Lade Inhalt...

Chancen und Risiken von Application Service Providing

Seminararbeit 2001 15 Seiten

Informatik - Wirtschaftsinformatik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Begriffsbestimmung und Einführung

Entstehung des Application Service Providing aus dem klassischen Outsourcing (Outside Resource Using)

Chancen und Risiken des Application Service Providing aus Käufersicht
Vorteile von ASP bei Kundenunternehmen
Nachteile von ASP bei Kundenunternehmens

Chancen und Risiken von ASP-Lösungen aus Sicht des Provider
Vorteile von ASP seitens der Provider
Nachteile von ASP seitens der Provider

Application Service Providing bei Content Management Systemen

Ausblick und Fazit

Glossar und Abkürzungsverzeichnis

Literatur- und Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Diese wissenschaftliche Arbeit behandelt das Thema „Chancen und Risiken des Application Service Providing (ASP)“

Nach einer Begriffsbestimmung werden die Entwicklung und die Grundidee des ASP betrachtet. Die Chancen und Risiken von ASP-Lösungen werden aus Sicht potentieller Kunden und Anbieter dargelegt. Nach einer allgemeinen Betrachtung, soll anhand des speziellen Marktes der Content Management Systeme (CMS) die Problematik beleuchtet werden.

Abschließend soll ein Fazit gezogen und ein Ausblick auf die Zukunft geworfen werden, welche Entwicklungsmöglichkeit der noch recht junge Markt des ASP haben kann und aus Sicht der Marktanalysten haben wird.

Besonders bedanken möchte ich mich bei Dr. Johanna Bertsch, bei der Universitätsbibliothek Siegen und bei den Betreibern des Internetportals www.applicationserviceproviding.de, ohne die ich diese Arbeit nicht hätte realisieren können.

Andreas Meyer, Juni / Juli 2001

Begriffsbestimmung und Einführung

Um die verschiedenen Abkürzungen und Fachbegriffe abzugrenzen, soll im Folgenden eine Begriffsbestimmung durchgeführt werden.

Unter Application Service Providing (ASP) versteht man, dass sich Software nicht mehr auf einem lokalen Rechner befindet, sondern dass diese Software über ein Netzwerk zur Verfügung gestellt wird. Diese Netzwerke können zum Beispiel ein firmeninternes Intra- / Extranet oder das Internet sein. Daten werden nicht mehr lokal gespeichert, sondern zentral auf einem Server abgelegt. Neben der Bereitstellung der Applikationen übernimmt der Application Service Provider (ASProvider) die Pflege, die Wartung und die Bereitstellung der Soft- und der Hardware. Unter Application Service Providing versteht die Gartner Group die „Lieferung von standardisierten Anwendungen über das Netzwerk, vorzugsweise das Internet, durch einen Dienstleister (ASP), mit benutzer- und transaktionsabhängigen Abrechnungsmodell.“1 Eigentümer der Software bleibt der ASProvider, sein Kunde mietet die Software.

Man unterscheidet gemeinhin zwei verschiedene Arten des ASP:

- ServerBased ASP: „Der Anwender von ASP-Produkten, die auf dieser Technik basieren, lädt sich bei der Benutzung ein kleines Programm (Client) herunter. Mittels dieses Plug-Ins lassen sich Anwendungen, die auf Servern laufen, vom jeweiligen Arbeitsplatz starten.“2
- ClientBased ASP: „Wird diese Technik verwendet, ist die Installation eines Clients nicht nötig. Diese Anwendungen sind im Internetbrowser lauffähig.“3

ASP-Lösungen findet man derzeit besonders häufig bei Anwendungen, die entweder netzbasiert arbeiten oder aber besonders hohe Anforderungen an die Hardware stellen. Im Bereich der Office-Software und der Grafikanwendungen findet man ASP-Lösungen eher selten. Dies liegt einerseits an der hohen Verbreitung von Microsoft-Produkten im Office-Bereich, die eine zwingend eine Installation auf den jeweiligen Arbeitsplatzrechnern erfordern, andererseits an den zur Zeit eingeschränkten Leitungsgeschwindigkeiten, die die Benutzung von Grafiksoftware clientunabhängig fast unmöglich machen. Ein befriedigende Geschwindigkeit ist hier derzeit noch nicht gegeben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: CherryTree&Co

Application Service Providing ist nur unter gewissen Voraussetzungen sinnvoll einsetzbar, wie folgende Grafik verdeutlicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: CherryTree & Co.

Abgerechnet werden die Kosten von ASP-Lösungen zumeist auf zwei verschiedene Weisen. Entweder zahlt der Kunde eine monatliche „Miete“ für die Softwarelizenz (Application on Demand) oder es wird über nutzerabhängige Transaktionen abgerechnet (pay as you go). Basis der Berechnung ist in den meisten Fällen die Anzahl der User, die mit der Applikation arbeiten sollen.

Entstehung des Application Service Providing aus dem klassischen Outsourcing (Outside Resource Using)

Die Einsparung von Kosten ist schon immer eines der Ziele vieler Unternehmen. In jedem Bereich eines Unternehmens wird auf effizientes Arbeiten und ein kostenbewusster Umgang mit Ressourcen Wert gelegt.

Bereits Anfang der 50er Jahre wurde in deutschen Unternehmen der Begriff der Ausgliederung geprägt. Waren oder Dienstleistungen, die bisher im Unternehmen selbst produziert wurden, wurden an andere Unternehmungen abgegeben, um Kosten zu sparen. „Ganz allgemein war häufig der Fixkosten-Druck großer Unternehmen der Grund dafür, über Outsourcing nachzudenken. Festgefahrene Gehaltsstrukturen, die z.B. das Einstellen hochbezahlter EDV-Spezialisten nicht zuließen, oder ganz einfach Personalmangel. Vielfach, und dies in letzter Zeit häufiger, tritt das Argument des Sichbesinnens auf das Kerngeschäft in den Vordergrund.“4

Im IT-Bereich wurde ganz massiv Outsourcing betrieben, da EDV-Spezialisten selten und damit teuer waren. Das IT-Outsourcing unterscheidet man allgemein in vier Bereiche:

- Professional Services: „Mit zunehmender Bedeutung der Informationsverarbeitung für die Unternehmen entwickelte sich zum Zeitpunkt der Unbundling-Politik der Hersteller [...] das Segment Professional Services.“5 Im Professional Service werden Mitarbeiter verliehen, EDV-Beratungen durchgeführt oder Anwendungen programmiert. Der Vorteil besteht darin, dass EDV-Spezialisten nicht mehr im Auftragsunternehmen fest angestellt sind und dadurch Kosten minimiert werden können. Die Laufzeit von Professional Services Projekten beträgt typischerweise ein bis zwei Jahre.
- System-Integration: „Mit der Entstehung von komplexen Systemen, etwa beginnend mit der verteilen Verarbeitung, entstand das Segment SystemIntegration.“6 Verschiedene proprietäre Plattformen mussten miteinander verbunden werden. Mit der Lösung dieser Probleme wurden im amerikanischen Markt vielfach externe Firmen mit Erfahrung auf diesem Segment beauftragt. Projekte der Systemintegration haben meist einen Zeitraum von zwei bis fünf Jahren.
- Rechenzentrums-Dienstleistungen(RZ-Dienstleistungen): „Recht früh schon haben sich selbständige Rechenzentren in Deutschland entwickelt, [...], die Rechenzentrums-Dienstleistungen bereits in den 60er Jahren angeboten haben. Damals ging es häufig um Batch-Verarbeitungen für Lohn und Gehalt, für Buchhaltung, usw.“7 Obwohl dieser Marktzweig schon totgesagt wurde, befindet er sich momentan wieder in einer Renaissance. RZ-Dientsleistungen umfassen vielfach fünf bis sieben Jahre.
- Facilities Management: „Facilities Management kennzeichnet ein Vertragsverhältnis, bei dem der Anbieter die Verantwortung für die gesamte Datenverarbeitung, bzw. für Teilbereiche der Informationsverarbeitung, eines Kunden übernimmt. Üblicherweise auch in der Form der Übernahme der Generalunternehmerschaft.“8

Das Application Service Providing entwickelte sich aus dem klassischen Outsourcing. Beim ASP werden nicht mehr nur die Dienstleistungen „outgesourct“, sondern auch die benutzte Software, sofern sie nicht zwingend lokal gespeichert werden muss. Applikationen liegen zentral auf einem Server und werden von den verschiedenen Arbeitsplatzrechnern über ein Netzwerk abgerufen und benutzt. Meist werden diese Applikationen mit Hilfe von Browsern oder Software-spezifischen Oberflächen verwendet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: CherryTree & Co.

Viele verschiedene Faktoren spielen bei der Entwicklung des ASP-Marktes eine Rolle. Neben dem immer stärker werdenden Drang nach Globalisierung und schneller Reaktion möchten Unternehmen trotz allem nicht zu sehr technikabhängig sein. Dies äußert sich in der vielfach fehlenden Bereitschaft, die sich immer schneller entwickelnde Hardware den neuesten Anforderungen anzupassen. Um Kosten zu sparen, verzichtet man so lange wie möglich auf neue Software. Das führt dazu, dass dann bei einer Neuanschaffung der Schulungsaufwand und die Kosten für neue Hardware stark ansteigen.

Ein weiteres Argument für ASP ist die Anschaffung der Software. Werden Applikationen nur selten verwendet, ist es in den Augen vieler nicht nötig, diese Applikation anzuschaffen. Durch die Abrechnungsmodelle des Application Service Providing ist nun auch Software erschwinglich, die nur selten oder in geringem Maße verwendet wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: CherryTree & Co.

Dieser, noch recht junge Markt konnte allerdings nur durch die immer weitere und schnellere Verbreitung des Internets, durch die Entwicklung immer schnellerer Telefonverbindungen und der daraus folgenden Senkung der Telefonkosten und durch die Weiterentwicklung der Software entstehen. Eine Benutzung von Anwendungen über ein Netzwerk ist mit der heutigen Technik kein Problem mehr. Große Provider wie Compaq erwirtschaften mehr als 15% des Umsatzes mit Application Service Providing.

Chancen und Risiken des Application Service Providing aus Käufersicht

Vorteile von ASP bei Kundenunternehmen

Für potentielle Kunden von ASP-Lösungen ist von besonderem Interesse, in welcher Zeit welche Kosten eingespart werden können.

Application Service Providing bietet hier eine Vielzahl von Möglichkeiten.

Meist wird eine Softwarelizenz nicht mehr durch den Kunden erworben, sondern durch den Application Service Provider vermietet. Damit lassen sich die Kosten konstant kalkulieren und kontrollieren.

Durch die Verfügbarkeit der Softwarelösungen auf einem zentralen Server benötigt man für die einzelnen Arbeitsplätze lediglich einen Standardrechner mit rudimentären Installationen wie beispielsweise einem Browser oder anderen Eingabemöglichkeiten, um mit diesen Applikationen zu arbeiten. Dies hat den Vorteil, dass es bei den Arbeitsplatzrechnern weniger Administrations- und Pflegeaufwand gibt. Nicht nur bei den Arbeitsplätzen lässt sich der Pflegeaufwand reduzieren, sondern auch auf der Serverseite. Da die Software nur noch auf einem Rechner liegt, braucht sie auch nur einmal gepflegt oder geupdatet werden. Dies spart nicht nur Zeit, sondern auch Personal, da die Pflege und Administration hauptsächlich auf den Schultern des Application Service Providers liegt.

Wenn neue Anwendungen angeschafft werden sollen, geht dies derzeit häufig nur mit der gleichzeitigen Anschaffung von teurer und kostenintensiver Hardware oder mit der Aufrüstung der vorhandenen Hardware. Sind diese Anwendungen allerdings Serverbasiert bei einem externen Provider so fallen diese Hardwareinvestitionen weg. Durch die sehr hohe Entwicklungsgeschwindigkeit der Hardware, ist die Alterungsgeschwindigkeit entsprechend rasant.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Lichtendonk Studie zum Thema ASP

In: Executive Summary auf www.asp-information.de

„Komplexe und teuere Softwarelösungen, wie CRM (Customer Relationship Management) und SCM (Supply Chain Management) ist durch ASP auch für kleine und mittelständische Unternehmen erschwinglich.“10 Nicht nur KMU können durch ASP Kosten sparen, auch für Großkonzerne wird der zu betreibende Investitionsaufwand minimiert.

Bei Einsatz von ASP-Lösungen wird der Implementationsaufwand der Software drastisch reduziert. Ein schnellerer Einsatz der Anwendungen wird gewährleistet und der Supportaufwand sinkt. Die angestellten IT-Spezialisten können sich auf Ihre Kernkompetenzen konzentrieren und brauchen sich für die eingesetzten Anwendungen nicht mehr als grundlegendes Know-how anzueignen, denn die Spezialisten für die Software sind beim ASProvider zu finden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass durch die Nutzung von ASP-Lösungen die Kosten für den Einsatz von Software laut einer Studie der Meta Group um 30-50% reduziert werden können.11

Nachteile von ASP bei Kundenunternehmens

Den genannten Vorteilen stehen auch eine Vielzahl von Nachteilen gegenüber.

Viele der Anwendungen werden über Netzwerke abgerufen, die über normale

Telefonleitungen auf den Applikationsserver zugreifen. Sind diese Leitungen überlastet oder defekt, kann auf den Server und damit auf die Software nicht mehr zugegriffen werden. Nicht nur die Leitungen, sondern auch der oder die Server bilden einen Flaschenhals, der nicht unterschätzt werden darf. Durch Wartungs- und Updatearbeiten oder durch einen Hardwareausfall sind die Applikationen nicht mehr verfügbar. Ist es im besten Falle nur unmöglich, mit der Anwendung zu arbeiten, kann es im worst case zu einem kompletten Datenverlust führen.

Datensicherheit ist ein Thema, mit dem sich ASP-Interessenten ausgiebig beschäftigen müssen. Ist es sicher und wünschenswert, interne und eventuell auch sensible Daten extern zu sichern? Ist dies überhaupt rechtlich abgesichert? Und wie sicher sind die Leitungen, die zum Server führen? Viele Fragen, auf die interessierte Unternehmen Antworten suchen. Mit dem heutigen Stand der Technik ist eine wirklich sichere Verschlüsselung der Übertragungswege noch nicht gewährleistet. Geübte „Hacker“ haben trotz allem immer noch die Möglichkeit, in Firmennetzwerke oder Internetleitungen einzudringen. Diese Punkte sind aber nur dann für die Entscheidung relevant, wenn externe Server oder eben Internetleitungen verwendet werden. Gerade bei großen Unternehmen ist dies aber nicht der Fall. Ein internes Firmennetzwerk ist ebenso vorhanden wie entsprechende Hardware. Aus diesem Grund werden bei solchen Konzernen ASP- Lösungen zwar eingesetzt, aber die Anwendung wird auf einem eigenen Server, der im Unternehmen positioniert ist, implementiert. Die Datensicherung erfolgt zentral. Durch die Abgeschlossenheit nach außen hin, können diese Daten sicher verwahrt werden.

Weitere Risiken verbergen sich im Bereich des Supports und der Abrechnung. Holger Rethmeier (Satisfactory AG) fasst die Risiken in folgender Grafik zusammen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Satisfactory, 2000

Interessantester Punkt in Rethmeier’s Liste ist die letzte Anmerkung, dass nicht alle ASProvider die Voraussetzungen zu Unterstützung eines Full-Life-Cycles der Anwendungen erfüllen und bieten können. Unter einem Life-Cycle versteht man das „Leben“ einer Applikation vom Entwurf bis hin zur Implementierung und Verbesserung. Dieser Ablauf wird im allgemeinen in einem Kreis dargestellt. Da der Großteil der im Markt befindlichen ASProvider kleinere Agenturen und Reseller sind, haben sie nicht die Möglichkeit, diesen Life-Cycle zu bieten. Die Beschäftigten sind vielleicht Spezialisten im Support, eventuell fehlen ihnen aber die Kenntnisse oder die Rechte und Möglichkeiten, aufgetretene Fehler zu korrigieren und neue Versionen zu entwickeln.

Um Kosten zu sparen, werden Applikationen standardisiert und vorkonfiguriert von den ASP angeboten. In den meisten Fällen mag das ausreichend sein, aber ein Großteil der Unternehmen haben spezielle Anforderungen an die Software. Diese Anforderungen können von vorkonfigurierten und standardisierten Paketen nicht oder nur wenig erfüllt werden. Möchten diese Unternehmen nun doch ASP- Lösungen einsetzten, fällt ein nicht unerheblicher Customizing-Aufwand an, um die Applikationen auf den jeweiligen Kunden „zuzuschneidern“.

Chancen und Risiken von ASP-Lösungen aus Sicht des Provider

Vorteile von ASP seitens der Provider

Warum bieten Firmen Ihre oder fremde Software als ASP-Lösung an? Viele hochwertige Applikationen sind in der Anschaffung, in der Wartung und in der Implementierung teuer und aufwendig. Durch das Angebot von ASP haben die Softwarehersteller oder Reseller zum einem die Möglichkeit, Ihre Produkte auf eigenen Servern zu implementieren, zu warten und zu pflegen. Der Aufwand wird drastisch reduziert und dadurch Kosten gesenkt. Zum anderen wird durch ASP auch kleine und mittlere Unternehmen als Zielgruppe für hochwertige Applikationen erschlossen. Diese KMU machen ca. 70% des Marktvolumens aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: sinn-consultinmg, Nov. 99

Durch eine monatliche Abrechnung der vermieteten Software tritt eine gewisse Planungssicherheit auf. Der Provider braucht nicht mehr mit den einmaligen Zahlungen zu rechnen, sondern hat teilweise über mehrere Jahre sichere Zahlungen. Das unternehmerische Risiko wird dadurch entscheidend minimiert.

Da viele Provider nur einige wenige Softwarepakete als ASP anbieten, können sich hier die EDV-Spezialisten auf die Pflege und eventuell Weiterentwicklung der Applikationen konzentrieren. Der ASProvider hat meist eine kleine, aber auf die verschiedenen Applikationen spezialisierte Belegschaft.

Der Großteil der ASP-Lösungen ist auf Servern implementiert, die beim Provider beheimatet sind. Dies hat den großen Vorteil, dass die Hardwarevoraussetzungen optimal auf die jeweiligen Applikationen abgestimmt sind.

Normalerweise werden bei Erwerb einer Software Lizenzen gekauft. Beim Application Service Providing bleibt der Provider im Besitz der Lizenzen und vermietet diese an den Kunden. Die Lizenzbestimmung der Software können damit genau nachvollzogen werden und der Softwarepiraterie wird entgegen gewirkt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: CherryTree & Co.

Nachteile von ASP seitens der Provider

Auch Provider müssen sich der Risiken, die im ASP verborgen sind, bewusst werden. Hat bei einem normalen Softwaregeschäft das Kundenunternehmen das Risiko der Hardware- und Softwareanschaffung, so wird dieses bei ASP-Lösungen auf den Provider abgewälzt. Der Provider ist in der Pflicht, die teure Hardware anzuschaffen und zu warten. Ist der Provider fest im Markt und hat einen gewissen Kundenstamm, so lässt sich dieses Risiko minimieren, die anfallenden Kosten werden (hoffentlich) durch die eingehenden Zahlungen gedeckt, aber gerade der Markteinstieg kann sehr teuer werden. Die entsprechende Hardware und Infrastruktur muss angeschafft und unterhalten werden. Ist die Software nicht selber vom eigenen Unternehmen entwickelt, so muss Know-how aufgebaut werden. Dies alles kostet sehr viel Geld und stellt ein beträchtliches Risiko dar. Als Provider ASP-Lösungen anzubieten, macht erst ab einer bestimmten Größe und einem bestimmten Kundenstamm wirklich Sinn.

Hat man als ASProvider keinen großen Namen, die meisten Provider sind noch recht kleine, unbekannte Unternehmen, kann die Marktpenetration sehr schwer werden. Die Provider wie SAP und Compaq haben es, durch eine schon vorhandene Verstriebsstruktur, durch einen festen Kundenstamm und dadurch über Referenzen, deutlich einfacher, ASP-Lösungen anzubieten und auch gewinnbringend zu wirtschaften.

Application Service Providing bei Content Management Systemen

Content Management Systeme (CMS) sind webbasierte Werkzeuge, mit denen ohne Programmierkenntnisse ein professioneller Webauftritt gepflegt werden kann. Da diese Systeme webbasiert sind, ist eine Clientinstallation, abgesehen von Standardbrowsern, meist nicht notwendig. Deshalb eignen sich CMS im Grunde sehr gut für Application Service Providing. ASP-Lösungen werden in diesem Markt sehr häufig nachgefragt, da viele Unternehmen ihre Websites auf externen Servern betreiben und auf diesen Servern auch das CMS implementiert wissen wollen. Vielfach möchtem die Kunden einen umfassenden Service. Der CMS-Hersteller soll den Webspace auf eigenen Servern und das Content Management System bereitstellen und das Customizing, sprich das Design der Seite übernehmen.

DerVorteil ist offenkundig. Der Kunde braucht sich nicht um einen eigenen Server zu kümmern, der Hersteller kann ein geeignetes Gerät zur Verfügung stellen. Das Know-how ist beim Hersteller vorhanden und das Customizing wird von erfahrenen Mitarbeitern des CMS-Herstellers übernommen. Eine solche Vorgehensweise spart sehr viel Zeit und Geld.

ASP bieten eine Vielzahl der mittlerweile über 100 CMS-Anbieter an. Obwohl die Wartung und die Pflege der Software auf Grund ihrer Komplexität zumeist eh von den CMS-Herstellern übernommen wird, ist der ASP-Gedanke recht weit verbreitet, da eine Verbindung zwischen Serverhousing, Application Service Providing und Pflegevertrag für Websites seitens der Kunden gewünscht wird, obwohl dies von manchen Anbietern nicht ausdrücklich angeboten wird und in den seltensten Fällen problemlos geliefert werden kann. Die Abrechnung erfolgt zum größten Teil über eine monatliche Mietrate, die auf den verschiedensten Lizenzierungsmodellen basiert, da „pay as you go“ in diesem Markt nicht praktikabel ist.

Größtes Problem von ASP aus der Sicht der Hersteller ist hier der noch recht neue Markt der „New Economy“. Viele Unternehmen übernehmen sich finanziell, um sich im Markt zu konsolidieren. Vielfach schlägt dieser Versuch fehl und das betreffende Unternehmen wird insolvent. Da auch der Großteil der CMS- Hersteller kleinere Betriebe sind, wird die Insolvenz eines größeren Kunden schnell zum Problem, da dann die monatlichen Zahlungen ausbleiben und so die eigene Solvenz darunter leidet.

Die Siegener InterRed GmbH, die zu den technologisch führenden Anbietern von Content Management Lösungen in Deutschland gehört, hat sich prinzipiell gegen das ASP entschieden. Da der Aufwand der Pflege und des Hostings des Systems und die Bereitstellung der geeigneten Hardware in keiner Relation zum Ertrag steht, hat man beschlossen, das CMS InterRed nur noch zu verkaufen. Allerdings gibt es dort die Möglichkeit, über Partnerfirmen das CMS zu „mieten“. Da die meisten Partner Webagenturen sind, die Serverhosting für ihre Kunden anbieten, lässt sich über diesen Weg „alles aus einer Hand“ anbieten. Es entsteht eine Situation, in der alle drei Parteien (der CMS-Anbieter, die Partneragentur und der Endkunde) zufrieden sein können. Der CMS-Anbieter verkauft sein System, hat außer einer Schulung keinen weiteren nennenswerten Aufwand, die Partneragentur kann ihren Kunden ein ausgereiftes System anbieten, gewinnt dadurch neue Kunden und stellt bestehende zufrieden und der Endkunde arbeitet entweder mit einer Agentur zusammen, mit der er schon gearbeitet hat oder die ortsansässig ist, so dass kurze Wege entstehen und die Kommunikation verbessert wird.

Ausblick und Fazit

Der Markt des Application Service Providing ist ein sehr junger Markt. Viele Analysten und Marktforscher bescheinigen dieser Sparte eine rosige Zukunft und enorme Zuwachsraten. Marktforschungsinstitute wie die Gartner Group oder Durlacher Research erwarten ein Marktvolumen im Bereich von bis zu 3 Milliarden US-Dollar im Jahre 2004. Diese Zuwachsraten können allerdings nur erreicht werden, wenn die entsprechende Klientel gefunden wird und diese von den Vorteilen von ASP-Lösungen überzeugt werden können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Meta Group, Computer Reseller News 41/2000

Durch die immer weitere Verbreitung des Internets und die wachsende Akzeptanz eines vernetzten Unternehmens ist es sicherlich möglich, einen Großteil der täglichen Arbeit netzbasiert zu erledigen.

Eine weitere Voraussetzung der Marktentwicklung wird die Entwicklung netzbasierter Applikationen sein. Obwohl diese Funktion in vielen Anwendungen bereits berücksichtigt wird, ist sie entweder kein Standardfeature oder wird derzeit noch stiefmütterlich behandelt.

Die Verfügbarkeit stellt zwar derzeit teilweise noch ein Problem dar, allerdings ist durch die derzeitige schnelle Entwicklung damit zu rechnen, dass in naher Zukunft dieses Problem gelöst wird.

Größtes Manko des ASP ist und bleibt der Umgang mit den zu verarbeitenden Daten. Wird hier keine allgemein akzeptable Lösung gefunden, wird sich im Bereich der Business-Software, die hochsensible Daten verarbeitet, das ASPPrinzip nicht durchsetzen.

Gelingt es, die Übertragung von Daten via Internet oder anderen digitalen Übertragungswegen wasserdicht zu sichern, so steht dem ASP noch eine „goldene Zukunft“ bevor.

Obwohl viele Kenner des Marktes derzeit von einem zweistelligen Wachstum sprechen, sollte doch eine gewisse Skeptik bleiben. Sind es zur Zeit vielleicht nur wenige Provider, die im Markt präsent sind, wird es in wenigen Jahren oder gar Monaten zu einer wahren Providerflut kommen. Die Provider müssen sich entscheiden, ob sie „guten oder billigen“ Support leisten möchten, denn nicht nur durch die Software werden Provider im Markt bleiben können, sondern durch die Verbindung von Applikationen und Support. Unternehmen, die hochwertige Applikationen einsetzen erwarten umfangreiche Unterstützung, sind aber auch bereit, dafür gut zu bezahlen. Selbstverständlich wird bei Standardprodukten kein dermaßen intensiver Support benötigt und folglich auch nicht angeboten. Die Provider stehen vor der Wahl, ob sie in den hochwertigen Bereich einsteigen oder sich auf den Standardsektor konzentrieren. Beides zugleich werden wohl nur die größten Prov ider leisten können.

Gerade für die großen ASProvider wie z.B. SAP, die ihre eigene standardisierte Software anbieten, wird im ASP-Markt ein enormes Potential liegen, denn dort stimmen die Voraussetzungen. Die Unternehmen haben in der IT-Landschaft einen guten Namen, haben einen festen Kundenstamm und sind in der Lage, auch große Projekte zu realisieren. In diesen Fällen wird es für Kunden und Provider eine „Win-Win“-Situation geben, denn das Kundenunternehmen spart die Kosten in der Anschaffung und der Provider kann auch Kunden gewinnen, die er sonst nie erreichen würde.

Langfristig werden aber wohl nur die ca. zehn größten Anbieter übrig bleiben.

Entscheidend für das Überleben wird zum einen der Kundenstamm, aber auch die Entwicklungsfreude und Flexibilität sein, denn ein hohes Maß an Flexibilität ist in der IT-Branche eine Lebensversicherung.

Glossar und Abkürzungsverzeichnis

Applikationsserver: Server, auf dem die Applikationen installiert werden

ASP: Application Service Providing

ASProvider: Application Service Provider

ASP-Lösungen: Anwendungen, die zentral auf Servern installiert werden

Client: Arbeitsplatzrechner

CMS: Content Management System(e), Redaktionssystem

Customizing: Anpassung von Software auf spezielle Anforderungen

Hosting: Bereitstellen und Wartung von Servern

Outsourcing: Outside Ressource Using

Literatur- und Abbildungsverzeichnis

Green, Kevin, Henderson, David; “Application Service Providers” - New York, CherryTree & Co. 1999

Green, Kevin, Henderson, David; „2nd Generation ASP’s Spotlight Report“ - New York, CherryTree & Co., 2000

Köhler-Frost, Wilfried (Hrsg.); Outsourcing: Eine strategische Allianz besonderen Typs - Berlin, Erich Schmidt Verlag, 1993

Rethmeier, Holger; Präsentation Satisfactory 2000. Hannover Messe 2000

Wendland, Richard; „Application Service Providers - A Durlacher Research - Durclacher Research, London 1999

www.applicationserviceproviders.de (Stand: 2001-06-26)

www.applicationserviceproviding.de (Stand: 2001-06-26)

www.aspconnection.com (Stand: 2001-06-26)

www.asp-information.de (Stand: 2001-06-26)

www.asp-marktplatz.de (Stand: 2001-06-26)

www.asp-nachrichten.de (Stand: 2001-06-26)

www.contentmanager.de (Stand: 2001-06-26)

www.rent-your-software.com (Stand: 2001-06-26)

www.silicon.de (Stand: 2001-07-05)

[...]


1 Gartner Group in Rethmeier, Holger; Präsentation Satisfactory 2000. Hannover Messe 2000, Folie 6

2 www.applicationserviceproviding.de/faq.htm

3 www.applicationserviceproviding.de/faq.htm

4 Dipl.-Kfm. Wilfried Köhler-Frost in Outsourcing: Eine strategische Allianz besondern Typs, Berlin, Erich Schmidt Verlag 1993, S. 13

5 Dipl.-Kfm. Wilfried Köhler-Frost in Outsourcing: Eine strategische Allianz besondern Typs, Berlin, Erich Schmidt Verlag 1993, S. 14

6 Dipl.-Kfm. Wilfried Köhler-Frost in Outsourcing: Eine strategische Allianz besondern Typs, Berlin, Erich Schmidt Verlag 1993, S. 14

7 Dipl.-Kfm. Wilfried Köhler-Frost in Outsourcing: Eine strategische Allianz besondern Typs, Berlin, Erich Schmidt Verlag 1993, S. 16

8 Dipl.-Kfm. Wilfried Köhler-Frost in Outsourcing: Eine strategische Allianz besondern Typs, Berlin, Erich Schmidt Verlag 1993, S. 21

10 Executive Summary auf www.asp-information.de

11 siehe Executive Summary auf www.asp-information.de

Details

Seiten
15
Jahr
2001
Dateigröße
852 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v103693
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
Schlagworte
Chancen Risiken Application Service Providing ProSeminar

Autor

Zurück

Titel: Chancen und Risiken von Application Service Providing