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Holocaust Literatur

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 2 Seiten

Deutsch - Gattungen

Leseprobe

Holocaust Literatur

Literatur und Holocaust ein sowohl schwieriges Thema zu referieren, als auch in der Literatur ein schwieriges Kapitel. Ich möchte heute mit meinem Referat vor allem erklären was Holocaust Literatur ist und die Schwierigkeiten und Tabus dieser Literatur aufzeigen. Bewußt will ich mich nicht mit der Geschichte des Holocausts befassen da dieses Thema meiner Meinung schon ausführlich bekannt ist.

Auschwitz, Dachau, Mauthausen sind für viele Menschen längst keine Orte mehr. Sie sind zu Symbolen avanciert. Symbole des millionenfachen Massenmordes an den europäischen Juden.

Wurde in den ersten Nachkriegsjahren, besser Jahrzehnten, die Themen Holocaust, Opfer und Täter weitmöglichst verdrängt, so erfolgte seit den späten 80iger Jahren, eine intensive Aufarbeitung des 2. Weltkrieges. Kritiker meinen, dass diese „Aufarbeitung“ vor allem des Holocaust zu kommerziell wird und sprechen von Auschwitzkeule oder Shoanusiness. Diese Kommerzialisierung zeigt sich natürlich auch in der Literatur wieder. Beschäftigten sich nach dem 2. Weltkrieg nur wenige Autoren = Überlebende mit dem Tabuthema Massenmord an den Juden, so kommen in den letzten Jahren auch Bücher mit dem Thema Auschwitz(=Holocaust) von Autoren der zweiten oder dritten Generation der Überlebenden auf dem Markt.

Doch kommen wir nun zu einem Versuch einer Definition von Holocaust Literatur.

Literatur der Überlebenden, Literatur über die Shoa oder Literatur nach bzw. über Auschwitz um nur einige Begriffe zu nennen.

Holocaust Literatur ist die Literatur der Überlebenden der Kz's des 3. Reiches. Zu ihnen gehören Romane, Erzählungen, Gedichte, usw von Überlebenden über ihr Leid. Ich möchte hier Primo Levi’s Roman „Ist das ein Mensch „ erwähnen. Der Roman beschreibt das Jahr, das Levi in Auschwitz verbracht hat: vom Februar 1944 bis zum Januar 1945. Die Titelfrage wird von Levi auf zweifache Wiese beantwortet. Mensch ist, wer tötet, wer Unrecht zufügt oder erleidet. Kein Mensch hingegen ist, wer darauf wartet, dass sein Nachbar endlich stirbt, damit er ihm ein Viertel Brot abnehmen kann, kein Mensch ist jener, der noch im Todeskampf beständig sein <<Jawohl>> murmelt.

Doch man muss nicht unbedingt ein Überlebender der Shoa sein um über Holocaust schreiben zu können. Gerade in der jüngsten Zeit kamen immer wieder Werke von Schriftstellern über den Holocaust heraus die erst nach dem 2. Weltkrieg geboren wurden. Diese Werke handeln meist von Erlebnissen aus der Kindheit der Autoren. Etwa Carl Friedman, die in ihrem Buch Vater ihre Kindheitserlebnisse, die überschattet ist von der Vergangenheit des Vaters als KZ- Häftling, beschreibt. Die Verfolgungs- und Außenseitererfahrung des Vaters, der durch die Jahre im KZ schwere körperliche und seelische Schäden davongetragen hat, bestimmen die alltägliche Kommunikations- und Erlebniswelt der Kinder nachhaltig und machen sie in ihrer Umwelt zu Außenseitern.

Das „Zeugnisablegen“, also die Beschreibung des Horrors soweit mit Worten darstellbar, ist wohl der wichtigste Zweck dieser Literatur. Doch der Holocaust ist nach wie vor kein Stoff wie jeder andere, aus dem Literatur und Kunst wie jede andere gemacht werden können. In Bezug auf Holocaust bestanden und bestehen große Tabus. So galten Autoren die Auschwitz überlebten, Geschichten, Essays, Lagerberichte oder lyrische Zeugnisse aus den Konzentrationslagern als unantastbar, als unkritisierbar. James E. Young sorgte Ende der achtziger Jahre mit seiner „alternativen Hermeneutik literarischer Zeugnisse des Holocaust[[[“für frischen Wind in der literaturwissenschaftlichen Diskussion. Texte über die Judenvernichtung, so Young in seinem Buch „Beschreibung des Holocaust“, dürfen nicht allein als sachlich, authentische Information gelesen werden, sie müssten auch nach ihrer „Textur“ befragt werden. Wer auf literaturkritische Zugriffe zur Interpretation solcher Texte verzichtet, wer aus falscher Scheu die geschilderte Wirklichkeit für unbedingt glaubhafte Wahrheit nehme, könne leicht einer Schein-Objektivität des Vermittelten erliegen.

In einfachen Worten heißt das so viel wie wenn ein Autor ein Überlebender einen Text einen Roman schreibt so dürfen diese Informationen nicht immer als 1:1 wahrheitsgemäß hingenommen werden. Was aber nicht heißt das es den Holocaust nicht gegeben hat und das alle Zeugnisse der Überlebenden falsch sind. Wie bei einem Roman der über eine wahre Begebenheit handelt, Tatsachen mit literarischen Mitteln verknüpft werden, so kommen bei der Beschreibung des Grauens, des Genozid ebenfalls literarische Mittel vor. Diese Mittel so Young kann man kritisieren. Den wie in jeder anderen Literaturart gibt es auch in der Holocaust Literatur, schlechte und gute Werke. Einen Werk als schlecht darzustellen fällt natürlich auch heute noch sehr schwer. Kritiker werden sofort in das Licht des Antisemiten gerückt. Darum sind auch viele Kritiker Juden oder zumindest nicht Deutsche (Österreicher).

Das ist vielleicht auch gut so, den Holocaust Literatur und Kritik ist ein politisch höchst brisantes Thema.

Viele Autoren versuchen auch jede Literarisierung ihrer Texte zu vermeiden. In Peter Weiss Die Ermittlung, wird fast der gesamte Wortlaut des Protokolls der Frankfurter Auschwitz- Prozesse wiedergegeben. Hier stellt sich auch die Frage ob Werke von Autoren wie eben Peter Weiss, die „das Lager“ nicht erlebt hatten zur Holocaust- Literatur gerechnet werden können.

Ich möchte hier wieder James E. Young zitieren:

„Indem der Holocaust in die Sprache und in die Metaphern eingeht, wird die Erinnerung weit über das Leben der authentischen Zeugen hinaus bewahrt: »In diesem Fall ist eine missbrauchte Erinnerung, mit der wir uns kritisch auseinandersetzen können, besser als gar keine Erinnerung.«“ Als fiktive Literatur über den Massenmord kann akzeptiert werden, da uns der dann wenigstens in Erinnerung bleibt

Grundsätzlich ist also alles der Literatur des Holocaust zuzuordnen die sich entweder mit den Gescheenniseen oder den direkten bzw indirekten Auswirkungen des Massenmordes an den europäischen Juden befasst.

Tabus

Was sind Tabus? Versteht der eine unter Tabu einen notwendigen Schutzschild gegen die Verletzung von Werten und Regeln, begreift es der andere als eine künstliche Barriere, die es endlich zu überwinden gilt. Tabus werden in der Literatur in der Kunst meist schnell gebrochen. Anders in der Shoa- Literatur. Hier entstanden in der Nachkriegszeit Tabus die wohl auch auf einen viel größeren Tabubruch zurückgehen. Den millionenfachen Massenmord.

Bsp für Tabus: die Schilderung von nicht durch und durch guten jüdischen Figuren, die Verbindung von Holocaust und Humor, die künstlerische Umsetzung in „unangemessene“ Gattungen (Comics, Liebesroman...) usw.

Diese Verbote sind heute allesamt gebrochen oder wie man auch sagen kann „überwunden“. Auch sogenannte Schwarz- Weiß- Klischees wie sie gerne in Hollywood- Dramen vorkommen verschwinden mehr und mehr. Die Nazi- Bösewichter auf der einen Seite und die Verfolgten auf der anderen Seite. Jüdische Menschen werden nicht mehr idealisiert , sie werden als normale Menschen mit Vor- und Nachteilen dargestellt. Aber die Erfahrung zeigt, dass es nicht allein darauf ankommt, wie die Tabus durchbrochen werden, sondern auch, durch wenn dies geschieht. „ (...)sogar dort, bei den Schornsteinen, gab es in der Pause zwischen den Qualen etwas, das dem Glück ähnlich war. Alle fragen mich immer nur nach Übeln, den Gräueln : obgleich für mich vielleicht gerade diese Erfahrung die denkwürdigste ist. Ja, davon, vom Glück der Konzentrationslager, müsste ich ihnen erzählen, das nächste Mal, wenn sie mich fragen.“(BUCH S 14) So schrieb Imre Kertesz in seinem „Roman eines Schicksallosen“. So kann nur ein Überlebender des Lagers schreiben. Wenn ein Autor der diese Erfahrung des Lagers nicht mitgemacht hat und über Glück im Konzentrationslager schriebe was würde wohl passieren. Nun es wäre sein politischer Mord, er würde ins rechte Eck gestellt werden, sein Werk von den Kritikern „zerrissen“ werden. Seine Aussagen könnten nein würden falsch verstanden werden. Gewisse Tabubrüche könne eben nur von jüdischen bzw. „überlebenden“ Autoren vollzogen werden. Da bei ihnen ihre Aussagen abgesichert sind. Heißt sie sind frei von jeden Zweifel etwas zu verharmlosen.

Details

Seiten
2
Jahr
2001
Dateigröße
325 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v103004
Note
Schlagworte
Holocaust Literatur

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Titel: Holocaust Literatur