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Familiale Arbeitsteilung und Scheidungsursachen

Seminararbeit 2000 14 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

GLIEDERUNG

1 EINLEITUNG

2 DER EINFLUSS VOREHELICHEN ZUSAMMENLEBENS AUF DIE SPÄTERE EHESTABILITÄT
2.1 HEIRATSALTER UND EHESTABILITÄT.
2.2 DIE BEDEUTUNG VERSCHIEDENER STUFEN DER PARTNERWAHL FÜR DIE SPÄTERE EHESTABILITÄT.

3 ARBEITSTEILUNG IN EHEN UND NICHTEHELICHEN LEBENSGEMEINSCHAFTEN
3.1 NEW HOME ECONOMICS
3.2 TIME-AVAILABILITY-ANSATZ
3.3 RESSOURCENTHEORIE
3.4 GESCHLECHTSROLLENANSATZ
3.5 DOING-GENDER-ANSATZ
3.6 ERGEBNISSE DER 12. WELLE DES SOEP

4 SCHEIDUNGSURSACHEN
4.1 SOZIALER WANDEL, FRAUENERWERBSTÄTIGKEIT UND EHESTABILITÄT.

5 RESÜMEE

6 LITERATURVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

„Wie leben in einer Wegwerfgesellschaf, auch was den Ehepartner betrifft.“1 Als ich auf dieses Zitat des englischen Dramatikers Harold Pinter gestoßen bin, habe ich mir überlegt, welchen Wert die Ehe in unserer heutigen Gesellschaft überhaupt noch hat. Die Fragen warum Menschen eine Ehe eingehen und wie die Aufgaben innerhalb einer Ehelichen bzw. Vorehelichen Lebensgemeinschaft verteilt und wahrgenommen werden haben mich dazu bewogen, mich näher mit dem Thema Partnerschaft und Scheidungsursachen auseinander zu setzten.

Zunächst möchte ich den Einfluss vorehelichen Zusammenlebens auf die spätere Ehestabilität beleuchten, dann auf die Arbeitsteilung in Ehen und Nichtehelichen Lebensgemeinschaften eingehen sowie den Zusammenhang zwischen der Berufstätigkeit der Frau und Ehescheidung erläutern.

2 DER EINFLUSS VOREHELICHEN ZUSAMMENLEBENS AUF DIE SPÄTERE EHESTABILITÄT

In der Regel werden Nichteheliche Lebensgemeinschaften als Probeehen angesehen. Verbunden mit dieser Denkweise ist auch die Ansicht, dass das Zusammenleben vor der Ehe positiven Einfluss auf die spätere Ehestabilität nimmt.

Empirischen Studien belegen, dass der negative Kohabitationseffekt einen zeitlich vorverlagerten Risikoverlauf darstellt. Denn Nichteheliche bzw. Voreheliche Lebensgemeinschaften werden u. a. meist von unkonventionellen Personen eingegangen, welche ein weniger ausgeprägtes Familienideal besitzen bzw. eine geringere Wertschätzung gegenüber der Ehe haben. Folglich ist das spätere Scheidungsrisiko bei diesem Personenkreis automatisch höher, als bei konventionellen Ehen, denen keine oder eine zeitlich kurze Nichteheliche Lebensgemeinschaft vorausgegangen ist.

„Mit zunehmender Ehedauer nimmt das Scheidungsrisiko zunächst zu, gipfelt nach ein paar Jahren (der Volksmund spricht „vom verflixten siebten Jahr“) und nimmt dann wieder ab“2, damit lässt sich leicht erklären, warum Nichtehelichen Lebensgemeinschaften meist ein höheres Scheidungsrisiko zugesprochen wird. Als bedeutendster Schritt ist die gemeinsame Haushaltsgründung anzusehen und damit erklärt sich auch, warum es sich hierbei um ein wie schon oben angesprochenes vorverlagertes erhöhtes Scheidungsrisiko handelt.

2.1 HEIRATSALTER UND EHESTABILITÄT

Empirisch ist der Einfluss des Heiratsalters auf die Ehestabilität belegt. So wirkt sich mit zunehmendem Heiratsalter eine Verbesserung der Fähigkeiten und Lebensbedingungen positiv auf die Ehe aus. Dabei sind u. a. Reife und Erfahrung aber auch die wirtschaftliche Situation und eine verbesserte Rollenverteilung von Bedeutung.

Mit zunehmendem Heiratsalter tritt auch der Aspekt in Vordergrund, dass je geringer die Wahrscheinlichkeit eines besseren Heiratsangebots ist, desto eher eine Ehe mit dem betreffenden Heiratspartner eingegangen wird. Die vorausgegangene Suchzeit nach einem Partner dient zudem zur Verbesserung der Marktkenntnis und zum Abbau von unrealistischen Erwartungen.

Findet eine homogame Partnerwahl statt, bedeutet das ebenfalls einen positiver Effekt für die Ehestabilität. D. h. eine Person, die auf der Suche nach einem Partner ist, lehnt die Partnerschaft mit einer weiteren, weniger attraktiven Person ab, weil ein besseres Heiratsangebot vorhanden zu sein scheint. Geringere Spannungen, ein höherer Wertekonsens und ähnliche Rollenerwartung sind weitere Pluspunkte und erhöhen somit die Stabilität der späteren Ehe.

Ein weitere Einfluss auf die Ehestabilität nimmt die Intransparenz des Heiratsmarkts.

„Während auf einem perfekten, völlig transparenten Heiratsmarkt jede Person die Beziehung mit einer weniger attraktiven Person ablehnt, weil ein besseres Heiratsangebot in Sicht ist, kommen auf dem intransparenten Heiratsmarkt mis-matches (im Sinne ungleicher relativer Attraktivität) zustande, die sich erst im Eheverlauf offenbaren.“3 Somit lassen sich Scheidungen als Ausfluss der Intransparenz des Heiratsmarktes ansehen, verdeckte Eigenschaften eines potentiellen Partners werden Erkennbar und die Vereinbarkeit einer spezifischen Verbindung kann beurteilt werden, zudem lässt sich dies mit Veränderungen der partnerwahlrelevanten Eigenschaften der Partner erklären.

Auswirkungen bezüglich der Stabilität einer Ehe lassen sich auch durch Statusübergänge nach der Heirat ableiten. Dies ist meist ein Problem bei früher Eheschließung, nach der eine berufliche Etablierung und andere Statusübergänge statt finden und vom Partner Anpassungsleistung erfordert und als Belastung interpretiert werden kann.

2.2 DIE BEDEUTUNG VERSCHIEDENER STUFEN DER PARTNERWAHL FÜR DIE SPÄTERE EHESTABILITÄT

Zunächst kann man erkennen, dass Nichteheliche Lebensgemeinschaften in der vorehelichen Beziehungsgeschichte zunehmen. Gab es bis Ende der 60er Jahre kaum „Probeehen“, so ergab sich zwischen 1969 und 1978 im Durchschnitt ca. sechs Monate, im Zeitraum 1989- 1996 im Durchschnitt zwei Jahre voreheliche Lebensgemeinschaft. Diese vorausgehenden Beziehungsphasen haben sich jedoch verändert, zudem dauern heute bei Heirat Beziehungen wesentlich länger an, als noch vor 20 Jahren.

Zwei Studien, nämlich der Familiensurvey aus dem Jahre 1988 sowie die Mannheimer Scheidungsstudie (1996) geben Aufschlüsse darüber, welche Bedeutung verschiedene Stufen der Partnerwahl für die spätere Ehestabilität haben. So geht aus dem Familensurvey folgendes hervor: Das Heiratsalter von Mann und Frau hat wesentlichen Einfluss auf die Ehestabilität. Jedes Altersjahr (innerhalb der extensiven und intensiven Suche nach einem Lebenspartner) trägt zu einer Reduktion des Scheidungsrisikos zwischen 5-5,8 Prozent bei. Jedes Jahr einer Nichtehelichen Lebensgemeinschaft erhöht hingegen das Scheidungsrisiko um 16,4 Prozent. Aber auch das Alter beim Kennen lernen nimmt Einfluss auf die Ehestabilität: Jedes Jahr der Beziehung vor gemeinsamer Haushaltsgründung senkt das Scheidungsrisiko einer späteren Ehe um 21,79 Prozent und jedes vorausgegangene Bekanntschaftsjahr trägt mit 19,55 Prozent zu einer Reduzierung bei.

„Damit findet sich für einen negativen Kohabitationseffekt keine Bestätigung, jedoch ist auch die positive Funktion der Nichtehelichen Lebensgemeinschaft als Probeehe gering (...) die Partnerwahl führt gar dazu, dass auch die Kohabitation vor der Ehe zu einer immerhin schwach signifikanten Reduzierung des Scheidungsrisikos beiträgt“4. Außerdem hat die Nichteheliche Lebensgemeinschaft kaum die Funktion einer Probeehe, da die Wahl des späteren Ehepartners mit der Gründung einer Nichtehelichen Lebensgemeinschaft in der Regel abgeschlossen ist.

3 ARBEITSTEILUNG IN EHEN UND NICHTEHELICHEN LEBENSGEMEINSCHAFTEN

Hatte in der traditionellen Arbeitsteilung die Frau eine deutliche Mehrfachbelastung nicht nur durch Hausarbeit und Kinderbetreuung, sondern auch z. T. durch Erwerbstätigkeit, war der Mann bislang deutlich unterhalb der Gesamtbelastung betroffen. Nordamerikanische Forschungsstudien haben bei der Untersuchung inwieweit partnerschaftliche Gleichberechtigung nicht nur ideeller sondern auch praktischer Weise umgesetzt werden können verschiedene Ansätze entwickelt: New Home Economics, Time-Availability-Ansatz, Ressourcentheorie und Geschlechtsrollenansatz und Doing-Gender-Ansatz.

Anhand dieser Ansätze möchte ich nachfolgend klären, ob die Arbeitsteilung in Nichtehelichen Lebensgemeinschaften weniger traditionell ist und ob kohabitierende Männer mehr Hausarbeit erledigen, als etwa verheiratete.

3.1 NEW HOME ECONOMICS

Bei diesem Ansatz wird davon ausgegangen, dass jeder Haushalt seinen Nutzen durch Optimierung der Zeitallokation seiner Mitglieder zieht. Der Haushalt wird als kleine Fabrik angesehen.

Demnach werden Spezialisierungsgewinne erst dann möglich, wenn sich die Haushaltsmitglieder in ihrer Humankapitalausstattung unterscheiden. Auf dem Arbeitsmarkt, als auch im Haushalt dienen bei der Entscheidung, wie die Zeit zwischen den einzelnen Haushaltsmitgliedern zwischen Marktzeit und Haushaltsproduktion verteilt werden soll, vergleichbare Kosten bzw. Vorteile. Bei empirischer Überprüfung dieser Theorie werden Vorteile bei der Haushaltsproduktion ignoriert und lediglich meist jedoch nur die Lohnraten in Betracht gezogen. „Je höher der Marktlohnsatz eines Haushaltsmitglieds, desto höher sind seine Opportunitätskosten der Hausarbeitszeit und desto geringer das in der Haushaltsproduktion eingesetzte Arbeitszeitvolumen.“5 D. h. der Haushaltsnutzen wird gesteigert, wenn das Haushaltsmitglied mit der niedrigeren Lohnrate das Haushaltsmitglied mit der höheren Lohnrate von der Haushaltsproduktion freistellt und sich statt dessen auf Haushaltsproduktion spezialisiert und sich aus der Erwerbstätigkeit zurück zieht.

Der Ansatz New-Home-Economics ist zwar ein geschlechtsneutraler Ansatz, es handelt sich jedoch auf Grund des Unterschiedes in der Humankapitalausstattung zwischen Männern und Frauen, durch unterschiedliche Erzielung von Lohnraten auf dem Arbeitsmarkt, um geschlechtsspezifische Arbeitsteilung.

3.2 TIME-AVAILABILITY-ANSATZ

Diesem Ansatz liegt die Annahme zu Grunde, dass Erwerbstätigkeit und Ausbildung Haushaltsmitglieder von der Hausarbeit abhalten. Es wird zudem Angebot und Nachfrage an Hausarbeit berücksichtigt, außerdem Faktoren, welche den Bedarf eines Haushalts an Hausarbeit beeinflussen (Kinderanzahl, Wohnungsgröße,...). Arbeiten, welche ein Mitglied nicht erledigen kann, müssen von anderen übernommen werden.

Dieser Ansatz ist ebenfalls geschlechtsneutral. Unterschiede in der Beteiligung an der Hausarbeit sind Effekte, die auf Unterschiede im Umfang von Erwerbstätigkeit von Mann und Frau zurückzuführen sind.

3.3 RESSOURCENTHEORIE

Ebenfalls ein Rational-Choice-Ansatz. Der Unterschied zum New-Home-Economics-Ansatz besteht darin, dass nicht der Haushalt die Einheit des Nutzen maximiert, sondern die Individuen selbst. D. h. die Partner versuchen, ihren individuellen Nutzen zu maximieren. Da Hausarbeit unangenehmer als z. B. Freizeit ist, versucht demnach jedes Haushaltsmitglied so wenig Hausarbeit zu machen wie nötig (auf Kosten anderer Haushaltsmitglieder). Sanktionen und Drohpotentiale werden eingesetzt. „Je höher die externen Ressourcen, die ein Individuum im Vergleich zu seinem Ehepartner besitzt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Entscheidungsmacht zu seinen Gunsten verschiebt.“6 Verhandlungsmacht findet dann ihre Grenzen, wenn der individuelle Netto-Nutzen in der Beziehung den Netto-Nutzen eines Lebens ohne die Beziehung übersteigt, ansonsten wird eine Trennung vorgezogen.

Auch dieser Ansatz ist geschlechtsneutral. Die Entscheidungsmacht ergibt sich aus der Verfügbarkeit und dem Verhältnis der Ressourcen. Somit lässt sich folgern, dass Frauen mehr Hausarbeit leisten als Männer, da ihre Macht durch ihr geschlechtsspezifisches geringeres Einkommen kleiner ist.

3.4 GESCHLECHTSROLLENANSATZ

Mann und Frau übernehmen unbewusst die Aufgaben im Haushalt wahr, welche ihrem Geschlecht am besten entsprechen. Die Geschlechtsrollen schreiben Mann und Frau unterschiedliche Verhaltensweisen und Positionen vor. “Es wird angenommen, dass sich Geschlechtsrollenorientierungen in Kindheit und Jugend entwickeln und dann stabil bleiben und dass vor allem Prozesse sozialen Lebens am Werke sind, dass aber auch Bildung im Sinne von Aufklärung zur Entwicklung nontraditionaler Orientierungen führt.“7 In der modernen Gesellschaft herrscht trotz zunehmender Emanzipation das traditionelle Bild einer Partnerschaft, d. h. der Mann verdient das Geld und sichert somit die Existenz Beider, die Frau führt in Eigenverantwortung den Haushalt.

Männer mit nontraditionaler Orientierung neigen zu mehr Hausarbeit, Frauen mit nontraditionaler Orientierung hingegen zu weniger Hausarbeit.

3.5 DOING-GENDER-ANSATZ

Solange die Frau finanziell vom Mann abhängig ist, solange sind die Normen nicht verletzt (Interaktionseffekt) und somit ist auch die Geschlechtsidentität nicht bedroht. Das bedeutet, dass ein Austausch von weiblichem Einkommen gegen männliche Mitarbeit im Haushalt möglich ist.

Erst wenn die Frau einen größeren Beitrag zum Haushaltseinkommen leistet als der Mann, ist die Geschlechtsidentität von Mann und Frau bedroht. Eine Möglichkeit mit dieser Bedrohung umzugehen ist, ein Ausgleich der geschlechtsspezifisch untypischen Verhältnisse, in dem man einen anderen Bereich des geschlechtspezifischen Verhaltens stärkt.

Männer machen mehr Hausarbeit, wenn die Abhängigkeit ihrer Partnerin sinkt. Männer, die finanziell von ihrer Partnerin abhängig sind, machen um so weniger Hausarbeit, je größer ihre Abhängigkeit ist.

3.6 ERGEBNISSE DER 12. WELLE DES SOEP

Im Jahr 1995 wurde im Rahmen der 12. Welle des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) 6968 Haushalte mit 13 768 Personen deutscher Nationalität befragt. Untersucht wurden heterosexuelle Partnerschaften, sowohl verheiratete als auch unverheiratete Lebensgemeinschaften mit gemeinsamen Haushalt. Durch eine Teilstichprobe wurden 2850 Haushalte in der Studie erfasst.

Abhängige Variablen der Untersuchung waren der Zeitaufwand an einem durchschnittlichen Werktag, typischen Samstag und Sonntag in sieben verschiedenen Bereichen: Erwerbstätigkeit, Besorgungen (Einkäufe, Erledigungen, etc), Hausarbeit (Kochen, Putzen, Waschen), Kinderbetreuung, Bildung, Reparaturen (Haus/ Wohnung, Auto), Gartenarbeit, Hobbys und weitere Freizeitbeschäftigungen.

Als unabhängige Variablen gingen in die Untersuchung ein: Nichteheliches Zusammenleben, Zeitaufwand für (Weiter-) Bildung, pflegebedürftige Familienangehörige im Haushalt, Schulbildung, Einkommen, Arbeitslosigkeit, Scheidungserfahrungen und Altersunterschied. Univariate Befunde als Ergebnis waren, dass der Zeitaufwand von Frauen für Waschen, Kochen und Putzen durchschnittlich 23,6 Stunden, der Aufwand bei Männern jedoch lediglich 4,5 Stunden waren. Bei verheirateten Frauen ergab sich ein Durchschnittswert von 24 Stunden pro Woche, für kohabitierende Frauen wurde ein Wert von 18 Stunden ermittelt. Anders bei verheirateten Männern: Sie wenden 4 Stunden, kohabitierende Männer jedoch 7 Stunden für diese Tätigkeit auf. Interessant war, dass 42,9 Prozent der verheirateten Männer angaben, keine Hausarbeit zu erledigen, jedoch nur 20,2 Prozent der Männer in Nichtehelichen Lebensgemeinschaften gaben an, nichts im Haushalt zu tun. Multivariate Befunde ergaben sich wie folgt: Deutlich wurde die ungleiche Arbeitsverteilung bei verheirateten und kohabitierenden Paaren. Kohabitierende Frauen wenden fünfeinhalb Stunden weniger Zeit für Waschen, Kochen und Putzen als verheiratete auf. Frauen in Ostdeutschland hingegen sind mit dreieinhalb Stunden weniger damit beschäftigt. Bei kohabitierenden Männern steigt der Anteil, im Haushalt etwas zu tun, um 53,4 Prozent, in Ostdeutschland hingegen um 75 Prozent. Des weiteren wurde herausgefunden, dass Frauen in Nichtehelichen Lebensgemeinschaften signifikant weniger Hausarbeit leisten, als verheiratete Frauen. Der Beitrag der Männer in Nichtehelichen Lebensgemeinschaften hingegen ist nicht höher als in Ehen!

Zur Erklärung der Hausarbeit bei Frauen kann ausgesagt werden, dass je mehr Erwerbstätigkeit vorliegt, umso weniger Hausarbeit getan wird. Kinder verursachen mehr Hausarbeit, dabei ist zu berücksichtigen, dass Kleinkinder mehr, ältere Kinder weniger zum Mehraufwand beitragen. Die Mehrzahl der Hypothesen des Time-Availability-Ansatzes wurden somit bestätigt. Frauen mit höherer Bildung machen weniger Hausarbeit als solche, mit niedrigem oder keinem Schulabschluss bzw. Berufsausbildung. Der Doing-Gender und der Geschlechtsrollenansatz wurden damit bestätigt. Ältere Kohorten der Frauen leisten mehr Hausarbeit und somit findet auch die Ressourcentheorie Bestätigung.

Bei Männern findet der Time-Availabilty-Ansatz Bestätigung, da dann weniger Hausarbeit geleistet wird, wenn mehr in Erwerbstätigkeit investiert wird. Männer übernehmen jedoch dann mehr Hausarbeit, wenn ihre Partnerin durch Erwerbstätigkeit oder Bildungsmaßnahmen daran gehindert wird, sich verstärkt um Hausarbeit zu kümmern. Kinder oder pflegebedürftige Familienangehörige tragen hingegen kaum zu zusätzlicher Mithilfe durch Hausarbeit bei. Bei Männern sinkt die Bereitschaft im Haushalt mitzuhelfen drastisch, wenn sie im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung leben. Auch „Humankapitalinvestitionen der Partnerin, eigene Humankapitalinvestitionen, Scheidungserfahrungen der Partnerin, die Dauer des Zusammenlebens und der Altersunterschied zwischen den Partnern beeinflussen die Beiträge der Männer kaum. Nur Männer mit abgeschlossener Berufsausbildung investieren erwartungswidrig mehr, das relative Risiko steigt für sie um 33,9 Prozent.“8

Der substantielle Beitrag von Männern an der Hausarbeit nimmt bei wachsender finanzieller Unabhängigkeit der Frau zu. Hierbei findet die Ressourcentheorie ihre Bestätigung. Männer mit abgeschlossener Berufsausbildung investieren mehr in Hausarbeit, nämlich 33,9 Prozent. Der Doing-Gender-Ansatz findet weniger Bestätigung. Lediglich wenn die finanziellen Verhältnisse zugunsten der Frau verschoben sind, beteiligen sich Männer spürbar mehr an der Hausarbeit.

4 SCHEIDUNGSURSACHEN

„In modernen Gesellschaften gründen Partnerschaften auf Liebe. Der Verweis auf diese Beziehungsgrundlage setzt in der Moderne offenbar alle anderen Rationalitäten außer Kraft und genügt als alleinige Legitimation für eine auf Dauer angestrebte Bindung. Historisch hat sich hier in den letzten zweihundert Jahren ein enormer Wandel vollzogen.“9 Was aber, wenn diese vielbeschworene idealistische und romantische Liebe plötzlich nicht mehr vorhanden zu sein scheint? Wie wirkt sich der Wandel bezüglich der Partnerwahl in unserer modernen Gesellschaft aus, in der Frauen juristisch Männern gleichgestellt, aber in Ehen, wie schon beschrieben, meist Doppelbelastungen (Familie, Haushalt, Beruf, Kinder,..) ausgesetzt sind? Bewusste Erfahrungen einer Scheidung der eigenen Eltern etwa, erhöht das Risiko der eigenen Ehescheidung um 70 Prozent in den ersten fünf Ehejahren. Scheidungskinder haben somit ein höhere Toleranz gegenüber Scheidungen und sind somit vorbelastet. Jugendliche, deren Eltern eine Scheidung hinter sich haben, tendieren eher zu früher Heirat, um den emotionalen Mangel zu kompensieren. Dies führt wiederum zu einem erhöhten späteren Scheidungsrisiko, da eine ausgereifte Partnerwahl nicht satt findet.

4.1 SOZIALER WANDEL, FRAUENERWERBSTÄTIGKEIT UND EHESTABILITÄT

Lag bei westdeutschen Frauen die Erwerbsquote 1950 bei weniger als 20 Prozent, so stieg sie bis 1994 auf 57 Prozent an. Diese Zahlen verdeutlichen, welchem starken sozialem Wandel die Rollenverteilung in den letzten Jahrzehnten unterlegen ist. Dass sich dies auch auf die Stabilität von Ehen auswirkt und familiäre Konflikte fördert, die bis hin zur Scheidung führen können, lässt sich erahnen. Zwar wurde durch die Erwerbstätigkeit die finanzielle Unabhängigkeit der Frau gefördert, aber Frauen und Männer treten zunehmend in einen Statuswettbewerb. Für Frauen scheint keine Gefahr nach der Trennung von ihrem Lebenspartner zu bestehen und gegenüber der früheren traditionellen Lebensweise und Arbeitsteilung wird eine Scheidung viel eher als Problemlösung eines Konfliktes innerhalb der Ehe angesehen.

Weitere Trennungsgründe ergeben sich, wenn die lohnende Begleiterscheinung der Ehe nicht mehr vorahnden ist oder sich zusätzlich Alternativen zur bestehenden Partnerschaft auftun. Zudem führt der Aspekt, dass eine Scheidung keiner gesellschaftlichen Ächtung mehr ausgesetzt ist dazu, dass die Ehescheidung als solche keine negativen gesellschaftlichen Folgen mehr hat. „Scheidung galt in den 70 er Jahren als Zeichen der Befreiung. Sie war ein Qualitätsmerkmal für eine Frau, die sich nicht von ihrem Mann abhängig macht. Das hat sich seit den 90 er Jahren völlig verändert: Scheidung ist kein ideologisches Ansinnen mehr. Ideologisch besetzt ist heute das Gegenteil, die Sehnsucht nach Bindung.“10 Das heißt wiederum, dass eine Scheidung zunehmend als vorschnelle Lösung eines Ehekonfliktes angesehen wird, aber die Sehnsucht nach einer „Beziehungsidylle“ lässt vermuten, dass oft zu früh und zu schnell eine Ehe eingegangen wird.

Die Mannheimer Scheidungsstudie, auf die ich bereits in Punkt drei eingegangen bin, hat den Einfluss weiblicher Erwerbstätigkeit auf das Scheidungsrisiko untersucht und dabei folgendes herausgefunden: Das Scheidungsrisiko bei Vollzeiterwerbstätigkeit unter Berücksichtigung der verzögerten Geburten von Kinder ist um 65 Prozent erhöht, ohne diese Berücksichtigung stellte sich jedoch eine Erhöhung um 94 Prozent heraus. Daraus lässt sich ableiten, dass sich der Effekt auf das Nichtvorhandensein von Kindern zurückzuführen ist.

5 RESÜMEE

Sind Ehescheidungszahlen heute höher denn je, haben sich die Bedingungen für eine Partnerschaft durch gesellschaftliche und ökonomische Veränderungen in den letzten Jahrzehnten so stark verändert, wie es in der Geschichte der Menschheit in dieser Schnelligkeit wohl noch nie vorkam, so kann man auf jeden Fall festhalten, dass sich die Gründe, warum eine Nichteheliche Lebensgemeinschaft oder Ehe eingegangen wird, keinesfalls geändert haben. Die verschiedenen von mir beschriebenen Theorien, sei es der Ansatz des New-Home-Economics, der Time-Availability-Ansatz, die Ressourcentheorie oder der Geschlechtsrollenansatz, können zwar einen Teil bestimmter Vermutungen empirisch belegen und Aufschlüsse darüber geben, warum wer mit wem unter der Berücksichtigung einzelner Komponenten zusammenzieht oder gar eine Ehe eingeht. Aber eine umfassende, alles berücksichtigende Theorie, welche erklärt, warum zwischenmenschliche Beziehungen heute sehr viel problematischer und lange nicht mehr so andauernd wie früher sind, kann soziologisch nicht gefasst werden.

Egal ob emotionale oder ökonomische Gründe für oder gegen eine Lebensgemeinschaft sprechen, so ist doch ein Fazit zu erkennen: Trotz aller Unkenrufe dauern Ehen heute länger als je zuvor in der Geschichte, und auch die sicherlich deutlich angestiegenen Ehescheidungszahlen sind eher ein Beleg für die Wichtigkeit dieser Institution zu sehen, als eine Tendenz hin zum Auslaufmodell Ehe.

Ob sich jedoch Ehen und Nichteheliche Lebensgemeinschaften wieder zu harmonischen und langandauernden Partnerschaften entwickeln werden, muss unter den derzeitigen Voraussetzungen bezweifelt werden. Auf die Frage, ob die Zahl der Scheidungen in Zukunft sinken werde, antwortete der Zürcher Psychotherapeut Jürg Willi in einem Spiegel-Interview:

„Ich fürchte, dafür sind die Lebensverhältnisse zu beziehungsfeindlich. Das beginnt schon mit dem Beruf: Der eine arbeitet in München, der andere in Hamburg und man sieht sich nur am Wochenende. Unter diesen Umständen Kinder zu haben, die der Beziehung Stabilität geben könnten, ist fast unmöglich.“11

In der Hoffnung, dass sich die „beziehungsfeindlichen Lebensverhältnisse“ ändern werden und evtl. weitere soziologische Theorien und Untersuchungen zu Erklärungsansätzen führen mögen, wie die Grundlage für eine harmonische und langandauernde Partnerschaft aussehen kann, ist zu hoffen, dass die Ehe in Zukunft nicht mehr zu einem Wegwerfprodukt unserer Gesellschaft gehören wird.

6 LITERATURVERZEICHNIS

Hill, P. B./ Kopp, J.: Strukturelle Zwänge, partnerschaftliche Anpassung oder Liebe- einige Überlegungen zur Entstehung enger affektiver Beziehungen, in: Klein, Thomas (Hrsg.): Partnerwahl und Heiratsmuster- Sozialstrukturelle Voraussetzungen der Liebe, Opladen 2001.

Klein, T.: Der Einfluss vorehelichen Zusammenlebens auf die spätere Ehestabilität, in: Klein, T./ Lauterbach, W. (Hrsg.): Nichteheliche Lebensgemeinschaften. Analysen zum Wandel partnerschaftlicher Lebensformen, Opladen 1999.

Künzler, J.: Arbeitsteilung in Ehen und Nichtehelichen Lebensgemeinschaften, in: Klein, T./ Lauterbach, W. (Hrsg.): Nichteheliche Lebensgemeinschaften. Analysen zum Wandel partnerschaftlicher Lebensformen, Opladen 1999.

Nauck, B.: Individualistische Erklärungsansätze in der Familienforschung: Die rationalchoice Basis von Familienökonomie, Ressourcen- und Austauschtheorien, in: Nave-Herz, R./ Karkefka, J. (Hrsg.): Handbuch der Familien- und Jugendforschung. Band1: Familienforschung, Neuwied 1989.

Willi, Jürg.: Single-Frauen sind isoliert, in: Der Spiegel: Die neue Zweisamkeit- Sehnsucht nach der Beziehungsidylle, Nr. 43, 23.10.2000.

www.dasgrossez.de, 14.03.2001

[...]


1 Vgl.: www.dasgrossez.de, 14.03.2001

2 Vgl.: Klein, Thomas: Der Einfluss vorehelichen Zusammenlebens auf die spätere Ehestabilität, in: Klein, T./ Lauterbach, W. (Hrsg.): Nichteheliche Lebensgemeinschaften, Analysen zum Wandel partnerschaftlichen Lebensformen, Opladen 1999, Seite 310 3

3 ebd.: S.313

4 ebd.: S. 321

5 Vgl.: Künzler, Jan: Arbeitsteilung in Ehen und Nichtehelichen Lebensgemeinschaften, in: Klein, T./ Lauterbach, W. (Hrsg.): Nichteheliche Lebensgemeinschaften, Analysen zum Wandel partnerschaftlichen Lebensformen, Opladen 1999, Seite 236

6 Nauck, Bernhardt: Individualistische Erklärungsansätze in der Familienforschung: Die rational-choice Basis von Familienökonomie, Ressourcen- und Austauschtheorien, in: NaveHerz, R./ Karkefka, J. (Hrsg.): Handbuch der Familien- und Jugendforschung. Band1: Familienforschung, Neuwied 1989, Seite 47

7 Vgl.: Künzler, Jan: Arbeitsteilung in Ehen und Nichtehelichen Lebensgemeinschaften, in: Klein, T./ Lauterbach, W: Nichteheliche Lebensgemeinschaften, Analysen zum Wandel partnerschaftlicher Lebensformen, Opladen 1999, Seite 238, f.

8 ebd.: S. 260

9 Hill, Paul B./ Kopp, Johannes: Strukturelle Zwänge, partnerschaftliche Anpassung oder Liebe- einige Überlegungen zur Entstehung enger affektiver Beziehungen, in: Klein, Thomas (Hrsg.): Partnerwahl und Heiratsmuster- Sozialstrukturelle Voraussetzungen der Liebe, Opladen 2001, Seite 13

10 Vgl.: Willi, Jürg.: Single-Frauen sind isoliert, in: Der Spiegel: Die neue Zweisamkeit- Sehnsucht nach der Beziehungsidylle, Nr. 43, 23.10.2000, Seite 94 12

11 ebd.

Details

Seiten
14
Jahr
2000
Dateigröße
361 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v104217
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1-
Schlagworte
Familiale Arbeitsteilung Scheidungsursachen

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