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Romantik in der Musik und Merkmale des Kunstliedes anhand Schuberts Winterreise

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 2 Seiten

Musik - Sonstiges

Leseprobe

1. Kurze Zusammenfassung der Romantik in der Musik

2. Merkmale des Kunstliedes anhand Schuberts Winterreise

Schuberts Kunstlieder aus dem Liederzyklus „Die Winterreise“ können in die stilgeschichtliche Epoche der Romantik eingeordnet werden. Diese beherrschte in der Musik fast das gesamte 19. Jahrhundert (bis 1850 Hochromantik, danach Spätromantik). Der Begriff „romantisch“ stammt ursprünglich aus der Literatur des 18. Jahrhunderts und wurde im Sinne von „romanhaft“, „erzählend“ verwendet. In der Musik meint er aber eher den gefühlsbetonten, stimmungsvollen Charakter einer Musik. Ein wesentliches Merkmal der Musik in diesem Jahrhundert ist ihre zunehmende Komplexität, d.h. sie ist insgesamt geprägt von einer stärkeren stilistischen Vielfalt (genauere Erläuterung später) als die der Klassik.

Die Zeit von 1800 - 1850 war stark von der französischen Revolution beeinflusst. Aus dem erstarkten Bürgertum bildete sich das „neue Bürgertum“ heraus, das neben seinem Streben nach Besitz und Reichtum auch ein kulturelles Interesse entwickelte. Aus dieser Haltung ergaben sich weitere typische Charakterzüge, die das Lebensgefühl der Romantik prägten. So z.B. die Sehnsucht nach dem Unendlichen und das Zurückziehen aus der (alltäglichen) Wirklichkeit in eine Traumwelt. Auch das Ausdrücken von Gefühlen spielte eine große Rolle in dieser Epoche wie beispielsweise „verliebt sein“ und Heiterkeit, aber auch solche des Trauerns, des (Liebes-)Kummers und der Sehnsucht. Viel wurde über den Sinn des Lebens und den Tod, bzw. die Todessehnsucht nachgedacht.

Komponisten und Lyriker hatten eine enge Verbindung zur Natur und projizierten oft ihre eigenen Gefühle in Bilder der Natur (z.B. Baum, Wasser). Häufig passierte es auch, dass Wirklichkeit und Traum miteinander vermischt wurden. Diese persönlichen Stimmungen vermochte die Sprache natürlich wiedergeben, noch idealer war jedoch das Zusammenwirken von Sprache und Musik.

Neben anderen Formen (z.B. Oper, Musikdrama und sinfonische Dichtung) gewann vor allem das vom Klavier begleitete Sololied große Bedeutung. Hauptsächlich Franz Schubert, Robert Schumann und Johannes Brahms widmeten sich dieser Gattung. Ihnen kam ein großes Angebot an lyrischer Dichtung entgegen, die aufgrund ihrer „romantischen“ Inhalte eine Vertonung nahe legten.

Dieses romantische „Kunstlied“ kennt die verschiedenen Strophenformen: das Strophenlied, das variierte Strophenlied, das durchkomponierte Strophenlied. Die Wahl der Form hängt in der Regel vom Text ab.

In musikalischer Hinsicht sind die Kompositionen der Romantik insgesamt geprägt von einer stärkeren stilistischen Vielfalt als die der Klassik, d.h. sämtliche Parameter sind differenzierter auf den jeweiligen Text abgestimmt (z.B. auf sein Versmaß oder seinen Stimmungsgehalt).

So dienten beispielsweise der reiche Akkordklang und die erweiterte Harmonik der romantischen Musik zur ausdrucksvollen Textausdeutung. Im Vergleich zu vorangegangenen Epochen spielen die ausgiebige Verwendung von Dissonanzen (z.B. in Tritoni und Septakkorden), sowie extreme Lagen des Klavierklangs eine wichtigere Rolle. Häufig findet man auch weitreichende Modulationen auch unter Verwendung von Chromatik.

Denn während in der Klassik die Akkorde meistens in enger Relation zueinander standen, tauchen in der Romantik oftmals verschiedene Akkorde hintereinander auf, die ganz unterschiedlichen Dur- und Molltonleitern angehören. Sogar längere Phrasen ohne unmittelbar harmonischen Zusammenhang sind häufig vorzufinden.

Während dem Interpreten in klassischen Stücken noch relativ viel Freiheiten gelassen wurden, was die Dynamik, das Tempo etc. betrifft, legen die romantischen Komponisten anhand differenzierter Ausdrucksbezeichnungen Tempo und Dynamik in ihren Stücken genauer fest. Auch Tempowechsel innerhalb eines Stückes kommen manchmal vor. In der Regel sind solche Veränderungen auf den Text zurückzuführen, da das Wort-Ton-Verhältnis besonders stark ausgeprägt ist. Beinhaltet der Text einen starken Stimmungswechsel der „Hauptperson“ (z.B. dem Wanderer), so ist dieser auch deutlich in der Musik zu erkennen. Außerdem ist in nahezu jedem Stück der Winterreise die Bewegung des Wanderers anhand der Musik spürbar. Verändert er z.B. seinen Schritt, werden die Notenwerte kleiner oder größer (je nachdem, ob er schneller oder langsamer geht, bzw. stehen bleibt).

Neu beim Kunstlied ist auch die Bedeutung des Klaviers. Es ist nicht mehr „nur“ Begleitstimme, sondern entwickelt sich zum ebenbürtigen Partner der Singstimme und trägt wesentlich zur sinnvollen Interpretation bei, vor allem auch in Vor-, Zwischen und Nachspiel: Indem sie entweder die Liedmelodie fortführen oder in einer völlig anderen „Stimmung“ weiterspielen, verdeutlichen sie die Aussage des Stückes/Gedichts.

In den meisten Fällen verdeutlichen die Vertonungen in zutreffender Weise die Stimmung des Gedichts. Auch der ungeübte Hörer kann dessen Aussage mit Hilfe der Musik erkennen. Oft liegt das daran, dass der Komponist einen persönlichen Bezug zu dem Text hatte. Auch Schubert war von Liebeskummer geplagt. Sein Gesundheitszustand war schlecht und er litt unter der Verkennung seines Talents. Deswegen konnte er auch die vielfältigen Leiden des jungen Wanderers gut nachvollziehen. Selbst den Todessehnsüchten, die der Wanderer innehatte stand Schubert nicht ablehnend gegenüber. Daher schaffte er es so vortrefflich seine Gefühle in der Musik widerzuspiegeln.

Zusammenfassung typischer Merkmale der romantischen Kunstlieder:

- REICHER AKKORDKLANG
- ERWEITERTE HARMONIK (dienen zur ausdrucksvolle Textausdeutung)
- AUSGIEBIGE VERWENDUNG VON DISSONANZEN (Septakkorde, Tritonus) Ø EXTREME LAGEN DER KLAVIERSTIMME
- WEITREICHENDE MODULATIONEN, AUCH UNTER VERWENDUNG VON CHROMATIK
- AUFEINANDERFOLGENDE AKKORDE, DIE GANZ UNTERSCHIED-LICHEN DUR- UND MOLLTONLEITERN ANGEHÖREN
- LÄNGERE PHRASEN OHNE HARMONISCHEN ZUSAMMENHANG
- DIFFERENZIERTE AUSDRUCKSBEZEICHNUNGEN (Tempo u. Dynamik genauer festgelegt; Interpret hat weniger Freiheit)
- TEMPOWECHSEL INNERHALB EINES STÜCKES
- KLAVIER = EBENBÜRTIGER PARTNER DER SINGSTIMME (Vor-, Zwischen- und Nachspiel tragen wesentlich zur sinnvollen Interpretation bei)

In der Regel sind solche Veränderungen auf den Text zurückzuführen, da das Wort- Ton-Verhältnis besonders stark ausgeprägt ist.

Sekundärliteratur:

Riede, Bernd: MUSIK, Vorbereitung auf das Abitur, Musikgeschichte bis 1900

Schülerduden Musik

Wörner, Geschichte der Musik

Encarta 2001

Details

Seiten
2
Jahr
2001
Dateigröße
335 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v101769
Note
Schlagworte
Romantik Musik Merkmale Kunstliedes Schuberts Winterreise

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