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Russland zwischen Oktoberrevolution und Perestroika und Glasnost

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 8 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Europa ab kaltem Krieg

Leseprobe

Gliederung des Referates:

I.) Begriffsklärung „Glasnost“ und „Perestroika“

II.) Russland nach der Oktoberrevolution 1917

III.) Perestroika und Glasnost unter Gorbatschow (1985- 1991)

I.) Begriffsklärung Glasnost und Perestroika:

Glasnost ist das russische Wort für „Transparenz“, „Offenheit“. Mitte der 80er Jahre von Generalsekretär Michail Gorbatschow geprägter Leitbegriff für die politisch- ideologisch begründeten Beschränkungen der Pressefreiheit in der Sowjetunion.

Perestroika ist das russische Wort für Wandlung. Neben Glasnost ist es eine der zentralen Parolen nach dem Machtantritt Michail Gorbatschows in der UdSSR 1985; Der Begriff bezieht sich auf die Wandlung politischer Strukturen, Wirtschaft und Verwaltung durch innere Reformen, die das Sowjetsystem retten sollen.

II.) Russland nach der Oktoberrevolution 1917:

Als bei der Oktoberrevolution in der Nacht vom 24. zum 25. Oktober 1917 alle strategisch wichtigen Punkte der Hauptstadt durch Rote Garden und reguläre Regimenter besetzt wurden, wurde die Provisorische Regierung unter Kerenski abgesetzt und durch Sowjets ersetzt. Noch am selben Abend begann der II. Gesamtrussische Kongress mit einer absoluten Mehrheit der Bolschewiki. Es wurden Dekrete beschlossen, die die Forderungen der Revolution erfüllten.

Während Russland Friedensverhandlungen mit den Mittelmächten (Deutschland, Österreich- Ungarn u. a.) machen wollte, besetzten diese Weißrussland. Da aber die russischen Soldaten aufgrund der Landverteilung, die durch den II. Gesamtrussischen Kongress beschlossen worden war, die Front verlassen hatten, musste Russland beim Friedensschluss im März 1918 ein wichtiges Gebiet abtreten. Dennoch intervenierten Japan und die ehemaligen Kriegsverbündeten (England, Frankreich und die USA) und unterstützten im beginnenden Bürgerkrieg die „Weißen“, die Gegner der Sowjetmacht und Befürworter der vorrevolutionären Verhältnisse. Aufgrund dessen überwanden die Arbeiter und Bauern ihre Kriegsmüdigkeit und schlossen sich in der „Roten Armee“ zusammen und schlugen 1920 ihre Gegner. Während des Angriffs wurde die „Rote Armee“ mit der Versorgung landwirtschaftlicher Produkte, deren Gewinn um 1/3 zurückgegangen war, bevorzugt. Außerdem gab es zur Zeit des sogenannten Kriegskommunismus Lebensmittel und öffentliche Dienstleistungen umsonst, die Bauern wurden verpflichtet, Überschüsse an Agrarerzeugnissen entgeltlos abzugeben. Dies wurde aber nur toleriert, weil man befürchtete, dass bei einem Sieg der „Weißen“ die vorrevolutionären Rechte wieder gelten würden.

Als diese Gefahr 1920 aber gebannt war, weigerten sich die Bauern zu kostenlosen Abgaben. Folge dessen waren Aufstände und Unruhen, so dass eine Wirtschafts- und Gesellschaftsreform, die innerhalb der Partei der Bolschewiki zu heftigen Diskussionen führte, geschaffen wurde.

Die Ablieferungspflicht für Agrarprodukte wurde durch Natural- und Geldsteuern ersetzt. Weiter wurde der private Handel wieder zugelassen, so 2 dass die Betriebe mehr Entscheidungsfreiheit, gleichzeitig aber auch Eigenverantwortung, bekamen. Auch wurden Lebensmittel und öffentliche Dienstleistungen nicht mehr entgeltlos angeboten, die Frauen mussten sich also zwangsweise aus dem öffentlichen Berufsleben zurückziehen und wieder ihre Familien versorgen.

Diese vielen Neuerungen in der Politik wirkten sich aber nicht nur auf die Gesellschaft aus, sondern ebenfalls auf die Gruppe der Künstler. Sie wollten die Geschehnisse durch neue Formen ausdrücken, was durch die Bolschewiki unterstützt wurde, um den Analphabetismus zu überwinden. Das wissenschaftliche Erbe, das bislang nur für wenige zugänglich war, sollte für alle verfügbar gemacht werden. So wurden neue Lehrformen und Lern- und Informationsmaterialien angeboten. So wurden durch die Bildung bessere Arbeitsleistungen und eine Beschleunigung der Industrialisierung erreicht.

Man versuchte außerdem, das Ausland zu Investitionen in die Wirtschaft Russlands zu überzeugen, was aber aufgrund des Misstrauens seitens des Auslandes misslang. Die Landwirtschaft blieb also einzige Kapitalquelle, weshalb die Bauern möglichst viel produzieren, verkaufen und von dem Erlös Industrieprodukte kaufen sollten. Dabei wurde aber die Schwerindustrie wegen der Grundlage zur weiteren Industrialisierung bevorzugt unterstützt. Es wurden durch eine Planwirtschaft für Industrieprodukte höhere Preise festgelegt als für Agrarprodukte. Die Bauern aber wollten nicht in die Industrieprodukte investieren, da es für sie ein attraktiveres Warenangebot gab. Die Bolschewiki versuchten also zunächst, sie mit guten Worten und Geld zu überreden, als dies aber nicht gelang, griffen sie auf den aus der Revolution bekannten Druck zurück.

Doch dadurch wurden die sozialen Verhältnisse zwischen den reichen und den armen Bauern verstärkt. Ein großer Teil wurde also in Kollektivwirtschaften zusammengefasst, um so der planwirtschaftlichen Erfassung zugänglich gemacht zu werden und Mittel für eine beschleunigte Industrie zu gewinnen. Folge davon war eine zentralgelenkte Befehlswirtschaft für Landwirtschaft und Industrie. Aber der Aufbau der Industrie verlief so sehr schnell und während die kapitalistischen Länder Probleme mit der Weltwirtschaftskrise hatten, fand Russland den Anschluss. Dennoch wurden verschiedene Wirtschaftsbereiche bevorzugt und dadurch entstanden Ungerechtigkeiten und Fehlentwicklungen, die zu Konflikten innerhalb der Gesellschaft führten.

III.) Perestroika und Glasnost unter Gorbatschow (1985- 1991):

Die vielen Probleme in Russland erkannte nach den Generalsekretären Breschnew (1964- 1982), Andropow (1982- 1984) und Tschernenko (1984- 1985) viele Jahre später auch Michail Gorbatschow (*1931). Russland war ein Vielvölkerstaat mit fehlender Mit- und Selbstbestimmung der Bürger. Außerdem hatte sich Russland ein Wettrüsten mit den USA geliefert- die wirtschaftliche Produktivität wurde dadurch und durch den Einsatz sowjetischer Truppen im Krieg in Afghanistan seit 1979 stark vernachlässigt, der Lebensstandard der russischen Bevölkerung lag weit unter dem der westlichen Industriestaaten.

Gorbatschow wollte bei seiner Wahl 1985 zum Generalsekretär und damit zum mächtigsten Mann im Staat eine Umgestaltung der Wirtschaft und Verwaltung (Perestroika) und eine Demokratisierung der Gesellschaft (Glasnost). Durch technischen Fortschritt, Kampf gegen Korruption und Schließung verlustreicher Unternehmungen sollte die Wirtschaftlichkeit der Betriebe erhöht werden. Weiter sollte die Bürokratie abgebaut werden und den Menschen mehr Eigenständigkeit gewährt werden, um so deren Verantwortungsbereitschaft zu fördern. Die ersten Schritte in Gorbatschows Politik machten sich durch plötzlich auftretendes kritisches Schreiben der Medien und öffentlichen Diskussionen über den Stalinismus und die eigene Geschichte sowie Demonstrationen, die nun ohne polizeilichen Einsatz durchgeführt werden konnten, bemerkbar.

1986 wurden die „Radikalen Reformen“ verabschiedet, die Betriebe sollten mehr Selbständigkeit erhalten. Bereits 1987, war es möglich, privatwirtschaftliche Betriebe außerhalb von Staatsbetrieben und Kollektivunternehmungen zu gründen und Kooperationsverträge mit 4 ausländischen Firmen zu schließen. Dadurch sollte die Konsumgüterproduktion gesteigert werden und man wollte an westliches Know-how und Kapital herankommen.

Weiter ging Gorbatschow aber auch in die Außenpolitik über. Er wollte die Entspannung zwischen Ost und West wiederbeleben und den Westen für die Unterstützung seiner Reformen gewinnen. Zusammen mit dem amerikanischen Präsidenten Ronald Reagon unterzeichnete er im Dezember 1987 den sogenannten INF- Vertrag, in dem der Abbau aller atomaren Mittelstreckenraketen in Europa vorgesehen war. Damit war auch das Wettrüsten mit den USA vorbei und 1989 erfolgte der Rückzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan.

Aber obwohl Gorbatschow im März 1990 zum ersten Präsidenten der Sowjetunion gewählt wurde und den Übergang zur „regulären Marktwirtschaft“ ankündigte, hatte der neue Weg auch seine Schattenseiten. Um sich gegen seine Widersacher in der Staats- und Parteiführung durchsetzen zu können, die an traditionellen Herrschaftsstrukturen des Sowjetsystems festhielten, wurden viele Mitglieder des Politbüros ersetzt. Außerdem trat im Jahre 1988 eine Verfassungsänderung in Kraft, die das politische System in Richtung eines Präsidialsystems umgestaltete und ab 1989 wurde ein Drittel der Kandidaten für den Kongress der Volksdeputierten in freien Wahlen ermittelt.

Nebenbei verschlechterte sich der Lebensstandard der Sowjetbürger zunehmend, sie hatten mit Warenknappheit, steigenden Preisen und wachsender Inflation zu kämpfen. In der Folge wuchs die Armutskriminalität und die Streiks unzufriedenere Arbeiter häuften sich.

Auch das Problem, dass Russland ein Vielvölkerstaat mit mehr als 100 verschiedenen Nationalitäten war, drückte sich mit Glasnost wieder aus. Die Völker strebten nun nach Selbstbestimmung und Unabhängigkeit, nachdem zuvor ihre nationalen Gefühle unterdrückt worden waren. Durch so entstehende blutige Auseinandersetzungen verschiedener Nationalitäten verlangten diese eine vollständige Loslösung von der UdSSR. Diese wollte Gorbatschow zunächst aber verhindern, da er ja den Zerfall der Sowjetunion auf jeden Fall verhindern wollte.

Als aber im August 1989 mehr als eine Million Menschen eine Menschenkette durch Estland, Lettland und Litauen bildeten, um für ihre Unabhängigkeit zu demonstrieren, wurden die baltischen Staaten dies auch.

Weiter wurden Gorbatschow und seine sowjetische Staatsführung vor dem Kreml im Mai 1990 ausgepfiffen und 200.000 Demonstranten forderten im September den Rücktritt der Regierung und einen raschen Übergang zur freien Marktwirtschaft.

Die Reformen hatten also nicht das bewirkt, was Gorbatschow verkündet hatte. Er wurde von seinem Volk als Schwätzer („Boltun“) bezeichnet, immer häufiger wurde die Frage nach seinem Rücktritt diskutiert.

Das Scheitern der Reformen lag wohl zum großen Teil am Widerstand der privilegierten Schicht von Partei-, Staats- und Wirtschaftsfunktionären sowie großen Teilen des Militärs. Maßnahmen, die nur mit knapper Mehrheit Zustimmung fanden, wurden nicht alle umgesetzt. Wegen Gorbatschows Rücksichtnahme auf die Konservativen durch Zurückschrecken von konsequenten Reformmaßnahmen bildeten sich Gruppen von radikalen Reformern. Also musste Gorbatschow in der Mitte handeln.

Doch es war trotzdem schwer, die Menschen, die zuerst im Zarenreich und durch stalinistische Diktatur und bürokratische Planwirtschaft systematisch unterdrückt worden waren, zur Eigeninitiative zu überzeugen und zu ermutigen. Doch diese war zur neuen Politik nötig.

Die Folge davon war, dass orthodox- kommunistische Parteifunktionäre und Hardliner einen Staatsstreich veranstalten und versuchen, die alten Verhältnisse wiederherzustellen. Nach drei Tagen gelang es den Reformern unter dem Vorsitzenden des Obersten Sowjet, Boris Jelzin, den Staatsstreich zu vereiteln. Gorbatschow tritt als Generalsekretär zurück, die KPdSU wird beschuldigt, am Staatsstreich beteiligt gewesen zu sein und wird verboten.

Man kann also abschließend positiv über Glasnost und Perestroika sagen, dass Gorbatschows Politik den Kalten Krieg beendet und der Welt eine neue Perspektive des friedlichen Zusammenlebens eröffnet hat.

Präsidentschaftssystem, eine republikanische Regierungsform, die dem Präsidenten als Staatsoberhaupt entscheidende Rechte zur politischen Gestaltung einräumt.

Korruption:

im politischen Leben das Ausnutzen staatlicher Machtmittel oder der Vorteile einer öffentlichen Stellung zur Erlangung gesetzwidriger privater oder politischer Vorteile.

Politbüro:

Abkürzung für Politisches Büro, das oberste Führungsorgan der meisten kommunistischen Parteien, nach dem Vorbild der KPdSU eingeführt. Nominell ist das Politbüro ein gewählter Ausschuss des Zentralkomitees (ZK) und diesem rechenschaftspflichtig. Seinen Weisungen ist der gesamte Parteiapparat unterworfen. In den kommunistisch regierten Staaten war das Politbüro darüber hinaus faktisch Träger der obersten Staatsgewalt und bestimmte die Richtlinien der gesamten Politik.

Kollektiv:

eine Arbeits-, Produktions-, Ertrags- oder Lebensgemeinschaft, deren Mitglieder auf genossenschaftlicher Ebene gemeinsam einem Ziel zustreben; im Sprachgebrauch der kommunistischen Staaten ungefähr vergleichbar der westlichen Bezeichnung Team.

Stalinismus:

die von J. Stalin geschaffene Ausprägung der Theorie und Praxis des Kommunismus. Die Bezeichnung Stalinismus ist nicht kommunistischer Herkunft. Der Stalinismus ging aus dem Leninismus hervor; er bildete sich seit Mitte der 1920er Jahre in dem Maße heraus, wie Stalin die Alleinherrschaft in der UdSSR erlangte. Hauptmerkmale des Stalinismus zu Lebzeiten Stalins waren: Verengung der marxistischen Theorie zu einem Dogmensystem, das hauptsächlich der Rechtfertigung der Herrschaftsverhältnisse diente; exzessiver Personenkult um den obersten Führer; Monopolisierung der Machtausübung und der Meinungsbildung bei der Kommunistischen Partei; Ausschaltung aller autonomen Gruppen außerhalb der Partei; Beseitigung aller bürgerlichen Freiheiten und Rechtsgarantien; umfassender Terror gegen weite Bevölkerungskreise; zentralistisch-bürokratischer Aufbau des Parteiapparats; Lenkung der in Staats- bzw. Kollektiveigentum überführten Wirtschaft durch zentrale staatliche Behörden; Unterwerfung der kommunistischen Weltbewegung unter die außenpolitischen Interessen der UdSSR.

Kalter Krieg:

aufgekommene Bezeichnung für die potenzielle militärische Konfrontation zwischen den beiden Weltmächten UdSSR und USA. Zu wichtigen Bestandteilen des kalten Krieges entwickelten sich das Wettrüsten und eine zielgerichtete Bündnispolitik (NATO, Warschauer Pakt); er eskalierte in regional begrenzten Konflikten (Koreakrieg; Kubakrise). Erst durch die Politik M. Gorbatschows und den Zerfall der UdSSR kam es zu einer entscheidenden Wende.

Details

Seiten
8
Jahr
2001
Dateigröße
339 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v104315
Note
09 Punkte
Schlagworte
Russland Oktoberrevolution Perestroika Glasnost

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Titel: Russland zwischen Oktoberrevolution und Perestroika und Glasnost