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Widerstand gegen den Nationalsozialismus mit Beispiel (Nikolaus Groß, christl. Widerständler)

Referat / Aufsatz (Schule) 2000 8 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Widerstand gegen das Nazi - Regime

Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus war breit gefächert. Er reichte von passivem, nonkonformen Verhalten zu aktivem, "generalstabsmäßig" angelegten Attentats- und Sturzversuchen. Dabei waren Leute aus allen sozialen Schichten vertreten.

Nach dem 30. Januar 1933, nach der Machtergreifung Hitlers bildeten sich bald vielerorts Widerstandsgruppen. Sie unterstützten rassistisch und politisch Verfolgte und verbreiteten Flugblätter. Einige dieser Gruppen in Berlin, die mehr als 50 Frauen und\oder 100 Männer umfaßten, wurden von der Gestapo mit dem Sammelbegriff "Kapelle" belegt. Durch illegalen russischen Funkkontakt flogen bald manche dieser Gruppen auf und von 130 verhafteten Mitgliedern der sogenannten "Roten Kapelle" wurden 49 deportiert und exekutiert.

Das Attentat am 20. Juli 1944, war mit der bekannteste Attentatsversuch. Er wurde geplant und vollstreckt, mitunter auch von Leuten aus den eigenen Reihen. Um den geplanten Krieg zu verhindern, war Generaloberst Ludwig Beck schon im August 1938, aus Gewissensgründen von seinem Amt als Generalstabschef des Heeres, zurückgetreten. Er blieb aber treibende Kraft der zum Umsturz entschlossen Militärkreise. Er verfasste mit dem zivilen Widerstandsoberhaupt, Carl Friedrich Goerdeler, der nach Hitlers Sturz Reichskanzler werden sollte und dem Chef des Allgemeinen Heeresamtes, Friedrich Olbricht, sogenannte "Walküre - Pläne", mit denen sich die Verschwörer beim Umsturz die vollziehende Gewalt sichern wollten. Im Herbst 1943 beauftragte Friedrich Olbricht, den Oberstleutnant Claus Schenk Graf von Stauffenberg, mit der Ermordung Hitlers. Nachdem bereits mehrere Attentatsversuche gescheitert waren, legte Stauffenberg am 20. Juli 1944 im "Führerhauptquartier Wolfsschanze", bei einer Lagerbesprechung mit dem Führer, eine Bombe. Als bekannt wird, dass Hitler leicht verletzt überlebt habt, wird klar das Deutschland bis zum letzten Mann kämpfen muss. Die beteiligten an der Verschwörung Beck, Stauffenberg und Olbricht wurden noch in der selben Nacht, im Hof ihres Versteckes, des Bendlerblocks in Berlin erschossen.

Andere Verschwörer fanden durch den Volksgerichtshof unter Roland Freisler den Tod. Der Urteilsspruch lautete meistens: "wie Schlachtvieh aufhängen" und sollte spätestens zwei Stunden nach Urteilsverkündung vollstreckt werden.

Viele Widerständler kamen auch aus Reihen der Kirche, so zum Beispiel auch Nikolaus Groß.

Er wurde am 30. September 1898 in Niederwenigern, einem heutigen Vorort der Stadt Hattingen, als Kind des "Ruhrpotts" geboren. Von 1905 an bis 1912 besuchte er die örtliche Volksschule Niederwenigern. Nach 1912 arbeitete er drei Jahre in einem Blechwalzwerk in Oberhausen und danach fünf Jahre als Hauer "unter Tage". In seiner wenigen Freizeit betrieb er noch eine rege Fortbildung. Am 24. Mai 1923 heirate er Elisabeth Koch, ein Mädchen das er schon von seiner Kindheit in Niederwenigern kannte. Das Ehepaar Groß bekam bis 1940 sieben Kinder. Sie hießen, angefangen mit dem Ältesten: Klaus, Berny, Marianne, Liesel, Alexander, Bernhard und Leni. Obwohl Nikolaus Groß auch körperlich hart gearbeitet hatte, beschäftigte er sich lieber mit geistigen Aktivitäten. Sein beruflicher Werdegang belief sich auf den des Schriftleiters und Journalisten. Er arbeitete hauptamtlich in der sogenannten "Katholischen Arbeiter Bewegung" (KAB), als Sekretär und Schriftleiter und für deren Zeitung, der "Westdeutschen Arbeiter Zeitung". Sie wurde später, nach dessen Verbot umbenannt, aber nachher wieder verboten. Nikolaus Groß erkannte schon früh die Gefahren des Nationalsozialismus und er nahm in seinen Artikeln kein Blatt vor den Mund. Er sprach irrtümlicherweise schon vor der Machtergreifung Hitlers von der höchsten Popularität der Nazis und prophezeite den Abgang Hitlers. Nachdem Hitler dann doch am 30. Januar zum Reichskanzler ernannt wird, wird die WAZ für drei Wochen verboten. Danach muss Groß vorsichtiger zu Werke gehen. Er lernt wichtige Aussagen "zwischen denn Zeilen" zu machen. In "verdeckter Sprache" drückt er seine Ansichten und Überzeugungen zu politischen oder gesellschaftlichen Ereignissen aus, indem er Predigten berühmter Bischöfe oder Werke der Weltliteratur zitiert. Dabei vertraut er zurecht darauf, dass seine Leser die Schriften verstehen. Zum Jahreswechsel 1934\35 wird aus der WAZ die "Ketteler Wacht", benannt nach einem berühmten Bischof. Nikolaus Groß gestaltet das Blatt neu, bleibt aber seiner "verdeckten" Linie treu. Auch wenn Stellungnahmen zu politischen Ereignissen strengstens verboten waren, blieb die Wahrheit nie verborgen. Mit seinem Freund Bernhard Letterhaus war er schon früh in Widerstandskreisen engagiert. Schon in der Vorkriegszeit fanden in der Kölner KAB -Zentrale Gespräche über die künftige gesellschaftliche und staatliche Entwicklung Deutschlands statt. Zu diesem Kölner Kreis um die KAB - Spitze gehörten christliche Gewerkschaftler, wie Johannes Albers und christliche Politiker, wie Jakob Kaiser. Auch Beck und Goerdeler kamen manchmal zu Gesprächen. Nikolaus Groß hielt engen Kontakt zu Familienfreund Letterhaus, der auch Taufpate des Sohnes Bernhard war. Das sie beide ihr

Martyrium schon befürchteten wird an folgen Zeilen klar:

"- Wieviel Kinder hast du, Nickel?"

"- Aber das weißt du doch." "- Weißt Du es auch?"

"- Sieben Kinder, Nickel. Ich habe nur das eine Mädchen. Schon

mir fiel die Entscheidung schwer genug!"

"- Jeder Mensch trägt seine Bestimmung in sich. Niemand kann ihr

ausweichen oder sich entziehen, ohne sich selbst untreu zu

werden."

"- Elf Sekunden dauert es. Elf Sekunden, dann hat der Scharfrichter

seinen Befehl ausgeführt." "- Das ist die eine Seite!"

"- Genau. Und nicht die wesentliche. Die andere wiegt schwerer."

"- Nur um sie geht es, würde ich sagen"

"- Ja, nur um sie geht es!"

Es war ein Gespräch auf Leben und Tod.

Nachdem Nikolaus Groß am 20. Juli 1944 erfuhr, dass das Attentat auf den Führer mißlungen sei, sagt er zu seiner Frau:

"Jetzt ist alles verloren. Jetzt kommt keiner mehr an ihn heran. Jetzt muss Deutschland bis zum letzten Quadratmeter kämpfen und elend zu Grunde gehen."

Seine Frau hört kaum was er sagt, sie sieht ihn unentwegt an, die plötzliche Veränderung seines GesiDchtsausdrucks prägt sich ihr unauslöschlich ein und erst später begreift sie, dass ihr Mann in diesem Augenblick auch sein eigens Schicksal ahnte, mehr noch, dass er darum wußte.

Drei Wochen nach dem gescheiterten Attentatsversuch erfährt Nikolaus Groß von der Verhaftung seines Freundes Bernhard Letterhaus . Sofort fährt er in den Hunsrück, um Frau Letterhaus zu informieren und ihr Trost und Mut zuzusprechen. Unmittelbar nach seiner Rückkehr wird er selbst von der Gestapo in seiner Wohnung verhaftet. Es war am 12. August 1944. So etwa muß sich die Verhaftungsszene abgespielt haben:

Der eine Mann runzelt die Stirn. "Sie lächeln?" Nikolaus Großgeht schweigend zwischen ihnen. An der Tür bleibt er stehen.

"Lebewohl, Berny", sagt er un umarmt die Tochter. Dann beugt er sich nieder, hebt die kleine Leni an die Brust. "Kommen Sie", sagt einer der Männer.

Nikolaus spürt den Herzschlag des Kindes und setzt es ab. Aber noch im Gehen, hört er ihre Kinderstimme.

"Vati, wohin gehst du?"

Diesen Satz der kleinen Tochter Leni, wird Nikolaus Groß nie mehr vergessen.

Er war ein sehr familienverbundener Mann und ein treusorgender Ehemann . Er schreibt seiner Familie, aus dem Gefängnis Berlin - Tegel, folgende, einfühlsame Zeilen:

" Gott schickt nicht mehr, als wir tragen können. Darum getrost und guten Mutes... In diesen Tagen ist mir klar geworden, dass wir nicht mehr zu tun vermögen, als Liebe zu säen und Güte auszuteilen. Es ist das Höchste, was wir erreichen.

Ich denke stets und immerfort mit solcher Herzinnigkeit an Dich und die Kinder, dass es manchmal das Herz nicht fassen will. Ich möchte, was ich an Kraft und Seele besitze, nur so an Liebe und Güte hingeben an Euch, meine Herzlieben. Und wenn Ihr aus meinen dürftigenZeilen einen Gewinn ziehen wollt, dann seid einander reich und freigiebig in der Liebe, die Ihr euch schenkt. Die Liebe ist und bleibt das Größte...

Wer sich mit Gott beschäftigt, hat keine Langeweile und der Gespräche mit ihm werde ich nichtüberdrüssig. Besonders unterhalte ich mich mit ihmüber Euch,über jeden einzelnen von Euch und sage ihm dabei alles, was ich auf dem Herzen habe. Sei also getrost, Frau, ich verbringe meine Tage in bester Weise und Gesellschaft.

In diesem Jahr habe ich nun nichts. Meine Hände sind leer. Und doch sind sie nie gefüllter und gebefreudiger gewesen. Allerdings: gute Dinge des Leibes habe ich Euch nicht zu bieten. Aber an jedem Tag habe ich hunderte Päckchen an euch abgeschickt: Gebete um eien gesegnete und gnadenreiche Weihnacht...

So laßt uns Weihnachten feiern, getrennt und doch vereint, weit auseinander und doch näher als je!"

Am 15. Januar 1945 wurde Nikolaus Groß von Roland Freisler zum Tode verurteilt und am 23. Januar wurde er in Berlin - Plötzensee hingerichtet.

Das Bistum Essen ist seit einigen Jahren mit der Vorbereitung zur Seligsprechung "Nikolaus Groß" beauftragt.

Das Verfahren der Seligsprechung ist mittlerweile abgeschlossen und die Unterlagen sind nach Rom weitergeleitet worden.

Um Märtyrer unserer Zeit - vor allen Dingen im Nationalsozialismus - darzustellen, hat unsere katholische Heimatgemeinde St. Barbara in Mülheim - Dümpten ein Musical über das Leben von Nikolaus Groß gemacht.

Damit so etwas nie wieder passiert, ist vor allem bei Jugendlichen eine Aufklärung über den Nationalsozialismus und deren Prinzipien und Ideologien nötig. Ich meine damit Jugendliche ohne Zukunftsaussichten, für die die NPD eine Anlaufstelle ist, weil Jugendliche dort sofort aufgenommen werden und ihnen die Struktur der Partei und ihnen die antisemitische Meinung als "gut" dargestellt wird. Sie erfahren dort vielleicht zum ersten Mal Freundschaft und Integration in die Gruppe. Die einfach verständlichen Thesen im Parteiprogramm und Parolen animieren Leute immer wieder bei der NPD und anderen rechtsorientierten Gruppen mit zu wirken.

Bild und Quellenverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Details

Seiten
8
Jahr
2000
Dateigröße
338 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v100749
Note
2
Schlagworte
Widerstand Nationalsozialismus Beispiel Groß Widerständler)

Autor

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