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Die Revolution von 1848 in Preußen bis zur Nationalversammlung

Hausarbeit 2000 40 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Die Situation in Preußen im Vorfeld der Ereignisse vom Februar und März 1848
1.1 Die wirtschaftliche Lage in Preußen ab 1846
1.2 Die politische Situation in Preußen vor der Revolution
2. Ein Überblick über die revolutionären Ereignisse in Preußen im Februar und März
2.1 Chronologische Aufstellung der Ereignisse in Preußen
2.2 Die Geschehnisse in Berlin im März 1848
2.3 Die revolutionären Ereignisse im Frühjahr 1848 in Köln
2.4 Friedrich Wilhelm IV. und seine schwankende Politik
3. Die Opposition in Preußen während der Revolution 1848
3.1 Die demokratische Bewegung
3.1.1 Das Klientel der Demokraten
3.2 Die liberale Bewegung
3.2.1 Das Klientel der Liberalen
3.3 Die konservative Bewegung
3.3.1 Die Erscheinung und die Ziele der Konservativen
3.3.2 Das Klientel der Konservativen
4. Die Ereignisse bis zur preußischen Nationalversammlung

III. Zusammenfassung

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Revolution von 1848 in Preußen mit ihrem Verlauf bis zum Zusammentritt der Nationalversammlung im Mai 1848. Ich möchte dabei der Frage nachgehen, wie sich die Ereignisse im Februar und März 1848 auf die Situation auswirkten, in der sich die Abgeordneten beim Beginn der Verhandlungen um eine Verfassung befanden. Dazu betrachte ich zunächst die wirtschaftlichen und die politischen Faktoren, die für den Ausbruch der Revolution maßgeblich waren. Bei der Darstellung der Ereignisse liegt der Schwerpunkt, des direkten Einflusses auf den König wegen, auf denen in Berlin und, der verstärkt regionalgeschichtlichen Ausrichtung der Forschung zu diesem Thema in den letzten Jahren Rechnung tragend, auf der Situation in Köln im März 1848. Wobei das Verhalten des Königs einer gesonderten Betrachtung bedarf. Die Differenzierung der Opposition in verschiedene Gruppen und deren Ausformung wird im dritten Abschnitt beleuchtet, bevor ich im vierten Abschnitt auf die Entwicklung nach den Barrikadenkämpfen bis zum Zusammentritt der Nationalversammlung eingehe.

II. Hauptteil

1. Die Situation in Preußen im Vorfeld der Ereignisse vom Februar und März 1848

Für das Verständnis einer Revolution ist die Kenntnis der ökonomischen Lage in der sich der Grossteil der Bevölkerung befand genauso wichtig wie die politische Lage. Auf Grund der eher mäßigen Politisierung der Unterschichten und der Tatsache, daß es erst bei entsprechend großer Anteilnahme dieser großen Schicht an revolutionären Aktionen zu einer erfolgreichen Revolution kommen kann, werde ich zunächst auf die wirtschaftliche Lage eingehen.

1.1 Die wirtschaftliche Lage in Preußen ab 1846

Die zweite Hälfte der 1840er war in Preußen durch eine Wirtschaftskrise bestimmt, maßgeblich für die Darstellung ist der duale Aufbau der Gesamtwirtschaft in zwei „Blöcke“1, der im Osten vorherrschende Agrarsektor und der sich entwickelnde industriewirtschaftliche Sektor. Die Konjunktur entwickelte sich nicht gleich, sondern nahezu ineinandergreifend, die Krise nahm ihren Anfang durch eine ausgeprägte Missernte von 1846, also auf dem Agrarsektor. Die Missernte führte zu einem dramatischen Anstieg der Getreidepreise im darauffolgenden Jahr, die Produktion von Roggen und Kartoffeln war jeweils um mehr als 40% des Durchschnittertrags zurückgegangen und hatte die Preise im Gegensatz zu 1844/45 verdoppelt. Hierbei ist anzumerken, daß die Preissteigerung in den östlichen Provinzen die im Rheinland und Westfalen bei weitem übertraf, verursacht trotz besserer Erträge, durch aus Spekulationsgründen forciertem Agrarexport aus den Ostprovinzen in den Westen2, mit dem Ergebnis, daß die ohnehin wirtschaftlich schwächere dortige Bevölkerung in ihrer physischen Existenz bedroht war - man konnte sich die Lebensmittel einfach nicht mehr leisten. Im Jahr 1847 kam es in Folge dessen bei den sogenannten Kartoffelaufständen zu Zusammenstößen mit dem Militär3. Allgemein, also im Osten wie im Westen, wirkte sich diese Teuerungskrise durch den Abfluss des Kapitals aus der gewerblichen Wirtschaft in die Hände der Lebensmittelproduzenten vor allem auf das Handwerk aus, da zu der verschärften Konkurrenz durch die Aufhebung der Zunftschranken nun auch noch die stark geschwächte Kaufkraft der Bevölkerung kam, und die Gewinne drastisch sanken. Dadurch kam es zu einer Situation, in der 90% der Handwerker wegen fehlender Einnahmen keine Gewerbesteuer mehr entrichten konnten, was zusammen mit einem Anstieg der Konkurse die prekäre Lage des Handwerks verdeutlicht. Betroffen waren nicht alle Handwerkszweige gleichermaßen, dennoch ist eine Verarmungstendenz vor allem unter Gesellen festzustellen, die sich einerseits in einem Anstieg der Hand- und Industriearbeiterschaft und andererseits in einer verstärkten Flucht in die Selbständigkeit4 äußerte. Diese Entwicklungen setzten sich auch nach dem, durch die gute Ernte 1847 eingeleiteten Ende der Teuerungskrise im Herbst 1847 und Frühjahr 1848 weiter fort und wirkten so indirekt auf die Revolution ein.

Im zweiten, dem industriell geprägten Sektor, verlief die Konjunktur- entwicklung von 1842 an in einem Aufschwung, der getragen durch den Eisenbahnsektor, die Schwerindustrie und den Handel zu einer positiven Entwicklung im Geld- und Kreditwesen führte. Hier ist vor allem der „Spekulationsboom in Eisenbahnaktien“5 zu nennen, der die Gründung von zahlreichen Eisenbahngesellschaften einleitete und die Investitionsnachfrage steigerte. Auch der Börsenzusammenbruch von 1844 und die anschließende Spekulationsdepression vermochten den Aufschwung nicht entscheidend zu bremsen, den die gesteigerte Nachfrage nach schwerindustriellen Gütern zum Eisenbahnbau in Gang gesetzt hatte. Allerdings fußte dieser Aufschwung nur auf einer schwachen Basis, so daß der Konsumgütersektor in seiner konjunkturellen Entwicklung 1846/47 direkt auf die durch die Agrarkrise geschwächte Kaufkraft mit rückläufigen Absatzzahlen reagierte. Als Grund für den Zusammenbruch des Aufschwungs 1847 nennt Bergmann den auf die Doppelbelastung, Agrarkrise und industrieller Aufschwung, nicht vorbereiteten monetären Sektor und dessen Reaktion, die sich mit Kreditverknappung und Zinssteigerungen äußerte. Diese führte bereits 1846 zu einem Finanzierungs- problem des Eisenbahnbaus und im Zusammenhang damit zu einem Rückgang der Nachfrage nach schwerindustriellen Produkten6.

Der Aufschwung ist also schon vor Ausbruch der Revolution im März 1848, als Rückkopplung der Agrarkrise zu Ende. Besonders die ungünstigen Entwicklungen des monetären Sektors beeinflussen, im Zusammenhang mit dem Abfluss des Kapitals in den Agrarsektor, die allgemeine Geldverknappung und damit eine massive Belastung weiter Teile der Bevölkerung durch Arbeitslosigkeit und hohe Lebensmittelpreise.

Es gab allerdings auch Gewinner der Krise, zu denen in erster Linie die produzierenden Bauern, Lebensmittelhändler und Landgutbesitzer, also Angehörige des Agrarsektors gehörten, und auch die Banken profitierten durch erhöhte Zinsgewinne.

Die Schwerindustrie, die zwar durch eine geschwächte Auftragslage Einbußen hinnehmen musste, konnte diese aber durch Entlassungen an die Arbeiter weitergeben und bekam durch die Verbreiterung der Lohnarbeiterschicht die Möglichkeit, aus einem Überangebot von Arbeitskräften auszuwählen und so die Löhne zu verringern. Die Schwerindustrie gehörte also, im Gegensatz zum Handwerk und der Industriearbeiterschaft, zu den Nutznießern dieser Krise. Diese Entwicklungen ließen die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander klaffen, denn die Hauptlast der Krise trugen die Mittel- und Unterschichten und dadurch zu einem beachtlichen Teil der preußische Staat. Dieser wurde durch fehlende Steuereinnahmen aus der ausbleibenden Gewerbesteuer, durch das Fehlen privater Investitionen in den Eisenbahnbau, die steigenden Ausgaben für die Armenfürsorge und die ebenfalls steigenden Verpflegungsausgaben für die Truppen so stark in Anspruch genommen, daß es 1847 zu einer Finanzkrise und damit zur Einberufung des vereinigten Landtages kam. Die prekäre Finanzlage machte neue, zustimmungspflichtige Staatsanleihen nötig, so daß der absolute Herrscher Friedrich Wilhelm IV. auf die Mithilfe seiner Bürger, in Form einer Ständevertretung, angewiesen war. Dies bot der liberalen Opposition die Möglichkeit, ihrer Forderung nach politischer Mitbestimmung deutlich Ausdruck zu verleihen.

1.2 Die politische Situation in Preußen vor der Revolution

Bei Preußen handelte es sich im Vormärz um einen durch die Gegensätze zwischen Modernisierung und Absolutismus bestimmten Staat. Geprägt wurden diese Gegensätze durch eine immer vorschreitendere Radikalisierung der Literatur und Kultur in Richtung liberales Gedankengut, eine sich entwickelnde Industrialisierung, eine Revolutionierung der Verkehrsinfrastruktur durch den Eisenbahnbau, sowie einer weitgehend agrarisch orientierten Bevölkerung mit ständischen Gesellschaftsformen und einem, von König Friedrich Wilhelm III. absolut beherrschten Bürokratenstaat.

Als Element der ständischen Mitbestimmung gab es acht vom Adel beherrschte Provinziallandtage, die nach dem Willen der Regierung einberufen, über Gesetze zum Eigentums- und Personen- sowie Steuerrecht befragt wurden7. Als ein wichtiger Wendepunkt in der Entwicklung Preußens zur Revolution ist in mehrfacher Hinsicht das Jahr 1840 zu sehen. Zum einen verstarb Friedrich Wilhelm III. und sein Sohn Friedrich Wilhelm IV. bestieg am 7. Juni 1840, begleitet von immensen Hoffnungen auf eine Einlösung der Verfassungsversprechen vom Anfang des Jahrhunderts8, den preußischen Thron und zum anderen erlitt Frankreich, durch den Vertrag zur Befriedung der Levante vom 15. Juli 1840 zwischen Preußen, England, Österreich und Russland, eine diplomatische Niederlage. Diese Niederlage veranlasste den durch die Umbettung Napoleons in den Invalidendom, noch massiver unter Druck geratenen Louis Phillippe, Annexionsbestrebungen gegen die linksrheinischen deutschen Gebiete zu schüren, um innenpolitisch zu punkten. Dies hatte vor allem auf die seit ihren Anfängen auf die französische, politische Aufklärung ausgerichtete, liberale Opposition in Deutschland eine integrative Wirkung. Durch die konkrete Bedrohung entstanden Lieder wie Schneckenburgers „Wacht am Rhein“ und im Zuge dessen, ein Aufleben und Zusammenrücken der einzelstaatlichen liberalen zu einer deutsch nationalen Bewegung9.

Auch Friedrich Wilhelm IV., der bei seiner Thronbesteigung ursprünglich die Absicht gehegt hatte, „die Einführung von „Reichsständen“ zu proklamieren“10, hatte ein Gespür für die Dynamik, die sich durch die französische Bedrohung innerhalb der nationalen Bewegung entfaltete und versuchte vergebens eine Reform der Bundesverfassung, hin zu mehr staatlicher Einheit gegen Metternich durchzusetzen. Dieser wies des Königs Anliegen mit dem Verweis auf die drohende Kriegsgefahr zurück und ließ sich auch später nicht zu Zugeständnissen hinreißen. Es war auch Metternich zusammen mit dem Grossteil seines Umfeldes,11 die Friedrich Wilhelm IV. von seinem Vorhaben abbrachten, die Einführung der Reichstände zu proklamieren. Denn mit der Inthronisation, und der dadurch nötigen Bestätigung der ständischen Privilegien durch den Herrscher, witterten die Provinziallandtage die Gelegenheit, ihre Einfluss- und Arbeitsmöglichkeiten zu verbessern. Die Landtage waren bis dahin völlig auf das Wohlwollen des Königs angewiesen, da sie weder Periodizität noch festgeschriebene Kompetenzen besaßen. Ferner zog sich der Landtagskommissar nach der Übergabe der königlichen Propositionen aus dem Sitzungssaal zurück, was eine Diskussion von vorneherein ausschloss und auch die fehlende Öffentlichkeit, die Kammer tagte hinter verschlossenen Türen ohne Presse und die Dominanz des Adel, mit einem Drittel der Stimmen und dem Recht den Landtagsmarschall zu stellen, steigerte die Unzufriedenheit mit dieser Art der Vertretung. Diese Umstände führten zu zahlreichen Petitionen der Provinziallandtage, so zum Beispiel am 5. September 1840, vor der Erbhuldigung des Provinziallandtag zu Preußen, als der Königsberger Abgeordnete Heinrich den Antrag einbrachte, den König um die Erfüllung des Verfassungsversprechens vom 22. Mai 1815 zu bitten12. Der König verwarf diese Petition nicht sofort, was zu dem Missverständnis führte, es würde als bald zu einer Modernisierung der Verhältnisse kommen.

Friedrich Wilhelm IV. befürwortete jedoch keine Konstitution nach süddeutschem Muster, sondern war der Auffassung, der Staat stütze sich auf eine Gesellschaft die nach geschichtlichen Grundlagen ständisch gegliedert sei und sah keine Veranlassung, diese traditionelle Gliederung aufzugeben, was aber eine zentrale Forderung der, an Einfluss gewinnenden bürgerlich-liberalen Schichten ausmachte. Er hatte allerdings nichts gegen eine Reichständische Versammlung einzuwenden, da er glaubte, er könne seinen persönlichen Einfluss vor einer solchen Versammlung selbst besser zur Geltung bringen als durch Abgesandte vor den Provinziallandtagen.

Das der König sich mit seiner Ansicht im Widerspruch zum herrschenden Zeitgeist, mit dem er sympathisierte, befand, stellte sich für die Opposition durch die sieben Jahre heraus die er brauchte um mit dem Patent vom 3. Februar 1847 einen Verfassungsplan zu erlassen.

Nachdem er über sieben Jahre hinweg verschiedene Kommissionen mit der Ausarbeitung einer Verfassung beschäftigt hatte, brachte ihn die Finanzkrise des preußischen Staates, die auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen war und das geplante Ostbahnprojekt dazu, aus den Provinzialständen, den Vereinigten Landtag zur Bewilligung der Ostbahnanleihe zusammenkommen zu lassen. Die Verfassung war in den Augen der liberalen Opposition unzureichend.

Wieder wurde der Adel bevorzugt und Periodizität wurde nur dem ständischen Ausschuss alle vier Jahre garantiert. Die gewährten Rechte zur Bewilligung von Steuern und Anleihen waren auf Friedenszeiten beschränkt und bei anderen Gesetzen war nur eine Beratung nicht aber eine Entscheidung vorgesehen13. Das die nicht der vorherrschenden Idee einer Gesamt- repräsentation genügen konnte, hätte auch Friedrich Wilhelm IV. sehen müssen, er versuchte noch in der Eröffnungsrede seinen Standpunkt zu vermitteln und erklärte: „daß es keiner Macht der Erde je gelingen soll, mich zu bewegen, das natürliche -...- Verhältnis zwischen Fürst und Volk in ein konventionelles, konstitutionelles zu wandeln14 “.

Die Entrüstung der Abgeordneten nahm er zur Kenntnis, verwies aber darauf, daß Anträge nur als Petitionen vorgebracht werden dürften und lehnte die geforderte Periodizität, mit der Begründung, er zöge eine Wiedereinberufung des Vereinigten Landtages in vier Jahren in Erwägung, ab. Es zeigte sich ferner, daß die erwartete Aufspaltung der liberalen Opposition in regionale Gruppen nicht stattfand, sondern sich eine schlagkräftige liberale Fraktion zusammenfand, die die Bewilligung der Ostbahnanleihe an eine Erweiterung der konstitutionellen Rechte des Vereinigten Landtages knüpfte. Diese wurde abgelehnt, also wurde auch die Ostbahnanleihe abgelehnt und der Vereinigte Landtag aufgelöst.

Das Verfassungsexperiment Friedrich Wilhelms IV. endete so mit einer Formierung der liberalen Opposition, vor allem im Hinblick auf die zu erreichenden Ziele, und einer Niederlage für den König, die sich am meisten als Vertrauensverlust gegenüber der eigentlich zur konstitutionellen Monarchie tendierenden liberalen Bourgeoisie auswirkte und dazu führte, daß die Dinge ihren Lauf nahmen.

2. Überblick über die revolutionären Ereignisse in Preußen im Februar und März 1848

Generell kann gesagt werden, daß Preußen im Jahr 1848 im Vergleich mit anderen deutschen Staaten erst spät von revolutionären Aktionen erschüttert wurde und sich diese von Westen her, aus der Rheinprovinz über das ganze Land und schließlich nach Berlin ausbreiteten. Ich werde in einem ersten Schritt einen chronologischen Überblick über die Aktionen und Ereignisse der Revolution liefern um dann, ihrer entscheidenden Bedeutung wegen, die Gegebenheiten in Berlin und wegen ihrer Vorreiterrolle, die Ereignisse in Köln genauer zu betrachten.

2.1 Chronologische Aufstellung der Ereignisse in Preußen

Als Voraussetzungen für den Ausbruch der Revolution sind im Vorfeld, ab Anfang Januar 1848, mehrere Faktoren zu nennen, neben der Wirtschaftskrise und der beginnenden Rezession in der Schwerindustrie15 sind vor allem außenpolitische Ereignisse, wie der Schweizer Sonderbundkrieg und der Kampf der italienische Nationalbewegung gegen Österreich dafür verantwortlich, daß die seit dem enttäuschenden Ende des Vereinigten Landtages16 abwartende, liberale Opposition bereits im Januar 1848 mit verstärkter Agitation zu Gunsten einer Verfassung in Erscheinung trat17. Der Auslöser für die Erhebung war aber zweifellos die französische Februar Revolution und die Abdankung König Louis Philippes am 24. Februar 1848. Die Zeitungen berichteten am 25. Februar 1848 zum ersten Mal von den Ereignissen in Paris und erregten damit einen nie zuvor gesehenen Andrang in Cafes und Leseclubs, was in der Folge in ganz Preußen verbotenerweise Volksversammlungen auslöste. Die meist demokratisch gesinnten Volksmassen sahen nun die Chance für einen Umschwung gekommen. Die erste, vom Bund der Kommunisten vorbereitete, revolutionäre Petition wurde am 3. März 1848 von Kölner Bürgern als „Forderungen des Volkes“18 an Friedrich Wilhelm IV. gerichtet und verlangte: ein allgemeines Wahlrecht, Gesetzgebung und Verwaltung durch das Volk, Rede- und Pressefreiheit, Koalitionsfreiheit, Volksbewaffnung, Schutz der Arbeit und menschlicher Bedürfnisse für alle und Kindererziehung auf öffentliche Kosten19. Auch am darauffolgenden Tag kam es trotz Verhaftungen zu Volksversammlungen, bei denen aber um die Gewährung bei weitem gemäßigtere Forderungen wie Press- und Religionsfreiheit, Ministerverantwortlichkeit, Repräsentativverfassung, oder die Einberufung des Vereinigten Landtages, ersucht wurde. Wie in Köln, so reagierte der Staat auch in anderen Landesteilen, in denen es in den folgenden Tagen zu Volksversammlungen kam, durch Einsatz des Militärs mit repressiven Gegenmaßnahmen, bei denen es auch Tote gab. Sachsen und Westfalen folgten mit ähnlichen Forderungen genau wie in Breslau am 6. März 1848, und in Königsberg am 7. März 1848 das Militär einschritt, um Versammlungen zu zerstreuen. Auf dem Land ließ der Sturm auch nicht lange auf sich warten, wobei sich die Bevölkerung in Ost- und Westpreußen der direkten Kriegsgefahr durch ein Intervention Russlands gegenüber sah, trotzdem wurde allerorts versucht, auf die örtlichen Verwaltungsstellen durch Anwesenheit oder die Eingabe von Petition im Sinne der obengenannten Märzforderungen einzuwirken und so den König zu Zugeständnissen zu zwingen. Dabei manifestiert sich in Forderungen nach einer Reform der Bundesverfassung oder nach einem gesamtdeutschen Parlament die nationale Dimension der preußischen Revolution von 1848.

Auch in Berlin hatte die Nachricht von der französischen Februar Revolution politisierende Auswirkungen auf die Lage in der Stadt, jedoch erst die Gewährung der Periodizität für den Vereinigten Landtag durch Friedrich Wilhelm IV. zeigte die Gunst der Stunde für die Opposition auf. Ausgelöst wurden die Unruhen aber erst am 13. März 1848, durch den Rücktritt Metternichs, der als Symbolfigur und Drahtzieher der Reaktion im deutschsprachigen Raum zum Erzfeind der gesamten deutschen Opposition geworden war, der den Eindruck vermittelte, als sei angesichts eines schwachen Königs20, die Gelegenheit, endlich eine Verfassung zu erhalten, nie besser gewesen.

In den folgenden Tagen kam es in Berlin zu Protestmärschen und später zu schweren Barrikadenkämpfen zwischen dem Volk und der Armee, die zahlreiche Opfern forderten und erst mit dem Umritt des Königs mit den deutschen Farben am 21. März 1848 endeten. Politisch endete der erste kämpferische Teil der Revolution mit der Einsetzung des liberalen Ministeriums Camphausen, Hansemann und Arnim-Suckow am 29. März 1848. Am 2. April trat der zweite Vereinigte Landtag in Berlin zusammen, dessen Mitglieder zu einer liberalen Neuordnung des Staates unter Wahrung des Vereinbarungsprinzips bereit waren und der Bildung einer „zur Vereinbarung der Verfassung berufenen Versammlung“21 mit der Verabschiedung eines Wahlgesetzes am 8. April 1848 zustimmten. Die gewährte Nationalversammlung wurde nach allgemeinem, gleichem und indirektem Wahlrecht gewählt und trat zum ersten Mal am 22. Mai 1848, also vier Tage nach dem ersten Zusammentritt der deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche in Berlin zusammen.

2.2 Die Geschehnisse in Berlin im März 1848

Den Ausgangspunkt für die revolutionären Ereignisse in Berlin bildete die Rede des Königs beim Schluss der ständischen Ausschüsse am 6. März 1848, in der er dem Vereinigten Landtag die Periodizität gewährte. In Folge dessen kam es jeden Abend in Zelte am Tiergarten und anderswo zu Versammlungen, in denen, auf dem Höhepunkt etwa 4000 Personen politische Themen gemäßigt diskutierten und am 7. März 1848 eine Adresse verfasst worden war, in der die Märzforderungen von Berliner Bürgern an den König gerichtet werden sollten. Anders als in anderen Landesteilen machte sich die ständische Vertretung dieser Bürger, die Versammlung der Stadtverordneten, nicht zum Fürsprecher des Volkes gegenüber dem König, sondern brachten die Adresse in abgeschwächter Form, mit einer Dankformel für die am 8. März 1848 in Aussicht gestellte Pressereform22, erst am 14. März 1848 vor. Während dessen war immer mehr Militär in Berlin zusammengezogen worden und bestimmte nun bereits deutlich das Stadtbild. Der Prinz von Preußen23 und der General von Prittwitz waren dabei diejenigen, die am stärksten vor der drohenden Gefahr warnten und eine Entspannung oder Lösung der Krise ausschließlich mit militärischen Mitteln für möglich hielten. Der Konflikt zwischen Militär und Bürgern war beiderseits noch aus den Kartoffelaufständen von 1847 in Erinnerung und führte auf ziviler Seite zwar zu einer starken Ablehnung und zu Provokationen gegenüber den Truppen, auf der anderen Seite aber dazu, daß junge, aus ländlichen Gegenden stammende Soldaten von ihren Offizieren gegen die Bürger der Art aufgehetzt wurden, daß es ab dem 13. März zu Übergriffen gegen meist unbeteiligte Passanten kam. Diese Situation führte, entgegen der ursprünglichen Absicht, zu einer Destabilisierung der Lage in Berlin, so daß sich Friedrich Wilhelm IV. am 18. März zu Zugeständnissen veranlasst sah. Durch den Sturz Metternichs ergab sich nämlich erstmals die Möglichkeit, auf die Entwicklungen im Deutschen Bund so Einfluss zu nehmen, daß er dem Druck der Ereignisse in Berlin Rechnung tragend, versuchte, sich an die Spitze der deutschen Nationalbewegung zu stellen. Dies geschah mit dem königlichen Patent vom 18. März, in dem der Verfasser von Bodelschwingh auf die Gagernschen Vorschläge einschwenkte und das Eintreten der preußischen Regierung für einen deutschen Bundesstaat, eine deutsche Wehrverfassung, ein deutsches Parlament, eine Konstitution für Preußen und die Einberufung des Vereinigten Landtages für den 2. April 1848 proklamierte.

Diese Vorschläge richteten sich zwar hauptsächlich auf die Reorganisation der deutschen Bundesverfassung, kamen aber nur als Reaktion auf die zunehmenden Spannungen zwischen dem sich immer zahlreicher versammelnden Volk und dem Militär, und weil der reaktionäre Flügel der Berater des Königs mit Metternich seinen mächtigsten Verbündeten verloren hatte, zustande.

Durch die fortgesetzten Repressalien des Militärs hatte sich beim Bürgertum am 17. März die Überzeugung durchgesetzt eine Massenpetition könne, vor dem Schloss vorgetragen, den Terror beenden. Durch eine Kölner Delegation gewarnt, gelang es dem König zwar gerade noch rechtzeitig, sein Patent und die Aufhebung der Zensur publik zu machen, die mittlerweile im Zentrum des Interesses stehende Forderung nach Abzug der Armee wurde jedoch nicht berücksichtigt. Die Massen waren gekommen, um dem König für die gewährten Zugeständnisse zu danken und sahen sich einer großen Zahl von Soldaten gegenüber.

Obgleich niemand in der Menge bewaffnet war und „die Angehörigen der
besser gekleideten Stände überwogen“24, schlossen der Prinz von Preußen und der frisch zum Oberbefehlshaber sämtlicher Truppen in und um Berlin beförderte General v. Prittwitz, wegen der lautstarken Forderung nach Entfernung des Militärs, auf Angriffsabsichten der Menge. Alsbald erging vom König der Befehl, mit Kavallerie den Schlossplatz zu räumen, dabei erschallten zwei Schüsse, über deren Herkunft im nachhinein widersprüchliche Aussagen gemacht wurden25, und mit dem Ruf nach Verrat begannen die Barrikadenkämpfe. Das Bürgertum war schockiert, trotz der Zugeständnisse wurde das Militär in gleicher Weise eingesetzt wie zuvor und das von einem Herrscher, der sich an die Spitze des Volkeswillen, der Herbeiführung der nationalen Einheit, zu setzen gedachte!

Trotzdem richtete sich der Zorn der Mehrheit nicht in erster Linie gegen den König oder die Monarchie, sondern gegen die Armee und ihre bekannten Führer, namentlich vor allem gegen den Prinz von Preußen. Diese Besonderheit einte die verschieden revolutionären Strömungen und Schichten in ihrem Kampf und ermöglichte die Errichtung von unzähligen Barrikaden in ganz Berlin in kürzester Zeit, so schnell, daß man in Armeekreisen von einem festgelegten Plan und Ausländischen Führern auf Seiten der Bürger sprach26. Erwähnt werden sollte aber auch, daß es auch auf oppositioneller Seite Menschen gab, die es auf Provokation und Konfrontation abgesehen hatte. Da man glaubte, nur mit Kampf die gesteckten Ziele erreichen zu können, nahm man den Angriff der Truppen an und führte auf beiden Seiten einen erbitterten Kampf um jede Barrikade. Die militärische Lage27 kann man als ein „gleiches

Ungleichgewicht der Kräfte“ charakterisieren, auf königlicher Seite kämpften etwa 20000 schlecht ernährt und überanstrengte, aber gut bewaffnete und organisierte Soldaten aller Waffengattungen gegen die überall in der Stadt errichteten Barrikaden, oft mit nahezu aussichtslosen Frontalangriffen. Ihnen entgegen standen eine viele zehntausend Menschen umfassende aufständische Bevölkerung, von der aber in vorderster Kampflinie, auf den Barrikaden, aus Mangel an Waffen wohl nur „drei- bis viertausend“28 Menschen kämpften, während dessen von den Übrigen überall in der Stadt Material für Barrikaden und den Bau von Waffen, sowie Nahrung, Getränke und vorhandene Waffen gesucht und zusammengetragen wurde. Auch mit Unterschlupf und Hilfe aller Art wurden die Kämpfenden unterstützt, so daß sie, der Armee zwar zahlenmäßig weit unterlegen waren und von einem organisierten Kampf im Sinne einer Gesamtstrategie nicht die Rede sein kann, sich aber wegen der günstigeren Position auf den Barrikaden und Dächern und der besseren Ortskenntnis bereits in der Nacht vom 18. auf den 19. März eine Pattsituation erstreiten konnten. Diese erkannt, wollte General von Prittwitz die Truppen, da sie seiner Ansicht nach am Morgen des 19. März nicht zahlreich genug waren um in aufreibenden Barrikadenkämpfen die gesamte Stadt zu erobern, außerhalb der Stadt sammeln, um von dort zum Gegenschlag ausholen, dies lehnte der König ab. Er selbst hatte, mit seinem Versuch das Missverständnis vom 18. März mit seinem Aufruf „An meine lieben Berliner“29 zu korrigieren, zahlreiche Deputationen ermutigt für den Abzug der Armee und für Volksbewaffnung im Schloss einzutreten. Friedrich Wilhelm IV. favorisierte die schrittweise Einebnung der Barrikaden und einen entsprechenden Abzug der Truppen, dies wurde von der militärischen Fraktion im Schloss, unter dem Hinweis auf Fraternisierungsgefahr, für militärisch nicht durchführbar erklärt und abgelehnt. Sowohl dem König als auch den bürgerlichen Verhandlungsführern konnte die Vermeidung einer vollen Niederlage oder eines ebensolchen Sieges nur recht sein, um einerseits die völlige Demütigung der Armee und andererseits den totalen Sieg der Volksmassen zu verhindern. Unter tatkräftiger Mithilfe des Prinzen von Preußen wurde die Versöhnungspolitik Friedrich Wilhelm IV. der Art unterlaufen, daß im Laufe des 19. März die Truppen von den Barrikaden abrückten und am Nachmittag nur noch zwei Kompanien im Schloss standen.

Es kam zur selben Zeit im Zuge der Verhandlungen zu einem Waffenstillstand und zur Einsetzung eines neuen Ministeriums unter dem Vorsitz des Grafen Arnim, außerdem gewährte der König die Bürgerbewaffnung, nicht aber die geforderte Volksbewaffnung. Als dann die Toten vor dem Schloss vorbeigetragen wurden und der König sich vor ihnen unter dem Wehklagen der Bevölkerung verneigte, galt dies als Symbol für den Sieg der Revolution. Sicher ist, daß der 19. März 1848 in Berlin der entscheidende Wendepunkt im Verlauf der Revolution war, äußerlich markiert er durch den Abzug der Armee und die Verneigung Friedrich Wilhelm IV. vor den Toten der Opposition den Sieg der Revolution, gleichzeitig wird aber die über alle Klassengegensätze hinweg vereint kämpfende Opposition durch die Bürgerbewaffnung gespalten. Bürger waren nur Besitzer des Bürgerbriefes, also reiche Besitzbürger, selbständige Handwerker, Beamte und Geschäftsleute. Hier wurde also ein Gegengewicht gegen die, die Volksproteste tragenden Schichten der Arbeiter und Handwerksgesellen installiert und bewaffnet. Die Proteste hatten zu einer Bürgerbewaffnung geführt, die nun, geführt durch reiche Bürger und Beamte, angetreten war, den Status quo der Besitzverhältnisse zu erhalten und die „bürgerliche Ordnung“30 schnellstmöglich wiederherzustellen und so jeglichen sozialrevolutionären Tendenzen entgegenzuwirken.

Diese Politik kam der Bourgeoisie zu Gute und eröffnete Friedrich Wilhelm IV. , durch die sofortigen Versuche einer Aussöhnung mit dem Militär seitens der Liberalen die Möglichkeit, mit ihrer Hilfe seinen Thron, der am 19. März noch bedenklich gewackelt hatte, zu stabilisieren. Zu diesem Zwecke schickte er den Prinz von Preußen, gegen den wegen seines Verhaltens im Volk die größte Wut herrschte, nach England und unternahm am 21. März auf Bitten seiner jetzt liberalen Beraterkreise und Minister den berühmt gewordenen Umritt in den deutschen Farben durch Berlin. Dies war als Zeichen gedacht, daß Preußen sich von nun an für die deutsche Einheit einsetzten würde, aber auch als Signal, daß nun keine weiteren revolutionären Bestrebungen mehr nötig seien, um diese Ziele zu erreichen - der preußische König als Verbündeter der Liberalen in ganz Deutschland31.

In wie weit dies als glaubwürdig erachtet wurde, wird noch zu betrachten sein, deutlich wird aber eine beginnende Symbiose zwischen der an die Macht drängenden liberalen Bourgeoisie und dem konservativen König Friedrich Wilhelm IV.

Nun stellt sich die Frage, wie es in anderen Teilen Preußens im März 1848 aussah, als Beispiel möchte ich nun die Märzereignisse in Köln nachzeichnen.

2.3 Die revolutionären Ereignisse im Frühjahr 1848 in Köln

Wie bereits beschrieben nahm die Revolution mit der Kölner Petition vom 3. März 1848 ihren Anfang. Beeinflusst durch die Nachricht von der Revolution in Frankreich, die Kölnische Zeitung berichtete am 26. Februar32, entstand in Köln unter der liberalen Bürgerschaft und den Arbeitern das Gefühl, daß nun eine innenpolitische Wende in Deutschland unvermeidlich wäre. Die Reaktionen wurden von einer angenommenen französischen Bedrohung und einer traditionellen und konfessionell begründeten Ablehnung des preußischen Staates bestimmt, so daß hier von Anfang an die nationale Perspektive der möglichen Reformen stärker betont wurde, als etwa in Berlin. Durch die Tatsache, daß der Stadtrat bereits durch ein Zensuswahlrecht gewählt und Köln eine industriell führend entwickelte Stadt war, ergab sich schon bei den einsetzenden Volksversammlungen ein Spaltung in die verschiedenen Interessensgruppen, die der wohlhabenden gemäßigt liberalen bürgerlichen Oberschicht und die der radikal liberalen Arbeiterschichten. So kam es am 3. März zu vier verschiedenen Versammlungen: 1. eine Zusammenkunft des Stadtrates, 2. eine Handwerker- und Arbeiterdemonstration, 3. eine Zusammenkunft der Landtagsabgeordneten und 4. einer Bürgerversammlung.

Ziel des im Rathaus tagenden Stadtrates war es, mit einer Bittschrift an den König, um eine sofortige Einberufung des Vereinigten Landtages, eine Erweiterung des Wahlrechts, sowie eine Umgestaltung der deutschen Bundesverfassung, die brodelnde Situation in der Stadt zu entschärfen33. Die Landtagsabgeordneten berieten ihre künftige Strategie im bereits feststehenden Rahmen des Vereinigten Landtages, während die im Domhotel Harffs zusammengekommene, sechshundert Mann starke Bürgerversammlung sich mit Forderungen nach einer Repräsentativverfassung mit Ministerverantwortlichkeit, allgemeinem Wahlrecht, Rede- und Pressefreiheit, Verkleinerung des Heeres, Koalitionsfreiheit und einem Deutschen Parlament deutlich vom Honoratiorenliberalismus des Vormärzes verabschiedet hatte und schon liberaldemokratische Positionen vertrat.

Die Handwerker- und Arbeiterdemonstration, die diese bedrohlich wirkende Situation verursachte, brachte auf dem Rathausplatz dann ihre Forderungen mit dem, von den Kommunisten Gottschalk, Anneke, Willich und Hocker34 verfassten Flugblatt „Forderungen des Volkes“, zum Ausdruck. Gefordert wurden ein allgemeines, direktes, aktives und passives Wahlrecht, Presse- und Meinungsfreiheit, Koalitionsrecht, Volksbewaffnung und Abschaffung des stehenden Heeres, sowie, über die Märzforderungen hinaus gehend, Gesetzgebung und Verwaltung durch das Volk, Schutz der Arbeit und Sicherstellung der menschlichen Bedürfnisse und Kindererziehung auf staatliche Kosten35. Vor allem die sozialen Forderungen verstärkten beim Bürgertum frühzeitig, die bereits präsente Angst vor sozialen Umwälzungen, und verhinderten somit, daß es in Köln zu einer größeren militärischen Konfrontation einer vereinigten Bürger- und Arbeiterschaft mit den anwesenden preußischen Truppen36 kam. Überhaupt setzte sich diese Spaltung der politischen Bewegung in Liberale, Demokraten und Katholiken, spätestens im Wahlkampf zur preußischen Nationalversammlung, auch im Zuge der Vereinsbildung weiter fort. Was die Schlagkraft und die Möglichkeiten der Revolution deutlich einschränkte.

Trotzdem erlangte Köln als Kommunikationszentrum revolutionäre Bedeutung, sowohl mit der Ausrichtung der rheinischen Städtetage ( März 1848, Mai 1849), als auch durch seine überregional verbreitete Presse, der Kölnischen Zeitung und der Neuen Rheinischen Zeitung, die wichtige Medien der nationalen Bewegung waren. Neben der intensiven verfassungsreformerischen Petitionsbewegung, setzten sich auch soziale Proteste der Unterschichten, vor allem gegen Arbeitslosigkeit im weiteren Verlauf des Jahres 1848 fort. Zu den Errungenschaften der Revolution gehört neben dem vielfältigen Pressewesen, die Erweiterung des Wahlrechts und die Einführung einer bewaffneten Bürgerwehr als Gegengewicht zum preußischen Polizeistaat. Wichtig bleibt, daß in Köln von Anfang an verschiedene politische Gruppen gegeneinander wirkten und dadurch die, durch die Industrialisierung reich gewordene schmale Oberschicht jede Tendenz zu sozialen Umwälzungen erfolgreich verhindert hat. Ebenso, daß hier, durch die vor allem klerikal unterstützte Opposition zum preußischen Staat, die aus Frankreich überschwappende Revolution primär als Chance für eine Reform der Bundesverfassung, und nur sekundär als Chance zur Reform Preußens betrachtet worden ist. Bezeichnend ist außerdem, daß die rheinischen Liberalen Camphausen und Hansemann das Märzministerium in Berlin bildeten und so das fortschrittliche Potenzial der preußischen Rheinprovinz zum Ausdruck kommt, wenn man auch im Fall Köln etwas zu pluralistisch und demokratisch agiert hatte und sich damit selbst im Wege stand.

2.4 Friedrich Wilhelm IV. und seine schwankende Politik

Die Rolle die König Friedrich Wilhelm IV. während der Märzrevolution eingenommen hatte war für seine gesamte Umwelt als widersprüchlich, ja sogar ungeschickt einzustufen. Das Spektrum reichte von Kampf gegen die Auswirkungen der Französischen Februarrevolution und der Zustände in den süddeutschen Staaten auf Preußen, über die Gewährung von Zugeständnissen und den Versuch sich an der Spitze der Bewegung zu etablieren, bis zu gleichzeitigen wohlwollenden Zugeständnissen gegenüber der konservativ- reaktionären Fraktion im Schloss und der Armee. Als nach wie vor regierender Souverän kam ihm so eine entscheidende Bedeutung für die Entwicklung der revolutionären Erhebungen in Berlin, Preußen und in der Phase nach dem 19. März auch im Deutschen Bund, zu.

Auffallend dabei war die Tatsache, daß der König, nach der Einberufung der Vereinigten ständischen Ausschüsse am 17. Januar 1848 nach Berlin zur Beratung eines verschärften Strafrechtes37, immer auf die Ereignisse reagierte, anstatt vorausschauend zu agieren. So etwa als er die Zusammenkunft am 6. März, unter dem Eindruck der Pariser Ereignisse, mit der Gewährung der Periodizität schloss, ohne einen Termin für die nächste Zusammenkunft zunennen. Der König versuchte bis dahin mit Nachdruck, aber ohne Erfolg, in Europa Verbündete für eine Intervention in Frankreich zufinden und stand unter dem Eindruck der beginnenden Volksbewegung in Preußen, sowie einer akuten Kriegsgefahr. Vor allem des Königs Berater um den Prinz von Preußen sorgten für diesen Eindruck, da man sowohl gegen Frankreich als auch gegen die aufkommende Volksbewegung ein militärisches Vorgehen favorisierte. Friedrich Wilhelm IV. reagierte auf die zunehmende Politisierung der Massen in Berlin einerseits mit einer Verordnung vom 8. März, daß sich Preußen im Deutschen Bund für eine die Aufhebung der Zensur und eine Pressereform ein zusetzten gedachte, und andererseits mit Zurückweisung der Stadtverordnetendeputation bis zum 14. März.

Diese Kombination und die Gewährung der Periodizität erst nach monatelangem Streit, schwächte die, gegen den starken Widerstand der militärischen Fraktion durchgesetzten, Zugeständnisse in den Augen des Volkes fast zur Unbedeutsamkeit ab. Der König hatte sich bereits vor Ausbruch der Barrikadenkämpfe zwischen alle Stühle gesetzt und galt auf beiden Seiten, der der Hardliner im Schloss und der liberalen Opposition, als schwach und zermürbt.

Der Sturz Metternichs am 13. März, die Nachricht von der Revolution in Wien und die, durch die verstärkte Truppenpräsenz ausgelösten, Zusammenstöße in Berlin befreiten Friedrich Wilhelm IV. einerseits von dem Zwang mit dem reaktionären Regime in Österreich konform zu gehen und brachte ihn noch stärker in Zugzwang. Die Antwort hatte das Patent vom 18. März sein sollen, dessen Zugeständnisse durch Betreiben der militärischen Fraktion zu spät an die Öffentlichkeit gelangten und durch den Ausbruch der Barrikadenkämpfe völlig untergegangen sind. Es hatte sich gezeigt, daß der Einfluss des Prinzen von Preußen die durchaus zu Zugeständnissen bereiten Ansätze der königlichen Politik entscheidend torpediert. Friedrich Wilhelm IV. hatte durch den Ausbruch der Kämpfe und vor allem durch die Art, in der dieser geschah, einen immensen Glaubwürdigkeitsschaden erlitten, den er durch seinen ungeschickt formulierten Aufruf „An meine lieben Berliner“38 nicht korrigieren konnte.

Gegenüber der militärischen Fraktion war die, durch die Zugeständnisse erschütterte, Glaubwürdigkeit erst durch den Rückzug der Truppen und die Verneigung vor den Opfern der Revolution am 19. März empfindlich gestört, aber durch den Eid nicht vollends zerstört worden. Bemerkenswert ist ferner, daß es genau diese beiden Aktionen waren, die dem Volk das Vertrauen in ihren Monarchen teilweise wiedergaben und so den Umritt vom 21. März erst ermöglichten. Friedrich Wilhelm hatte nun, mit dem Plakat „An die deutsche Nation“39 und dem Umritt, die Chance ergriffen sich an die Spitze der bürgerlichen Revolution zu setzen um, einen Fortgang mit sozialrevolutionären Zielen verhindern zu helfen, entscheidenden Einfluss auf die nationale Entwicklung im Deutschen Bund zu gewinnen und seine Herrschaft zu sichern, ohne dabei auf den Kontakt mit den alten reaktionären Kräften zu verzichten. Die beschriebene Symbiose40 brachte dadurch zunächst mehr Vorteile zu Gunsten des Königs, wenn auch sein Doppelspiel in der Folgezeit von den süddeutschen Liberalen erkannt und abgelehnt wurde und auch die deutschen Bundesfürsten, durch ein wieder erstarktes Österreich, nicht mehr so deutlich für eine preußische Vormachtstellung in Deutschland eintraten. Man kann sagen, daß Friedrich Wilhelm IV. es nicht vermochte, durch rechtzeitige Zugeständnisse die Revolution zu verhindern, weil er wegen fehlender militärischer Kenntnisse zu lange auf seine militärischen Berater gehört hatte, es aber mit einem schwankenden Kurs41 und einem Bündnis mit der Bourgeoisie fertig brachte sich Optionen nach allen, und seinen Gegnern Optionen für alle Seiten offen zu halten und so für den politischen Kampf um die Durchsetzung des Erreichten eine gute Ausgangsposition erreichte. Wer aber waren die Gegner des Königs in diesem Kampf und wie kann die Opposition gegliedert werden, welche Personenkreise wurden durch die einzelnen Gruppen vertreten?

3. Die Opposition in Preußen während der Revolution 1848

Die Revolution von 1848 wird allerseits als „bürgerliche“ Revolution charakterisiert, da das Volk und auch die Bürgerschaft im Preußen des 19. Jahrhunderts, durch die beginnende Industrialisierung und die ständische Gesellschaftsordnung, keine homogene Einheit darstellte, liegt der Schluss auf der Hand, daß es verschiedene politische Präferenzen gegeben hat. Obwohl es in Berlin zunächst einen von breiten Volksschichten getragenen Aufstand gegen den König und seine Armee gegeben hatte, haben wir am Beispiel von Köln gesehen, daß dies keineswegs überall der Fall gewesen ist. Vielmehr zeigten sich in Köln von Beginn an, in Berlin erst nach dem 19. März, daß es verschiedene soziale Gruppen mit verschiedenen politischen Zielen gab, die unter Revolution nicht das gleiche verstanden oder sie generell ablehnten. Um mit dem Problem, der innerhalb der einzelnen Gruppen umstrittenen Vorstellungen einer zu erreichenden Staatsform nicht die Gliederung zu verkomplizieren, benenne ich die einzelnen Fraktionen, mit den posthum eingeführten Begriffen: Demokraten, Liberale und Konservative.

3.1 Die demokratische Bewegung

Die demokratische Bewegung hatte sich erst in den 1840er Jahren aus der breiten liberalen Opposition herausgebildet. Hierfür zeichneten Intellektuelle wie der Hegelianer Arnold Ruge42 und der Schweizer Julius Fröbel43 verantwortlich, die für ein selbstbestimmtes Volk und eine den ganzen Staat durchdringende Gesellschaft plädierten. Manifestiert wurde die Spaltung im Herbst 1847 durch die Formulierung zweier Programme, das der Liberalen in Heppenheim und das Offenburger Programm der badischen Demokraten in dem, über die liberalen Märzforderungen hinaus gehend, eine gerechte Besteuerung, eine volkstümliche Wehrverfassung, die Abschaffung aller Privilegien und der Ausgleich des Missverhältnisses zwischen Kapital und Arbeit geforderte wurden44. Dadurch werden die Bruchstellen zwischen den beiden oppositionellen Gruppierung deutlich, zu denen neben dem Grundsatz der Volksouveränität vor allem die Artikulation der sozialen Missstände gehörten.

Aufgrund dieser Themensetzung wird die Volksversammlung zunächst das Hauptmittel der demokratischen Agitation, die sich hauptsächlich in den städtischen und industrialisierten Zentren Preußens, vor allem im Westen schnell zu Massenversammlungen entwickelten, auf denen meist die Forderungen nach Vereins- und Versammlungsfreiheit artikuliert wurden und während der Revolution auch die Abschaffung des Absolutismus, also die Teilhabe des Volkes an der Macht gefordert worden ist. Gerade die Popularität der demokratischen Forderungen unter all denen, die durch das liberale Zensusmodell45 ausgeschlossen blieben führt dazu, daß diese Forderungen die ursprünglichen der Liberalen am Anfang der Revolution überrollten und die verspäteten Zugeständnisse Friedrich Wilhelm IV. ohne Wirkung blieben, da man sich im Schloss an den, seit Monaten bestehenden Forderungen der Liberalen, etwa nach Periodizität des Vereinigten Landtags, orientiert hatte. Dies macht deutlich, die Verhältnisse hatte sich gewandelt eine demokratische Opposition war entstanden und begann nun, unter dem Eindruck der Aufstände und der danach in ihrem Sinn stagnierenden Entwicklung, sich in Vereinen46 zu organisieren. Wenn man Volkssouveränität verwirklichen wollte, wurde schnell klar, daß man ein Bindeglied zwischen Volk und Regierung beziehungsweise Nationalversammlung brauchte, das eine politische Willensbildung, mit Offenheit gegenüber allen „unbescholtenen Menschen47 “und niedrigen Beiträgen ermöglichte und die Artikulation der gefassten Beschlüsse durch Bündelung der Kräfte unterstützen konnte. Diese Funktion übernahmen in den Wochen und Monaten nach dem 18. / 19. März überall in Preußen politische Klubs, die sich von Debattierklubs mit vorwiegend kleinbürgerlich intellektueller Beteiligung, unter dem Eindruck der Vorgänge in der Preußischen Nationalversammlung, zu parteiähnlichen48 Organisationen zur Unterstützung und Kontrolle der Abgeordneten entwickelten.

So gründete sich am 23. März 1848 in Berlin eine solche Vereinigung als „Politischer Klub49 “ zur Sicherung des von der Revolution Erreichten, indem man eine Vermittlerrolle zwischen Volk und Regierung einzunehmen versuchte. Man ging bald von reinen Diskussionen zu konkretem politischen Handel über und änderte am 21. Mai, zur Abgrenzung gegen die Liberalen, den Namen in Demokratischer Klub. Ziel war es, die Regierung zu kontrollieren und einer, von demokratischer Seite befürchteten, Verselbständigung der Nationalversammlung als Institution50 entgegenzutreten. Im Zuge dessen wurden sogar die Einführung einer Art imperativen Mandats gefordert, was eine deutliche Distanz zu der liberalen Vorstellung einer Repräsentation darstellte51.

Organisiert war man mit einem dreiköpfigen Präsidium, mit Rudolf Schramm als Präsident, und einer Vereinspublikation als Mitteilungsorgan. Insgesamt kann man die Organisationsform des Berliner, aber auch der anderen demokratischen Vereine in Preußen als basisdemokratisch nach unten, Vorsitzende wurden meist nur für einen Monat gewählt, offen für alle Interessierten und geradlinig in den Absichten, durch Verpflichtung aller Mitglieder auf ein Programm, bezeichnen.

Dadurch, daß die jeweiligen Programme für die Homogenität der Forderungen und das einstimmige Auftreten der Klubs verantwortlich waren, kommen zwei Fragen in den Blickpunkt: 1. Wie wurde die integrative Wirkung der Programme erreicht? Und 2. Wie kam es zu der bemerkenswerten Einstimmigkeit der Forderungen?

Der Grund für die Einstimmigkeit der Vereine liegt neben dem ausgeprägten Bewusstsein, daß es nötig war gemeinsam mit anderen für die Forderungen einzutreten, in der Formulierung von 13 Forderungen des demokratischen Zentral-Komitees in Frankfurt am 4. April 1848: „nur solche Männer (zu) wählen, welche den Mut besitzen, mit der alten Zeit und allen ihren Drangsalen vollständig zu brechen, um eine neue Zeit des Wohlstandes, der Bildung und der Freiheit über Deutschland heraufzuführen“52.

Mit den 13 Forderungen wurde festgelegt was unter Freiheit zu verstehen sei, die Forderungen des Offenbacher Programm wurden übernommen und im Bezug auf die sozialen Verhältnisse mit Forderung nach einem Arbeitsministerium präzisiert. Auch für die Beseitigung des Notstandes der arbeitenden Klassen, die Hebung des Handels, des Gewerbes und der Landwirtschaft wurden mit der Beschneidung der Apanagen und der Beamtenbesoldung konkrete Vorschläge gemacht. Einzig die Frage der künftigen Verfassung wurde mit die „freieste“53 und der Festlegung auf ein Ein-Kammer-System mit allgemeiner, gleicher und direkter Wahl eher offen gelassen, ohne aber den Grundsatz der Volksouveränität zu vernachlässigen. Dies war für die Integrationsfunktion von besonderer Bedeutung, da so eine Spaltung in die beiden Lager, konstitutionelle Monarchie und Republik, verhindert werden konnte. Des weiteren waren die Demokraten die einzige Oppositionsrichtung, die mit der Verknüpfung von politischer und sozialer Freiheit die Bedürfnisse derjenigen Schichten ansprachen, denen die Revolution bis zur Nationalversammlung noch nichts gebracht hatte außer Arbeitslosigkeit und persönlicher Verluste. Wer aber waren die Massen, die sich der demokratischen Bewegung zugehörig fühlten?

3.1.1 Die Klientel der demokratischen Bewegung

Gemäß der sozialen Herkunft kann die demokratische Bewegung in einen sozialen und politischen Flügel aufgeteilt werden, während die einen die politische Gleichstellung aller Bürger verlangten traten die anderen für eine politische, sowie soziale und wirtschaftliche Gleichstellung der Bürger ein. Die Bewegung stützte sich in industrialisierten großstädtischen Gebieten im Westen, in Sachsen und Berlin vorrangig auf die Arbeiterschaft, während im Osten und in kleineren Städten hauptsächlich Handwerker, und unter diesen meist die Gesellen das Groß der Anhängerschaft stellten. Politisch führend waren aber überall kleinbürgerliche Intellektuelle wie Ärzte, Lehrer, Rechtsanwälte, Journalisten und vereinzelt auch Unternehmer und Kaufleute.

Während die erste Gruppe eher dem sozialen Flügel zuzurechnen war und auf die Verbesserung ihrer Lebenssituation durch demokratische Reformen hoffte, ging es der zweiten Gruppe um politische Macht, um die sozialen Umwälzungen, die durch die Industrialisierung im Gange waren, abzufedern. Gemeinsam war ihnen allen der Zensus bedingte Ausschluss von der Macht im liberalen Repräsentativsystem und das Eintreten für das Prinzip der Volksouveränität, so daß den Demokraten die Organisation ihrer Interessen, in einer heutigen Partei sehr ähnlichen Formen gelang.

Sowohl die Verfassungsfrage, aber vor allem die gegensätzlichen Ansichten zur Frage der sozialen Gleichheit, für eine eigenständige Arbeiterbewegung nach kommunistischen Vorbild fehlte dem Industrieproletariat noch das Klassenbewusstsein und die nötige Anzahl, bargen jedoch soviel Sprengstoff, daß man in liberalen Kreisen zu der Einschätzung kam, das Problem der demokratischen Bewegung würde sich von selbst erledigen und der preußische Staat tat, wegen der als bedrohlich empfundenen Organisationsdichte54, in der Folgezeit sein möglichstes, diesen Prozess zu beschleunigen.

3.2 Die liberale Bewegung

Zweifellos stellten die Liberalen in den langen Jahren der Repression nach 1819 die entscheidende Kraft im Kampf um die nationale Einheit, organisiert in Turn-, Gesangs- und Geschichtsvereinen entwickelte sich, den Karlsbader Beschlüssen zum Trotz, eine vielstimmige liberale Opposition. Unter dem Eindruck der rasanten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung trat die Rückständigkeit eines absolutistischen Staates und hemmende Wirkung eines unfreien Daseins immer deutlicher in Erscheinung, so daß mit Unterstützung der wissenschaftlichen Eliten55, neben der nationalen Einheit, Pressefreiheit, die Trennung von Justiz und Verwaltung, ein volkstümliches Wahlgesetz, die Befreiung des Bodens aus der grundherrschaftlichen Vereinnahmung, eine Reform des Strafgesetzes, die Abschaffung aller Privilegien und Einsparungen im Militär- und Gesandtenwesen gefordert wurden56. Diese umfassenden Forderungen vereinigten noch die verschiedensten Strömungen in der liberalen Opposition, namentlich die Republikaner, die Konstitutionellen und diverse Zwischengruppen. Diese Vielstimmigkeit jedoch scheiterte, wie erwähnt mit dem Heppenheimer Programm von 1847, hauptsächlich an der unterschiedlichen Gewichtung der sozialen Frage und der Verankerung der Bewegung im Volk. Die programmatische Ausrichtung wird deutlich, da man zunächst die Gründung einer Zeitung, als Sprachrohr der gesamten Bewegung anstrebte und diese am 22. Januar 1847, vor dem Heppenheimer Programm, unter dem Namen „Deutsche Zeitung“ mit der Pressemeldung: „das Blatt (werde) das Prinzip der konstitutionellen Monarchie in einem freien Sinne mit besonnener Haltung in allen seinen Konsequenzen und für alle Teile des Vaterlandes verfechten -...“57, erstmals erscheinen ließ. Besonders in der Entwicklung der preußischen Liberalen war aber sehr schnell die Vorherrschaft wirtschaftsliberaler Ideen zu vermerken, so daß man hier mit „in allen seinen Konsequenzen“ nicht den Gebrauch von revolutionären Mitteln meinte, sondern ihn im Gegenteil sogar zu verhindern suchte.

Der Ausgangspunkt für diese neue Spielart des Liberalismus war die preußische Rheinprovinz, begünstigt durch die besonders gute ökonomische Entwicklung und die politische Sondersituation58, stand man hier im Streit um die Beibehaltung des Rheinischen Rechts, mit einem bereits ausgebildeten bürgerlichem Selbstbewusstsein, in Opposition zum preußischen Bürokratenstaat, da dessen Garantie eine Verfassung voraussetzte. Ebenfalls zentral war die Tatsache, daß sich das rheinische Bürgertum ein Klassenbewusstsein erarbeitet hatte, welches ihm durch den Reformstau in Preußen die Abkehr vom Ziel der klassenlosen Bürgergesellschaft erleichterte und so sein liberales Dasein als politische Verfassungsbewegung in eine Bewegung zur Wahrnehmung von wirtschaftlichen Interessen regional spezifisch abänderte. Vom Standpunkt einer wirtschaftlich erfolgreichen Bürgerschicht aus wollte man vor allem auf wirtschaftspolitische Entscheidungen Einfluss nehmen und kritisierte das vorherrschende System der Aufteilung in Provinziallandtage als ineffizient59 und deren Zusammensetzung als nicht der Realität entsprechend. Wortführer dieser wirtschaftsliberalen Opposition waren Männer wie Camphausen, Mevissen und Hansemann, die sich zunächst im Kampf um die Erhaltung des rheinischen Rechts, um eine Verfassung, und dann für staatliche Unterstützung beim Eisenbahnbau, um Einfluss aus die Wirtschaftspolitik, bemühten.

Es blieb aber, aller Interessen zum Trotz, das erklärte Ziel, die rechtliche Situation im Staat der sich seit der französischen Okkupation rapide verändernden rheinischen Gesellschaft anzupassen. Vor allem sollte, dem wirtschaftlichen und finanziellen Machtzuwachs des Bürgertums Rechnung tragend, die Bevormundung durch den Staat und dessen, von Aristokraten dominierten, Bürokratie durchbrochen werden.

Dies wollte man jedoch durch Reformen erreichen, die man der herrschenden Aristokratie mit dem Hinweis, daß sich ein auf das einflussreiche industrielle Bürgertum gestützter Staat einer größeren und breitern Basis sicher sein könnte, abzugewinnen hoffte.

Gleichzeitig versuchten die Liberalen eine möglichst große Anhängerschaft unter denjenigen zu bekommen, die für die wirtschaftliche Entwicklung des Staates wichtig waren, was bis 1848 auch nahezu flächendeckend gelang. Im Vorfeld der Revolution setzte sich auch bei den Wirtschaftsliberalen die Erkenntnis durch, daß zunächst eine Verfassung geschaffen werden müsse, bevor man die anstehenden wirtschafts- und sozialpolitische Reformen verwirklichen könne60, der Herrschaftsapparat erschien, unter dem Eindruck des steigenden Drucks auf den Strassen als nicht mehr Herr der Lage. Die Liberalen versuchten sich mit sozialen Forderungen an die Spitze der Volksbewegung zu setzen und nutzten die Gelegenheit, um ihren langjährigen Forderungen so den entscheidenden Nachdruck zu verleihen. Als Verfassungsmodell strebten sie eine konstitutionelle Monarchie mit repräsentativer Mitbestimmung in einem Zwei-Kammer-System an, als Wahlrecht wurde das Zensuswahlrecht befürwortet, um den Einfluss der „wahren Majorität des Volkes“61 an der politischen Entscheidungsfindung im Parlament zu garantieren. Wer aber war für die Liberalen diese Majorität und wie wirkte sich diese Einschätzung aus?

3.2.1 Das Klientel der Liberalen

Angesichts der immer stärker werdenden Volksbewegung versuchte auch die, meist in Provinziallandtagen und Vereinen tätige, liberale Opposition diese zu integrieren und entwickelte Ansätze einer sozialen Programmatik, ohne jedoch für den Gleichheitsgrundsatz einzutreten und den von Hansemann aufgestellten apodiktischen Grundsatz: „Damit Vernunft und Fähigkeit herrschen, muß der politische Einfluß der höheren und wohlhabenden Volksklassen stärker sein als der von den übrigen Volksklassen auszuübende“62, zu entwerten.

Hier wird deutlich das es sich bei liberaler Politik hauptsächlich um die Interessen einer urbanen, wohlhabenden und gebildeten bürgerlichen Ober- und Mittelschicht drehte, die „die wahre Majorität des Volkes“63 aus dem „vereinigten Verhältnis von Anzahl, Vermögen und Bildung“64 definierte. Man sah sich als politisch unterrepräsentierte gesellschaftliche Führungsschicht, deren Anspruch auf Mitbestimmung sich März 1848 mit Hilfe der revolutionären Massen durchsetzen ließe. Dieser Taktik stand spätestens nach den Unruhen am 18. und 19. März in Berlin die Angst vor einem drohenden sozialen Umsturz zur Seite und damit das Bestreben, den sozialen Status quo, auch unter Preisgabe der eigenen Prinzipien, durch ein Bündnis mit dem König und der Reaktion zu bewahren.

In wie weit diese Verhalten ein Verrat der Revolution darstellte wird in Kapitel II Abschnitt 4. erörtert.

3.3 Die konservative Bewegung

Die in der Retrospektive unter dem Begriff konservativ subsumierten Interessensgruppen sind im Vorfeld der Revolution keineswegs als eine heterogene Gruppe zu beschreiben und im Gegensatz zu den Liberalen und den Demokraten auch nicht als Partei und kaum als Verein organisiert. Die Bedeutung der Konservativen für die Anfangsphase der Revolution ist eher durch Ablehnung und die versuchte Einflussnahme im Vereinigten Landtag, als durch aktiven Kampf zusehen, das Interesse an einem Kampf gegen den Liberalismus nimmt erst mit der Nationalversammlung zu.

3.3.1 Die Erscheinung und die Ziele der Konservativen

„Es hatte niemand Neigung eine Partei zu bilden-...! Erst 1848, als die Not auf den Nägel brannte, kamen wir, 20 Jahre zu spät, darauf“65 notierte Ernst Ludwig von Gerlach, der zum pommerschen Adel gehörte, nachträglich in sein Tagebuch, und beschreibt damit ein Hauptproblem der Konservativen im Vorfeld und der Anfangsphase der Revolution.

Der Konservatismus gründete sich auf eine meist adelige Opposition gegen die Auswirkungen der Preußischen Reformen, vor allem gegen die Bauernbefreiung, durch das Oktoberedikt von 1807, und die Gewährung der Gewerbefreiheit durch das Gewerbeedikt von 1810. Allerdings richteten sich die Oppositionsbestrebungen nicht gegen den Absoluten Herrscher, der ja die Edikte erlassen hatte, sondern gegen die Bürokratie und deren liberales Reformkonzept der freien Konkurrenz. Man versuchte die Auswirkungen dieser Reformen durch zu erstreitende Entschädigungen abzumildern ohne dabei das Prinzip des Gottesgnadentum und der absoluten Herrschaft in Frage zu stellen. Dies war auch nicht nötig, da es der konservativen Opposition aus ihrer sozialen Position heraus gelang, eine wirkungsvolle Interessenpolitik im Hinblick auf eine neuerliche Konsolidierung der sozialen und ökonomischen Position durchzusetzen66. Wenn aber der König, als von Gott eingesetzter Herrscher, eher als Fürsprecher oder zumindest als gleichgesinnt angesehen wird, werden die Schwierigkeiten deutlich, die es gab, die konservative Opposition zu einer Vereins- oder Parteienbildung als Ausdruck von Volkssouveränität zu bewegen. Für die Mehrzahl der Konservativen war die Frage der Parteienbildung vor 1848 kein Thema, da man die Stände als natürliche Gruppenrepräsentanten ansah und politische Konflikte in direkten Gesprächen in Hofkreisen oder allenfalls in den Ständeversammlungen zu lösen gedachte. Das Zitat „Ich wohne vor mir und koche mich selbst“67 von v.Thadden-Trieglaff lässt die unterentwickelte Bereitschaft zur Parteienbildung erkennen.

Ständeversammlungen standen nicht im Zwang, sich legitimieren zu müssen und der Adel wollte, trotz der Konfrontation mit der Bürokratie, nicht von der Seite des Königs abrücken und gar eine eigenständige politische Kraft darstellen, man war ja ständisch assoziiert. Das diese Ansicht nicht mehr zeitgemäß war, wurde dem Großteil der konservativen Opposition spätestens beim Zusammentritt des Vereinigten Landtages in Berlin deutlich. Nachdem Friedrich Wilhelm IV. in der Eröffnungsrede jede Hoffnung auf eine Verfassung zerstört hatte, knüpften die Liberalen ihre Zustimmung zur Ostbahnanleihe68 an die Forderung nach einer periodischen Einberufung des Vereinigten Landtages.

Diese Forderung war für die Regierung und für Teile der Konservativen nicht akzeptabel, dieser Standpunkt konnte aber wegen fehlender Homogenität nicht gegen die, im Laufe der Debatte immer mehr zu einer Partei verschmolzenen, liberalen Opposition durchgesetzt werden.

Die Konservativen Abgeordneten hatten sich in zwei Gruppen gespalten, wobei die größere „Vereinigung von Strengkonservativen Mitgliedern“ unter Leitung von Graf Gneisenau mit 130 Abgeordneten ebenfalls gegen die Ostbahnanleihe gestimmt hatte, weil man eine Parteienbildung anstrebte und deshalb die Forderung nach Periodizität des Landtages zur Schaffung einer Arbeitsgrundlage für den parlamentarischen Kampf gegen den Liberalismus, zwar nicht als Rechtsanspruch gegenüber der Krone, aber dennoch unterstützte. Für die äußerste Rechte um Bismarck und Thadden-Trieglaff stellte diese Forderung eine Nötigung zu verfassungsreformerischen Zugeständnissen69 dar und war somit abzulehnen.

An diesem Beispiel wird deutlich, wie zerstritten die Konservativen in Preußen waren und wie hilfreich eine Organisationsform oder zumindest ein einheitliches Programm im Kampf gegen die Liberalen gewesen wäre. Doch auch mehrere Versuche, ein konservatives Presseorgan zu schaffen, schlugen aus mangelnder Unterstützung fehl und trugen ebenfalls dazu bei, die Konservativen als eine „in sich zerstrittene(n), elitäre(n) und institutionell freischwebende(n) Clique mit anscheinend hoffnungslos obsolet gewordenen Wertvorstellungen“70 erscheinen zu lassen. In einer durch Umwälzungen geprägten Zeit nahm die alte Führungsschicht die heranrückende Veränderung gerade noch rechzeitig wahr, um sich im Kampf gegen die konstitutionelle Monarchie an der Spaltung der liberalen Opposition zu beteiligen. Doch wer waren diese Konservativen und für wessen Belangen traten sie, so bedingt wirksam, ein?

3.3.2. Das Klientel der Konservativen

Der Konservatismus entwickelte sich durch die Auseinandersetzung mit der preußischen Reformbürokratie zu einer politischen Bewegung im eigentlichen, öffentlichen Sinne. Als bestimmende Faktoren sind die Opposition gegen die Bauernbefreiung und die Gewerbefreiheit zu nennen, wobei der Adel weniger gegen die ökonomischen Veränderungen als gegen das sich verändernde gesellschaftliche Rollenbewusstsein opponierte. Zur Klientel der Konservativen gehörten adelige Grundbesitzer, die durch die Bauernbefreiung um ihre gesellschaftliche Stellung fürchteten und die bäuerlichen und unterbäuerlichen Schichten, die durch die wachsende Industrialisierung aufgeschreckt, nicht überzeugt waren, daß die Reformen wirklich zu mehr sozialer Gerechtigkeit führen würden. Diese Zweifel wurden durch den um sich greifenden Pauperismus bestätigt und führten, durch Skepsis gegenüber der fremden bürgerlichen Gesellschaft, zu antikapitalistischen und antiliberale Einstellungen, die alle Hoffnungen auf den „sozialen König“71 richteten. Da die Reformen, die die beim Großteil der Bauern vorherrschende gutsherrlich bäuerlich Lebensordnung bedrohten, sympathisierte man mit der antikonstitutionellen Opposition des Adels, obgleich dieser primär gutsherrliche Privilegien verteidigte.

Die andere, kleinere Gruppe waren die von der Liberalisierung der Gewerbeverfassung betroffenen Schichten - die Handwerkermeister. Durch die Aufhebung der Zunftschranken mit dem Gewerbeedikt von 1810 verdoppelte sich die Zahl der Handwerker bis 1846 nahezu72, die gesteigerte Konkurrenz, vor allem durch eine gesteigerte Zahl von Gesellen, führte zu der Forderung der Wiedereinführung genossenschaftlicher Ordnungsprinzipien. Die Opposition gegen den, nur durch den Markt regulierten, Konkurrenzpluralismus stellt die Verbindung zur adelig konservativen Intelligenz dar, die sich im Widerspruch zu Adam Smiths Lehren, gegen die Umwandlung aller organisch-korporativen Beziehungen in Geldleistungen wandten, da man befürchtete die Verlierer dieser neuen kapitalistischen Wirtschaftsordnung verlören den Kontakt zum Staat und würden so eine Gefahr für das politische System darstellen.

So wurde es für die adelige Opposition möglich, nicht nur die Grundbesitzer, sondern ebenfalls Teile der Bauernschaft und Teile der Handwerker auf den Konservatismus einzuschwören, obwohl diese Verbindung über die hergebrachten Standesgrenzen, die für den Großteil des Adels immer noch die natürliche, gottgewollte Gliederung der Gesellschaft darstellten, weit hinaus ging. Es entstand eine, die Vergangenheit glorifizierende, Fundamentalopposition gegen die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen der Industrialisierung und die daraus resultierende konstitutionelle Reformbewegung, mit dem Ziel, die gute alte Zeit wieder aufleben zu lassen.

4. Die Ereignisse bis zur preußischen Nationalversammlung

Der Anfang der Entwicklung kann im Umritt des Königs vom 21. März 1848 und in dem Aufruf „An mein Volk und die deutsche Nation“73 und die darin in Aussicht gestellte Erfüllung der Märzforderungen nach einer konstitutionellen Verfassung mit Ministerverantwortlichkeit, öffentlicher und mündlicher Rechtspflege, Geschworenengerichte bei Strafsachen, gleiche politische und bürgerliche Rechte für alle Religionsgemeinschaften und eine freie und volkstümliche Verwaltung74, gesehen werden. Hier wird deutlich, daß vor allem durch die Verknüpfung der Reformen mit der Einberufung des zweiten Vereinigten Landtages, die Initiative zur weiteren Entwicklung im Staat von Friedrich Wilhelm IV. und seinem Ministerpräsident Graf Arnim ausging. Dieser war am 19. März, nach Verhandlungen mit führenden Liberalen mit dem König, eingesetzt worden und verkündete sogleich die Einführung der Bürgerbewaffnung, die auf Betreiben der Liberalen zur Sicherung des Status quo gefordert worden. Es zeigt sich das die liberale Bourgeoisie also, zu einem Zeitpunkt als noch nicht alle Barrikaden entfernt waren, mit der Reaktion über die Abwehr einer sozialrevolutionären Volksbewegung verhandelte. Um der Forderung nach Volksbewaffnung zuvorzukommen, verriet man die Volksbewegung, deren Aufstand man seine Erfolge zu verdanken hatte. Während der König diese Situation geschickt nutzte um sich des Rückhaltes der liberalen Bourgeoisie zu versichern und dies mit dem Umritt in den Farben der Revolution deutlich machte, hatte er sein deutschlandpolitisches Ziel, die Führung der Einigungsbewegung zu übernehmen, verfehlt. Geraden in Preußen aber war seine Position gestärkt und in einer mehrmonatigen Perspektive gesehen als ausgesprochen gut zu bezeichnen.

Vor allem die Einberufung des Vereinigten Landtages, von den Liberalen als Kompromiss ausgehandelt, stieß bei den Demokraten auf Widerspruch, war hier doch das Ziel, die Verfassungsverhandlungen auf eine vorrevolutionäre und ständische Rechtsbasis zu stellen, deutlich absehbar. Nicht nur der Sieg der Revolution wurde durch diese Zwischenphase relativiert, man setzte sich auch noch mit den Vertretern der Reaktion an einen Tisch, um über die Zukunft Preußens zu verhandeln. Zwar waren der rheinische Liberale Camphausen am 29. März an die Spitze der Regierung bestellt worden, die Spaltung der Opposition hatte sich bereits am 27.März mit der Gründung des „Konstitutionellen Klub(s)“75 nun auch in Berlin vollzogen, so daß sich die Konstitutionellen und die Demokraten76 im Kampf um die Entstehung einer Nationalversammlung gegenüber standen. Auf demokratischer Seite plädierte man für ein oktroyiertes Wahlrecht, mit einer sofortigen allgemeinen, gleichen und direkten Wahl zur Nationalversammlung. Während die Konstitutionellen auf der Kompromisslinie von Graf Arnim für den Vereinigten Landtag votierten und ihn wie Beckerath sagte, als eine Brücke zwischen der alten und der neuen Zeit, die die Ergebnisse der Revolution freudig aufnimmt, sahen77. Hier wurde die Möglichkeit bevorzugt durch den Rückgriff auf die alte Tradition des preußischen Rechts, aus der die Institution Vereinigter Landtag hervorgegangen war, eine Rechtskontinuität herzustellen und so allen Bestrebungen in Richtung revolutionäres Recht, die zu Etablierung der Revolution und ihrer Ergebnisse an den Schaltstellen der Macht durch das Volk hätte führen können, zu verhindern - im Bündnis mit den alten Eliten. Durch die Spaltung der liberalen Opposition war die Position des Königs gestärkt worden und die, von den Demokraten initiierten, großen Proteste gegen die Einberufung des Landtages verfehlten ihre Wirkung. Dieser begann am 2. April seine Arbeit bezeichnenderweise mit einer Dankadresse an den König78 und verabschiedete am 8. April das vom Ministerium vorgeschlagene Wahlgesetz. Gewählt werden sollte von allen männlichen Wählern über 24 Jahre nach allgemeiner, gleicher und indirekter Wahl, die passive Wahlberechtigung wurde auf 30 Jahre festgelegte79. Somit war zwar die Forderung nach einem Zensus, wegen der Volksbewegung, nicht verwirklicht worden, wohl aber die demokratische Forderung nach einer direkten Wahl verworfen worden. Dieses Wahlrecht war eine von zwei königlichen Propositionen an den Vereinigten Landtag, deren zweite die Aufhebung der Zugeständnisse vom 18. und 21. März verlangte, was dieser auch gehorsam erfüllte80. Dies wirft ein bezeichnendes Licht auf die Brauchbarkeit dieser

Einrichtung zur Festigung des Erreichten als Brücke zwischen alter und neuer Zeit. Noch deutlicher wird die, in diesem Sinne, contraproduktive Kompromisshaltung der liberalen Regierung unter Camphausen und Hansemann, wenn man die Rahmenbedingungen für die zu wählende Nationalversammlung betrachtet. Nicht nur, daß durch die Berufung auf das Vereinbarungsprinzip jedes revolutionär erstrittenes Recht auf Veränderung ad absurdum geführt wurde, der König konnte auch ein absolutes Vetorecht gegen die Beschlüsse der Nationalversammlung durchsetzen. Die legislativen Rechte wurden, wie die des Vereinigten Landtages, an diese angeglichen und auf das Steuerbewilligungsrecht und das Budgetrecht beschränkt. Diese Bestimmungen waren der Auslöser dafür, daß sogar Royalisten wie der Oberpräsident von Meding auf die konstitutionelle Linie der Regierung einschwenkten81. Trotzdem saß das Kabinett Camphausen/Hansemann durch sein Verhalten zwischen allen Stühlen, bei den Demokraten spätestens seit der Verabschiedung des indirekten Wahlrechts ins Zentrum der Kritik geraten, bei den Konservativen kam zur generellen Ablehnung einer konstitutionellen Monarchie die von Hansemann vertretene Finanzpolitik82 erschwerend hinzu und auch der verbündete Friedrich Wilhelm IV. versuchte seine Zugeständnisse so schmal zu halten, daß sie nach der Verkündung durch die Regierung, immer wieder zu Konflikten zwischen den verschiedenen Oppositionsteilen führten. Für die Wahl zur Nationalversammlung vom 1. Mai 1848 ist insofern nur noch anzumerken, daß vor allem die demokratische Bewegung noch nicht flächendeckend genug auftrat um ihre Kandidaten in größerer Zahl ins Parlament zu bringen, das durch das indirekte Wahlrecht zu zwei Dritteln mit bürgerlichen Honoratioren und zu einem Drittel mit Männern kleinbürgerlicher oder bäuerlicher Herkunft besetzt worden ist83. Interessanterweise waren unter ihnen nur 20 Männer, die bereits im Vereinigten Landtag gesessen hatten84. Es hatte sich gezeigt, daß die Macht, wenn auch hintergründig, immer noch in Händen des Königs lag und er in die Entwicklung in der geknebelten Nationalversammlung mit einem Verfassungsvorschlag der Regierung, der ja ein Kompromiss zwischen ihm und Camphausen sein müsste, eingreifen konnte, der die, bereits in verschiedene Lager gespaltene, Opposition in langwierige Kontroversen stürzen würde, ohne die Schaltstellen der Macht preiszugeben.

Mit dem Verfassungsvorschlag der Regierung waren die Demokraten zwar an einer Weiterführung der Revolution durch die Auseinandersetzung im Parlament gehindert, die Liberalen selber aber auch, so daß sie die Festigung ihrer Position gegenüber der, durch Anpassungsäußerungen einiger Konservativen, unterschätzten Reaktion vernachlässigten. Der Spagat zwischen Sicherung des Erreichten und der Verhinderung einer weiteren Revolution, durch den Verrat vom 19. März, war bereits vor Zusammentritt der Nationalversammlung misslungen, da der Vereinigte Landtag alle königlichen Zugeständnisse widerrufen hatte.

III. Zusammenfassung

Insgesamt wird deutlich, daß sowohl die Wirtschaftskrise und die daraus resultierende Finanzkrise des Staates, als auch der Eindruck der Französischen Revolution dafür verantwortlich waren, daß die liberale Opposition sich der Regierung verweigerte und die Masse der Bevölkerung die Ereignisse im ersten Vereinigten Landtag zum Anlass nahm, durch Volksversammlungen ihre Forderungen nach politischen und sozialen Reformen zum Ausdruck zu bringen. Dadurch verunsichert, fachte Friedrich Wilhelm der IV. mit verspäteten Zugeständnissen die glimmende Volkswut weiter an und löste mit seinem Räumungsbefehl die blutigen Barrikadenkämpfe erst aus. Auf dem Höhepunkt der Revolution, in der Stunde der tiefsten Demütigung, war es die Bourgeoisie die dem König die Initiative zurückgab in dem sie, zur Beendigung der revolutionären Kämpfe, ein Bündnis mit der Reaktion einging. Durch die Bürgerbewaffnung war ein probates Mittel gegen alle sozialrevolutionären Bestrebungen der demokratischen Volksbewegung installiert worden und zur Sicherung des materiellen Status quo der Verrat der Revolution geschehen. Die Symbiose zwischen Bourgeoisie und König war dabei von Anfang an zu Ungunsten der Liberalen verschoben, so daß die Festigung des, auf dem Rücken der verratenen Volksbewegung, Errungenen bereits mit der Einberufung des 2. Vereinigten Landtages und trotz der Installierung des Märzministerium Camphausen/Hansemann gescheitert war. Die Rücknahme der Zugeständnisse, bereits vor der Wahl zur Nationalversammlung auf Bestimmung königlicher Propositionen hin, macht den Einfluss deutlich, den Friedrich Wilhelm IV. und die Reaktion schon zu diesem Zeitpunkt wieder ausübten. Angesichts der gespaltenen Opposition und den zu erwartenden Flügelkämpfen war die Nationalversammlung erst einmal mit der Ausarbeitung einer Verfassung ruhiggestellt und der König und die reaktionäre Bürokratie nach wie vor an der Macht. Die Revolution war also schon vor dem Zusammentritt der Nationalversammlung, unter Mithilfe der liberalen Bourgeoisie, zum Scheitern verurteilt.

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- Valentin, Veit: Geschichte der deutschen Revolution von 1848 - 49, Erster Band: Bis zum Zusammentritt des Frankfurter Parlaments, Neudruck der Ausgabe Berlin 1930, Aalen 1968.

[...]


1 Bergmann 1986, S. 23.

2 Vgl. Bergmann 1976, S. 267/268.

3 Vgl. Valentin 1968, S. 83ff.

4 Dadurch wurde die bereits verschärfte Konkurrenzsituation noch zusätzlich verstärkt.

5 Bergmann 1986, S. 25.

6 Bergmann 1986, S. 25ff.

7 Vgl. Keinemann 1975, S. 6.

8 Böhr benennt ein fünffaches Verfassungsversprechen Friedrich Wilhelms III. durch das große Finanzedikt vom 27. Oktober 1810, das Finanzedikt von 1811, die Kabinettsordre vom 5. Juni 1814, das Edikt vom 9. Juli 1815 und durch das Staatsschuldengesetz vom 17. Januar 1820, vgl. Böhr 1992, S.6.

9 Zur Liberalen Bewegung siehe unten Kapitel II. Abschnitt 3.2 und 3.2.1.

10 Keinemann 1975, S. 9.

11 Eine Ausnahme bildete nur General Boyen.

12 Vgl. Keinemann 1975, S. 10, Anm. das Edikt vom 22. Mai 1815 wurde erst nach der Schlacht von Waterloo am 8. Juli 1815 veröffentlicht, siehe Anm. Nr.8.

13 Vgl. Keinemann 1975, S. 75ff.

14 Obermann 1967, S. 179.

15 Siehe oben Kapitel 1.1.

16 Siehe oben Kapitel 1.2.

17 Vgl. Valentin 1968, S. 411.

18 Herres 1998, S. 114f.

19 Ebd. S. 114.

20 Das Zugeständnis Friedrich Wilhelm IV. vom 6. März 1848 kam ein halbes Jahr zu spät und wurde als Zeichen der Schwäche gegenüber der herannahenden Revolution empfunden.

21 Gebhart 1973, S.143.

22 Vgl. Valentin 1968, S.420.

23 Der spätere König Wilhelm I..

24 Valentin 1968, S.428.

25 Vgl. Valentin 1968, S.428f.

26 Vgl. Valentin 1968, S. 431ff.

27 Vgl. die Darstellung der Kämpfe bei Valentin 1968, S. 431ff.

28 Valentin 1968, S.434.

29 Flathe 1883, S.544ff.

30 Aus: Rudolf Delbrück: Lebenserinnerungen, zitiert nach Obermann 1967, S. 279.

31 Vgl. Obermann 1967, S. 280f.

32 Herres 1998, S.113.

33 Vgl. Herres 1998, S. 114.

34 Alle vier waren trafen sich regelmäßig zu politischen Diskussionen und sollen Mitglieder im Juni 1847 in London gegründeten Geheimbund der Kommunisten gewesen sein, vgl. Herres 1998, S.114.

35 Vgl. Herres 1998, S.115.

36 Die Präsenz der Truppen war allgegenwärtig, da Köln eine königlich preußische Festungsstadt war.

37 Durch die gärende Stimmung im Winter 1847/48 sah man sich veranlasst einer drohenden Revolution mit verschärfteren Strafgesetzen entgegenzutreten.

38 Flathe 1883, S.544ff.

39 Valentin 1968, S. 450.

40 Siehe Kapitel II. Abschnitt 4.

41 Der zu Demütigungen führte, die nie ein preußischer König vor ihm hatte erleiden müssen, so zum Beispiel die Ereignisse am 19. März 1848.

42 Mit seinem, 1841 in den Hallischen Jahrbüchern erschienen, Aufsatz über den Rationalismus, in: Der deutsche Vormärz, 1967, S.57.

43 Mit seinem 1845 in Zürich veröffentlichtem Buch: Fröbel, Julius: Politik und Privatleben, in: Der deutsche Vormärz, 1967, S.54.

44 Vgl. Paschen 1977.

45 Also, der Ansatz politische Partizipation und Einkommen zu verknüpfen.

46 Sicher hatte auch im Vormärz Turn- oder Sängervereine nationaldemokratische Ansichten vertreten, jedoch war es nun möglich politische Clubs und Vereine zu bilden die sich mit tagespolitischen Themen befassten ohne die nationale Perspektive aufzugeben.

47 Gemeint waren für das Stimmrecht nur Männer, in: Statuten des Demokratischen Klubs in Berlin v. 19.5. 1848: aus Paschen 1977.

48 Vgl. Paschen, S. 53ff, München, Wien 1977.

49 Paschen 1977, S.33.

50 Paschen 1977, S.36.

51 Ebd. S. 36ff.

52 Paschen 1977, S.38.

53 Paschen 1977, S.38.

54 Bereits wenige Monate nach den Märzereignissen 1848 gab es in nahezu jeder Stadt

Preußens einen oder mehrere demokratische Vereine, die sowohl untereinander als auch mit Vereinen in ganz Deutschland korrespondierten.

55 So wurden, der Naturforschertag 1822 in Leipzig, der Philologentag 1838 in Nürnberg, der Schriftstellertag 1845 in Leipzig und der, von Historikern und Germanisten gemeinsam veranstaltete, Germanistentag 1846 in Frankfurt am Main, zu unübersehbaren gesamtdeutschen Veranstaltungen bei denen liberale Ideen diskutiert wurden.

56 Vgl. Obermann 1967, S.183ff.

57 Zitiert nach Obermann 1967, S. 184.

58 Hier ist die napoleonische Rechtskodifikation zu Gunsten der, durch die Französische Revolution entstandene und unter Napoleon in die Rheinprovinz eingeführte, Notabelgesellschaft zu nennen.

59 Vgl. Fehrenbach 1997, S.116ff.

60 Vgl. Fehrenbach 1997, S.130f.

61 Hansemann: Denkschrift über Preußens Lage und Politik, 1840, zitiert nach: Fehrenbach 1997, S. 118.

62 Hansemann: Denkschrift über Preußens Lage und Politik, 1840, zitiert nach: Fehrenbach 1997, S.130.

63 Hansemann: Denkschrift über Preußens Lage und Politik, 1840, zitiert nach: Fehrenbach 1997, S. 118.

64 Ebd. S.118.

65 Zitiert aus Schwentker 1988, S. 52.

66 Vgl. Schwentker 1988, S. 39, wie die Beschreibung des Klientel zeigen wird, bezieht sich diese Interessenspolitik auf den Widerstand gegen die Kapitalisierung der preußischen Agrarverhältnisse.

67 Schüddelkopf 1951, S. 18.

68 Nach dem Staatsschuldengesetz benötigte die Regierung in dieser Frage die Zustimmung der Landesrepräsentation.

69 Vgl. Schwentker 1988, S.53.

70 Schwentker 1988, S. 55f.

71 Schwentker 1988, S. 40.

72 Vgl. Schwentker 1988, S. 41.

73 Vgl. Valentin 1968, S.451.

74 Ebd. S.451f.

75 Valentin 1968, S.534.

76 Deren Vereinigung, der „Politische Klub“ hatte sich am 23. März 1848 in Berlin gegründet, siehe Kapitel II. Abschnitt 3.1.

77 Vgl. Valentin 1968, S.536.

78 Vgl. Obermann 1967, S.284.

79 Vgl. Valentin1968, S.536.

80 Vgl. Valentin 1968, S.537.

81 Vgl. Valentin 1968, S.537.

82 Die Konservativen sahen in der Aufnahme eines 25 Millionen Taler Kredites zur Erhaltung der Wirtschaft im Inneren eine nicht zu akzeptierende Förderung der Industrialisierung zu Lasten der Agrarwirtschaft und des platten Landes. Vgl. Valentin 1968, S.537.

83 Böhr1992, S.11f.

84 Böhr1992, S.11f.

Details

Seiten
40
Jahr
2000
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v104300
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
sehr gut
Schlagworte
Revolution Preußen Nationalversammlung

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Titel: Die Revolution von 1848 in Preußen bis zur Nationalversammlung