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Werteentwicklung in der Adoleszenz

Seminararbeit 2001 22 Seiten

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe

1. - Jugend 2000 - (13. Shell Studie)

Die Gesellschaft leidet an den Jugendlichen und jungen Erwachsenen, weil die natürlich schuld sind am „Moral- Desaster“: Sie schaden der Gesellschaft als „Konsumkids“, „Spassversessene“, „bindungslose Hedonisten“, ,,Cyber- Junkies“ mit Hang zu „Egoismus“ und „virtuellem Umherschweifen“, „Gewaltbereitschaft“, „politischem Desinteresse“, „Institutionenflucht“, und was es sonst an Schlagwörtern für die vermeintlichen Begleiterscheinungen von Individualisierung und Mediatisierung zu verwursten gibt.

Oder die Gesellschaft leidet mit den „gehetzten“ „heimatlosen“ „Einzelkämpfern“, weil sie arm dran sind, ausgesetzt den sozialen Auswirkungen unserer modernen Daseinsweise am „Ende der Moral“: schulischer Leistungsdruck und dennoch vielleicht später Chancenlosigkeit; Nebenjobs, um dem alltäglichen Konsumdruck standzuhalten, um in Outfit und medialer Ausstattung dazuzugehören, Fettleibigkeit, motorische Verkümmerung und seelische Vereinsamung in obligaten Fernseh- und Computerstunden, verworrene Familienverhältnisse, mehrfache Wohnortwechsel, Versorgungslücke und was es sonst an psychosozialen und ökonomischen Verunsicherungen zu meistern gilt.

(Shell Jugendstudie: Jugend 2000 – Moderne Orientierungsmuster: Inflation am „Wertehimmel“, Seite 95, hrsg. v. Jugendwerk der Deutschen Shell. Opladen 2000)

„Die empirischen Versuche der letzten Dekade, eingeschlossen die der Shell Jungendstudien, Wertestrukturen zu erfassen und abzubilden, sind folgerichtig gescheitert.“

Die Gründe dafür sind immer schneller wachsende soziale Kontexte, in denen Zugehörigkeiten und Konturen verschwimmen und die Unsinnigkeit überdauernder Zuordnungen, welche stetig wachsen.

Wie aber sieht der neue Kompass für den persönlichen Wertekosmos aus ?

Werte sind Vorräte an gesellschaftlich und persönlich Wünschbarem, potenzielle Orientierungsmuster. Sie sind keine konkreten Handlungsvorgaben, keine Normen,

sie sind nicht einklagbar. Werte sind individuelle Vorstellungen davon, was erstrebenswert sei und damit allgemeine Anhaltspunkte, an denen sich menschliches Verhalten orientieren kann, an denen es sich, um verständlich zu bleiben, aber nicht notwendig orientieren muss.

Die acht Wertedimensionen, die in der Studie aufgestellt wurden:

Wertedimension 1 - Autonomie – Kreativität und Konfliktfähigkeit Wertedimension 2 - Menschlichkeit – Toleranz und Hilfsbereitschaft Wertedimension 3 - Selbstmanagement – Disziplin und Einordnungsvermögen Wertedimension 4 - Attraktivität – gutes Aussehen und materieller Erfolg Wertedimension 5 - Modernität – Teilhabe an Politik und technischem Fortschritt Wertedimension 6 - Authentizität – persönliche Denk- und Handlungsfreiheit Wertedimension 7 - Familienorientierung – Partner, Heim und Kinder Wertedimension 8 - Berufsorientierung – gute Ausbildung und interessanter Job

Im Ergebnis zur Untersuchung dieser aufgestellten Dimensionen ist zu sagen, dass das Mass der Bildung der Jugendlichen eine entscheidende Rolle in der Zustimmung zu diesen Wertedimensionen darstellt. So stimmen Jugendliche mit mittlerem und hohem Bildungsniveau meistens stärker zu.

Lediglich in der Dimension SELBSTMANAGEMENT zeigt sich ein deutlich entgegengesetzter Bildungseffekt, d.h. den Gebildeten ist diese Wertedimension unwichtiger.

2. Individuen in Beziehungen: kulturelle Werte, soziale Interaktionen von Kindern, und die Entwicklung eines amerikanisch – individualistischen Selbst (Catherine Raeff)

Individualismus und Kollektivismus sind als multidimensional- kulturelles Wertesystem zu betrachten, welches Unabhängigkeit und gegenseitige Abhängigkeit einschließt. In westlichen Kulturen, fokussieren sich die Untersuchungen von Werten typischerweise auf Unabhängigkeit und individuelle Rechte. Es gibt zwei Wertesysteme über die Natur der menschlichen Existenz.

Kurze historische Überblicke und der Rückblick auf einige Untersuchungen zur Kindes- Entwicklung weisen darauf hin, dass gegenseitige Abhängigkeit in der amerikanischen Gesellschaft schon immer eine Art Tradition war.

Unabhängigkeit ist das primäre Ziel in der Amerikanischen Selbst- Entwicklung.

Durch interpersonelle Interaktionen haben Kinder die Möglichkeiten, an kulturellen Verhaltensweisen teilzunehmen und aktiv daran mitzugestalten.

Kinder konstruieren ein Selbst durch die Teilnahme an Interaktionen, welches dem der Eltern bezüglich der Wertekultur über die Natur der menschlichen Existenz entspricht. Um sozial und kulturell gebildet zu sein, bedarf es der Selbst- Entwicklung. Soziale Interaktionen und kulturelle Praktiken geben den menschlichen Fähigkeiten eine Struktur. Die Selbst- Entwicklung findet sich im gesamten Lauf der Ontogenese wieder, wobei Unabhängigkeit und gegenseitige Abhängigkeit als eine Art menschliche Gabe betrachtet werden (e.g., Blatt amp; Blass, 1996; Ende amp; Buchsbaum, 1990).

Mittlerweile ist weithin bekannt, dass bereits Säuglinge, die gerade zur Welt gekommen sind, bereit sind, aktive Partner in sozialen Interaktionen und interpersonellen Beziehungen zu sein. Säuglinge, als ein vereinheitlichtes biologisches System, sind zu physiologischer Selbst- Regulation fähig. Durch wahrnehmende und propriozeptive Aktivitäten sind Säuglinge in der Lage, Informationen über sich selbst zu organisieren (e.g., Stern, 1985). Neugeborene können unterscheiden zwischen ihren eigenen Schreien und denen anderer Säuglinge (Butterworth, 1990). Die Lebhaftigkeit von Säuglingen kann als eine frühe Form von Individualität betrachtet werden, welche die distinktive Organisation und Konstruktion von Erfahrungen erleichtert.

(Raeff, Catherine (1997). Individuals in Relationships: Cultural Values, Children’s Social Interactions, and the Development of an American Individualistic Self. Developmental Review, 17, 205 – 238.)

2.1 Kurzer geschichtlicher Rückblick

Schon während der revolutionären und frühen republikanischen Periode wurden Kinder als einzigartige Wesen mit individuellen Bedürfnissen und Zielen betrachtet (Demos, 1986; Mintz amp; Kellogg, 1988). Das Füttern von Säuglingen richtete sich nach deren Vorlieben und im Alter von ca. 10 und 15 Monaten saßen sie mit am Essenstisch (Sunley, 1955).

Rousseaus Ansichten über die essentielle Unschuld von Kindern fanden sich in den Praktiken der Kindeserziehung wieder (eigene Entscheidungsfreiheit ...).

Gegen Ende des 19. Jh. taucht Adoleszenz als distinkte Lebensphase, die Kindern mehr Freiheit zugesteht, um ihre individuellen Ziele zu verfolgen, auf.

In jüngeren Analysen zur Kindesentwicklung liegt der Brennpunkt auf dem öffentlichen Leben in den USA und in der Einigkeit, dass die Entwicklung eher unanhängigkeitsorientiert ist.

3. Age and Gender Differences in Value Orientation Among American Adolescents

(Kimberly Badger, Rebecca Simpson Craft, and Larry Jensen)

Diese Studie untersucht die Entwicklung der Werteorientierung in vier Altersgruppen mit insgesamt 1247 Schülern im Alter von 6, 8, 10, 12 Jahren. Sie erhielten einen Fragebogen mit 14 Wortpaaren bzw. Wortverbindungen. Das Ziel der Untersuchung war die Messung von bevorzugten, persönlichen Werten in Anbetracht der Geschlechterunterschiede, der Altersstufen und vier geographischen Regionen (Louisiana, New York, Idaho, California).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieser Übersicht kann man entnehmen, dass sich bei 12 der 14 Wortpaare ein signifikanter Geschlechterunterschied herausstellt. Mädchen bevorzugen demzufolge

eher „Caring Items“. Eine signifikante Interaktion bezüglich Geschlecht und Alter besteht für „logic versus intuition“ in anbetracht der Altersgruppen acht und zehn Jahre. Gleiches gilt für das Wortpaar „consistency versus forgiveness“, jedoch für die Altersgruppen zehn und zwölf Jahre der Mädchen.

Eine signifikante Interaktion bezüglich Geschlecht und Region besteht für „justice versus mercy“. In Region 4 (Kalifornien) entschieden sich im Gegensatz zu den anderen drei Regionen mehr Jungs für das „caring item“. Eine zweite signifikante Interaktion bezüglich Geschlecht und Region besteht für „success versus friends“, betrachtet man Jungs im Alter zwischen Zehn und Zwölf.

(Kimberly Badger, Rebecca Simpson Craft, and Larry Jensen (1998). Age and Gender Differences in Value Orientation Among American Adolescents. Adolescence, 33, 131, 591 –596.)

Details

Seiten
22
Jahr
2001
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v101294
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
Schlagworte
Werteentwicklung Adoleszenz Seminar Entwicklung Kognitionen

Autor

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Titel: Werteentwicklung in der Adoleszenz