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Kommunikationspraxis

Skript 2001 41 Seiten

Medien / Kommunikation - Sonstiges

Leseprobe

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Kommunikationspraxis

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Der Kern:

Ethik: "Nachdenken über Moral." -- Medienethik (ME) hat zwei Grundfunktionen:

1) eine Steuerungsfunktion (normativ) hinsichtlich des Mediensystems; diese bezieht sich sowohl auf die institutionelle als auch auf die individuelle Ebene
2) eine Reflexionsfunktion: sie betrachtet einserseits kritisch das Mediensystem unter ethischen Gesichtspunkten, andererseits die Medienethik selbst.

Die Nachricht

Bestimmung der Medienethik nach funktionalen Gesichtspunkten

(= mit Rücksicht auf die von der Medienethik erwarteten Leistungen)

Medienethik hat

1) eine Steuerungsfunktion – die ME dient als integrierendes, legitimierendes und motivbildendes Element im Mediensystem;
2) eine Reflexionsfunktion – dort hat die ME zum einen die medienkritische Aufgabem die Operationen und Selektionen des Mediensystems und seiner Akteure unter ethischem Gesichtspunkt zu reflektieren; zum anderen hat sie die moralphilosophische Aufgabe, ihre eigenen medienethischen Prinzipien zu begründen.

1. Steuerungsfunktion der Medienethik – Ethos und Moral

a) Institutionell-organisationsinterne Ebene der Steuerungsfunktion (Ethos)

umfasst:

1) Die an ethischen Prinzipien orientierte Verfasstheit der Massenmedien (z.B. gesetzliche Bestimmungen wie Presse- und Meinungsfreiheit, Rundfunkgesetze, Staatsverträge und Rundfunkurteile);

- Satzungen, Programmgrundsätze und Geschäftsordnungen (in denen Normen wie wahrheitsgemäße Berichterstattung, Sorgfaltspflicht, Menschenwürde, Diskriminierungsverbot, Recht auf Kritik öffentlicher Vorgänge festgelegt sind);
- ethische Institutionen und Kontrollgremien wie Presserat oder Werberat;

2) Medienspezifische Berufsnormen, die in Ethikkodizes wie dem Pressekodex verankert sind, sowie das tradierte Ethos journalistischer Berufskultur, das in Werten wie Wahrheit, Objektivität, Richtigkeit, Sorgfaltspflicht, Kritik und Fairness zum Ausdruck kommt;

3) Ethische Selbstverpflichtungen auf Organisationsebene, die in formellen Organisationssatzungen niedergelegt oder informell als Organisationskultur gepflegt werden. (Z.B. Verzicht auf Gewalt- und Pornographiedarstellungen, Sensationalismus usw; Verpflichtung auf bestimmte Informations- und Recherchepraktiken).

b) Individuelle Ebene der Steuerungsfunktion (Moral)

umfasst:

1) Allgemeine moralische Überzeugungen und Gewissensnormen des Individuums - also jene moralischen Intuitionen, Werte und Normen, die als motivationale Handlungsorientierung und interne Steuerung des Individuums fungieren;
2) Medienspezifische moralische Normen und Werte des Individuums -
etwa der „kritische Anspruch“, die Selbstverpflichtung auf freie Information und Gegenonformation, die Norm der richtigen Berichterstattung oder die Idee der kritischen Öffentlichkeit;
3) Konkrete journalistische Praktiken und Verhaltensweisen, die vom Ethos des jeweiligen Individuums abhängen – z.B. die individuelle journalistische Sorgfalt, Arbeits- und Recherchepraktiken, Unbestechlichkeit, Fairness, Rücksichtnahme etc.

Wichtig für das Verhältnis von insitutioneller und individueller Ethik:

Die insitutionellen Werte und Normen sind als Steuerungspotenzial an sich eher schwach. Ihre Stärke liegt aber darin, dass sie eine notwendige Bedingung, ein Rahmen für ein an moralischen Prinzipien und Werten orientiertes journalistisches Handeln des Individuums sind. Institutionelle und individuelle Ebene der Medienethik können ohne einander nicht funktionieren.

2. Reflexionsfunktion der Medienethik – Kritik und Ethik
a) Ethische Reflexion des Mediensystems (Kritik)

umfasst die Reflexion und Bewertung...

1) der durch die medialen Operationen und Selektionen erzeugten Kontingenzen

(= Zufälligkeiten, Möglichkeiten): wer macht was, warum, wie und mit welchen Folgen? Auf allgemeiner Ebene geht es hier auch um die Realitätskonstruktion durch die Medien.

2) ethisch problematischer Inhalte, Vorgänge und Handlungen im Mediensystem
- fallstudienorientierte kommunikationswissenschaftliche Medienethik; im weiteren Sinne geht es auch um die kritische Analyse problematischer medialer Formen (z.B. Unterhaltung, Werbung, Gewaltdarstellungen) und kritische Diskurs- und Sprachanalyse (z.B. Demagogie, geschlechtsspezifische Kommunikationsformen).

3) technischer, institutioneller, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher Strukturen des Mediensystems – die kritische Auseinandersetzung mit neuen Informations- und Kommunikationstechniken, medienpolitischen Prozessen und massenmedielen Organisationsformen, Konzentrations- und Kommerzialisierungsbewegungen, Markt- und Machtabhängigkeit der Medien.

b) Ethische Begründung und Reflexion der Medienethik selbst (Ethik)

hat das Ziel,

1) verschiedene Ansätze und Begründungsstrategien der (allgemeinen) Ethik für die Medienethik fruchtbar zu machen,
2) Bezüge zu anderen Teilethiken wie z.B. der Technikethik, Wirtschafts- und Umweltethik herzustellen,
3) methodisch fundierte Perspektiven für die Kommunikationswissenschaft und die öffentliche Kommunikation zu entwerfen. Hierzu gehören Konzepte für die Implementierung ethischer Werte in die Institutionen des Mediensystems (z.B. über die Journalistenausbildung), Fragen der Verrechtlichung und Formalisierung individueller medienethischer Normen und Werte.

3. Grundlagen der medienethischen Praxis: Öffentlichkeit und Ausbildung

Medienethik versteht sich als Initiator einer kritischen Öffentlichkeit. Aber „erst durch den öffentlichen Gebrauch der kommunikativen Vernunft“ und durch den praktischen Diskurs über Ethik und kritische Öffentlichkeit wird diese mit Leben erfüllt.

Arens (1994) meint (und Debatin stimmt ihm zu): Die Medienethik müsste sich selbst als diskursiv verstehen, d.h., in ihren eigenen Begründungs- und Anwendungsdiskursen die Bedingungen, Beschränkungen und Möglichkeiten der medialen Kommunikation eruieren.

Ausbildung im Medienbereich kann zwar keine Medienschaffenden mit „moralischem Prüfsiegel“ produzieren.Medienethische Urteils- und Einbildungskraft kann jedoch durch die Ausbildung stimuliert und trainiert werden, z.B. indem in Fallbeispielen Konfliktsituationen und journalistische Zwänge simuliert werden.

Medienethisches Handeln kann nicht aufgezwungen, sondern allenfalls vor- und eingelebt werden. Deshalb ist es ein schwaches und informelles, gleichwohl aber unverzichtbares Steuerungsinstrument. Medienethisch reflektiertes Handeln ist noch kein hinreichendes Kriterium für journalistische Qualität, aber eine notwendige Bedingung dafür.

Fazit

Die beiden Funktionen sind aufeinander angewiesen: Der Steuerungsfunktion alleine würde der kritische Maßstab für die Beurteilung des Geschehens fehlen; die Reflektionsfunktion alleine wäre eine rein akademische Übung.

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Der Kern:

Das Internet erfüllt drei grundsätzliche Funktionsbereiche Wissen, Freiheit und Identität, in denen jeweils unterschiedliche ethische Probleme auftreten.

- Im Bereich Wissen sind dies die große Komplexität des Funktionsbereichs, die spezielle Selektionsmechanismen erfordert, außerdem die Möglichkeit der Informationsmanipulation sowie die Frage nach Qualität und Nachprüfbarkeit des Wissens im Internet.
- Im Bereich Freiheit sind es die drei unterschiedlichen Freiheitsideen, die im Internet vertreten sind: die liberaldemokratische, die anarchistische und die wirtschaftsliberale Idee von Freiheit und Deregulierung.
- Beim Funktionsbereich Identität bestehen offene Fragen hinsichtlich der Verbindlichkeit und Moralität von virtuellen Beziehungen und die Frage nach der Regelung von Konflikten in virtuellen Welten.

Die Nachricht

Das „Handlungsfeld Internet“ erfüllt verschiedenste Funktionen – private und intime Kommunikation, elektronischer Datentransfer, virtuelle Gemeinschaften, Speicherung und Publikation von Text-, Bild- und Tonwerken usw. Naturgemäß entwickeln sich für jeden Handlungsbereich auch ganz verschiedene Formen normativer Selbstregulation: Beim privaten Kommunizieren per E-Mail sind andere Verhaltensnormen erwartbar als bei Gruppenkommunikation im Chat oder One-to-many-Kommunikation im WWW. Es hat sich eine Vielzahl von bereichsspezifischen Normierungen und Etiketten herausgebildet.

Um die Ethiken verschiedener Teilbereiche des Internet untersuchten zu können, benutzt Debatin eine funktionale Dreiteilung in die Funktionsbereiche Wissen, Freiheit und Identität.

1. Wissen: Elektronisch erzeugte Wahrheit?
1) Mit der Beschleunigung der Informationsströme steigt explosionsartig die Komplexität des Funktionsbereichs Wissen. Strukturiert man die Komplexität durch Selektionsautomaten wie Filter und Suchmaschinen, bedeutet dies einerseits einen Gewinn an Zeit und Übersicht, andereseits einen Verlust an Kompetenz und Einflussmöglichkeiten.

Die Transparenz des durch maschinelle Selektionsprozesse ausgewählten Bereiches wird mit einer Intransparenz des Selektionsprozesse selbst und der durch diese Selektion ausgeschlossenen Bereiche erkauft. Jede Selektion stellt ein Werturteil dar, indem sie andere mögliche Selektionen ausschließt. Die intendierten und nicht intendierten Handlungsfolgen (= Nutzen und Kosten) sind technikethisch gegeneinander abzuwägen.

RR: Struktureller Aspekt des Bereichs Wissen

2) Im Unterschied zu gedruckter Information liegt elektronische Information im Internet

nicht in dauerhafter materieller Bindung vor und ist daher flüchtig und veränderbar, somit anfällig gegen Veränderung und Fälschung sehr anfällig.

Der Unterschied zwischen aktueller und vergangener Information löst sich auf; elektronsiche Kommunikation ist immer reine Gegenwart und jedes Dokument nur bis zu seinem nächste Update wahr. Daher sind Internet-Dokumente ahistorisch. und palimpsestisch (= werden mehrfach wiederbeschrieben). Ihre Leser können nie sicher wein, welche Version sie vor sich haben, wie oft die kopiert wurde und wer tatsächlich ihr Autor ist.

RR: Materieller Aspekt des Bereichs Wissen

3) Die mit Schrift und Buchdruck verbundenen Standards des Umgangs mit Wahrheit verändern sich unter dem Einfluss der hochvernetzten Computerkommunikation. Wahrheit, Authentizität und Qualität der angebotenen Informationen können nur schwer überprüft werden. Eine „Glaubwürdigkeitsskala“ wie bei klassischen Medien kann sich kaum herausbilden, da institutionelle oder professionsspezifische Kriterien für die Glaubwürdigkeits-Zuschreibung fehlen.

Wenn überhaupt, beziehen Internet-Informationen ihre Glaubwürdigkeit durch netzexterne Glaubwürdigkeits-Indikatoren (wie öffentliche Reputation des Autors); in der Regel aber beziehen Internet-Dokumente ihre Glaubwürdigkeit durch Selbstreferentialität innerhalb des Netzes, was die Entstehung einer Mischung aus Wahrheit und Fiktion begünstigt.

Bei einigen Textsorten im Internet besteht auch eine Autoren- und Kontextlosigkeit: z.B. bei Threads (= Themenlinien, „Fäden“) auf Mailinglisten, in denen schon nach drei bis fünf Antworten auf ein ursprüngliches Thema die Autoren zitierter Textzeilen und das ursprüngliche Thema oft nicht mehr zu erkennen sind.

RR: sozialer Aspekt des Bereichs Wissen

Insgesamt bestehen die normativen Probleme des Funktionsbereichs Wissen in der Geltung, der Authentizität und der Selbstreferentialität der Internet-Informationen. Ethische Regulation ist hier nur schwer zu verwirklichen, da es an Sanktions- und Motivationspotenzial fehlt.

2. Freiheit: Elektronische Öffentlichkeiten?

1) Nach der liberaldemokratischen Idee der Freiheit soll das Internet durch seine interaktiven und egalitären Strukturen zu einer Wiederbelebung der freiheitlichen Demokratie führen. Eine freie und aufgeklärte Meinungsbildung und direkte und partizipatorische Demokratie sollen durch das Internet möglich werden, politische Diskurse dezentral, transparent und bürgernah betrieben werden.

Dem stehen allerdings ökonomische, soziokulturelle, geschlechts-, schicht-, alters- und bildungsspezifische Schranken entgegen, die den Zugang zum Internet (noch immer, Aufsatz ist von 1998) zu einem Privileg machen. Die Wissenskluft wird durch das Internet eher beschleunigt als gebremst. Kurioserweise ist das Internet ein Spiegelbild der athenischen Demokratie, die von besitzenden, männlichen Bürgern geprägt war.

2) Die anarchistische Freiheitsidee sieht das Internet als letzten ungeregelten Bereich, den es zu erhalten und zu verteidigen gilt – gegen Zensurbestrebungen und staatliche Einflüsse. Auch die Möglichkeit der Verbreitung von gewalttätigen, pornographischen, rassistischen oder sonstwie diskriminierenden Inhalten wird dabei als freie Meinungsäußerung gegen innere und äußere Einmischung verteidigt.

Dem steht allerdings die Kant’sche Einsicht entgegen, dass Autonomie die Freiheit bedeutet, sich die Regeln selbst zu geben; Autonomie ist nicht nur Freiheit von äußerem Zwang, sondern zugleich auch positive Freiheit zur eigenen Gesetzgebung. Tatsächlich haben sich im Internet diverse Formen der normativen Selbstregulation herausgebildet.

Der anarchistischen Freiheitsidee steht auch die zunehmende Kommerzialisierung des Internet entgegen, die das Internet zu Marketingzwecken nutzt und tendenziell von einem nachfragegesteuerten Pull-Medium in ein angebotsgesteuertes Push-Medium verwandelt, bei dem Informationen wie bei klassischen Massenmedien vorselektiert werden. Durch diese Entwicklung zeichnet sich ein Trend zu vielen passiven und nur wenigen aktiven Internet-Nutzern ab.

3) Die wirtschaftsliberalistische Freiheitsidee lehnt ebenfalls jede staatliche Intervention radikal ab, allerdings bezogen auf den ökonomischen Sektor. Das Ideal ist der freie elektronische Marktplatz, durch den es zur Auflösung von Monopolen und freier Entfaltung der Marktkonkurrenz kommt.

Diesem Mythos steht allerdings die reale, eher oligopolistische Wirtschaftsstruktur entgegen. Die im Internet wirtschaftlich dominierenden Unternehmen sind meist Großkonzerne, die auch zuvor in der Wirtschaftswelt dominant waren.

Die normativen Probleme des Funktionsbereichs Freiheit bestehen also in der Partizipation an und der Regulation von elektronischen Öffentlichkeiten politischer, sozialer und wirtschaftlicher Natur.

3. Identität: Leben in virtuellen Welten?

Das Internet als technisierter sozialer Raim ermöglichht die Herausbildung einer körperlosen, nicht-territorialen (= utopischen) Welt. „Der postmoderne Mythos der fragmentierten und dezentrierten Identität scheint Wirklichkeit zu werden“.

1) Das wirft zum einen die Frage nach Verbindlichkeit und Moralität virtueller Beziehungen auf: Wie verbindlich können und sollen netzvermittelte Freundschaften und Beziehungen sein, welche moralischen Standards sind anzulegen und wie wirkt sich dies auf traditionelle moralische Konzepte wie Treue aus?
2) Daneben stellt sich die Frage nach der Regelung von Konflikten in virtuellen Welten. In einigen virtuellen Gemeinschaften haben sich Verhaltens- und Teilnahmenormen samt Funktionsträgern und Sanktionsmöglichkeiten herausgebildet (vgl. auch Anarchistische Freiheitsidee).

Die Probleme virtueller Welten liegen also in Konflikten zwischen real life und virtual life sowie Konflikten innerhalb virtueller Welten. Die bisherige Erfahrung zeigt, dass zur Entstehung von sozialen Räumen physische Kopräsenz nicht notwendig ist, unabdingbar sind jedoch normative Selbstregulationen, die kommunikative Handlungen der Mitglieder sanktionieren und die Grenzen und Eigesnchaften dieser sozialen Systeme definieren.

Abschlussbetrachtung

Die Moralisierung schwieriger Themen wie z.B. Pornographie im Internet ist nicht hinfreich, da damit die eigentlich notwendige ethische Debatte umgangen wird und dogmatische Positionen bezogen werden. Die bisherigen Versuche rechtlicher Eingriffe in die Internet- Kommunikation zeigen, dass auch das Recht die ethischen Probleme nicht lösen kann: So wurde z.B. der amerikanische Communication Decency Act, der anstößige Inhalte als strafwürdig verfolgen wollte, 1997 vom US-Supreme Court als Zensur und damit als verfassungswidriger Verstoß gegen das First Amendment (Freie Meinungsäußerung) abgelehnt.

Statt dessen muss in einer moralphilosophischen Auseinandersetzung das Zusammenleben in Computernetzen geregelt werden; die internetspezifischen Probleme müssen von der Moralphilosophie in einen allgemeinen ethischen Bezugsrahmen gestellt werden.

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Der Kern:

Auf dem fragwürdigen Stand zweier Studien, deren Erhebungsphase 1996 war, stellt dieses 1997 enstandene, 1999 erschienene Machwerk wenig dar, was über das allgemeine (auch Print usw. betreffende) „Journalisten müssen immer mehr Technisches machen“-Lamento hinausgeht.

Zwei magere Antworten auf die im Untertitel angesprochenen Fragen:

- Journalisten könnten sich möglicherweise zu „Knotenpunkten im Netz“ entwickeln, die weniger eigene Inhalte recherchieren und produzieren als vielmehr fremde Netz- Inhalte zu selektieren, zu strukturieren und miteinander zu verbinden.
- Wenn Print- und Online-Redaktionen inhaltlich selbständig arbeiten, funktioniert Gatekeeping im Online-Journalismus weitgehend identisch wie im klassischem Journalismus.

Die Nachricht

Der Fortschritt in den Kommunikations- und Informationstechnologien hat weitreichende Konsequenzen für das Qualifikationsprofil der Journalisten und für die Herstellung journalistischer Produkte. Der Einfluss dieser Veränderungen auf den Selektionsprozess muss sowohl auf der Makroebene (= Umgebung des Journalisten, Gesamtsystem) als auch auf der Mikroebene (=einzelner Selektionsvorgang) betrachtet werden.

Stand der Kommunikatorforschung

Aus den Ansätzen zur Nachrichtenauswahl wird das Gatekeeper-Konzept herausgegriffen und auf Gültigkeit hinsichtlich der Neuen Medien überprüft.

Zunächst kurze Forschungsgeschichte: Während in den 70er und frühen 80er Jahren des 20. Jahrhunderts die Kommunikatorstudien die Berufsrolle und das Selbstverständnis der Journalisten untersuchten, rückten Mitte der 80er die Auswirkungen technischer Veränderungen des Arbeitsprozesses in den Mittelpunkt. Neben diesem Fokus entwickelte sich auch eine Forschungsrichtung über die Arbeitsumstände von Frauen im Journalismus sowie nach 1990 Vergleiche zwischen Journalisten in Ost und West. Die Auswirkungen technischer Entwicklungen rückten aber seit der Internet-Euphorie Mitte der 90er wieder verstärkt in den Mittelpunkt.

Die Gatekeeper-Forschung lässt sich in die drei Hauptgruppen 1) individualistischer, 2) institutioneller und 3) kybernetischer (systemtheoretischer) Forschungsansätze unterscheiden.

1) Der individualistische Ansatz (z.B. White 1950) geht vom Journalisten aus, der die Möglichkeit hat, für sich alleine zu entscheiden; später wurde auch sein Umfeld mit einbezogen.

[...]

Details

Seiten
41
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638106412
Dateigröße
671 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v1041
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Kommunikationswissenschaften
Schlagworte
Kommunikationspraxis

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Titel: Kommunikationspraxis