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Kant und die Aufklärung - Freiheit und das Gesetz in meiner Brust

Hausarbeit 2001 19 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

INHALTSÜBERSICHT:

I EINLEITUNG
- kurzer Abriss des Lebensweges Kants
- von der vorkritischen Zeit bis zur Herausbildung des kritischen Problems

II DIE AUFKLÄRUNG
- Allgemeine Grundzüge
- Aufklärung als historische Epoche

III WAS KANN ICH WISSEN? - Die Kritik der reinen Vernunft
- Kant und die Metaphysik
- a priori , a posteriori; analytisch, synthetisch
- der Begriff „Kopernikanische Wende“
- der Begriff von „Zeit und Raum“
- zum Begriff „Kausalgesetz“
- die „Kategorien des Denkens“
- Begriff „transzendental“

IV WAS SOLL ICH TUN? - Kants Moralphilosophie
- die Autonomie des Willens
- Begriffe „Gesinnungs- und Pflichtethik“
- die Begriffe „Maxime“ und „praktisches Gesetz“
- Kategorischer und Hypothetischer Imperativ

V WAS DARF ICH HOFFEN?
- die Unsterblichkeit der Seele und das Dasein Gottes
- die „praktischen Postulate“ (die Kritik der praktischen Vernunft)

VI KANTS STAATSBILD

VII KRITIK AN KANT

VIII LITERATURVERZEICHNIS

I Einleitung

1746/49: „ Ich habe mir die Bahn schon vorgezeichnet, die ich halten will. Ich werde meinen Lauf antreten, und nichts soll mich hindern ihn fortzusetzen. “ (I: 010, 25-27) Allein diese Selbstaussage Immanuel Kants gewährt einen tiefen Einblick in seinen Charakter- den Charakter eines Mannes, der sich selbst disziplinierte, ein asketisches, pedantisches und ehrgeiziges Leben führte, weil er für sein Werk lebte.

Geistesgeschichtlich lässt sich Kant der Epoche der europäischen Aufklärung (1720- 1785) zuordnen, laut derer die absolute Grundbedingung einer besseren Gesellschaft die Aufklärung der breiten Volksschichten ist, denn wenn sich Vernunft und Wissen erst ausgebreitet hätten, würde die Menschheit große Fortschritte machen. Es sei also nur eine Frage der Zeit, dann würden so die Aufklärungsphilosophen, Unvernunft und Unwissen verschwunden sein und eine aufgeklärte Menschheit daraus resultieren.

„ Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines EIGENEN Verstandes zu bedienen! Ist also der Wahlspruch der Aufklärung. “ 1 Da jedoch in jener Zeit im Volk Unwissenheit und Aberglauben herrschten, musste der Erziehung große Aufmerksamkeit gewidmet werden. So ist es kein Zufall, dass die Pädagogik als Wissenschaft in der Aufklärungszeit begründet wurde.

Immanuel Kant, der zu den größten Denkern des Abendlandes zählt, weil er wie kaum ein anderer die Philosophie der Neuzeit geprägt hat, hat ein Verständnis der Aufklärungsideen entwickelt, das von einer naiven Aufklärung ebenso weit entfernt ist wie von einer gegenaufklärerischen Haltung, nach der alles Bestehende gut und schön ist. Aus diesem Grund liegt es nicht fern, dass die Philosophie Kants nicht nur den intellektuellen Höhepunkt, sondern gar eine Umgestaltung der europäischen Aufklärung darstellt. Doch wenden wir uns zunächst der Biographie Kants zu:

Kant wurde am 22. April 1724 in der ostpreußischen Stadt Königsberg, wo er fast sein ganzes Leben bis zu seinem Tod im Alter von achtzig Jahren verbrachte, als viertes von neun Kindern eines Riemenmachermeisters geboren. In ärmlichen Verhältnissen aufwachsend ist Kant auf die Unterstützung durch Freunde wie den Kollegiumsdirektor und Theologieprofessor Albert Schulz (1692- 1763) angewiesen, der schon früh Kants Begabung entdeckte. Kant kam aus einem sehr christlichen Zuhause, was ihn persönlich sehr prägte, und besuchte das streng religiöse Friedrichs- Gymnasium, an das er noch im Alter „mit Schrecken und Bangigkeit“ denkt.

Hier setzen H. und G. Böhme in ihren Überlegungen über Kant an und behaupten, dass Kant durch lange erlebte persönliche Unterdrückung und Enge früh sein Bedürfnis nach Freiheit in der geistigen Sphäre auslebte.

Neben dem Studium von Mathematik, Naturwissenschaften, Theologie, Philosophie und klassischer Literatur, der Tätigkeit als Lehrer und Universitätsprofessor befasste sich Kant zunehmend mit naturwissenschaftlichen Fragen. Über 40 Jahre lang hielt Kant Vorlesungen.

Er war ein beliebter und anregender Lehrer. Herder, der in Kants ersten Dozentenjahren in Königsberg studierte, pries Kants Vorzüge in einem Brief, in dem es heißt: “ Er in seinen blühenden Jahren hatte die fröhliche Munterkeit eines Jünglings, seine offene, zum Denken gebaute Stirn war ein Sitz unzerstörbarer Heiterkeit und Freude, die gedankenreichste Rede floss von seinen Lippen, Scherz und Witz und Laune standen ihm zu Gebote, und sein lehrender Vortrag war der unterhaltendste Umgang. Er munterte auf und zwang angenehm zum Selbstdenken... “

Kant war ein Mensch mit unglaublich regelmäßigen Gewohnheiten. Sein äußeres Leben verlief gleichmäßig und einförmig: keine Abenteuer- nichts Extravagantes lässt sich über Kants Lebenslauf berichten. Man scheint ihn, so Otfried Höffe, nur durch sein Werk verstehen zu können, in dem er mit einer fast unheimlichen Ausschließlichkeit aufgeht:

1764/66 „ Ich bin selbst aus Neigung ein Forscher. Ich fühle den gantzen Durst nach

Erkenntnis und die begierige Unruhe darin weiter zu kommen oder auch die Zufriedenheit bey jedem Erwerb “

Nach Höffe hat Kant also keine andere Biographie als die Geschichte seines Philosophierens.

Sein frühes Werk war wissenschaftlich und naturalistisch, einschließlich der Dissertation über das Feuer, der Schriften über Winde, seiner „Allgemeinen Naturgeschichte“ und der „Theorie des Himmels“ (1755), auf die in diesem Zusammenhang nicht näher eingegangen werden soll.

Während dieser Zeit wurde Kant vom Empirismus, von den Ideen der Aufklärung und von den wissenschaftlichen Ideen Isaac Newtons2 beeinflusst.

Die Unfähigkeit des Empirismus, zu beweisen, wie aus Erfahrung Erkenntnis werden kann beunruhigten ihn gleichermaßen wie das Unvermögen des Rationalismus, Existenzbeweise zu liefern.

Im schien es so, als hätte die ganze Philosophie keine solide Grundlage und eben diese wollte er schaffen.

II Die Aufklärung

Das wichtigste Merkmal der Aufklärung ist die hohe Bewertung der Vernunft. Die Vernunft galt als Wesen des Menschen. Man ging davon aus, dass die Welt als Ganzes vernünftig angelegt sei und von der menschlichen Vernunft erkannt werden könne. Aus dieser hohen Bewertung der Vernunft ergab sich eine Kritik an allen autoritätsbezogenen, irrationalen Denkrichtungen wie christlicher Offenbarungsglaube, Metaphysik, Aberglaube, politischen Dogmatismus, Traditionen und Institutionen. Aufklärung ist immer eine Reaktion auf Unaufgeklärtheit.

Der herrschende Fortschrittsglaube besagte, der Mensch könne durch vernünftige Einsicht sich selbst und die Gesellschaft verbessern und durch vernünftige Wertschätzung der Natur das Leben der Menschen verbessern und bereichern.3 Außerdem nahm man an, der Mensch sei von Natur aus gut und nur die Entfernung von der Natur würde ihn zusehends verderben. Laut Rechts- und Staatslehre „gäbe es ein Naturrecht und die Naturrechtssätze seien von der gleichen Allgemeingültigkeit und Erkennbarkeit wie die naturwissenschaftlichen und mathematischen Sätze.“ (Peter Möller)

Die Aufklärung in Deutschland hatte eher einen biederen, schulmeisterlichen Charakter und hatte auf die politischen Verhältnisse praktisch keine Auswirkung.

III Was kann ich wissen? - Die Kritik der reinen Vernunft

Kant war der Auffassung, das Problem der metaphysischen Erkenntnis und das der wissenschaftlichen Erkenntnis solch abstrakter Ideen wie Freiheit und Moral wären sich sehr ähnlich, denn sowohl in der Wissenschaft als auch in der Metaphysik4 geht der Mensch von Gegebenheiten aus, die bearbeitet werden und ein Urteil hervorrufen, wobei der Vorgang jeweils gleich ist. Die Frage danach, inwieweit Metaphysik als Wissenschaft bestehen kann, beschäftigte Kant in seinen kritischen Werken.

Die Metaphysik als Versuch, die ganze Welt, das Universum in seiner Totalität verstehen zu können, über die Wissenschaft und ihre gesonderten Tatsachen hinauszugehen und Erklärungen auszuarbeiten, lieferten Kant den Impuls, in seinem 1781 veröffentlichten ersten Hauptwerk, der „Kritik der reinen Vernunft“, den wahren Umfang und die Grenzen des Denkens ausfindig machen zu wollen. Die erste Auflage dieses Buches wurde jedoch kaum wahrgenommen und verkauft. Ferner machte man Kant den Vorwurf der Unverständlichkeit. Arsenij Gulyga bemerkte 1981, Kant „duldete keine Kritik... Von seinen Ansichten abzurücken gehörte nicht zu den Regeln Kants, Widerstand zu leisten lag nicht in seinen Kräften.“ Die zweite, „hin und wieder verbesserte Auflage“, die 1787 erschien, fand eine für die Philosophie „umwälzende Beachtung“. (Christian Mürner)

Kant wendet sich dabei einerseits gegen den Rationalismus und seinen dogmatischen Glauben an die Vernunft, andererseits aber auch gegen den radikalen empiristischen Skeptizismus, der bestreitet, dass es sichere Erkenntnisse gäbe.

Kritikpunkt Kants an der traditionellen Metaphysik war es, dass sie die Eigenschaften der erfahrenen (erfahrbaren) Dinge dogmatisch auf das Ding an sich übertragen würde. Mit der Existenz der optisch/ haptischen Realität, zum Beispiel eines Steines verband Kant keine Probleme. „Das bloße Bewusstsein meines eigenen Daseins beweist das Dasein der Gegenstände im Raum außer mir.“

Er setzt jedoch de Erkenntnis Grenzen mit der Unterscheidung zwischen Erscheinung (der Welt der „phainomena“) und Realität (der Welt der „noumena“). Die mysteriöse Substanz des Steins, was er als „Ding an sich“ bezeichnete, sei nicht erkennbar.

„Namentlich lehnt er die drei sogenannten Vernunftideen ab, wie sie traditionell im Rahmen der speziellen Metaphysik diskutiert wurden.

1. die Idee der Seele als einer unteilbaren, unvergänglichen Substanz, die hinter allen Bewusstseinszuständen steht und sie trägt
2. die Idee der Welt als einem abgeschlossenen systematischen Ganzen und
3. die Idee von Gott als den unendlichen Intellekt und Ursprung der Welt.“

Kant war der Auffassung, dass derjenige, der annehmen würde, diese Ideen entsprächen wirklichen Dingen an sich, würde entweder „Scheinschlüsse formulieren“ oder „in Selbstwidersprüche (Antinomien) verwickelt“, würde also zu entgegengesetzten, sich ausschließenden Behauptungen gelangen.

Für Kant war das rechtmäßige Arbeitsfeld der Vernunft beim Erkennen der Welt die praktische Sphäre.

Somit lässt sich Kants Kritizismus als Versuch auffassen, zwischen Rationalismus und Empirismus, den beiden Hauptströmungen der neueren europäischen Philosophie, zu vermitteln. Dazu gebrauchte er die traditionelle Unterscheidung von synthetischen und analytischen Urteilen.

Analytische Urteile sind solche Urteile, die zu leugnen selbstwidersprüchlich wäre und deren Wahrheit durch eine logische Analyse des Urteils nachgewiesen werden kann. Der Mensch besitzt also über empirische Erkenntnis hinaus ein apriorisches Wissen (Erkenntnis a priori) in der Form bestimmter analytischer Urteile.

Erkenntnis a priori ist laut Kants Definition eine von der Erfahrung unabhängige, aus dem bloßen Nachdenken resultierende Erkenntnis, die unabhängig von aller Sinnlichkeit gewonnen wird.

So kann eine Birne zum Beispiel nicht gleichzeitig reif und unreif sein. Dieses Wissen wird vorausgesetzt, wenn man sich fragt, ob die Birne reif oder unreif ist und sie dann befühlt, um die Frage auf empirischen Weg zu beantworten.

Synthetische Urteile hingegen sind immer zusammengesetzt. Sie vereinigen verschiedene Begriffe, die zu unterscheiden nicht selbstwidersprüchlich wäre, die aber zunächst empirisch belegt werden müssen, wie zum Beispiel das Urteil, Alkohol siedet bei 78,5 °C. Solche empirischen Erkenntnisse sind aus der Erfahrung stammende Erkenntnisse, auch Erkenntnisse a posteriori genannt. Die Materie dieser Erfahrungen besteht aus den Sinneseindrücken, den Wahrnehmungen und Empfindungen. Jedes synthetische empirische Wissen beruht darauf, dass der Mensch zu einem Sinnesmaterial Zugang hat. Wir wissen also, weil wir die Birne sehen, fühlen, schmecken und riechen können, ob sie reif ist oder nicht. Aus den vorhergehenden Beispielen lässt sich schließen, dass der Mensch sowohl über analytische apriorische als auch über synthetische empirische Erkenntnisse verfügt. Alle analytischen Urteile sind grundsätzlich apriorisch.

Aber gibt es auch synthetische Erkenntnisse a priori oder sind diese prinzipiell empirisch?

Die Möglichkeit von synthetischer Erkenntnis a priori bildet die Leitfrage seiner Kritik. Kant betonte, dass synthetische Urteile a priori möglich seien. Man könne zum Beispiel mit Sicherheit wissen, welche Richtung eine angestoßene Billardkugel nehmen wird.

„Erkenntnis stammte für Kant aus einer Synthesis von Erfahrung und Begriffen: Ohne die Sinne wären wir uns keines Gegenstandes bewusst, ohne den Verstand aber würden wir uns keine Vorstellung von ihm bilden.“ Die Erkenntnisgewinnung war ein einheitlicher Vorgang, die Wahrnehmung, Einbildungskraft und Verstand mit einbezog: Sinnlichkeit und Verstand standen in Wechselwirkung.“

Sinnlichkeit ist das in uns liegende Vermögen, von etwas, was von außen auf uns einwirkt, beeindruckt (affiziert) zu werden. Die Sinne, und nur sie allein, liefern uns Anschauungen, das heißt unmittelbare Vorstellungen einzelner Gegenstände. Es ist aber etwas in uns, was unsere Empfindungen ordnet, in zwar in ganz bestimmter Weise: in eine räumliche und eine zeitliche Einheit. Dieser Vorgang lief nach Kant so ab, dass jedem Menschen Raum und Zeit als reine Anschauungen a priori gegeben seien, die absolut seien, das heißt den Sinneseindrücken vorausgehend und von ihnen unabhängig. Zeit und Raum bezeichnete Kant als die beiden „Formen der Anschauungen“ des Menschen. Er betonte außerdem, dass diese beiden Formen im Bewusstsein der Menschen vor jeglicher Erfahrung kommen. Das Bewusstsein als kreativ formende Instanz trägt dazu bei, unsere Auffassung der Welt zu prägen. Kant behauptete, dass sich nicht nur das Bewusstsein nach den Dingen richtet, sondern sich die Dinge auch nach dem Bewusstsein richten. Er verlangte von der Philosophie eine „kopernikanische Wende “. Sie sollte ihre Aufmerksamkeit von den erfahrenen Gegenständen (denen die Formen Raum, Zeit, Ding, Ursache-Wirkung zukommen sollen) abwenden und der Erfahrung selber zuwenden, das heißt, die Gegenstände müssten sich nach unserer Erkenntnis richten und nicht die Erkenntnisse nach den Gegenständen, wie bis dahin angenommen wurde. Kopernikanisch deshalb, weil Kopernikus5 erstmals den Standpunkt umkehrte und erkannte, dass sich die Sonne und andere Sterne nicht um uns, sondern vielmehr wir uns um jene drehen. Kant wendete nun den erkenntnistheoretischen Standpunkt ebenso und erklärte, dass sich unsere Erkenntnis nicht nach den Dingen richten müsse, sondern „die Gegenstände müssen sich nach unserer Erkenntnis richten“. Kant behauptete außerdem, dass es unmöglich wäre, etwas ohne die Strukturen Raum, Zeit, Ding und Ursache- Wirkung zu erfahren, weil diese Strukturen etwas sind, was in jeder Erfahrung enthalten ist und das erfahrende Subjekt (Ich) diese Formen in sich trägt. Deshalb suchen Menschen unweigerlich nach den Ursachen jedes Ereignisses und es liegt, so Kant, in der Natur der Menschen- oder in der menschlichen Vernunft- denn die Aufklärungsphilosophen verstanden unter Natur fast dasselbe wie unter Vernunft, denn Vernunft ist dem Menschen von der Natur gegeben.

Das Kausalgesetz gilt also immer und absolut, weil die menschliche Vernunft alles, was geschieht, als Verhältnis von Ursache und Wirkung betrachtet. Es ist also Bestandteil der menschlichen Vernunft und gilt deshalb immer, weil es der Mensch als Teil seines Bewusstseins in sich trägt.

Kant schlug Kategorien des Denkens vor, die unsere Art der Wirklichkeitserfassung strukturieren. Die Notwendigkeit und Möglichkeit der „Herleitung“ von Kategorien beruht auf der Behauptung, der Mensch könne zu synthetischen Urteilen a priori gelangen. Die Kategorien waren eine Art von grundlegendem Begriffsapparat, um Sinn in die Welt zu bringen. Ohne diese kategorischen Denkformen würden wir kein Gegenstandsbewusstsein haben. Unser Bewusstsein würde nur ein „Gewühl von Empfindungen“ umfassen, „weniger als ein Traum sein.“

Er meinte, dass es insgesamt zwölf solche Kategorien gibt: Einheit, Vielheit, Allheit, Realität, Negation, Limitation (Einschränkung), Inhärenz (Substanz, Ding), Kausalität (Ursache- Wirkung), Gemeinschaft, Möglichkeit, Dasein und Notwendigkeit. Als Merkmal dieser Kategorien gilt jedoch, dass sie für sich genommen keine Erkenntnis bilden, sondern dass sie auf die Anschauung (Sinnlichkeit) angewiesen bleiben, wenn sie in unseren Erfahrungssätzen zu recht verwendet werden sollen. Unser „Ich“ schematisiert die Formen der Anschauung und die reinen Verstandesbegriffe und erst die schematisierten Kategorien finden Anwendung auf das Sinnesmaterial. 6

Diese Formen nennt Kant transzendentale7 Formen, weil sie jeder Erfahrung vorausgesetzt sind und so das rein empirische Sinnesmaterial überschreiten. Demnach werden die Empfindungen des Menschen zunächst durch die beiden Anschauungsformen Raum und Zeit vorgeformt und schließlich werden aus den Anschauungen mit Hilfe der zwölf Kategorien die Begriffe und Urteile gebildet. Die Abhängigkeit von der Erfahrung, die für Kant eine wesentliche Rolle spielt, zeigt sich dann auch in dem bekannten Zitat: „Anschauungen ohne Begriffe sind blind, Begriffe ohne Anschauungen sind leer.“

IV Was soll ich tun? - Kants Moralphilosophie

Die moralischen Prinzipien, die den Menschen in seinen Handlungen geleiten, entspringen laut Kant allein dem reinen Denken. Er geht davon aus, dass jeder Mensch sehr wohl wisse, was richtig und was falsch sei. So gilt die Fähigkeit, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden ebenso als angeboren wie alle anderen Eigenschaften der Vernunft. Die traditionelle Moralphilosophie hat, so Kant, den Fehler begangen, die Moral auf Bedürfnisse, Wünsche oder Neigungen gründen zu wollen. Der Konflikt besteht allerdings darin, dass Bedürfnisse und Wünsche individuell sind, sich also von Mensch zu Mensch unterscheiden können. Deshalb könnte das Resultat daraus sein, dass etwas, was für den einen moralisch ist, für den anderen hingegen unmoralisch ist. Es müsste eine notwendige und allgemeingültige Moral geben, die von menschlichen Wünschen und Neigungen unabhängig sein soll. Nur wenn sie allgemeinen Gesetzen folgt, die ihren Grund in der reinen Vernunft haben, könne von Moral die Rede sein. “Moralität entspringt der Autonomie, der freie Wille des Menschen wird durch die Gesetze der Vernunft bestimmt...“ Moralität als Autonomie heißt, so Otfried Höffe, sich seine Bedürfnisse und gesellschaftlichen Abhängigkeiten einzugestehen, sie sogar zu bejahen und sie doch nicht als letzten Bestimmungsgrund des Lebens zuzulassen. „Autonomie bedeutet, mehr als ein bloßes Bedürfnis- und Gesellschaftswesen zu sein und in dem Mehr... zu seinem eigentlichen Selbst zu finden, dem moralischen Wesen, der reinen praktischen Vernunft.“ Der autonome Wille ist somit die Selbstgesetzgebung des Menschen.

Eine Handlung kann nur dann rechtschaffen sein, wenn sie dem vernünftigen Moralgesetz, das eine Pflicht ist, folgt. Demnach ist einzig der „gute Wille“ (die Einstellung), der uns zu einer bestimmten Handlung leitet, wesentlich, und nicht ihre tatsächlichen Folgen. Aus diesem Grund wird Kants Ethik auch als „Gesinnungsethik“ bezeichnet. Wenn also zum Beispiel jemand einem Freund in Not zu helfen versucht, kommt es für den moralischen Wert der Handlung nicht darauf an, ob die Hilfeleistung wirklich Erfolg hat. Entscheidend ist, dass man aus Pflicht heraus handelt, denn nur dann hat eine Handlung moralischen Wert. Kants Ethik wird deshalb oft als „Pflichtethik“ bezeichnet.

Etwas, das als moralische Handlung bezeichnet werden soll, muss das Ergebnis einer Selbstüberwindung sein. Nur der Mensch handelt in Freiheit, der selber weiß, dass er aus Achtung vor dem Moralgesetz handelt. Wer einem anderen hilft, weil er ihn gern mag oder weil er glaubt, dass die Gesellschaft das von ihm erwarte, der tut zwar (äußerlich) das, was auch das Sittengesetz verlangt. Seine Handlung hat Legalität. Er tut es aber nicht aus Pflicht, sondern aus anderen Motiven. Der Handlung fehlt somit die Moralität. Laut Kant geschieht jede moralische Handlung auf der Grundlage einer bewussten Absicht, einer Maxime . Maxime nennt Kant einen solchen Grundsatz, der nur für das Handeln eines einzigen Menschen gelten soll. So betrifft es beispielsweise nur eine einzelne Person, die sich vornimmt, das Rauchen aufzuhören, ob andere rauchen spielt dabei keine Rolle. Als subjektive Grundsätze sind sie also von Mensch zu Mensch verschieden. Als Willensbestimmungen sind sie Prinzipien, die der Akteur selbst als die eigenen anerkennt. In ihnen kommt der Charakter eines Menschen zum Ausdruck. Sie sind jene Lebensgrundsätze, nach denen man die moralische Beurteilung eines Menschen vornehmen kann, um ihn zum Beispiel als rachsüchtig oder großmütig, als rücksichtslos oder rücksichtsvoll usw. zu qualifizieren.

Maximen sind fähig, für die Sittlichkeit als Moralität den höchsten Maßstab abzugeben, denn da sie selbstgesetzte Grundsätze von Individuen sind, lässt sich prüfen, ob das Handeln bloß pflichtgemäß, also legal, oder aus Pflicht, also moralisch, geschieht.

Im Gegensatz dazu ist für Kant ein „praktisches Gesetz“ ein solcher Grundsatz, der den Willen jedes Menschen bestimmen soll.

Aus seinen Überlegungen entwickelte Kant ein Moralgesetz, den „Kategorischen Imperativ“, den er jedoch verschieden formulierte.

„ Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die Du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde. “ (Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, 1962, S.42) „Kategorisch“ heißt, das Gebot ist unabhängig von den jeweiligen Wünschen und Bedürfnissen, also voraussetzungslos und unter allen Umständen geltend. Nach Kant ist eine Welt, in der jeder nach diesem Leitsatz handelt, eine „mögliche und moralisch erstrebenswerte Welt.“

Dieses Ideal Kants wird durch eine weitere Formulierung des Kategorischen Imperativs hervorgehoben: „ Handle so, dass du die Menschheit... jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloßals Mittel brauchst. “ (Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, S.52)

Das moralische Ideal besteht also im Respekt vor den Menschen, denn alle Menschen sind ein Zweck an sich und dürfen deshalb nicht als Mittel zu etwas gebraucht werden.

Die dritte Formulierung besagt, dass man so handeln so, „dass der Wille durch seine Maxime sich selbst zugleich als allgemein gesetzgebend betrachten könne.“ (Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, S.57)

Zur Anwendung des Kategorischen Imperativs formulierte Kant einige Beispiele, von denen an dieser Stelle eines von mir ausgewählt wurde, was sehr gut dazu dient, Kants Sichtweise zu verdeutlichen:

„ Einer, er durch eine Reihe vonübeln, die bis zur Hoffnungslosigkeit angewachsen ist, einenüberdruss am Leben empfindet, ist noch so weit im Besitz seiner Vernunft, dass er sich selbst fragen kann, ob es auch nicht etwa der Pflicht gegen sich selbst zuwider sei, sich das Leben zu nehmen. Nun versucht er: ob die Maxime seiner Handlung wohl ein allgemeines Naturgesetz werden könne. Seine Maxime aber ist: ich mache es mir aus Selbstliebe zum Prinzip, wenn das Leben bei seiner längeren Frist mehrübel droht, als es Annehmlichkeit verspricht, es mir abzukürzen. Es frägt sich nur noch, ob diese Prinzip der Selbstliebe ein allgemeines Naturgesetz werden könne. Da sieht man aber bald, dass eine Natur, deren Gesetz es wäre, durch dieselbe Empfindung, deren Bestimmung es ist, zur Beförderung des Lebens anzutreiben, das Leben selbst zu zerstören, ihr selbst widersprechen und also nicht als Natur bestehen würde, mithin jene Maxime unmöglich als allgemeines Naturgesetz stattfinden könne, und folglich dem obersten Prinzip aller Pflicht gänzlich widerstreite. “ Im Gegensatz zum Kategorischen Imperativ steht der Hypothetische Imperativ, der an eine Voraussetzung gebunden ist und nur für den Menschen gilt, der ein bestimmtes Ziel hat. Der Satz: „Willst Du ein hohes Alter erreichen, so musst Du Deine Gesundheit erhalten“ gilt eigentlich für jeden Menschen, gilt aber für den Einzelnen nur unter der Bedingung, dass er überhaupt Wert darauf legt, ein hohes Alter zu erreichen.

Das bisher Gesagte veranschaulicht folgende Übersicht:8

V Was darf ich hoffen?

Nach den beiden Fragen: „1. Was kann ich wissen? und 2. Was soll ich tun? wendete sich Kant der dritten Grundfrage zu: Was darf ich hoffen?

„Die Hoffnung richtet sich auf das noch nicht Gewesene; die dritte Grundfrage eröffnet die Dimension der Zukunft, der Geschichte, der Sinngebung menschlichen Lebens.“ (Otfried Höffe)

Der Mensch, der nur deshalb in Übereinstimmung mit dem moralischen Gesetz handelt, weil er im Jenseits eine lohnende und strafende Gerechtigkeit erwartet, würde von vorn herein die Autonomie des Willens verfehlen. Trotzdem führt für Kant die Moral „unumgänglich zur Religion“. Religion ist somit die Folge der Moral.

Im Unterschied zu vielen seiner „aufgeklärten“ Zeitgenossen hält Kant sowohl am Dasein Gottes, als auch an der „tröstenden Hoffnung“ auf die Unzerstörbarkeit der Person fest. Die praktische Existenz der unsterblichen Seele und Gottes würde durch die Wirklichkeit des Sittengesetzes bewiesen: „Weil der Mensch unter dem Sittengesetz steht, ist er durch die Vernunft genötigt, an die Unsterblichkeit der Seele und das Dasein Gottes zu glauben.“ (Höffe)

Unsterblichkeit und Gott sind für Kant wirkliche Gegenstände der moralischen- nicht der empirischen Welt.

Kant hält an der Auffassung der Griechen, dass man durch ein gutes und gerechtes Leben sich selbst verwirkliche und wahre Glückseeligkeit erwerbe, fest, doch für ihn sind Moralität und Glückseeligkeit dasselbe. Der moralische Mensch ist zwar des Glückes würdig, aber nicht notwendigerweise tatsächlich glückselig. Das höchste Gut besteht in der Übereinstimmung der Glückseeligkeit mit der Moralität (Glückswürdigkeit).

Der Tugendhafte wird gemäß seiner Tugend belohnt, was nicht heißen soll, Kant würde den Nichttugendhaften strafen wollen. „Die oberste Bedingung des höchsten Gutes sieht Kant in der vollendeten Tugend, der völligen Angemessenheit der Gesinnungen an das Sittengesetz.“ (Höffe) Für Kant ist diese Angemessenheit „ Heiligkeit, eine Vollkommenheit, deren kein vernünftiges Wesen der Sinnenwelt in keinem Zeitpunkt seines Daseins fähig ist. Da sie indessen gleichwohl als praktisch nothwendig gefordert wird, so kann sie nur in einem ins Unendliche gehenden Progressus... angetroffen werden... Dieser unendliche Progressus ist aber nur unter Voraussetzung einer ins Unendliche fortdaurenden Existenz und Persönlichkeit desselben vernünftigen Wesens (welche man die Unsterblichkeit der Seele nennt möglich. “ 9

Eine unerlässliche Voraussetzung der Moral des Menschen war für Kant diese, dass der Mensch eine unsterbliche Seele hat, dass es einen Gott gibt und dass der Mensch einen freien Willen hat. Das Sittengesetz spricht: Du kannst, denn Du sollst.10 Den Glauben an eine unsterbliche Seele, an Gott und an den freien Willen des Menschen bezeichnete er als „praktische Postulate“. Darunter verstand Kant etwas, was für das praktische Leben des Menschen behauptet werden muss. Es sei moralisch notwendig, das Dasein Gottes anzunehmen.

Diese Argumentation- und das ist das Bemerkenswerte- veränderte die traditionelle Vorstellung vom künftigen Leben, denn Kant verlängert damit die moralische Anstrengung des Diesseits ins Unendliche.

Auf vier Voraussetzungen beruhend ist das zweite Postulat, das Dasein Gottes:

- Glücklich zu sein verdient der moralische Mensch
- die Moralität verbirgt keine proportionale Glückseligkeit
- es wird von einer Macht ausgegangen, die die gebührende Glückseligkeit zuteilt
- diese Zuteilung findet man nur bei einem Wesen, das
a) „allwissend ist, um sich über die Glückswürdigkeit nie zu täuschen
b) allmächtig ist, um die proportionale Zuteilung der Glückseligkeit stets vornehmen zu können“, denn Tugend und Glückseligkeit müssten im entsprechenden Maße als Ursache und Wirkung miteinander verknüpft sein
c) „heilig ist, um die Zuteilung unbeirrbar zu verfolgen “ (Höffe)

Kant betonte, dass eine derartige Macht nur Gott als moralischer Weltherrscher allein haben könne. Eine schwärmerische Eschatologie11 kritisierend unterscheidet Kant das höchste Gut, also das, worauf der Mensch hoffen darf, vom praktischen Gut. Letzteres verlangt vom Menschen ein moralischen Leben im Diesseits, da ohnehin die Glückseligkeit im Jenseits nur dann verteilt werden würde.

Bei all seinen Behauptungen stellte Kant allerdings heraus, dass der Mensch mit seiner Vernunft nicht die Existenz Gottes beweisen könne. Weder Vernunft noch Erfahrung hätten eine sichere Grundlage für die These, dass es einen Gott gibt. Für die Vernunft wäre es vielmehr wahrscheinlich und unwahrscheinlich zugleich, dass es einen Gott gibt . (Gaarder)

Der religiöse Glaube könne den Raum ausfüllen, wo unsere Erfahrung und unsere Vernunft nicht hinreichen.

Für die Philosophen der Aufklärung war die Frage, ob der Mensch eine unsterbliche Seele hat, eher eine Frage der Vernunft als des Glaubens. Sie wollten das Christentum von den vielen unvernünftigen Dogmen oder Glaubenssätzen befreien, die im Laufe der Kirchengeschichte auf Jesu schlichte Verkündigung aufgepfropft worden war. Viele Aufklärungsphilosophen schworen auf den Deismus, die Auffassung, nach der Gott vor langer langer Zeit die Welt geschaffen hat, nach der er sich dieser Welt aber nicht offenbart. So wird Gott zum höchsten Wesen, das sich dem Menschen nur durch die Natur und ihre Gesetze zu erkennen gibt, das sich aber, wie bereits gesagt, nicht auf übernatürliche Weise offenbart. Man spricht dabei vom „philosophischen Gott“.

In seinem Lehrsatz „ Von der Einwöhnung des bösen Prinzips neben dem guten: oderüber das radikale Böse in der menschlichen Natur “ griff Kant die Erbsünde auf. Das Böse fände sich in der ganzen Gattung und nicht nur bei einzelnen Individuen und würde einzelnen Handlungen vorausgehen. Es entspränge trotzdem nicht einer biologischen Anlage, sondern könne der Freiheit des Menschen zugeordnet werden.

Nicht bloß von Natur aus, sondern als radikal böse bezeichnete Kant den Menschen. Der Mensch wäre aus seinen Wurzeln heraus böse. Damit stand für Kant fest, dass es einer Revolution der Gesinnung bedarf, denn da die Bösartigkeit angeboren ist, würde zu ihrer Überwindung eine bloße Besserung der Sitten als Disziplinieren der von Natur aus undisziplinierten Neigungen nicht ausreichen.

Andererseits lehnte Kant die Vorstellung ab, der Mensch wäre total dem Bösen verfallen. Er berief sich auf das teils gute, teils böse Prinzip im Menschen und verfasste die Religionsschrift zum „ Kampf des guten Prinzips mit dem bösen um die Herrschaftüber den Menschen. “ Als reines Vorbild des siegreichen Kampfes des Guten über das Böse sah Kant Jesus. Er sei „die Menschheit (das vernünftige Weltwesen überhaupt) in ihrer moralisch ganzen Vollkommenheit.“12

Ein wichtiger Grundwert Kants äußert sich in folgendem berühmten Ausspruch Kants: „ Zwei Dinge erfüllen das Gemüth mit immer neuer und zunehmender Ehrfurcht...:der bestirnte Himmelüber mir und das moralische Gesetz in mir. “

Der „bestirnte Himmel“ darf in diesem Zusammenhang als der Bereich göttlichen Wirkens gesehen werden. Wenn Kant vom „moralischen Gesetz in sich“ sprach, so wollte er damit sagen, dass der Mensch eine von Gott abhängige Instanz über „gut“ und „böse“ in sich trägt.

VI Kants Staatsbild

Auch den Naturzustand gründete Kant in einer reinen Vernunftidee. Es handelt sich hierbei um die rationale Vorstellung eines Zusammenlebens der Menschen bei völliger Abwesenheit äußerer Grenzen, es ist ein Zustand äußerer grenzenloser Freiheit. In Kants Naturzustand kann jeder das tun, was ihm sinnvoll erscheint. Jeder hat das Recht auf Freiheit, eine radikale Freiheit im Naturzustand. Somit geht er allerdings das Risiko ein, dadurch anderer Menschen Freiheit einzuschränken und auch selber eingeschränkt zu werden. Als einzigen Weg, dieser Willkür des Naturzustandes entgehen zu können, sah Kant es, sich mit allen dahingehend zu vereinigen, sich öffentlichen, gesetzlichen und äußeren Zwängen zu unterwerfen, also in einen bürgerlichen Zustand einzutreten und der Rechtlosigkeit so zu entgehen. Diesen freiwilligen Schritt aus dem Naturzustand in einen bürgerlichen Zustand, dem Zustand der Republik, begründete Kant mit der Vernunft des Menschen und mit dem vernünftigen Willen, aus dem heraus Menschen ihre Verhältnisse vernünftig gestalten wollen. Der Eintritt in eine bürgerliche Gesellschaft schafft Rechtssicherheit. Dies ist auch einer der Hauptgründe Kants, eine solche bürgerliche Gesellschaft zu schaffen. Das positive, staatlich gesetzte Recht, das öffentliche Recht, wird durch die öffentliche Gerechtigkeit bestimmt und durch eine Recht ausübende Gewalt gesichert. Nicht Privatpersonen obliege es, zu entscheiden, was Recht ist, sondern der öffentlichen Gewalt, das heißt der Rechtszustand hat Staatscharakter. Obwohl es anfangs so scheint hat der Mensch nicht seine Freiheit aufgegeben, sondern lediglich die gesetzlose Freiheit des Naturzustandes verlassen, um diesen rechtlichen Zustand wiederzufinden, welchen er kraft seines Willens selber gewählt hat. Die Freiheit aller würde also die Grenzen untereinander bestimmen. Der allgemeine Volkswille ermögliche erst den Eintritt in die Gesellschaft. Die Souveränität sieht Kant beim Volk. Sie steht unter dem Aspekt der Freiheit und der Unterbindung von Willkür. Die gesetzgebende Gewalt könne nur dem vereinten Willen des Volkes zukommen. Da sich selber niemand Unrecht zufügen würde glaubt Kant die Ungerechtigkeit ausgeschlossen zu haben.

Aus Kants Rechtsprinzip ergibt sich, dass jeder von Natur aus ein ihm zustehendes Recht auf Freiheit hat, sofern sie mit der Freiheit anderer Menschen nach einem allgemeinen Gesetz vereinbart ist. Somit würde zwischen allen Menschen Rechtsgleichheit bestehen.. Der Staat soll seine Grundordnung so wählen, dass der gemeinschaftliche Wille aller darin widergespiegelt wird.

VII Kritik an Kant

Abschließend halte ich es für wichtig, anzumerken, dass Kant durch sein Werk nicht nur Bewunderer gewonnen hat, sondern auch viele Kritiken auf sich zog. Im Folgenden sollen einige von ihnen erwähnt sein.

Heinrich Heine beispielsweise kritisierte Kants Art zu schreiben als „grauen, trockenen Packpapierstyl“, der „schwerfällig“ und „steifleinen“ sei. Er bezeichnete die Philosophie Kants als „wegen ihrer abstrakten Trockenheit sehr schädlich“, denn sie nahm einen großen Einfluss auf alle Disziplinen der Wissenschaften und Künste. Zynisch fügte Heine hinzu: “Zum Glück mischte sie sich nicht in die Kochkunst.“ Er bemerkte zudem:“ Nur das Genie hat für den neuen Gedanken auch das neue Wort. Immanuel Kant war aber kein Genie.“ Ernst Bloch fand 1959, der Kategorische Imperativ drücke etwas „kalt Formales“ aus und in ihm würden „Betretenheit, ja Ablehnung und Betroffenheit“ ineinander gehen. Er bezeichnete ihn einerseits als ideologisch, als „preußischen Krückstock“ und möchte damit dessen bürgerliche Gesinnung und die ihr folgende Ethik kritisieren. Die Verallgemeinerung würde Ausgrenzungen und Nivellierungen einleiten, die Formulierung würde jedoch autonome Entscheidungsmöglichkeiten zulassen. „Es ist zu befürchten, dass diese Entscheidungschancen normalisiert, vorgegebenen Verallgemeinerungen unterworfen werden.“ (Mürner)

Unmissverständlich verunglimpfend, soll Friedrich Nietzsche Kant als „verwachsenen Begriffskrüppel“ bezeichnet haben.“13 Für Nietzsche (1887) „riecht“ der Kategorische Imperativ „nach Grausamkeit...“ (Mürner)

Wenn man sich mit einem bedeutenden Philosophen wie Kant auseinandersetzt, so ist es schier unmöglich, auf alle bedeutenden Leistungen einzugehen, würde man doch ganze Bücher füllen können. Diese Arbeit soll einen Überblick geben über Kants Philosophie und zum Nachdenken über das eigene Sein in der Gesellschaft anregen.

Schließen möchte ich mit einem Zitat von Wasianski: „ Auch Kant hatte seine

Schwachheitsschatten als Mensch, die aber seinem lichten Seiten nichts von ihrer Klarheit und Sichtbarkeit benehmen konnten und werden. “

VIII LITERATURVERZEICHNIS:

- Brentano, Franz „Geschichte der Philosophie der Neuzeit“, Felix Meiner Verlag GmbH, Hamburg 1987

- Gaarder, Jostein „Sofies Welt“- Ein Roman über die Geschichte der Philosophie-, Carl Hanser Verlag, München Wien 1993

- Höffe, Otfried „Immanuel Kant“, Verlag C.H. Beck, München 1992, 3. Auflage

- Internet: http:\\www.zum.de/Faecher/D/Saar/gym/philosop/kant.htm http:\\www.home.t-online.de/home/p.moeller.berlin/aufklaer.htm

- Mürner, Christian „Philosophische Bedrohungen“, Peter Lang GmbH, Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 1996

- Störig, Hans Joachim „Kleine Weltgeschichte der Philosophie“, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1996

- v. Aster, Ernst „Geschichte der Philosophie“, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1947

- Wahrig Fremdwörterlexikon, Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 2. Auflage Februar 2000

[...]


1 Immanuel Kant 1784 in Beantwortung der Preisaufgabe der Berliner Akademie der Wissenschaften „Was ist Aufklärung?“

2 Engl. Physiker, Mathematiker und Astronom

3 Losung: „Zurück zur Natur!“ (Jean- Jacques Rousseau)

4 Metaphysik: die Lehre von den letzten nicht erfahr- und erkennbaren Gründen und Zusammenhängen des Seins

5 Poln. Domherr, Arzt und Astronom

6 Das Schema wurde entnommen aus http:\\www.zum.de/Faecher/D/Saar/gym/philosop/kant.htm; S. 4/9

7 lateinisch: transcendere: überschreiten, übersteigen , über eine Grenze hinausgehen 10

8 Abbildung aus Störig, H.J. „Kleine Weltgeschichte der Philosophie“, S. 411 12

9 Kritik der praktischen Vernunft, V 122

10 Kritik der praktischen Vernunft, 54; 151; 209ff.

11 Lehre vom Weltende und vom Anbruch einer neuen Welt, von den letzten Dingen, dem Tode und der Auferstehung (griechisch eschaton: das Äußerste, das Letzte)

12 Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, VI 60

13 zitiert nach Gerhard Lehmann 1969

Details

Seiten
19
Jahr
2001
Dateigröße
373 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v102851
Institution / Hochschule
Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg
Note
1
Schlagworte
Kant Aufklärung Freiheit Gesetz Brust Werte Normen Sozialen Arbeit

Autor

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Titel: Kant und die Aufklärung - Freiheit und das Gesetz in meiner Brust