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Madonna in Grünen von Raffael

Hausarbeit 2000 4 Seiten

Kunst - Malerei

Leseprobe

Bildbeschreibung: „Madonna im Grünen“

1505 oder 1506 in Florenz

Maler: Raffaello Santi, genannt Raffael

geb. 6.4.1483 in Urbino

gest. 6.4.1520 in Rom

Material: Öl auf Holz

Bildgröße: H: 113 cm, B: 88,5 cm

Raffaels Madonna im Grünen ist in Hochrenaissance entstanden, während seines Aufenthalt in Florenz. Als sich der einundzwanzig Järige im Herbst 1504 in Florenz niederließ, sah er sich einer künsterischen Welt gegenüber, die der umbrischen Auffassung und Gestaltungsweise lauter Neues bot.1 Wie elastisch und beweglich sich Raffael diesen Einflüssen gegenüber auch verhielt, sein klarer und disziplinierter Sinn verlor nicht die Richtung, Sukzessiv und bedachtsam lebt er sich in die toskanische Formenwelt ein; seine Figuren gewannen an Straffheit und Plastizität, die besonders seine Madonnenbilder bestimmten.

Die „Geschichte der Madonna“ im Grünen läßt sich bis zu ihrer Entstehung zurückverfolgen. Vasari berichtet, daß Raffael während seines Aufenthaltes in Florenz allgemein sehr beliebt war. Ganz besonders geschätzt wurde er aber von dem literatur- und kunstbegeisterten Patrizier Taddeo Taddei, der ihn stets in seinem Haus und an seiner Tafel als Gast sehen wollte. Raffael vergalt diese Freundschaft mit zwei Bildern (von Vasari nicht näher spezifiziert), die sich zur Zeit Vasaris noch immer im Haus des Taddeo Taddei in der heutigen Via dei Ginori befanden. Filippo Baldinucci, der große Florentiner Kunsthistoriograph des 17. Jahrhunderts, fügt dem Bericht des Vasari hinzu, daß das eine der beiden Bilder zu seiner Zeit nicht mehr bekannt war, während das andere - und damit kann nur die Madonna im Grünen gemeint sein- che era di una belissima Madonna con Gesu e san Giovanni, di circa a mezzo naturale, vor einigen Jahren von den Erben Taddeis um eine hohe Summe an Erzherzog Ferdinand Karl von Österreich verkauft worden sei. Erzherzog Ferdinand von Tirol, der mit Anna von Medici, der Tochter Cosimo II., verheiratet war, hat das Bild 1662 während eines Florenzaufenthaltes erworben und nach Innsbruck gebracht. Nachdem der Erzherzog noch im gleichen Jahr starb, gelangte das Bild nach Schloß Ambras und wurde 1773 zusammen mit anderen Ambraser Beständen nach Wien in die kaiserliche Galerie im Belvedere überführt.2

Die Szene der „Madonna im Grünen“ wird in keiner Bibelstelle wiedergefunden. Sie ist aber eine erweiterte Szene, die sich während der Flucht aus Ägypten möglicherweise zugetragen hat. Zu finden ist diese Stelle in Neuen Testament der Lutherbibel unter Matthäus 2,13-15.3 Im diesen Bild bekommt das Christuskind das Kreuz von Johannes überreicht, Madonna möchte ihn daran hindern.

Johannes der Täufer ist Sohn des jüdischen Priesters Zacharias und der Base der hl. Maria, Elisabeth. Er ist 6 Monate älter als Jesus, die Taufe sollte die Schuld abwaschen. Christus ließ sich von ihm taufen und Johannes erkannte in ihm den Messias.4 Das Kreuzstab kann sowohl als Spielzeug als auch Passionssymbol gedeutet werden. Madonna im Grünen trägt auf dem Ausschnitt ihres Kleides ein Datum MDV ¤I, welches je nachdem, ob man den Kreis zwischen V und I lediglich als eine Unterbrechung oder als Schlußpunkt deutet, als 1505 oder 1506 gelesen wird.5

Raffaels „Madonna im Grünen“ ist das klassische Beispiel für eine aus einer strengen geometrischen Form, dem gleichseitigen Dreieck bzw. der Pyramide, entwickelte Komposition.6 Dabei handelt es sich um ein Schema des Bildaufbaus, bei dem die dargestellten Figuren das Volumen einer imaginären Pyramide füllen. Besonders häufige Anwendung findet dieses Kompositionsprinzip bei Gemälden mit dem Thema der Heiligen Familie oder in Madonnendarstellungen zur Zeit Raffaels.7 Die Spitze des Dreiecks liegt im Kopf des Madonnas. Von ihrem Kopf ausgehend, führen zwei Tangenten, eine zur ihrer linken Fuß und der andere zur rechten Fuß der Johannesknabe. Raffael folgt Leonardos komplizierteren und monumentaleren Dreieckskompositionen, indem er beide Kinder in eine Pyramide einbezieht; in dem geschlossenen Dreieck der gesamten Komposition bilden die Kinder in ihrer eigenen Anordnung ein untergeordnetes Dreieck.8 Man verbinde hier der rechten Fuß der Jesusknabe mit dem linken Fuß der Johannesknabe. Die spitze des kleinen Dreiecks liegt in der rechten Hand der Jesusknabe.

Jesuskind und Maria bilden die Mittelachse, diese Achse teilt das Bild in zwei Hälften. Der Kopf des Jesus liegt in der Mitte des Bildes.

Die Tafel soll ein Andachtsbild für privater Wohnbereich sein. Vieles aber spricht dafür, daß das Madonnabild im Florenz des 15. Jahrhunderts vom Andachtsbild zum Ausstattungsstück umschrieben werden könnte. Die religiöse Komponente ist nie ganz verlorengegangen, sie wurde aber abgeschwächt zugunsten einer gesteigerten Bedeutung des ästhetischen Aspekts. Vor diesem Hintergrund muß man wohl auch Raffaels Madonna im Grünen sehen. Das Geschenk an Taddeo Taddei hat wohl kaum den Charakter eines religiösen Gebrauchsgegenstandes gehabt, sondern der kunstliebende Patrizier wird in der Tafel primär ein anspruchsvolles Zeugnis von der Hand eines jungen Künstlers gesehen haben.9

Eine Lichtquelle außerhalb des Bildes schickt ein Breites, anschaulich ungebündeltes Licht ins Bild. Die Schatten der Figuren fallen auf der rechte Seite. Die Wolken und das Wasser spiegeln das natürliche Sonnenlicht wieder. Der Horizont zwischen zwei Hügel leuchtet auf.

Madonna ist in ein rotes Kleid und ein blauer Umhang. Johannesknabe ist in ein hellblaues Tuch gewickelt. Die Schulter der beide Knaben, das Gesicht und der Fuß des Marias spiegeln das Sonnenlicht wieder.

Der Fluchtpunkt liegt unterhalb der Schulter der Madonna, es ist eine leichte Untersicht.(Boden verfolgen) Man kann in diesem Bild von Farbperspektive sprechen. Die Hügel und Stadt im Hintergrund sind hellblau, die Wiese und Bäume sind dunkelgrün, die kleinen Pflanzen im Vordergrund sind grau und olivenbraum. Die Madonna wird durch ihre rot- blaues Kleid besonders hervorgehoben.

Raffael wendet hier auch die Technik der Sfumato an. Die Figur im Vordergrund sind deutlich gemalt, die Gesichtszüge sind klar erkennbar. Die Landschaft hinter ihnen werden zunehmend unscharf, die Stadt ist in Nebel gehüllt.

Das vorderste Ebene bilden verschiedene Arten von Pflanzen, die Figuren befinden sich auf der Wiese (Maria, Johannes der Täufer und Jesuskind). Johannes kniet rechts von Maria und reicht Jesus das Kreuz, hinter ihnen ist ein weites Stück Wiese. Im Hintergrund ist ein See, links dahinter ein Stadt. Räumlich gesehen bilden die Köpf der Figuren ein Dreieck. Jesusknabe und Johannesknabe stehen in engen Blickkontakt

Literaturverzeichnis:

Rosenauer, Artur: Das Meisterwerk Raffael, Madonna im Grünen. Wien „o.J“

Schöne, Wolfgang: Über das Licht in der Malerei. Berlin 1994

Burckhardt, Jacob: http://www.khm.at/khm/static/page719.html „o.J“

Kindlers Malerlei Lexikon: herg. Rolf Linnenkamp [u.a.] Band 8 Köln „o.J“

Howarth, Eva: DuMont´s Schnellkurs „Kunstgeschichte“, Malerei vom Mittelalter bis Popart. Köln 1992

Gualazzi, Enzo: Raffael, Das Leben eines Genies (Aus d. Ital. von Josef Helmut Machowetz). Graz_Wien_Köln 1988

Pfarl, Peter: Christliche Kunst Motive-Maler-Deutung. Wien „o.J“

Antal, Frederick: Raffael zwischen Klassizismus und Manierismus (Aus d. Englischen übertragen von Karin Stempel). Giessen 1980

Mazakarini, Leopold K.: Die Attribute der Heiligen, Die Symbole in der mittelalterlichen Kunst. Wien 1987

[...]


1 Jacob Burckhardt, http://www.khm.at/khm/static/page719.html Wien „o.J“

2 Artur Rosenauer: Die Madonna im Grünen, Wien „o.J“ S.3f

3 Peter Pfarl: Christliche Kunst Motive-Maler-Deutung, Wien „o.J“ S.56

4 Leopold Mazakarini: Die Attribute der Heiligen, Wien 1987 S.42

5 Artur Rosenauer: Die Madonna im Grünen, Wien „o.J“ S.6

6 Jacob Burckhardt: http://www.khm.at/khm/static/page719.html Wien „o.J“

7 Eva Howarth: DuMont´s Schnellkurs Kunstgeschichte, Köln 1992 S.65

8 Frederick Antal: Raffael zw. Klassizismus und Manierismus, Giessen 1980 S.139

9 Artur Rosenauer: Die Madonna im Grünen, Wien „o.J“ S.6

Details

Seiten
4
Jahr
2000
Dateigröße
337 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v100712
Note
Schlagworte
Madonna Grünen Raffael Kunstgeschichte

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