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Dreidimensionale Kunst/ Plastik

Referat / Aufsatz (Schule) 2000 5 Seiten

Kunst - Bildhauerei, Skulptur, Plastik

Leseprobe

Dreidimensionale Kunst

2 Bildbeispiele vorgesetzt und nach bestimmten Aspekten vergleichen

- formal ästhetische Gesichtspunkte
- Aussageabsichten
- Wirkung auf den Betrachter

Grundbegriffe der Plastik

Definition:

- Plastik im weiteren Sinne: Oberbegriff für dreidimensiobale Kunst Überbegriff für Skulptur, Objekt, Plastik im engeren Sinne

- Skulptur: subtraktive, wegnehmende oder abtragende Herstellung häufigste Materialien: Holz, Stein Korrekturen nur schwer möglich

- Plastik im engeren Sinne: additive, aufbauende, modellierende Herstellung verformbare Materialien, z.B. Ton, Wachs

zum Halt: an Gerüst (Armierung) angetragen Korrektur durch subtraktive Manipulationen

- Kombination verschiedener Verfahren: Akkumulation: Anhäufung

(Gips) Assemblage: Zusammenfügen von Gegenständen

Konstruktion Montage

”object trouvé” : Fundstück mit Gebrauchsspuren → Objektkunstwerk/ Objekt

Materialgerechtheit/ Materialgerechtigkeit:

- Wahl des geeigneten Werkstoffes im Hinblick auf das anzugehende Thema

→ Material = emotionale Grundlage

Gips: Tod; Ton: Leben; Marmor: Wiederauferstehung

- richtiger Umgang mit dem gewählten Material

→ Nachahmung von Stofflichkeit, Darstellung von Textilien, Haar, Inkarnat (Haut)

→ Charakter des Werstoffes durch Faktur (Machart), z.B. in Werkspuren

Körper-Raum-Beziehung:

- Plastik nimmt realen Raum ein; in Vorstellung wirkt sie virtuell auf den sie umgebenden Raum

- Material: positive Formen
- Raum: negative Formen
- Grundformen des Körpers:

Block/ Kernplastik: wirkt blockhaft; oft geschlossene Umrisse raumabweisend, durchgängige konvexe Wölbung → keinerlei ”Angriffsfläche” z.B. bei stereometrischen ldealformen (Kugel, Ei)

sammeln Energie im Innern

Körper mit konkaven & konvexen Partien: ausgeglichen; raumoffen eingezogene oder Hohlformen/ Durchbrüche tw. raumgreifend/ raumweisend Bsp: verschiedene Stellungen des menschlichen Körpers

Gegensätze zu Kernplastiken: + Komposition mit dominanten Hohl- oder Mantelformen:

z.B. an einer Seite offener Zylinder

+ Durchbruchsformen

+ Komposition mit ausgedünnten Formen

z.B. in Gestalt eines geraden oder gebogenen Stabes wirken vom Raum erdrückt, linear, Verkürzung der Stäbe → vorne-hinten- Wirkung

Volumen, Masse, Gewicht:

- Unterscheidung des plastischen Volumens in

Massevolumen: Menge des verwendeten Materials Raumvolumen: geformte Raumanteile

- Betrachter vervollständigt die reduziert gegebene Form nach dem “Gesetz der guten Gestalt” in seiner Vorstellung

- optisches Gewicht: durch besondere Masseverteilung, Komposition und Anordnung: massive oder leichte Wirkung (Würfel leichter, wenn auf Spitze gestellt oder aufgehängt)

Größe, Präsentation:

- Großplastik: lebensgroß, überlebensgroß
- Kleinplastik: unterlebensgroß
- Monumentalplastik: beeindrucken durch ihre Größe
- Sockel/ Postamente: vor allem bei Denkmälem erhöhende Funktion → Betrachter Untersicht aufzwingen; Überlegenheit suggerieren
- Plinthe: meistens aus dem selben Material wie die Figuren; Standfestigkeit; erhöhende Funktion

Ansichtigkeit, Kontur, Blickführung:

- Frage des Betrachterstandpunktes

- mehransichtige Plastiken: voll-/rundplastisch

- Bodenplastiken (umschreitbar)

- Standplastiken und freistehende Werke

- oft eine Hauptansicht → oft am aufschlussreichsten

- allansichtige Plastiken: häufig eine oder zwei Schauseiten => v.a. abstrakte Kunst

- einansichtige Plastiken:

+ Relief: - Skulptur, bei der das Bild aus einer Stein- oder Metalloberfläche erhaben herausgearbeitet wird

- Unterscheidung zwischen versenktem und erhabenem Relief

→ erhabenes Relief: nach Grad der Erhebung: Flach-, Halb-, Hochrelief Hinterschneidungen <+

+ Nischen- und Wandfiguren: - für Nische oder Wand konzipiert

→ am Rücken nicht näher ausgearbeitet

- frontalansichtig/ en face (von vorn)

- z.B. Bauplastiken an mittelalterlichen Kathedralen

- Kontur : Umrißlinie der betrachteten Plastik

- Silhouette: Schattenriß

- Blickführung = Ansichtigkeit und Kontur → Reihenfolge der Betrachtung der einzelnen Teile einer Plastik

Licht und Schatten:

- Wirkung: abhängig von Material (Gips = stumpf, Marmor = transluzid/ leuchtend) abhängig von der Farbe des Materials

abhängig von der Bearbeitung der Oberfläche (unruhiges Licht-Schatten-Spiel einer zerklüfteten Oberfläche)

abhängig von der Plastizität und der Lichtquelle (stark seitliche Lichtquelle: dramatischer als diffuses Licht)

- Spitzlichter: hell reflektierende Stellen + Spiegelung der Umgebung = bei stark polierten Werken

- Schatten:

- Eigenschatten (auf Oberfläche der Plastik)

- Schlagschatten (wirft Plastik auf Umgebung)

- Halb- oder Nebenschatten: nicht direkt ausgeleuchtete Stellen

- Kernschatten: unbeleuchtete Stellen

Oberfläche, Plastizität:

+ Oberflächenstruktur (Textur): ”begreifbare” Qualitäten

- glatt, stumpf, warm, kalt, poliert, rauh, feucht, rissig, spröde, rostig o.ä.

- Bosse : Werkspuren des Meißels → (absichtsvolles) Non-finito => Kontrast polierte Formen - Bosse

+ Fassung : Überarbeitung der Oberfläche einer Plastik mit anderen Materialien (Glasur/ Patina/ Vergoldung)

+ Plastizität: (Formbarkeit, Wechsel von konkaven und konvexen Formen) → Faltenwurf Stärke der Oberflächenstrukturierung

Gerichtetheit, Bewegung, Zeit:

- Gerichtetheit : Dominanz der Ausdehnung in eine bestimmte oder mehrere Richtungen

- Richtungsbeziehungen: oft in bestimmten Rhythmus oder Kontrast angeordnet ”stehend”, ”liegend”, ”sitzend”, ”sich aufrichtend”

beliebteste Anordnung: Kontrapost (”Gegensatz”)

Ponderation: Ausgleich, Harmonie Körperteile - Gewicht

- Verhältnis des Körpers zum Raum:

- von einem Zentrum nach außen gerichtet → raumweisender Körper; flüchtig, vergänglich, lebendig, weltzugewandt, extrovertiert

- nach innen, auf eine gedachte oder tatsächliche Mitte gerichtet

→ raumabweisender Körper; ewige Gültigkeit, ruhig, geschlossen, introvertiert, innerlich bewegt

- Gleichgewicht, Statik, Dynamik:

- vertikale/ horizontale Richtungsdominanz: statisch/ standfest

- diagonale Richtungsdominanz: labil, dynamisch-bewegte Wirkung

- Bewegung: + dargestellte Bewegung (z.B. einer Handlung)

→ Darstellen eines Bewegungsflusses/ Moment des Stillstandes eines Ablaufes

+ fruchtbarer Moment : Zeitpunkt in einem Handlungsablauf

+ tatsächliche Bewegung: in beweglichen, kinetischen Plastik (Körper-Raum- Bewegung in ständigem Wechsel)

Komposition, Proportion:

Komposition: Anordnung nach Harmoniegesetzen

- Aufbau: organisch, tektonisch

- Gliederung:

- zielt auf: + Formkontraste, Verhältnis der Teile zum Ganzen, Rhythmus, Abfolge der Teilvolumina und -massen

+ Ausgleiche schaffen

Proportion :Verhältnis von einzelnen Maßen/ Körperteilen zueinander

- Goldener Schnitt: teilt Strecken, Flächen, Körper in ein konstruierbares, harmonisches Verhältnis → Spannung

Beispiele:

- Bernini, Gian Lorenzo (1598-1680):

italienischer Bildhauer, Hauptvertreter des Barock → von Pathos geprägte Stilrichtung des 17. Jh.

→Kardinalsbüste: Veränderung des mimischen Ausdrucks: behält was Lebendiges im polierten Stein “Vanitas”-Denken der Zeit; Überwältigung aller Sinne (schwülstig)

- Cellini, Benvenuto (1500-1571):

italienischer Bildhauer des Manierismus → “persönliche Handschrift”; “figura serpentinata”= geschlängelte Figur Mehransichtigkeit

- Michelangelo, Buonarroti (1475-1564)

italienischer Maler, Bildhauer und Architekt der Renaissance und des Manierismus

→ Wiedergeburt der Antike: Darstellung der Menschen und der Welt, nicht mehr der Heiligen; neues Menschenbild; Welt der wissenschaftlichen Entdeckungen; verfeinerte Proportionen

→ Beispiele: + ”David” => Aushängeschild für Freiheit der Florentiner

- Siegerpose, Souveränität, Individualität, neues Selbstbewußtsein, Symbol junger städtischer Macht, Jugend, Ruhe, Kraft, athletisch gebaut, Mut, konzentriert

- weißer Marmor, perfekte Lockenpracht, allansichtig

- Kontrapost: Ausgleich zwischen Bewegung und Ruhe, Stehen und Schreiten, ansteigenden und fallenden Linien (Standbein-Spielbein-Haltung)

+ “Pietá” - Darstellung Mariens mit dem Leichnam Christi auf dem Schoß = “Vesperbild”

- überlebensgroß, betonte Senkrechte, Leid: nach unten gezogen (Blickführung), Überschneidung, proportional, Bewegung friert ein, Mutter und Sohn = eng zusammen → Block, Strukturierung => Licht-Schatten, glänzendes Material (Marmor), Marias rechte Hand umfasst ihn kraftvoll, linke präsentiert ihn → fordert Betrachter zur Verehrung auf, Blick gesenkt; Christuskörper fast gänzlich von Umrißlinie des Marienkörpers aufgenommen; schwere Falten Mariens → Erdverbundenheit, Christi berührt Erde nur mit re Fußspitze; Hauptansicht

- Leochares → Apollon von Belvedere

Apoll (Rom, vatikanische Museen, Marmor, Höhe 2.24m)

- fast schon schwebend, leichtfüßig; prä sentiert seine Nacktheit nicht so, sanfter Blick mit pathetischem Ernst, jedoch luftig, leicht, wie gerade gelandet; präsentiert sich
- runde Plinthe → Drehbewegung verstärkt
- überlebensgroß; raumgreifend; Halbprofil
- antik: scharfe Falten des Umhangs; römische Kopie einer antiken Bronze
- Verstärkung an den Beinen (Baumstamm) → Schlange
- These: von den Christen in einen Adam umgearbeitet (bedeckte Scham, Schlange)
- Apoll = heidnischer, mit seinem Körper prahlenden Gott
- Umhang: windet sich mit der Leichtigkeit eines feinen Seidenschleiers um den ausgestreckten linken Arm; die kurze und kräftige Haarpracht kräuselt sich sanft
- Kontrast: Schwere und Massivität der Figur - Leichtigkeit und Sanftheit der Bewegungen
- fehlende Arme - leicht angehobenes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kinn→ bereit jemand zu tadeln; schaut über Betrachter hinweg; herablassend

- Gewicht: auf dem rechten Bein, der körperliche Schwerpunkt im Becken
- vertikale Achse schwingt in einer flachen S-Kurve, die in horizontaler Richtung von einer durch Arme und Schultern gebildeten S-Kurve gekreuzt wird
- Betrachter mit linker Schulter zugewandt; nimmt rechte leicht zurück
- Hüfte kippt nach rechts unten; rechtes Bein = Standbein; linkes: Spielbein

- Archipenko, Alexander (1887-1964)

russischer Bildhauer des Konstruktivismus → auf geometrischen Formen beruhend

Vereinfachung und Stilisierung der menschlichen Figur; Formabstraktion und Materialexperimente → Beispiel: “Flacher Torso”

- nach oben hin Aufhellung der blau-grünen Patina
- Frauentorso; schwungvolle Kurven
- unproportional (lange überschlanke Oberschenkel, tief sitzende Kniescheiben)
- untere Teil des Beins in Sockel eingeschlossen → keine Bewegung möglich
- starr, ruhig, zeitlos, ewige Gültigkeit; raumabweisend (in sich gerichtet) → Block
- Sockel + schmale runde Plinthe unterstreichen die senkrechte Ausrichtung
- mehransichtig (von der Seite flach; von vorne runde weibliche Formen) → Hauptansicht = Vorderansicht
- Eleganz, Grazie, Zerbrechlichkeit
- Kontrast zwischen senkrechter rechter Seite und geschwungener linker Seite

- Alexander Calder (1898 - 1976):

amerikanischer Plastiker

→ kinetische Plastik: + Werk, das Bewegung als Gestaltungsmittel enthält und damit unendlich viele

= Mobilé Konstellationen von Körper und Raum ermöglicht

+ tritt vorrangig in Verbindung mit abstrakten Formen auf + bei Calder: windbetrieben

+ unflexible, unberechenbare (Windeinflüsse) Bewegung → Eingebungen des Augenblicks

+ Farbe: Kälte genommen, Gesichtsform unterstrichen

+ keine Nachbildung; fängt die Bewegung ein

+ vergängliches, wertloses Material; durch Bewegung existent (virtuelles Volumen)

- Niki de St. Phalle (*1930)

französische Plastikerin des Nouveaus réalisme → parallel zur Pop-Art (grell-plakativ, poppig-bunt) Autodidaktin; in der Jugend von Vater vergewaltigt → Kunst als Selbstbefreiung

→ Beispiel: Nanas (aus Polyester)

- Bewegung, unproportional => typisch weibliche Merkmale überproportional; Rest vereinfacht
- Fruchtbarkeitsgöttinnen
- leuchtende, klare Farben (Grundfarben) → fröhlich, warm, bewegt, lebendig
- “ich liebe das Runde, die Kurve, die Welle” -> keine Symmetrie, kein rechter Winkel
- raumweisend; viele konkave und konvexe Wölbungen; Durchbrüche
- Postament; eine Hauptansicht
- Blickführung in alle Richtungen

- Rodin, Auguste (1840-1917)

französischer Plastiker zwischen Impressionismus, Realismus und Symbolismus → Geheimnis, Athmosphäre des Irrealen, Verinnerlichung

modelé: Kunst der Buckel und Höhlen; Torso, Non Finito

- Kollwitz, Käthe (1867-1945)

deutsche Grafikerin und Plastikerin im Umkreis des Expressionismus

→ Selbstbildnisse

- Moore, Henry (1898-1986) englischer Plastiker

→ Torso = verletztes Menschenbild (Symbol und Ausdruck für den gefährdeten Menschen) Angst, Wehrlosigkeit; Anklage gegen Krieg und Gewalt

Kopf = dump fe Hinnahme von Schmerz (Kraft); Schild = Schutz knochige, eckige, gedrungene Formen

→ Naturformen = Gegensatz zum technikorientierten Konstruktivismus; organisch; Durchbrüche; fließend asymmetrisch; verschlossene Energie

Details

Seiten
5
Jahr
2000
Dateigröße
346 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v103543
Note
15
Schlagworte
Dreidimensionale Kunst/ Plastik

Autor

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Titel: Dreidimensionale Kunst/ Plastik