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Kindliche Reaktionen auf Streit zwischen Erwachsenen

Hausarbeit 2001 14 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Beobachtungsstudie von Jennifer S. Cummings
2.1. Der Versuchsablauf und seine Perioden
2.2. Ergebnisse der Beobachtungsstudie.

3. Studie von Mark E. Cummings
3.1. Der Versuchsablauf und die drei Schritt Sequenz
3.2. Ergebnisse der Studie

4. Die Scheidungsfolgen bei Kindern
4.1. Symptome bei Scheidungskindern
4.2. Altersbedingte Symptomatik bei Scheidungskindern
4.3. Geschlechtsspezifische Untersuchungen der Symptomatik von Scheidungskindern
4.4. Scheidungsstatistik von Otto R. Gaier
4.5. Schulleistungsabfall bei unterschiedlichem elterlichen Umgang

5. Resümee

Abbildung 1. Auszüge aus der Studie von Jennifer S. Cummings; "Reaktionen von Kindern auf streitendes Elternverhalten als eine Funktion von ehelichen Belastungen und Feindseligkeiten zwischen den Eltern" 1996

Abbildung 2. Auszüge aus der Studie von E. Mark Cummings; "Reaktionen von Kindern und Heranwachsenden auf eheliche Konflikte als eine Funktion der Emotionalität von Konfliktendungen." 1989.

Abbildung 3. Auszüge aus der Studie von E. Mark Cummings; "Reaktionen von Kindern und Heranwachsenden auf eheliche Konflikte als eine Funktion der Emotionalität von Konfliktendungen." 1989.

Abbildung 4. aus Otto R. Gaier; "Der Riß geht durch die Kinder. Trennung, Scheidung und wie man Kindern helfen kann". 1987. Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden.

Abbildung 5. aus Otto R. Gaier; "Der Riß geht durch die Kinder. Trennung, Scheidung und wie man Kindern helfen kann". 1987. Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Jeden, den ich fragen würde, ob Kinder auf elterlichen Streit reagieren, würde ein klares „Ja“ antworten. Aber niemand wäre fähig zu erläutern, wie er darauf kommt und wie die Reaktionen der Kinder in einer solchen Streitsituation oder nach einer Streitsituation sind. Es ist schwierig zu sagen, wie Kinder im allgemeinen auf Streit reagieren, denn schließlich sind sie individuell und haben daher unterschiedliche Mechanismen und Verhaltensweisen, mit bestimmten Situationen umzugehen. Dennoch läßt sich nach Meinung des Ehepaares Cummings, die auf diesem Gebiet verschiedene Untersuchungen unternommen haben, sagen, daß gemeinsame Reaktionen in bezug auf elternähnlichen Streit bei den Kindern beobachtet werden können.

Im folgenden werde ich zwei Beobachtungsstudien des Ehepaares Cummings erläutern, um einen Einblick in die Möglichkeiten von Studien dieser Art zu geben und zu belegen, daß die Folgen auf Streit zwischen Eltern bei den Kindern tatsächlich einen negativen Einfluss hinterlassen.

Da Kinder aus Scheidungsfamilien in großem Umfang von Streit jeder Art direkt umgeben sind, werde ich weiterhin versuchen einen Einblick in diese Problematik zu geben.

2. Beobachtungsstudie von Jennifer S. Cummings

Veröffentlicht wurde die Studie von Jennifer S. Cummings 1989 in der Zeitschrift „Child Development“. Mit dieser Beobachtungsstudie sollte u.a. bewiesen werden, daß das Elternverhalten direkten Einfluß auf die emotionale Entwicklung der Kinder nimmt.

Untersucht wurden Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren, wichtig waren dabei das Verhalten und die Reaktionen der Kinder. Die Untersuchung wurde mit 48 Vorschulkindern und deren Müttern durchgeführt, unter ihnen waren 24 Jungen und 24 Mädchen. Alle Kinder kamen aus „intakten Mittelstandsfamilien" (intact homes), sie wurden als „normal“ (also nicht psychisch krank etc.) auch als „nicht auffällig“ beurteilt. Von den Elternteilen wurden im Vorfeld Fragebögen zur Beantwortung der Ehezufriedenheit ausgefullt, einschließlich der Fragen nach physischer Gewalt in der Partnerschaft. Die Mutter wurde über den Verlauf des Versuchs aufgeklärt, und ihr wurde mitgeteilt, wie sie sich im Versuch zu verhalten hat. Die Kinder wurden per Video aufgezeichnet, um später die Verhaltensweisen und Reaktionen zu beurteilen und zu kategorisieren.

2.1. Der Versuchsablauf und seine Perioden

Der Versuchsablauf vollzog sich in streng einzuhaltenden Perioden. In der ersten Periode wurde die Mutter von einem Schauspieler mit einer freundlichen Begrüßung empfangen. Die Räumlichkeiten waren so ausgestattet, daß das Kind eine Vielzahl von Spielzeug in einem Teil des Raumes vorfand, während die Mutter intstruiert wurde, den ihr ausgehändigten Bogen auszufüllen. Die Szene sollte eineinhalb Minuten andauern und durch Freundlichkeit gekennzeichnet sein. Darauffolgend sollte der Schauspieler den Raum für drei Minuten verlassen, somit wurde eine neutrale Situation geschaffen.

In der nächsten Periode sollte der Schauspieler den Raum betreten und die Mutter ärgerlich, laut angreifend beschimpfen. Dabei sollte er ihr vorwerfen, den Fragebogen völlig falsch ausgefüllt zu haben oder etwas in ähnlicher Art. Auch diese Szene umfasste eineinhalb Minuten, wobei die Mutter schon vorher angewiesen wurde, alles ohne Widerrede über sich

„ergehen zu lassen“. Hier wurde also eine ärgerliche Periode angestrebt. Zur Einleitung der

nun folgenden neutralen Situation sollte der Schauspieler den Raum, die Tür hinter sich zuschlagend wieder für drei Minuten verlassen.

Die folgende Periode beinhaltete, daß der Schauspieler zurückkehrt und sich bei der Mutter für sein Verhalten entschuldigt, wobei diese ihm verständnisvoll entgegenkommt, um seine Entschuldigung anzunehmen. Diese Periode sollte eine Versöhnungssequenz darstellen.

Das Verlassen des Versuchsortes seitens der Mutter mit dem Kind beendete den Versuch. Dieses wiederum wurde als eine neutrale Situation gewertet.

Bei dem Versuchsverlauf wurde darauf geachtet, daß die Reihenfolge der sogenannten Perioden eingehalten wurde, d.h. die erste Situation sollte neutral sein, sozusagen vor dem Versuch, die zweite sollte freundlich sein, die dritte wieder neutral, die vierte ärgerlich, die fünfte wieder neutral und die sechste sollte die Versöhnung darstellen, wobei dann das Verlassen des Ortes wieder eine neutrale Periode ausmachen sollte.

Außerdem dauerte jede Periode / Szene eineinhalb Minuten, wobei die neutralen Szenen immer drei Minuten umfassen sollten.

2.2. Ergebnisse der Beobachtungsstudie

In den freundlichen Perioden, genauso wie in der Beendigungsphasen, zeigten etwa jeweils 30

% der Kinder in ihrer Hauptbeschäftigung an, daß sie die Situation beobachten. Eine erhöhte Beobachtung der Situation zeigten 40 % der Kinder in der „ärgerlichen“ Periode des Versuches. Eine tatsächliche Unterbrechung ihres Spiels zeigten nur 4 % in der

„freundlichen“ Periode und 25 % in der Beendigungsphase. Dagegen haben in der

„ärgerlichen“ Periode über 50 % der Kinder ihr Spiel unterbrochen.

Im körperlichen Ausdruck zeigten die Kinder in der „ärgerlichen“ Periode die meisten Anzeichen. Über 50 % boten einen besorgten Gesichtsausdruck dar und 15 % der Kinder äußerten ein Interesse an dem Konflikt.

Es ist erstaunlich, daß einige Kinder sich der sozialen Verantwortung annehmen. So sprechen fast 10 % der Kinder in der „ärgerlichen“ Periode der Mutter Mut zu. Desweiteren geht aus der Statistik hervor, daß 7 % der Kinder die Mutter sogar vor dem Schauspieler in unterschiedlicher Weise verteidigen (Anhang, S. 11 Abb.1)

Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß die Reaktionen der Kinder in der Streitphase fast überwiegend negativ ausfielen. Die Kinder zeigten Ärger, Betroffenheit, das Bedürfnis nach Schutz, und das Bedürfnis Schutz zu spenden. Sie zeigten weiterhin Verantwortung, was für Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren eine nicht zu erfüllende Anforderung darstellt.

Weiterhin wurde beobachtet, daß Kinder, die aus einem Elternhaus kommen, indem physische Gewalt ausgeübt wurde oder noch wird, sich in der Regel „sozial verantwortlich“ zeigen, indem sie z.B. in die Streitsituation eingreifen. Überhaupt zeigten diese Kinder hierzu eine erhöhte Bereitschaft. Oftmals wenden sich die Kinder an ihre Mutter, um ihr verbal oder gestisch „Schutz zu spenden“. Dagegen sind Kinder aus Familien ohne Gewaltanwendung in einer Streitsituation eher in dem Bestreben, von der Mutter Schutz zu empfangen.

Jennifer Cummings fasst daher zusammen, daß Kinder zwischen Ärger und anderen Emotionen unterscheiden. Weiterhin beeinflusst die Vergangenheit der Kinder ihr Verhalten und auch ihre Bewältigungsstrategien in Streitsituationen.

3. Studie von Mark E. Cummings

Die Studie von Mark E. Cummings erschien 1996 in der Psychologiezeitschrift „Merill- Palmer Quarterly“.

Cummings untersuchte, wie auch seine Frau, Kinder und deren Reaktionen auf Elternstreit. Allerdings waren die Kinder in dieser Studie im Alter von sieben bis neun Jahren und 13-15 Jahren im Gegensatz zu der Beobachtungsstudie von Jennifer Cummings, in der die Kinder wesentlich jünger waren. Jede Gruppe umfasste hier 24 Kinder und auch hier waren die eine Hälfte Mädchen die andere Jungen. Die Familien entstammten der Mittelschicht. Weiterhin waren 87 % der Kinder aus (Zweipaar-) Elternfamilien und der Rest aus Familien deren Eltern geschieden oder alleinerziehend waren.

Auch Mark Cummings wollte der Frage nachgehen, ob Konflikte und deren Verläufe Kinder beeinflussen, auch wenn ihnen der Hintergrund der Streitigkeiten unklar ist.

3.1. Der Versuchsablauf und die drei Schritt-Sequenz

Den Kindern wurde erklärt, daß sie sich einen Videofilm anschauen werden, indem sich Erwachsene streiten und sich entweder wieder versöhnen oder auch nicht. Die Kinder sollten sich vorstellen, es wären ihre eigenen Eltern, die sich dort streiten.

Jede Szene in dem Video hatte eine drei Schritt-Sequenz:

1) In der ersten Sequenz wurde gezeigt, wie „die Eltern“ sich streiten.
2) In der zweiten Sequenz verließen „die Eltern“ den Raum und stritten lautstark hinter der geschlossenen Tür weiter.
3) Die dritte Sequenz zeigte „die Eltern“, wie sie den Raum (in dem sich das Kind aufhielt) wieder betreten, wobei sie sich entweder positiv oder negativ unterhielten. Bei der positiven Unterhaltung redeten „die Eltern“ nett miteinander, sie haben eine Lösung des Streites gefunden.

Bei der negativen Unterhaltung schlägt der Streit in eine andere Streitfrage um und es wird weitergestritten.

Um sicher zu stellen, wie die Kinder die Situation einschätzten, wurden sie nach dem Film interviewt, dabei sollten sie erläutern, in welcher Situation die Eltern sich befanden, außerdem sollten die Kinder sich darüber äußern, wie die Erwachsenen sich wohl gefühlt haben. Weiterhin wurden ihnen Fragen über die eigene emotionale Belastung gestellt, sowie über die Bereitschaft, in die Situation einzugreifen.

Die zentralen Fragen, die relativ frei beantwortet werden konnten, waren:

-Wie hättest Du Dich gefühlt ? Traurig, glücklich, mit viel oder wenig Angst ?
-Was hättest Du getan (anstelle von Vater / Mutter) ?
-Was ist wohl hinter der Tür geschehen ?

Die Antworten wurden protokolliert und auf Video aufgezeichnet, um sie so auszuwerten und zu kodieren. Sie wurden wie folgt eingeteilt:

1. Einmischen in die Situation oder nicht;
2. Triangulation (klare Koalition mit einem Elternteil gegen den anderen Elternteil);
3. Aufgabenorientiertes Einmischen / Einbeziehen, wobei die Kinder selber anfangen aufzuräumen oder tätlich werden;
4. Oberflächliches Einmischen, die Kinder äußerten sie hätten verbal eingegriffen, daß z.B. die Eltern aufhören sollen zu streiten etc.

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Details

Seiten
14
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638166881
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v10179
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Erziehungswissenschaften
Schlagworte
Elternstreit und Reaktion auf Kinder

Autor

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