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Suchtprävention bei Kindern und Jugendlichen

Ausarbeitung 2001 22 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Grundlagen und Zielvorstellungen der Suchtprävention
1.1 Sucht als ausweichendes Verhalten
1.2 Sucht als erlerntes Verhalten
1.3 Sucht als Regression
1.4 Sucht als Copingstrategie
1.5 Abhängigkeit als Sozialisationsstörung
1.6 Abhängigkeit und Konsumwelle
1.7 Abhängigkeit und die Werte einer Gesellschaft

2. Die Familie im Suchtproblem
2.1 Vorbildverhalten in der Familie
2.2 Beziehungen und Kommunikationsstruktur in der Familie
2.3 Familie als schützende Umwelt
2.4 Günstige Kommunikationsfaktoren in der Familie

3. Ansätze zur Suchtprävention in der Schule

4. Kooperative Vernetzung

5. Jump Jugendmodellprojekt Prävention in Nürnberg (1992-1995)
5.1 Was leistet JUMP?

Literaturverzeichnis

1. Grundlagen und Zielvorstellungen der Suchtprävention

Auch in der Suchtprävention wird immer von bestimmten Ursachenzusammenhängen ausgegangen. Diese formen die jeweilige Schwerpunktsetzung, sowie die inhaltliche Ausrichtung der Prävention selbst. Unterschiedliche Wissenschaften, wie beispielsweise die Neurobiologie, die Psychologie, die Soziologie und die Theologie beschäftigen sich mit der Suchtprävention und stellen im Hinblick dieser zahlreiche Ergebnisse bereit. Doch von diesen ausgegangenen Erklärungsmodellen, handelt es sich meist um in sich geschlossene Teilbeiträge. So kommt es zu der Erkenntnis, daß die Suchterkrankung ein multifaktoriell verursachtes Phänomen ist (vgl. Dembach et al., 1993).

Deshalb sollen im nun folgenden Abschnitt einige dieser Faktoren vorgestellt und die jeweils daraus abgeleiteten Präventionsziele mit angeführt werden.

1.1 Sucht als ausweichendes Verhalten

Erklärend dazu eignet sich eine Definition von Sucht: So wird diese beschrieben als regelmäßiges Ausweichen vor angeblich unlösbaren und unerträglichen Konflikten. Die Flucht in scheinbar bequeme Lösungen verbunden mit dem Verlust über die Kontrolle dieses Verhaltens. Mangelnder Nachschub verursacht Entzug. Desweiteren besteht extreme Rückfallgefahr und Verhaltensautomatismus. Ausweichendes Verhalten beinhaltet folglich alle Verhaltensweisen, die geeignet sind, einem Problem aus dem Wege zu gehen. Dazu zählen sowohl personale Verhaltensweisen, wie z.B. weglaufen oder schlagen, als auch apersonales Verhalten, wie z.B. Rauchen, Essen, Alkohol, Medikamente und Drogen. Hier ist jedoch anzumerken, daß neben dem Ausweichen, die Verhaltensweisen auch anderen Zielen dienen können.

So müssen gerade Kinder und Jugendliche ihre Grenzen testen und erfahren; doch gleichzeitig geht Genießen damit einher, seine eigenen Grenzen zu kennen. Deshalb sollte der Fokus der Prävention auf eine Eigenkontrolle abzielen, anstatt die totale Abstinenz zu fordern. Ein weiterer Punkt stellt die Vermittlung von konstruktiven Problembewältigungsstrategien dar, um einem Ausweichverhalten entgegenzuwirken. Angeknüpft daran die Erziehung zur Konfliktfähigkeit, sowie kritisches Konsumverhalten begleitet durch eine allgemeine Sensibilisierung gegenüber Süchten (vgl. Dembach et al., 1993).

1.2 Sucht als erlerntes Verhalten

Für Bejerot ist Sucht laut Dembach et al. (1993) eine emotionale Fixierung, die durch Lernen erworben wird. Der Ausdruck dabei ist stereotypes Verhalten, welches die Stärke eines natürlichen Triebes hat. Die Sucht richtet sich auf eine spezifische Lust oder auf die Vermeidung einer spezifischen Beschwerde. Angelehnt daran können weitere lerntheoretische Konzepte der Psychologie im Sinne von Erklärungsmodellen hier angeführt werden:

Klassische und operante Konditionierung (PAVLOW, SKINNER)

Erlernte Hilflosigkeit (SELIGMAN)

Modellernen (BANDURA)

Im Hinblick auf Jugendliche sollte hier das Vorbildverhalten und somit der mögliche Einfluß von peer-groups für spätere Suchtprobleme erwähnt werden. Suchtprophylaxisch sollte hier eher auf eine Einstellungsänderung hingearbeitet werden, begleitet von einer Wissensvermittlung über Süchte. Daneben sind aktivitätsorientierte Verhaltensweisen zu taktieren, welche einem passiven Konsumverhalten entgegentreten können. Um dies zu erreichen, können z.B. Schüler als sog. Mediatioren eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um Jugendliche, die entsprechend geschult werden, um im Freundeskreis Hilfestellung geben zu können bzw. als Modell fungieren (vgl. Dembach et al., 1993).

1.3 Sucht als Regression

Bei diesem psychoanalytisch orientierten Konzept stellen Kindheit und Jugend die Grundlage für die spätere Persönlichkeitsentwicklung dar. Traumatische Erfahrungen wirken sich nachhaltig auf die Person aus. So z.B. undifferenzierte Objektbeziehung, mangelnde Selbstachtung und Selbstablehnung. So ist die Sucht ein Verhaftetsein (Regression) in eine frühkindliche Entwicklungsstufe. Anders ausgedrückt ist die Sucht hier eine vorübergehende Ich- Entlastung, um vorhandene neurotische Konfliktentspannung zu ermöglichen. So erwähnen Lettieri & Welz zitiert nach Dembach et al. (1993), daß Opiatabhängige und der Gebrauch/Mißbrauch von anderen illegalen Substanzen als alternative deviante Reaktion der Selbstablehnung zu sehen sind. Daraus lassen sich präventive Maßnahmen folgern, wie beispielsweise die Schulung der Selbstwahrnehmung und des Selbstwertgefühls. Vertrauen erlangen in die eigenen Fähigkeiten und die Umsetzung einer individuellen Lebensplanung.

1.4 Sucht als Copingstrategie

Aus der Medizin liegen zahlreiche Modelle zur Drogenforschung vor. Im Mittelpunkt des Interesses steht hier der bereits abhängige Klient. D.h. die abhängige Person selbst, das Milieu in dem sie sich aufhält, als auch bestimmte Altersstufen die als gefährliche Perioden angesehen werden. Anhand dieser Risikofaktoren setzen u.a. auch Präventionsstrategien an. Ein anderer Ansatzpunkt ist der Blick auf die Normalbiographien von Jugendlichen, sog. Kompetenzmodelle. Diese beinhalten neben emotionalen und kognitiven auch handlungsbezogene Kompetenzen. Also die Möglichkeiten der Identitätsbildung im sozialen Kontext. So hebt beispielsweise Silbereisen (1984) den Opiatmißbrauch als ein Bewältigungsversuch von Entwicklungskonflikten unter mehreren Alternativen hervor. Kompetenzmodelle erlauben, daß nicht jedes jugendtypische grenzüberschreitende Verhalten sofort als Abweichung stigmatisiert wird. Dazu kann eine Studie von Shelder und Block (1990) angeführt werden. Über einen Zeitraum von 14 Jahren wurden 101 Kindergartenkinder und deren Eltern intensiv betreut. Von diesen hatten beinahe 2/3 der jungen Erwachsenen mindestens einmal Erfahrung mit Marihuana gemacht, ohne später zu Drogenmißbrauchern geworden zu sein. Die Autoren erwähnen in diesem Zusammenhang die Relevanz protektiver Faktoren, wie sensible Erziehung, Aufbau kindlicher Selbstachtung und Förderung interpersonaler Beziehungen. Letztlich sollten sowohl kompetenzo rienterte, als auch risikoorientierte Ansätze in der Prävention Berücksichtigung finden. Im Vordergrund stehen hier die Risikobegleitung hinsichtlich jugendtypischen Grenzüberschreitungen. So gehören Rausch und Ekstase zum Leben dazu, doch dabei müssen den Jugendlichen Grenzen aufgezeigt werden, indem eine Erziehung zur Genußfähigkeit stattfindet (vgl. Dembach et al. 1993).

1.5 Abhängigkeit als Sozialisationsstörung

Diese Gefahr besteht dann, wenn sich verschiedene Sozialistationsinstanzen wie Familie, peer-groups, Schule u.a. Institutionen gegenseitig behindern. So können hier beispielsweise Einwanderer angeführt werden. Jugendliche erfahren den Widerspruch zwischen Wertvorstellungen ihrer Herkunftsfamilien und Wertvorstellungen ihrer neuen Umgebung, welcher sehr belastend ist. Genauso können aber auch Sozialstörungen, bedingt durch Streßfaktoren, wie Über- oder Unterforderung gegenüber schulischen Leistungen auftreten. Diese Belastungsfaktoren können zum Konsum von Beruhigungsmitteln führen (vgl. Hurrelmann, 1991). So sollte in Schulen eine Ausdifferenzierung von Leistungsanforderungen stattfinden. Ferner sollten die unterschiedlichen peer- groups in Freizeitangebote miteinbezogen werden.

1.6 Abhängigkeit und Konsumwelle

Zwischenmenschliche, stabile Beziehungen werden immer mehr abgelöst durch ein sog. Konsumprinzip, d.h. sämtliche Bedürfnisse werden mit apersonalen Mitteln befriedigt. Diese Konsumorientierung oder besser ausgedrückt, eine passive Lebensgestaltung fördert die Ausbildung von süchtigem Verhalten. So wurde in den siebziger Jahren ein Fixer wie folgt beschrieben: "Er realisiert Kaufzwang bis zur Selbstaufgabe, er ist ein Konsument, der am Ende von seiner exklusiven Ware selbst konsumiert wird" (Dembach et al., 1993). Das Angebot an zahlreichen Suchtmitteln schafft die Voraussetzung für die Nachfrage. Deshalb sollten von Seiten der Gesetzgeber dementsprechende Maßnahmen eingeleitet werden, wie beispielsweise Werbeverbot für Suchtmittel und eine Preisreduzierung alkoholfreier Getränke neben alkoholhaltigen Getränken.

1.7 Abhängigkeit und die Werte einer Gesellschaft

Unsere Leistungsgesellschaft ist gekennzeichnet durch Schnellebigkeit und raschem Wertewandel. Der Einzelne fragt sich nach dem Lebenssinn, denn Orientierungsvorbilder bleiben immer mehr aus. Die Ausbildung von abhängigen Verhaltensweisen ist die Folge. Denn die Anonymität von zwischenmenschlichen Beziehungen nimmt beträchtlich zu. So gestalten sich mittlerweile Partnerschaften als "Abschnittsbegleitung auf Zeit" (Dembach et al., 1993). Die Gesellschaft mit ihren Strukturen begünstigt also süchtiges Verhalten. Deshalb sollte das Gesellschaftsgefüge verdeutlicht werden, damit Veränderungen stattfinden können. Gerade für Jugendliche ist es relevant, daß sie ihren Platz in der Gesellschaft finden, um Verantwortung übernehmen zu können. Z.B. Ausbildungsstellen fördern, um Verhaltensexzessen entgegenzuwirken. Ein weiterer Punkt ist die Förderung des spirituellen Bereiches, denn dieser kann die eigene Sinnfindung erleichtern, gerade wenn die Grenzen des rationalen Wissens über Aufklärung erreicht sind. Nach diesen suchtbegünstigenden Faktoren, soll nun gesondert auf die Familie und ihr Verhältnis zu Abhängigkeiten eingegangen werden.

2. Die Familie im Suchtproblem

Für ein Kind stellt die Familie die primäre Sozialisationsinstanz dar. Ein wesentlicher Punkt dabei ist die Entstehung des Urvertrauens. Eine Grundvoraussetzung dafür ist, daß Kinder die Erfahrung machen, daß sie von ihren Eltern geliebt und umsorgt werden. Diese Vermittlung findet bereits im Säuglingsalter auf nonverbalem Wege statt. Durch Hautkontakt und Zärtlichkeit, ebenso wie durch die Fürsorge insgesamt. So ist bekannt, daß Kinder, die nie ein stabiles Urvertrauen entwickelt haben, nicht nur darunter leiden, sondern auch häufig selbst nicht zu stabilen sozialen Beziehungen fähig sind. Bedingt durch aufkommendes Mißtrauen und/oder Unsicherheiten. Ein weiterer Faktor ist die Entwicklung von Selbstvertrauen bzw. Ich-Stärke. Hiermit hängt die Erfahrung zusammen, daß Erwachsene bzw. die Eltern das Selbstbewußtsein von Kindern stärken und ihnen etwas zutrauen. Parallel dazu beginnt der Selbstentdeckungsprozeß. Damit verbunden ist die Entwicklung von Selbstvertrauen. Einerseits selbständig werden, andererseits mit anderen zusammenleben können. Gerade der Wunsch nach Selbständigkeit beim Kind ist schon sehr früh vorhanden. Dieser findet beispielsweise seinen Ausdruck in der Vorliebe für das Wort "alleine", der oft bei Kindern festzustellen ist: "Ich bin schon groß, und kann das schon". Allmählich lernt das Kind dann zwischen Ich-Prinzip und Sozialprinzip zu unterscheiden. Ein frühes Übungsfeld zum Erlernen sozialer Fähigkeiten stellen beispielsweise Krabbelgruppen dar. Hier können Kinder lernen ihre eigenen Bedürfnisse anzumelden, sowie auch die der anderen zu respektieren. Lernen Kompromisse zu entwickeln. Dieses bestimmte Maß an Anpassung verlangt ein Leben in einer Gruppe und Kinder erfahren dies am ehesten unter Gleichaltrigen. Nach Dembach et al. (1993) müssen Kinder lernen, Grenzen zu akzeptieren und Probleme konstruktiv zu bewältigen. Der Autor erwähnt Untersuchungen von Rosenmayr, die aufzeigen, daß die Tiefenbindung zwischen Eltern und Kind ein größeres Gewicht hat, im Vergleich zu Bindungen zwischen Gleichaltrigen. Später im Jugendalter werden allerdings Einstellungen von peer-groups wichtiger. Eltern sind vorerst diejenigen, die Einstellungen und Orientierungsmuster vermitteln; aus dieser Perspektive heraus sind sie sehr wichtige Adressaten für die Suchtprävention. Nach Dembach et al. (1993) standen früher eher die strukturellen Störungen einer Familie im Vordergrund, das sog. "strukturelle broken-home". Demnach ist Suchtverhalten die Folge von traumatischen Ereignissen, wie z.B. Todesfälle oder Trennung in der Familie, die nic ht verarbeitet wurden. Mittlerweile gewinnen aber auch die im inneren Beziehungsgefüge gestörten Familien (funktionales broken- home) immer mehr an Bedeutung. Diese Familien sind zwar äußerlich intakt, doch ist ihre Familiendynamik gestört. Dabei handelt es sich um Hierarchieumkehrungen und Grenzüberschreitungen. So verhindern beispielsweise sehr diffuse oder aber auch starre Grenzen den Familienzusammenhalt. Eine sog. Triangulierung zeigt, daß das Kind als Ersatzpartner fungiert, weil beide Partner ihren Konflikt nicht offen austragen. Das Kind ist damit überfordert. Derartige Umkehrungen wirken sich störend auf die Persönlichkeitsentwicklung aus und stellen somit ein suchtgefährdendes Potential dar.

2.1 Vorbildverhalten in der Familie

Die Familie lebt dem Kind ein bestimmtes Konsumverhalten vor. Dembach et al. (1993) erwähnen von Uchtenhagen untersuchte Herkunftsfamilien von Opiatabhängigen. Dabei stellte er fest, daß 46% der Angehörigen von Abhängigen selbst mit Alkohol, Medikamenten und Drogen Probleme hatten. So wirkt sich vor allem in der Familie der Umgang mit Genuß- oder Rauschmittel auf eine mögliche Suchtkarriere des Kindes aus. Geschwisterverhalten ist hier gleichermaßen relevant. Unternehmen Eltern nichts gegen das Schnüffeln des großen Bruders oder der Schwester, kann es so schlimm ja nicht sein. Der Nachahmungsdrang ist dann groß. Um das Konsumverhalten in Familien zugänglich zu machen, können Informationsabende gemeindenah oder Elternabende Gelegenheit bieten eigenes Konsumverhalten zu thematisieren.

Wie schon eingangs erwähnt, bilden die hier aufgezählten Faktoren eine Basis für sämtliche praktische Ansätze der Primärprävention zur Sucht bei Kindern und Jugendlichen.

2.2 Beziehungen und Kommunikationsstruktur in der Familie

Angelehnt an Familien mit einer funktionalen broken-home Situation (s. Punkt 2.), finden sich häufig Familienmythen wieder, d.h. jahrelange Rollenzuschreibungen wie z.B. "Du warst schon immer so wie dein Vater". Auffällig in diesen Familien sind auch Delegationen, Kinder die Erfüllungsgehilfen sind für eigene nicht erreichte Lebensziele. In diesem Zusammenhang fand laut Dembach et al. (1993) Stanton heraus, daß die besondere Funktion eines Heroinabhängigen darin besteht homöostatische Gleichgewicht des Familiensystems aufrecht zu erhalten. Dazu ist der Begriff der Co-Abhängigkeit zu erwähnen, der durch die familiensystemische Sichtweise entstand. Es handelt sich hierbei um psychoreaktive Verhaltensmuster von Familienangehörigen, die meist dann entstehen, wenn ein Mitglied abhängig geworden ist. Der/die Co-Abhängige hat oft Ähnlichkeit mit dem Süchtigen, unterstützt heimlich das Tun des Symptomträgers und hält dadurch die Abhängigkeit aufrecht. So stellt co-abhängiges Verhalten die Gefahr dar, den Drogenkonsum eines Familienmitglieds zu verlängern. Um dies zu verhindern müssen Konflikte in der Familie offen angesprochen werden und dabei rücken protektive Faktoren, welche ein gutes Familienklima schaffen in den Vordergrund.

2.3 Familie als schützende Umwelt

Erkenntnis se darüber, daß Familienbeziehungen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von süchtigem Verhalten bei Kindern und Jugendlichen spielen, stellen sich immer wieder deutlich heraus. Auch hier standen früher Risikofaktoren im Vordergrund. In heutiger Zeit richtet sich der Fokus mehr auf Schutzfaktoren, denn durch diese besteht die Möglichkeit positive Verhaltensweisen auch hinsichtlich der Gesundheit zu steigern und Risikofaktoren abzuschwächen (vgl. Jessor et al., 1999). Hier ist anzumerken, daß die jeweiligen Altersstufen beachtet werden müssen. Denn ein notwendiger Schutzfaktor im Kleinkindalter wie z.B. ständige Anwesenheit der Bezugsperson, kann im Jugendalter eine gegenteilige Wirkung haben und zum Risikofaktor werden i.S. eines überbehütenden Verhaltens ohne Freiraum. Nun sollen hier einige familiäre Schutzfaktoren genannt werden. Neben Unterstützung und Einfühlungsvermögen im Kindesalter und speziell im Jugendalter die Unterstützung von autonomem Verhalten, sowie verständnisvolle Reaktionen hinsichtlich der Veränderung der Kinder in der Pubertät gibt es zahlreiche weitere protektive Faktoren, wie folgende Aufzählung verdeutlicht:

- aufmerksame (demokratische) Kontrolle durch die Eltern · Offenheit über Gefühle zu sprechen

- Verfügbarkeit der Eltern

- Gemeinsame Familienaktivitäten

- Anerkennung des Kindes als Person

- Fähigkeit der Eltern, ihre Einstellungen gegenüber dem Kind deutlich zu formulieren

- Kommunikative Offenheit der Familie nach außen

Diese Schutzfaktoren werden u.a. mit Drogenkonsum in Verbindung gebracht. Zwischen ihenen besteht eine Wechselwirkung, d.h. einen spezifischen Faktor der beispielsweise mit Alkoholkonsum zusammenhängt, gibt es nicht. Somit wirken mehrere Faktoren zusammen, die sich generell günstig auf die Entwicklung des Kindes auswirken (vgl. Marta, 1997).

2.4 Günstige Kommunikationsfaktoren in der Familie

Angelehnt an die Schutzfaktoren, sollen hier nun protektive Interaktionsfaktoren in der Familie erläutert werden, die ebenso einem nicht-süchtigem Verhalten entgegensteuern. Eingesetzt werden dazu Fragebogen- und Beobachtungsstudien. Letztere sind begleitet von Videoaufnahmen und Codierungssystemen. Bedeutend beispielsweise sind Gesprächssequenzen pro Thema, wer spricht zu wem oder aber wie häufig jemand unterbrochen wird (vgl. Haley, 1964; Kreppner & Ullrich, 1997).

Zu förderlichen Kommunikationsmerkmalen zählen nun: · Emotional unterstützende Aussagen

("Ich finde das toll, wie du das machst")

- Positiver physischer Kontakt/nonverbales Verhalten (umarmen)

- Aussagen, die zur Unabhängigkeit ermutigen ("Was ist denn eine Idee dazu")

- Zuhören können / nachfragen

("Wie hast du das genau gemeint") · Gemeinsames Lachen

(Angelehnt an 1993; Pearson, 1989)

Diese zentralen Aspekte der Kommunikation sind überaus bedeutend für die Suchtprävention. So erwähnt auch Zinnecker (1997) in seiner Studie, daß Eltern zwar empfänglich sind für Informationen über Suchtverhalten, aber die Umsetzung dieses Wissens in den Kommunikationsprozeß im Alltag nicht immer gelingt. Deshalb sind konkrete Handlungsanweisungen, wie gewonnenes Wissen auf die Verhaltensebene umgesetzt wird notwendig.

Für ungünstige Kommunikation in der Familie bzw. ungünstige Familienklimata können aber nicht alleine die Eltern verantwortlich gemacht werden. Demzufolge können ebenso Kinder ihren Eltern helfen, indem sie lernen, ihre Botschaften hinsichtlich ihrer Gefühle und Bedürfnisse ohne Vorwurf und freiwillig ohne zuvor gefragt zu werden mitzuteilen. Speziell auf Kinder eingestellte Kommunikationstrainings in der Schule können dabei hilfreich sein, nicht nur für die Eltern. Denn ein Kind das auf seine Eltern zugeht und seine Anliegen äußert, erleichtert wiederum den Eltern, ihr Verhalten anzupassen. So ist die Wechselwirkung von Eltern-Kind-Beziehungen ausschlaggebend. Mit verbessertem Kommunikationsverhalten kann auch eine Verbesserung der Beziehungen untereinander erreicht werden.

3. Ansätze zur Suchtprävention in der Schule

Neben der Familie stellt die Schule eine weitere soziale Instanz für Kinder und Jugendliche dar, allein schon aufgrund der bestehenden Schulpflicht sind hier die Personen erreichbar. Bisherige Abschreckungsstrategien erwiesen sich als wenig hilfreich, deshalb treten an diese Stelle ursachenorientierte Ansätze. Seit etwa 1977 haben einige Kultusministerien Drogenkontaktlehrer an Schulen eingesetzt. Diese haben die Aufgabe, ihre Kollegen eingehend über Abhängigkeitspotentiale und Probleme der Suchtprävention zu informieren. Desweiteren helfen sie, Unterrichtsveranstaltungen und Elternabende vorzubereiten. Sie halten ebenso Kontakt zu weiteren beteiligten Institutionen. Wenn Suchtprävention ursachenorientiert sein soll, kann sie nicht nur an Drogenkontaktlehrer delegiert werden, d.h. Prävention muß für alle Lehrer verbindlich als Teil des erzieherischen Gesamtauftrages stattfinden. Dabei ist es wichtig, daß die Suchtprävention in der Schule langfristig angelegt ist. Folgende Punkte sind hier zu beachten. Im Mittelpunkt hier steht die Rolle des Lehrers:

a) Erwerb von Sachkompetenzen

Der Lehrer sollte sich Erkenntnisse zur Suchtproblematik aneignen, damit er auf Fragen und Probleme seiner Schüler eingehen kann. (Ursachen/Motive des Drogenmißbrauchs; juristische Aspekte; Beratungs- und Therapiemöglichkeiten).

b) Gestaltung des Unterrichts

In den Unterricht sollten Lebenssituationen und konkrete Erfahrungen der Schüler miteinbezogen werden. Auf diese Art und Weise wird der Erwerb von Fähigkeiten und Einsichten sowie eine kritische Haltung gegenüber eigenen Lebenssituationen möglich. In diesem Moment hat der Lehrer die Aufgabe, seine Monopolstellung in der Klasse aufzugeben, d.h. er gestaltet seinen Unterricht in einer kooperativen Weise, beispielsweise in Form von Gruppenunterricht. Beabsichtigt ist, die Handlungskompetenzen der Schüler zu verbessern. So z.B. · Die Akzeptanz/Toleranz des anderen als Individuum · Einfühlungsvermögen

- Entwicklung von Konfliktfähigkeit

- Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung

Dieses Verhaltensrepertoire befähigt den Schüler, sich kritisch mit dem Drogenkonsum in Verführungsstituationen auseinanderzusetzen (vgl. Moerschner, 1984). In der Praxis findet die Vermittlung auf spielerische Art und Weise statt. So beispielsweise erlebnisorientierte Übungen wie "Was macht die Person, wenn...? (Voigt-Rubio, 1990).

Zielgruppe: Schüler, die schon zur persönlichen Auseinandersetzung bereit sind. Ein Vertrauensverhältnis in der Klasse muß bestehen.

Lernziel: Die Frage nach dem, was die Person in einer bestimmten Situation macht beinhaltet die Aufforderung, Alternativen und Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Kernp unkt der Übung sind die Fremd- und Selbstwahrnehmung.

Material: 10-15 vorgefertigte Karten.

Anleitung: Die Klasse sitzt im Kreis, die Karten mit den Situationen liegen verdeckt in der Mitte. Ein/e SchülerIn erklärt sich bereit, den Raum zu verlassen. Er/Sie wird die Person erraten. Die Klasse einigt sich nun auf einen Mitschüler, der geraten werden soll. Der, der raten möchte, kehrt zurück und bittet einen Mitschüler um die Beantwortung der ersten Frage. Die zu eratende Person darf sich nicht zu erkennen geben, auch wenn sie die Frage zu beantworten hat. Ist die Person erraten, erhält sie die Möglichkeit, der Gruppe mitzuteilen, wie sie sich in den erwänten Situationen verhalten würde. Damit bezieht sie Stellung gegenüber der Einschätzung anderer. Mögliche Fragen: Was macht die Person, wenn...

- sie Langeweile hat und es ist Regenwetter?

- sie in der Schulpause von einem Schüler angerempelt wird?

- sie auf einer Fete ein Mädchen/Jungen ansprechen will?

- sie zu Hause Streit hat?

- wenn ihr eine Zigarette angeboten wird, sie aber nicht rauchen will?

Doch bei der Suchtprävention ist es relevant, auch selber aktiv zu werden. Deshalb soll der Lehrer die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen, damit die Schüler eigene Ideen entwickeln und umsetzen könne n. Die Notwendigkeit, bis ins Detail vorgeplante Programme anzubieten ist damit zweitrangig.

c) Die Zusammenarbeit von Lehrern und Eltern

Lehrer sind vom ersten Schultag an gewichtige Miterzieher der Kinder. Folglich sind beide Gruppen auf gegenseitige Zusammenarbeit angewiesen, damit eine effektive Suchtprävention stattfinden kann. Erfahrungsgemäß gehen konkrete Präventionsmaßnahmen von der Lehrerseite aus, da sie in allen Bundesländern zur pädagogischen Aufgabe geworden sind. Folgende Maßnahmen werden dabei realisiert:

- In Sitzungen der Lehrer mit dem Schulelternbeirat wird die Suchtprävention eingeführt.

- Die Drogenprobleme sind Gegenstand eines Elternabends mit dem Ziel des Zustandekommens eigener Elterngruppen, die sich mit Präventionsfragen befassen. · In übliche Beratungsgespräche zwischen Lehrern und Eltern werden Informationen zur Suchtprävention miteinbezogen.

Bei diesen Maßnahmen bleibt ein zentraler Punkt, daß nicht Verbote und moralische Appelle weiterhelfen, sondern Hilfen und Hinweise wie man mit Schwierigkeiten fertig werden kann. Die Vermittlung eines Solidaritätsgefühl und der Geborgenheit in der gemeinsamen Gruppe ist von großer Bedeutung ( vgl. Kollehn, 1991).

4. Kooperative Vernetzung

Gerade die Lebenswelt Jugendlicher ist wesentlich breiter gefächert als die von Kindern. So bekommen Jugendliche nicht nur aus dem Elternhaus und der Schule erzieherische Impulse. Deshalb ist es wichtig, daß eine regelmäßige Zusammenarbeit möglichst vieler Einrichtungen vor Ort stattfindet, um eine gemeinsame und abgestimmte Botschaft hinsichtlich der Suchtprävention zu übermitteln. Folgende Übersicht stellt ein solches Netz der Zusammenarbeit dar:

Wie nun in der Praxis eine solche Vernetzung, bzw. Projekte zur Suchtprävention aussehen, soll im nachfolgenden Abschnitt an einem praktischen Beispiel verdeutlicht werden

5. Jump Jugendmodellprojekt Prävention in Nürnberg (1992-1995)

Dieses Projekt wurde durchgeführt mit dem Ziel organisatiorische und konzeptionelle Verbindungen zwischen den Hilfen und Leistungen der Jugendhilfe mit unterschiedlichen Ansätzen der Suchtprävention zu vernetzen.

Zentrale Punkte dabei sind:

- Neuorganisation der Suchtberatungsstelle in Nürnberg zu einer Fachdienststelle für Prävention auf kommunaler Ebene

- Finanzielle Unterstützung des JUMP aus Mitteln des Bundesministeriums für Frauen und Jugend.

Zielsetzungen:

1. Erstellung von Medien und Fachinformation für die Suchtprävention

2. Modellhafte Optimierung der Suchtberatungsstelle Suchtberatung)

3. Suchtprävention in Kindertagesstätten

4. Suchtprävention in der Schule

5. Suchtprävention in der Jugendarbeit

(PSB: Prävention und

Für dieses Vorhaben ist der Prozeß der Organisations- und Personalentwicklung erforderlich, welcher vom ISS (Projektberatungsinstitut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik in Frankfurt) übernommen wurde. Hier wurden folgende drei Handlungsebenen herausgearbeitet:

1. Organisatorisch-personale Ebene

- Qualifizierung der Mitarbeiter in EDV und Sozialmarketing · Verbesserung der administrativen und Transferkompetenzen

2. Fachlich-inhaltliche Ebene

- Suchtpräventive Ansätze

- Publikationen von Gutachten

3. Kommunikative Ebene

- Marketingstrategie zur Vermarktung des Projektes und Inhalten der Suchtprävention

- systematisierte Öffentlichkeitsarbeit stellt die Basis für die Aufnahmebereitschaft der Suchtprävention dar: Kooperation mit anderen Präventionsstellen, Kontaktaufnahme mit Krankenkassen und kontinuierliches informieren des Nürnberger Stadtrates.

- bundesweite Tagungen zum Projekt.

5.1 Was leistet JUMP?

JUMP ist ein sehr umfangreich angelegtes Modellprojekt, welches viele Punkte in der Suchtprävention berücksichtigt. Deshalb werden hier ein paar konkrete Umsetzungen ausgewählt und erläutert. So die Erstellung von Fachinformation/Medien/Produkte für die Jugendarbeit; das Handeln in Kindertagesstätten und Schulen.

1. Fachinformation/Medien/Produkte für die Jugendarbeit

Überblicksinformation über Suchtprävention, die aus verschiedenen Quellen stammt, Videofilme die über die Suchtkrankenhilfe informieren, sowie Basisinformationen, beipsielsweise über die Klärung der Begriffe, wurde an verschiedene Stellen verteilt.

(Suchtberatungsstellen, Polizei, Schule...) Außerdem wurde eine Broschüre zusammengestellt, um die Nürnberger Öffentlichkeit zu informieren. Inhalte sind: Einführung zum Thema Drogen und Sucht, Beschreibung verschiedener Suchtmittel und Adressen, Telefonnummern und Anlaufstellen bei Suchtproblemen.

2. Handlungsfeld Kindertagesstätte, Hort - und Grundschulbereich Zuerst erfolgte eine Bestandsaufnahme mit Hilfe von Fragebögen zum Thema. Diese kamen zum Einsatz in Nürnberger Kindertagesstätten (Kitas), gleichzeitig wurde mit diesen auch eine Expertenbefragung durchgeführt. Daraus ergaben sich folgende relevante Ergebnisse:

- Suchtprävention soll in Kitas aufgegriffen werden.

- Problemfeld wird auch In Kitas wahrgenommen

- Kinder werden bereits mit Suchtproblemen konfrontiert, sind aber davon nicht selbst betroffen (alkoholisierte Eltern, Utensilien in ihrem Umfeld wie z.B. herumliegende Spritzen, Bierflaschen)

- Problembereich Elternarbeit (Erzieher sind mit Kindern süchtiger Eltern konfrontiert)

2.1 Das Medienpaket "die Flirpse"

Dieses Medienpaket wurde für Kinder zwischen vier und sechs Jahren erstellt und kam in Kitas zum Einsatz. Als Hilfestellung für Erzieher wurde ein Bilderbuch entworfen. Hintergrund dieses Buches bilden sieben angenommene Dimensionen:

Kinder brauchen:

- Liebe/Geborgenheit

- Selbstvertrauen

- Konflikte

- Freunde

- Träume

Diese Themen werden aufgegriffen aus der Erfahrungswelt vier- bis sechsjähriger Kinder, hier wurde jedes Thema zu einer Geschichte verpackt. Die darin enthaltenen Figuren sind zwei Mädchen, zwei Jungs und ein Hund namens "Bruno". Diese Figuren müssen von den Kindern akzeptiert werden, damit sie sich mit ihnen identifizieren können. Dies wurde vorab in Kitas getestet. Das Buch soll helfen, Beziehungsfähigkeit einzuüben. Dabei wird auf Problemlösungen bewußt verzichtet, damit die Kinder eigene Lösungsvorschläge herstellen, die Kinder lernen dadurch unterschiedliche Reaktionen auf gleiche Situationen (dient zur Erweiterung des Wahrnehmungsspektrum). Neben dem Bilderbuch entstanden zusätzlich

Begleitmaterialien, wie Spiele zur Sensibilisierung aller fünf Sinne: Riechen, Tasten , Fühlen, Schmecken, Sehen und Hören. Eine Musikkasette mit Kinderliedern, die auf die Geschichten Bezug nehmen ist ebenfalls dabei. Da Handpuppen Kindern den Ausdruck von Wünschen, Träumen und Ängsten erleichtert, wurde der Hund "Bruno" in eine Puppe umgesetzt.

Malbücher, Aufkleber und Poster mit den Flirpsen wurden ebenfalls erstellt für die Weiterbeschäftigung zu Hause.

2.3 Elternarbeit in Kitas

Bei der Elternarbeit stehen drei Themenbereiche im Vordergrund:

- Kita als Kommunikationszentrum

Gerade Großstädte zeichnen sich durch eine Isolierung der Familien und der Alleinerziehenden aus und dies fördert Suchtverhalten. Deshalb bietet JUMP eine Alternative zur traditionellen Elternarbeit: Die Eltern werden in das Planungs- und Alltagsgeschehen der Kita einbezogen.

- suchtpräventive Themen an Elternabenden

Ziel ist es die Eltern hinsichtlich der Bedürfnisse und Sorgen/Nöte der Kinder sensibel zu machen. Darüber hinaus wird die eigene Gesundheit reflektiert. Ein Handbuch soll zusätzlich Anregungen zur Lebenskompetenzförderung geben.

- Die Familie

Erzieher erhalten Hintergrundwissen über die Rolle von Kindern suchtkranker Eltern, zum Verständnis z.B. von Co-Avhängigkeit und rigiden Familienregeln.

2.2 Der Flirpse Comic

Dieser Comic ist die Weiterentwicklung des Bilderbuches für Kinder von neun bis zwölf Jahren. Er greift Alltagssituationen, mit denen Kinder überfordert sein können und die wiederum zur Suchtgefährdung führen können, auf. Der Comic soll deshalb anregen, alternative Problemlösungen zu suchen. Der Fokus richtet sich auf:

- Gefühle leben können

- Gefühle ernst nehmen

- andere daran teilnehmen lassen

- Frustrationstoleranz entwickeln

Die Figuren des Flirpse-Comics sind im Vergleich zum Bilderbuch kantiger/eckiger

geworden und somit altersgerecht für diese Zielgruppe. Erzählt werden verschiedene Geschichten über Familienprobleme, Gruppenprozesse (Eifersucht, offen sein für ein neues Mitglied).

3. Suchtprävention mit NB - Schulen

Vorinformationen verhalfen dazu, drei Bausteine in den Vordergrund zu setzen und somit die Vermittlung über stoffspezifische Inhalte eher in den Hintergrund rücken zu lassen.

a) Standfestigkeitstraining

- Neinsagen können

- Gruppendruck widerstehen können · Einfluß von Massenmedien erkennen

b) Steigerung sozialer Kompetenzen · Selbstsicherheit

- Kommunikationsvermöge n steigern · Durchsetzungsbereitschaft steigern

c) Aufbau allgemeiner Fertigkeiten in schwierigen Situationen · Problemlösestrategien

- Entscheidungsfindung

Daraus wurde folgende Produktlinie zur Suchtprävention entwickelt:

1. Drogenkontaktleher

Sie haben die Rolle als kompetente Ansprechpartner

2. Lehrkräfte

Sie werden mit geeigneten Medien zum Einsatz im Unterricht versorgt.

3. Schüler

- Organisation einer Ausstellung ("Boys & Girls 2000, Inhalte: Pubertät und Probleme, aktive Lebensgestaltung, geschlechtsspezifische Suchtprävention), sie dient als Einstiegsthema und soll Anregungen geben, wie Suchtprävention in die Schulen transportiert werden kann.

- Schülermultiplikatoren

Ziel: Schüler werden durch ihre Mitschüler i.S. einer Meinungsbildung suchtpräventiv

beeinflußt. Dazu werden Seminare für Schüler veranstaltet mit Themen zur Suchtprävention (vgl. Kammerer & Riemann, 1997).

Wie dieser Einblick zeigt, ist mit JUMP ein Programm der Vernetzung von

Suchtprävention realisiert worden, nicht nur für Nürnberg.

Literaturverzeichnis

Dembach, B.; Hüllinghorst, R.; Möbus, M. (1993).Mobile Drogenprävention West 1990- 1993.Bericht über ein Modellprogramm des Bundesministeriums für Gesundheit.

Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren E.V.: Hamm.

Haley, J. (1964). Research on Family Patterns: An Instrument Measurement.Family Process, Vol.3, Nr. 1, 41-65.

Hurrelmann, K. (1991).Sozialisation und Gesundheit. Somatische, psychische und soziale Risikofaktoren im Lebenslauf. Weinheim: Juventa.

Jessor, R,. Turbin, M:S., Costa, F.M: (1999). "Protektive Einflußfaktioren auf jugendliches Gesundheitsverhalten".In: Kolip, P. (Hrsg.): Programme gegen Sucht.Weinheim: Juventa, 41-69).

Kammerer, B., Riemann, K. (1997).JUMP. Ein Brückenschlag zwischen Suchtprävention und Jugendhilfe.Freiburg: Lambertus-Verlag.

Kreppner, K, Ullrich, M. (1997). "Talk to Mom and Dad and Listen to what is in Between". In: Hofer, M., Youniss, J., Noack, P. (Hrsg.): Verbal Interaction and Development in Families with Adolescents. Norwood, NJ: Ablex, 83-108.

Marta, E. (1997). "Parent-Adolescent Interactions and Psychosocial Risk in Adolescents: an Analysis of Communication, Support and Gender."Journal of Adolescence, 20, 473- 487.

Moerschner, M. (1984). Lernziel "Menschlichkeit" in der Lehrerausbildung planbar? In: Unsere Jugend, 36,3.

Pearson, J.C. (1989).Communication in the Family. Seeking Satisfaction in Changing Times. New York: Harper Row Publischery.

Pfau, D. (1997).Ecstasy Modedroge. Partydroge, dance drug. In: Landesinstitut für

Erziehung und Unterricht (Hrsg.) Stuttgart.

Shelder, J., Block, J. (1990). "Adolescent Drug Use and Psychological Health."American Psychologist, 45,612-630.

Voigt-Rubio, A. (1990). Suchtvorbeugung in der Schule- mal ganz anders. Erlebnisorientierte Übungen ab 12 Jahre. Lichtenau: AOL-Verlag.

Zinnecker, J. (1997). Stresskinder und Glückskinder. Eltern als soziale Umwelt von Kindern. Zeitschrift für Pädagogik. 43,1,7-43.

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22
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2001
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v104023
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
Schlagworte
Suchtprävention Kindern Jugendlichen Gesundheitspsychologie

Autor

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Titel: Suchtprävention bei Kindern und Jugendlichen