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Geschichte der Proliferation von chemischen und biologischen Waffen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2000 32 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Von der Entdeckung zum Einsatz: Chemische Waffen (CW) im Ersten Weltkrieg CW als technologische Neuheit

CW auf dem Kriegsschauplatz

CW- Einsätze der Deutschen

CW- Einsätze der westlichen Mächte CW- Einsätze Rußlands

Aufrüstungswettstreit der kriegführenden Mächte CW- Forschung der Deutschen

CW- Forschung der westlichen Mächte CW- Forschung Rußlands

Stand der chemischen Proliferation bei Kriegsende

Lehren aus dem Leiden?: CW- Entwicklung in der Zwischenkriegszeit Globale Ächtung und doch lokaler Einsatz

Forschung offensiv oder defensiv?

CW- Forschung der Deutschen

CW- Forschung der westlichen Mächte CW- Forschung Rußlands

Stand der chemischen Proliferation vor Kriegsausbruch Bedrohung ja, Einsatz nein: CW im Zweiten Weltkrieg Haltung des Deutschen Reiches

Haltung der westlichen Mächte Haltung Rußlands

Stand der chemischen Proliferation bei Kriegsende

Erneute Aufwertung: CW in der Nachkriegszeit

CW als Instrument der Abschreckung im Kalten Krieg Lokale Einsätze von CW

Internationale Verurteilung: CW- Verbot in Sicht? Stand der chemischen Proliferation heute

Fazit: Chemische Kriegführung als ein ,,kollektives Dilemma"

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die chemische Kriegführung ist keine Ausgeburt kriegerischer Auseinandersetzungen dieses 20. Jahrhunderts. Die vereinzelte Anwendung chemischer Kampfstoffe kennzeichnete auch schon gewaltsame Konflikte in vergangener Zeit, bis weit ins Mittelalter zurückverfolgbar. Das 20. Jahrhundert ist jedoch die Epoche, in der erstmals chemische Waffen in stärkerem Maße, über die einmalige, der Sabotage dienliche Anwendung hinausgehend, die Kriegführung bestimmen.

Diese Arbeit befaßt sich mit der Geschichte und der Entwicklung der ,,modernen" chemischen Waffen (CW), die im Zuge internationaler Konflikte in militärischer Aktion angewandt wurden. Eine chemische Waffe kann grundsätzlich in ihrer Definition zwei Typen aufweisen: die chemische Waffe synthetischen Ursprungs und die chemische Waffe natürlichen Ursprungs (toxische Waffe). Die Substanz wird zur Waffe, wird sie feindselig angewendet, z.

B. gegen Personen, Viehbestand, Pflanzen oder materielles Vermögen. Dabei kann die chemische Waffe in ihrer Giftigkeit in reizende, lähmende oder letale Kampfstoffe unterteilt werden, physiologisch oder psychologisch wirksam1.

Diese Arbeit will hinterfragen, wie der Einsatz (Abschnitte 1,2,4) - und auch der Nichteinsatz (Kapitel 3) - von CW motiviert war und durch die Konfliktparteien gerechtfertigt wurde. Weitere Untersuchungfelder stellen der zivile Bereich - die chemische Forschung (Abschnitte 1-4) - und die völkerrechtlichen Bemühungen um ein Verbot von CW (Abschnitte 2.1 und 4.4) dar.

Die Entwicklung moderner chemischer Waffen zeichnete sich bereits in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ab, ermöglicht durch eine wachsende chemische Industrie. Vorausschauende Politiker ebenso wie Juristen und Naturwissenschaftler drängten schon zu dieser Zeit auf eine völkerrechtliche Regelung des Einsatzes chemischer Mittel im Kriege. Ein eindeutiges Giftverbot formulierte erstmals die Haager Landkriegsordnung von 1899, der alle europäischen Staaten beitraten. 1907 präzisierte eine Anlage zu dieser das Giftverbot erneut, wonach die Kriegführenden kein unbeschränktes Recht in der Wahl der Mittel zur Schädigung des Feindes haben. Doch konnte dieser erste völkerrechtliche Schritt zur Verbannung und Ächtung chemischer Kriegsmittel den Ausbruch des chemischen Krieges nicht verhindern.

Das 20. Jahrhundert eröffnet im Hinblick auf die chemische Kriegführung eine grausame Bilanz. Nach massiven Gaseinsätzen im Ersten Weltkrieg, die Hunderttausende Opfer zur Folge haben, bringen weitere lokale Einsätze in den 20er und 30er Jahren und in der Zeit des Kalten Krieges Tausenden Menschen Tod und lebenslangen Schaden - und den kriegführenden Mächten keinen Ruhm.

Wie der militärische Bereich bleiben auch die mit ihm verstrickten und ihn bedingenden zivilen Felder der Forschung, Produktion und das wissenschaftliche Testen neuer chemischer Kampfstoffe umstritten. Zweifel bestehen über die gesamte Zeit der Wirkungsarbeit der chemischen Forschung, wie schädigend die wissenschaftliche Arbeit an den Kampfstoffen ist in der verwandten Literatur werden mehrere Fälle von - teils tödlichen - Vergiftungen angeführt.

Die chemische Produktion hat im 20. Jahrhundert drei deutliche Schübe erhalten. Dies sollen die Abschnitte 1, 2 und 4 der Hausarbeit betonen. Deutschland, Rußland und die westlichen Alliierten betrieben die chemische Produktion massiv im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 und darauf in noch stärkerem Maße in der Zwischenkriegszeit. Die 20er und 30er Jahre charakterisiert ein enormes Ausweiten der CW- Palette, die dann bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges etliche Arten von schädigenden Stoffen aufwies. Doch im Zweiten Weltkrieg wurden chemische Waffen nicht angewendet, und andere Waffensysteme wie die konventionellen oder atomaren gewannen in Forschung und Entwicklung an Bedeutung. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fand dann aufgrund zahlreicher Hintergründe eine Rückbesinnung und somit eine vermehrte Produktion von CW statt, auch einige Staaten Asiens und des Nahen Ostens entwickeln CW, worauf in Abschnitt 4.3 näher eingegangen werden soll.

Bei der Recherche zum Thema chemische Waffen boten sich mir ein umfangreiches Angebot an deutscher, amerikanischer und britischer Literatur, dokumentarische und analytische Werke aus den 70er, 80er und 90er Jahren. Zu meiner Enttäuschung waren an der eigenen Universität wenige Werke meiner Auswahl erhältlich, doch konnte ich mit der unten aufgelisteten Literatur einen detaillierten und authentischen Überblick erhalten. Insbesondere die Werke des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) und die Arbeit von Harris und Paxman, sowie die aktuellen Darstellungen von Mallory und Krause konnten meine Fragen beantworten.

1) Von der Entdeckung zum Einsatz: Chemische Waffen (CW) im Ersten Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg 1914-1918 ist aus verschiedenen Gründen die erste globale und totale kriegerische Auseinandersetzung, die die ,,zivilisierte" Welt bis dato erlebte. Global, da der Krieg nicht nur ganz Europa, die Balkanregion und Rußland in die Gewaltspirale zog, sondern auch Japan, das Osmanische Reich und die Vereinigten Staaten von Amerika involvierte. Die Alliierten vereinigten unter ihren kämpfenden Armeen außerdem Soldaten aus weiteren Staaten wie Kanada, aus Kolonien Frankreichs oder Staaten des britischen Commonwealth.

Kriegsschauplätze waren vor allem die Westfront, reichend von der Küste Flanderns bis zur Schweizer Grenze, und die Ostfront von Ostpreußen nach Oberschlesien. Zwischen 1915 und 1917 brachten die Schlachten im Westen wie im Osten keinerlei einschneidenden Geländegewinne, der Krieg veränderte sich zu einem festgefahrenen Stellungskrieg. Total, da die kriegführenden Mächte alle verfügbaren Mittel einsetzten, um den Feind zu schlagen. General Erich Ludendorff definierte 1916 das Prinzip des ,,totalen Krieges", als er forderte, daß nichts mehr über dem Krieg und dem Ziel der Niederwerfung des Gegners stehen dürfe, daß alle Ressourcen von nun an für die Truppen zur Verfügung stehen müßten2. ,,Nichts" - ergo auch keine vertraglichen Abmachungen eines Giftgasverbots oder moralische Bedenken des Gaseinsatzes, ,,alle Ressourcen" - ergo alle Mittel des Krieges, demnach chemische Waffen einschließlich. Diese waren vor Ausbruch des Krieges in Laboratorien der deutschen Chemieindustrie entwickelt und getestet worden.

1.1) CW als technologische Neuheit

Deutschland konnte schon vor 1914 eine leistungsfähige Chemieindustrie vorweisen - die Interessengemeinschaft der IG Farben. Eine Überlegenheit in der chemischen Produktion gegenüber den alliierten Mächten war unbestreitbar. Darüber hinaus schnitt die britische Seeblockade Deutschland vom Nachschub an Nitrat ab, Voraussetzung für die Herstellung von Sprengstoff. Das deutsche Oberkommando zog eine Anwendung von Giftgas erstmals ernsthaft in Betracht3.

Seit Beginn des Krieges forderte der Verband der deutschen Farbindustrie, mittels seines

Leiters Carl Duisberg, die Einbeziehung der chemischen Kriegführung, dessen Rohstoffe

-ämlich in den Unternehmen der IG Farben produziert wurden. Unterstützung erhielt

Duisberg durch den Chemiker Fritz Haber, der eine neuartige chemische Waffe zu entwickeln plante. Anstatt Granaten mit dem Kampfstoff zu füllen schlug Haber vor, ihn aus Zylindern ausströmen zu lassen. Als Giftstoff wählte er das zur Erstickung führende Chlorgas, von dem bereits große Vorräte existierten. Einsatz finden sollte die neue Waffe an der Westfront im belgischen Ypern, um den Stellungskrieg aufzulösen.

1.2) CW auf dem Kriegsschauplatz

Bevor die Geschichtswissenschaft von dem Beginn des chemischen Krieges spricht, sind in den Kämpfen einzelne Gaseinsätze zu verzeichnen. Noch handelt es sich nicht um tödliche, sondern um reizerregende Stoffe. An der russischen Front hatten die Deutschen im Januar 1915 eine Tränengasart (nach ihrem Erfinder Dr. Tappen T-Stoff genannt) eingesetzt. Dieser Kampfstoff fiel nicht unter die Verbotsregelung der Haager Ordnung.

Die Alliierten besaßen ähnliche Waffen. Im März führten die Franzosen Tränengaspatronen und -granaten ein. Die Briten entwarfen eine ,,Stinkbombe", die unter der Bezeichnung ,,SK" lief4.

Der chemische Krieg brach aus, die verfeindeten Mächte wendeten etliche tödliche Gase auf dem Kriegsschauplatz an. In der Summe sind 113.000 Tonnen chemische Kampfstoffe freigesetzt worden, von 1915 bis 1918 mit steigender Tendenz. Man weiß von etwa 45 angewendeten Chemikalien, darunter 18 tödliche (14 Lungen- und 4 Hautkampfstoffe) und 27 Reizstoffe5. Die großflächigsten Angriffe sind den Deutschen zuzurechnen, die 57.600 Tonnen einsetzten. Nach Friedensschluß waren 1,3 Millionen Menschen durch das Gas vergiftet worden, etwa 91.000 von ihnen starben. Deutschland, Frankreich und Großbritannien erlitten jeweils ungefähr 200.000 Verluste, Rußland mehr als doppelt so viele

- über 475.0006.

1.2.1) CW- Einsätze der Deutschen

Der Beginn der chemischen Kriegführung ist den Deutschen zuzuschreiben. An einer sechs Kilometer langen Front bei Ypern öffneten deutsche Pioniere am 22. April 1915 die Ventile von nahezu 6.000 zylinderförmigen Behältern. Windstöße aus Norden trieben 180 Tonnen des verdampfenden Chlors auf die Schützengräben der Alliierten zu. Es sind 15.000 geschädigte Soldaten zu beklagen, darunter 5.000 Tote, an Verätzungen der Atemwege und dem darauffolgenden Ersticken an eigenen Absonderungen in der Lunge verendet7. Der erste umfassende Gasangriff überraschte nicht nur die Befehlshaber der Alliierten, die enorme Wirkung erstaunte auch die deutschen Kommandierenden. Doch hatte der deutsche Befehlshaber das Gas nur versuchsweise angewandt und war dementsprechend nicht mit ausreichenden Reserven ausgestattet, um aus dem Vorstoß einen Sieg zu erringen. Erst nach dem Rückzug, 36 Stunden später, griffen die Deutschen erneut an. Am 24. April bewegte sich eine Wolke aus Chlorgas und T-Stoff auf die Schützengräben der Alliierten zu. Bis zum 24. Mai wurden dann aus über 20.000 Zylindern 500 Tonnen Chlorgas freigesetzt - aber trotzdem behauptete sich die Front der Alliierten. Der Gaseinsatz allein konnte den Krieg nicht entscheiden - er hätte durch eine Großoffensive untermauert werden müssen, was die Deutschen bei Ypern versäumten8.

Während an der Westfront die ersten Gasangriffe liefen, bereiteten die Deutschen zusätzlich Gasangriffe gegen die russische Armee an der Ostfront vor. Ludendorff schien sich auch eines militärischen Erfolges sicher, da er die Russen als ,,noch nicht ausreichend gegen Gas geschützt" einschätzte9. Des Generals Rechnung ging mehr als auf.

Am 31. Mai 1915 wendete die deutsche Armee zur Untermauerung ihrer Offensive auf Warschau Gas an. Bei diesem Angriff im Bolimow Sektor, südwestlich von Warschau, ließen die deutschen Truppen an einer 12 Kilometer langen Frontlinie 264 Tonnen Chlorgas aus 12.000 Zylinder strömen. Zwei weitere massive Angriffe folgten, insgesamt wurden ungefähr 25.000 russische Soldaten getötet oder vergiftet.

Der Einsatz von Chemiewaffen erfährt starke Aufwertung bis Ende des Krieges, wobei insgesamt die deutschen Truppen die meisten Kampfstoffe freisetzten: von einem Einsatz von 2.150 Tonnen 1915 vervielfacht sich die Menge 1916 auf 7.200 (plus Österreich-Ungarn 880) und im Jahre 1917 auf 16.200 (plus Österreich-Ungarn 3.020), bis die Aufrechnung im letzten Jahr des Konflikts bei einer Menge von 30.500 Tonnen (plus Österreich-Ungarn 4.900) gipfelte10.

Zylindergasangriffe setzten die Deutschen bis zum August 1916 ein. Ab Dezember 1915 füllten sie außerdem diese statischen Waffen nicht mehr ausschließlich mit Chorgas, sondern mit einem Gemisch aus Chlor und Phosgen - ein neuer, achtzehnfach giftiger als Chlor wirkender, lungenschädigender Kampfstoff. Eine Quelle spricht davon, daß ,,nahezu 80% aller durch Kampfstoffe im Ersten Weltkrieg Getöteten Opfer des Phosgens geworden" sind11. Aus Tabellen des SIPRI Werkes geht hervor, daß britische Soldaten durch Zylinderattacken zu 30 % bei Chlor bzw. zu 24 % bei Chlor/Phosgen getötet wurden12.

Die deutsche Angriffstechnik sollte eine grundlegende Änderung mit der ,,Mobilisierung" der Waffen erhalten, der Entwicklung mit Gas gefüllter Wurfgeschosse wie Granaten. Von April 1915 bis Juli 1916 feuerten die Deutschen noch mit Tränengas gefüllte Wurfgeschosse ab, bis Juli 1917 dann mit dem neuartigen Kampfstoff Diphosgen gefüllte Geschosse13. Die Tabellen des SIPRI Werkes zeigen in diesem Fall höhere Verluste an britischen Soldaten als bei Zylinderangriffen, obgleich der tödliche Fall nur bei 6 bis 10 % der vergifteten Soldaten eintrat14. Dies ist auch auf eine Verbesserung der Abwehrtechniken wie Schutzkleidung und Gasmasken zurückzuführen, an der beide Seiten intensiv gearbeitet hatten. Im Juli 1917 begannen die Deutschen mit der Verwendung eines Gases, das in Wirkung und Giftigkeit alle bisherigen Kampfstoffe übertraf: Senfgas. Die Anwendung des hautschädigenden Kampfstoffes wurde auch durch die Entwicklung der Gasgranate ermöglicht. Der erste Beschuß alliierter Truppen erfolgte am 12. Juli 1917 - wieder bei Ypern. Die anfänglichen Auswirkungen, leichte Reizungen der Augen und des Rachens, entließen die Soldaten noch mit Unbekümmertheit in die Nachtruhe. 12 bis 24 Stunden später stellten sich die Reaktionen des Giftes ein: Erbrechen, eitrige Blasenbildung am gesamten Körper, Verschleimung der Atemwege, Erstickungstod.

Bis zum Ende des Krieges fallen allein in der britischen Armee 125.000 Soldaten den

deutschen Senfgasangriffen zum Opfer, darunter sind ungefähr 2.000 Tote15. Dies macht eine tobringende ,,Quote" von knapp 2 % aus16.

1.2.2) CW- Einsätze der westlichen Mächte

Das britische Oberkommando - schockiert vom Einsatz von Giftgas an der Westfront und damit dem ruchlosen Bruch der vertraglichen Abmachung von 1899 - diskutierte Möglichkeiten der Reaktion auf die Deutschen. An die Armeen wurden Order der Abwehrmaßnahmen übergeben. Darüber hinaus gab es grünes Licht für die Vorbereitung einer Gegenoffensive - Vergeltung mit Giftgas, das bei der Herbstoffensive des zweiten Kriegsjahres zum Zuge kommen sollte. Das Hauptproblem sollte nicht militärischer Natur sein: Die britische chemische Industrie befand sich noch in den Anfängen der Gasproduktion. Sie vermochte Mitte des Jahres 1915 weniger als ein Zehntel der Produktion der Deutschen zu erreichen.

Der erste britische Gasangriff sollte bei Loos in Belgien durchgeführt werden. Bis zum 25. September 1915 waren 5.500 Zylinder mit 150 Tonnen Chlorgas in Stellung gebracht. Am Morgen des darauffolgenden Tages sollten Giftgaswolken deutsche Truppen in gleichem Maße unvorbereitet treffen wie zuvor ihr erster Gasangriff alliierte Truppen bei Ypern. An einigen Stellen drangen die Briten kilometertief in die deutsche Front ein. Aber wie in so vielen Schlachten des Ersten Weltkrieges war der Bodengewinn nur vorübergehend und geringfügig, die Opfer auf beiden Seiten waren hingegen zahlreich. Ebenso wie bei Ypern reichte das Giftgas - in seiner Wirkung unvorhersehbar und zudem von Wetter und Wind abhängig - nicht aus, um den entscheidenden Sieg zu erringen.

Im Juni 1916 benutzten die Alliierten zum ersten Mal den neuartigen Kampfstoff Phosgen, im Gemisch mit Chlor. In den ersten 18 Tagen der Schlacht an der Somme führten die Briten 50 Gasangriffe durch. Phosgen entwickelte sich zur wichtigsten Waffe der Briten: in den folgenden neun Monaten wurden 1.500 Tonnen davon freigesetzt17. Im Jahr 1915 schlugen nur Frankreich mit 350, Großbritannien mit 170 Tonnen Giftgas zurück. 1916 kämpften weitere Mächte mit der neuen Waffe, wobei auf Frankreich 3.800, auf Großbritannien 1.705 und Italien 450 Tonnen Giftgas entfallen. Auch in den folgenden zwei Jahren steigen die Einsatzmengen der westlichen Alliierten extrem an. 1917 verwandten Frankreich 8.200, Großbritannien 5.365 und Italien 2.800 Tonnen CW. 1918 setzten Frankreich schließlich 16.500, Großbritannien 8.460, erstmals die USA 1.100 und Italien

3.700 Tonnen Kampfstoffe ein18.

1.2.3) CW- Einsätze Rußlands

Während des Weltkrieges hat die russische Armee am meisten unter dem Einsatz von chemischen Waffen gelitten. Zum einen krankte es an einer unzureichenden Abwehr gegen Chemiewaffen in Form von schützenden Atemmasken. Zum anderen konnte Rußland auf keine chemische Kriegführung zurückgreifen, da es die Mittel nicht besaß - es war keine leistungsfähige Chemieindustrie vorhanden, es fehlte an wissenschaftlichen Experten und dementsprechend an Know-how. So mußte die russische Führung anfänglich britische CW einführen. 1915 wurden 200, 1916 annähernd 2.000 und 1917 3.000 Tonnen chemische

Kampfstoffe eingesetzt. Dabei bediente sich die russische Armee chemischer Kriegsmittel aus eigener Produktion, CW erster Generation, was Zeichen gibt darüber, daß schon zu Kriegsende der Anschluß an die Technologie verfehlt war.19

Die Schwäche der chemischen Kriegführung war den Befehlshabern allzu bewußt. Ein systematisches Einsetzten von CW hatte eigentlich durchweg nicht stattgefunden, scheinbar griffen die Armeeführer auf diese Kriegsmittel zurück, um die demoralisierten Truppen aufzubauen. Eine hohe Bedeutung maßen die Befehlshaber den CW nicht zu - sie waren offensichtlich dem Westen unterlegen - und blieben es auch, zumal erstens durch eine geringe Zahl von Einsätzen keine ersichtlichen taktisch-technischen Verbesserungen resultierten und zweitens die chemische Wissenschaft Rußlands aus eigener Kraft keine Neuerungen bringen konnte20.

1.3) Aufrüstungswettstreit der kriegführenden Mächte

Innerhalb kürzester Zeit gehörten die chemischen Kampfstoffe zu den wichtigsten Waffen des Krieges. Im Jahr 1915 wurden durch die kriegführenden Mächte 3.870 Tonnen Giftgas freigesetzt. 1916 vervierfachte sich die Menge: 16.535 Tonnen Gas vergifteten die Schlachtfelder. 1917 werden 38.635 und 1918 65.160 Tonnen Gas eingesetzt - eine fast jährliche Verdoppelung fand statt21.

Die chemischen Industrien der Mächte sind in ihrer Produktionskapazität und ihrer Forschungsschnelligkeit unterschiedlich. Während die deutsche Forschung den alliierten Entwicklungen immer einen Schritt voraus zu sein schien und in Massen chemische Kampfstoffe fertigte, blieben die Industrien der Alliierten dem eher unterlegen, obwohl der Wille zu einer Aufholjagd - forciert durch die kriegführenden Regierungen - zu erkennen ist. Rechnet man die Produktionszahlen der kriegführenden Mächte zusammen, ist klar die Schwerpunktlegung auf lungenschädigende Kampfstoffe - wie Chlorgas, Phosgen, Diphosgenzu sehen: die Industrien produzierten in den Kriegsjahren 123.335 Tonnen der lungenschädigenden Kampfstoffe. Auf den Schlachtfeldern wurde davon die erschlagende Menge von 90.000 Tonnen eingesetzt. Hält man sich in der Analyse an die nüchternen Zahlen, ist festzuhalten, daß sie pro Tonne eine Verlustquote von fast 10% bewirkten.

Dagegen stellten die Laboratorien 13.350 Tonnen Hautkampfstoffe - darunter sicherlich primär vertreten das fatal wirkende Senfgas. Die hautschädigenden Gase wirken in geringerer Dosis gravierender: es wurden davon ,,nur" 11.000 Tonnen im Krieg verwendet, dabei sind aber im Vergleich zu den Lungenkampfstoffen pro Tonne über 36% Verluste zu beklagen. Außerdem werden 13.315 Tonnen Reizstoffe hergestellt22.

1.3.1) CW- Forschung der Deutschen

Deutschlands Forschungszentren und Chemiefabriken können als regelrechte Massenproduktionsstätten für chemische Kampfstoffe bezeichnet werden. Die deutschen Industrien der Krupp und der IG Farben besaßen ein Weltmonopol in der Herstellung von synthetischen organischen Chemikalien. Ihre Maschinen ließen sich für die Produktion von chemischen Kampfstoffen zweckentfremden, für deren Anwendung die Funktionäre der IG Farben im ersten Kriegsjahr lautstark eintraten - und zwar explizit ,,eher mit dem Ziel zu verletzen und zu töten als zu lähmen"23.

Sie stellten bis zum Ende des Ersten Weltkrieges schwerpunktmäßig Lungenkampfstoffe her, in Zahlen 48.000 Tonnen (Österreich-Ungarn dagegen stellte 5.000 Tonnen her). Hautschädigende Stoffe wie das Senfgas gehen mit 10.000 Tonnen zu Buche, fast die gleiche Menge wie Reizstoffe mit 9.900 Tonnen (Österreich-Ungarn beschränkte sich auf die Produktion von 245 Tonnen Reizstoffen). Verglichen mit den auf dem Schlachtfeld eingesetzten Gasen über 57.600 Tonnen bliebe ein CW-Rückstand in den deutschen Lagerstätten über 10.500 Tonnen24.

1.3.2) CW- Forschung der westlichen Mächte

Für die Briten verbesserte sich die Ausgangslage auf dem Kriegsschauplatz durch die Entwicklung zwei neuer Waffen - dem Livens-Granatwerfer und dem Stokes-Mörser - die beide ebenso tödliche wie umwälzende Neuerungen darstellten. Der Granatwerfer war mit einem langen Stahlrohr ausgestattet. Er wurde meist in Gruppen zu 25 in die Erde eingegraben und aus der Entfernung elektronisch gezündet, so daß ein - meist mit Erstickungsmitteln gefüllter - Zylinder zielgenau auf den Feind abgefeuert wurde. Der Granatwerfer sollte in der Schlacht von Arras im April 1917 zum ersten Mal eingesetzt werden. Außerdem wurde auch hier der Stokes-Mörser erstmals gebraucht, eine Konstruktion, die ein Stahlrohr auf zwei Stützen trug. Aus dem Rohr konnten 15 Granaten abgefeuert werden, bevor die erste einen Kilometer weit entfernt einschlug.

Die Produktionsstätten der westlichen Alliierten leisteten enorme Kraftanstrengungen, um der deutschen Industrie in Forschung und Entwicklung nachzukommen. Frankreich konzentrierte sich stark auf die Herstellung von Erstickungsgiftgasen (34.000 Tonnen) vor den Hautkampfstoffen (2.140 Tonnen) und Reizstoffen (815 Tonnen). Die gleiche Tendenz war bei der britischen chemischen Industrie zu verzeichnen: 23.335 Tonnen Lungenkampfstoffe, 500 Tonnen Hautkampfstoffe, 1.900 Tonnen Reizstoffe. Auch die USA stellten alle drei Arten von chemischen Kriegsmitteln her: 5.500 Tonnen Lungenkampfstoffe, 170 Tonnen Hautkampfstoffe und 5 Tonnen Reizstoffe. Italien produzierte 4.000 Tonnen Erstickungsgiftgase und 150 Tonnen Reizstoffe.

Dafür arbeiteten chemische Laboratorien - seit Beginn des Krieges verstärkt gefördert und vorangetrieben durch die kriegführenden Regierungen - an der Erforschung etlicher organischer und anorganischer Verbindungen, um bekannte und neue giftige Kampfstoffe zu entwickeln. Allein in Großbritannien waren 33 Laboratorien an der chemischen Forschungsarbeit beteiligt - als wichtigstes unter ihnen die 2.800 Hektar umfassende Kampfstoffanlage in Porton Down in der Salisbury-Ebene, die 1916 in Betrieb genommen wurde. Die USA schuf vermehrt zum Ende des Krieges zahlreiche Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen. Ein Fabrikenkomplex im Edgewood Arsenal, der neben beinahe 300 Gebäuden sogar ein 24 Kilometer langes Straßen- und ein 45 Kilometer langes Schienennetz beinhaltete, wies eine Produktionskapazität von 200.000 chemischen Bomben und Granaten pro Tag aus25.

1.3.3) CW- Forschung Rußlands

Rußlands Industrie war zu Anfang des 20. Jahrhunderts stark unterentwickelt - und keinesfalls auf eine chemische Kriegführung - weder auf Abwehr noch auf Angriff - vorbereitet. Das Aufholen der ,,Dreierbeziehung" des chemischen Krieges - eine schnelle und mit dem Militär kooperierende chemische Forschung, der Aufbau einer funktionierenden Kampfstoff- und Waffenproduktion und das praktische Anwenden von CW auf dem Schlachtfeld - ging nur mühsam voran.

Einige zivile Forschungseinrichtungen wurden mit der Entwicklung von chemischen Kampfstoffen beauftragt. Bis Ende des Krieges konnte die russische Armee ein CW- Arsenal aus drei Augenreizstoffen, von denen bis 1918 150 Tonnen hergestellt wurden, aus vier lungenschädigenden Gasen, von denen bis Ende des Krieges 3.500 Tonnen produziert wurden, und aus zwei Blutkampfstoffen vorweisen. Forschung an Hautkampfstoffen war nicht zu verzeichnen.

In der Waffentechnologie waren die Russen nur langsam vorangekommen. In der Anfangsphase setzte die russische Armee auf mit Giftgas gefüllte Artilleriegeschosse - knapp über 4% aller Artilleriegranaten füllten sie mit chemischen Stoffen - umgerechnet 3 Millionen. Später verwendete sie metallische Gasbehälter. An der Entwicklung eines Gaswurfgeschosses oder eines speziellen Gaswurfgerätes (wie dem britischen Projector) scheiterten die Forscher dagegen26.

1.4) Stand der chemischen Proliferation bei Kriegsende

Die chemische Kriegführung war innerhalb von knapp vier Jahren um einige Generationsschritte vorangekommen. ,,Waffen, deren Anwendung in einem `zivilisierten Krieg' vier Jahre vorher noch geächtet waren", beschäftigten nun weltweit unzählige Wissenschaftler, Techniker und Soldaten in hochmodernen Forschungs- und Entwicklungsanlagen. Die Alliierten und Rußland erkannten in den chemischen Waffen nicht nur eine Alternative bzw. zusätzliche Option zu konventioneller Kriegführung, sie sahen auch eine unumgängliche Aufgabe darin, diese fatal wirkenden Kriegsmittel zu erforschen um offensiv und defensiv im Kriegsfalle antworten zu können. Die Aufrüstungsspirale setzte sich ergo nach Kriegsende fort.

2) Lehren aus dem Leiden?: CW- Entwicklung in der Zwischenkriegszeit Die kriegführenden Mächte haben nicht in identischem Maße unter der chemischen Kriegführung gelitten. Demnach unterscheiden sich auch ihre politischen Entscheidungen bezüglich der Forschung und Entwicklung, sowie der Aufnahme chemischer Kriegsmittel in die Militärdoktrinen. Das revolutionierte Rußland und das niedergerungene Deutschland gingen offensichtlich stark geschwächt, die westlichen Mächte eher politisch erstarkt aus dem Krieg hervor. Die CW- Entwicklungen der 20er und 30er Jahre sollten deshalb vor dem Hintergrund der Erfahrungen des Ersten Weltkriegs gesehen werden. Allgemein gilt, daß chemische Waffen nach Kriegsende nicht nur weiterentwickelt wurden - trotz globaler Ablehnung wurden sie auch erneut angewendet.

2.1) Globale Ächtung und doch lokaler Einsatz

Anfang 1919 griffen die Briten bei Archangelsk in den russischen Bürgerkrieg ein und benutzen dabei das ,,M-Gerät". Sie warfen von Kampfflugzeugen aus Kanister ab, die arsenhaltige Rauchwolken in den Wäldern gegen die Rote Armee verströmten. Damaligen Einschätzungen zufolge solle die Rote Armee gegen die Weiße Armee chemische Munition eingesetzt haben, doch auch die Weiße Armee besaß britische Gasgranaten.

Britische Truppen bombardierten im August 1919 Afghanen und rebellische Nomadenvölker im nordwestlichen Grenzgebiet Indiens mit Phosgen und Senfgas. Es erwies sich für die Großmächte als militärisch erfolgreich, wenn sie Gas gegen kaum ausgebildete und schlecht bewaffnete Rebellen anwendete. Das schwerflüchtige Senfgas verpestete Hinterhalte für Wochen, aus der Luft abgeworfene Reizstoffe trieben Gegner ins offene Land hinaus - es war leicht, sie daraufhin abzuschießen. 1925 benutzen Franzosen und Spanier Giftgas in Marokko, die chemische Kriegführung hatte sich offenbar zu einem Instrument der Großmächte entwickelt, aufständische Gebiete niederzuringen.

Doch trotz der weitverbreiteten Entwicklung und Anwendung von chemischen Kampfstoffen in den 20er Jahren galt der Gaskrieg eigentlich immer noch als widerrechtlich. Die Alliierten bezeichneten ihn 1919 in Versailles als eine ,,unzulässige Art der Kriegführung und untersagten dem besiegten Deutschland für alle Zeiten den Import und die Produktion von Giftgas.

1925 einigten sich bei der Genfer Konferenz zahlreiche Staaten darauf - unter der Schirmherrschaft des Völkerbundes - die Prohibition von Giftgas vertraglich zu regeln. Das Genfer Protokoll unterzeichneten 38 Staaten, unter denen sich die USA, das britische Empire, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan und Kanada befanden. Die UdSSR war noch nicht Unterzeichnerstaat, sie trat erst 1934 dem Völkerbund bei. Kritiker betonen, das das Genfer Protokoll ,,im Grunde nur die Ächtung der Erstanwendung von Giftgas oder Bakterien bedeutete"27, es sich demnach nicht um das Verbot der Erforschung und der Lagerung von CW handelte.

Die Ratifizierung des Genfer Protokolls und damit die offizielle Bindung des jeweiligen Unterzeichnerstaates an die vertraglichen Bedingungen dauerte in einigen Staaten Jahrzehnte. Frankreich ratifizierte als erster Staat 1926, Italien folgte 1928, Deutschland 1929, danach ratifizierte Großbritannien 1930. Die USA und Japan ratifizierten das Protokoll sogar erst 1970.28

Die Japaner, die mittlerweile ihre chemische Aufrüstung vorantrieben, sollen im Krieg gegen die Chinesen 1937 großflächige Giftgasangriffe durchgeführt haben, laut einer offiziellen völkerrechtlichen Klage Chinas das hautschädigende Senfgas. Italien benutzte chemische Waffen bei seinem Einfall in Abessinien. 1935 und 1936 wurde die italienische Luftwaffe mit

3.000 bis 4.000 Tonnen Giftgas ausgestattet29, die in neuer Technik aus der Luft versprüht wurden. Ungefähr ein Drittel, 15.000 Mann, der abessinischen Soldaten fielen den chemischen Bombardements zum Opfer.

2.2) Forschung offensiv oder defensiv?

Zahlreiche Staaten nahmen die Vertragsinhalte des Genfer Protokolls nicht ohne Wenn und Aber in ihre Außen- und Sicherheitspolitik auf. Sie behielten sich vor, daß die ,,Vereinbarung nicht als bindend angesehen wird, wenn der Feindstaat nicht ebenfalls das Protokoll unterzeichnet hat", sowie ,,daß, wenn irgendeiner der anderen Staaten sie unter Verwendung von chemischen oder biologischen Waffen (BW) angreifen sollte, sie sich das gleiche Recht vorbehalten."30Einige Staaten verwiesen darüber hinaus darauf, daß prinzipiell aktive CW- Forschungseinrichtungen nur mit Arbeiten im defensiven Bereich von chemischen Waffen beschäftigt wären.

Die Forschungseinrichtungen und die verantwortlichen Politiker wanderten in den Zwischenkriegsjahren argumentativ auf schmalem Grat: Einerseits mußten sie die Weiterentwicklung von CW zu lasten einer weltweiten Bekämpfung und Verbannung vor einer Öffentlichkeit, die allzu schwer durch den chemischen Krieg Schaden genommen hatte, rechtfertigen (soweit sie dieses der Öffentlichkeit zugänglich machte). Dabei wird häufig der Begriff der defensiven Forschung hervorgehoben: Erforschung von Abwehrwaffen und - ausrüstung, Gegengiften und Giftgas im defensiven Kampfgeschehen. Andererseits mußten sie der Aufrüstung nachkommen, die nach Kriegsende verstärkt angekurbelt wurde, um nicht ins Hintertreffen gegenüber anderen Staaten zu geraten. Hier wurde offensiv gearbeitet: Erforschung und Produktion von neuen, wirksameren Kampfstoffen, Optimierung bekannter Stoffe und deren Herstellungstechniken, Verbesserung der Strategien chemischer Kriegführung.

2.2.1) CW- Forschung der Deutschen

Dem besiegten Deutschland waren durch die Regelungen des Versailler Vertrages die Produktion und der Besitz jedweder Kriegsmittel, die von 1914 bis 1918 ausschlaggebend Einsatz gefunden hatten, verboten: Panzer, Flugzeuge und Giftgas. Durch ein geheimes Abkommen zum Rapallo-Vertrag mit Rußland umging das deutsche Militär aber die Repression und kooperierte ab 1923 mit der Roten Armee in den drei Waffenbereichen. Die chemische Forschungsarbeit konnte also begrenzt weitergeführt werden. Die deutsch-sowjetische Zusammenarbeit funktionierte nach dem gegenseitigen Austauschprinzip: die Deutschen halfen beim Ausbau von Produktionsstätten, einschließlich dem Übermitteln wichtigen Know-hows, die Russen gestatteten dagegen auf eigenem Territorium die Entwicklung und das Testen deutscher Technologie, die somit im weltweiten Vergleich wettbewerbsfähig blieb31. Die Kooperation erwies sich bis 1932, ein Jahr vor der Machtergreifung Hitlers, für beide Seiten als ertragreich.

Innerdeutsche Forschung wurde seit 1926 verstärkt wiederaufgenommen. In Kassel, Ingolstadt, Köningsberg und Berlin-Spandau errichtete die Reichswehr vier Gasschutzlager, in Spandau wurde eine CW Forschungszentrale aus der Taufe gehoben, die wie weitere Einrichtungen vordergründig mit Verteidigungstechniken, speziell gegen Senfgas, betraut war32.

Am Ende des Jahres 1936 machte ein deutscher Wissenschaftler, Dr. Gerhard Schrader, während der Arbeit an Phosphorverbindungen für Insektizide, eine Entdeckung, die ein bisher unbekanntes, extrem starkes Gift hervorbrachte: er war auf ein ,,Nervengas" gestoßen, dem er den Namen Tabun verlieh. Nach mehreren Testreihen war klar, daß es sich um einen tödlichen Kampfstoff handelte, der die menschliche Muskelarbeit binnen Sekunden völlig lahmlegt und damit den Körper eigenständig vergiften läßt.

Die Nazis sahen in dieser Entdeckung optimale militärische Verwendung, die streng geheimgehalten werden sollte. Der Bau neuer Laboratorien wurde angeordnet. Schrader, der für den Chemiekonzern IG Farben arbeitete, wurde in eine neue Fabrik nach Elberfeld versetzt, damit er dort seine Forschungen fortsetzten konnte. Hier gelang ihm 1938 die Synthese eines neuen giftigen Nervengases, das er Sarin nannte. In den folgenden Jahren, schon nach Kriegsbeginn, wurden neue Fabriken errichtet, die hohe Produktionskapazitäten von Nervengasen erreichen sollten. In Schlesien entstand von 1940 bis 1942 eine der größten - und geheimsten - Chemiewerke des Dritten Reiches, die Anlage ,,Dyenfurth", die pro Monat 3.000 Tonnen Nervengas produzierte33.

Die Deutschen betrieben seit Mitte der 30er Jahre weitere Fabriken, die monatlich 12.000 Tonnen Giftgas produzierten, darunter die vor dem Krieg fertiggestellten Werke in Hüls, Ammendorf oder Ludwigshafen. Zusätzlich zum Tabun besaßen die Deutschen neben den bekannten lungenschädigenden Gasen zwei Senfgasarten für warmes und kaltes Wetter und das brennbare Gas N-Stoff oder Chlor-Trifluorid, das Stoffe, Haare und sogar Asphalt entzünden konnte34. Die deutsche Luftwaffe verfügte über eine halbe Million Gasbomben - von der 15 Kilogramm schweren, gegen Einzelpersonen einsetzbaren Waffe bis zur 750 Kilogramm schweren Phosgenbombe.

2.2.2) CW- Forschung der westlichen Mächte

Das britische Chemiewerk in Porton Dawn wurde nach Kriegsende nicht stillgelegt. Die Forschungsarbeit wurde per spezieller Logik, die britische Wissenschaftler und Politiker entsonnen hatten, in ihrem Bestand gesichert, da es ,,unmöglich ist, das Studium der Verteidigungsmöglichkeiten gegen Gas von dem Studium der Anwendung von Gas als eine offensive Waffe zu trennen", da eine wirksame Verteidigung vollständig von der genauen Kenntnis über den Entwicklungsstand der offensiven Anwendung dieser Waffe abhänge35.

-ach einer mehrjährigen Debatte wurde es 1922 als eine ,,Verpflichtung" angesehen, gerade durch die chemische Forschung die Krone und alle Bürger des Landes gegen Gasangriffe im Kriegsfalle zu schützen36.

Auch andere westliche Staaten erteilten der chemischen Forschung keine Absage. Italien errichtete 1923 die Servizio Chemico Militare mit einem Versuchsgelände im Norden des Landes. Die französische Hauptkampfstoffanlage ,,Atelier de Pyrotechnie du Bouchet" befand sich in der Nähe von Paris. Die japanische Kriegsmarine begann 1923 mit der Herstellung chemischer Waffen, das Heer schloß sich zwei Jahre später an. Auch in den 30er Jahren riß die großangelegte chemische Aufrüstung nicht ab. 1936 bauten die Franzosen eine PhosgenFabrik in Clemency. 1937 wurden die während des Ersten Weltkriegs produzierenden Senfgas- und Phosgenanlagen im Edgewood Arsenal der U.S.A. wieder in Betrieb genommen. Die Briten begannen 1936 mit der Errichtung einer Senfgasfabrik in Sutton Oak in Lancashire, zwei weitere waren in der Planung begriffen.

2.2.3) CW- Forschung Rußlands

Im Jahre 1924 wurde das militärisch-technische Amt der Roten Armee gegründet, und in den Hauptquartieren jedes Militärbezirks stationierte man chemische Truppen. Im Rahmen der deutsch-sowjetischen Kooperation in den militärischen Bereichen konventioneller und chemischer Kriegführung erhielten die Russen einen beachtlichen Technologie- und Wissensschub, der ihnen die Herstellung von zahlreichen wirkungsvollen Kampfstoffen und Waffenarten eröffnete. Doch erst in den 30er Jahren beschleunigte sich der Aufbau von Chemiewaffen-Produktionsanlagen, so daß die Rückstände der 20er Jahre aufgeholt werden konnten, in der die UdSSR noch eine leistungsschwache und eher uneigenständige chemische Forschung beklagte.

Wie in den westlichen Ländern auch, produzierte Rußland nicht alle getesteten Giftgase in Massen, zumal auch der Kostenfaktor eine Rolle spielte. Die Wissenschaftler befaßten sich intensiv mit der Erforschung von Senfgas und anderen Kampfstoffen, die auch bei kalter Witterung einsetzbar waren, sowie Blausäure. Die ersten russischen Chemiewerke vermochten bis Ausbruch des Zweiten Weltkrieges laut deutschen Schätzungen monatlich 7.000 bis 8.000 Tonnen Senfgas herzustellen, die jährliche Produktionskapazität betrug während des Zweiten Weltkrieges sogar 180.000 Tonnen.

Die russische Waffenforschung bot eine große Spannbreite. Chemische Artilleriemunition, auch zur Kontaminierung eines Geländes, wurde ebenso wie Granatwerfer untersucht. In den 20er und 30er Jahren entwickelte und baute die russische Armee verschiedene CW für Luftangriffe: darunter chemische Bomben mit einem Gewicht von 26 bis 300 Kilogramm, gefüllt mit Senfgas, dem hautschädigende Kampfstoff Lewisit oder mit einer Phosgenmischung, chemische Splitterbomben oder luftgestützte Sprühgeräte. Chemische Waffen wurden bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in die russische Militärdoktrin eingebunden - sprich in den Felddienstvorschriften der Roten Armee 1927 und 1929 mit defensivem Charakter, als Bestandteil der Verteidigung. Bis Mitte der 30er Jahre vertraten dagegen auch zahlreiche Militärs eine starke Gewichtung von CW in offensiver Militärstrategie. Diese Meinungen wurden aber ab 1937 durch die oktroyierende terroristische Politik Stalins zum Schweigen gebracht, die Rolle chemischer Waffen wurde wiederum auf ein defensives Mindestmaß reduziert.37

2.3) Stand der chemischen Proliferation bei Kriegsausbruch

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges lagerten in britischen CW Depots etwa 500 Tonnen Senfgas und knapp über 5 Tonnen lähmender Kampfstoff. Die USA hatte in den 20er und 30er Jahren Fortschritte in der chemischen Forschung vorweisen können. Als die Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg eintraten, ließen sich ihre chemischen Lagerbestände auf 500 Tonnen beziffern, deren Hälfte Senfgas ausmachte. Frankreich und Italien besaßen ähnliche Lagerbestände, die im Schwerpunkt Senfgas und Phosgen beinhalteten. Die deutschen Depots verzeichneten zu Beginn des Krieges wohl starke Bestandszahlen, die bei ungefähr 10.000 Tonnen angesiedelt werden können38. Die Sowjets konnten Ende der 30er Jahre mittlerweile mit der chemischen Forschung des Westens konkurrieren. Ihre Lagerbestände sind in der Literatur nicht genau angegeben, es ist allerdings davon auszugehen, daß die Produktion der chemischen Werke auf vergleichbar hohem Niveau lief. Der springende Punkt ist - und die Autoren des SIPRI Werkes formulierten es treffend, daß ,,at the end of 1939, each of the major belligerents suspected its enemies of a readiness to initiate CW, whereas in fact none of them was prepared to do so." Sollten chemische Waffen im Kriegsfall eine tragende Bedeutung bekommen, mußte die chemische Aufrüstung also noch stattfinden.

3) Bedrohung ja, Einsatz nein: CW im Zweiten Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg wütete von September 1939 bis Mai 1945 und brachte global Millionen Menschen Tod und Terror. Millionen Soldaten wie Zivilisten fielen der modernen Kriegsmaschinerie zum Opfer, Völker wurden vertrieben und eliminiert. Doch kamen neben den konventionellen Waffen die chemischen Waffen, die dem Ersten Weltkrieg ein so entsetzliches Kapitel verliehen hatten, in dieser Zeit nicht zum Einsatz.

-ur wenige Stunden nach der Kriegserklärung Großbritanniens und Frankreichs an Deutschland am 3. September 1939 versprachen die beiden Mächte dem Reich via schriftlicher Botschaft, gemäß der Vereinbarung des Genfer Protokolls, die Anwendung von Giftgas- und Bakterienwaffen zu unterlassen. Wenige Tage später signalisierte auch der deutsche Botschafter Paris und London das Einverständnis seines Landes. Die westlichen Mächte, das Deutsche Reich und ebenso die sowjetische Führung enthielten sich in den Kriegsjahren des Einsatzes von CW auf dem Kriegsschauplatz, obgleich ,,die Großmächte bis 1945 ungefähr eine halbe Millionen Tonnen chemische Waffen angesammelt hatten, fünfmal soviel, wie im ganzen Ersten Weltkrieg benutzt worden war"39. Sechs Jahre hindurch wurden chemische Waffen und Vorräte an Abwehrausrüstung zu den Kampfplätzen transportiert: 1940 gab es Gaslager in Frankreich, dann in Nordafrika, in Ostasien, im Nahen Osten, in Italien, an der russischen Front und 1944 schließlich wieder in Frankreich. Sechs Jahre lang befürchteten die Wissenschaftler - auch im Hinblick auf vergangene Gaseinsätze Italiens gegen Abessinien und Japans gegen China - es könnte jeden Augenblick der Befehl zum Giftgasangriff gegeben werden. Die Giftgasfabriken hielt diese Vermutung stetig auf ,,stand by", die Produktion sollte niemals verlangsamt werden.

Was hielt die kriegführenden Mächte nichtsdestotrotz vom CW Einsatz ab?

3.1) Haltung des Deutschen Reiches

Bis 1941 kennzeichnete die deutschen Angriffe im Westen wie im Osten ein militärisch bisher unbekanntes Tempo. Die Reichswehr nahmen die Stellungen der Gegner im Blitzkrieg ein - beseitigte aber zugleich die westliche Furcht vor einem Gaskrieg.

Gaseinsätze wären aus militärischer Sicht für die Offensiven nicht effektiver gewesen, da sie die Kämpfe eher verlangsamt hätten. Das Deponieren der Waffen erforderte eine bestimmte Vorbereitungszeit, speziell für die Gasanwendung ausgebildete Truppen mußten vor Ort arbeiten, die Gefährdung der eigenen Truppen mußte in Betracht gezogen werden, Schutzkleidung, die die Soldaten tragen mußten, behinderte sie in ihren Kampfhandlungen. Gas, in Form der lungen- oder hautschädigenden Kampfstoffe - war im Zweiten Weltkrieg hinter die konventionellen Kriegsmittel gerückt, da es in der Militärstrategie für defensive Aufgaben bestimmt war.

Die deutsche Führung mußte dagegen bei mehreren Gelegenheiten den defensiven Gaseinsatz alliierter Truppen fürchten. Die verwendete Literatur zitiert den deutschen General Herman Ochsner, der 1949 geschrieben haben soll, daß sowohl die Invasion der britischen Inseln im Sommer 1941 als auch die Feldzüge gegen die Sowjetunion den Alliierten Anlaß dazu gegeben haben könnten, chemische Waffen zur Verteidigung einzusetzen40.

Gegen Ende des Krieges waren diese immer noch nicht eingesetzt worden, doch sollten sich die Forderungen verschiedener militärischer Helfer Adolf Hitlers häufen, Giftgas anzuwenden. Dagegen wird in der Literatur auch von Gegenstimmen berichtet, die vor ,,massiven Vergeltungsschlägen" bei deutschen Giftgasangriffen warnen.

Diese schwankende Stimmung mag in allen kriegführenden Mächte vorgeherrscht haben. Aus den Überlegungen der Historiker geht hervor, daß - nicht zuletzt durch grausame Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg, an die sich die politischen Führungen wie die Bevölkerungen der Großmächte erinnerten - die Hemmschwelle zum Gaseinsatz exakt so hoch angelegt war, daß man die eigene Erstanwendung scheute. Das Zögern hatte jedoch nur bedingt den Hintergrund des Genfer Protokolls, das den Einsatz von CW untersagte. Man scheute die eigenen Erstanwendung, da der Gegenangriff der feindlichen Partei nicht ausgeschlossen werden konnte, da diese entweder keinem vertraglichen Verbot unterlag oder zu befürchten war, daß diese sich nicht an das vertragliche Verbot halten würde.

Doch dieses Dilemma reichte zum Nichteinsatz von CW auf dem Schlachtfeld.

Die tatsächliche deutsche Anwendung von Giftgas sollte erst nach Niederringung des nationalsozialistischen Deutschland zu Tage treten. Die Weltöffentlichkeit erfuhr nicht zuletzt durch die Beweisführung des Nürnberger Kriegsverbrechertribunals, daß die Deutschen in den Konzentrationslagern (KZ) in Buchenwald, Ausschwitz, Sachsenhausen, Neuengamm, Lüblin, Gross-Rosen, Ravensbruck und Treblinka Giftgas zur Tötung von Gefangenen einsetzten: Allein zwischen Mai 1940 und Dezember 1943 sollen 2,5 Millionen Gefangene mit dem Kampfstoff Zyklon B vergast worden sein - bis Kriegsende starben allein in den Gaskammern des Ausschwitzer KZ 4,5 Millionen Gefangene41.

3.2) Haltung der westlichen Mächte

An der westlichen Front überraschte die deutsche Führung die Westmächte mit schneller, zupackender Kriegführung, den Blitzkriegen. Die deutschen Offensiven kamen bis Nordfrankreich, bis erst im Mai 1940 ausreichend Widerstand entwickelt werden konnte. Aus der Verzweiflung der Niederlage schlug im Juni 1940 der Chef des britischen Generalstabes, Sir John Dill, die Gasanwendung vor. Er plante ,,durch das Versprühen von Senfgas und die Verseuchung der Strände durch flüssiges Senfgas" das Vorrücken der deutschen Truppen zu verzögern42. Dieser Vorstoß erntete heftige Kritik beim Militär, das mit starken moralischen Bedenken antwortete, an die ,,Prinzipien und Traditionen" erinnerte und gleichsam vor einem feindlichen Vergeltungsschlag warnte.

Doch zwei Wochen darauf schlug die Stimmung um: Der Premierminister Winston Churchill unterstützte Dills Initiative und unterstrich die Bedeutung chemischer Waffen zur ,,Heimatverteidigung". Churchill ließ sich nunmehr ab Juli 1940 regelmäßig berichten, inwieweit die Produktion chemischer Waffen voranschritt. Obwohl die Gefahr eines deutschen Gasangriffs nicht mehr akut war, trieb der Politiker die Produktion mit Nachdruck eigens an, so daß die Lagerbestände 1941 konstant anstiegen, im Frühjahr war ein Vorrat von 20.000 Tonnen chemischer Kampfstoffe angehäuft.

Die Vereinigten Staaten von Amerika erhöhten in den Kriegsjahren massiv ihre Produktion chemischer Kampfstoffe. Ohne rechtliche Bedenken: Sie hatten die Bestimmungen des Genfer Protokolls noch nicht ratifiziert. 1940 wurden etwa 2 Millionen Dollar, 1941 schon 60 Millionen Dollar für die chemische Forschung und Entwicklung aufgewendet. 1942 wurde sogar eine Milliarde Dollar ausgegeben, bis 1945 13 chemische Kampfstoffanlagen aus dem Boden gestampft waren: die Gasproduktionskapazität war in immense Höhen gestiegen, die eigentlich über den Bedarf hinausgehen. Der amerikanische Präsident Theodor Roosevelt war kein Befürworter der chemischen Aufrüstung, billigte sie allerdings im Hinblick auf das in den USA als Bedrohung empfundene Japan. Erst nach dem Krieg wurde öffentlich bekannt, daß die Japaner praktisch seit Kriegsbeginn die chemische Produktion stark heruntergefahren und 1941 eingestellt hatten.

Der Einsatz von chemischen Waffen ist demnach auch im Westen nicht befohlen, aber doch - und das kann hervorgehoben werden - permanent in Betracht gezogen worden, urteilt man im Bezug auf Äußerungen der Politiker sowie auf die Proliferationsbemühungen der chemischen Industrie. So ist auch die Schlußfolgerung nicht abwegig, daß die westlichen Mächte, denn die Proliferation in anderen alliierten Staaten zeigt eine ähnliche steigende Kurve, ihre vertragliche Bindung an das Genfer Protokoll vernachlässigten, sahen sie ihr Land in Bedrängnis.

3.3) Haltung Rußlands

Die russische Führung sollte auch durch das blitzartige Voranschreiten der deutschen Truppen überrannt werden. Doch auch die russische Führung erteilte keinen Einsatzbefehl für chemische Waffen zur Verteidigung der Ostfront.

Dies kann auf unterschiedliche Beweggründe zurückgeführt werden. Zum einen war klar den strategischen Waffen, der mechanisierten Kriegführung mit Luft- und Bodenstreitkräften eine bedeutende Rolle zugewiesen worden. Den chemischen Waffen wurde in den sowjetischen Felddienstvorschriften, die während des Krieges verkündet wurden, geringere Wirksamkeit und demnach geringe Bedeutung beigemessen, und wenn sie darin vorkamen, dann für die Defensive43. Außerdem ist hervorzuheben, daß die in Rußland entwickelten Kampfstoffe und entsprechende Waffen in ihrer Technologie eher rückständig und mangelhaft waren und auch die Truppen ihre Handhabung nicht ausreichend beherrschten, so scheute man den Einsatz gewollt. Also dienten die chemischen Waffen - in der russischen Militärdoktrin ebenso wie in der westlichen - dem Ziel der Abschreckung des Feindes.

3.4) Stand der chemischen Proliferation bei Kriegsende

Die Proliferation chemischer Waffen nahm bis Kriegsende konstant zu. Ist 1939 ein niedriges Ausgangsniveau für chemische Proliferation in Großbritannien, den U.S.A. und auch Japan zu verzeichnen, ist Deutschland zu diesem Zeitpunkt schon weiter. Die Proliferation nimmt im Deutschen Reich bis 1945 auf einen Lagerbestand von 70.000 Tonnen zu, was eine Versiebenfachung bedeutet.

Japan lagerte bis 1946 lediglich 7.500 Tonnen ein. Großbritannien trieb die chemische Produktion stark voran: die Bestände stiegen von 500 Tonnen tödlicher CW auf 35.000 Tonnen an: eine Versiebzigfachung, die nur noch von der chemischen Proliferation der Vereinigten Staaten übertroffen wurde, die ihre CW Bestände von knapp 500 Tonnen auf 135.000 Tonnen - um das 270fache - steigern. Genaue Zahlen aus der Sowjetunion sind nicht bekannt, die Deutschen gingen davon aus, daß die UdSSR mindestens 8.000 Tonnen pro Monat hergestellt hatte44.

4) Erneute Aufwertung: CW in der Nachkriegszeit

-ach Beendigung des Zweiten Weltkrieges versiegte das Interesse an chemischer Kriegführung nicht. Die westlichen Alliierten, die als Siegermächte aus dem globalen Konflikt resultierten, sahen sich in ihrer CW- Technologie um die aus dem besetzten Deutschland stammenden Nervenkampfstoffe bereichert. Deren giftige Zusammensetzung war allerdings auch den sowjetischen Wissenschaftlern bekannt, denn russische Truppen hatten bei ihrem Vormarsch in Schlesien zwei Fabriken eingenommen, die diese chemischen Waffen herstellte. Somit nivellierte sich die Kenntnis über chemische Kampfstoffe von West nach Ost wieder. Die Aufrüstung erhielt innerhalb der Feindschaft zwischen den Blöcken - dem Kalten Krieg - einen veränderten Charakter, zu späteren Zeitpunkten einem Kopf-an- Kopf-Rennen vergleichbar.

4.1) CW als Instrument der Abschreckung im Kalten Krieg

,,Aus nationalen Sicherheitsgründen" beschlossen die Regierungen Großbritanniens, der U.S.A. und Kanadas, die chemischen Forschungen fortzusetzen, wobei nicht nur national analysiert, nach Schutzmechanismen gesucht und die Herstellung der Gase beauftragt wurde. 1947 kam es sogar zu einem Abkommen zwischen den drei Mächten, bei jährlichen Konferenzen neue Erkenntnisse in der CW- Forschung auszutauschen. Ab 1965 mit Australien im Bunde blieb die Kooperation bis in die 80er Jahre bestehen. Es ist zu bemerken, daß - wohl auf Nachdruck der Amerikaner - auch offensiv nach neuen Kampfstoffen und Waffen geforscht wurde.

Zudem sollten die westlichen Mächte und die UdSSR und mit ihnen ihre militärpolitischen Instrumente NATO und Warschauer Pakt nach 1945 der nächsten Generation von Waffen starke Aufmerksamkeit schenken: den Atomwaffen. Diese ließen dem neuartigen Begriff der ,,Massenvernichtungswaffen", der atomare, biologische und chemische Waffen umfaßt, eine andere Dimension zukommen. Ihre Vernichtungskraft zeigte sich der Weltöffentlichkeit in erschütterndster Weise durch die Atombombenabwürfe der Vereinigten Staaten über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki im August 1945.

Die Sowjetunion, die durch die amerikanische Demonstration erneut ihre Unterlegenheit erkennen mußte, kopierte die neue nukleare Technologie und konzentrierte sich darauf. Auch deshalb führte sie nach 1945 keine massive Steigerung ihrer chemischen Produktion durch, eher befaßten sich die Wissenschaftler ,,mit der experimentellen Herstellung sowie Testversuchen"45. Die sowjetische Militärdoktrin, die wie oben erwähnt den defensiven Charakter chemischer Waffen betonte, änderte sich bis zum Tode Stalins 1953 nicht grundlegend. Der Westen erschien technisch weit überlegen, obgleich die propagandistische Stimmung von beiden Seiten angeheizt wurde. Die russische Chemieindustrie blieb aber bis Mitte der 60er Jahre rückständig im Vergleich zu westlicher Technologie46. Der Wendepunkt kam dann in den 60er und 70er Jahren.

In den frühen 60er Jahren formulierte die sowjetische Führung ihre strategischen Überlegungen neu: In verschiedenen Felddienstvorschriften wurde ,,die Anwendung von CW entweder in `Verbindung mit' Kernwaffen oder als Alternative vorgesehen"47, was den CW eine gewichtigere Rolle als bisher verlieh. Die russische Militärdoktrin schien im Gegensatz zu der des westlichen Bündnisses offensiver und mehr auf den Sieg in einem konventionellen, auf dem europäischen Kontinent auszufechtenden Krieg, hin ausgerichtet zu sein. In der Praxis mußte die UdSSR weitaus weniger fähig gewesen wäre, ihre strategischen Ziele durchzusetzen und dem Westen entgegenzutreten, weiß man heute. Die Sowjets unterstützten dagegen schon seit den 20er Jahren das Genfer CW- Verbot, welches die U.S.A. erst noch ratifizieren sollte. Die westlichen Verbündeten hatten sich im Zuge der Entspannung auf die Kriegsvermeidung geeinigt. Trotz alledem hielten sie den schützenden und Abschreckung bewirkenden Schild der Waffenarsenale aufrecht, die chemische Forschung wurde weiter betrieben.

Die Feindschaft bewirkte in den 70er und 80er Jahren eine Wiederbesinnung auf CW. Auf russischer Seite schien die Motivation darin zu liegen, daß der westliche Block klar im nuklearen und konventionellen Feld überlegen erschien, die Sowjets somit die eigene Industrie und die angegliederten Industrien der Mächte des Warschauer Paktes wieder verstärkt auf eine Proliferation chemischer Kampfstoffe ausrichteten. Auf die mögliche Bedrohung reagierten die westlichen Mächte mit einer steigenden Produktion chemischer Waffen ihrerseits.

4.2) Lokale Einsätze von CW

Die U.S.A. griffen bei ihrer Teilnahme im Indochina-Krieg von 1961 bis 1970 auf chemische Kriegführung zurück. Sie unterstützten die südvietnamesische Regierung gegen Nordvietnam und gegen den innerhalb des südlichen Territoriums agierenden Vietcong militärisch: Ab 1965 flogen die US-Streitkräfte massive Bombenangriffe gegen Ziele in Nord- und Südvietnam. Dabei sollten chemische, und teilweise hochgiftige Entlaubungsmittel zum Enttarnen der im Dschungel versteckten Rebellen, insgesamt 55.000 Tonnen, und Reizstoffe, 9.000 Tonnen CS-Gas, eingesetzt werden. Der Kriegsbeteiligung der Amerikaner forderte nicht nur das Leben von Hunderttausenden von Nordvietnamesen und Vietcong-Kämpfern, sondern brachte auch ungefähr 58.000 amerikanischen Soldaten den Tod. Doch die chemische Kriegführung bleibt nicht mehr nur ,,tragischer Trumpf" der Großmächte. Im Zuge des industriellen Fortschritts in den Schwellenländern Asiens und Afrikas und durch den Technologieexport der UdSSR in ihre Einflußgebiete und in den Nahen Osten erwarben nunmehr auch kleinere, nach Macht strebende Staaten die Fähigkeit, chemische Kampfstoffe herzustellen - und diese im Konflikt anzuwenden. Ägyptische Streitkräfte benutzen bei ihrer Intervention im Bürgerkrieg im Jemen von 1963 bis 1967 chemische Waffen, die sie seit den 50er Jahren produzierten. Zeitungen sprachen von 40 verschiedenen Kampfstoffen, die Zahlen der Toten beliefen sich auf etwa 1.40048. Bestärkt durch die Aufwertung chemischer Kriegführung und befähigt durch die materielle Militärhilfe der Sowjetunion, setzten irakische Streitkräfte im Krieg gegen den Iran seit 1983 bis 1989 systematisch CW ein, in einem Umfang von circa 3.000 Tonnen49. Die irakische Industrie soll von 1980 bis 1991 4.500 Tonnen chemische Kampfstoffe entwickelt haben. Das Beispiel des Irak reiht sich in die Erscheinung der 80er Jahre mit ein, daß Länder der Dritten Welt wie Libyen, Iran, Myanmar, vermutlich auch Syrien, Vietnam und Israel intensiv an der chemischen Proliferation arbeiteten50.

4.3) Internationale Verurteilung: CW- Verbannung in Sicht?

Insbesondere der Einsatz chemischer Waffen im Vietnam durch die Vereinigten Staaten verstärkte in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre das internationale Interesse für die Abrüstung auf dem Gebiet der CW. Auf Initiative sozialistischer Länder wurde die Ächtung des chemischen Krieges vorangetrieben - sogar mit leichtem Widerwillen der anglo- amerikanischen Partnerschaft. Die Staaten des Warschauer Paktes betonten, daß die Biologische Waffen Konvention als Modell für eine mögliche Konvention über das CW Verbot dienen könne. 1971 hatten sieben sozialistische Mitgliedsstaaten des Genfer Abrüstungsausschusses einen Konventionsentwurf über das Verbot der Entwicklung, Produktion und Lagerung von bakteriologischen Waffen und Toxinen und ihre Vernichtung unterbreitet, der dann von der Vollversammlung der Vereinten Nationen gebilligt wurde. Das BW Übereinkommen trat im März 1975 in Kraft. Bisher sind mehr als 130 Staaten beigetreten.

Einen entsprechenden Entwurf zu einer CW Konvention reichte die UdSSR 1972 ein. Der Abrüstungskonferenz gelang es erst 1992, nach langjähriger Debatte, den Text des CW Übereinkommens vorzustellen, der dann im 1993 von über 150 Staaten unterzeichnet wurde. In Kraft trat es daraufhin 1997. Abzuwarten bleibt, ob es ausreichende Zugkraft und Kontrolle ausüben kann, existierende chemische Waffenbestände, wie vertraglich vorgesehen, bis Ende 2007 zu zerstören und chemische Kriege zukünftig zu bannen. Risikofaktoren stellen sicherlich die Drittweltstaaten dar, die in der Annahme chemische Kriegsmittel produzieren oder diese aus anderen Staaten beziehen, eventuell sogar offensive Rüstungspolitik betreiben. Eine Reihe von Staaten, die des CW Besitzes verdächtigt werden, sind dem Übereinkommen noch nicht beigetreten. Die Kontrollinstanzen nennen dabei Syrien, Ägypten, Libyen, Irak und Israel, spekulativ auch Nordkorea und Jugoslawien51.

4.4) Stand der chemischen Proliferation heute

Die aktuelle Literatur vermag nicht mit hundertprozentiger Gewißheit beschreiben, welche Staaten noch CW- Bestände besitzen und/oder offensive CW- Programme betreiben. Dies ist schwer möglich, da nicht alle Staaten wie die Industrieländer ihre technischen und militärischen Kapazitäten offen legen und sich internationaler Kontrolle unterziehen. 1995 besaßen die U.S.A 31.000 und die UdSSR 41.000 Tonnen Kampfstoffe, geringe Bestände können 1995 noch China, vermutlich Iran, Libyen, Vietnam, Syrien, Nordkorea, Myanmar und Israel vorweisen. Die Vermutungen gingen soweit, daß 1995 in den Staaten Syrien, Iran, Nordkorea und Libyen offensive CW-Programme bestehen sollen. Auszugehen ist davon, daß keine unberechenbar große ,,Welle" chemischer Aufrüstung droht, denn eine relativ begrenzte Zahl von Drittweltstaaten steht im Verdacht, CW zu entwickeln.

-ichtsdestotrotz muß dem Regime des CW Übereinkommens Vertrauen geschenkt werden, gerade in diesen verdächtigten Staaten über der Proliferation zu wachen und drohende Konflikte, die wahrscheinlich auch mit diesen Kriegsmitteln ausgetragen würden, abzuwenden. Bedauerlicherweise muß man davon ausgehen, jederzeit ein verstecktes Chemiewaffenarsenal zu entdecken, zumal die Beschaffung der notwendigen Materialien, Rohstoffe in der Gegenwart allzu leicht geworden ist.

Eine weitere Gefahr besteht darin, chemische Waffen könnten als Instrumente nichtstaatlicher Akteure, wie etwa terroristische und fundamentalistische Gruppen, in die Hände geraten. Anlaß zu dieser Sorge gibt der Anschlag der japanischen Aum Shinrijko Sekte, die im Mai 1995 Sarin in einer Tokioter U-Bahn versprühte.

5) Fazit: Chemische Kriegführung als ein ,,kollektives Dilemma"

Chemischer Kriegführung haftet seit dem ersten massiven tödlichen Giftgasangriff des Ersten Weltkrieg ein pejoratives unmenschliches Bild an - wagt man anzuzweifeln, ob nicht jedwede Form von kriegerischer Auseinandersetzung unmenschlich und grausam ist. (Gerade in der Gegenwart ist diese Fragestellung heikel, wurde nicht kürzlich in Europa Krieg geführt und die kriegführende Partei hatte sich den Schutz der Menschenrechte und Friedensschaffung auf die Fahnen geschrieben. Dies ist aber nicht Gegenstand der Diskussion. Anm. der Autorin). Es wäre gewagt, die verschiedenen ,,Abarten" von Kriegführung zu klassifizieren und sie nach Mittel und Zweck zu beurteilen. Doch wahrscheinlich würden Zeitgenossen und insbesondere Kämpfer kriegerischer Auseinandersetzungen, bei denen chemische Waffen Einsatz fanden, der chemischen Kriegführung eine hohen Grad an Grausamkeit und Fatalität bescheinigen, wobei daneben ein geringer Grad an ,,Effektivität" steht. Im Zweiten Weltkrieg sind CW nicht eingesetzt worden, obwohl die kriegführenden Mächte durchweg ihre Industrien durch enorme Aufrüstung, die Truppen durch offensive und defensive Schulung, die Bevölkerungen durch Aufklärungsarbeit und Abwehrmethoden auf den chemischen Krieg vorbereitet hatten. Außerdem vervielfachten sich die Lagerbestände nicht nur in Kriegszeiten, auch in Friedenszeiten wurde hochgerüstet, offensiv geforscht und getestet.

Starke Bedeutung muß in diesem Zusammenhang der Politik der Abschreckung zugewiesen werden. Bezugnehmend auf das Zitat aus Abschnitt 2.3 (,,at the end of 1939, each of the major belligerents suspected its enemies of a readiness to initiate CW, whereas in fact none of them was prepared to do so.") ist zu sagen, daß chemische Waffen, wie dann auch die konventionellen und nuklearen Waffen, in einem Aufrüstungzugzwang der Großmächte in den Jahrzehnten der Zwischenkriegszeit und des Kalten Krieges, allein schon aus dem Grunde produziert wurden, um nicht der Aufrüstung des Feindes unterlegen zu sein. Und dies nicht unbedingt ausschließlich aus der militärischen Absicht heraus, mit chemischen Waffen anzugreifen. Ein schweres Dilemma umgibt die Staaten, die den Kalten Krieg führen: Den Feindstaat einzuschüchtern, nicht ihn auszulöschen, war offenbar die Ambition, die sich hinter der Aufrüstung verbarg.

In der Proliferationsgeschichte chemischer Waffen sind Generationsschritte deutlich zu erkennen, mit fortschreitender Forschung werden die Kampfstoffe noch giftiger, tödlicher und effektiver, die chemischen Waffen zielgenauer, wirkungsvoller - obwohl sie dabei in ihren Wirkungsgraden konventionelle und später nukleare Waffen niemals übertreffen werden. Ihren Status als Massenvernichtungswaffen behielten die chemischen Waffen nicht zuletzt, weil die militärischen Führungen diese in ihren Strategien erwähnten und die chemischen Industrien der Forschungs- und Entwicklungsarbeit nachkamen.

Erst zum Ende des 20. Jahrhunderts scheint die Verachtung und Verbannung chemischer Waffen internationalen Stellenwert zu erhalten: Mit der Inkraftsetzung der Chemische Waffen Übereinkommens müssen sich nicht nur die Unterzeichnerstaaten an strenge Verpflichtungen halten und im Zuge dessen den Kontrollmechanismen Rechenschaft ablegen. Es ist damit auch ein großer Schritt dahin getan worden, daß neben dem Einsatz die Entwicklung, Produktion, Beschaffung, Lagerung und der Transfer weltweit illegalisiert wurden und somit völkerrechtlich gegen chemische Waffen besitzende ,,Schurkenstaaten" vorgegangen werden kann, politischer Druck ausgeübt werden kann.

Die Proliferation chemischer Waffen sollte angesichts dieses internationalen Fortschritts nicht unterschätzt werden. Experten schätzen ein, daß ,,die Gefahr der Verbreitung chemischer und biologischer Waffen größer sei als diejenige von Kernwaffen, da B- und C-Waffen viel leichter zugänglich seien"52. Demnach bleibt zu hoffen, daß sich ein Dilemma der Aufrüstung von chemischen Waffen nicht in den Staaten wiederholt, die dem CW Übereinkommen nicht angehören - aber zu Rivalitäten neigen.

Literaturverzeichnis:

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- KRAUSE, Joachim, Strukturwandel der Nichtverbreitungspolitik. Die Verbreitung von

Massenvernichtungswaffen und die weltpolitische Transformation, München 1998.

- KRAUSE, Joachim, MALLORY, Charles K., Chemische Waffen in der Militärdoktrin der Sowjetunion - historische Erfahrungen und militärische Lehren 1919-1991, Baden-Baden 1993.

- LOHS, Karlheinz, SPYRA, Wolfgang, Chemische Kampfstoffe als Rüstungsaltlasten, Berlin 1992.

- LOHS, Karlheinz, Europa: Giftfaß oder chemiewaffenfrei? Chemische

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- STOCKHOLM INTERNATIONAL PEACE RESEARCH INSTITUTE (SIPRI), The

Problem of Chemical and Biological Warfare, Band I: The Rise of CB Weapons, New York 1971

- STOCKHOLM INTERNATIONAL PEACE RESEARCH INSTITUTE (SIPRI), The Problem of Chemical and Biological Warfare, Band II: CB Weapons Today, New York: Humanities Press 1973.

THRÄNERT, Oliver, Rüstungskontrolle bei chemischen und biologischen Waffen, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Bd. 50-51/99, S. 25-31.

[...]


1 LOHS, Karlheinz, Europa: Giftfaß oder chemiewaffenfrei? Chemische Massenvernichtungsmittel und Wege zu ihrer Abschaffung, Köln 1986, S. 49.

2 H+L Verlagsgesellschaft, 2000 Jahre Weltgeschichte. Menschen, Epochen und Kulturen, Amstelveen 1999, S. 554.

3 vgl. HARRIS, Robert, PAXMAN, Jeremy, Eine höhere Form des Tötens. Die geheime Geschichte der B- und C-Waffen, Düsseldorf und Wien 1983, S. 22 ff.

4 vgl. ebd. S.23.

5 LOHS, Karlheinz, Europa: Giftfaß oder chemiewaffenfrei? Chemische Massenvernichtungsmittel und Wege zu ihrer Abschaffung, Köln 1986, S. 54.

6 vgl. KRAUSE, Joachim, MALLORY, Charles K., Chemische Waffen in der Militärdoktrin der Sowjetunion - historische Erfahrungen und militärische Lehren 1919-1991, Baden-Baden 1993.

7 vgl. STOCKHOLM INTERNATIONAL PEACE RESEARCH INSTITUTE (SIPRI), The Problem of Chemical and Biological Warfare, Band I: The Rise of CB Weapons, New York 1971, S. 29 ff.

8 vgl. HARRIS, Robert, PAXMAN, Jeremy, Eine höhere Form des Tötens. Die geheime Geschichte der B- und C-Waffen, Düsseldorf und Wien 1983, S. 24.

9 STOCKHOLM INTERNATIONAL PEACE RESEARCH INSTITUTE (SIPRI), The Problem of Chemical and Biological Warfare, Band I: The Rise of CB Weapons, New York 1971, S. 31.

10KRAUSE, Joachim, MALLORY, Charles K., Chemische Waffen in der Militärdoktrin der Sowjetunion - historische Erfahrungen und militärische Lehren 1919-1991, Baden-Baden 1993, S. 29.

11LOHS, Karlheinz, SPYRA, Wolfgang, Chemische Kampfstoffe als Rüstungsaltlasten, Berlin 1992, S. 69.

12vgl. STOCKHOLM INTERNATIONAL PEACE RESEARCH INSTITUTE (SIPRI), The

Prblem of Chemical and Biological Warfare, Band I: The Rise of CB Weapons, New York 1971, S. 130.

13vgl. ebd.

14vgl. ebd.

15vgl. HARRIS, Robert, PAXMAN, Jeremy, Eine höhere Form des Tötens. Die geheime Geschichte der B- und C-Waffen, Düsseldorf und Wien 1983, S. 41 f.

16vgl. STOCKHOLM INTERNATIONAL PEACE RESEARCH INSTITUTE (SIPRI), The Problem of Chemical and Biological Warfare, Band I: The Rise of CB Weapons, New York 1971, S. 130.

17vgl. HARRIS, Robert, PAXMAN, Jeremy, Eine höhere Form des Tötens. Die geheime Geschichte der B- und C-Waffen, Düsseldorf und Wien 1983, S. 34 f.

18vgl. KRAUSE, Joachim, MALLORY, Charles K., Chemische Waffen in der Militärdoktrin der Sowjetunion - historische Erfahrungen und militärische Lehren 1919-1991, Baden-Baden 1993, S. 29.

19ebd. S. 28 f.

20ebd. S. 34 f.

21vgl. ebd. S. 29

22ebd.

23STOCKHOLM INTERNATIONAL PEACE RESEARCH INSTITUTE (SIPRI), The Problem of Chemical and Biological Warfare, Band I: The Rise of CB Weapons, New York 1971, S. 133.

24vgl. ebd. S.29.

25vgl. HARRIS, Robert, PAXMAN, Jeremy, Eine höhere Form des Tötens. Die geheime Geschichte der B- und C-Waffen, Düsseldorf und Wien 1983, S. 49 f.

26vgl. ebd. S. 26 ff.

27vgl. HARRIS, Robert, PAXMAN, Jeremy, Eine höhere Form des Tötens. Die geheime Geschichte der B- und C-Waffen, Düsseldorf und Wien 1983, S. 63 ff.

28vgl. ebd. S. 64 f.

29KRAUSE, Joachim, Strukturwandel der Nichtverbreitungspolitik. Die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und die weltpolitische Transformation, München 1998, S. 75.

30ebd. S. 65.

31KRAUSE, Joachim, MALLORY, Charles K., Chemische Waffen in der Militärdoktrin der Sowjetunion - historische Erfahrungen und militärische Lehren 1919-1991, Baden-Baden 1993, S. 46 ff.

32vgl. STOCKHOLM INTERNATIONAL PEACE RESEARCH INSTITUTE (SIPRI), The Problem of Chemical and Biological Warfare, Band I: The Rise of CB Weapons, New York 1971, S. 279.

33vgl. HARRIS, Robert, PAXMAN, Jeremy, Eine höhere Form des Tötens. Die geheime Geschichte der B- und C-Waffen, Düsseldorf und Wien 1983, S. 73 ff.

34vgl. ebd. S. 79.

35vgl. ebd. S. 59.

36vgl. STOCKHOLM INTERNATIONAL PEACE RESEARCH INSTITUTE (SIPRI), The Problem of Chemical and Biological Warfare, Band I: The Rise of CB Weapons, New York 1971, S. 269.

37vgl. KRAUSE, Joachim, MALLORY, Charles K., Chemische Waffen in der Militärdoktrin der Sowjetunion - historische Erfahrungen und militärische Lehren 1919-1991, Baden-Baden 1993, S. 86 ff.

38STOCKHOLM INTERNATIONAL PEACE RESEARCH INSTITUTE (SIPRI), The Problem of Chemical and Biological Warfare, Band I: The Rise of CB Weapons, New York 1971, S. 304.

39ebd. S. 134.

40vgl. STOCKHOLM INTERNATIONAL PEACE RESEARCH INSTITUTE (SIPRI), The Problem of Chemical and Biological Warfare, Band I: The Rise of CB Weapons, New York 1971, S. 296.

41vgl. STOCKHOLM INTERNATIONAL PEACE RESEARCH INSTITUTE (SIPRI), The Problem of Chemical and Biological Warfare, Band I: The Rise of CB Weapons, New York 1971, S. 155 f.

42vgl. HARRIS, Robert, PAXMAN, Jeremy, Eine höhere Form des Tötens. Die geheime Geschichte der B- und C-Waffen, Düsseldorf und Wien 1983, S. 135.

43KRAUSE, Joachim, MALLORY, Charles K., Chemische Waffen in der Militärdoktrin der Sowjetunion - historische Erfahrungen und militärische Lehren 1919-1991, Baden-Baden 1993, S. 118.

44vgl. STOCKHOLM INTERNATIONAL PEACE RESEARCH INSTITUTE (SIPRI), The Problem of Chemical and Biological Warfare, Band I: The Rise of CB Weapons, New York 1971, S. 304.

45KRAUSE, Joachim, MALLORY, Charles K., Chemische Waffen in der Militärdoktrin der Sowjetunion - historische Erfahrungen und militärische Lehren 1919-1991, Baden-Baden 1993, S. 127.

46ebd. S. 143.

47KRAUSE, Joachim, MALLORY, Charles K., Chemische Waffen in der Militärdoktrin der Sowjetunion - historische Erfahrungen und militärische Lehren 1919-1991, Baden-Baden 1993, S. 141.

48STOCKHOLM INTERNATIONAL PEACE RESEARCH INSTITUTE (SIPRI), The Problem of Chemical and Biological Warfare, Band I: The Rise of CB Weapons, New York 1971, S. 159 f.

49KRAUSE, Joachim, Strukturwandel der Nichtverbreitungspolitik. Die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und die weltpolitische Transformation, München 1998, S. 75.

50vgl. ebd.

51vgl. THRÄNERT, Oliver, Rüstungskontrolle bei chemischen und biologischen Waffen, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Bd.50-51/99, S. 25-31, S. 27.

52ebd. S. 25.

Details

Seiten
32
Jahr
2000
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v101929
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
12 Punkte
Schlagworte
Geschichte Proliferation Waffen Verbreitung Massenvernichtungswaffen Herausforderung

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Titel: Geschichte der Proliferation von chemischen und biologischen Waffen