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Organisationale Bestimmung und evolutionstheoretische Analyse des Goethe-Instituts

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 30 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A: Einleitung
Thema, Erkenntnisinteresse und Methode

B: Hauptteil
I. Untersuchungsgegenstand: Goethe-Institut - seine organisationale Verortung
1. Einführender Abriss der Geschichte
1.1 Die Zeit vor
1.2 Von den 50ern bis zur 68er Studentenrevolte
1.3 1968 und die Folgen
1.4 Nach der Öffnung Osteuropas
2. Verortung des Goethe-Instituts als Organisation
2.1 Ziel
2.2 Aufgaben
2.3 Struktur
2.4 Umwelt
2.5 Mitglieder
3. Durch die Umwelt gesetzte Rahmenbedingungen des Goethe-Instituts
3.1 Wirtschaft und Finanzen der BRD und finanzielle Zuwendungen an das Goethe-Institut
3.2 Politik
3.3 Der Kulturbegriff im gesellschaftlichen Diskurs
II. Evolutionstheoretischer Ansatz
1. Evolutionstheoretische Grundannahmen
2. Wandel, Menschenbild und Rationalität der Evolutionstheorie
3. Grundstruktur der synthetischen Evolutionstheorie
4. Konkretisierung des Population-Ecology-Ansatz von McKelvey
III. Evolutionstheoretische Erklärungsversuche des Wandels des Goethe-Instituts in den 90er Jahren
1. Kulturbegriff und inhaltliche Veränderungen
2. Institutsnetz als Teil der organisationalen Struktur
3. Synthese des evolutionstheoretischen Teils

C: Schluss

Literaturverzeichnis

X : Exkurs: Der Pluralismus und der Realismus als Strömungen in der aktuellen Außenpolitik der USA[1]

Kurz nach seinem Amtsantritt unterrichtet Georg W.Bush die Welt relativ formlos darüber, dass die Geschäftsinteressen Amerikas Vorrang vor dem Umweltschutz haben und dass sich sein Land nicht an das Protokoll von Kyoto halten werde. Gesagt getan. Etwa zur gleichen Zeit kündigt er die einseitige Kündigung des ABM-Vertrags an. Der ABM-Vertrag steht Bush bei der Schaffung einer nationalen Raketenabwehr im Wege. Ein Jahr später wird der Vertrag dann tatsächlich gekündigt. Zusätzlich kreiert er, ebenfalls zum Beginn seiner Amtszeit, den Begriff der "Schurkenstaaten", den er zur Legitimation seines AMD -Programms braucht. Mit diesem semantischen Coup erschafft er die Bedrohung, die er als Legitimation für sein politisches Handeln braucht. So muss er auch die von Clinton und den koreanischen Staatsoberhäuptern begonnene Sonnenscheinpolitik abrupt beenden und kommt der von der Vorgängerregierung vereinbarten amerikanischen Kontrollfunktion bei nordkoreanischen Nuklearanlagen nicht mehr nach. Der Israelkonflikt eskaliert unter der Duldung der einzigen Großmacht USA.

Was sich bis hier hin anhört wie der Stoff für einen Politthriller, in dessen Plot nur noch der vor Action explodierende Höhepunkt fehlt, geht noch weiter.

Es kommt der 11. September. Der kriegerische Vergeltungsschlag gegen Afghanistan löst einen neuen Rüstungsschub in den Vereinigten Staaten aus. Am 29. Januar des zweiten Jahres seiner Präsidentschaft erklärt Bush die Staaten Iran, Irak und Nordkorea zur "Achse des Bösen"[2]. Der Einsatz von Atomwaffen in Angriffskriegen wird enttabuisiert. Es dominiert der Standpunkt in der Amerikanischen Regierung, dass militärische Macht den Primat haben muss und Krieg, im Zweifelsfall auch mit Atomwaffen, im 21.Jahrhundert ein selbstverständliches Mittel amerikanischer Außenpolitik bleibt.[3]

'Außenpolitik wird nur von Staaten gemacht' ist eine grundsätzliche Annahme der 'realistischen' Schule[4] in den internationalen Beziehungen. In der Staatenwelt kommt dem souveränen Territorialstaat die Aufgabe von Machtmaximierung zu, zur Vertretung der Interessen seines Volkes, und zur Gewährleistung von Sicherheit nach außen. Selbstschutz ist angesagt in diesem Spiel jeder gegen jeden. Um diese Aufgaben mächtig erfüllen zu können, bedient sich der Staat am liebsten des Militärs. Das bedeutet, militärische Verteidigung ist der einzige Weg zur Sicherheit, frei nach Vegetius: "Wer den Frieden erzeugen will, muß den Krieg vorbereiten". Und das bedeutet auch, dass es ein Sicherheitsdilemma gibt, das in Kauf genommen wird. Die Sicherheitspolitik steht über der Wirtschaftspolitik zum Wohle des Staates, Waffenhandel wird, soweit es in die eigenen Interessen paßt, als neutral angesehen. Frieden hat eine militärische Qualität, d.h. es gibt nur die Abwesenheit von Krieg. Das Handlungsmuster, das diesem Weltbild zugrunde liegt nennt sich "Balance of Power".

Die pluralistische Theorie hingegen geht von einer Gesellschaftswelt aus, die aus einem Netzwerk vielfältiger Beziehungen zwischen Staaten besteht, deren Träger neben Staaten selbst unterschiedlichste Arten von Organisationen, so z.B. transnationale Unternehmen, Institutionen, Interessensgruppen und Regime sein können. Dadurch wird in dieser Theorie das Sicherheitsdilemma (i.e. Wettrüsten) verringert, dem Szenario einer ständigen Bedrohung die Möglichkeit der permanenten Friedensschaffung durch eine Vernetzung der Staaten entgegengesetzt. Frieden bekommt außer der militärischen eine politische Qualität (durch den Aufbau von ihn schaffenden Strukturen). Auch die Weltwirtschaft hat politische Bedeutung, weil durch sie die Verteilung von Entwicklungs- und Wohlstandschancen forciert werden kann. Die Wirtschaftpolitik steht damit über der Sicherheitspolitik.

Diese kurze theoretische Erhebung über den Alltag in der internationalen Politik ermöglicht den Übergang zum kulturvermittelnden Goethe-Institut als Organisation im Geflecht der internationalen Beziehungen (und damit eher der pluralistischen Theorieströmung zurechenbar). Und zusätzlich gibt sie einen Blick frei auf die Dinge, die da kommen mögen in Bezug auf die amerikanische Außenpolitik. Nach den Gesetzen der realistischen[5] Theorie der internationalen Beziehungen, denen die derzeitigen amerikanischen Regierungsvertreter eindeutig zuzuordnen sind, verlassen diese sich lieber auf die Macht der Waffen als auf die Überredungskunst der Diplomaten. Es findet eine Art "realistische Revolution" statt, die die ungehemmte militärische Machtprojektion in den Interessenssphären der Vereinigten Staaten vorsieht. Nach der Einschätzung eines Bonner Diplomaten betreibt die einzig verbleibende Großmacht einen "Übergang von einer weltweiten Koalition gegen den Terror hin zu einem hegemonialen Ordnungskrieg"[6] Nach diesem rein machtpolitisch orientiertem Politikmodell spielen die feinen Unterschiede und Abstufungen der Gestaltungsmöglichkeiten internationaler Politik keine Rolle mehr. Handlungsoptionen werden von vornherein auf die eigentliche ultima ratio, den Krieg angelegt. Die Welt wird binär codiert nach gut und böse, wo wiederum das Balance of Power Modell durchscheint durch die Schaffung eines klaren Feindbildes. Zehn Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Ende des Kalten Krieges scheint die Welt nicht ohne dieses auszukommen. Allen voran marschieren die USA mit einem verkürzten militärischen Sicherheitsbegriff. Dabei gibt es da ganz andere Wege.

A: Einleitung

Thema, Erkenntnisinteresse und Methode

Friedenssicherung kann aber z.B. auch durch sozialen Ausgleich und mehr Gerechtigkeit für ärmere und entwicklungstechnisch unterprivilegierte Weltregionen stattfinden.[7] Z.B. nach dem pluralistischen Modell durch internationale Organisationen. Wie z.B. dem Goethe-Institut (im folgenden GI) auf der Ebene der kulturellen Verständigung. Zwischenstaatliche Stabilität stützt sich auf ein vielfältiges interstaatliches Beziehungsgeflecht. Voraussetzung dafür ist interkulturelles Verständnis. Auf diesem Feld arbeitet das Goethe-Institut und ist somit ein Teil des pluralistischen Geflechts zwischen Staaten. Als Anhänger der pluralistischen Theorie entschied ich mich für ein Praktikum[8] bei dieser Organisation, das ich von Oktober bis Dezember 2001 für die Goetheinstitute Porto und Lissabon absolvierte. Es interessierte mich sowohl der organisatorische Aufbau der gesamten Organisation als auch die konkrete Kulturarbeit der Institute vor Ort. Der parastaatliche Verwaltungsträger hat im Laufe seiner Geschichte nach dem zweiten Weltkrieg immer weitreichendere Aufgaben der auswärtigen Kulturpolitik der Bundesrepublik übernommen. Die dialogische und partnerschaftliche Kulturarbeit ist seit der Ära Brandt zur fest integrierten dritten Säule der Außenpolitik Deutschlands geworden. Ein wesentlicher ihrer Träger ist das GI. Zum Wachsen, Werden (und Vergehen) dieser Organisation stellen sich mir die folgenden Fragen:

- Wie läßt sich das GI organisationell verorten?
- Inwieweit trugen Veränderungen der auswärtigen Politik sowie innergesellschaftliche

Veränderungen zu Veränderungen der kulturellen Mittlerorganisation GI bei und

umgekehrt?

- Wie steht es nach den sowohl innerorganisatorischen wie auch weltpolitischen

Veränderungen der 90er Jahre um das GI?

Zur Beantwortung dieser Fragen habe ich mich für eine organisationale Verortung und eine Analyse der wichtigsten Veränderungen der 90er Jahre durch die organisationstheoretische Evolutionstheorie entschieden. Sie soll mir als Instrument zur Messung und Beschreibung der oben gestellten Fragen dienen. Ich habe mich für diesen Ansatz der Organisationssoziologie entschieden, weil er mir ermöglicht, an konkreten Schlüsselstellen Wandel zu analysieren. Will man das Werden und Wachsen (und Vergehen) einer auswärtigem kulturellen Mittlerorganisation wie dem GI verstehen und erklären, machen die unterschiedlichen politischen Brüche und Entwicklungen innergesellschaftlich wie auch in den zwischenstaatlichen Beziehungen dieses Jahrhunderts es notwendig, einen auswärtigen Kulturvermittler wie das GI unter dem Gesichtspunkt des Wandels in Wechselbeziehung mit seiner Umwelt zu analysieren. Hierzu eignet sich die Evolutionstheorie, weil sie Wandel von Organisationen über die rationalen Entscheidungen von Individuen hinaus unter Einbeziehung der organisationalen Umwelt zu erklären sucht.

Das Thema dieser Arbeit ist also eine evolutionstheoretische Analyse des Goehte-Instituts in Kombination mit einer davor notwendigen organisationalen Verortung. Zu Beginn der Arbeit werde ich einen Überblick über die Geschichte des GI geben. Danach werde ich das GI an Hand einiger Schlüsselbegriffe organisationstheoretisch verorten. Nach der Beschreibung der Umweltfaktoren Wirtschaft, Politik und Kulturbegriff im gesellschaftlichen Diskurs folgt die Ausarbeitung und Eingrenzung des Analyseinstruments Evolutionstheorie, das dann bei zwei für die Veränderungen der 90er Jahre wesentlichen Schwerpunkten, nämlich den Aufgaben des GI in Abhängigkeit vom auswärtigen Kulturbegriff einerseits, dem Umbau des Institutsnetzes andererseits, auf das GI angewandt wird.

B: Hauptteil

I. Untersuchungsgegenstand: Goethe-Institut - seine organisationale Verortung

1. Abriss der Geschichte

1.1 Die Zeit vor 1951

Das GI wird am 9.8.1951 als Nachfolgeorganisation der Deutschen Akademie gegründet. Es geht als ein Teil der Praktischen Abteilung[10] aus der Deutschen Akademie hervor, wo es 1932 zum 100. Todestages J.W.Goethes am 22.März als "Goethe-Institut der Deutschen Akademie zur Fortbildung ausländischer Deutschlehrer" gegründet wurde. Der Aufgabenkatalog dieses ersten GI umfasste folgende drei Schwerpunkte:[9]

- Fortbildung für ausländische Deutschlehrer
- Schaffung von Hilfsmitteln für den Unterricht in der deutschen Sprache und

Einrichtung der ständigen pädagogischen Ausstellung "Der deutsche

Sprachunterricht"

- Durchführung von Sprachkursen im In- und Ausland

Als Ludwig Siebert, Staatsminister für Finanzen und Wirtschaft und bayerischer Ministerpräsident von Hitler zum Präsidenten der Deutschen Akademie ernannt wurde, wurde diese durch Gleichschaltung zum Instrument des totalitären Staates.[11] Die Deutsche Akademie wurde in der NS-Zeit stärker in den Staat eingebunden. Die Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes wurde in Kulturpolitische Abteilung umgetauft. Kulturpropaganda im Ausland war die dominierende Aufgabe der Deutschen Akademie ab 1933, die praktische Abteilung kümmerte sich weiterhin um die Durchführung von Sprachkursen und nützte ihre organisationale Struktur zur Verbreitung von faschistischen Publikationen im Ausland.[12] Zwischen 1932 und 1937 entstanden 44 Lektorate im Dienste der Akademie. Den regionalen Schwerpunkt bildete Südosteuropa. Die Alliierten lösten

die Deutsche Akademie 1945 auf und konfiszierten ihre Kulturinstitute. Seit 1952 steht das GI erneut im Vereinsregister als "Goethe-Institut e.V. zur Förderung der deutschen Sprache im Ausland".

1.2 Von den 50ern bis zur 68er Studentenrevolte

1953 beginnen die ersten Sprachkurse des GI in Bad Reichenhall. Die große Nachfrage führt zur Gründung weiterer Unterrichtsstätten in Bayern. Das Auswahlprinzip orientiert sich an kleinen, idyllischen Orten, die das Nachkriegsdeutschland von seiner besten Seite zeigen sollen (Sympathiewerbung für Deutschland). Ebenfalls 1953 übernimmt das GI das erste ehemalige Lektorat der Deutschen Akademie in Athen. Weitere folgen. Dadurch wird die Arbeit im Ausland wieder aufgenommen. Inhaltliche Aufgaben sind Deutschunterricht und Lehrerfortbildung, die durch ein begleitendes Kulturprogramm ergänzt werden. 1954 wird erstmals die Goethe-Medaille verliehen, als Anerkennung für die Sprachpflege im Ausland. 1959/60 werden auf die Initiative des Leiters der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes, Dieter Sattler, nach und nach alle bisher im Ausland tätigen deutschen Kulturinstitute[13] angegliedert. Das ist der Beginn des Ausbaus eines flächendeckenden Institutsnetzes im Ausland und "symbolisiert die intensivierte auswärtige Kulturpolitik der BRD"[14]. Am 1. November 1963 eröffnet die 100. Auslandszweigstelle des Goethe-Instituts - in Algier.

1.3 1968 und die Folgen

Geprägt von der gesellschaftlichen Umbruchphase[15] Ende der 60er Jahre orientiert sich auch das GI um. So wurde die Kulturarbeit des Instituts um gesellschaftspolitische Themen und avantgardistische Kunst erweitert. Im Auftrag des Auswärtigen Amtes entwickelt Ralf Dahrendorf die "Leitsätze für die auswärtige Kulturpolitik"[16]. Die auswärtige Kulturpolitik avaciert zur sogenannten "dritten Säule der Außenpolitik" (neben klassischer Diplomatie und Außenwirtschaft) und basiert auf dialogistischer und partnerschaftlicher Kulturarbeit. Der aus dieser Zeit stammende und bis in die 90er Jahre gültige sogenannte "erweiterte Kulturbegriff" prägt die Arbeit des GI in dieser Zeit. Die Programm- und Kulturarbeit gewinnt an Bedeutung und tritt bis zum christlich-liberalen Regierungswechsel 1982/83 vor die Spracharbeit und die Pflege des Deutschtums im Ausland. 1976 unterzeichnen das GI und das Auswärtige Amt einen Rahmenvertrag. In ihm wird der Status des GI als unabhängige Kulturinstitution geregelt. Das GI ist zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit im Kulturbereich autorisiert. 1980 wird ein neues Standortkonzept für Inlandsinstitute umgesetzt. Unterrichtsstätten in kleinen, zumeist bayerischen Orten weichen Instituten in Groß- und Universitätsstätten.

1.4 Nach der Öffnung Osteuropas

Nach dem Fall der Mauer und der Öffnung Osteuropas konzentriert sich das GI auf die terra incognita des ehemaligen Ostblocks und entfaltet dort den Schwerpunkt seiner Tätigkeiten in den 90er Jahren. In dem bis dahin weithin den Kulturvertretungen der DDR vorbehaltenem[17] Gebiet entstehen zahlreiche Neugründungen. Den Anfang machen ab 1991 die Institute in Budapest, Moskau, Warschau, Prag, Krakau und innerdeutsch folgen später Weimar, Dresden und Leipzig. Die zehn "Kultur- und Informationszentren der DDR" im Ausland werden zum 3.10.1989 geschlossen. Das GI sieht es als seine Aufgabe an, das durch die DDR vermittelte Deutschlandbild im Ausland zu korrigieren.[18] Ab Mitte der 90er Jahre unterliegt das GI einer rigiden Sparpolitik und muss in mehreren Etappen das Institutsnetz ausdünnen. In Deutschland werden die Aufgaben der auswärtigen Kulturpolitik neu diskutiert. Es entwickelt sich der sogenannte "zentrierte und offene Kulturbegriff" (siehe Teil I Punkt 3.3). Im Januar 2001 fusioniert das GI mit Inter Nationes[19] zu Goethe-Institut Inter Nationes e.V. (im Text weiter mit GI, außer wenn eine Differenzierung inhaltlich notwenig wird). Ebenfalls im Januar tritt der neue Rahmenvertrag zwischen dem GI und der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das auswärtige Amt, in Kraft.

[...]


[1] Als Student der Sozialwissenschaften ist es angebracht, wenigstens die persönliche Motivation des von mir behandelten Themas zu ergründen. Bei den gegenwärtigen Geschehnissen der internationalen Politik und denen der letzten eineinhalb Jahre ist es für mich zwingend, die eigene Distanz und Verwunderung durch die normative Bearbeitung (zumindest bei der Themenfindung) in der eigenen Semesterarbeit auszudrücken. Der zuerst scheinbar in Bezug auf das Goethe-Institut so ferne weitere Bezugsrahmen des Exkurses hilft bei der Einordnung des Kleinen ins Größere.

[2] vgl. hierzu die Semantik Ronald Reagans, der 1980 die UdSSR als das "Reich des Bösen" bezeichnete.

[3] Stand: 03/2002

[4] zur realistischen Schule in der internationalen Politik vgl. W. Link: Gleichgewicht und Hegemonie, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.97. Zur pluralistischen Strömung vgl. E.-O. Czempiel: Innovationen statt Kanonen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.97

[5] "Realistisch" deutet semantisch auf einen Wahrheitsanspruch a priori hin, der dadurch schon wieder unrealistisch ist.

[6] Div.Redakteure: Die Herren der Welt, in: Der Spiegel 08/02, S. 156

[7] z.B. aus den Mitteln des amerikanischen Militäretats; dieser Betrug 2001 354 Mrd. EURO.

[8] Am 10. und 11.12.2001 fand, aus Anlass des Tags der Menschenrechte (10.12.) an der juristischen Fakultät der Universität Coimbra ein von den Goethe-Instituten Lissabon und Porto, sowie dem Instituto Cervantes und der Universität Coimbra veranstaltetes Symposium zum Thema "Direito Penal Internacional", internationales Strafrecht also, in Zusammenhang mit dem Internatinalen Gerichtshof für Menschenrechte in Den Haag statt. Begleitend liefen, ebenfalls in Coimbra, im Teatro Academico 7 mit dem Friedenspeis der Berlinale ausgezeichnete Filme. Meine Aufgabe vor Ort war es, die Aktivitäten zwischen den Goethe-Instituten, der Universität Coimbra und dem Teatro Academico zu koordinieren.

[9] vgl. hierzu die Homepage des GI unter www.goethe.de/z/03/degesch.htm und Schreck, Petra (1981): Das Goethe-Institut im System der auswärtigen Kulturpolitik in der BRD in den siebziger Jahren. Dissertation zur Promotion A, Leipzig, S.13ff.

[10] Die praktische Abteilung der Deutchen Akademie wurde schon ab dem Zeitpunkt ihrer Gründung als Propaganda-Abteilung mit der Aufgabe "die gesamte deutsche Kulturpolitik für die 'Erringung der uns gebührenden Weltgeltung', insbesondere auf wirtschaftlichem Gebiet, nutzbar zu machen und 'aktive Kulturwerbung' zu betreiben". So zumindest Major a.D. Fehn, von der Hauptstelle der deutschen Akademie in einem Referat in Jena 1929 über "Fremde Kulturarbeit im Auslande", zitiert nach Schulz, S.32

[11] vgl. Schreck, Petra,a.a.O., S.15

[12] ebenda, S.16

[13] 1951 entstand ein selbstständiges Auswärtiges Amt in Detuschland, das 1953 mit einer Kulturabteilung versehen wurde. Das Ministerium unterhielt ab 1955 staatliche Kulturinstitute im Ausland. Diese wurden ab 1959 auf das GI übertragen. Von nun an oblag es auch dem GI, alle neuzugründen Kulturinstiute selbstständig zu errichten. Vgl. Schulz, Petra (2000): Parastaatliche Verfassungsträger im Verfassungs- und Völkerrecht. Berlin, S.36f.

[14] Homepage des Goethe-Instituts: http://www.goethe.de/z/03/degesch.htm

[15] Gemeint ist die Studentenrevolte 1968 und der Beginn der sozialliberalen Koalition unter Brandt/Scheel 1969.

[16] Die Thesen Dahrendorfs sind abgedruckt bei Arnold, Hans (1976): Kulturexport als Politik? Aspekte deutscher auswärtiger Kulturpolitik. Tübingen, S.257ff.

[17] Die Ostblockländer akzeptieren nur staatliche Kulturvermittler.

[18] Schulz, a.a.O., S.107

[19] Inter Nationes, ebenfalls eine privatrechtlich organisierte Mittlerorganisation der auswärtigen Kulturpolitik, war für die Betreuung ausländischer Besucher während ihres Aufenthaltes in der BRD zuständig (wohingegen das GI für die Zeit davor und danach zuständig war). Inter Nationes belieferte auch die Bibliotheken des GI und weiterer deutsch-ausländischer Kultureinrichtungen mit Büchern und Zeitschriften.

Details

Seiten
30
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638166973
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v10195
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Sozialwissenschaften
Note
2.0
Schlagworte
Goethe-Institut Geschichte organisationaler Wandel Evolutionstheorie

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Titel: Organisationale Bestimmung und evolutionstheoretische Analyse des Goethe-Instituts