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Globalisierung in der Produktion

Ausarbeitung 2001 14 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen zur Globalisierung
2.1 Wettbewerbsvorteile des Unternehmens
2.2 Bestimmungsfaktoren für Inter- und Externalisierungsentscheidungen des Unternehmens

3. Internationalisierungsstrategien
3.1 Nachfrageorientierte Strategien
3.2 Produktionsorientierte Strategien
3.3 Nachfrage- und Produktionsorientierte Strategien

4. Formen der Globalisierung der Produktion
4.1 Direktinvestitionen
4.2 Joint-Ventures
4.3 Formen der Globalisierung ohne Kapitalbeteiligung
4.4 Lizenzverträge
4.5 Franchising
4.6 Management- und Beratungsverträge
4.7 Dienstleistungsverträge
4.8 Passive Lohnveredelung
4.9 Produktionsfertige Erstellung von Anlagen

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das vorliegende Referat behandelt die Globalisierung der Produktion, die durch multinationale Unternehmen entstanden ist. Viele Formen der Produktionsverlagerung haben sich im Rahmen langer Produktions- und Absatzketten heraus entwickelt. Es wird hierbei auch von der Internationalisierung der Produktion gesprochen. Unternehmen internalisieren Produktions- und Absatzbeziehungen, um ihre Absatzpotentiale zu erweitern, komparative Vorteile zu nutzen und ihre Gewinne zu erhöhen. Die Produktion findet in eigenen ausländischen Fertigungsstätten statt, die durch Direktinvestitionen aufgebaut werden. Des weiteren sind Internationalisierungsformen, in Formen mit Kapitalbeteiligung (Joint- Ventures) als auch ohne Kapitalbeteiligung aufzugliedern. Formen ohne Kapitalbeteiligung entstehen aus der Zusammenarbeit mit ausländischen nicht kapitalverbundenen Unternehmen. Die Entwicklung der Direktinvestitionen zeigt, trotz einiger Schwierigkeiten,wie z.B. Wechselkurs- und Zinssatzschwankungen und Protektionismen, eine positive Tendenz auf. Internationalisierungsmaßnahmen hat es schon vor einiger Zeit gegeben, dennoch haben diese Formen seit den 70er Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen und sind heute auf internationaler Ebene unentbehrlich geworden. Sie fördern die qualitative Veränderung der internationalen Arbeitsteilung und sind somit zu einem Hauptelement der Weltwirtschaft geworden.

Auf Basis der Theorien zur Globalisierung der Produktion möchte ich die unterschiedlichen Strategien der Unternehmen zur Ausweitung der Produktion deutlich machen. Es werden daraufhin, die einzelnen Formen der Internationalisierung im Einzelnen behandelt.

2. Theoretische Grundlagen zur Globalisierung

2.1 Wettbewerbsvorteile des Unternehmens

Die Globalisierung der Produktion läßt sich anhand drei Gruppen von Faktoren bestimmen. Der erste Faktor sind die Unternehmensspezifischen Wettbewerbsvorteile, die dann vorliegen, wenn eine Unternehmung über geschütztes Know How bei der Produktion und Verteilung verfügt. Voraussetzung für ausländische Produktionsaktivitäten sind zumeist monopolistische Wettbewerbsvorteile des verlagernden Unternehmens im Vergleich zu den einheimischen Konkurrenten. Sie verfügen über Informationskostenvorteile, die aus besseren Kenntnissen der lokalen Markt- und Produktionsbedingungen heraus resultieren. Die Heimvorteile der lokalen Konkurrenten müssen übertroffen werden, um eine erfolreiche Globalisierung durchzuführen. Monopolistische Wettbewerbsvorteile werden aucfh als unternehmensspezifische oder eigentümerspezifische Vorteile bezeichnet. Das sind ,,superior technology, product differentiation, large minimum capital requirements, scale economies und superior skills" (S. Lall, 1980, S.104).

Als potentielle Träger der Internationalisierung werden die Gesellschaften bezeichnet, die in ihrem Produktionsbereich im Inland eine führende Position haben. Meist sind dies relativ große Unternehmen, die in oligopolistischen Märkten tätig sind. Die Globalisierung der Produktion verleiht den multinationalen Unternehmen Vorteile gegenüber den nationalen Konkurrenten. Vorteile sind unter Anderem der Zugang zu internationalen Faktor- und Gütermärkten, die Nutzung der unterschiedlichen Faktorausstattung der einzelnen Länder und die Reduzierung von Währungsrisiken durch die Tätigkeit in diversen Wärungsgebieten. Diese Vorteile auszunutzen ist das Motiv für die Unternehmen global tätig zu werden. Hierbei ist die dynamische Wettbewerbsfähigkeit zu erwähnen. Sie zielt auf die unternehmensinterne Integration von Produktions- und Vertriebsfunktionen und auf die Organisation großer Beschaffungs- und Absatzmärkte ab.

Es werden neue Kenntnisse und Erfahrungen gewonnen. Dazu steigen Flexibilität, Risikobereitschaft und die Möglichkeiten für Alternativlösungen an.

Der zweite Faktor sind die Internalisierung und die Externalisierung. Bei der Internalisierung werden die ökonomischen Aktivitäten innerhalb der Unternehmung kombiniert. Internalisierungsvorteile entstehen, wenn die mobilen Ressourcen unternehmensintern auf globaler Ebene transferiert werden. Sie führen dazu, daß Markttransaktionen (Externalisierung) durch unternehmensinterne Transaktionen ersetzt werden. Internalisierung erfolgt durch Direktinvestitionen. Als Folge von Externalisierungsprozessen hat sich eine Vielzahl neuer Globalisierungsformen herausentwickelt. Gemeinschaftsunternehmen und Internaltionalisierungsformen ohne Kapitalbeteiligung wie Lizenz-, Management-, Dienstleistungs-und Lohnveredelungsverträge sind hierbei zu erwähnen. Die Wettbewerbsvorteile des Unternehmens werden mit Vorleistungen,die außerhalb des Stammlandes erbracht werden, kombiniert. Dies ist der letzte Faktor, der die Globalisierung der Produktion mitbestimmt. Er wird als Standortaspekt bezeichnet. Standortfaktoren beeinflussen die Entscheidung, auf welchem Auslandsmarkt ein Unternehmen produziert. Die Attraktivität eines Landes als Produktionsstandort hängt von seiner Faktorausstattung, seinem Nachfragepotential, seiner geografischen Distanz zu anderen Märkten und seiner politischen Stabilität ab^1. Durch die Nutzung der Standortvorteile entstehen drei Arten von Globalisierungsstrategien. Diese Strategien sind die nachfrage-, produktionsorientierte und die nachfrage- und produktionsorientierte( Mischform ) Strategien.

2.2 Bestimmungsfaktoren der Internalisierungs- und Externalisierungs-entscheidung des Unternehmens

Für Internalisierungs-und Externalisierungsentscheidungen des Unternehmens gibt es einige Voraussetzungen. Das strategische Verhalten des Unternehmens wird durch die internen Eigenschaften der Unternehmung, die spezifischen Bedingungen auf den relevanten Technologiemärkten und den Rahmenbedingungen in den Gastländern beeinflusst. Interne Eigenschaften des Unternehmens wie z.B. eine hohe Markt- und Produktdiversifizierung führen zu Externalisierungsentscheidungen. Das Unternehmen kann das breite Produkt- und Marketingwissen vorteilhaft verwerten. Eine ausgeprägte Diversifikationsstrategie muß mit einer Organisationsform verknüpft sein, die eine starke Dezentralisierung zuläßt und damit für den nötigen Entscheidungsspielraum von Externalisierungsaktivitäten sorgt. Unternehmen, die eine geringe produktdiversizierung aufweisen verfügen meist über hohes Marketingwissen und werden eher dazu neigen zu internalisieren damit ein engerer Austausch zwischen dem Stammhaus und seinem kapitalverbundenen Unternehmen gegeben ist^2. Zwischen großen und kleinen multinationalen Unternehmen besteht der wesentliche Unterschied darin, daß kleine Unternehmen häufig nicht die finanziellen und personellen Ressourcen aufweisen können wie die großen. Eine Direktinvestition kommt meist nicht in Betracht, sie haben damit keine eigenen Produktionsstätten im Ausland. Kleinere Unternehmen konzentrieren sich somit eher auf das nahe Ausland und andere Märkte werden eventuell durch unterschiedliche Externalisierungsformen bedient. Direktinvestitionen sind mit Risiken für das Kapital und die politische Unsicherheit behaftet, die bei Joint-Ventures und anderen Formen der Globalisierung vermindert werden können^3. Diese Formen werden zumeist zur Erschließung neuer Märkte verwendet. Bei ausreichender Größe des Marktes würde die Errichtung einer Tochtergesellschaft jedoch als sinnvoll erscheinen.

Eine wichtige Rolle bei solchen Entscheidungen spielen auch die Bedingungen auf den relevanten Technologiemärkten. Unternehmen suchen nach Möglichkeiten, ihre Wettbewerbsvorteile sinnvoll zu nutzen. Teilweise ist es erforderlich, das eigene Technische Wissen zu schützen. Hier werden Kontrollmechanismen eingesetzt, die dann häufig zu einer Internalisierung führen. Sind diese Kontrollmechanismen nicht unbedingt vonnöten erfolgt eine Externalisierung. Die Unternehmen müssen also bei ihrer Entscheidungsfindung die Rolle des Schutzes für ihr Know-How berücksichtigen. Einerseits sind die Transaktionskosten bei einer Internalisierung sehr hoch andererseits ist der Schutz des technischen Wissens, gerade auf den Technologiemärkten, ein wichtiger Aspekt^4.

Idealerweise gilt es eine Strategie zu finden, die die Internalisierungs- und Externalisierungstätigkeiten optimal auf die Nutzungsmöglichkeiten der spezifischen Wettbewerbsvorteile des Unternehmens abstimmt.

Last but not least beeinflussen auch die Rahmenbedingungen in den Gastländern das strategische Verhalten multinationaler Gesellschaften. Hier ist zunächst einmal festzustellen, daß die alternativen Globalisierungsformen durch wechselnde internationale Investitionsstrategien für die Entwicklungsländer neue Vorteile und Risiken beinhalten. Die Entwicklungsländer versuchen durch wirtschaftspolitische Maßnahmen, wie Restriktionen der Güter- und Kapitalströme, ihre Devisenknappheit zu bewältigen. Die Unternehmen wirken dagegen, indem sie das Ausmaß der Bewegungen festlegen. Es werden Richtlinien bestimmt, die die Tochtergesellschaft einzuhalten hat. Bei einer Beteiligung müssen die Interessen des Partners berücksichtigt werden. Besitzen mehrere Unternehmen eine Niederlassung gemeinsam so sind die verschiedenen Ziele in Einklang zu bringen.

Aus diesem Grund sind strategische Ziele der Muttergesellschaft selten verwirklichbar, wenn die Niederlassung nicht vollständig der Muttergesellschaft unterstellt ist. Daher ist die Neigung zu Joint Ventures bei multinationalen Unternehmen eher als gering einzustufen.

3. Internationalisierungsstrategien

3.1 Nachfrageorientierte Strategien

Bei nachfrageorientierten Strategien geht es um die Konkurrenz um Marktanteile. Meist sind große multinationale Gesellschaften, die Vorsprünge in der Technologie und eine starke Marktposition besitzen hier eingebunden. Sie versuchen, aufnahmefähige Märkte zu erschließen und diese zu versorgen.

Daraus erfolgt ein Wachstum dieser Unternehmen. Besonders für technologisch weit fortgeschrittene Produktionsprozesse ist dieses zutreffend. Das nachfrageorientierte Ziel der Internationalisierung besteht darin, bereits existierende Absatzmärkte zu sichern und auszuweiten oder neue zu erschließen. Teile dieser Strategie sind die Präsenz in Regionen mit hohem Marktpotential, die Notwendigkeit von Serviceleistungen und die Überwindung von Handelshemmnissen. Durch eine größere Marktnähe steigt der Absatz und eine effektivere Marktbedienung ist möglich. Produktion in Marktnähe läßt die Verbraucherwünsche leichter erkennen und hat eine schnellere Reaktion auf Änderungen in den Nachfragebedingungen zur Folge^5.

Bei der Bestellung aus dem Ausland sind oft größere Lagervorräte nötig, dadurch kommt es zu höheren Lagerkosten. Dazu kommt, daß eine termingerechte Lieferung nicht sicher ist. Die Produktion auf dem jeweiligen lokalen Markt ermöglicht dieses. Darum errichten multinationale Unternehmen Produktionseinrichtungen im Ausland. Ebenso werden so Serviceleistungen, wie Reparaturen und Inspektionen erleichtert. Importgesellschaften können dem Abnehmer nicht so schnell und umfassend zur Verfügung stehen, als die multinationalen Unternehmen mit eigenen Produktionsstätten. Weiterhin ist es vorteilhaft, daß die Globalisierung der Produktion die Industrialisierung in dem Abnehmerland vorantreibt. Damit werden Importe durch heimische Produktion ersetzt. Die Unternehmen können so Importrestriktionen umgehen und die ausländischen Märkte beliefern. Absatzpolitische Strategien sind zumeist weltweite Marktanteilskämpfe unter oligopolistischen Konkurrenzbedingungen. Gesellschaften ist es möglich, mit der Verlagerung von Produktionsprozessen einen Wettbewerbsvorsprung gegenüber ihren Konkurrenten zu erlangen. Andere Unternehmen würden somit nachziehen, um den Wettbewerbsvorsprung wieder wettzumachen. Es können sich durch Konkurrenzbeziehungen zwischen multinationalen Unternehmungen verschiedener Nationalitäten auch Produktionsverlagerungen auf Drittländermärkten ergeben. Sie sind allzeit bestrebt, ihre Marktanteile durch Auslandsproduktion zu steigern und sie verlieren diese, wenn die Konkurrenz auf dem Markt auch existiert.

3.2 Produktionsorientierte Strategien

In produktionsorientierten Strategien ist es wichtig, die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten. So wird die Produktion in Entwicklungsländer verlagert, damit ein Vorsprung gegenüber der stärker werdenden Konkurrenz in den industrialisierten Ländern durch eine kostengünstigere Fertigung entsteht.

Die Verlagerung kann sich über die Montage und Fabrikation von Enderzeugnissen bis zur Herstellung von Komponenten, Halbfabrikaten und zur Lohnfertigung erstrecken. Dieser Aspekt der globalen Produktion ist zurückzuführen auf einen weltwirtschaftlichen Strukturwandel. Es gibt Änderungen in den einzelnen Volkswirtschaften und in den Handelsbeziehungen.

Das sind Änderungen in der Produktpalette,im Produktionsprozeß und in den Standortentscheidungen. Die Internationalisierung der Produktion erfolgt aus der strukturellen Anpassung in den Industrieländern und wird mit den Bestrebungen der Entwicklungsländer kombiniert. Dies sind die Exporte vornehmlich mit standardisierten Konsum- und Investitionsgüter zu steigern. Um konkurrenzfähig zu bleiben, können Unternehmen Rationalisierungsmaßnahmen durchführen, ihre Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten steigern, sich spezialisieren auf ein Produkt oder Produktionsprozesse ins Ausland verlagern. Können Rationalisierungsmaßnahmen, den Strukturwandel nicht mehr bewältigen, wird die Produktion verlagert. Deshalb wird die Produktion oft in die Entwicklungsländer verlagert. Es werden zwar Rationalisierungsmaßnahmen getätigt und es wird auch in andere Waren und Fertigungsverfahren ausgewichen aber dennoch wird ein großer Teil in die Entwicklungsländer ausgegliedert. Maßnahmen der Rationalisierung, der Sortimentsbereinigung und die Internationalisierung der Produktion können dazu beitragen, daß zumindest ein Teil der Produktion langfristig im Stammland verbleibt. Die einfachen Produkte aus dem Produktionsprogramm geraten unter zunehmenden Kostendruck. Nicht jedes Produjt kann ausgelagert werden, dennoch ist die fortgeschrittene Standardisierung das wichtigste Kriterium für die Produktionsverlagerung.

Die Chancen für eine Verlagerung sind um so größer, je weniger Wert auf Zusammenarbeit mit Kunden, Zulieferern und Absatzschwierigkeiten gelegt wird. Wenn weniger Forschung und Entwicklung betrieben werden muß, sind die Chancen ebenfalls gut. Ältere Produkte eignen sich gut für die Verlagerung ihrer Produktion, weil sie auf dem Markt schon lange existieren und nicht mehr eingeführt werden müssen^6. Die Entwicklungsländer haben Kostenvorteile, die besonders in den arbeitsintensiven Branchen auftreten. Die Standortvorteile werden ebenso in den technologieintensiven Industrien ausgenutzt. Es geht bei Globalisierungsentscheidungen um die Frage, welche Produktionsschritte ins Ausland verlagert werden. Die Produktion von Teilprodukten und Komponenten ist hiervon betroffen. Die Standardisierung ist aber nur ein Grund für die Internationalisierung von Produkten, ein anderer ist die Aufteilung des Produktionsprozesses in einzelne Arbeitsschritte. Also kann keine Branche ganz verlagert werden, denn es gibt Bereiche in der Produktion, die qualitativ hochwertige Produktionsfaktoren benötigt. Man könnte sagen, daß die arbeitsintensiven Tätigkeiten verlagert werden und die Entwicklungs- und Vertriebsaktivitäten im Inland verbleiben. Somit wären die künftigen Wachstumsbereiche in anspruchsvollen Technologien, hoher Qualifikation der Mitarbeiter und große Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten zu sehen. Dazu kann auch der Dienstleistungssektor gezählt werden. Ein weiteres Argument für die Produktionsverlagerung ist die starke Rohstoffintensität der Produkte. Natürliche Ressourcen sind in den industrialisierten Länder relativ knapp und eine Verlagerung in Entwicklungsländer bringt somit Kostenvorteile für das Unternehmen.

3.3 Nachfrage- und produktionsorientierte Strategien

Die Globalisierung eröffnet den Unternehmen die Möglichkeit, Markt- und Kostenvorteile gleichzeitig zu erzielen, d.h., daß nachfrageorientierte Strategien mit produktionsorientierten Strategien kombiniert werden.

Es entsteht eine Mischform der internationalen Produktion. Sie beinhaltet zum einen absatzpolitische und zum anderen produktionspolitische Elemente. Nachfrageorientierte Strategien beinhalten die Produktion gleicher Produkte an verschiedenen Standorten. Durch produktionsorientierte Strategien werden Kostenvorteile erzielt. Es kommt hierdurch zu einer Vertiefung der unternehmensinternen Arbeitsteilung und zur Erhöhung des Handels im Unternehmen selbst. Horizontale und Vertikale Integration wird von den Unternehmen gleichermaßen durchgeführt, d.h., daß eine Kombination aus beidem gefunden werden sollte. Durch diesen Prozeß kommt es zu einer Globalisierung von Investitions-, Produktions- und Außenhandelsaktivitäten.

4. Formen der Globalisierung der Produktion.

Bestimmte Formen der Internationalisierung der Produktion sind durch ein hohes Maß an Kontrolle bestimmt, das die Muttergesellschaft weltweit ausüben kann. Ein Produkt auf dem Weltmarkt anzubieten setzt eine Vielzahl von Tätigkeiten voraus. Jedes Unternehmen hat die Entscheidung zu treffen, welche Tätigkeiten selbst ausgeführt und kontrolliert werden und welche Tätigkeiten auf andere Unternehmen übertragen werden. Ersteres findet in der Internalisierung, die durch Direktinvestitionen gekennzeichnet ist, statt. Das Unternehmen kann hier seine Wettbewerbsvorteile waren und die Organisation bleibt im Unternehmen verankert. Direktinvestitionen sind ein Bündel von Kapital, Technologie, Management- und Marketingwissen, Rohstoffen und so weiter.

Die Entscheidung, eine Direktinvestition zu tätigen hängt von dem Unternehmen selbst als auch von der Unvollkommenheit des internationalen Marktes ab.

Bei der Externalisierung wird das Firmenwissen nur in einzelnen Teilen verlagert.

Das Unternehmen hat das Ziel, die einzelnen Teile des Wissens optimal zu nutzen. Die notwendigen Ressourcen werden nicht mehr vom Unternehmen selbst dort errichtet, es werden vielmehr Abkommen mit anderen Firmen ausgehandelt. Diese Form der Globalisierung benötigt keine Kapitalverbindungen mehr.

Daraus entstanden die sogenannten ,,neuen" Formen der Internationalisierung. Dieses sind internationale Produktionen zwischen selbständigen Partnerunternehmen. Sie sind eine Form der Zusammenarbeit von Partnern aus dem In- und Ausland und nutzen die vorhandenen Ressourcen sehr effizient.

4.1 Direktinvestitionen

Direktinvestitionen beinhalten die Möglichkeit, die Tochtergesellschaften im Ausland ausschließlich von dem Mutterunternehmen aus zu kontrollieren. Dies wäre bei einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Fall. Aber auch eine geringer prozentige Beteiligung kann einen erheblichen Einfluß auf die Entscheidung des Unternehmens haben, insofern ein einzelner Anteilseigner vielen geringer beteiligten gegenübersteht. Also kann die Beteiligungsquote ohne Angaben über die Kapitalstreuung nicht als Indikator für die Kontrollbefugnisse gesehen werden. Die Höhe der Transaktionskosten resultiert aus den Unvollkommenheiten des Marktes und der Menge der Vereinbarungen. Sie könnten gesenkt werden, wenn die Partner sich den Anordnungen einer zentralen Instanz, wie der Unternehmensleitung unterordnen würden. So werden Direktinvestitionen auch als Internalisierung der Unternehmenskontrolle angesehen. Der Faktor Organisation spielt hier eine sehr wichtige Rolle im Rahmen des Unternehmenswachstums^7. Zusätzlich reagieren die Unternehmen auf das Versagen der Märkte für Zwischenprodukte und stellen ihr eigenes Wissen in den Vordergrund. Die Unvollkommenheit der Märkte kann so weiter ausgebaut und Eintrittsbarrieren für die Konkurrenz können geschaffen werden. Bei einer horizontalen Integration handelt es sich um Unternehmen, die sowohl im Stammland, als auch in anderen Ländern dieselben Produkte herstellen. Wettbewerbsvorteile werden hier durch eine hohe Produktvielfalt erlangt. Vertikale Integration eröffnet den multinationalen Unternehmen die Möglichkeit spezielle Vorleistungen, wie Rohstoffe und vormontierte Zwischenprodukte im Ausland zu produzieren und die Qualität durch die Endmontage im Stammland zu sichern.

4.2. Joint-Ventures (,,neue" Formen)

Joint-Ventures oder Gemeinschaftsunternehmen sind die, bei denen sich multinationale Unternehmen mit lokalen Partnern (staatlich od. private) die Finanzierung und Geschäftsführung teilen. Joint- Ventures werden oft durch die Höhe der Kapitalbeteiligung unterschieden. Besitzt ein Partner mehr als 50% des Anteils am Grundkapital, so ist dies ein Mehrheits- Joint- Venture, bei weniger spricht man von einem Minderheits- Joint- Venture. Wenn alle Partner gleiche Anteile am Grundkapital aufweisen ist ein Paritäts- Joint- Venture gegeben.

Das weitere Kriterium zur Gestaltung ist die Aufgabenteilung. Joint- Ventures verknüpfen sich häufig mit anderen Formen der internationalen Produktion, wie z.B. Lizenz-, Management-, oder Marketingverträge. Joint- Ventures werden gegründet, um lokale Marktkenntnisse zu erwerben. Der Partner verfügt über Kenntnisse, wie Marktbedingungen und Beziehungen zu staatlichen Stellen und zu anderen Unternehmen. Vorteilhaft ist auch die Splittung des Kapitalrisikos.

Gemeinschaftsunternehmen sind teils eine Übergangsphase zu einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft.

Die Tochtergesellschaft ist dann in den Besitz des ausländischen Investors übergegangen.

Diesen Zustand bezeichnet man als Fade-in Strategie. Im umgekehrten Fall, von der hundertprozentigen Tochtergesellschaft zu einem Joint- Venture spricht man von der Fade-out Strategie.

Des weiteren gibt es zeitlich begrenzte Kapitalbeteiligungen. Bei einer Fade-out- Investition ist die zeitliche Beteiligung auf der Seite des ausländischen Partners. Nach und nach werden hier ausländische Anteile abgebaut. Das hat den Grund, das ausländische Arbeitskräfte nach einer Zeit durch einheimische Arbeitskräfte ersetzt werden. Allerdings hat sich der umgekehrte Fall stärker entwickelt. Hier besteht die Option nach einer bestimmten Frist, Teile des Grundkapitals zu erwerben.

4.3 Globalisierungsformen der Produktion ohne Kapitalbeteiligung

Bei den sogenannten ,,neuen" Internationalisierungsformen ohne Kapitalbeteiligung werden nur einzelne Komponenten in die ausländische Unternehmung mit eingebracht. Diese Formen sind sehr variabel und umfassen spezialisierte Einzelleistungen, z.B. Lizenzverträge, aber auch umfassende Leistungen, z.B. die Erstellung von produktionsfertigen Anlagen. Hier besteht der wesentliche Grund in dem Austausch von Dienstleistungen, wie Marketing- und Planungsdienstleistungen. So können Unternehmen sich bestimmte Leistungen über den Markt beschaffen. Es besteht die Möglichkeit mehrere dieser Formen bei der Globalisierung anzuwenden, das hängt dann von den Zielen der Unternehmen im einzelnen ab.

4,4 Lizenzverträge

In einem Lizenzvertrag ist es dem Lizenznehmer erlaubt, die Patente und Warenzeichen des Lizenzgebers zu nutzen.

Es finden entweder einmalige oder regelmäßige Austäusche statt, die Technologien oder Beratungen beinhalten. Der Lizenzgeber wird entweder mit Lizenzgebühren oder durch eine Pauschalzahlung entlohnt. Es können aber auch Beteiligungen am ausländischen Unternehmen eine Form der Zahlungsart sein. Das wäre dann wieder einmal ein Joint- Venture vom Typ einer Fade-in Strategie. Hauptsächlich werden Lizenzen dazu genutzt mit niedrigem Risiko einen Markteintritt zu vollziehen. Die Lizenz ist dann nur noch die Basis für einen Markteintritt und die Beziehungen werden vertieft. Nachteile können für den Lizenzgeber insofern entstehen, daß der Nehmer nach Ablauf der Lizenzvereinbarung, seine Marktposition so ausbauen kann, daß er dann als Konkurrent auftritt. Deshalb hat der Lizenzgeber oft Kontrollmechanismen eingebaut, die die Flexibilität des Nehmers einschränken. Das wäre nun wiederum ein Nachteil für den Lizenznehmer^8.

4.5 Franchising

Eine besondere Form des Lizenzvertrages ist das Franchising. Der Franchisegeber wird Franchisor genannt und bewilligt seinem Franchisenehmer, dem Franchisee, Firmen- und Markenzeichen sowie auch sein Wissen beim Absatz zu verwenden. Der Franchisor verpflichtet sich zu umfangreicher Zusammenarbeit in der Werbung, Qualitätskontrolle usw. Der Franchisee muß hingegen die Auflagen und Richtlinien, betreffend der Geschäftsform beispielsweise beachten. Diese Verträge sind in der Produktion von Konsumgütern und Dienstleistungen stark präsent. Restaurantketten, Autovermietungen und Getränkeindustrie sind Vertreter dieser Gattung.

4.6 Management- und Beratungsverträge

Management- und Beratungsverträge werden von Internationalen Unternehmen oder Beratungsfirmen mit Unternehmen in Entwicklungsländern abgeschlossen. Tätigkeiten wie Firmenführung, Firmenplanung und Firmenorganisation werden von diesen Gesellschaften durchgeführt. Consulting Firmen beschäftigen sich mit der Erstellung von Machbarkeitsstudien und suchen die richtigen Vertragspartner für das Investitionsprojekt. Die Geschäftsleitung wird an das Beratungsunternehmen abgegeben, das wiederum die ansässigen Führungskräfte in diesem Gebiet schult, damit später die Führung des Unternehmens von diesen Leuten durchgeführt werden kann. Zudem sollen Unternehmen aus Entwicklungsländern soweit vorangetrieben werden, daß sie in den Industrieländern eine Chance im jeweiligen Bereich bekommen können^9.

4.7 Dienstleistungsverträge

Staatliche Gesellschaften aus Entwicklungsländern und multinationale Unternehmen schließen diese Form der Globalisierung ab.Oft wird dies im Rohstoffsektor vollzogen. Herausragendes Argument ist hierbei die Trennung von unternehmerischen Risiko und den Eigentumsrechten.

Multinationale Unternehmen liefern Technologien und Kapital, um die Investition zu tätigen und bekommen dafür die Möglichkeit, Rohstoffquellen zu erschließen und abzuschöpfen. Hier trägt das Unternehmen das gesamte Risiko, da sie keine Eigentumsrechte besitzen. Das Entwicklungsland profitiert mit am Erfolg des Unternehmensvorhabens. Entwicklungsländer gelangen so an ihre Rohstoffquellen, die sie selbst nicht erschließen könnten, da ihnen das nötige Wissen fehlt. Die multinationalen Gesellschaften werden mit einem bestimmten Betrag entgolten oder sie dürfen Teile aus der Rohstoffproduktion abschöpfen.

4.8 Passive Lohnveredelung

Aufgrund des relativ geringen Lohnniveaus in den Entwicklungsländern, werden dort bestimmte Tätigkeiten der Produktion ausgeführt. Das Motiv hierbei, ist die Kostengünstigkeit durch Verlagerung arbeitsintensiver Produktionsprozesse.

Der Auftraggeber setzt Richtlinien, wie die Produktion vonstatten gehen soll und übernimmt seinerseits weiterhin die Vermarktung der Produkte. Durch diese Veredelung entstehen oftmals Vergünstigungen bei der Verzollung der Produkte. Teilweise müssen Zwischenprodukte gar nicht verzollt werden. In arbeitsintensiven Industrien, wie der Textilindustrie, wird diese Form der Internationalisierung gerne angewendet. Die Wettbewerbsvorteile dieser Industrien können in den Stammländern weiterhin genutzt werden. Kostendifferenzen können schon mit einem relativ geringen Kapital- und Personalaufwand entstehen und genutzt werden. Es müssen hier keine Direktinvestitionen getätigt werden, d.h., daß das unternehmerische und finanzielle Risiko minimiert werden kann^10.

4.9 Produktionsfertige Erstellung von Anlagen

Multinationale Unternehmen liefern komplette Produktionsanlagen in das Ausland. Die Leistung des liefernden Unternehmens ist hiermit abgeschlossen. Es passiert oft, daß Schwierigkeiten seitens der Wartung und der Kapazitätsauslastung auftreten.

Der Lieferant muß sich also auch um diese Dinge kümmern. Deswegen haben sich zwei erweiterte Formen entwickelt. Die erste Form wird Product-in-hand genannt. Es handelt sich um die Errichtung einer Produktionsanlage und der Schulung des Personals, so daß nach einiger Zeit ein selbständiger Betrieb möglich ist. Bei der zweiten Form, der Market-in-hand verpflichtet sich ein multinationales Unternehmen zum Absatz der hergestellten Produktionsgüter. Der Lieferant der Anlage wird mit Teilen des produzierten Outputs entgolten.

5. Literaturverzeichnis

- Böhme, W., Die Besteuerung des Know-how, München 1967

- Buckley, P.J./Casson, M.C., The Future of Mulinational Enterprise, London 1990

- Gabler Wirtschaftslexikon, Wiesbaden 1995, 13. Auflage, Vahlen

- Haertel, Hans-Hagen, Grenzueberschreitende Produktion, 1989

- Hymer, S. H., The International Operation of National Firms: A Study of Direct Investment, PhD Thesis MIT 1960

- Jahrrei ß, W., Zur Theorie der Direktinvestition im Ausland, Berlin 1984

- Meil, Pamela, Globalisierung industrieller Produktion, 1996

- Perlitz, M., Internationales Management, Mannheim 1995

- Rugman, A.M., New theories of the multinational enterprise: an assessment of internalization theory, 1986

Details

Seiten
14
Jahr
2001
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v102256
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
2,7
Schlagworte
Globalisierung Produktion Unternehmensstrategische AUFGABEN Logistikmanagement

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