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Shakespeare, William

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 3 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

William Shakespeare

William Shakespeare gilt als der größte Dramatiker und bedeutender Lyriker der Geschichte. Die Vielfalt seiner Stücke ist unerreicht. Kraftvolle Sprache und Bühnenwirksamkeit gehören zu ihren Hauptmerkmalen. Shakespeare wurde vermutlich am 23.04.1564 ( Taufdatum 26.04. ) im englischen Stratford-upon-Avon ( County Warwick ) geboren. Er war der Sohn eines Handschuhmachers bzw. Weißgerbers und späteren Bürgermeisters. Als Sohn eines Ratsherrn durfte er kostenlos die städtische Lateinschule besuchen. Gerade 18jährig heiratete er 1582 die acht Jahre ältere Ann Hathaway. Aus dieser Ehe gingen 2 Töchter (Susanna, Judith) und ein Sohn (Hamnet) hervor, der im Alter von 11 Jahren starb. Ohne Frau und Kinder zog der junge Familienvater 1585 oder 1586 nach London. Was er dort trieb erfährt man aus Robert Greenes Lebenserinnerungen von 1592. Darin warnt dieser Stücke- schreiber seine Kollegen vor „einer vorlauten Krähe, geschmückt mit unseren Federn“, einem Schauspieler, der sich anmaßt Theaterstücke zu schreiben, ja „sich für den einzigen Bühnenerschüt- terer (´shake-scene´) im Lande hält“. Eine andere Quelle belegt, dass kurz zuvor Shakespeares Trilogie „Heinrich VI“ in London Furore gemacht hatte. 1593/1594 mussten die Londoner Theater wegen der Pest schließen. Während dieser Zeit trat Shakespeare mit Versepen (Venus and Andonis,1593; The Rape of Lucrece, 1594) und Sonetten hervor. Als der Spielbetrieb wieder aufgenommen wurde, konzentrierte er seine Energie ganz auf das Theater. 1595 war er bereits wichtigster Autor, Regisseur und Mitbegründer (am Gewinn beteiligter Aktionär) der Truppe „Lord Chamberlain´s Men“. Unter der Leitung des berühmten Tragöden Richard Burbage (1567-1619) genossen sie eine Vorzugsstellung am Hof Elisabeth´ I. Nach deren Tod wurden sie im Mai 1603 als King´s Men in das persönliche Patronat ihres Nachfolgers Jakob I. übernommen.

1599 konnten sie ihre eigene Spielstätte eröffnen, das „Globe Theatre“. 1608 erwarben sie zusätzlich das Privattheater „Blackfriars“, das wegen der höheren Eintrittspreise ein exklusiveres Publikum ansprach. Shakespeare´s für damalige Verhältnisse einzigartige Verbindung zu ein und derselben Truppe, seine genaue Kenntnis der Schauspieler und Bühnenbedingungen sowie der tägliche Kontakt mit seinem alle Gesellschaftsschichten umfassenden Publikum schufen besonders günstige Voraussetzungen für theaterwirksame Stücke, die ihrem Autor bald zu beachtlichem finanziellen Erfolg und gesellschaftlichem Status verhalfen. 1596 bekam er die Erlaubnis ein Familienwappen zu führen; später erwarb er, nebst ansehnlichem Grundbesitz, das zweitgrößte Haus in Stratford. Um 1611 zog er sich in seinen Heimatort zurück, wo seine Familie während seiner Theaterkarriere geblieben war. William Shakespeare starb am 23.04.1616 in seiner Heimat Stratford-upon-Avon; England. Von den 38 Bühnenwerken (davon drei von mehreren Autoren verfasst) sind zu Lebzeiten des Dichters nur 20 als sogenannte Quartos, Einzelausgaben im Quartformat erschienen, zumindest ein Teil davon als nicht autorisierte Raubdrucke. Dass Stücke wie „Macbeth“, „Coriolanus“ und „Der Sturm“, „Julius Cäsar“, „Wie es euch gefällt“, „Antonius und Cleopatra“ und „Ein Wintermärchen“ der Nachwelt erhalten blieben, ist seinen Schauspielerkollegen John Heminge und Henry Condell zu verdanken, die 1623 die Gesamtausgabe (First Folio) von Shakespeares Werken publizierten. Diese Folio-Ausgabe (vorangegangene Bücher waren im kleineren Quart-Format) gliedert Shakespeares dramatisches Werk in Komödien, Tragödien und Historien. In den Tragödien und den Historien oder Königsdramen verwendet Shakespeare für Helden und Schurken den soganannten Blankvers, einen reimlosen Vers mit 5 Hebungen pro Zeile.

Komische Charaktere wie Falstaff sprechen dagegen in normaler, rhythmisch nicht gebundener Alltagssprache. In vielen Stücken sind Lieder und Gedichte eingeschoben. Als Shakespeare für das Theater zu schreiben begann, gab es keine vorherrschende, dramatische Tradition, dafür um so mehr Aufgeschlossenheit für das Experimentieren mit Stiltendenzen unterschiedlichster Herkunft, die zu immer neuen Mischformen assimiliert wurden. Anregungen für die Ausdrucksformen seiner Stücke nahm Shakespeare u.a. aus der nichtdramatischen Literatur, wie z.B. der höfischen Lyrik und der manieristischen Kunstprosa sowie das heimische Volksbrauchtum, Musik und Tanz, Pantomime und Mummenschanz. Die Chronologie von Shakespeares Werken läßt sich oft nur ungefähr bestimmen.

Man unterscheidet 4 Schaffensperioden. Während der ersten Schaffensperiode schrieb er melodra- matische Rachetragödien (z.B. „The most Lamentable Romaine Tragedie of Titus Andronicus“, 1594), erste Lustspiele (z.B. „The comedy of Errors“, 1623; „The two Gentlemen of Verona“, 1623) sowie Geschic htsdramen („Henry VI.“, 1623; „The Tragedy of King Richard the Third“, 1597). In Shakespeares zweiter Schaffensperiode enstanden vor allem Komödien (z.B. „A Midsommer Nights Dreame, 1600; „As you like it“, 1623), die die Favoriten in der Publikumgunst waren. Ebenfalls in dieser Periode verfasste er zwischen 1601-1604 zahlreiche Problemstücke (z.B. „All´s Well That Ends Well“, 1623; The Tragicall Historie of Hamlet, Prince of Denmark“, 1603), die das dialektische Prinzip auf die Spitze trieben.

In der sich anschließenden tragischen Phase schuf Shakespeare noch heute unerrreichte Trauerspiele, die man ebenfalls noch einmal gruppieren kann.

Da wären zum einen die Liebestragödien (z.B. An Excellent Conceited Tragedie of Romeo and Juliet“, 1598*(noch aus der mittleren Schaffensperiode); „The Tragedy of Othello, the Moore of Venice“, 1622), dann die Römerdramen (z.B. „The Tragedy of Coriolanus“, 1623) und die sogenannten `De- casibus-Tragödien` (z.B. „True Cronicle Historie of the Life and Death of King Lear and His Three Daughters“, 1608). In seiner vierten und letzten Schaffensperiode schrieb er zwischen 1608-1612 Romanzen (wie z.B. „The Winter´s Tale“, 1623; „The Tempest“, 1623).Viele vo Shakespeares Stücken sind so bekannt geworden, dass ihre Figuren und Handlungen heute symbolhaft für bestimmte Verhaltensweisen, Konflikte und Situationen stehen. Wenn man von „Romeo und Julia“ hört, denkt man sofort an die unglücklichen Liebenden, deren Familien verfeindet sind. Oft genug ist dieses Handlungsmuster nach Shakespeare aufgegriffen und den Zeitumständen angepasst worden, wie z.B. in Leonard Bernsteins Musical „West Side Story“, wo sich statt der Familien zwei New Yorker Straßenbanden gegenüberstehen. Hamlet ist dagegen das Sinnbild eines melancholischen, grübelnden Helden. Er kann zwar die Rache für seinen ermordeten Vater vollenden, aber in seiner Zerrissenheit entspricht er gar nicht dem Bild des Kämpfers, das man in dieser Rolle erwarten könnte.

Die Komödie „Ein Sommernachtstraum“ ist zum Inbegriff der Verwirrungen der Liebe geworden:

In der Mittsommernacht finden in einem Spiel von Elfen und Feen, Handwerkern, Bürgern und Königen die Liebenden erst nach tausend Irrtümern zueinander.

So eindringlich die Stücke wirken, ihre Handlung hat Shakespeare in der Regel nicht erfunden. Sie stammt meist aus Chroniken, alten Erzählungen und Schwänken oder sonstiger Überlieferung und hatte oft schon früheren Autoren oder Shakespeares Zeitgenossen als Inspirationsquelle gedient.

Auf die Neuartigkeit der Handlung kam es auch gar nicht an, denn es war üblich, die alten Stoffe immer wieder aufzugreifen. Was zählte, war die Art der Bearbeitung, und darin war Shakespeare einzigartig. Das hervorstechendste Merkmal seiner Kunst ist die Fülle verschiedenartiger Ausdrucks- möglichkeiten, mit deren Kombination er gegen die Grundregeln des Theaters verstieß. Nach der Theorie des Renaissancetheaters sollten Gattungen wie Komödie und Tragödie sauber voneinander getrennt, die Handlung geradlinig und möglichst auf einen Ort und eine kurze Zeitspanne beschränkt sein. Im englischen Drama und vor allem bei Shakespeare stehen aber Komik und Tragik, einfaches Volk und Könige direkt nebeneinander, und der Narr hat oft die wisesten Dinge zu sagen. So ensteht ein Schauspiel mit zahlreichen Facetten, die sich in Verbindung mit vielen Ortswechseln und Zeitsprüngen der Handlung meist zu einem farbigen Kaleidoskop verbinden, das sich niemals ganz ausdeuten läßt. Während des Elisabethanischen Zeitalters erfreuten sich Theater in London großer Beliebtheit. Als Erfolgreichstes zählte das „Globe Theatre“, in dem Shakespeares Stücke aufgeführt wurden. Um das Interesse des Publikums wachzuhalten, brachte man nicht nur prächtige Kostüme und große Gefühle auf die Bühne, sondern auch grelle Schauereffekte, Gespenster, Hexen, Folter, Mord und Totschlag oder auch drastische Gags und Slapstick-Situations-komik.

Die nach drei Seiten offene Bühne mußte zwar ohne Zwischenvorhänge und Beleuchtungswechsel auskommen, aber es gab immerhin Falltüren und einen Mechanismus, mit dem Schauspieler vom „Himmel“ herabgelassen werden konnten. Blitz wurde mit Feuerwerk, Donner mit Kanonenkugeln imitiert, die in einer Wanne rollten. Als Hagel und regen ließ man Trockenerbsen aus der Höhe herabfallen. Nebelschwaden stiegen aus dem Keller unter der Bühne auf. Brennende Fackeln deuteten eine Nachtszene an. Bühnenblut floß reichlich. Die große Zeit des elisabethanischen Theaters, das nicht zuletzt dank Shakespeare ein Meilenstein europäischer Theatergeschichte ist, dauerte bis 1642. Unter dem Einfluß der Puritaner waren dann 18 Jahre lang alle Aufführungen verboten, und die Theater mußten schließen. In Deutschland und Frankreich, wo die klassische Dramentheorie beherrschenden Einfluß hatte, wurden Shakespeares Stücke zunächst als barbarisch und chaotisch angesehen. Erst als im 18. Jahrhundert Dichter wie der junge Goethe das intensive persönliche Gefühl über alle Regeln stellte, fand Shakespeare in Deutschland begeisterte Aufnahme.

Bald wurden seine Stücke von A.W. Schlegel und anderen genial ins Deutsche übersetzt, und noch heute gibt es immer wieder neue Übersetzungen wie die von Erich Fried.

Dass Shakespeare in so vielen Epochen und Ländern (etwa im gesamten deutschen Raum) der meistgespielte Autor ist, hängt nicht zuletzt mit der Offenheit und außerordendlichen Objektivität seiner dramatischen Darstellung zusammen. Er predigt nicht, liefert keine Richtlinien zur Bewältigung der Welt, sondern bildet sie in ihrem Widerspruch ab, so dass sich jede Generation in ihm wiederzufinden glaubt. Der Ausspruch B. - Jonsons hat seine Gültigkeit bewahrt : „He was not for an age, but for all time.“

Details

Seiten
3
Jahr
2001
Dateigröße
328 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v101616
Note
Schlagworte
Shakespeare William

Autor

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Titel: Shakespeare, William