geschichte eines schillernden Genres, in: Geschichte des Fernsehens in der Bundesrepublik Deutschland Band 4, München 1994, S. 71

20 Angelika Linke: Gespräche im Fernsehen. Eine diskursanalytische Untersuchung, Bern 1985, 42f

21 M. Steinbrecher/M. Weiske: Die Talkshow - 20 Jahre zwischen Klatsch und News, München 1992, S. 54

22 ebd., S. 44f

23 U. Sarcinelli/J. Tenscher: Polit-Flimmern und sonst nichts? Das Fernsehen als Medium symbolischer Politik und politischer Talkshowisierung, in: Fernsehforschung in Deutschland Teilband 1, Baden-Baden 1998, S. 308f

24 Jens Tenscher: „Sabine Christiansen“ und „Talk im Turm“. Eine Fallanalyse politischer Fernsehtalkshows, in: Publizistik 3/99, S. 318

25 Klaus Plake: Talkshows. Die Industrialisierung der Kommunikation, Darmstadt 1999, S. 32 ff

26 M. Steinbrecher/M. Weiske: Die Talkshow - 20 Jahre zwischen Klatsch und News, München 1992, S. 21

27 Hans-Friedrich Foltin: Die Geschichte eines schillernden Genres, in: Geschichte des Fernsehens in der Bundesrepublik Deutschland Band 4, München 1994, S. 104f

28 M. Steinbrecher/M. Weiske: Die Talkshow - 20 Jahre zwischen Klatsch und News, München 1992, S. 21

29 Hans-Friedrich Foltin: Die Geschichte eines schillernden Genres, in: Geschichte des Fernsehens in der Bundesrepublik Deutschland Band 4, München 1994, S. 102

30 M. Steinbrecher/M. Weiske: Die Talkshow - 20 Jahre zwischen Klatsch und News, München 1992, S. 21

31 Klaus Plake: Talkshows. Die Industrialisierung der Kommunikation, Darmstadt 1999, S. 66

32 Oliver Gehrs: Schweigen ist Gold, in: Spiegel 21/2000

33 Klaus Plake: Talkshows. Die Industrialisierung der Kommunikation, Darmstadt 1999, S. 96f

34 Klaus Plake: Talkshows. Die Industrialisierung der Kommunikation, Darmstadt 1999, S. 41

35 ebd., S. 38f

36 M. Steinbrecher/M. Weiske: Die Talkshow - 20 Jahre zwischen Klatsch und News, München 1992, S. 110

37 M. Steinbrecher/M. Weiske: Die Talkshow - 20 Jahre zwischen Klatsch und News, München 1992, S. 111

38 M. Steinbrecher/M. Weiske: Die Talkshow - 20 Jahre zwischen Klatsch und News, München 1992, S. 113

39 ebd., S. 113ff

40 ebd., S. 124

41 M. Steinbrecher/M. Weiske: Die Talkshow - 20 Jahre zwischen Klatsch und News, München 1992, S. 126

42 ebd., S. 127f

43 ebd., S. 131ff

44 Claus Lutterbeck: Beichtstuhl überm Gully, in: STERN 20/98

45 Hans-Friedrich Foltin: Die Geschichte eines schillernden Genres, in: Geschichte des Fernsehens in der Bundesrepublik Deutschland Band 4, München 1994, S. 77ff

46 ebd., S. 73f

47 Hans-Friedrich Foltin: Die Geschichte eines schillernden Genres, in: Geschichte des Fernsehens in der Bundesrepublik Deutschland Band 4, München 1994, S. 80f

48 ebd., S. 88

49 Oliver Gehrs: Schweigen ist Gold, in: Spiegel 21/2000

50 Angelika Linke/Markus Nussbaumer/Paul R. Portmann: Studienbuch Linguistik, 27 Tübingen 1996

51 ebd.

52 Angelika Linke/Markus Nussbaumer/Paul R. Portmann: Studienbuch Linguistik, Tübingen 1996

53 Angelika Linke/Markus Nussbaumer/Paul R. Portmann: Studienbuch Linguistik, 31 Tübingen 1996

54 Angelika Linke/Markus Nussbaumer/Paul R. Portmann: Studienbuch Linguistik, Tübingen 1996

55 Ulrike Mühlen: Talk als Show. Eine linguistische Untersuchung der Gesprächsführung in den Talkshows des deutschen Fernsehens, Frankfurt a. M./Bern/New York 1985, S. 31

56 vgl. Stefano Semeria: Talk als Show - Show als Talk, Opladen 1999

57 www.hausarbeiten.de/rd/archiv/soziologie/soz-talkshows.shtml

58 vgl. Ulrike Mühlen: Talk als Show. Eine linguistische Untersuchung der Gesprächsführung in den Talkshows des deutschen Fernsehens, Frankfurt a. M./Bern/New York 1985, S. 19

59 vgl. Peter Schlobinski/Gaby Kohl/Irmgard Ludewigt: Jugendsprache. Fiktion und Wirklichkeit, Opladen 1993, S. 136f

60 vgl. Angelika Linke/Markus Nussbaumer/Paul R. Portmann: Studienbuch Linguistik, 39 Tübingen 1996, S.267

61 W. Holly/P. Kühn/U. Püschel: Politische Fernsehdiskussionen. Zur medienspezifischen Inszenierung von Propaganda als Diskussion, Tübingen 1986

62 www.hausarbeiten.de/rd/archiv/soziologie/soz-talkshows.shtml

63 W. Holly/P. Kühn/U. Püschel: Politische Fernsehdiskussionen. Zur medienspezifischen Inszenierung von Propaganda als Diskussion, Tübingen 1986

64 www.hausarbeiten.de/rd/archiv/kw/kw-talkshow1.shtml

65 Angelika Linke/Markus Nussbaumer/ Paul R. Portmann: Studienbuch Linguistik, Tübingen 1996

66 Angelika Linke/Markus Nussbaumer/Paul R. Portmann: Studienbuch Linguistik, Tübingen 1996

67 vgl. Jürgen Prott: Ökonomie und Organisation der Medien. Wirtschaftliche Grundlagen des Rundfunks und Probleme der inneren Rundfunkfreiheit“ in: K. Merten/ S.J. Schmidt/S. Weischenberg: Die Wirklichkeit der Medien. Eine Einführung in die Kommunikationswissenschaft, Opladen 1994, S. 495ff

68 Jens Tenscher: „Sabine Christiansen“ und „Talk im Turm“. Eine Fallanalyse politischer Fernsehtalkshows, in: Publizistik 3/99, S. 317-333

69 ebd., S. 317

70 ebd., S. 318

71 ebd., S. 320

72 U. Sarcinelli/ J. Tenscher: Polit-Flimmern und sonst nichts? Das Fernsehen als Medium symbolischer Politik und politischer Talkshowisierung, in: Fernsehforschung in Deutschland Teilband 1, Baden-Baden 1998, S. 313

73 ebd.

74 vgl. www.sabine-christiansen.de

75 vgl. www.sabine-christiansen.de

76 Klaus Plake: Talkshows. Die Industrialisierung der Kommunikation, Darmstadt 1999

77 Jens Tenscher: „Sabine Christiansen“ und „Talk im Turm“. Eine Fallanalyse politischer Fernsehtalkshows, in: Publizistik 3/99, S. 330

78 ebd., S. 327

79 U. Sarcinelli/J. Tenscher: Polit-Flimmern und sonst nichts? Das Fernsehen als Medium symbolischer Politik und politischer Talkshowisierung, in: Fernsehforschung in Deutschland Teilband 1, Baden-Baden 1998, S. 307

80 Klaus Plake: Talkshows. Die Industrialisierung der Kommunikation, Darmstadt 1999, S. 104

81 Angelika Linke/Markus Nussbaumer/Paul R. Portmann: Studienbuch Linguistik Tübingen 1996, S. 279

82 ebd., S. 281

83 Angelika Linke/Markus Nussbaumer/Paul R. Portmann: Studienbuch Linguistik Tübingen 1996, S. 290f

84 Angelika Linke/Markus Nussbaumer/Paul R. Portmann: Studienbuch Linguistik Tübingen 1996, S. 290

85 W. Holly/P. Kühn/U. Püschel: Politische Fernsehdiskussionen. Zur medienspezifischen Inszenierung von Propaganda als Diskussion, Tübingen 1986, Kap. 8.4

86 als weiteres Element der Bildgestaltung wäre noch die Beleuchtung zu nennen, auf die aber nicht explizit eingegangen wird. Generell lässt sich im Falle von Sabine Christiansen sagen, dass sowohl die Gäste als auch das gesamte Studio mit Präsenzpublikum voll ausgeleuchtet ist. Dabei wird ein neutrales Licht (key- und fill- light) erzeugt, das durch gleichmäßige Ausleuchtung harte Schatten auf den Gesichtern verhindert

87 ebd., Kap. 8.2.1

88 W. Holly/P. Kühn/U. Püschel: Politische Fernsehdiskussionen. Zur medienspezifischen Inszenierung von Propaganda als Diskussion, Tübingen 1986, Kap. 8.3

89 Angelika Linke: Gespräche im Fernsehen. Eine diskursanalytische Untersuchung, Bern 1985, S. 24

90 W. Holly/P. Kühn/U. Püschel: Redeshows. Fernsehdiskussionen in der Diskussion, Tübingen 1989, S. 2

91 ebd., S. 1

92 W. Holly/P. Kühn/U. Püschel: Redeshows. Fernsehdiskussionen in der Diskussion, Tübingen 1989, S. 6

93 U. Sarcinelli/J. Tenscher: Polit-Flimmern und sonst nichts? Das Fernsehen als Medium symbolischer Politik und politischer Talkshowisierung, in: Fernsehforschung in Deutschland Teilband 1, Baden-Baden 1998, S. 306

Details

Seiten
71
Jahr
2001
Dateigröße
615 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v104670
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
Schlagworte
Kommunikation Talkshows Drei Genres Vergleich Forschungslernseminar Linguistische Medienanalyse

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Titel: Kommunikation in Talkshows - Drei Genres im Vergleich