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Max Weber und der verfassungspolitische Diskurs 1918/19: Eine diskurstheretische Analyse in Anlehnung an Michel Foucaults Diskursanalyse

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 44 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Wagner, Faust und der Geist der Zeiten

Hauptteil
I. Analyseinstrument I: Foucaults Diskurstheorie
1. Foucault und der methodologische Paradigmenwechsel der Ideengeschichte
2. Die Ordnung der Dinge
3. Die Archäologie des Wissens
i. Grundzüge der Diskurstheorie
ii. Das diskursanalytische Verfahren
4. Zusammenfassung
II. Analyseinstrument II: Zuschnitt auf den Weimarer Verfassungs- Diskurs
III. Analyse
1. des Gegenstandes
2. der Äußerungsformen
3. der Begriffe
4. der thematische Schwerpunkte
IV. Synthese: Ergebnisse und wesentliche diskursive Beziehungen

Schluss

Foucault, Weber und ich

Literaturliste

Anhang: Zeittafel

Einleitung: Wagner, Faust und der Geist der Zeiten

Der selbstzufriedene – „ Und wie wirs dann zuletzt so herrlich weit gebracht“ (220)[1] – gelehrige – „Ihr last gewiß ein griechisch Trauerspiel/ In dieser Kunst mögt ich was profitieren/ Denn heutzutage würkt das viel.“ (170-172) - und ‚trockene Schwärmer’[2] Wagner stört Faust mitten in der Nacht bei dessen erstem übersinnlichen Kontakt. Faust kaschiert seine Unlust auf den ‚Famulus’ mit sanfter, teils ironischer und desillusionierender Gelehrsamkeit. Über die Wirkung der Rhetorik weist er Wagners pragmatischen Ansatz – „Allein der Vortrag nützt dem Redner viel“ (193) - zurecht:

Wenn ihrs nicht fühlt ihr werdets nicht erjagen.

Wenns euch nicht aus der Seele dringt

Und mit urkräftigem Behagen

Die Herzen aller Hörer zwingt (...) (181-184)

Und Faust weiter:

Das Pergament ist daß der heilige Bronnen,

Woraus ein Trunk den Durst auf ewig stillt.

Erquickung hast du nicht gewonnen

Wenn sie dir nicht aus eigener Seele quillt.

Wagner kleinlaut aber hartnäckig:

Verzeiht es ist ein gros Ergözzen

Sich in den Geist der Zeiten zu versezzen.

Zu schauen wie vor uns ein weiser Mann gedacht,

Und wie wirs dann zuletzt so herrlich weit gebracht.

Faust:

O ia bis an die Sterne weit.

Mein Freund die Zeiten der Vergangenheit,

Sind uns ein Buch mit sieben Siegeln.

Was ihr den Geist der Zeiten heisst

Das ist im Grund der Herren eigener Geist,

In dem die Zeiten sich bespiegeln.[3] (213-226)

Schon in der ersten Hälfte der Siebziger Jahre des 18. Jahrhunderts war sich Goethe der Grenzen der Hermeneutik bewußt. Die Problematik liegt in der Überbrückung der Zeit zwischen dem Sagendem und dem Gesagten; dem Wissenschaftler einer bestimmten Zeit und seinen Aussagen über eine andere Zeit, die wiederum Produkt seiner eigenen Gegenwart sind, da er ja zeitabhängig Rekurs nimmt auf vorvergangene Zeit. Hand in Hand mit der hermeneutischen Methode geht die genealogische Rekonstruktion von Ideen und Begriffen.

Michel Foucault jedoch versucht sich mit seiner Diskursanalyse über die traditionelle Hermeneutik hinwegzusetzen und leitet eine Art Paradigmenwechsel im Betreiben der Ideengeschichte ein. Ich habe mich entschlossen, mich auf Foucaults Konzept einzulassen und werde versuchen, diesen alternativen Ansatz zur Analyse der Rolle Max Webers und seiner Vorschläge in der Weimarer Verfassungsdiskussion zu verwenden.

Ich beginne mit der Konstruktion des Analyseinstruments, d.h. ich werde mit Bezug auf Foucaults „Ordnung der Dinge“ und besonders auf die „Archäologie des Wissens“ den wesentlichen paradigmatischen Wechsel dieser Diskurstheorie in Abgrenzung zur Hermeneutik zu erfassen suchen und die konkreten Analysekriterien herausarbeiten. Danach werde ich das so entstandene Analysekonzept auf die Weimarer Verfassungsdiskussion abstimmen, um in einem dritten Schritt konkret an den (nicht nur) Weimarer Diskurs hinzutreten und ihn auf seine Gegenstände, seine Äußerungsformen, seine Begriffe und seine thematischen Schwerpunkte zu untersuchen. Ziel der Arbeit ist es dabei, eine methodologische Möglichkeit aufzuzeigen, die es erlaubt, über Max Weber und den Verfassungsdiskurs seiner Zeit zu sprechen ohne dabei selbst Max Weber und der Geist dieser Zeit zu sein.

I. Analyseinstrument I: Foucaults Diskurstheorie

Ziel ist es, mit Michel Foucaults Diskurstheorie Ordnung in den Weimarer Diskurs, im speziellen in die Rolle Max Webers und seinen verfassungstheoretischen Vorstellungen innerhalb der Verfassungsdiskussion zu bringen. Hierfür möchte ich mich zuerst auf abstrakter Ebene dem durch Foucault betriebenen methodologischen Paradigmenwechsel zuwenden.

1. Foucault und ein methodologischer Paradigmenwechsel des Betreibens der Ideengeschichte

Michel Foucault (1926 – 1984) versucht mit seiner Diskurstheorie ein Gegenmodell zu herkömmlichen hermeneutischen Analysen der Ideengeschichte zu schaffen. Er orientiert sich dabei an der Ethnologie, versucht also die kulturellen Voraussetzungen für (auch politische) Ideengeschichte zu beleuchten. Seine Kritik bezieht sich auf den Identitätszwang der herkömmlichen Geschichtsschreibung, er unterstellt ihr eine Andichtung von Teleologie. Er möchte mit seiner Theorie (Ideen-) Geschichte von ihren subjektspezifischen Elementen befreien, eine Analyse frei von Antropologismus und jenseits von Epochen schaffen. An Stelle von Epochen sollen in Szenen von Serien Tableaus treten. Eine positivistische Analyse tatsächlicher Äußerungen, eine reine Beschreibung diskursiver Ereignisse steht also einer hermeneutischen Interpretation als Methode der Deutung historischer Momente entgegen. Foucault bestreitet die Existenz von historischer Wahrheit und epochen-spezifischen Sinn. Konkret geht es ihm um eine bedingt strukturale Analyse, d.h. durch die Analyse von Zeicheneinheiten, sprich durch die Bezugnahme auf Regeln im Aussagesystem, soll auf die historischen Existenzbedingungen einer Aussage gestoßen werden. Eine Diskursformation wird durch Symbolordnungen konstituiert und diese Symbolordnungen stehen untereinander im Kontext.

In der „Archäologie des Wissens“[4] rückt Foucault von dem historischen a priori des Vorhandenseins einer Gesamtheit in einer Epoche gültigen wissenschafts-theoretischen Regeln (i.e. Epistheme), wie er es noch in der „Ordnung der Dinge“[5] vertreten hatte, ab und wendet sich vollends dem Konzept der Diskursanalyse zu. Seine diskurstheoretischen Vorstellungen seien im Folgenden chronologisch durch das Herantasten über die ‚Ordnung der Dinge’ zur ‚Archäologie des Wissens’ erläutert.

2. Die Ordnung der Dinge

In der „Ordnung der Dinge“ entwirft Michel Foucault ein System negativer Abgrenzung zur Hermeneutik und herkömmlichen Wissenschaftstheorie, und versucht methodische Alternativen anzuwenden. Das Grundkonzept der Untersuchung sei hier skizziert:

Er geht erstens davon aus, dass die Geschichte nichtformalen Wissens System[6] hat (10)[7]. Von dieser ein Stück weit strukturalistischen Methode, die Epistheme als Bildungsgesetz der in einer Epoche gültigen Regeln begreift, wird er in der ‚Archäologie des Wissens’ abrücken und sich diskursanalytisch/archäologisch orientieren (siehe auch die Punkte I.1 und I.3).

Weiter postuliert er eine vergleichende Methode, da er von Analogien unterschiedlicher Wissenschaften ausgeht: „Was ich wollte war eine bestimmte Zahl von Elementen nebeneinander zu zeigen – das Wissen von den Lebewesen, das Wissen von den Gesetzen der Sprache und das Wissen von den ökonomischen Fakten – und sie mit dem philosophischen Diskurs ihrer Zeit in Verbindung zu setzen (...)“ (ebd.). Isomorpheme einer bestimmten Zeit möchte er finden und muss dafür die erkenntnistheoretischen Grenzen neu ziehen. Dabei soll es sich nicht um die Untersuchung oder Rekonstruktion einer Epoche handeln, sondern um eine regionale Untersuchung.

Ein „positives Unbewusstes des Wissens“ (11) ist die nächste Trennlinie, die Foucault zwischen sich und der herkömmlichen Wissenschaftsgeschichte zieht. Wo diese über die Unterscheidung zwischen Prozessen und Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung einerseits und den impliziten Thematiken und unsichtbaren Hindernissen andererseits nicht hinauskommt, zieht Foucault eine neue, „archäologische“ Ebene ein. Auf dieser sucht er nach „Gesetzen des Aufbaus, die für sich selbst nie isoliert worden sind“ (12). Das archäologische System (ebd.) besteht aus eben diesen impliziten, durch Foucault explizit werdenden Gesetzen des Aufbaus, die einer ganzen Reihe wissenschaftlicher Repräsentationen oder Ergebnisse verschiedener Disziplinen (Naturgeschichte, Ökonomie, Philosophie) einer Epoche gemein sind. Foucault unterscheidet somit zwischen einer epistemologischen Ebene des Wissens/wissenschaftlichen Bewusstseins und einer archäologischen Ebene unbewussten (impliziten, aber hiermit explizit werdenden) Wissens.

Beim „Problem der Veränderung“ im Sinne einer Reorganisation von Wissenschaft plädiert Foucault dafür, diese in ihrer Spezifität, fachgebundenen Eigentümlichkeit und interdisziplinären Parallelität zu erfassen. Er versuche „die Kombination entsprechender Transformationen zu beschreiben, die das Auftauchen der Biologie, der politischen Ökonomie, der Philosophie, einer ganzen Anzahl von Humanwissenschaften und eines neuen Typus der Philosophie an der Schwelle des neunzehnten Jahrhunderts charakterisieren“ (13).

Zum „Problem der Kausalität“ nimmt er Stellung, indem er vorschlägt, die Klärung der Ursachen solange unbeantwortet zu lassen, solange es „keine endgültigen methodologischen Prinzipien gibt, auf denen eine solche Analyse zu errichten wäre“ (ebd.). Die vorläufige Lösung besteht also im Beiseitelassen der Ursachen und der reinen Beschränkung auf die Beschreibung der Transformationen.

Natürlich kann auch Foucault nicht von Wissenschaftsgeschichte sprechen, ohne auf den Wissenschaftler selbst Rekurs zu nehmen. Er versucht aber der Lösung des „Problems des Subjekts“ (14) näher zu kommen, indem er die Perspektive auf dieses verändert. Er möchte nicht das Wissenschaft produzierende Individuum mit seinen persönlichen Eigenheiten als Teil eines wissenschaftlichen Diskurses beschreiben, sondern er will von der Arbeit des Wissenschaftlers und seiner speziellen Denkform sprechen. Und das tut er, indem er die Bedingungen eines Wissenschaftlers aus der Perspektive der „Regeln, die nur durch die Existenz eines (...) Diskurses ins Spiel kommen“ (15). Er möchte herausfinden, „ob die Individuen, die verantwortlich für den wissenschaftlichen Diskurs sind, nicht in ihrer Situation, in ihrer Funktion, in ihren perzeptiven Fähigkeiten und in ihren praktischen Möglichkeiten von Bedingungen bestimmt werden, von denen sie beherrscht und überwältigt werden“ (ebd.). Das heißt, dass „die historische Analyse des wissenschaftlichen Diskurses letzten Endes Gegenstand nicht einer Theorie des wissenschaftlichen Subjekts, sondern vielmehr einer Theorie diskursiver Praxis ist“ (ebd.).

3. Die Archäologie des Wissens

Die ‚Archäologie des Wissens’[8] entstand als methodologische Reflexion der wissenschaftstheoretischen Untersuchung ‚Ordnung der Dinge’. Auch in diesem Punkt werde ich, auf der Grundlage von Foucaults AW und Matthias Frickes Dissertation „Empirische Diskursanalyse nach Foucault“[9], versuchen, mich einem anwendbaren Analyseinstrument für Person und Werk Max Webers im Revolutionswinter 1918/19 anzunähern. In der AW rückt Foucault von dem historischen a priori des Vorhandenseins einer Gesamtheit in einer Epoche gültigen wissenschaftstheoretischen Regeln ab und wendet sich vollends dem Konzept der Diskursanalyse zu. Foucaults diskurstheoretischen Vorstellungen seien im Folgenden nahe an seinem Werk (AW) erläutert.

i. Grundzüge der Diskurstheorie

Ausgangspunkt für die Konzeption einer neuen Diskurstheorie ist das Ablehnen der herkömmlichen Voraussetzungen des Betreibens der Ideengeschichte[10], als da wären die drei herkömmlichen Kontinuitäten wissenschaftlicher Erkenntnis in Bezug auf deren sprachliche Verfasstheit: erstens die materielle Einheit des Buches, zweitens die Einheit eines Autors und drittens der geheime Ursprung des Gesagten, sprich eine Teleologie, wonach sich jede Aussage auf eine schon davor gemachte bezieht (38f.)[11]. Um jedoch an den essentiellen Inhalt[12] von Aussagen heranzukommen, schlägt Foucault zwei Fragen vor, die über die herkömmlich linguistische - „Gemäß welchen Regeln ist eine bestimmte Aussage konstruiert worden und folglich gemäß welchen Regeln können andere ähnliche Aussagen konstruiert werden?“ (42) – und die herkömmlich hermeneutische - „Was wurde in dem, was gesagt worden ist, wirklich gesagt?“[13] – hinausgehen. Foucault formuliert die Fragen um. Zur Linguistik: „Die Beschreibung der diskursiven Ereignisse stellt eine völlig andere Frage: wie kommt es, dass eine bestimmte Aussage erschienen ist und keine andere an ihrer Stelle?“ (42). Und zur Hermeneutik: „Was ist das also für eine sonderbare Existenz, die in dem ans Licht kommt, was gesagt wird, - und nirgendwo sonst?“ (43)

An diese drei Fragen knüpft Foucault drei Erwartungen: Erstens soll eine Aussage durch eine Besonderheit, ein zufälliges, plötzlich eingetretenes und unvorhergesehenes Ereignis wiedergegeben werden. (43f) Zweitens sollen Beziehungen zwischen Aussagen beschrieben werden, um sie als Spiel sichtbar zu machen. (43f) Drittens sollen Einheiten beschrieben werden, die weder natürlich noch unmittelbar, noch universell sind.

Diese drei Erwartungen werden durch vier Hypothesen zur Präzisierung ergänzt, die er sämtlich falsifiziert:

Die erste Hypothese bringt ihn zu dem Schluss, dass eine „Gesamtheit von Aussagen (...) weit davon entfernt (ist), sich auf ein einziges Objekt zu beziehen, das ein für allemal gebildet ist, und es unbeschränkt als ihren Horizont unerschöpflicher Idealität zu bewahren;“ (49) Ein Spiel der Regeln bestimmt dabei die Transformation der Objekte. Paradoxer Weise „bestünde die Definition einer Gesamtheit von Aussagen in dem, was sie an Individuellem hat, darin, die Dispersion dieser Objekte zu beschreiben, alle Zwischenräume zu erfassen, die sie trennen, die Abstände zu messen, die zwischen ihnen bestehen – mit anderen Worten darin, ihr Verteilungsgesetz zu formulieren.“ (51)

Die zweite Hypothese veranlasst ihn zu erkennen, dass nicht Form und Typ der Verkettung von Aussagen die Einheit eines Diskurses darstellen können. Eher muss die Koexistenz von heterogenen Aussagen charakterisiert und individualisiert werden, „das System, das ihre Verteilung beherrscht, die Stütze, die sie sich gegenseitig bieten, die Weise, wie sie sich implizieren oder ausschließen, die Transformation, der sie unterliegen, den Mechanismus, wie sie sich abwechseln, sich anordnen und sich ersetzen (53).

Drittens geht er davon aus, dass eine diskursive Einheit nicht „in der Kohärenz der Begriffe, sondern in ihrem gleichzeitigen oder sukzessiven Auftauchen, in ihrem Abstand, in der sie trennenden Distanz und eventuell in ihrer Inkompatibilität (...)“ zu finden ist. (ebd.)

Viertens rückt er auch von der letzten Hypothese der „Identität und Hartnäckigkeit der Themen“ ab, „um die Aussagen neu zu gruppieren, ihre Verkettung zu beschreiben und von den unitären Formen zu berichten, in denen sie sich präsentieren“ (54). Hier erscheint es Foucault aber gerade wichtig, auch die thematischen „Verstreuungen“ (56) einer Wissenschaft zum Vorschein zu bringen. Die Verstreuung der zur Wahl stehenden Punkte und das damit einhergehende Feld strategischer Möglichkeiten[14] soll die Permanenz der Themen, der Meinungen der Bilder durch die Zeit hindurch und die Nachzeichnung der Dialektik der Konflikte ablösen (56).

Die Korrektur der vier ursprünglichen Thesen, (die hier im Wesentlichen nur in korrigierter Form wiedergegeben sind), sollen das „Moment der Verstreuung“ erfassen,und zwar der Objekte (Hypothese 1), der jeweiligen Charakterisierungen von Äußerungen (Hypothese 2), der Begriffe (Hypothese 3) sowie der thematischen Schwerpunkte (Hypothese 4).[15]

Ziel Foucaults ist es weiterhin, eine Einheit des Diskurses, und damit letztendlich einzelner Aussagen zu beschreiben. Er fragt, worauf sich diese Einheit begründen kann und sieht sie in ‚ Systemen der Streuung’ (58), von denen ähnliche wiederum eine diskursive Formation bilden. Er will demnach ‚Verstreuungen’ (57) beschreiben, d.h. Formen der Verteilung untersuchen. So definiert er: „In dem Fall, wo man in einer bestimmten Zahl von Aussagen ein ähnliches System der Streuung beschreiben könnte, in dem Fall, in dem man bei den Objekten, den Typen der Äußerung, den Begriffen, den thematischen Entscheidungen eine Regelmäßigkeit (eine Ordnung, Korrelationen, Positionen und Abläufe, Transformationen) definieren könnte, wird man übereinstimmend sagen, dass man es mit einer diskursiven Formation zu tun hat (...)“ (58). Die Bedingungen, denen diese Elemente der Verteilung unterworfen sind (Gegenstände, Äußerungsmodalität, Begriffen thematische Wahl), werden Formationsregeln genannt. Sie sind „Existenzbedingungen (aber auch Bedingungen der Koexistenz, der Aufrechterhaltung, der Modifizierung und des Verschwindens) in einer gegebenen diskursiven Verteilung“ (ebd.).

[...]


[1] Die Klammerangaben enthalten die Verszahlen aus: Goethe, Johann Wolfgang 1987: Urfaust. Frankfurt/M.

[2] So Faust selbst über Wagner, in: ebd., 8

[3] Hervorhebung: D.S.

[4] Foucault, Michel 1981: Archäologie des Wissens, Frankfurt/M.

[5] Foucault, Michel 1974: Die Ordnung der Dinge, Frankfurt/M.

[6] Die Kursivierungen sind von mir subjektiv gesetzt und sollen mir einen Überblick über die für die Konstruktion des Analyseinstruments ausschlaggebenden Kategorien verschaffen.

[7] Die Klammerangaben in Kapitel I.2 Beziehen sich auf die Seitenzahlen von Foucault: 1974, a.a.O.

[8] Im Folgenden: AW

[9] Fricke, Matthias 1999: Empirische Diskursanalyse nach Foucault. Diskussion neuerer Foucault-basierter Verfahren der Diskursanalyse anhand von empirischen Analysen von Printmedientexten, Di ss., Universität Oldenburg;

Ich habe mich für Matthias Frickes Dissertation entschieden, da er bei seinem Versuch, Foucaults Diskurstheorie zu einem empirisch messenden Analyseinstrument umzubauen, auf den reinen analytischen Rahmen der Foucaultschen Theorie angewiesen ist.

[10] Dazu Foucaults eigener Anspruch in der Einleitung zur AW nach Luis Althusser: „Schließlich sind zweifellos die radikalsten Skansionen die durch eine theoretische Transformationsarbeit vollzogenen Einschnitte, wenn sie ‚eine Wissenschaft begründet, indem sie sie von der Ideologie ihrer Vergangenheit löst und diese Vergangenheit als ideologisch nachweist“. Foucault: 1981, 12

[11] Die Klammerangaben im Kapitel I.3 enthalten die Seitenzahlen aus Foucault: 1981, a.a.O.

[12] Schwammiger Begriff, noch dazu hermeneutisch aufgeladen. Es fallen mir Begriffe wie ‚Wahrheit’ oder ‚Geist einer Zeit’ ein, die jedoch alle nur partielle Gültigkeit besitzen und ebenfalls bestimmte theoretische Hintergründe implizieren. Am klarsten zeigt vielleicht noch die systemtheoretisch-technische Terminologie einer binären Codierung des Wissenschaftssystems in wahr und falsch die Richtung auf, in die es gehen soll: die Wahre natürlich. Wahres und Falsches ist ja nach wie vor zeitabhängig; über „rücklaufende Neueinteilungen“ spricht auch Foucault. So „ordnen sich die historischen Beschreibungen notwendig nach der Aktualität des Wissens, vervielfachen sie sich mit seinen Transformationen und hören ihrerseits nicht auf mit sich selbst zu brechen (...).“ vgl.: Foucault 1981: a.a.O., 11f.

[13] Fricke, a.a.O., 11

[14] Mit strategischen Möglichkeiten sind gemeint: Themen wiederzubeleben, entgegengesetzte Strategien hervorzurufen, unvereinbaren Interessen einen Platz einzuräumen u.a. (56)

[15] vgl. Fricke, a.a.O., 14

Details

Seiten
44
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638168205
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v10378
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Sozialwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Max Weber Hugo Preuss Michel Foucault Diskursanalyse Die Ordnung der Dinge Archäologie des Wissens Weimar Nationalversammlung Faust Hermeneutik diskursive Beziehungen Zeittafel

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Titel: Max Weber und der verfassungspolitische Diskurs 1918/19: Eine diskurstheretische Analyse in Anlehnung an Michel Foucaults Diskursanalyse