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Fontane, Theodor - Effi Briest - Werkanalyse des Romans

Hausarbeit 1999 24 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Semiotisch- strukturalistische Analyse
2.1 Analyse des Geschehens
2.2 Analyse des Erzählperspektive
2.3 Analyse der Figuren (Effi Briest, Baron Geert von Innstetten und Major Crampas)
2.4 Analyse der Orte

3. Inhaltliche Analyse im Hinblick auf die Leitfrage „Worin sind die Ursachen für das Scheitern der Ehe von Effi und Innstetten zu sehen?“

4. Resumee

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit werde ich den Roman „Effi Briest“ von Theodor Fontane analysieren.

Die Hauptfigur dieses Romans ist Effi Briest. Effi wird als 17jährige mit dem 38jährigen Jugendfreund ihrer Mutter –Geert von Innstetten- verheiratet. Mit 25 Jahren wird sie wegen Ehebruchs von ihrem Mann geschieden und zunächst bleibt ihr auch das geliebte Elternhaus verschlossen. Erst auf ärztlichen Rat kehrt Effi nach Hohen-Cremmen zurück. Dort stirbt sie als 29jährige, versöhnt mit ihren Eltern und ihrem Mann.

Ich werde zunächst eine semiotisch-strukturalistische Analyse des Textes vornehmen. Dabei werde ich das Geschehen, die Figuren, die Orte und die Erzählsituation analysieren. Daran werde ich eine inhaltliche Textanalyse im Hinblick auf die Leitfrage „Worin sind die Ursachen für das Scheitern der Ehe von Effi und Innstetten zu sehen?“ anschließen. Diese Leitfrage habe ich ausgehend von der Figurenanalyse entwickelt. Als ich die Figuren Effi und Innstetten gegenübergestellt habe, ist mir deutlich geworden, welche Gegensätze sie aufweisen. Sie haben unterschiedliche Vorstellungen von der Ehe und sie haben gegensätzliche Charaktereigenschaften, so dass schon zu Beginn des Romans deutlich wird, dass die Ehe der beiden scheitern würde. Ich werde zur inhaltlichen Analyse in Bezug auf diese Leitfrage die Heiratsmotive der beiden Figuren sowie ihre nicht zu vereinbarenden Charaktereigenschaften gegenüberstellen. Es ist meiner Meinung nach wichtig, zwischen den Heiratsmotiven und den Ehevorstellungen zu unterscheiden: Effis Heiratsmotive sind ständisch geprägt, während ihre Vorstellungen von der Ehe davon abweichen.

2. Semiotisch-strukturalistische Analyse

2.1 Analyse des Geschehens

In diesem Roman sind die Handlungen an das Vergehen von Zeit gekoppelt. Fontane schildert Effis Leben von der Verlobung bis zu ihrem Tod. Der geschilderte Lebensabschnitt (Handlung) umfasst 12 Jahre (Zeit): Effi wird als 17jährige verlobt und stirbt als 29jährige. Somit handelt es sich bei diesem Roman um einen narrativen Text.

Zur Analyse des Geschehens werde ich im folgenden Bezug auf das „Strukturmodell narrativer Texte“[1] von Karlheinz Stierle nehmen. Stierle unterscheidet drei Ebenen: das Geschehen, die Geschichte und den Text der Geschichte. Auf der Ebene des Geschehens stehen auch die Konzepte der Geschichte. Das Geschehen ist das „Fundament der Geschichte“[2]. Die einzelnen Geschehensmomente sind in chronologischer Reihenfolge auf einer narrativen Achse, die sich durch „Differenz von Anfangs- und Endpunkt“[3] ergibt, anzuordnen.

Anfangspunkt: die 17jährige Effi lebt mit ihren Eltern auf Hohen-Cremmen

- Verlobung und Hochzeit mit Innstetten
- Ankunft in Kessin
- Geräusche, die Effi ängstigen
- Innstetten zeigt Effi das obere Stockwerk, dabei sieht Effi das Bild vom Chinesen
- Alptraum: der Chinese taucht in Effis Zimmer auf
- Major von Crampas kommt nach Kessin
- Geburt der Tochter Annie
- Crampas und Effi reiten fast täglich zusammen aus
- Crampas gesteht Effi seine „Liebe“
- Innstetten wird nach Berlin versetzt
- Effi und Innstetten leben sieben Jahre glücklich in Berlin
- Innstetten findet Liebesbriefe von Crampas an Effi
- Crampas wird im Duell von Innstetten getötet
- Effi wird von Innstetten geschieden
- Hohen-Cremmen bleibt Effi verschlossen
- beim Wiedersehen mit Annie bricht Effi zusammen
- auf ärztlichen Rat wird Effi von ihren Eltern wieder aufgenommen

Endpunkt: die 29jährige Effi stirbt, versöhnt mit ihren Eltern und ihrem Mann, auf Hohen-Cremmen

Diese Geschehensmomente, die von oben nach unten an einer narrativen Achse angeordnet sind, stellen keine vollständige Wiedergabe aller Geschehensmomente dar, sondern lediglich eine Auswahl der wesentlichen Geschehensmomente, die Effis Leben kennzeichnen und bestimmen.

Die Differenz zwischen dem Anfangs- und dem Endpunkt bildet in diesem Roman zusätzlich zur zeitlichen Relation auch eine konzeptuelle Opposition. Zu Beginn des Romans ist Effi Briest ein heiteres 17jähriges Mädchen, das frei von gesellschaftlichen Ordnungen mit ihren Eltern auf Hohen-Cremmen lebt. Am Ende kehrt Effi als 29jährige todkranke Frau nach Hohen-Cremmen zurück, wo sie nach wenigen Monaten stirbt. Die konzeptuelle Opposition ist in Effis Entwicklung vom 17jährigen Mädchen zur 29jährigen Frau zu sehen.

Allerdings kann man zwischen dem Anfangs- und dem Endpunkt auch Äquivalenzen erkennen. Der Roman beginnt auf Hohen-Cremmen mit der Beschreibung von Effis Elternhaus und der Einführung der Hauptfigur. Das Ende des Romans findet auch auf Hohen-Cremmen statt: nach Effis Tod stehen ihre Eltern an ihrem Grab im Garten. Eine weitere Äquivalenz stellt Effis Gefühlszustand dar. Zu Beginn des Romans ist Effi ein glückliches Mädchen. Als sie am Ende des Romans nach Hohen-Cremmen zurückkehren darf, ist sie, obwohl sie weiß, dass sie bald sterben wird, glücklich, wieder Zuhause zu sein.

2.2 Analyse der Erzählsituation

Bei der Erzählsituation handelt es sich um eine Kombination von auktorialer und personaler Erzählsituation. Das Kennzeichen der auktorialen Erzählsituation ist ein allwissender Erzähler. Der Erzähler wahrt eine gewisse Distanz zum Geschehen, die er „durch den erzählenden Gebrauch der dritten Person“[4] ausdrückt. Dadurch dass der allwissende Erzähler den Verlauf des gesamten Romans kennt, kann er „die Chronologie der Geschichte durch Vorausdeutungen [...] durchbrechen.“[5] Der Erzähler nimmt eine Außenperspektive ein. In diesem Roman ist der Erzähler selbst nicht an der Handlung beteiligt, er ist nur Beobachter.

Vor allem an folgenden Punkten wird deutlich, dass es sich in diesem Roman um eine auktoriale Erzählsituation handelt:

- der Erzähler gibt genaue Angaben zu Ort und Zeit,
- der Erzähler gibt zahlreiche Vorausdeutungen,
- der Leser bzw. Effi werden nur sehr selten direkt angesprochen und
- der Erzähler verwendet Kommentare, fügt Erklärungen und Beschreibungen ein.

Da der allwissende Erzähler eine Außenperspektive einnimmt und den Überblick über den gesamten Roman hat, ist es ihm möglich genaue Angaben zur Zeit zu machen. Er selbst kann auch die Reihenfolge bestimmen, in der er die Handlungen erzählt.

Als Effi mit ihrer Mutter nach Berlin reist, um dort Hochzeitseinkäufe zu tätigen, denkt Effis Mutter über die Anspruchslosigkeit ihrer Tochter nach. Der Erzähler greift an dieser Stelle ein. Dadurch dass er allwissend ist und den weiteren Verlauf kennt, schränkt er die von Frau von Briest überdachte Anspruchslosigkeit, die sich lediglich auf die Hochzeitseinkäufe bezieht, ein, indem er vorausdeutend äußert „Das alles war auch richtig, aber doch nur halb.“[6]

Der Leser wird nur sehr selten vom Erzähler direkt angesprochen. Als Effi nach ihrer Scheidung mit Roswitha in einer kleinen Berliner Wohnung lebt, spricht der Erzähler den Leser wie folgt an: „Ja, war denn Roswitha bei Effi? War sie denn statt in der Keith- in der Königgretzer Straße?“[7] Ebenso selten wie die direkten Anreden des Lesers sind die Anreden Effis. Als der Erzähler Effi direkt anspricht „arme Effi, du hattest den Himmelswundern zu lange hinaufgesehen und darüber nachgedacht...“ korrigiert er sich selbst noch im gleichen Satz „...und das Ende war, dass die Nachtluft und der Nebel, die vom Teich her aufstiegen, sie wieder aufs Krankenbett warfen...“[8]. Durch diese rasche Korrektur wirkt die Ansprache als wäre sie nicht beabsichtigt, sondern eher so, als fühle der Erzähler mit Effi, dass er kurzzeitig die notwendige Distanz außer Acht lässt.

Der Erzähler verwendet auch nur in sehr geringem Maß Kommentare. Als Crampas zum gemeinsamen Ausritt bei Innstettens ankommt und sein Bedauern ausspricht, weil Innstetten nicht am Ausritt teilnehmen kann, versucht der Erzähler dieses Bedauern zu bewerten. Er vermutet, dass Crampas „vielleicht nur um etwas zu sagen“[9] sein Bedauern aussprach oder „vielleicht aber auch aufrichtig, denn so rücksichtslos er im Punkt chevaleresker Liebesabenteuer war, so sehr war er auch wieder guter Kamerad“[10].

Die auktoriale Erzählsituation ist kombiniert mit der personalen Erzählsituation. Kennzeichnend für diese Erzählsituation ist das „Verschwinden des Erzählers“[11], an die Stelle des Erzählers tritt der Reflektor. Der Reflektor ist im Gegensatz zum Erzähler am Geschehen beteiligt. Durch diesen Modus ist es dem Leser möglich, den Eindruck zu gewinnen, selbst am Geschehen beteiligt zu sein. In diesem Roman wird um die vielschichtige Wirklichkeit zu verdeutlichen, teilweise aus personaler Sicht erzählt.[12] Aus personaler Sicht wird überwiegend aus Effis Perspektive erzählt.

An wenigen Stellen wird aus der Sicht Innstettens erzählt. So z.B. als Innstetten über Effis Reaktion auf die Nachricht nach Berlin zu ziehen, nachdenkt. Er überlegt, was sie gemeint haben könnte als sie einen „Erzieher“[13] genannt hat. Anschließend wendet er sich Effi wieder zu und der Erzähler übernimmt seine Rolle wieder.

Auch aus der Sicht der Eltern Effis wird wenig erzählt. Als die Eltern am Grab Effis stehen, fragt sich Effis Mutter „Ob wir nicht doch vielleicht schuld sind?“[14] An dieser Stelle wird die Frage nach der Schuld an Effis Tod aus Sicht der Mutter versucht zu beantworten. Effis Vater dagegen möchte die Schuld nicht auf sich nehmen und blockt die Überlegungen seiner Frau mit den Worten „Ach, Luise, laß...das ist ein zu weites Feld.“[15] ab.

Formal wird die personale Erzählsituation umgesetzt in Form von szenischer Darstellung mit einem großen Anteil von Gesprächen, Briefen und häufigem Einsatz erlebter Rede bzw. innerer Monologe.

Bei der szenischen Darstellung tritt der Erzähler hinter die Dialoge der Figuren, er gibt lediglich Regieanweisungen.

Briefe spielen eine große Rolle in diesem Roman. Anfangs sind es die Brief, die eine Verbindung zwischen Effi und Innstetten herstellen. Als Effi in Kessin lebt, ist ihr nur durch Briefe ein regelmäßiger Kontakt zu ihren Eltern möglich. Die Briefe von Crampas an Effi, die Innstetten nach 7 Jahren findet, beenden das inzwischen glückliche Eheleben von Effi und Innstetten. In ihrer Verbannung sind es Briefe, die Effi Kontakt ermöglichen.

Übersicht der acht Briefe und des Telegramms

Kapitel 5: Effi schreibt einen Brief von ihrer Hochzeitsreise an die Eltern

Kapitel 12: Effi schreibt einen Brief an ihre Mutter; sie schreibt über ihr erstes Weihnachtsfest außerhalb des Elternhauses und kündigt an, dass sie ein Kind erwartet

Kapitel 13: Effi schreibt einen Brief an ihre Mutter; sie kündigt den neuen Major Crampas an, der nach Kessin kommen soll

Kapitel 22: Frau Briest schreibt Effi, dass sie sich in Berlin aufhält uns ihr gern bei der Wohnungssuche helfen möchte

Kapitel 27: Innstetten findet zufällig die Liebesbriefe von Crampas an Effi

Kapitel 31: Effi bekommt einen Brief von ihrer Mutter; sie teil ihr mit, dass Innstetten die Briefe gefunden hat und dass ihr Hohen-Cremmen verschlossen bleiben wird

Kapitel 34: Dr. Rummschüttel schreibt Effis Eltern, dass Effi nach Hause zurückkehren muss, daraufhin telegrafiert Vater Briest „Effi komm“[16].

Es sind diese Briefe und das Telegramm, die Effis Lebens kennzeichnen und bestimmen.

Innstetten fährt nach Varzin, um den Fürsten Bismarck zu besuchen. Effi möchte lesen, um sich von ihrer Angst vor dem Alleinsein und dem Spuk abzulenken. Sie beginnt, das Buch zu lesen und stellt fest, dass in dem Buch von einer „weißen Frau“ die Rede ist. Darauf werden in einem inneren Monolog ihre Gedanken über die Wahl ihres Buches dargestellt: „„Das hab ich gut getroffen“, sagte Effi, während sie das Buch beiseite schob; „ich will mir die Nerven beruhigen, und das erste, was ich lese, ist die Geschichte von der weißen Frau, vor der ich mich gefürchtet habe, solang ich denken kann. Aber da nun das Gruseln mal da ist, will ich doch zu Ende lesen.““[17]

Als Effi im Anschluss an ihre Ostseereise mit Innstetten nach Hohen-Cremmen reist, denkt sie über ihre erste Begegnung mit Crampas nach. Diese Gedanken werden in Form von erlebter Rede dargestellt „Das war der erste Tag; da fing es an.“[18]

[...]


[1] Eicher/ Wiemann: Arbeitsbuch Literaturwissenschaft. Paderborn 1996. S.80

[2] Eicher/ Wiemann. S. 80

[3] Eicher/ Wiemann. S. 82

[4] Eicher/ Wiemann: Arbeitsbuch Literaturwissenschaft. S. 106

[5] Eicher/ Wiemann: Arbeitsbuch Literaturwissenschaft. S. 106

[6] Fontane: Effi Briest. S. 22

[7] Fontane: Effi Briest. S. 296

[8] Fontane: Effi Briest. S. 332

[9] Fontane: Effi Briest. S. 151

[10] Fontane: Effi Briest. S. 151

[11] Eicher/ Wiemann: Arbeitsbuch Literaturwissenschaft. S. 107

[12] Vgl. Geist: Effi Briest. S. 25

[13] Fontane: Effi Briest. S. 206

[14] Fontane: Effi Briest. S. 336

[15] Fontane: Effi Briest. S. 336

[16] Fontane: Effi Briest. S. 316

[17] Fontane: Effi Briest. S. 76

[18] Fontane: Effi Briest. S. 247

Details

Seiten
24
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638166782
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v10167
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg – Institut für deutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik
Note
1,6
Schlagworte
Fontane Theodor Effi Briest Werkanalyse Romans Einführung Literaturwissenschaft

Autor

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