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Horváth, Ödön von - Jugend ohne Gott - Die männliche Jugend

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 2 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Textstellen

1 TITEL

Jugend ohne Gott

2 S.13, 30 - S.14, 14

Ich erkundige mich nur, ob sie es noch nie gehört hätten, dass sich seit Urzeiten her, seit tausend und tausend Jahren, seit dem Beginn der menschlichen Gesittung, immer stärker und stärker ein ungeschriebenes Gesetz herausgebildet hat, ein schönes männliches Gesetz: Wenn ihr schon rauft, dann raufe nur einer gegen einen! Bleibt immer ritterlich! Und ich wende mich wieder an die fünf und frage: „Schämt ihr euch denn nicht?“

Sie schämen sich nicht. Ich rede eine andere Sprache. Sie sehen mich groß an, nur der Verprügelte lächelt. Er lacht mich aus.

„Schließt das Fenster“, sage ich, „sonst regnets noch herein!“ Sie schließen es.

Was wird das für eine Generation? Eine harte oder nur eine rohe?

Ich sage kein Wort mehr und gehe ins Lehrerzimmer. Auf der Treppe bleibe ich stehen 8nd lausche: ob sie wohl wieder raufen? Nein, es ist still. Sie wundern sich.

3 S.17, 20 - S.17, 25

„Sie vergessen das geheime Rundschreiben 5679 u/33! Wir müssen von der Jugend alles fernhalten, was nur in irgendeiner Weise ihre zukünftigen militärischen Fähigkeiten beeinträchtigen könnte - das heißt: wir müssen sie moralisch zum Krieg erziehen. Punkt!“

4 S.90, 5 - S.91, 19 (zur Verdeutlichung der Bedeutung des Wortes Gott) „[...], denn da könnte man deutlich Gottes Hand darin beobachten.“ [...] „Gottes Hand?“

Ja, [...] denn in diesem Fall scheinen alle schuldig zu sein. Auch die Zeugen, der Feldwebel, der Lehrer - und auch die Eltern.“ [...] Denn nicht nur die Jugend, auch die Eltern kümmern sicht nicht mehr um Gott. Sie tun als wäre er nicht da.“ [...] (Verfall der moralischen Werte -Anmerk. von ARThiel) Der Alte verlässt die Metzgerei. [...] Ich denke, es hat etwas zu bedeuten, dass ich hier warten muss. Ich [...] sage: „ Wenn man nur wüsste, wo Gott wohnt.“

„Er wohnt überall, wo er nicht vergessen wurde“, höre ich die Stimme des Alten. „Er wohnt auch hier bei uns, denn wir streiten uns nie.“

Ich halte den Atem an. Was war das? War das noch die Stimme des Alten?

Nein, das war nichts seine - das war eine andere Stimme. Wer sprach da zu mir? [...]

Und wieder höre ich die Stimme: „Wenn Du als Zeuge aussagst und meinen Namen nennst, dann verschweige es nicht, dass du das Kästchen erbrochen hast“.

(Gemeint ist die obligatorische Zeugenvereidigung, inder der Zeuge schwört die Wahrheit zu sagen, so war ihm Gott helfe - Anmerk. von ARThiel)

Nein! Da werd ich doch nur bestraft [...] „Das sollst du auch!“

Aber ich verliere auch meine Stellung, mein Brot -

„Du musst es verlieren, damit kein neues Unrecht entsteht“(Gerechtigkeitsplädoyer: Ernte, was Du gesät hast! - Anmerk. von ARThiel)

[...] „Sage es“, höre ich die Stimme, „sage es, dass Du das Kästchen erbrochen hast. Tu mir den Gefallen und kränke mich nicht wieder“(Er würde Gott durch Lug und Egoismus kränken, da dieser die Wahrheit, Gerechtigkeit und den Einsatz für das Wohl Anderer symbolisiert - Anmerk. von ARThiel)

5 S.31, 26 - S.32,1

Vor drei Jahren erließ die Aufsichtsbehörde eine Verordnung, durch welche sie die üblichen Osterferien [...] aufhob. Es erging nämlich die Weisung an alle Mittelschulen, anschließend an das Osterfest die Zeltlager zu beziehen. Unter „Zeltlager“ verstand man eine vormilitärische Ausbildung.

Interpretationsansätze

In dem beschriebenen faschistischen System versucht das Regime massiv die Sozialisation aller Jugendlichen, insbesondere der Jungen, zu steuern. Die männlichen Jugendlichen sollen die Fähigkeit zur Entwicklung eigener moralischer Maßstäbe und Maximen und die Fähigkeit eigene soziale Definitionen aufzustellen gar nicht erst erlernen. Stattdessen soll ohne Zweifel die rassistisch-faschistische Ideologie des Regimes akzeptiert werden, um aus den Jungen einmal perfekte Soldaten machen zu können.

Das Ziel ist, die Jugend zu absoluter Treue gegenüber dem System und seinen Machthabern zu erziehen. Eigene Meinungsbildungsfähigkeit, Kreativität und andere, die geistige Individualität eines Menschen ausmachenden, Faktoren sind dabei nur hinderlich und sollen deshalb verkümmert bleiben. (siehe auch Interpretation des Bildes: Der Fisch!)

Um dies zu erreichen, wird versucht den gesamten Sozialisierungsprozess der Jugendlichen bestmöglich zu kontrollieren. Dazu dienen vor allem Jugendorganisationen, in denen den Jungen schon in sehr zartem Alter nicht nur die faschistisch-rassistische Ideologie nahegebracht wird, sondern auch Eigenschaften wie Härte, Aggressivität und Stärke als erstrebenswert und jegliche humanistische Züge als schwach und verachtungswürdig vermittelt werden. Noch viel wichtiger ist das „eigene Denken“ möglichst zu unterbinden und den Jungen stattdessen die propagierte Ideologie einzupflanzen. Zu diesem Zweck wird die Schule instrumentalisiert. Die Lehrerschaft sieht sich mit unantastbaren Benotungskriterien konfrontiert, welche die ideologische Korrektheit einer Arbeit als allerwichtigstes Kriterium für eine gute Note definiert.

Welche Rolle die Familie, sprich die Eltern, in diesem System der subtilen Gehirnwäsche spielen und warum sie anscheinend kaum in der Lage oder nicht gewillt sind, ihre Söhne zu Freidenkern zu erziehen, muss noch untersucht werden, ist aber glücklicherweise nicht meine Aufgabe!

Ein Hoffnungsschimmer

Als der Lehrer Individualität vorle bt und vor der Gerichtsbarkeit eine Aussage macht, die erkennen lässt, dass ihm Werte wie Wahrheit und Gerechtigkeit wichtiger sind, als das eigene Wohlergehen, inspiriert dies einige Kinder. Eva, die ihre vorherige Falschaussage revidiert und vor allem die Mitglieder des Klubs, bei denen dies besonders hervorzuheben ist, da sie im Gegensatz zu Eva Teil des Systems und der Propagandamaschinerie waren und sind ! Dies ist ein Beleg dafür, wie sehr Jugendliche auf positive äußere Vorbilder angewiesen sind, um eigene Moralvorstellungen zu entwickeln, dass sie dazu aber selbst unter den Rädern dieser Propagandamaschinerie in der Lage sind!

Der Titel des Buches

Die Bedeutung des Titels „Jugend ohne Gott“ wird deutlich in Textstelle 4. Der Lehrer erlebt eine Gottesoffenbarung, die ihm unumstößlich glauben lässt an Moral und Menschlichkeit. Gott steht also für all die vergessenen Werte, für Wahrheit, Gerechtigkeit, Hilfsbereitschaft, schlicht für Menschlichkeit und auf eine diffizile Art und Weise auch für die Individualität des Menschen, die erlangt wird durch ein Bekennen zu diesen Werten, obwohl sie der Propaganda des Regimes widersprechen.

Die Jugend ohne Gott, der diese Werte fehlen, ist eine Jugend ohne moralische Ideale, ohne Glaube an Menschlichkeit und humanistische Werte, eine Jugend ohne Individualität und Identität.

Alexander R. Thiel

Details

Seiten
2
Jahr
2001
Dateigröße
335 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v102502
Note
15
Schlagworte
Jugend ohne Gott Horvath Nationalsozialismus Sozialisierung

Autor

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Titel: Horváth, Ödön von - Jugend ohne Gott - Die männliche Jugend