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Der Massentourismus in den Alpen und seine Auswirkungen

Facharbeit (Schule) 2001 19 Seiten

Tourismus - Sonstiges

Leseprobe

Der Massentourismus in den Alpen und seine Auswirkungen

A. EINLEITUNG:

Die Alpen liegen im Zentrum Europas und sind eines der größten Tourismusgebiete der Welt. 12% aller Auslandsreisen der Europäer gehen dorthin, das entspricht ungefähr 50 Millionen Urlauber jährlich1. Die tourismusintensivsten Gebiete in den Alpen sind Vorarlberg ,Tirol und Salzburg inösterreich, das südliche bayerische Alpengebiet und große Teile der Schweiz. Die Urlauber und Ausflügler zieht es sowohl im Sommer als auch im Winter in dieses Gebirge.

Im Winter sind es fast ausschließlich Skitouristen, die die Pisten und Loipen nutzen. Im Sommer ist das Angebot vielfältiger. Viele Leute kommen zum Wandern und Motorfliegen, Rad fahren oder sie treiben Extremsportarten, klettern und besteigen Berge, andere wollen sich einfach nur vom städtischen Alltagsstress in der ländlichen Gegend erholen.

Die Kapazität der Gästebetten im Alpenraum liegt bei etwa 5 Millionen. Es werden jährlich ungefähr 400-500 Millionen Übernachtungen getätigt2. Dabei hatösterreich die meisten Touristen zu verbuchen. Im Jahr 1996 betrug die Zahl an Besuchern 16,6 Millionen, was die zwölftbeste Quote weltweit bedeutete3. Kitzbühel hatte im Winter 1999/2000 550.598 Übernachtungen zu verzeichnen. Im Sommer 2000 waren es 400.7484. Besonders bei den Deutschen sind die Alpen noch immer beliebtestes Reiseziel. Durch die geographische Nähe ist die Anreisezeit relativ gering und mit den heutigen vielseitigen Angeboten ist der Preis für einen Kurzurlaub auch bezahlbar. Zu den 10 größten Skigebieten inösterreich gehört der Stubai-Gletscher (Tirol). Hier besuchten zwischen Weihnachten und 6.1.2001 zirka 6000- 8000 Skifahrer diese Region. In der nicht-weihnachtlichen Zeit ist diese Zahl geringer5. In Silvretta (Vorarlberg) befuhren im Dezember täglich im Schnitt 8370 Skifahrer die Piste6.

Diese für die Veranstalter und Betreiber befriedigenden Statistiken werden durch die Beliebtheit des alpinen Skisports erreicht. Service, Verkehrsanbindung, neue Investitionen (z.B. ,,Funparks" mit Halfpipe, sichere Aufstiegshilfen), Veranstaltungen und Weltcups bewirkten, dass die Zahl der Skifahrer und Snowboarder, welche immer mehr auf den Pisten zu sehen sind, konstant hoch blieben.

B. Hauptteil

B.1. Entwicklung des Massentourismus: B.1.1. Die Entwicklung vor 1955:

Die Alpen waren zu dieser Zeit noch gering besiedelt. Es gab nur einige kleinere Dörfer in den Tälern und wenige Bergbauern an den Hanglagen. Die Landwirtschaft in den Bergen war die bedeutendste Einnahmequelle. Es gab auch bereits industrielle Betriebe, aber aufgrund der schlechten Lage und der niederen Bevölkerungsdichte war diese Branche nicht profitabel genug.

Auch den Tourismus fand man damals in den Alpen schon vor, aber er war noch von geringerer Bedeutung als heute. In manche kleine Wintersportorte kamen reiche und noble Urlauber aus England, die dem Skisport nachgingen; Mit ihren exklusiven Hotels waren diese Orte für die mittlere Schicht preislich unerreichbar. Im Sommer dagegen registrierte man dort nur wenig Besucher. Die Verkehrsanbindungen waren schlecht oder gar nicht vorhanden und Unterkünfte in angemessenen Preislagen gab es nicht.

B.1.2. Die Entwicklung ab 1955:

Hier war der geschichtliche Zeitpunkt, bei dem der Massentourismus seinen Ursprung fand. Ab jetzt entwickelten sich die Alpen von einer wirtschaftlich unbedeutenden Region zu einer der größten Einnahmequellen für die einheimische Bevölkerung. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hatten die Leute keine Freizeit. Sie waren damit beschäftigt ihre Existenz zu sichern. Aber 10 Jahre danach vollzog sich in den westeuropäischen Ländern ein sozialer Wandel. Die Leute wurden immer wohlhabender. Dies war eine Voraussetzung für den beginnenden ,,Tourismusboom". Das Haushaltseinkommen stieg und die Leute hatten die finanzielle Möglichkeit zu verreisen. Auch die Arbeitszeiten verkürzten sich im Laufe der Jahre und die Urlaubszeiten wurden länger. Die Alpen wurden ein beliebtes Reiseziel. Die Leute fuhren nun am Wochenende dorthin oder verbrachten hier sogar einen Teil ihres Jahresurlaubes, hauptsächlich, um Skifahren zu können.

Ein anderer wichtiger Faktor für den Anstieg in der Tourismusbranche war das glanzvolle Wirtschaftswachstum der Nachkriegsjahrzehnte. Zwischen 1950 und 1960 nahm die Wirtschaft in Deutschland undösterreich um zirka 75% zu. Die Kaufkraft der Bevölkerung stieg, deshalb wurden frühere Luxusgüter auch für das breite Volk erschwinglich. Die Automobilbranche verkaufte mehr Autos als jemals zuvor. Die Anzahl der verkauften Automobile verfünffachte sich zwischen 1950 und 19608.

Die Gästenächtigungen inösterreich lagen 1955 noch bei 25.4 Millionen jährlich. 1960 waren es bereits 42,0, 1970 79.5 und 1980 gar 118,7 Millionen Übernachtungen (siehe Tab.1)9. Auch die Bevölkerung in den Alpen nahm zu, was einer Steigerung von 50% in den letzten 30 Jahren (ab 1955) gleichkam10.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.1:Gästenächtigungen inösterreich

Die individuelle Mobilität, die verfügbare Freizeit und die reelle Finanzierung einer Reise führten zu revolutionären Änderungen in einigen Alpengebieten. Die Alpen wurden zu einem Dienstleistungszentrum. Die dahin gehende Entwicklung war durch die immer noch anwachsenden Tourismuszahlen in den 70ern nicht zu umgehen. Die Gebirgsregionen mussten eine ganz neue Infrastruktur erhalten, um die anströmenden Massen besser versorgen zu können.

B.1.2.1. Die Wandlungen in der Verkehrsanbindung

Durch die starke Zunahme der Mobilität wurden neue Straßen errichtet. So entstanden zum Beispiel die Westautobahn zwischen Wien und Salzburg in den 60ern, die Tauernautobahn und die Inntal- Brennerautobahn in den 70ern11. Auch wurden verkehrssichere neue Straßen gebaut, so dass die Touristen auch besser zu ihren Unterkünften oder sonstigen Zielen gelangen konnten. Das Straßennetz wurde extrem verdichtet.

B.1.2.2. Neuerschließungen

Da sich nun die Anzahl der Touristen um ihr Vielfaches vermehrte, baute man nach und nach immer mehr Hotels und andere Beherbergungen. In den Dörfern entstanden größere Supermärkte und Einkaufszentren, Souvenirshops, Schwimmhallen, Ferienwohnungen, Sportanlagen. Das Gaststättengewerbe schrieb hohe Umsatzzahlen durch die Bewirtung der Ski-, Winter- und Sommertouristen. Auch für die Leute, die nicht auf die Piste wollten, wurde gesorgt. Man versuchte alle Bedürfnisse der neuen Einnahmequellen nach Freizeit und Erholung so gut wie möglich zu befriedigen. Diejenigen Leute, die auf das schnelle Geld hofften, investierten riesige Summen in die ,,boomende" neue Branche.

B.1.2.3. Die Wandlungen in der Skitourismusbranche

Der meiste Zuwachs galt dem Skitourismus. Der Sommertourismus verlor immer mehr an Bedeutung. Denn der Skisport wandelte sich von der Exklusivsportart zu einer Sportart für jedermann. Sie wurde zum Trend und die Pisten mussten dem Andrang der Skifahrer standhalten. Deshalb wurden sie verbreitert und gewannen an Länge. Von 1955 bis 1980 stieg die Anzahl der Skilifte und Seilbahnen inösterreich von 350 auf 370012. Die bisher bestehenden Skigebiete expandierten und durch Rodung von Forstflächen wurden neue Gebiete erschlossen. Diese Technisierung der Skigebiete stieß bei den Urlaubern auf positive Resonanz, sie fuhren gerne in die Alpen, um dort ihre Freizeit zu verbringen.

B.1.3. Die Entwicklung ab 1983

Der Massentourismus hatte sich mittlerweile in den Alpen fest integriert. Das hatte zur Folge, dass die Wachstumsraten im Winterbetrieb nicht mehr so steil anstiegen. Der Sommertourismus musste sogar negative Wachstumsraten verzeichnen. Die Nächtigungszahlen übertrafen im Winter die des Sommers im Bundesland Salzburg 1985 das erste Mal 13. In den folgenden Jahren sollte es dann auch noch zu einem weiteren Aufschwung kommen. Durch die immer stärker in den Vordergrund drängende Umweltproblematik wurden die Gemeinden alarmiert. Sie setzten jetzt auf die Marketingbranche. Vor allem in Deutschland wurde nun Werbung gemacht, weil von dort die meisten Touristen kamen. Unterstützt durch die Umweltbelastungen im Mittelmeer und die wachsenden Bürgerunruhen in Jugoslawien verschaffte sich der Sommertourismus eine bessere Position. Die Qualitätsverbesserungen und die Wiedervereinigung, beziehungsweise dieöffnung der Ostgrenzen, lockten noch mehr Besucher in die Alpen, so dass am Anfang der 90er die Nächtigungszahlen auf Rekordhöhe stiegen. Inösterreich waren es 1990 104 Millionen Nächtigungen, so viele wie es noch nie zuvor und danach gab (siehe Tab.2)14.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.2: Entwicklung der Nächtigungszahlen im Alpenanteil ausgewählter Länder in Millionen

B.1.4. Die Entwicklung ab 1994

Die folgenden Jahre waren durch den Abschwung gekennzeichnet. Die ,,Beherberger" waren nicht mehr ausgelastet, denn wegen der europäischen Wirtschaftskrise sank die Kaufkraft der Touristen, die damit nicht mehr so viel Geld in ihrer Reisekasse hatten. Deshalb griffen sie zu Billigreisen in andere Länder; und auch das Fliegen wurde billiger. Man bekam jetzt zum Preis eines Skiurlaubs eine Flugreise in ein ferneres Land. Vor allem das jüngere Publikum wollte einen abenteuerreicheren Sommerurlaub auf einer flugnahen und preiswerten ,,Party- Insel" wie Mallorca oder Ibiza erleben. Auch wurde das Problem mit der Umwelt zu einem immer häufigeren Diskussionspunkt. Die Leute wollten in ihrem Erholungsurlaub eine intakte, natürliche, aber nicht eine vom Waldsterben befallene und durch Verbauung gekennzeichnete Landschaft. Die Verschuldung der Betriebe wuchs von 1991 bis 1997 um 23 Milliarden Schilling an. Erst seit 1998 konnte der Negativtrend gebremst werden, indem die Veranstalter, Hoteliers und viele andere noch verstärkter auf Marketing setzten (siehe Tab 3+ Diagramm 1)15.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.3+ Diagramm 1: Übernachtungszahlen in allen Beherbergungsformen inösterreich Außerdem wurde versucht mehr Leute aus denöstlichen Ländern (Polen, Tschechien) sowie Engländer als neue zusätzliche Zielgruppe zu gewinnen. Dies gelang zwar nur zaghaft, aber man rechnet mit dieser Zielgruppe für die Zukunft.

B.2. Auswirkungen des Massentourismus

B.2.1.Ökologische Auswirkungen

B.2.1.1. Die Folgen des Verkehrs auf die Umwelt

Seit dem Aufschwung der 50er Jahre wurde viel an dem Verkehrsnetz getan. Es wurden nach und nach immer mehr Straßen, Autobahnen und Tunnel gebaut. Die Investitionsraten für Straßen und das Bahnnetz stiegen von Jahr zu Jahr (siehe Diagramm 2)16.

Infrastruktur-Investitionen für Schiene und Strasse (Schweiz ´98)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diagramm 2: Litra Verkehrsstatistik ´98

Nur so konnte dem Ansturm der Anreisenden standgehalten werden. Die Landschaften füllten sich von Jahr zu Jahr immer mehr, sei es durch Touristen oder durch Fahrzeuge, die im Auftrag der Wirtschaft unterwegs waren. Denn auch die wachsende Wirtschaft brauchte ihre Transportmittel und -wege.

B.2.1.1.1. Transitverkehr

Durch die Erweiterung des Straßennetzes und die wachsende wirtschaftliche Bedeutung der Alpen konnte man ab 1970 einen stetigen Aufwärtstrend des alpenquerenden Lastwagenverkehrs beobachten. Dieser stieg bis 1997 um das Vierfache. Waren es im Jahre 1970 noch circa 30 Millionen Nettotonnen, die über die Straßen rollten, so waren es 1998 bereits über 120 Millionen Tonnen. Die Bahn, die 1970 21,7 Millionen Tonnen beförderte, konnte diese Menge nur verdoppeln.1998 beträgt die Zahl 42,7 Millionen Tonnen (siehe Diagramm 3)17.

Alpenquerender Güterverkehr

Gesamter Alpenraum [Schweiz] - [Österreich] - [Frankreich] - [Daten]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diagramm3: Litra Verkehrsstatistik´98

Die Alpenstraßen müssen eine riesige Anzahl von Lastwägen aushalten. Die LKWs belagern also die Straßen, was zu Staus führt. Die von Ulm kommende A7 endet in der Nähe von Nesselwang. Deswegen spricht man auch vom so genannten ,,Nesselwangstau"18:

Die Touristen, eine wichtige Einnahmequelle für die Einheimischen, bleiben im Verkehr stecken und sind über diese Situation nicht erfreut, was zu Ärger und somit zu Einnahmeeinbußen führt. Außerdem hat das Personal Schwierigkeiten pünktlich zu seiner Arbeit zu gelangen. Ebenfalls zu Einbußen des Gewerbes kommt es, wenn der Lieferzeitplan nicht eingehalten werden kann. Der Tourismusbereich kann folglichöfter nur schleppend versorgt werden.

Die Bewohner der Alpen, die früher in einer stillen Landschaft wohnten, sind jetzt durch den ständigen Verkehr auf den neuen Straßen permanent dem Lärm der vorüberfahrenden Fahrzeuge, die außerdem die Luft verpesten, ausgesetzt.

Die Fahrzeuge, die früher auf sogenannten Transitstrecken die Alpen überquerten, fahren jetzt auf den neuen Schnellstraßen und Autobahnen. Die Leute, die auf die Durchreisenden angewiesen waren, verlieren ihre Jobs und müssen sich anderweitig beschäftigen oder sie müssen umziehen.

B.2.1.1.2. Individualverkehr

Etwa drei Viertel der Touristen treten ihre Reise in die Alpen mit dem Auto an (siehe Diagramm4)19.

Verkehrsanteile im Personenverkehr 1998: Reisende (Schweiz)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diagramm4: Litra Verkehrsstatistik ´98

Durch die gut ausgebaute Infrastruktur sind die Skigebiete schnell zu erreichen. Die Zahl der Autofahrer ist im Vergleich zuöffentlichen Verkehrsmitteln zu groß. Im Pitz- undötztal reisen ungefähr 95% der Übernachtungsgäste mit dem Auto an20. Anstelle von Touristen, die einen längeren Aufenthalt planen, steigt die Anzahl der Tagesgäste. Wegen der weltweit wachsenden Automobilproduktion und wegen des zunehmenden Wohlstands in Europa steigt die Anzahl der Autobesitzer. Der Verkehr wird also nicht auf dieöffentlichen Verkehrsmittel verlagert, wie es sein sollte, sondern die Anzahl der Anreisen mit dem eigenen PKW überwiegt weiterhin. Die Umweltbelastung durch die Emissionsgase des Autos ist zu groß. In manchen Alpengebieten (Ballungszentren in den Tälern) sind sie fast annähernd so groß wie die in Berlin. Dies hat zur Folge, dass die Umwelt darunter leidet. Wälder und sonstige Landschaftsabschnitte müssen für neue Straßen geopfert werden. Außerdem verschmutzen die Abgase die Umwelt. Es kommt zum Waldsterben, unter dem wiederum die Tierwelt leidet; überdies erhöht sich die Erosionsgefahr. Durch die steigende Erosion wächst die Gefahr von Lawinen und Murenabgängen, die nicht voraussehbar sind. Die Sonneneinstrahlung, die von Flora und Fauna benötigt wird, ist durch die Absorptionsfähigkeit der Gase geringer. Darüber hinaus wirken sich Emissionen (CO2 und NOx) auf den Boden, die Luft und das Wasser schädigend aus und führen zu sauerem Regen.

B.2.1.2. Folgen des Tourismus auf die Pistenlandschaft
B.2.1.2.1. Beschädigungen durch Pistenraupen

Wenn diese schwergewichtigen Fahrzeuge über die Strecke fahren, wälzen sie die Schneedecke platt. Daraus folgt, dass sich der Schnee verdichtet. Die Pflanzen können jetzt nicht mehr atmen, sie fangen an zu faulen und sterben ab. Durch dieses Absterben wird die Gefahr der Bodenerosion zusätzlich erhöht.

Versuche, die Vegetation zu retten, indem man Wiederbegrünungsversuche durchführt, scheitern fast immer. Die zerstörte Fläche bräuchte Jahre um sich wieder zu regenerieren. Das kann sie aber nicht, weil diese Fläche in der nächsten Wintersaison schon wieder beansprucht wird und deshalb die Regenerationsperiode zu kurz ist. Außerdem können diese zu Schneeschimmelbefall und auch zu Frostschäden führen, was die Pflanzen absterben lässt. Darüber hinaus beschädigen diese Arbeitsmaschinen die empfindliche Humusdecke. Es können bei einem aufgeweichten Boden oder bei einer mit wenig Schnee bedeckten Strecke bis zu 10cm tiefe Risse entstehen21. Der Grasbestand und die Pflanzen werden zerstört. Aber es kann auch zu Abschwemmungen, Frostschäden oder dem Freilegen der Wurzeln, die dadurch keine Nährstoffe mehr bekommen, führen.

B.2.1.2.2. Beschädigungen durch Schneekanonen:

Für die Schneekanonen spricht, dass sie die Periode, in der die Piste durch Skifahrer und Snowboarder genutzt werden kann, verlängern. Die Touristen kommen jetzt nicht nur im Winter, sondern sie haben auch die Möglichkeit, im Frühling und im Herbst die Pisten zu nutzen. Hohe Schneesicherheit wird dadurch gewährleistet, besonders zu den zwei Spitzenzeiten Weihnachten und Ostern. Die Investitionen für Beschneiungsanlagen bleiben hoch um den Leuten sichere Arbeitsplätze zu verschaffen und um die Wirtschaftseinnahmen nicht zu gefährden. Inösterreich können heute rund 16% der gesamten Pistenfläche durch technische Beschneiung mit Schnee bedeckt werden, was einer Fläche von 220 Quadratkilometern entspricht22.

Aber auch einige Argumente gegen den Einsatz von Schneekanonen sollten angesprochen werden.

Durch die längere Bedeckung mit Schnee verändert sich die Schneeschmelze. Da die Piste jetzt länger befahren wird, kommt es zur Vereisung der Piste, was zu oben genannten Vegetationsschädigungen (B.2.1.2.1.) führt. Die Pflanzen haben jetzt nur eine Jahreszeit, nämlich den Sommer, um wieder zu wachsen; diese Periode ist unzweifelhaft zu knapp. Bei einigen Pistenbetreibern wird auch der sogenannte Schneezement verwendet. Diese Art des künstlichen Schnees enthält chemische Düngemittel, die Gewässer und das Grundwasser belasten23. Der Wasserbedarf der Schneekanonen ist gewaltig. Denn sie benötigen Trinkwasserqualität, damit die Gewässer nicht zusätzlich verschmutzt werden. Darüber hinaus benötigen die Schneemaschinen viel Energie, die sich bei der hohen Anzahl der verwendeten Geräte schnell addiert, und es kommt zu Umweltbelastungen durch die dadurch benötigten Stromwerke.

B.2.1.2.3. Beschädigungen durch Pistenbenutzer

B.2.1.2.3.1. Skifahrer

Im Winter verändern die Pistenbenutzer die Strecke durch die scharfen Kanten ihres Untersatzes. Bei einem Schwung rasieren sie die Pflanzen unter der Schneedecke regelrecht ab.

Auch führt der Massenandrang und die daraus folgende hohe Beanspruchung der Piste dazu, dass sie platt gewälzt wird. Daraus ergeben sich Vereisung und ein einsetzender Fäulnisprozess.

Hinzu kommt noch, dass die Skifahrer bei Fahrten außerhalb der Piste junge Bäume ,,abmähen". Die Nachfolgegeneration, die so wichtig für die Zukunft ist, wird zerstört. Nicht nur die Vegetation wird so beeinträchtigt, sondern auch die Tierwelt verliert einen Teil ihres Lebensraumes.

B.2.1.2.3.2. Wanderer

Die Wandersleute haben einen geringen Einfluss auf die Zerstörung der Piste. Sie trampeln ,,nur" einige Pflanzen kaputt, die sich jedoch selbst wieder leicht regenerieren könnten. Es entstehen zwar Trampelpfade, die sich aber im Verhältnis zur riesigen Pistenfläche relativ gering verhalten.

B.2.1.2.3.3. Mountainbikefahrer

Diese Art von Sportlern hat auch eine negative Auswirkung auf die Vegetation der Piste.

Durch rasante Abfahrten beschädigen sie die Pflanzen und teilweise auch deren Wurzeln. Sie fahren auchöfter außerhalb der Piste, was die Tier- und Pflanzenwelt negativ beeinflusst. Da aber der Mountainbiketourismus noch in einem im Verhältnis zum Wintersporttourismus geringem Ausmaß vollzogen wird, ist auch diese Sportart nicht ausschlaggebend für die Zerstörung der Wiesen, des Rasens und der Weiden.

B.2.1.2.4. Beschädigungen durch Pistenbau

Beim Pistenbau wird eine neue Landfläche benötigt. Bäume müssen mitsamt ihren Wurzeln abgeholzt werden. Es werden Flüsse umgeleitet; Wiesen zugepflastert, Felsen gesprengt. Die ursprüngliche Landschaft wird verändert. Die natürlich gegebene Landschaft wird durch künstliche Waldschneisen, Lawinenverbauungen und Liftmasten verunstaltet, so dass der Wanderer keine unberührte Landschaft mehr vorfindet. Auch die Täler leiden unter dem Massentourismus. Sie werden mit unzähligen Neubaugebieten verbaut. Es entstehen immer größere Dörfer beziehungsweise Städte, die die ganzen Tallandschaften immer mehr ausfüllen. Es gibt aber auch mittlerweile einige Hotels, Gaststätten und andere Unterkünfte, die hoch am Berg stehen, was zu einer Verunstaltung und Zerstörung des Landschaftsbildes führt.

B.2.1.3. Folgen für die Gesellschaft

Der Massentourismus ist mittlerweile so angewachsen, dass die Alpenbewohner von dieser Branche abhängig geworden sind. So entwickelte sich auch die Gesellschaft mit. Alte Traditionen werden in den Hintergrund geschoben. Das traditionelle Dorfleben mitsamt seinem Brauchtum findet durch die zunehmende Urbanisierungen kaum mehr statt. Die Generation der alten Bergbauern findet bei den jungen Einheimischen und den Zugezogenen kein Gehör für ihre Bräuche. Die Verstädterung bewirkt eben eine Banalisierung der Kultur, es wandelt sich die Bevölkerung zu einer Konsumgesellschaft nach amerikanischem Vorbild24.

Durch diese Abhängigkeit entstand eine Fixierung auf den Bereich der Kundenbetreuung und -versorgung. Jeder im Dorf hat etwas mit dem Tourismus zu tun, so dass Konkurrenzdenken entstand. ,,Jede Familie hat ihre eigene Firma. Alle bieten das Gleiche an. Jeder ist jedem Konkurrent. "25

Die Gemeinschaft und Solidarität im Dorf untereinander wird vom Tourismus beeinträchtigt. Es gibt aber auch positive Auswirkungen des Wandels in den Alpen seit den 50ern. Die Grundbesitzer, die früher Landwirtschaft betrieben haben, können ihr Land nun verkaufen. Von einem Quadratmeterpreis eines Gebietes, das zu Tourismuszwecken gekauft werden soll, kann man sich ein weit größeres Gebiet kaufen. Auch anderweitige Verwendung des Geldes ist möglich. Viele der Grundbesitzer beglichen damit ihre Schulden oder wechselten vom harten Bergbauernalltag zum Hotelier oder Ferienwohnungsvermieter. So entstanden durch die neue Gesellschaftsordnung andere Traditionen und Feste.

B.2.1.4. Auswirkungen auf die Wirtschaft

Der Massentourismus hat heute eine sehr große Bedeutung für die Wirtschaft bekommen. Es gibt inösterreich 150.000 Arbeitsplätze im Gaststätten- und Beherbergungswesen. Weitere 400.000 Arbeiter und Geschäftsleute profitieren indirekt von dieser Wirtschaftsbranche.

Durch deren Arbeit werden ungefähr 12 bis 15 Prozent desösterreichischen Brutto- Inlandproduktes erwirtschaftet26. Im Jahre 1999 entsprach das einem Geldwert von knapp 200 Milliarden Schilling27. Die Produktivität der Alpen geht aber nur von einem flächenmäßig kleinem Gebiet aus. Im Laufe der Jahre entwickelten sich nämlich städtische Ballungszentren (30% der Alpenfläche28 ). Denn die Landwirtschaft in den Berggebieten wurde zu arbeitsaufwändig und konnte mit der Globalisierung, den sinkenden Weltmarktpreisen und den Einnahmequellen des Tourismus nicht Schritt halten. Auch die ganzen neuen Straßen- und Eisenbahnlinien schnitten die Bergleute von dieser Entwicklung ab. Die vor dem ,,Boom" noch häufig ausgeführte Landwirtschaft wurde ins Abseits gedrängt. Durch die in Massen ankommenden Urlauber (60 Millionen Kurz- und Wochenendurlauber und 40 Millionen länger bleibende Urlauber29 ), durch die Entwicklungsland ähnliche Wachstumsrate der Bevölkerung (1900: 8-9 Millionen _1955: 9 Millionen _1970 12,3 Millionen_1982 17 Millionen,...29 ) und die Abwanderungen des Großteils der Bauern, die sich ein ,,moderneres" und einfacheres Leben in den neuen, industriellen Ballungszentren in den Tälern versprachen, wurde die Bergbevölkerung zahlenmäßig immer ärmer. Sie verloren an politischer Bedeutung und hatten materielle Nachteile gegenüber den Städtern zu kompensieren. Entweder ist ihr Besitztum heute in den Händen einiger weniger Großgrundbesitzer, die die ganzen Ländereien mit Hotelsiedlungen, Pensionen und sonstigen Neuerungen bebaut haben, oder sie wagten es selbst zum Unternehmer zu avancieren, indem sie das Kapital Umwelt auszuschöpfen versuchten.

Es entwickelte sich in den Alpen wegen des entstandenen Massentourismus eine neue vielversprechende Branche: der Dienstleistungssektor. Die Kaufkraft der Touristen ist für die Einheimischen von enormer Bedeutung. Fast die ganze Alpenbevölkerung ist irgendwie mit den Touristen beschäftigt, sei es als Verkäufer im Supermarkt, als Beherbergender oder als Busfahrer. Die ganze ,,dörfische" Bevölkerung hat sich dem Tourismus angepasst. Blieben die Einnahmen durch diese aus, entstünde eine wirtschaftliche Krise. Dies beweisen milde Winter, in denen tiefer gelegene Gebiete Probleme mit dem Schneefall hatten.

Noch ein anderer Zweig, der entstanden ist, ist der Marketing-Sektor. Die Touristen, die im letzten Jahrzehnt immer weniger kamen (andere Billigdestinationen, wachsendes Umweltbewusstsein, höhere Preise,...), sollen nun mit verschiedensten Angeboten gelockt werden:

-Es werden Familienangebote gemacht, die die immer mehr werdenden Kurzurlaube in Schranken halten sollen.
-Events werden angeboten: Darunter versteht man Feste und Veranstaltungen (z.B. Skiweltcups, Snowboardfestivals,...), Partys und Musik an der Piste. Der so genannte ,,AprèsSki-Tourismus" soll vor allem das Publikum bis 25 Jahre ansprechen. Im Vordergrund bei dieser Art von Urlaubern steht meistens nicht der Sport, die Kultur oder die Landschaft, sondern das Feiern bei Tag und Nacht (Hüttenfeten).
-Unterkunft, Zug und Bustickets, Liftkarten und allerlei Extras werden mit den verschiedensten Möglichkeiten gekoppelt und zu einem attraktiven, preisgünstigeren Angebot gemacht. Diese sollen die Reisenden von einer Anreise mit den Auto abhalten und auf dieöffentlichen Verkehrsmittel umleiten.
-Erlebnis- und Abenteuerurlaube: Neue Trendsportarten sollen den abenteuerlustigen Sportlern einen ,,Kick" verschaffen. Heli-Skiing (ein Helikopter bringt den Skifahrer an einen hohen Punkt auf den Berg, so dass dieser im absolut unberührten Tiefschnee abfahren kann), Rafting (Fahren auf Flüssen mit einem Riesenschlauchboot mit circa 8 Personen), Canoning (Hinabklettern einer Schlucht), Paragliding, und viele andere adrenalinsteigernde Sportarten sollen das dynamische Publikum auch im Sommer locken, damit eine ganzjährige Auslastung gegeben ist.

B.3. Maßnahmen und Zukunft

B.3.1. Raumplanung

Es werden Änderungen in der Raumplanung gefordert:

-Es sollen keine neuen Gebiete mehr für den Massentourismus erschlossen werden. Falls dies doch der Fall sein sollte, muss ein Gutachten über dieökologische und umweltgemäße Situation in diesem Gebiet erstellt werden
-Es soll vom Bau von Zweitwohnungen, die den größten Teil des Jahres leer stehen, abgesehen werden
-Innerhalb der Orte sollen die Grünflächen erhalten bleiben und für die Bewohner der Siedlungsgebiete soll es am Rand Naherholungsgebiete geben
-Es sollen die umweltverträglicheren Fortbewegungsmittel gefördert werden, dass heißt, es sollen nicht mehr so viele Großstraßen gebaut werden, sondern man sollte versuchen, die Bahn durch neue Wegstrecken zu unterstützen30

B.3.2. Naturschutz und Landschaftspflege

Die Lebensräume, die von den Touristen weggenommen wurden, können nur schwer wieder zurückgegeben werden. Folglich sollten die Gebiete, die vom Tourismus unberührt geblieben sind, als Schutzgebiete ausgerufen werden. Es sollten zur Wiederherstellung natürlicher Ressourcen Maßnahmen ergriffen werden, wie die Erhaltung von Biotopen,ökosystemen und traditionellen Kulturlandschaften. Neue Wälder sollen gepflanzt werden, damit der Waldbestand, der durch Rodung und Waldsterben an Größe verliert, gleich groß bleibt. Die Tierwelt soll den ihr benötigten Lebensraum zugesprochen bekommen um die zurückgegangenen Populationszahlen wiederherzustellen. Die besonders gefährdeten Arten sollten mit Spezialmaßnahmen vom bedrohenden Aussterben gerettet werden. Auch die Pflanzenwelt sollte in einigen Gebieten geschützt werden, so dass sie in ihrer alten Häufigkeit und Artenvielfalt wieder in den Alpen gesehen werden kann.

Die im Winter beanspruchten Pistengebiete können im Sommer so weit wie möglich behandelt werden um nicht die Eliminierung der ganzen Vegetation tatenlos hinzunehmen. Auch sollen nun die Skifahrer, die verbotenerweise neben den ausgeschilderten Pisten abfahren, eine Strafe in Form von drastischen Bußgeldern erhalten.30

B.3.3. Tourismus und Freizeit

Da es den Anbietern in den Alpengebieten immer mehr ums schnelle Geld ging, wurde immer mehr auf Quantität statt auf Qualität gesetzt. Es soll sich nun eine Wandlung vom Massenabfertigungstourismus zu einem qualitativ hochwertigen, sicheren Tourismus vollziehen. Die natürlich vorkommenden Ressourcen sollen weitgehend geschützt werden. Der Besucher soll eine schöne, unberührte Landschaft vorfinden, und nicht einen von Müll überhäuften, von kaputten Wäldern bestückten und von Autos und Tourismus zerstörten Naturraum. Es sollen weiterhin alte, nicht mehr zu gebrauchende Anlagen (z.B. alte Aufstiegsanlagen) beseitigt werden um neue Anlagen bauen zu können, die sich wirtschaftlich rechnen und der Sicherheit entsprechen. Wegen der Benutzung von Schneekanonen, die eine große Trinkwassermenge verbrauchen, wurde die Forderung nach einer gänzlichen Abschaffung laut. Dies könnte aufgrund der unberechenbaren Wetterlage nicht geschehen, da es bei geringem Schnellfall zu einer wirtschaftlichen Krise kommen würde. Die Präparation der Pisten mit chemischen Mitteln ebenso wie der motorisierte Sport sollen drastisch eingeschränkt oder, wo nötig, sogar unterlassen werden.31

B.3.4. Verkehr

Das größte Verkehrsproblem der Alpen sind die Autos und die Lastwägen. Der alpenquerende Verkehr wird von den beiden dominiert. Die von ihnen ausgestoßenen Gase verschmutzen die Umwelt und die von ihnen benötigten Straßen brauchen eine zu große Fläche. Deshalb sollt in Zukunft mehr an die Bahn gedacht werden. Für diese sollen neue, alpenquerende Gleise gebaut werden um den Güterverkehr anzukurbeln. Im Gegensatz dazu dürfen keine hochrangigen transalpine Straßen mehr angelegt werden.32 Für den inneralpinen Bereich ist der Neubau einer Straße nur unter bestimmten Umständen zu genehmigen.öffentliche Verkehrsmittel sollen gegenüber dem Auto Priorität haben. Der Weg von der Behausung zu den Skigebieten, Wanderwegen, Loipen und sonstigen Zielorten muss mit diesen Transportmitteln preiswert zu erreichen sein. Außerdem soll bei Neuerschließungen von Gebieten die Anbindung durchöffentliche Verkehrsmittel im Vordergrund stehen. Die Touristen sollen auch von ihrem Heimatland ohne Auto anreisen können. Deshalb sollte eine internationale Zusammenarbeit von Bahnunternehmen, Reiseveranstaltern und Anbietern erfolgen, damit die Anreise per ,,Schiene" ohne lange Wartezeiten attraktiv wird. In der Schweiz gibt es sogar schon Städte, die autofrei sind. Dieses Konzept ist weiterzuempfehlen. Ruhezonen, Ruhezeiten, Parkplätze in günstigeren Bereichen, Vignettenpreiserhöhung (Ticket, das zur Benutzung der Straße erforderlich ist), Zufahrtssperren oder Skibusse aus den Quellgebieten sind mögliche Lösungsansätze.31

B.3.5. Berglandwirtschaft

Die Landwirtschaft hat unter dem Massentourismus sehr zu leiden, sei es durch Abwanderung oder zunehmende wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit. Die Wirtschaft soll angekurbelt werden.

-Bei Raumplanung, Flächenausweisung, Bodenverbesserung und sonstige Eingriffe in die Natur soll darauf geachtet werden, dass die Natur und ihre Umgebung möglichst unbelastet bleiben, damit man gute Bedingungen zum Landwirtschaften vorfinden kann. Die Bestellung der Felder und die anderen Arbeiten sind umweltverträglich und standortgemäß auszuführen (Unterschied: Alm-Wald)
-Der Viehhaltung muss eine entsprechende Fläche zugesprochen werden, beziehungsweise sollen die bereits vorhandenen Gebiete erhalten und gefördert werden. Die Tierhaltung soll standortgemäß undökologisch verträglich sein
-Die Vermarktung der tierischen oder landwirtschaftlichen Erträge muss verbessert werden, sei es in der Region oder auf dem nationalen oder internationalen Markt. Die Wettbewerbsfähigkeit soll durch kontrollierten Anbau, kontrollierte Zucht und durch Qualitätsgarantie gesteigert werden.33

B.3.6. Bergwaldschutz und Boden

Die Wälder in den Höhen müssen vor der Abholzung gerettet werden. Sie dürfen ihrer Schutzfunktion (gegen Sonneneinstrahlung, Auffangen von Lawinen) nicht weiter beraubt werden, was z.B. jüngste Lawinenkatastrophen beweisen. Auch die Nutzfunktion und die soziale undökologische Funktion sind wichtig für Bevölkerung und Touristen. Denn der Wald reinigt die Luft und schafft eine schöne Umgebung. Die Abholzungen dürfen nur dann erfolgen, wenn diese wirtschaftlich notwendig undökologisch akzeptierbar sind. Im Gegenzug sollen nun Naturschutzgebiete, Naturreservate und Nationalparks entstehen. Hinzu kommen soll auch noch die Neuaufforstung. Junge Bäume sollen in Gebieten, die vom Waldsterben bedroht sind, aber auch in neuen Gebieten gepflanzt werden.

Auch der Boden ist in Zukunft schützenswert. Die Bewirtschaftung soll möglichst schonend vollzogen werden. Böden in speziellen Gebieten wie Moorgegenden oder Feuchtgebieten müssen erhalten werden und zur Schutzzone erhoben werden. Außerdem soll vorgeschrieben werden, dass die Böden in erosionsgefährdeten Gebieten und anderen gefährdeten Gegenden (z.B. touristisch beanspruchten Gebieten) stabilisiert und in den ursprünglichen Zustand zurückgeführt werden sollen. Von chemischen Mitteln und Dünge- und Pflanzenschutzmittel soll abgesehen oder nur eine geringe Menge verwendet werden.34

B.3.7. Energie und Abfall

Die von den Touristen gebrauchte Energie ist sehr hoch. So mussten umweltbelastende Stromkraftwerke gebaut werden, welche einen zu geringen Wirkungsgrad haben um die Energie weiterzuleiten. Überdies sind die Schadstoffemissionen sind zu hoch. ,,Der Wirkungsgrad (Verhältnis von Nutzenergie zur Primärenergie) ist jedoch heute nur unwesentlich höher als zu Beginn des Jahrtausends. 1910 betrug der Wirkungsgrad 38%, 1960 52%, 1990 42% und 1996 43%."35 Diese Werke sollen nun verbessert und mit den neuesten Techniken nachgerüstet werden. Kontrollen, damit die bestimmten Vorschriften zum Umweltschutz eingehalten werden, sind erforderlich. Die Leistung muss optimiert werden, damit keine neuen Werke entstehen müssen oder sogar bereits vorhandene Standorte aufgelöst werden können. Teilweise will man sich jetzt von diesem Modell abwenden und auf umweltfreundlichere Energie umsteigen, wie Wind- oder Wasserkraft.34

Das Abfallproblem muss eingehender diskutiert werden. Denn die Touristen verursachen eine Große Menge Müll, sowohl auf den Pisten als auch in den Siedlungen. Die Müllbeseitigung in den Siedlungen ist gut geregelt, aber die Besucher halten sich meistens nicht an die Mülltrennung. Die Beherberger sollen in den Unterkünften an das Umweltbewusstsein appellieren und geeignete Abfallbehälter zu Verfügung stellen. Auch an den Pisten sollen mehr Schilder und Mülleimer aufgestellt werden.

C. Schluss

,,Anhand einer alpinen Temperaturstation (Kornat, Bez Hermagor, Kärnten, 1050m) wurde eine Erwärmung um 8 Grad Celsius im Laufe der letzten 30 Jahre festgestellt (1962 bis1992)"36. Diese Temperaturänderung führt dazu, dass die Gletscher langsam zu schmelzen beginnen. Das temperatursensible Alpengebiet wird dann in tiefergelegenen Wintergebieten von wenig Schneefall bedroht. Schafft man es in den nächsten Jahrzehnten nicht, die weltweite Emissionsrate zu stabilisieren, verlören die Alpen ihre Vormachtstellung in Europa. Deshalb müssen die Beschlüsse der Umweltkonferenzen von allen Ländern eingehalten werden.

Jüngste Beispiele zeigen, dass manche Skigebiete nicht ausreichend gesichert sind (z.B. Unglück am Kitzsteinhorn, Seilbahnunglücke, Tunnelbrände). Die Sicherheit der Touristen muss im Vordergrund stehen. Auch müssen Maßnahmen gegen Lawinen eingerichtet werden, um das Leben der Touristen zu schützen (z.B. Schutzwälder und -wälle anlegen, keine Häuserbauten und Siedlungen in lawinengefährdeten Gebieten erlauben). Außerdem müssen die von Tourismusverbänden, Naturschutzorganisationen und Alpenvereinen geforderten Maßnahmen konsequent durchgesetzt werden. Wenn die Natur der Alpenregionen weitgehend intakt bleibt, die Kunden weiterhin einen guten Service erhalten, das Klima gleich bleibt, die Preise nicht zu sehr ansteigen und man den ,,sanften Tourismus" mehr anstrebt, ist man auf einem guten Weg, dass die Alpen weiterhin die Menschen zu sich locken.

Quellenverzeichnis:

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E-Mail Adressen :

info.bergbahnen@silvretta.at MN:26

info@stubai.gletscher.com MN:27

Details

Seiten
19
Jahr
2001
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v100879
Note
Schlagworte
Massentourismus Alpen Auswirkungen

Autor

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Titel: Der Massentourismus in den Alpen und seine Auswirkungen