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minimal-music Phillip Glass

Referat / Aufsatz (Schule) 2000 4 Seiten

Musikwissenschaft

Leseprobe

Einleitung:

Mein Thema ist Philipp Glass und die minmal-music.

Im ersten Teil werde ich die minimal-music vorstellen und eine kurze Definition geben.

Dann beschäftige ich mit einem Ausschnitt aus der Oper "Einstein on the beach" von Philipp Glass, dazu werde ich das Stück "kneeplay 1" genauer analysieren.

Am Anschluss stelle ich Glass' Schaffensästhetik dar und seine Umsetzung im Werk. Mein persönliches Fazit werde ich am Schluss darstellen.

1. Die minimal-musik ist ein in den Sechziger Jahren in den USA enstandendes Kompositionsverfahren, das auf der variativen Wiederholung kurzer und einfacher musikalischer Struktur und Formteilen beruht.

Die Hauptvertreter dieser Richtung sind La Monte Young, Terry Riley, Steve Reich und Philipp Glass.

La Monte Young hat sich zeitlich am frühesten mit der minimal-music beschäftigt, doch werden alle vier als die "father of minimalismen" bezeichnet.

Die wichtigsten Einflüsse der minimal-musik kamen vom Free Jazz, aus der indischen Musik sowie der balinesischen Gamelan Musik und aus der afrikanischen Trommeltradition. Sowohl Glass als auch Reich haben in Indien und in Afrika die dortige Musik studiert.

Die minimal-music entwickelte sich parallel zur Op-Art. So fanden die Konzerte sowohl von Glass als auch von Reich in den sechziger Jahren überwiegend in Kunstgalerien und Museen statt. ( Die ersten Konzerte von Reich in New York finden 1966 und 1967 in der Park Pallace Gallery statt, wo zu dieser Zeit Minimalistische Künstler ausstellen.)

Inhaltliche Gemeinsamkeiten der minimal-music und der op-art bestehen in der Präzision und in der stetigen Wiederholung von einfachen Mustern. Es gibt auch Korrespondenzen in der Rezeption, d.h. die psychischen Auswirkungen der Musik auf den Hörer weisen Ähnlichkeiten auf mit den Reaktionen beim betrachten einen Op-Art Kunstwerkes auf.

Charakteristisch Merkmale der minimal-music:

- Repetitionen von Themen und Harmonien
- Variationen
- Oft meditativer Charakter der Stücke
- Beschränkungen in der Ebene des Ton- bzw. Notenmaterials
- Präzision
- Oft lange Dauer der Stücke ( zeitliche Entgrenzung)
- (Aufwandsminimalismus)

Ein sehr einfaches Beispiel für ein minimalistisches Stück ist das Stück "One+One" von Steve Glass von 1968. Das Stück basiert auf zwei rhythmischen Grundmotiven:

Diese sollen vom Musiker, mit Fingern und Knöcheln auf einer Tischplatte in einem schnellem Tempo geklopft, kombiniert werden. Die Tischplatte wird mittels Mikrofon und Lautsprecher verstärkt, die Dauer wird dem Aufführenden überlassen. Bei diesem Stück treffen nun alle Kriterien der minimal-musc in einfacher Weise zu.

2. Die Oper "Einstein on the beach" ist ein gemeinsames Werk von Philipp Glass und Robert Wilson, komponiert im Jahre 1976.

Sie entstand ohne Libretto im klassischen Sinne. Zu Beginn legten Wilson und Glass das Thema und die Einteilung in vier Akte und neun Szenen fest. Die Endfassung entwickelten sie erst während der Proben.

Die Oper erzählt keine Geschichte, sie versucht nicht Einsteins Leben, wie es in einem Geschichtsbuch stehen würde, darzustellen.

Die Oper soll die sich im Unterbewusstsein des Zuschauers befindlichen Erinnerungen wecken.

Die Oper enthält drei Basisbilder: Zug - Gericht - Feld mit Raumschiff.

Der Zug verdeutlicht den technischen Fortschritt, der voratomaren Gesellschaft. Das Feld knüpft an die Feldtheorie an. Das Raumschiff verkörpert als utopisches Moment zukünftige Entwicklungen. Das Gericht lässt den Assoziationen des Publikums freien Lauf. Glass fügt diesen Szenenbilder korrespondierende musikalische Strukturen zu. Seine Musik führt das Publikum durch die surrealistischen Bilder Wilsons. Neben Musik und Bildern spielen noch Licht und Tanz eine große Rolle. Die Besetzung besteht aus vier Hauptakteuren, 12 Sängern, einen Soloviolisten und dem elektrisch verstärkten Ensemble aus Keyboards, Bläsern und Stimmen.

Analyse des Kneeplay 1

Die Kneeplays haben eine ein- und ausleitende Funktion Das Kneeplay 1 steht vor dem 1. Akt. Die Besetzung dieses Stückes besteht aus elektrischer Orgel und Chor. Es ist ein atonales Stück.

Die Orgel beginnt mit drei Tönen "A" ," G " und " C", die lange angehalten werden.

Der Hörer erkennt noch kein Metrum, es gibt keine Anhaltspunkte dafür.

Dieses Grundschema der Orgel, wird durch das gesamte Stück hindurch beibehalten. Die Wirkung dieses Anfangs ist meditativ, schwebend und zeitlos.

Nach dem ersten Durchlauf dieses Grundschemas, setzt ein Chor ein. Der Chor singt in der, von der Orgel vorgegebenen Tonhöhen, aber er singt in einen eigenen Rhythmus. Die Orgel spielt ganze Noten und hält sie über die jeweilige Taktlänge aus. Der Chor singt jeweils kurze Viertelnoten, er nummeriert jeden Takt durch und singt diese Ziffern als Text. Jeder Takt hat seine eigene Zeile. das heißt in jeder Zeile beginnt ein neuer Takt und er beginnt bei der Zahl "1"

So geben die Zahlen einer Zeile die Taktlänge an. Beispiel: singt der Chor 1,2,3,4 handelt es sich um einen 4/4 Takt. Dadurch ist Taktlänge leicht zu verfolgen.. Diese variiert: Der erste Takt beinhaltet 4 Schläge, der nächste 6 und der darauf folgende 8. Dieses Grundschema wird das ganze Stück durch beibehalten.

Der Einsatz des Chores variiert. Meistens beginnt er mit der Zählzeit "1"!, in manchen Zeilen aber erst bei der Zählzeit "2". In diesen Takten wurde die "1" durch eine Pause ersetzt.

Dieses führt zu einer Rhythmusveränderung, die dem Stück eine interessante Struktur gibt.

Im Takt 28 setzt eine Frauenstimme ein.. Sie spricht in Englisch. Man versteht Satzfragmente wie: "And theses are the days my friend" "for we get some wind for the sail" "it could be a ballon".

Der Text wird im Verlauf des Stückes neunmal hintereinander wiederholt. Da dieser Text nicht genau auf eine Taktlänge abgestimmt ist , verschiebt sich der Text mit jeder Wiederholung. Dieses führt wiederum zu einer minimalem Veränderung des Rhythmus.

Drei Takte später, im Takt 31, setzt der zweite Chor ein. Er singt die langanhangehalten Töne der Orgel mit. So entsteht ein sehr komplexes Klangbild.

Der Aufbau des Stückes läßt sich mit diesem Schema darstellen:

Der rhythmische Aufbau des Stückes ist hauptsächlich charakterisiert durch seine einfachen Strukturen. Dadurch das der Chor die Taktlängen mitzählt , sind sie für den Hörer von der Transparenz die Philipp Glass für Musikstücke fordert:

"Er sucht den Vorsprung, den der Tonschöpfer über Kenntnis und Struktur des eigenen Werkes dem Hörer voraus hat, möglichst zu egalisieren."

Die Harmonie des Stückes beschränkt sich auf drei Akkorde, die ständig wiederholt werden. Durch die einfache Struktur und dem rhythmischen Gleichmaß der gesprochenen Viertelnoten erreicht er eine statische Harmonik, die sehr typisch für seine späteren Werke ist.

Auf der inhaltlichen Ebene lässt sich das Stück wie eine Einführung in Einsteins Welt auffassen. Einsteins Welt war eine Welt der Zahlen und Formeln. Der Chorgesang, der ein sehr prägendes Element in diesem Stück ist, erreicht diese Wirkung mit seinem sich ständig wiederholenden Ziffern. Man hat das Gefühl, in eine Welt der Mathematik hineinzugeraten.

Dadurch, dass das gesamte Stück nur minimalste Veränderungen enthält, bekommt jede Veränderung ein riesiges Gewicht. Alles wirkt berechnet und der Zufall scheint in diesem Stück fehl am Platze zu sein. Auch scheint sich das Individuum in dieser Welt der Zahlen aufzulösen. Die Stimmen der Menschen werden ein Teil des Systems. Der Inhalt der Geschichte, den die einzelne Frauenstimme erzählt scheint keine Bedeutung zu haben. Da man nicht jedes Wort verstehen kann, gibt es keinen zusammenhängenden Inhalt und somit lässt der Text viel Raum für eigene Assoziationen. So erfüllt das Stück gerade hier die Glassche Forderung nach aktiv partizipierender Rezeption. Von Bedeutung sind also nicht Inhalt oder Programm des Stückes, sondern die subjektive, sich im Betrachter ergebene Ebene.

Auf mich wirken die gesamten Repetitionen in dem Stück in irgend einer Weise bedrohlich. Es ist ein unaufhörliches Fortschreiten. Auch die Wissenschaft schreitet unaufhörlich vor. Und das bereitet auch manchmal Angst. Angst vor der Zukunft und den Erfindungen, die noch kommen werden. In dem Aufbau des Stückes könnte man auch die stetige Weiterentwicklung der Wissenschaft sehen. Vielleicht symbolisiert die ständige Hinzunahme neuer Stimmmen und die wachsende Fülle des Klangbildes den immer größeren Einfluss den die Wissenschaft und Technik in unserem Leben einnimmt.

2. Die Ästhetik, der Glass sich verschrieben hat, ist typisch für minimalistische Konzepte. Die Struktur der Musik ist für den Hörer durchschaubar sein. Er ordnet den Aufbau der Wirkung unter . Seiner Meinung nach sind Technik und Methode nur Mittel zum Zweck. Die Wirkung der Musik auf den Hörer stehen für Glass im Mittelpunkt. Er meint daß die Hörer einen Schritt hinter dem Tonschöpfer stehen.

Er möchte den Vorsprung den er als Komponist hat möglichst ausgleichen. Für ihn ist die Struktur nur ein beigeordneter Faktor. Die Wirkung steht im Mittelpunkt. Obwohl Glass den additiven Prozeß geprägt hat, verstand er diesen nie als übergeordnetes Konstruktionsprinzip, sondern als Mittel um einen bestimmten akustischen Effekt zu erreichen. Der additative Prozess lässt sich besonders gut beim Kneeplay 4 beobachten. Hier wird ein bestimmtes Motiv 3 oder 4 mal wiederholt, dem dann ein anderes mit variiertem Rhythmus und Tonmaterial folgt. Die Hintereianderreihung von Motiven wirkt hier, wie die einer Additionsaufgabe.

Neben der Wirkung steht die Loslösung von traditionellen Hörgewohnheiten an erster Stelle. Glass seiht seine Musik aus dem gewohnten Zusammenhang des Zeitbegriffs herausgelöst, dies wird speziell durch die Länge der Stücke und deren meditativen Charakter erreicht.

Auch die traditionellen Rezeptionskategorien will Glass nicht auf seine Musik angewendet sehen. Ausgangspunkt für die Abweichende Betrachtungsweise ist für den Komponisten die scheinbare Ereignislosigkeit der Stücke.

Er meint wenn in seiner Oper im herkömmlichen Sinne "nichts" passiert, dann "instead, the gradual acretion of musical material can and does serve as the basis of the listener's attention, than he can perhaps discover another mode of listening - one in which neither memory nor anticipation (...) have place in sustaining the texture, quality or reality of the musical experience. It is hoped that one would be able to perceive the music as a dramatic stucture, pure medium "of sound". (s. 93)

Wie im gesamten Entstehungsproess auch hier die assoziative Ebene eine wichtige Rolle. Wilson und Glass bringen ihre persönlichen Gedanken und Gefühle in den Kompositonsvorgang mit .

Damit soll auch der Haltung des Hörers entsprochen werden, der im Idealfall ebenfalls seine individuelle Erfahrungsebene in die Rezeption einfließen lassen soll.

Fazit: Meiner Meinung nach ist Phillip Glass die Umsetzung seiner Schaffensästhetik sehr gut gelungen. Die Struktur ist einfach und durchschaubar. Die Musik lässt sich schon beim ersten Hören in allen ihren Komponenten erfassen. Auch die Wirkung, die dass Kneeplay 1 besitzt, ist beeindruckend. Für mich erfüllt das Kneeplay 1 alle Forderungen, die Glass an seine Musik stellt.

Glass selbst hält die Oper "Einstein on the beach" für den Beginn eines neuen Zeitalters der Oper und durch den Formenreichtum und die Verbindung von Tanz, Bild , Musik und Wort eher für das Ende des Minimalismus als für ein minimalistisches Stück im engeren Sinne.

Details

Seiten
4
Jahr
2000
Dateigröße
329 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v101189
Note
Schlagworte
minimal music / Phillip Glass / Einstein on the beach / Kneeplay one

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Titel: minimal-music Phillip Glass