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Schiller, Friedrich - Don Carlos - Personencharakteristik: König Philipp

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 2 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Friedrich von Schiller „Don Carlos“

Personencharakteristik: König Philipp

In dem dramatischen Gedicht „Don Carlos“ übernimmt König Philipp (Philipp 2., König von Spanien) die Funktion eines Herrschers, Vaters und Ehemanns.

Schon vor dessen Auftritt, wird dem Leser durch die Äußerungen Carlos und Elisabeths ein Bild des König Philipp vermittelt. Gleich im 1. Auftritt schildert Carlos, in einem Dialog mit Domingo, das Misstrauen Philipps, der selbst seinem eigenen Sohn hinterher spionieren lässt (1/1, 108-118). Im folgenden Dialog zwischen Carlos und Marquis wird dem Leser die erbarmungslose Härte Philipps vor Augen geführt. Carlos erzählt von seinem traumatischen Erlebnis auf Anordnung seines Vaters ausgepeitscht worden zu sein (1/2, 242- 244, 255ff.).

Weiter beklagt Carlos mit den Worten „[...]- Sechs Jahre / Hatt’ ich gelebt, als mir zum ersten Mal / Der Fürchterliche, der, wie sie mir sagten, / Mein Vater war, vor Augen kam.“ (1/2, 311-314) das, auf der harten Erziehung basierende, schlechte Verhältnis zu seinem Vater.

Auch die Beziehung Philipps zu seiner Gemahlin Elisabeth kommt zum Ausdruck. Carlos, der das Herz der Königin erobern will, behauptet, der König könne nicht würdig lieben (1/5, 678- 679). Sie selbst hat die Liebe zu ihm bereits aufgegeben (714) und beschränkt sich darauf ihn zu achten (712).

Durch die angeführten Textstellen wird bereits vor dessen ersten Auftreten deutlich, mit welcher Härte und Kälte König Philipp regiert und in welch heikler Beziehung er zu Sohn und Gemahlin steht.

Bei seinem ersten Auftreten (1/6) wird der vermittelte Eindruck der Härte, Kälte, des Misstrauens und des Argwohns bestätigt.

Er verhält sich äußerst misstrauisch seiner Frau gegenüber, die er ohne Hofdamen antrifft. Er bezeichnet dies in Zeile 813 als „unverzeihliches Versehen“ und verbannt die verantwortliche Hofdame für 10 Jahre (826-827). Sein Auftreten als unmenschlicher Richter mit einer unwiderruflichen Bestimmtheit wird hierdurch hervorgehoben und zum ersten Mal an seinem eigenen Verhalten ersichtlich.

In 2/2 werden dem Leser die verschiedenen Wesenszüge Philipps nähergebracht. Durch den Dialog tritt Philipps Isolation zum Vorschein. Er bekennt diese mit den Worten „Ich bin allein“ (1112). Die Tatsache, dass er unter der Isolation leidet, verleiht Philipp Größe. Nur weil im Grunde seines Wesens trotz allem ein wahrer „Mensch“ ist, kann er später in seinen tiefen Konflikt geraten.

Doch ist es vorerst die despotische Härte, die Philipps Wesen dominiert. Diese Charaktereigenschaft wird auch in dieser Szene durch sein hartes Urteil, dass lediglich auf einem Brief beruht, verdeutlicht: Er verurteilt seinen Sohn und seine Gemahlin zum Tode („[...]- Sie soll / Des Todes sterben- ohne Rettung- sie / Und der Infant soll sterben-[...]“ 2791-2793) Gleichzeitig dokumentiert diese Tat das vorschnelle Urteilen Philipps, wie auch schon zuvor bei der Verbannung der Hofdame. Jedoch wird dieses Urteil vorerst nicht vollstreckt. Erst am Ende des dramatischen Gedichts verurteilt Philipp, nach einer Absprache mit dem Großinquisitor, seinen Sohn endgültig zum Tode („Kardinal! Ich habe / Das Meinige getan. Tun Sie das Ihre“ 5369- 5370).

Über die despotische Härte noch hinaus geht das zynische, menschenverachtende Misstrauen, das bei Philipp immer wieder durchbricht. So fertigt er Posas freie Rede über seine Freiheitsideale mit den Worten „Neu zum wenigsten ist dieser Ton! / Die Schmeichelei erschöpft sich. [...]“ (3084- 3085) als Schmeichelei ab. Auch seinen Vertrauten Lerma beschuldigt er der Bestechlichkeit und somit auch der Untreue („Das muss ihr viel gekostet Friedrich von Schiller, „Don Carlos“ Personencharakteristik: König Philipp Von Ole Hübner und Johan Thiesen Seite 2 von 2 haben- [...]“ 2539). Selbst seiner Gemahlin bringt er kein Vertrauen entgegen und ordnet an, die Wachen vor ihren Gemächern verdoppeln zu lassen (2491). Sein Misstrauen geht so weit, dass er sogar die Bitte seines Sohnes um Versöhnung als Gaukelspiel zurückweist („Zu kühn wird mir dies Gaukelspiel“ 1067). Den absoluten Höhepunkt seines Misstrauens erreicht Philipp, als er seinen eigenen Sohn verdächtigt, er schmiede Mordpläne gegen ihn („Mein bestes Kriegsheer deiner Herrschbegierde? / Das Messer meinem Mörder?“ 1192- 1193).

Insgesamt scheint Philipp ein grausamer und unerbittlicher Herrscher zu sein, der auch als Privatmensch versagt hat. Doch schaut man sich seinen Charakter genauer an, sieht man, dass er im Wesentlichen nur ein Mensch auf der Suche nach Menschlichkeit ist. Durch seine Position hegt er ein natürliches Misstrauen gegen seine Mitmenschen, was es für ihn schwierig macht einen Vertrauten zu finden.

Details

Seiten
2
Jahr
2001
Dateigröße
326 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v100863
Note
Schlagworte
Schiller Friedrich Carlos Personencharakteristik König Philipp

Autor

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Titel: Schiller, Friedrich - Don Carlos - Personencharakteristik: König Philipp