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Politikvermittlung und politische Entfremdung durch Fernsehen

Hausarbeit 2000 31 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 POLITIKVERMITTLUNG DURCH FERNSEHEN

3 POLITIKVERDROSSENHEIT
3.1 BEGRIFF UND KONZEPTE
3.2 URSACHEN FÜR POLITISCHE ENTFREMDUNG
3.2.1 Medieninhalte
3.2.2 Videomalaise-Forschung in Deutschland

4 EMPIRISCHE ANALYSE
4.1 VORÜBERLEGUNGEN ZUR EIGENEN UNTERSUCHUNG DER STUDIE MASSENKOMMUNIKATION 1995
4.2 DAS UNTERSUCHUNGSMODELL
4.2.1 Unabhängige Variablen im Untersuchungsmodell
4.2.1.1 Soziodemographische Merkmale
4.2.1.2 Politisches Verhalten
4.2.1.3 Medienpräferenz
4.2.1.4 Mediennutzung
4.2.2 Multivariate Analyse

5 ZUSAMMENFASSUNG

6 LITERATUR

1 Einleitung

"Politikverdrossenheit der Deutschen wächst."1 Als Zahl des Tages nennt die WELT die Ergebnisse einer Umfrage durch n-tv und emnid. Demnach sind die Deutschen mehrheitlich unzufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung (65%) und der Opposition (68%), deren Vertrauenswürdigkeit durch den Spendenskandal drastisch gesunken ist.

Woher stammen diese Einstellungen und Meinungen der Befragten? Welche Rolle spielt das Fernsehen in diesem Zusammenhang?

Diese und andere Fragen in Bezug auf die Rolle des Fernsehens zur Förderung von Politikverdrossenheit sollen in der vorliegenden Arbeit behandelt werden.

Im ersten Teil wird auf die Politikvermittlungsleistung des Fernsehens eingegangen, um dann die Ursachen für Politikverdrossenheit, die politischen Inhalte im Fernsehen und ihre vermeintliche Wirkung auf die Etablierung bestimmter Stereotypen über die Politik und ihre Akteure zu beleuchten.

Zur Überprüfung der Wirkung verschiedener Faktoren, besonders die Nutzung verschiedener Programminhalte (unterhaltende und informierende Programme), auf die politischen Einstellungen wird im zweiten Teil die sogenannte Videomalaise- bzw. UnterhaltungsmalaiseHypothese mit Daten der Studie "Massenkommunikation 1995" untersucht.

2 Politikvermittlung durch Fernsehen

Politik als „erfahrungsferner“ Bereich 2 gesellschaftlichen Handelns bedarf der richtigen Vermittlung. Denn „je politischer unsere gesellschaftliche Umwelt wird, desto weniger ist sie offenbar als politisch ´gemachte´ Welt erkennbar.“3 Deshalb benötigt die Gesellschaft Mechanismen bzw. Institutionen zur, systemtheoretisch betrachtet, Komplexitätsreduktion. Diese Aufgabe übernehmen vornehmlich die Medien, die als Vermittlungsinstanzen zwischen dem System Politik und der restlichen Gesellschaft fungieren.

Das Leitbild einer demokratischen Gesellschaft ist der gut informierte Bürger. Dieser wird am besten durch die elektronischen Medien erreicht, besonders durch das Fernsehen. Denn die Reichweite des Fernsehens prädestiniert dieses Medium als Vermittlungsinstanz. Mit ihrer zeitlichen Reichweite erreicht das Fernsehen inzwischen den Menschen fast sein ganzes Leben lang und mit ihrer sozialen Reichweite erreicht es enorm viele Menschen.4

Otfried Jarren postulierte einen Zusammenhang zwischen dem steigenden politischen Interesse der Bevölkerung und der Ausbreitung der modernen Massenmedien (speziell TV-Versorgung).5 Hans Mathias Kepplinger führt drei Faktoren auf, auf die dieses gestiegene Interesse Auswirkungen hat. Erstens die Stellung der Medien und das Selbstverständnis von Journalisten. Zweitens die Art der Anspruchsartikulation durch Interessengruppen und drittens das Verhalten der Politiker gegenüber der Öffentlichkeit. Demnach wurde die Berichterstattung zu einer funktionalen Voraussetzung für den Erfolg des Handelns der Politiker.6 Denn sie versuchen so Aufmerksamkeit und Unterstützung bei den Wählern zu erlangen und sich so zu legitimieren. So stellt das Fernsehen (und die Zeitung, weniger der Hörfunk) die wichtigste Informationsquelle der Wähler im Wahlkampf dar.7

Mit der fortschreitenden Ausdifferenzierung des Mediensystems in Deutschland muss aber kritisch hinterfragt werden, wie eine politische Information verbreitet wird. So stehen auf der einen Seite seit Etablierung des dualen Systems ausschließlich informations- und politikorientierte Spartenkanäle (n-tv, Phoenix, n24) und auf der anderen Seite ein Wandel von Informations- zu Unterhaltungsmedien verbunden mit einem enormen Anstieg der Nutzung. So beträgt die Sehdauer Erwachsener 1995 durchschnittlich 186 Min. und die Einschaltdauer 297 Min.8

Das gestiegene Interesse an Politik sagt aber noch nichts über dessen Qualität aus. So wird im Fernsehen häufiger nach Unterhaltung und Entspannung gesucht als nach politischer Information. Erschreckende Ergebnisse liefert eine Umfrage des IfD Allensbach zum politischen Kenntnisstand in der BRD. Demnach wussten von den befragten Personen 73 % nicht oder gaben eine falsche Antwort auf die Frage „Was ist Föderalismus“.9 Es stellt sich die Frage nach den Inhalten, die durch das TV vermittelt werden. Aus diesen allein kann man zwar noch nicht auf einen Verlust an Politikvermittlungsleistung des Rundfunks schließen, aber es kommt darauf an, was tatsächlich, hier wieder speziell das Fernsehen, gesehen wird. Das Fernsehen ist es schließlich auch, welchem die, zwar abnehmende, aber relativ größte Glaubwürdigkeit, Objektivität und Vollständigkeit zugebilligt wird. Das liegt nicht zuletzt an seiner Aktualität und Authenzität suggerierenden und visualisierenden Präsentationsweise.10 Es werden aber somit Bedingungen für die Nutzung gestellt. Komplexe und abstrakte Zusammenhänge werden vom Fernsehen zwangsläufig vereinfacht und verkürzt (Komplexitätsreduktion). Es kommt oft zu einer „Text-Bild-Schere“, da mangelnde Darstellbarkeit und begrenzte Drehmöglichkeiten Bild und Text nicht aufeinander abstimmen können. Dieses erschwert die Konzentration, das Verständnis und die Aufnahme der Information (zweifache Decodierung Text und Bild).11 Da Politik für die Zuschauer bis auf einige Ausnahmen, in denen eine direkte Beteiligung oder Involviertheit vorliegt (Parteizugehörigkeit etc.), in aller Regel nicht direkt erfahrbar ist, sind sie auf die Darstellung angewiesen. Sie sind „distanzierte Beobachter der Beobachtungen von Beobachtern. Ihre Vorstellungen resultieren aus Beobachtungen zweiter Ordnung.“12 Damit folgen generelle Thesen über den langfristigen Wirkungszusammenhang zwischen der Realitätsdarstellung der Massenmedien und die Vorstellungen der Bevölkerung von Politik und ihr Urteil über Politik.13 Es stellt sich die Frage nach der anwachsenden Politikverdrossenheit, hervorgerufen durch die mediale Vermittlung politischen Geschehens und ihrer Nutzung.

3 Politikverdrossenheit

3.1 Begriff und Konzepte

Politikverdrossenheit ist ein vieldefinierter Begriff, der sich durch eine Vielzahl an Indikatoren auszeichnet und somit als Konzept äußerst unbestimmt ist. So werden noch andere Begriffe benutzt wie „Staatsverdrossenheit“, „Unregierbarkeit“, „Parteientfremdung“ und „Politikmüdigkeit“.14 Dabei bezieht sich die Verdrossenheit auf eine Menge von Objekten: Staat, Parteien und Politik.15

Allgemein kann man Politikverdrossenheit umschreiben als „allgemeine Unzufriedenheit der Bürger mit politischen Akteuren und Entscheidungen, ohne dass deswegen das politische System als solches in Frage gestellt wird. Folge ist eine nachlassende konventionelle Beteiligung, was zu Nachwuchssorgen bei Parteien und Verbänden führt.“16

Andere Folgen äußern sich in einem sinkendem Vertrauen in Politik und seiner Akteure, die nachlassende Bereitschaft zur direkten Partizipation (z.B. Parteimitgliedschaft), die über die Wahlbeteiligung hinausgeht, der steigenden Zahl der Wechsel-, Protest- und Nichtwähler17 und der schrumpfenden Mitgliedszahlen der traditionsreichen Parteien.18

Die Einstellungen zur Politik als abhängige Variable werden aus vielzähligen Aspekten in den Sozialwissenschaften betrachtet. Theoretische Konzepte stellen u.a. Untersuchungen zum „Political Cynicism“ und „Political Trust“ dar. Weiterhin die „Political Efficacy“ (External und Internal Efficacy), „Politische Unterstützung“, das „Institutionenvertrauen“ und die „Politische Kultur“.19 Wolling selbst schlägt eine Betrachtung mit der Unterteilung der Politik in die folgenden drei politikwissenschaftlichen Politikdimensionen vor: Policy-, Polity- und Politics- Dimension.20

Dieser Arbeit soll das Konzept der „politischen Entfremdung“ (auch angelsächsische Unterscheidung in Alienation, Anomie und Anomia) zugrundeliegen, welches schon in der Untersuchung von Holtz-Bacha verwendet wurde.21 Dabei wird ein Indikator benutzt, der durch ein bestimmtes Antwortverhalten in demoskopischen Interviews auf das Vorliegen von Politikverdrossenheit schließt.

3.2 Ursachen für politische Entfremdung

Wolling schlägt eine generelle Einordnung der Ursachen von Politikverdrossenheit in vier Bereiche vor, die sich untereinander ebenfalls beeinflussen. Als Ursachen nennt er die Bürger, die Politik, die Medien und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.22

Die Bürger selbst unterliegen einem politischen Wertewandel, der Einfluss hat auf Einstellungen und Erwartungen von politischem Handeln.23

Politik als Ursache bezieht sich auf das Handeln der politischen Akteure, unabhängig von der Art der Medienberichterstattung. Man denke nur an die Steuergesetzgebung, die sich auf jeden einzelnen auswirkt und spürbare Folgen hat. Generell wird hier einerseits die mangelnde politische Führung(squalität) bemängelt, aber auch die mangelhafte Responsivität und Repräsentation der Bevölkerung gerät auf der anderen Seite in den Fokus der Kritik. Bei den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geht es um die Aufgaben, welche von der Politik zu lösen sind. Dadurch, dass die Politik eine Menge von Probleme zu lösen hat, die nicht zu lösen sind, muss sie zwangsläufig als „gescheitert“ erscheinen. „Die Erkenntnis, dass eine Vielzahl von Problemen (Umwelt, Weltwirtschaft etc.) außerhalb des Einflusses der politisch Handelnden liegt, oder von ihnen nur sehr begrenzt beeinflusst werden kann, führe zu Ratlosigkeit, Unzufriedenheit und Angst vor der unbekannten Zukunft.“24

Die Medien schließlich als Ursache von Politikverdrossenheit sollen auch in dieser Arbeit im Mittelpunkt des Interesses stehen. Donsbach macht in seinem Variablenmodell für die Beziehung zwischen Politik und Massenmedien neben Medienstrukturen die Journalisten, besonders ihr Rollenbild und deren Inhalte, über die in dieser Arbeit noch gesondert reflektiert wird, verantwortlich. Sie bestimmen politische Kenntnisse moderiert durch Mediennutzung und Wahlbeteiligung, die entsprechende politische Wirkungen haben, d.h. Politikverdrossenheit mit seinen vielschichtigen Symptomen.25 Kepplinger geht sogar so weit und stellt fest, dass die Werte der journalistischen Berufsgruppe einen solchen Einfluss haben, dass sie langfristig zum Wertewandel in der Gesellschaft beitragen, die dann von den Mitgliedern als eigene Wandlung interpretiert werden, obwohl hier der Journalismus als System und damit die Medien dahinterstehen.26 Somit muss man den oben genannten Bereich der Bürger als Ursache von Politikverdrossenheit differenzierter betrachten.

Kepplinger spricht ebenfalls von einer Veränderung der Darstellungsweisen als medieninterne Gründe für eine veränderte Politikdarstellung. Sie ziehen Veränderungen unabhängig (z.B. Generationswechsel im Journalismus) und abhängig (z.B. Einfluss der Politik in Rundfunkräten) von Politik nach sich. Auch der Bereich der Politik als Ursache von Politikverdrossenheit darf nach Kepplinger nicht unabhängig von den Medien betrachtet werden. Er nimmt diesen Punkt aus der Sicht der Medien auf und nennt dieses den medienexternen Bereich als Ursache von der Ursache (veränderte Politikdarstellung), in dem eine Veränderung des Dargestellten selbst vorliegt. Demnach sind es entweder Veränderungen unabhängig von den Medien (z.B. Haushaltskürzungen wegen Steuerausfällen) oder Veränderungen abhängig von den Medien (z.B. Gesetzesänderungen unter dem Druck der Medien).27

Überhaupt stellen die Medien als Quelle für Erfahrung über den abstrakten Bereich der Politik die eigentliche Ursache für viele Betrachter dar. Die individuellen Folgerungen aus dem aktuellen Geschehen können die Rezipienten oft nur von dem ableiten, was die Medien ihnen als Input geben. Der langjährige Sozialisationsprozess unterstützt durch das Fernsehen produziert Vorstellungen (Schemata), welche die Schaffung einer eigenständigen Vorstellungswelt beeinflussen.28 Selbst der Einfluss der interpersonalen Kommunikation (Freunde/Bekannte) gerät so in den Wirkungsradius der Medien, da auch die Vorstellungen anderer durch die medial vermittelten Erfahrungen geprägt sind.29

Die Bedeutung des Fernsehens wurde schon weiter oben beschrieben. Mit seiner Hilfe wird die mediengerechte Darstellung von Politik in Form von Ritualen, Stereotypen, Symbolen und Denkschemata zur allgemein akzeptierten Vorstellung von der Wirklichkeit der Politik.30

Inwiefern einzelne soziokulturelle Faktoren (Alter, Bildung, Geschlecht) einen Einfluss auf die politische Wirkung haben, gibt es ebenfalls geteilte Meinungen. Sie geben generell Hinweise darauf, welche Erfahrungen innerhalb der Sozialisation gemacht werden.

Kepplinger nimmt an, dass diese keine Rolle in der Kausalkette für Politikverdrossenheit spielen und vernachlässigt werden können, da sie relativ stabil bleiben und den vergleichsweise schnellen Wandel politischer Urteile nicht signifikant erklären.31

Wolling bezog diese Faktoren aber mit in seine Untersuchung, die neben anderen als Indikatoren für Sozialisationserfahrungen dienen. Aber auch das politische Interesse wird als bedeutende Variable im Wirkungsprozess mit einbezogen.32

Besonders Intelligenz, Bildung, politisches Interesse, Themeninteresse und Vorwissen zum Thema und anschließende interpersonale Kommunikation haben Einfluss auf die behaltenen Informationen von TV-Nachrichten.33

3.2.1 Medieninhalte

Neben der Bedeutung des Nachrichtenfaktors Negativismus stellt Donsbach noch andere Eigenschaften der Politikberichterstattung dar, die als Ursachen für politische Entfremdung gelten. So sind Personalisierung, Betonung von Affären, Vernachlässigung von wichtigen Sachthemen, narrative statt problemorientierte Darstellung, sound bite -Berichterstattung, horse race -Journalismus und Missbrauch von Meinungsumfragen mit an der dysfunktionalen politischen Wirkung beteiligt.34

Schulz spricht sogar von einer Amerikanisierung der Politik in Deutschland. Unter diesem Begriff versteht Schulz zur Ergänzung der oben genannten Charakteristika noch Professionalisierung, Einsatz von Marketing-Strategien und Ereignis- und Themenmanagement der politischen Akteure.35

Nachdem Patterson mit seiner Untersuchung über die Entwicklung der negativen Berichterstattung in den USA, u.a. die Beziehung zwischen Wahlberichterstattung und Wählermeinungen über die Präsidentschaftskandidaten im Zeitraum von 1960-1992, interessante, auch auf unser Land übertragbare Ergebnisse geliefert hatte, untersuchte auch Kepplinger dieses Phänomen in der deutschen Medienlandschaft, allerdings nur anhand einer Inhaltsanalyse dreier Qualitätszeitungen zwischen 1951 und 1995, so dass es für die Fragestellung über die Wirkung von Fernsehberichterstattung nicht als relevant erscheint.36 Die Bedeutung der Darstellung von Skandalen in der Medienberichterstattung wurde u.a. ebenfalls von Kepplinger in einer Langzeituntersuchung analysiert. Demnach ist die Anzahl der Skandalierungen zwischen 1950 und 1993 kontinuierlich gestiegen. Diese Zahlen aber setzte er mit Umfrageergebnissen zu politischen Einstellungen und Orientierungen in diesem Zeitraum in Verbindung. Es ist zwar kein eindeutiger Kausalnachweis möglich, dennoch ist für Kepplinger der Zusammenhang zwischen beiden Faktoren augenscheinlich. Natürlich muss einschränkend eingefügt werden, dass heutzutage Sachverhalte durch die Medien zum Skandal gemacht werden, die in früheren Zeiten nicht diesen Status erreicht hätten.37

Auch Geiger und Steinbach kommen zu interessanten Ergebnissen über die Darstellung von Skandalen in den Medien, wonach Politiker hier häufiger im Vergleich zu anderen Quellen als Verlierer dargestellt werden.38

Marcinkowski betrachtet die Berichterstattung sogar aus konstruktivistischer Sicht und verteidigt das Fernsehen, wonach es gar nicht anders verfahren kann, als zu personalisieren (z.B. Schwierigkeit der Darstellung einer Partei o. Regierung auf andere Weise), zu symbolisieren (z.B. Vermittlung eines Gesetzes: Verlesen/Abfilmen des Textes?), zu verkürzen (z.B. Schwierigkeit, politischen Prozess in Echtzeit zu erleben) oder sich nur auf Pseudoereignisse zu konzentrieren (z.B. Pressekonferenzen, da man bei genuinen Ereignissen nicht dabei ist).39

Doch auch auf der Seite der Rezipienten muss hingewiesen werden auf bedeutende theoretische Ansätze über die Nutzungsgewohnheiten. Zu nennen ist hier der uses & gratifications-Ansatz und der im deutschen Raum entwickelte Nutzenansatz Renckstorfs, wonach der Rezipient selbst bestimmt, was wirkt und der referierte Zusammenhang nicht linear betrachtet werden darf. So spielen hier die weiter oben genannten soziokulturellen Faktoren eben doch eine wesentliche Rolle.

Donsbach resümiert kritisch, dass die Bürger durch ihre politische Apathie und ihre Vorliebe für Skandale und Affären den Medien kaum Chancen lassen, Politik anders zu präsentieren. Die Medien und damit das Fernsehen mit ihrer auf Einschaltquoten abzielenden Nachrichtenwerte sowie ein heute aggressives, auf eigenen Machtgewinn ausgerichtetes Rollenverständnis der Journalisten leisten dann auf der anderen Seite nicht mehr die faire und sachliche Darstellung des politischen Geschehens.40

In diesem Zuge kommt es auf die eigentliche Verpackung der politischen Information an, d.h. z.B. in welchen Sendeformaten sie dem interessierten Rezipienten begegnet. Die Entwicklung hin zum Infotainment (z.B. Spiegel-TV, Stern-TV) verwischt die Grenzen zwischen Unterhaltung und Information (information und entertainment), in dessen Zuge es immer schwieriger werden wird, direkte Einflüsse von bestimmten Programmen i.S. der Videomalaise- Hypothese aufzudecken.41

3.2.2 Videomalaise-Forschung in Deutschland

Die klassische Videomalaise-Hypothese von Michael J. Robinson geht von der Annahme aus, dass besonders Fernsehen für Politikverdrossenheit verantwortlich sei, da das Fernsehen sich durch ein spezifisches Publikum, durch die oben schon angesprochene Glaubwürdigkeit42 und durch die Art der Darstellung der Politik auszeichnet.43 Ursache sei dabei v.a. der angesprochene Nachrichtenfaktor Negativismus, der beim Rezipienten aufgrund der Verbreitung und Glaubwürdigkeit des Fernsehens zu politischer Entfremdung führe. Es wird dabei ein negativer linearer Zusammenhang hergestellt.

Doch gibt es diesen „einfachen linearen Zusammenhang zwischen der Nutzung politischer Berichterstattung elektronischer Medien und politischer Informiertheit, politischen Einstellungen und politischem Verhalten [...] nach heutigem Wissen“44 nicht.

Auf die Forschung zu dieser Erkenntnis im amerikanischen Raum soll hier nur auf die Darstellung Wollings verwiesen werden, da in dieser vorliegenden Arbeit lediglich ein deutscher Sample aus der Studie „Massenkommunikation 1995“ im Mittelpunkt des Interesses steht und die amerikanische Medienlandschaft und die gegenseitigen Abhängigkeiten zwischen Medienakteuren, politischen Akteuren und Rezipienten sich in vielen Punkten von der deutschen Situation unterscheiden.45 Wolling fasst zusammen, dass sich die einzelnen Studien in den USA im Bezug auf die Operationalisierung der abhängigen Variable vielfältig unterscheiden, so dass ein Vergleich erschwert wird. Hinzuweisen ist hier auf die weiter oben aufgeführten unterschiedlichen Konzepte für Politikverdrossenheit, die diese Vielfältigkeit plausibel erscheinen lassen.

Die amerikanische Forschung, so lässt sich allgemein zusammenfassen, konnte die Videomalaise-Hypothese mit ihrem postulierten negativen Zusammenhang für ihren Raum nicht nachweisen. Die Nutzung von Informationen im Fernsehen hatte dort bei entsprechender Berücksichtigung einiger Kontrollvariablen keine signifikante Bedeutung. In einer neueren Untersuchung mit Daten der 1996er National Election Study (NES) durch Bennett et al. weisen die Autoren auf diverse methodologische Schwierigkeiten hin. Sie resümieren, dass für den amerikanischen Raum kein Zusammenhang besteht zwischen Zuwendung und Aufmerksamkeit bei Nachrichten und politischer Entfremdung ("political trust") und die einfache Version der Videomalaise-Hypothese damit auch weiterhin mangelnde Unterstützung findet. Auch für die Unterhaltungsmalaise-Hypothese, auf die weiter unten eingegangen wird, finden die Autoren keine Unterstützung, weisen aber ebenfalls auf die Unterschiedlichkeit der Kulturen und ihren Mediensystemen und den Messungen von Zuwendung zu unterhaltenden Inhalten. Sie stellen fest, dass eher die Erwartungen von den Medien (Vertrauenswürdigkeit und Fairness) einen Einfluss auf die Einstellung gegenüber der Politik haben und dieser Beziehung in Zukunft mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Ihre Untersuchung der 1996er NES weist darauf hin, dass, wenn Menschen glauben, die Medien würden nicht fair über das politische Geschehen berichten, sie eine kritischere Haltung gegenüber der Vertrauenswürdigkeit der Regierung einnehmen.46 Über die einzelne Forschung zur Videomalaise-Hypothese in Deutschland gibt Wolling ebenfalls ausführlich Informationen. In dieser Arbeit soll besonders der Einfluss unterhaltender und informativer Programme bzw. öffentlich-rechtlicher und privater Sendeformate auf die politischen Einstellungen betrachtet werden, so dass hier nur auf entsprechende Ergebnisse eingegangen wird.

Allgemein stellt Wolling auch hier fest, dass sich die einzelnen Studien durch eine methodische Heterogenität, in der Operationalisierung der abhängigen und unabhängigen Variablen und durch verwendete Datenanalyseverfahren unterscheiden. Wenn überhaupt Zusammenhänge gezeigt werden konnten, dann nur in Bezug auf Informationsnutzung. Unterhaltende Medieninhalte prägen laut vorliegender Ergebnisse tendenziell negative Effekte auf politische Einstellungen. So kommt er zu dem Schluss, dass die Videomalaise-Hypothese in Deutschland nicht bestätigt wurde, wie oben schon festgestellt wurde. Selbst eine dominante Nutzung eine der beiden Senderfamilien hat keinen Einfluss auf Politikverdrossenheit. Die von ihm dargestellten Studien beziehen sich allerdings auf die Mediamalaise-Hypothese, die komplexer angelegt ist und sämtliche Massenmedien in den Betracht zieht.47

So steht der Konsum politischer Sendungen im Fernsehen nach Holtz-Bacha in Zusammenhang mit niedriger Entfremdung.48 Sie stellte ebenfalls fest, dass diese Hypothese, wie sie Robinson als erster postulierte, für Deutschland nicht zutrifft.49 Sie modifizierte die Videomalaise- Hypothese zu einer Unterhaltungsmalaise-Hypothese: „Je mehr Unterhaltung genutzt wird, je unterhaltsamer die Politik präsentiert wird, desto größer ist die Chance zu einer Abkehr von der Politik.“50

Auch Schulz konnte mit einer Untersuchung der gleichen Daten, wie sie von Holtz-Bacha später verwendet wurden, vorher schon keinen Zusammenhang feststellen bezüglich Vielsehern und ihrer Einstellung zur Politik.51

Die angesprochene Entwicklung zum Infotainment, besonders seit Bestehen der dualen Fernsehlandschaft mit dem Grundversorgungsauftrag (Information, Bildung und Unterhaltung) der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten und den kommerziell orientierten privaten Sendern mit ihrem zu erfüllenden Grundstandard, d.h. geringere Anforderungen, solange die öffentlich- rechtlichen Sender ihren Auftrag ausführen, ist somit im Blickpunkt des Interesses.52 Oft ist die Rede vom sogenannten „Unterhaltungsslalom“ bestimmter Nutzer, d.h. einer regelrechten Vermeidungshaltung gegenüber politischer Information, vornehmlich durch das Stammpublikum der privaten Sender.

Marcinkowski räumt allerdings ein, dass unterhaltungsorientierte Fernsehnutzung selbst von politischem Interesse und formalem Bildungsniveau abhängt. Er vermutet, dass Unterhaltungssucher keine politische Berichterstattung verfolgen, weil sie anderes mehr interessiere und sie deshalb auch geringer an politischen Wahlen interessiert sind.53 Pfetsch und auch Jäckel konnten die Videomalaise-Hypothese unter den Bedingungen des dualen Rundfunks dann auch nicht „bestätigen“.54

In diesem Zusammenhang soll auf die entsprechenden Studien zur Marginalisierungs- und Konvergenz-These bezüglich öffentlich-rechtlicher und privater Sender hingewiesen werden. Da die öffentlich-rechtlichen Sender auf Mischfinanzierung angewiesen sind, unterliegen auch sie kommerziellen Interessen und Quotenorientierung. Krüger´s Befunde sprechen gegen die Konvergenzthese, dass sich die politischen Informationsangebote beider Anbieter strukturell, inhaltlich und qualitativ angenähert hätten. Merten dagegen kommt zu dem Schluss, dass die öffentlich-rechtlichen Sender an den Rand gedrängt werden (Marginalisierung). Die Folge einer Nicht-Popularisierung wäre ein Verlust an Zuschauern und Werbeeinnahmen.55 Schöbel stellte in einer Sekundäranalyse aus einer begleitenden Forschung zum Kabelpilotprojekt Berlin fest, dass Internal Efficiacy mit dem Nutzungsverhalten des Fernsehens in Form einer Wechselbeziehung zusammenhängt, External Efficiacy dagegen nicht.56 Schmitt-Beck und Schrott fanden heraus, dass Informationsorientierung, was auch eine stärkere Befürwortung der demokratischen Idee, aber eine skeptischere Haltung gegenüber der demokratischen Wirklichkeit nach sich zieht, stark positiv und Unterhaltungsorientierung, was positiv mit der Einschätzung tatsächlicher Leistungen des Systems korrespondiert, negativ korreliert mit politischer Kompetenz.57

Schulz entwickelte ein Kreislaufmodell zwischen politischem Interesse, politischer Information, politischem Wissen und Kompetenzbewusstsein, die sich nacheinander beeinflussend bedingen.58

Mit einer 1995 in Hessen durchgeführten Umfrage belegten Oehmichen und Simon, dass Vielnutzer ein etwas ausgeprägteres politisches Interesse, aber eine größere Distanz zur Politik haben und unsicherer in ihrem politischem Urteil sind als Wenignutzer, die sich auch zum Teil durch einen höheren Nichtwähleranteil auszeichnen. Unterhaltungsorientierte, die auch für private Sender eine auffällige Neigung zeigen, distanzieren sich von der Politik (und Wahlvorgängen).59

Mit den auch in dieser Arbeit untersuchten Daten der Studie Massenkommunikation 1995 wies Schulz zum ersten Mal den postulierten negativen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Fernsehinformationen und dem Politikbild nach. Doch benutzte er einen weitgefassten Begriff von Information, der u.a. auch Infotainment umfasst, so dass er letztlich nur die eigentliche Nutzungsdauer gemessen hat.60

Brettschneider und Vetter untersuchten ebenfalls diese Daten und verglichen die neuen mit den alten Bundesländern. Eine teilweise Bestätigung der Videomalaise-Hypothese erreichten sie mit der Internal Efficiacy. Demnach haben Westdeutsche mit einer großen Erfahrung über Politik aus dem Fernsehen ein etwas niedrigeres politisches Selbstbewußtsein. Beim Vergleich der Nutzungshäufigkeit der öffentlich-rechtlichen und der privaten Sender mit der External Efficiacy wiesen sie einen geringen negativen Effekt der privaten Sender vor allem im Westen nach. Die Informationsorientierung hat einen positiven, dagegen die Unterhaltungsorientierung einen negativen Einfluss auf die Internal Efficiacy.61

Replikation der Analysen von Holtz-Bacha

Schließlich konnte Wolling in seiner komplexen Untersuchung zur Mediamalaise-Hypothese, besonders für den ostdeutschen Raum (Dresden ´96), keinen Hinweis für die Bestätigung der Videomalaise-Hypothese finden. Die Nutzung des Fernsehens erwies sich für alle von ihm untersuchten Einstellungsdimensionen als relativ bedeutungslos. Lediglich die Nutzung öffentlich-rechtlicher Nachrichtensendungen bestärkt signifikant die Erwartung, dass die Opposition eine bessere Politik machen wird. Auch die Unterhaltungsorientierung hat nach ihm einen signifikant positiven Einfluss auf die Legitimitätsüberzeugung und das Institutionenvertrauen. Diese Ergebnisse widersprechen der Videomalaise-Hypothese. Wolling weist darauf hin, dass nicht die allgemeine Dauer oder Intensität der Mediennutzung für die Einstellungen zur Politik von Bedeutung sind, sondern die Nutzung bestimmter Medien. Aus diesem Grunde gehört der Einbezug sämtlicher Massenmedien mit zur Untersuchung zur Politikverdrossenheit.62 Aber auch schon Robinson bemerkte, dass die Zeitung wahrscheinlich ähnliche Effekte habe, wie sie von ihm durch das Fernsehen postuliert wurden.63

Bei einer Replikation der Analysen von Holtz-Bacha kam er zu Befunden, die im hohem Maße mit ihren Ergebnissen übereinstimmen. Lediglich der genannte Befund zum Einfluss unterhaltender Programme unterscheidet sich zu den Ergebnissen Holtz-Bachas, die einen negativen Einfluss feststellte. Er stellte weiterhin bestätigend fest, dass sich politisches Interesse und formale Bildung als wichtigste Einflussvariablen erwiesen, während Geschlecht und Alter sich im multivariaten Modell als unwichtige Variablen herausstellten.64

Ergänzend kann hier eingefügt werden, dass intelligentere, formal besser gebildete Zuschauer aus höheren Sozialschichten an Informations- und Nachrichtensendungen allgemein mit anderem Vorwissen und einer anderen Rezeptionsweise herangehen, während Zuschauer aus unteren Sozialschichten die nationale Politik anscheinend als eine entfernte, gefährliche, aber unterhaltsame, wie auch angsterregende und bedrohliche Welt ansehen.65 Dieses stellt Bezüge zur "Knowledge-gap"- und Kultivierungshypothese.

4 Empirische Analyse

4.1 Vorüberlegungen zur eigenen Untersuchung der Studie Massenkommunikation 1995

Die vorliegende Arbeit untersucht die 7. Welle der Langzeituntersuchung Massenkommunikation, die Daten der Studie Massenkommunikation 1995 vom Zentralarchiv für empirische Sozialforschung in Köln (ZA-Nr. 2824, ZA-Kategorie: Kommunikation, öffentliche Meinung) mit einer Fallzahl von 6000 Befragten und 11539 Variablen, die in den Herbstmonaten September, Oktober, November 1995 durchgeführt wurde.66

Da dies eine Sekundäranalyse darstellt, ergeben sich auch die typischen Vor- und Nachteile einer solchen nachträglichen Untersuchung. Vorteil ist die vielfach geforderte Absicherung bereits vorliegender Studien i.S. einer Replikation, um Intersubjektivität und Validität herzustellen. Die Daten sind zudem schnell verfügbar und es erübrigt sich eine teure und zeitraubende Feldarbeit. Von Nachteil ist natürlich die nachträgliche Indikatorbildung, die entgegen der ursprünglichen Fragestellung, die bei der Datenerhebung zu anderen Zwecken diente, vollzogen wird. Variablen, die nicht in geforderter Form oder gar nicht vorhanden sind, erschweren eine komplexe nachträgliche Untersuchung.

Auswahlkriterium ist in erster Linie die Repräsentativität, welche bei dieser Studie mit der großen Anzahl der Befragten erfüllt ist und zu signifikanten Ergebnissen führen kann ohne allzu strengen Maßstäbe an das jeweilige Signifikanzniveau zur Generalisierbarkeit der Ergebnisse.67 Einschränkend muss für diese Arbeit weiterhin genannt werden, dass keine Daten über Medieninhalte zur Verfügung stehen, und dass daher keine direkte Kausalität überprüfbar ist. Es ist nur eine eindimensionale Studie möglich, die lediglich Interpretationen zulässt, d.h. aus dem bestimmten Antwortverhalten wird auf das Vorliegen von Politikverdrossenheit geschlossen. Schon gar nicht i.S. der originären Videomalaise-Hypothese, welche die Wirkung politischer Inhalte auf politische Einstellungen in den Mittelpunkt stellt. „Die Eigenschaften der Fernsehberichterstattung, die als Ursache der Malaise vermutet werden, sollten also als Variablen behandelt werden, deren Ausprägungen bei den einzelnen Medien zu bestimmen sind.“68

Mit der Verbindung der Videomalaise-Hypothese zur Kultivierungsforschung wird der langfristige Charakter solch einer Wirkung klar. Einstellungen ändern sich nicht kurzfristig. Durch Paneluntersuchungen könnte man neben Netto- auch Bruttoveränderungen im Antwortverhalten der Befragten feststellen, welche die Fluktuation herausstellen. Außerdem steht nur die Videomalaise-Hypothese im Fokus und nicht die eigentlich zu untersuchende Mediamalaise-Hypothese, da es in erster Linie um politische Berichterstattung geht und nicht um ein einzelnes Medium.69

4.2 Das Untersuchungsmodell

In der folgenden empirischen Analyse soll besonders ein Vergleich zwischen den Programminhalten angestellt werden. Ihr liegt die Fragestellung i.S. der von Holtz-Bacha genannten Unterhaltungs-Malaise Hypothese zu Grunde, ob es Unterschiede im Ausmaß der politischen Entfremdung zwischen Nutzern unterhaltender und Nutzern informierender Programminhalte gibt. In der folgenden Untersuchung wird zusätzlich der Einfluss des Konsums kultureller/wissenschaftlicher Programme untersucht.

Die Hypothese, die untersucht werden soll, lautet:

Je mehr unterhaltende Programme genutzt werden, desto größer ist die politische Entfremdung.

Die abhängige Variable bildet das Konzept der politischen Entfremdung, wie es oben beschrieben wurde.70

Weiterhin soll aber auch untersucht werden, welche der aufgenommenen zusätzlichen Variablen einen bedeutenden Einfluss auf die politische Einstellung ausüben.

Da eine bivariate Untersuchung die Gefahr von dahinterliegenden Drittvariablen beinhaltet, sollen in einer multivariaten Analyse in Form einer hierarchischen Regressionsrechnung der Einfluss der Nutzung informierender oder unterhaltender TV-Programme unter Berücksichtigung wichtiger Kontrollvariablen, wie politisches Interesse und soziokulturelle Faktoren, untersucht werden, mit deren Einführung der isolierte Einfluss der Programminhalte bestimmbar ist.71 Denn Veränderungen in der politischen Einstellung lassen sich keinesfalls nur auf die Rezeption von unterschiedlichen Programminhalten zurückführen. Allerdings beansprucht das folgende Regressionsmodell kein Anspruch auf Vollständigkeit, da in diesem Fall auch nur der Einfluss der Programminhalte des Fernsehens betrachtet wird und Programminhalte anderer Medientypen nicht berücksichtigt werden, die i.S. der Mediamalaise einen Einfluss haben (s. oben). Lediglich die Präferenz für jeweils eines der drei Medientypen TV, Radio und Zeitung/Zeitschrift soll mit eingeschlossen werden.

4.2.1 Unabhängige Variablen im Untersuchungsmodell

4.2.1.1 Soziodemographische Merkmale

Die soziodemographischen Faktoren sind Indikatoren72 für die Erfahrungen, die ein Mensch im Laufe seiner Sozialisierung sammelt. Sie haben nach Ergebnissen diverser Untersuchungen einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf politische Einstellungen.

So werden im folgenden Untersuchungsmodell Variablen wie Alter, Bildung, Geschlecht und Einkommen als Kontrollvariablen miteinbezogen.

Gerade die Bildung lässt sich gut mit den oben aufgeführten Bezug zur Knowledge-gap Forschung zusammenführen: Besser gebildete Nutzer greifen i.d.R. auf besseres Vor- oder Strukturwissen zurück und verarbeiten die gewonnenen Informationen auch differenzierter.

4.2.1.2 Politisches Verhalten

Als politisches Verhalten sollen im Untersuchungsmodell das politische Interesse, die Bereitschaft zur politischen Diskussion und die Neigung, andere politisch zu überzeugen, berücksichtigt werden.

Das politische Interesse bestimmt die Art und Weise der politischen Informationsnutzung im Fernsehen. Da hier keine Variable zur Aufmerksamkeit bei der Rezeption von Fernsehinhalten vorliegt, die in anderen Untersuchungen wie bei Wolling miteinbezogen wurden, kann nur vermutet werden, dass politisches Interesse mit der Aufmerksamkeit der Informationsrezeption zusammenhängt. Doch auch das Geschlecht hängt nach Wolling mit diesem Interesse zusammen. So besitzen Männer ein höheres politisches Interesse.73 Dieses Interesse könnte aber genauso als abhängige Variable interpretiert sein, da politisches Desinteresse auch als Dimension von Politikverdrossenheit verstanden wird. In diesem Fall wird diese Variable aber als Indikator für politische Sozialisation und somit als unabhängige Variable betrachtet.74

Genauso verhält es sich mit der Bereitschaft zur politischen Diskussion, die allgemein in den Bereich des interpersonalen Kommunikationsverhaltens einzuordnen ist und damit auch als Erklärungsvariable für die politische Einstellung bedeutungsvoll ist.75 In diesem Zusammenhang soll auch der Einfluss des politischen Überzeugungswillens auf die politische Einstellung überprüft werden, welche im folgenden als Meinungsführerschaft bezeichnet wird.

4.2.1.3 Medienpräferenz

Wolling macht zu Recht darauf aufmerksam, dass bei der Operationalisierung der Mediennutzung über Präferenzmaße die Komplementarität der Mediennutzung nicht berücksichtigt wird.76 Trotzdem soll in der folgenden Untersuchung der Einfluss der Präferenz für ein bestimmtes Medium untersucht werden, wie es auch Wolling und Holtz-Bacha taten.

4.2.1.4 Mediennutzung

Die in dieser Untersuchung interessierenden unabhängigen Variablen sind die Nutzung verschiedener Programminhalte und ihre Wirkung auf die politische Einstellung.77 Hinzu kommen Variablen zur überwiegenden Nutzung öffentlich-rechtlicher oder privater Sender. Welche Wirkung diesen Faktoren auf die politische Einstellung unterstellt wird, wurde im Zuge dieser Arbeit schon dargestellt.

4.2.2 Multivariate Analyse

Da im vorliegendem Regressionsmodell mehrere Dummy-Variablen für unterschiedliche Merkmale zur Rechnung herangezogen wurden, ist eine Kollinearitätsprüfung78 nötig, um mögliche Verzerrungen in der Erklärbarkeit des Modells (R2 ) aufzudecken. So lässt sich z.B. ein Zusammenhang vermuten zwischen dem Interesse an Politik und der Bereitschaft, sich an politischen Diskussionen zu beteiligen. Die vorliegenden Kollinearitätsmaße zeigen aber keine auffälligen Werte, so dass anscheinend keine bedeutende Kollinearität vorliegt. Der kleinste Toleranzwert liegt bei 0,595 und der größte VIF (Variance Inflation Factor) beträgt 1,681.79 Auffällig ist neben der Bedeutungslosigkeit der Präferenz für das Radio der außerhalb des Signifikanzniveaus liegende geringe Einfluss der Präferenz fürs Fernsehen, wenn es um das für Informationen über Weltgeschehnisse am häufigsten genutzte Medium geht, was aber weitesgehend die Ergebnisse Wollings und Holtz-Bachas bestätigt80, während das bivariate Korrelationsmaß noch einen signifikanten schwachen positiven Zusammenhang zeigte zwischen TV-Präferenz und politischer Entfremdung (r = .03). Nur die Präferenz für die Zeitung hat einen signifikanten schwachen negativen Einfluss auf die Höhe der politischen Entfremdung (beta = -.037). Das bedeutet, die Präferenz für das Medium Zeitung geht mit einer niedrigen politischen Entfremdung einher. Das hängt womöglich mit dem angesprochenen höheren Strukturwissen und der damit verbundenen besseren kognitiven Verarbeitung von Informationen durch regelmäßige Zeitungsleser zusammen.

Aber auch die häufige Nutzung öffentlich-rechtlicher Sender oder die Nutzung privater Sender hat keinen signifikanten Einfluss auf die politische Einstellung, während beim bivariaten Zusammenhang die Nutzung privater Sender noch einen signifikanten schwach positiven Einfluss hat auf den Grad der politischen Entfremdung (r = .03).

Der Befund bei Wolling über den Einfluss der Bildung und des politischen Interesses kann hier bestätigt werden. So erweist sich der Einfluss von Bildung (beta = -.147) in der multivariaten Analyse signifikant am stärksten. Das bedeutet, höheres Bildungsniveau hängt mit einer geringen politischen Entfremdung zusammen. Danach folgen politisches Interesse (beta = -.109), Bereitschaft zur politischen Diskussion (beta = -.116) und politische Meinungsführerschaft (beta = -.082), die aufgrund des negativen Vorzeichens auf einen gegenläufigen Effekt im Ausmaß der politischen Entfremdung schließen lassen, d.h. je mehr politisches Interesse, Bereitschaft zur politischen Diskussion und politische Meinungsführerschaft vorliegen, desto geringer ist der Grad politischer Entfremdung.

Die anderen soziodemographischen Faktoren haben ebenfalls einen signifikanten Einfluss.

Das Alter hängt positiv mit politischer Entfremdung zusammen (beta = .042). Je älter die befragte Person, desto politisch entfremdeter war sie. Das hängt vermutlich mit der mit zunehmenden Alter wachsenden Erfahrung und wachsendem Kontakt mit dem politischen Geschehen zusammen, wie es weiter oben auch schon angedeutet wurde. Sei es in direkter oder indirekter Weise.

Das verfügbare eigene Einkommen dagegen hat einen schwachen negativen Einfluss auf die politische Entfremdung, d.h. je mehr die befragte Person über finanzielle Mittel verfügt, desto geringer ist die Politische Entfremdung (beta = -.074). Dies ist erklärbar durch den unmittelbaren spürbaren Einfluss von politischen Entscheidungen z.B. im Bereich der Steuerpolitik, dessen Auswirkungen jeder an seiner eigenen finanziellen Situation spüren kann und wo Politik nicht mehr so abstrakt und fern erscheint, wie in anderen Bereichen.

Das Geschlecht (in diesem Fall weiblich) hängt positiv mit der abhängigen Variable zusammen (beta = .065). Frauen sind demnach politisch entfremdeter als Männer, was natürlich u.a. auf das unterstellte geringere politische Interesse von Frauen beruhen kann.

Die Nutzung von Fernsehunterhaltung hat entgegen der Ergebnisse bei Wolling einen schwachen positiven signifikanten Einfluss auf politische Entfremdung (beta = .041). Somit kann die eingangs aufgestellte Hypothese über die Unterhaltungsmalaise bestätigt werden, dass die Nutzung von unterhaltenden Programmen politische Entfremdung fördert, wenn auch nur in einer sehr schwachen Form. Der Einfluss von TV-Information hat dagegen einen schwachen negativen signifikanten Einfluss auf die abhängige Variable (beta = -.038), wie auch die Nutzung kultureller/wissenschaftlicher Programme (beta = -.022), die aber knapp das Signifikanzniveau verfehlt. Dieses kann aber durch die große Fallzahl der Befragten relativiert werden.

Alle Variablen zusammen erklären 13 % der Varianz in der abhängigen Variable politische Entfremdung, so dass nur von einer sehr geringen Erklärungskraft dieses Modells gesprochen werden kann.

5 Zusammenfassung

Die Nutzung unterhaltener TV-Programme hat einen schwachen positiven Einfluss auf die politische Entfremdung, d.h. je mehr unterhaltene TV-Programme genutzt werden, desto größer ist die politische Entfremdung der befragten Person, während die Nutzung informierender TVProgramme einen schwachen negativen Einfluss auf den Grad der politischen Entfremdung hat, d.h. je mehr informierende TV-Programme genutzt werden, desto weniger politisch entfremdeter waren die befragten Personen. Der von Schulz nach Untersuchung der gleichen Daten betonte positive Zusammenhang zwischen Informationsnutzung und politischer Einstellung kann somit in dieser Untersuchung nicht nachgewiesen werden.

So kann die aufgestellte Hypothese vorläufig bestätigt werden, dass Nutzer von Unterhaltung politisch entfremdeter sind als Nutzer von Information im Fernsehen und es kann von einem Unterschied zwischen Nutzern von informierenden TV-Programmen und Nutzern unterhaltender TV-Programme ausgegangen werden. Die Videomalaise-Hypothese muss damit weiterhin als Unterhaltungsmalaise-Hypothese verstanden werden.

Da die Interpretation der Ergebnisse es nicht zum Ziel hatte, alle Variablen, die einen Einfluss auf die politische Einstellung haben, aufzudecken, ist auch das relativ geringe R2 von 0,13 zu vertreten.

Wie oben erwähnt, ist der Einfluss der Inhalte anderer Medien nicht berücksichtigt worden. Aber auch andere Vermittlungsinstanzen (z.B. interpersonale Kommunikation) sind in der vorliegenden Berechnung nicht ausreichend berücksichtigt worden. Doch erreichten auch andere Untersuchungen zur komplexeren Mediamalaise-Hypothese nur relativ geringe Erklärung für die Varianz in dem Grad der politischen Entfremdung.81 Letztlich ist der Anspruch, alle beeinflussenden Variablen, besonders in den Sozialwissenschaften, zu berücksichtigen, nur selten zu erfüllen, da sich in diesem Feld fast alle Variablen gegenseitig beeinflussen.82

So waren hier auch wieder die Bildung und das politische Interesse von Bedeutung, die einen relativ starken Einfluss auf das Ausmaß der politischen Entfremdung haben. Diese Faktoren regeln letzlich die Art der Zuwendung zu den unterschiedlichen Angeboten in der Medienlandschaft, seien es jetzt politische Informationen oder nur Unterhaltung. Zudem fehlten in dieser Untersuchung inhaltsanalytische Daten zum Vergleich zwischen tatsächlicher Programmnutzung im Fernsehen und dem Grad der politischen Entfremdung. Doch was Wolling auch schon als Konsequenzen für die weitere Forschung feststellte, gilt auch hier weiterhin: Zukünftige Untersuchungen müssen komplexer angelegt sein und methodisch so geplant sein, dass eine valide Verknüpfung von gemessenen Eigenschaften der Medieninhalte mit Ergebnissen aus Umfragedaten möglich ist. Dieses sollte langfristig in Form eines Panels erfolgen, um den schleichenden Prozess evtl. Einstellungsänderungen abbilden zu können.

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Syntax-Befehle (SPSS)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 DIE WELT vom 14.01.2000, S. 4

2 vgl. hierzu umfassend Sarcinelli 1998

3 Marcinkowski 1998, S. 165

4 vgl. Marcinkowski 1998, S. 167

5 vgl. Jarren 1997, S. 103f.

6 vgl. Kepplinger 1998, S. 220f.

7 vgl. entsprechende Daten IfD Allensbach

8 vgl. Marcinkowski 1998, S. 174

9 vgl. Allensbacher Jahrbuch der Demoskopie 1993-1997, S. 230

10 vgl. Tenscher 1998, S. 187

11 vgl. Holtz-Bacha 1990, S. 75

12 Kepplinger 1998, S. 218

13 vgl. a.a.O., S. 212f.

14 vgl. Greiffenhagen/Greiffenhagen 1992, S. 111

15 vgl. Küchler 1982, S. 40

16 vgl. Hoffmann 1998, S. 437

17 zur Wahlbeteiligung als Indikator für Politikverdrossenheit vgl. (kritisch) Wolling 1999, S. 11

18 vgl. Tenscher 1998, S. 205

19 vgl. Wolling 1999, S. 13ff.

20 vgl. a.a.O., S. 34 und S. 36

21 vgl. Holtz-Bacha 1990, S. 15ff. und Wolling 1999, S. 13-18

22 vgl. Wolling 1999, S. 37ff.

23 vgl. Böckelmann 1989

24 Wolling 1999, S. 42

25 vgl. Donsbach 1993, S. 224

26 vgl. Kepplinger 1989c, S. 70

27 vgl. Kepplinger 1998, S. 210

28 vgl. Kepplinger 1998, S. 211f.

29 vgl. a.a.O. 1998, S. 209

30 vgl. Tenscher 1998, S. 186

31 vgl. Kepplinger 1998, S. 208f.

32 vgl. Wolling 1999, S. 131 und ebenfalls Marcinkowski 1998, S. 182

33 vgl. Winterhoff-Spurk 1996, S. 186

34 vgl. Donsbach 1993b, S. 253ff.

35 vgl. Schulz 1997b, S. 186f. und Einschränkung Donsbach 1999, S. 145

36 vgl. Patterson 1993 und Kepplinger 1998 mit Kritik durch Wolling 1999, S. 48f.

37 vgl. Kepplinger 1996, S. 50ff. und kritisch dazu Wolling 1999, S. 53

38 vgl. Geiger & Steinbach 1996, S. 130

39 vgl. Marcinkowski 1998, S. 183

40 vgl. Donsbach 1993b, S. 222

41 vgl. dazu ausführlich Tenscher 1998, S. 195ff.: Er unterscheidet erstens nach dem Grad der Politisierung (niedrig, mittel, hoch) und dem Grad der Mediatisierung (nicht, teilweise, voll)

42 vgl. Carl I. Hovlands Untersuchung zur persuasiven Kommunikation und den Einfluss der Glaubwürdigkeit der Informationsquelle für den Wirkungsprozess

43 vgl. Robinson 1975 & 1976 und Wolling 1999, S. 57

44 Marcinkowski 1998, S. 182

45 So dominiert in den USA ein privatwirtschaftlich organisiertes Rundfunksystem mit einer Vielzahl von Anbietern und sich daraus ergebende Nutzungskulturen. Im Gegensatz zur Demokratie Deutschlands „spielt das präsidialdemokratische System der USA und seine Machtverteilung in der auf eine [...] Streitkultur ausgelegten Organisation der ´checks and balances´ die wichtigste Rolle für eine Unterscheidung der Kommunikationskultur von der bundesrepublikanischen.“ (Jarren et al. 1993, S. 26)

46 vgl. Bennett et al. 1999, S. 17

47 vgl. Wolling 1999, S. 62-89

48 vgl. Holtz-Bacha 1990

49 vgl. dies. 1994, S. 126

50 dies. 1994b, S. 190 und zum Unterhaltungsslalom Wolling 1999, S. 55

51 vgl. Schulz 1987 (Analyse der Daten einer Panelbefragung zur Europawahl 1984)

52 vgl. diverse Rundfunkurteile

53 Marcinkowski 1998, S. 180f.

54 vgl. Pfetsch 1991 und Jäckel 1991

55 vgl. Krüger 1996 und Merten 1994: Die Ergebnisse können entsprechend instrumentalisiert werden, d.h. 1. bewegen sich die ÖR auf die Privaten zu, dann sind sie überflüssig. Die Folge wären entweder Gebührenabschaffung oder Werbeverbot, 2. bewegen sich die Privaten auf die ÖR zu, dann kämen die gleichen Konsequenzen in Frage und 3. das jetzige System ist nur gerechtfertigt, wenn der Abstand konstant bliebe

56 vgl. Schöbel 1990

57 vgl. Schmitt-Beck und Schrott 1992

58 vgl. Schulz 1995

59 vgl. Oehmichen und Simon 1996 und Marcinkowski 1998, S. 179

60 vgl. Schulz 1997 und Wolling 1999, S. 86

61 vgl. Brettschneider und Vetter 1998

62 vgl. Wolling 1999, S. 226

63 vgl. Robinson 1976

64 vgl. a.a.O, S. 184 ff.

65 vgl. Winterhoff-Spurk 1996, S. 188

66 vgl. dazu Berg/Kiefer 1996 und Kiefer 1996a, b

67 vgl. dazu Holtz-Bacha 1990, S. 85f.

68 Wolling 1999, S. 58 und vgl. a.a.O., S. 62 (Überprüfung der Inhalte auf Merkmale wie Negativismus, Skandalierung und Unterhaltung parallel zur Umfrage)

69 vgl. a.a.O., S. 60

70 "Politische Entfremdung" wurde durch eine 3-Punkte-Skala gemessen, wobei die Werte 1-13 zur Ausprägung "geringe Entfremdung", die Werte 14-26 zu "mittlere Entfremdung" und die Werte 27-40 zu "hohe Entfremdung" zusammengefasst sind (vgl. Holtz-Bacha 1990, S. 165)

71 vgl. Holtz-Bacha 1990, S. 110 und Wolling 1999, S. 184

72 s. auch Anmerkung 31 und 32

73 vgl. Wolling 1999, S. 131

74 a.a.O., S. 133

75 a.a.O., S. 135

76 a.a.O., S.137

77 mittels einer Faktorenanalyse wurden die Variablen " unterhaltende", "kuturelle/wissenschaftliche" und "informierende Programme" gebildet

78 Kollinearität oder auch Multikollinearität bezeichnet eine deutliche Korrelation zwischen zwei oder mehreren erklärenden Variablen

79 vgl. Brosius 1999, S. 565f.

80 vgl. Wolling 1999, S. 185 und Holtz-Bacha 1990, S. 113

81 vgl. Wolling 1999, S. 186f.

82 vgl. Brosius 1999, S. 552ff.

Details

Seiten
31
Jahr
2000
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v101421
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,7
Schlagworte
Politikvermittlung Entfremdung Fernsehen Lehrveranstaltung Datenanalyse SPSS

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Titel: Politikvermittlung und politische Entfremdung durch Fernsehen