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Büchner, Georg - Lenz

Referat / Aufsatz (Schule) 2000 9 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Georg Büchners ,,Lenz" Allgemeines und Entstehungsgeschichte

Die Novelle ,,Lenz" wurde von Georg Büchner im Jahr 1836 geschrieben und lässt sich daher der Epoche des Vormärz (,,Die Autoren des Vormärz waren politisch engagiert, ihr Anliegen war die grundsätzliche Änderung der Gesellschaftsordnung. Vorbild war die französische Revolution") zuordnen. Sie hat einen Umfang von 20 Seiten.

Über einen Freund bekam Büchner die Tagebuchaufzeichnungen des Pfarrers Oberlin, bei dem Lenz einige Wochen verbracht hatte. Interessiert besorgte er sich weitere Informationen über Lenz, unter anderem beim Vater seines Freundes, der bereits einen Aufsatz über Lenz im ,,Morgenblatt für gebildete Stände" veröffentlicht hatte.

Im September 1835 bekam Büchner den Auftrag, für die Zeitung ,,Telegraph für Deutschland" eine Novelle über Lenz, den engen Freund Goethes, zu schreiben. ,,Lenz" wurde im Jahr 1839, zwei Jahre nach Büchners Tod, veröffentlicht (Bild siehe Titelblatt).

Georg Büchner

Georg Büchner wurde am 17. Oktober 1813 in Goddelau (Hessen) als Kind eines angesehenen Arztes geboren. Seine Mutter war die Tochter eines während der Revolution aus Frankreich vertriebenen Regierungsrats.

Georg hatte zwei Schwestern und drei Brüder, die bis auf eine Schwester alle schriftstellerisch und politisch Karriere machten.

Büchners erste bekannte Werke stammen aus dem Jahr 1830, seinem letztem Schuljahr: ein Aufsatz (,,Über den Heldentod der 400 Pforzheimer") und eine Rede. In ihnen zeigt sich bereits Büchners wichtigstes Begehren: die Freiheit für alle Gesellschaftsschichten. Im Jahr 831 begann Büchner in Strassburg ein Medizinstudium. 1833 verlobte er sich heimlich mit Minna Jaegle, der Tochter eines Strassburger Pfarrers, und verließ mit ihr Strassburg, um in Gießen weiterzustudieren. Dort gründete er gemeinsam mit einigen Freunden die ,,Gesellschaft der Menschenrechte", die für Gleichheit unter den Gesellschaftsschichten kämpfte. Im Jahr 1837, im Alter von 24 Jahren, starb Georg Büchner an Typhus.

Seine bekanntesten Werke waren neben ,,Lenz": ,,Woyczek", ,,Leonce und Lena" und der ,,Hessische Landbote".

Jakob Michael Reinhold Lenz

Jakob Lenz wurde 1751 als Sohn eines Pfarrers geboren. Auf Drängen seines äußerst dominanten Vaters hin studierte er Theologie und Philosophie, brach jedoch das Studium ab und geriet in großen Streit mit seinem Vater. Er wurde Hofmeister einer kurländischen Adelsfamilie, deren Söhne er nach Strassburg begleitete. Dort lernte er Goethe kennen, der sein bester Freund wurde. Goethe beeinflusste ihn sehr, so dass er vom Aufklärer zum Stürmer und Dränger wurde.

Im Jahr 1776 besuchte Lenz Goethe in Weimar, wo er sich in dessen Schwester Cornelie verliebte, die allerdings verheiratet war. Als Cornelie starb, führte das zu Lenzs geistigem Verfall. Er gab sich die Schuld an ihrem Tod.

Zunächst lebte er bei Cornelies Witwer, dann bei seinem Bruder in Riga und schließlich in Moskau, wo er 1792 völlig heruntergekommen und dem Wahnsinn verfallen starb. Seine wichtigsten Werke waren ,,Die Soldaten", in dem er die zerstörerische rechtlos machende Welt des Adels kritisierte (das gleiche Thema, das später auch Büchner beschäftigte), ,,Die jungen Engländer" und ,,Der Hofmeister". Die Hauptpersonen in seinen Dramen waren meistens Leute, die Probleme mit ihren Vätern nicht überwinden konnten und ihr ganzes Leben lang darunter litten. Damit versuchte Lenz, sein eigenes Kindheitstrauma, das ihn ständig verfolgende Zerwürfnis mit seinem Vater, zu verarbeiten. Die Geschehnisse, die Büchner in seiner Novelle, beschreibt, beruhen auf einer Gebirgswanderung von Lenz im Januar und Februar 1778.

Der Inhalt

Die Novelle ,,Lenz" von Georg Büchner beschreibt 22 Tage im Leben des geisteskranken Schriftstellers Jakob Michael Reinhold Lenz.

Lenz wandert durchs Gebirge in Richtung eines Ortes namens Waldbach. Bei den Gipfeln angekommen, überkommt ihn das Gefühl, als könne er das gesamte Universum erfassen, doch Augenblicke später merkt er, dass er es nicht kann und fühlt sich angesichts der gewaltigen Natur klein und hilflos.

Kurze Zeit später erreicht er Waldbach und bekommt von der Pfarrfamilie Oberlin ein kleines Zimmer im Schulhaus zugewiesen, in dem er wohnen darf. Zuerst ist Lenz noch ruhelos und verwirrt von der Reise, doch nach und nach lebt er sich in Waldbach ein und beginnt, Oberlin zu helfen. Er fängt sogar an, in Gottesdiensten zu predigen. Durch das geregelte und sinnvolle Leben beruhigt sich Lenz und seine Phasen der Rastlosigkeit werden seltener. Eines Tages jedoch, Oberlin ist gerade auf Reisen, erfährt Lenz, dass im Nachbardorf ein Mädchen gestorben ist. Er zieht sich einen alten Sack an, beschmiert sein Gesicht mit Asche und wandert ins Nachbardorf, wo er versucht, das Kind durch Beten ins Leben zurückzuholen. Da ihm dies nicht gelingt, stürzt Lenz in eine tiefe Krise, denn er merkt, dass man sich selbst der Hilfe Gottes nicht sicher sein kann.

Er kann nachts nicht schlafen, mag tagsüber jedoch auch nicht aufstehen, da ihm das Leben langweilig und sinnlos erscheint. Selbst Oberlin, inzwischen zurückgekehrt, kann ihm nicht helfen.

Inzwischen hat Lenz eine Nachricht von seinem Vater erhalten, dass er umgehend nach Hause zurückkehren solle. Verzweifelt und hoffnungslos versucht Lenz, sich das Leben zu nehmen. Sein Sprung aus dem Fenster bleibt jedoch ohne Folgen, und die Familie Oberlin beschließt, ihn heim nach Strassburg zu schicken, wo Lenz gleichgültig und dem Wahnsinn verfallen weiterlebt.

Kurzinfo Schizophrenie

Schizophrenie wird laut Karlheinz Hasselbach als ,,drei Arten von Störungen bei der Wirklichkeitsauffassung" definiert. Bei schizophrenen Leuten können Denkstörungen, Wahrnehmungsstörungen und affektive Störungen auftreten. Symptome für diese Störungen sind:

- für die Denkstörungen: Wahnvorstellungen, Fehldefinition von Situationen und Gegenständen, Desorientierung, Persevation (=Hängenbleiben an einem Wort oder Gedanken) und Depersonalitäten
- für die Wahrnehmungsstörungen: Halluzinationen (auditiv und visuell)
- für die affektiven Störungen: Überreaktionen, Gefühlswallungen, Apathie, unangemessene Gefühlsäußerungen
- sonstige Begleiterscheinungen: Verfolgungswahn, Selbstmordversuche, Sprachverwirrtheit (Schizophasie)

Nachweis der Schizophrenie bei Lenz

Georg Büchners Novelle beschreibt sehr detailliert und, wie man später bestätigte, medizinisch erstaunlich zutreffend, die Entwicklung von Lenzs geistigem Verfall. Alle drei oben genannten Störungen kann man in der Figur des Lenz erkennen.

Ein Beispiel für die Wahrnehmungsstörungen findet man gleich am Anfang der Novelle, als Lenz seine Wanderung durchs Gebirge beginnt. Er wird als ruheloser Wanderer (,,es drängte in ihm, er suchte nach etwas, wie nach verlorenen Träumen") dargestellt, der trotz allen Suchens keine Zufriedenheit finden kann.

Die Welt um sich herum nimmt er als begrenzten Ausschnitt eines großen Ganzen wahr, in der sich die Gegenstände zu Gestalten verformen und der vom Nebel manchmal zusammengedrängt, manchmal unendlich groß ist. Lenz empfindet: ,,Es war, als ginge ihm was nach, und als müsse ihn was Entsetzliches erreichen, etwas das Menschen nicht ertragen können, als jage der Wahnsinn auf Rossen hinter ihm". Seine Wahrnehmungen von Raum und Zeit scheinen völlig durcheinander zu sein: ,,Er begr[eift] nicht, dass er so viel Zeit braucht[], um einen Abhang hinunter zu klimmen, einen fernen Punkt zu erreichen; er meint[], er müsse alles mit ein paar Schritten ausmessen können".

Seine zeitliche Verwirrung kann man auch daraus deuten, dass manchmal Handlungen oder Gedanken, die nur Sekunden lang sind, über mehrere Absätze beschrieben werden, andererseits lange Handlungen, die eigentlich viel bedeutender sind, in einem Satz zusammengefasst sind Außerdem ist es ,,ihm manchmal unangenehm, dass er nicht auf dem Kopf gehen" kann. In seinem Kopf spielen sich irreale Ideen und Vorstellungen in den Vordergrund, er merkt nicht, dass er sich der Realität anpassen muss.

Die Denkstörungen findet man zum Beispiel an der Textstelle, wo Lenz versucht, das tote Kind wiederzubeleben. Er fordert es mit den Worten: ,,Stehe auf und wandle!" zum Gehen auf und begreift dabei gar nicht, dass es ihm nicht möglich ist, Tote zu erwecken. Auch für die Persevation gibt es viele Beispiele: ,,War er allein oder las er, war's noch ärger, all seine geistige Tätigkeit blieb manchmal in einem Gedanken hängen".

Die dritte Form der Schizophrenie, die affektiven Störungen, lassen sich zum Beispiel dort nachweisen, wo Lenz sich auspeitschen lassen will, weil er angeblich ein Mörder sei (dies und das tote Mädchen, das er zu erwecken versucht, sind übrigens mit großer Wahrscheinlichkeit Anspielungen auf Cornelie): ,,Er reichte Oberlin die Gerten mit dem Begehren, er solle ihn damit schlagen." Er kommt plötzlich auf den Gedanken, ein Mörder zu sein, und überreagiert sofort. Kurz darauf liegt er apathisch in seinem Bett und fühlt nur noch Langeweile: ,,Sehen Sie, die Langeweile! die Langeweile! o! so langweilig, ich weiß gar nicht mehr, was ich sagen soll, ich habe schon alle Figuren an die Wand gezeichnet!" Hier zeigt sich, dass in seinem Kopf der Gedanke der Langeweile alle anderen Gedanken verdrängt, er ist das einzige, was Lenz in dem Moment empfinden kann.

Auch die Begleit- und Folgeerscheinungen finden sich überall in der Lenz-Figur wieder. Er führt häufig Selbstgespräche: ,,Wenn er allein war, war es ihm so einsam, dass er ständig laut mit sich redete, rief, und dann erschrak er wieder und es war ihm, als hätte eine fremde Stimme mit ihm gesprochen."

Seine Sprachverwirrtheit zeigt sich zum Beispiel hier: ,,Im Gespräch stockte er oft, eine unbeschreibliche Angst befiel ihn, er hatte das Ende seines Satzes verloren; dann meinte er, er müsse das zuletzt gesprochene Wort behalten und immer sprechen, nur mit großer Anstrengung unterdrückte er dieses Gelüste".

Außerdem unternimmt er häufig Selbstmordversuche (Sprung in den Brunnen, aus dem Fenster etc.).

Lenzs Aufenthalt in Waldbach spiegelt seine innere Zerrissenheit und Aufgewühltheit. Er bemüht sich, eine dauerhafte innere Stabilität zu erreichen, aber all seine Versuche scheitern an Zufällen, die ihn wieder aus der Bahn werfen, zum Beispiel Oberlins Abreise, als Lenz gerade so gut mit ihm zusammengearbeitet hatte. Als Lenz sich bei der Familie Oberlin wohlfühlt, werden die Anzeichen seiner Schizophrenie weniger, das geregelte Leben tut ihm gut, er fühlt sich gebraucht. Als jedoch der Freund seines Vaters ihm die Botschaft überbringt, dass er zurückkehren solle, wird die Krankheit wieder schlimmer, daraus könnte man schließen, dass sie etwas zu tun hat mit seinem Vater (siehe Biographie Lenz). Während der nun folgenden Zeit in Waldbach wird er aufgrund seiner Krankheit immer unberechenbarer. Unwichtige Dinge bringen ihm den Himmel scheinbar näher (vgl. die Übernachtung im Nachbardorf), während er an wichtigen, großen Dingen wie Gott zweifelt. Auch seine Stimmungsschwankungen treten immer häufiger und heftiger auf. Mal liegt er ,,ruhig und unbeweglich" gelangweilt im Bett, mal stürzt er sich aus dem Fenster und verrenkt sich dabei den Arm. Es gipfelt in dem letzten verzweifelten Versuch, der Welt durch Selbstmord zu entkommen.

Als Lenz wieder in Strassburg ist, hören die Schwankungen auf, er ergibt sich in seine Lage. Alles ist ihm ,,gleichgültig", und ,,sein Dasein" ist ihm ,,eine notwendige Last".

Die Erzählperspektive

Die Novelle wird von einem auktorialen Erzähler erzählt, der alles weiß und die Gedanken und Gefühle aller Personen durchschaut und bewerten kann.

Er benutzt drei verschiedene Arten, die Gebirgswanderung und den Aufenthalt in Waldbach zu beschreiben.

Zum einen verwendet er die nüchterne Form des Berichts (,,Den 20. Jänner ging Lenz durchs Gebirg"). Hierbei beschreibt er keinerlei Gefühle, nur ganz sachlich die Aktionen von Lenz. (,,Er ging durch das Dorf").

Andererseits wechselt er oft sehr plötzlich von einem Satz zum anderen in die erlebte Rede: ,,Es war ihm alles so klein, so nahe, so nass, er hätte die Welt hinter den Ofen setzen mögen". Durch diese personenbezogene Erzählweise kann sich der Leser die Gedanken und Gefühle von Lenz sehr gut vorstellen (jedoch nicht nachvollziehen, da Lenz, wie gesagt, anders denkt). Daran, dass diese beiden Erzählformen oft und schnell hin- und herwechseln erkennt man die Gefühls- und Stimmungsschwankungen von Lenz, der im einen Moment völlig klar und sachlich denken kann, im nächsten jedoch von einem Gedanken völlig eingenommen ist.

Die dritte Erzählform ist die personale Erzählweise, die hauptsächlich in Gesprächen (z.B. mit Oberlin) verwendet wird. Hierbei stimmen Erzählzeit und tatsächliche Zeit überein.

Die Sprache

Die von Georg Büchner verwendete Sprache ist meistens kühl, distanziert und beinahe wissenschaftlich angehaucht.

Oft kommen Ausdrücke wie ,,kalt", ,,leer", ,,allein", ,,finster" usw. vor. Sie beschreiben, wie Lenz seine Umwelt wahrnimmt: Er fühlt sich nirgends wohl, misstraut allem und fühlt sich unverstanden, zusätzlich ist er dadurch verwirrt, dass er sich selber nicht versteht. Dies wird deutlich durch die häufige Benutzung des Wortes ,,es" (zum Beispiel: ,,es drängte in ihm", und ,,da trieb es ihn wieder mit unendlicher Gewalt darauf". Die Sprache verschlüsselt viele Empfindungen Lenzs, sie wirkt wie eine Verschleierung der Wirklichkeit (genau so nimmt Lenz seine Umwelt ja wahr).

Auffällig sind auch die kurzen und manchmal sogar unvollständigen Sätze (zum Beispiel fehlt häufig das Verb). Dies kann man darauf beziehen, dass Büchner dem Leser Lenzs geistige Verwirrung noch deutlicher vor Augen führen möchte. (,,Im Gespräch stockte er oft, eine unbeschreibliche Angst befiel ihn, er hatte das Ende seines Satzes verloren, dann meinte er, er müsse das zuletzt gesprochene Wort behalten und immer sprechen").

Die Nebenpersonen

Eine Auffälligkeit ist die Art, wie die Nebenpersonen (Oberlin etc.) dargestellt werden. Sie erscheinen ausschließlich am Rande und bekommen ihre Gestalt für den Leser nur durch die Beschreibung von Lenz, wie er sie wahrnimmt. Aufgrund seiner Schizophrenie nimmt er jedoch die Dinge ganz anders wahr, dadurch verschwimmen ihre Charaktere. Oft werden sie so beschrieben, dass sie gar nicht mehr wie ein Individuum wirken, sondern fast schon wie ein Klischee. Zum Beispiel wird, als Lenz Oberlin eines Tages erzählt, dass ihm im Traum seine Mutter erschienen ist, die Mutter fast wie ein Engel dargestellt: ,,[S]ie sei in einem weißen Kleid aus der dunklen Kirchenmauer getreten und habe eine weiße und eine rote Rose an der Brust stecken gehabt; sie sei dann in eine Ecke gesunken, und die Rosen seien langsam über sie gewachsen[...].". Ein weiteres Beispiel ist die Beschreibung einer alten Frau, bei der Lenz eine Nacht wohnt: Sie singt die ganze Nacht über aus dem Gesangbuch, ist halb taub und benimmt sich sehr merkwürdig, dem Leser erscheint sie dadurch fast wie eine Hexe.

Das Kunstgespräch

An einer ziemlich zentralen Stelle im Drama, nämlich ziemlich in der Mitte, hat Lenz ein Gespräch mit Kaufmann, dem Freund seines Vaters, das sich schnell zu einem Monolog von Lenz entwickelt. Es geht dabei um Lenzs Einstellung zu Kunst und Literatur.

Kaufmann ist ein Anhänger der ,,der idealistischen Periode". Diese Einstellung kann Lenz nicht verstehen, denn dies sei ,,die schmählichste Verachtung der menschlichen Natur". Ihm ist der Dichter am liebsten, der die Natur ausschließlich so, wie sie ist, wiedergibt. Kunst muss für ihn lebensnah sein. Mit dieser Einstellung kann man ihn als Realisten bezeichnen. Daran, dass das Gespräch über Kunst und Literatur an der zentralen Stelle des Dramas steht und an der Tatsache, dass dieses Gespräch so ausführlich wie kein anderes Gespräch geschildert wird, erkennt man, wie wichtig diese Textstelle für Büchner ist: Hier werden die Zweifel deutlich, die Büchner gegenüber der Figur des Lenz hegt. (,,Die Chancen einer realistischen Lebens-Kunst, wie sie Lenz im Kunstgespräch propagiert (und denen Büchner ohne Frage selbst nahe stand), werden durch den Gesamttext in Zweifel gezogen - der Mensch, so wird an Lenz verdeutlicht, ist nicht in der Lage, selbständig und unveränderlich die ganze große Maschine in Gang zu halten, sondern ist selbst Teil der gesellschaftlichen Maschinerie, die den Individuen ihren Rhythmus aufzwingt", Oldenbourg-Interpretationen S. 69).

Die Deutung

Das Thema der Novelle ist die menschliche Urangst, die hier in Form einer Geisteskrankheit dargestellt wird. Es geht um die Grundfrage Georg Büchners: ,,Wie kann ein liebender Gott die Menschen leidend erschaffen?"

,,Lenz" ist die erste Novelle der Weltliteratur, die Geisteskrankheit nicht als etwas Negatives zur Schau stellt. Früher wurde Schizophrenie gleichgesetzt mit dem allgemeinen Irresein, auf die Menschen, die ja auch immer noch Gedanken und Gefühle haben, die zwar etwas abweichen vom Normalfall, aber trotzdem für diese Menschen normal und logisch sind, wurde gar nicht eingegangen.

Büchner gelang die Schilderung der Schizophrenie erstaunlich gut. Dies ist einerseits darauf zurückzuführen, dass er selbst Medizin und Anatomie studierte, andererseits hat er in der Novelle auch seine eigenen Krankheitserfahrungen (er war oft depressiv) mit verarbeitet. Durch die Novelle wird dem Leser die Geisteskrankheit näher vor Augen geführt. Dadurch, dass einen Großteil der Zeit nur aus der Perspektive von Lenz geschrieben ist, wie er die Sachen sieht und warum, kann der Leser gar nicht anders, als die Gefühle des Kranken mitzufühlen und seine noch so abwegigen Gedanken mitzudenken. Er kann sie zwar nicht verstehen, weil sie für ihn unverständlich sind, aber er erfährt, wie Lenz darauf kommt. Auch durch die einfache, fast kindliche Sprache wird die Schizophrenie deutlich gezeigt. Er bemerkt die Kommunikationsschwierigkeiten, die Lenz hat (z.B. am lückenhaften Syntax) und ärgert sich manchmal mit Lenz zusammen über die Leute, die ihn und seine Gefühle nicht verstehen.

Büchner beschreibt die Leidensgeschichte des Wahnsinnigen, dessen Wahnsinn durch das Unverständnis der Gesellschaft noch verstärkt wird und der sich letztendlich sogar vor sich selbst fürchtet.

Meine Quellen

- Hamburger Leseheft Nr. 161: ,,Lenz / Hessischer Landbote" mit Anhang

- Unterrichtsmaterialien Deutsch Stark-Verlag: Georg Büchner: Lenz (Hans-Peter Gärditz)

- Oldenbourg-Interpretationen Georg Büchner: ,,Lenz. Eine Erzählung" (Andreas Erb)

- Internet:

www.xlibris.de/Autoren/Buechner/BKurzin/Buelen01.htm schiller.germanistik.uni-sb.de/buechner/lenz/ -2k

http://www.uni-marburg.de/fgb/welcome.html

http://www.xlibris.de/Autoren/Buechner/Buechner.htm

Details

Seiten
9
Jahr
2000
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v101396
Note
Schlagworte
Büchner Georg Lenz

Autor

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Titel: Büchner, Georg   -   Lenz