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Lessing, G.E. - Nathan der Weise - Toleranz und Aufklärung

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 8 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Gotthold Ephraim Lessing:

Er wurde am 22. Januar 1729 als Sohn eines evangelischen Pfarrers im oberlausitzischen Kamenz geboren. Von 1746-48 studierte er Theologie und unter anderem auch Medizin in Leipzig. Schließlich entdeckte er das Theater. Um Geld zu verdienen nimmt er journalistische Arbeiten an. Erste Veröffentlichungen folgen nun.

Als 1767 `Minna von Barnhelm' uraufgeführt wird, ist er der Dramaturg des neugegründeten Nationaltheaters in Hamburg.

1776 wird Lessing Mitglied der Mannheimer Akademie der Wissenschaften. `Nathan der Weise' wird 1779 veröffentlicht, 3 Jahre vor seinem Tod.

Schließlich stirbt er am 15.02.1781 in Braunschweig.

Gegner Lessings: Gottsched (hatte französische Vorbilder), will moralische Belehrung; Lessings Vorbild ist Shakespeare; er will, dass die Literatur Mitleid und Menschlichkeit vermittelt, das Trauerspiel soll Gefühle wecken und die Menschen sittlich läutern. Lessings `Glaubensbekenntnis' beruht auf Toleranz, Selbstlosigkeit und Hilfsbereitschaft

Werke:

`Jungen Gelehrten'

`Die Juden'

`Minna von Barnhelm'

`Schriften'

`Miss Sara Sampson'

`Emilia Galotti'

`Philotas'

`Fabeln. Drey Bücher'

`Laokoon'

`Die Erinnerung des Menschengeschlechts'

Nathan der Weise

wichtige Personen:

Nathan, ein reicher Jude

Recha, dessen angenommene Tochter

Tempelherr

Sultan Saladin

Sittah, Saladins Schwester

Daja, Christin, die Recha erzieht

Derwisch (Al-Hafi), Klosterbruder, Patriarch

Inhaltsangabe:

Nathan, ein reicher Jude, kommt von einer Geschäftsreise von Jerusalem zurück. Dort berichtet ihm Daja, die Erzieherin seiner angenommenen Tochter recha, dass Recha bei einem Hausbrand fast ums Leben gekommen wäre, wenn ein junger Tempelherr sie nicht gerettet hätte.

Als dieser Tempelherr endlich dazu überredet werden kann, zu Recha zu kommen, um ihren Dank entgegenzunehmen, verliebt er sich in sie. Er erfährt jedoch von Daja, dass Recha eigentlich eine Christin ist, und erzählt dies dem Patriarchen.

Inzwischen ist Nathan beim Sultan, der eigentlich Geld von ihm will. Saladin fragt Nathan, welcher Glaube der richtige ist, und Nathan antwortet daraufhin mit der Ringparabel: Im Osten lebte einmal ein Mann, der einen Ring besaß, der die Fähigkeit hatte, den Träger des Ringes bei den Menschen beliebt zu machen. Er befahl seinem Sohn, dass dieser Ring immer in der Familie bliebe, und zwar solle dieser den Ring an den meist geliebten Sohn weitergeben. Auf diese Wiese gelangte der Ring zu einem Mann, der drei Söhne hatte, die er alle gleich liebte.

Er ließ also den Ring zweimal nachmachen, um keinen der Söhne zu enterben. Auf dem Totenbett gab er jedem einen Ring. Als er schließlich gestorben war, fanden sie Söhne den `Betrug' heraus und sie gingen vor einen Richter. Dieser beschloss, dass die drei Söhne die Kraft des Ringes an den Tag legen sollten, indem sie Sanftmut, Wohltun und innigste Ergebenheit in Gott zeigen.

Sultan Saladin ist daraufhin so beeindruckt von der Weisheit Nathans, dass er diesem die Freundschaft anbietet.

Der Patriarch schickt den Klosterbruder, der Nathan einst Recha übergeben hat, zu ihm, um ihn mit einer Intrige zu Fall zu bringen, da er es nicht erträgt, dass ein Jude eine Christin zur Tochter genommen hat.

Der Klosterbruder gibt Nathan ein kleines Büchlein, das bei Recha war, in dem steht, wer sie wirklich ist und wer ihre Eltern, bzw. ihr Bruder, sind. Daraufhin treffen sich Sultan Saladin, dessen Schwester Sittah, Nathan, der Tempelherr und Recha im Palast des Sultans und Nathan bringt endlich die wahre Identität Rechas und die des Tempelherrn ans Licht. In dem Büchlein steht nämlich, dass Recha die Schwester des Tempelherrn ist und beide die Kinder des Bruders des Sultan Saladin sind.

Nathan wird zum Schluss jedoch trotzdem von Recha zum Vater ernannt, auch wenn sie nicht verwandt sind.

Ort: Jerusalem

Zeit der Handlung: Zeit der Kreuzzüge

Einteilung des Buches:

161 Seiten, fünf Aufzüge, jeweils unterteilt in einige Auftritte, die handelnden Personen werden vor jedem Auftritt genannt.

Zitate:

Ist ein alter Eindruck ein verlorener?

(S.20/Z.163 - 64)

Kein Mensch muß müssen,

(S.24/Z.387)

Das Kleinste: Reichtum. Und das Größte: Weisheit.

(S.51/Z.1040 - 41)

Sind Christ und Jude eher Christ und Jude als Mensch?

(S.61/Z.1310 - 11)

Was ist das für ein Gott, der für sich muß kämpfen lassen?

(S.90/Z.1556 - 58)

Der Aberglaube schlimmster ist, den seinen für den erträglicheren zu halten.

(S.117/Z.2760 - 61)

Aber macht denn nur das Blut den Vater?

(S.152/Z.3653 - 54)

Was man nicht zu verlieren fürchtet, hat man zu besitzen nie geglaubt, und nie gewünscht.

(S.155/Z.3710 - 12)

Interpretation/ Charakteristik:

Es wäre von Vorteil, am Anfang den historischen Hintergrund aufzuzeigen, da die Interpretation ansonsten nicht vollständig ist.

Lessing veröffentlichte Schriften gegen den Hauptpastor Götz, der ein strenggläubiger Theologe war, und erhielt daraufhin Schreibverbot. Er wollte nun seine Idee der `Völkerfamilie', den Kampf für religiöse Toleranz, in seine Stücke aufnehmen und schrieb das dramatische Gedicht `Nathan der Weise', da er über die fehlende Toleranz und Humanität der Christen erbost war.

Lessing ist überzeugt davon, dass die Religionsrichtung völlig nebensächlich ist und nur die wahre Menschlichkeit zählt. So simpel diese Idee auch ist, sie hat sich bis heute nicht durchgesetzt.

Das dramatische Gedicht ist im Blankvers geschrieben und hat fünf Hebungen. Die Sprache ist zwar die Verssprache, sie hört sich jedoch eher wie gehobene Konversation an, was das Lesen erleichtert.

Die im Stück vorkommende Ringparabel ist nicht von ihm erfunden worden, sondern er hat sie von Giovanni Bocaccio, der im 14. Jhdt gelebt hat. Dieser veröffentlichte sie in dem Buch `Decamerone', einer Novellensammlung; darin stehen viele kurze Erzählungen mit einem markanten Handlungspunkt. Diese Erzählungen entstanden im 14. Jhdt während der Pest. Lessing ist der Meinung, die Menschen in seinen Stücken wirken erst dann überzeugend, wen sie auch Fehler haben. Diese Idee der `gemischten Charaktere' hat er von Shakespeare abgeschaut. Das bedeutet so viel wie, dass niemand nur gut oder nur böse sein kann, so wie die echten Menschen. Nathan ist z.B. weise, human und aufgeschlossen, doch er wirkt manchmal eitel, überheblich und er hört sich gerne reden.

Saladin wird von Freunden und Feinden geachtet, da er edelmütig und ebenfalls human ist. Weiters hat er die Eigenschaft als Herrscher relativ tolerant zu sein. Er versucht die Armut im Volk zu beseitigen, was ihm jedoch nicht gelingen will, da er nicht gut mit Geld umgehen kann.

Zu Beginn des Stückes wird der Tempelherr als abweisend, hochnäsig und überheblich dargestellt, doch hat er in Wirklichkeit einen aufrechten Charakter und die vielen Danksagungen sind ihm unangenehm, da er etwas schüchtern ist. Leider wird er in seiner Bescheidenheit öfters verletzend.

Der Patriarch kann trotz seiner hinterhältigen Handlungsweise verstanden werden, da er in einer elenden politischen Position ist. Er befindet sich in der bittenden, unterwürfigen Situation gegenüber dem Sultan.

Recha ist Lessings Beispiel für den `neuen Menschen', da sie Personen aus allen drei Religionsgruppen liebt: Nathan (Jude), Daja und den Tempelherren (Christen) und den Sultan (Moslem), der, wie sich später herausstellt ihr Onkel ist. Sie hat also einen muslimischen Onkel, einen christlichen Bruder und einen jüdischen Ziehvater.

Nathans Erziehungsgründe für Recha lauten Vernunft, Toleranz und die wahre Menschlichkeit.

Als Recha vom Tempelherrn aus dem Feuer geholt wird, erzählt sie Nathan, dass er ihr so erschien, als ob sie ein Engel gerettet hätte. Dieser bringt sie fast zum Weinen, als er ihr sagt, bei Engeln könne man sich nicht bedanken und sie solle das Handeln der Menschen höher einschätzen, als Eingriffe aus dem Jenseits, denn die Tat eines Menschen, die er, sich überwindend, begeht, ist größer als ein Wunder.

Obwohl Nathans Argumente sehr überzeugend sind, behält Recha mit dem Ausdruck `Engel' doch ein wenig recht, da der Tempelherr ja nur deshalb lebt, weil der Sultan ihm das Leben geschenkt hat, da er seinem Bruder so verblüffend ähnlich sieht. Jeder andere Tempelherr wäre wahrscheinlich umgebracht worden. Mit der Tatsache, dass Daja, die Christin, für Nathan, den Juden, arbeitet, zeigt Lessing das genaue Gegenteil von Hitlers Überzeugung. AB 1935, als es die Rassengesetze von Nürnberg gibt, macht diese Einstellung Schwierigkeiten und `Nathan der Weise' darf bis 1945 nicht mehr aufgeführt werden.

Dazu kommt noch, dass Nathan dem Sultan Geld geben will, was ja gegen die Annahme, dass Juden geizig sind, `verstößt'.

Als Nathan sich beim Tempelherrn bedanken und ihn zu sich einladen will, zeigt er eine große Achtung vor dem ungefähr halb so alten Tempelherrn, welcher auch noch unwirsch und beleidigend reagiert. Die `guten ` Menschen und ihre Religionen kommen zur Sprache und der Tempelherr, der als typischer Christ etwas Besseres sein will, besteht auf einen Unterschied. Doch Nathan schmeichelt ihm und erklärt ihm, dass nur wichtig ist, wie man sich als Mensch verhält.

Nathan lässt sich vom Tempelherrn nur als Juden beschimpfen, nicht als Menschen, da die Taten mehr zählen als die Religionen.

`Sind Christ und Jude eher Christ und Jude als Mensch?' bemerkt er, bevor der Tempelherr ihm seine Freundschaft sichert.

Der Sultan nimmt dessen Freundschaft an, als dieser erkennt, wie weise, tolerant und großzügig er ist. (`wie müssen, müssen Freunde sein.')

Nathan versucht nämlich auf die Menschen richtig einzugehen, damit sie ihre Widerstände aufgeben müssen. Man könnte sagen, er hält sich an einen Ausspruch vom hl. Ignatius: `Ich gehe mit jedem Menschen bei seiner Tür hinein, um ihn bei meiner Tür wieder hinauszuführen.'

Auf Seite 109 (oben) zeigt der Patriarch, durch welchen der Pastor Götze charakterisiert wird, wieder einmal, dass er Christen für etwas besseres hält: `Denn ist nicht alles, was man Kindern antut Gewalt? - Zu sagen: - ausgenommen, was die Kirch' an Kindern tut.' Der Satz des Tempelherrn auf Seite 117 (mitte): `Der Aberglauben schlimmster ist, den seinen für den erträglichern zu halten.' könnte in `Der Aberglauben schlimmster ist, den seinen für den auserwählten zu halten.' umgeformt zu werden.

Der Klosterbruder erkennt, dass es eine Religionstoleranz geben muss und bemerkt (S127): `Und ist denn nicht das ganze Christentum aufs Judentum gebaut? Es hat mich oft geärgert, hat mir Tränen g'nug gekostet, wenn Christen gar so sehr vergessen konnten, dass unser Herr ja selbst ein Jude war.'

Obwohl Lessing nicht zur zeit Hitlers gelebt hat, ist das ein schwerwiegender Vorwurf gegen ihn und seine Judenverfolgungen.

Lessing legt Nathan eine Ringparabel in den Mund, in der es um drei Ringe geht. Diese sind symbolisch für die drei Religionen zu sehen.

Als Sultan Saladin Nathan fragt, welche die `wahre' Religion ist, will und kann er ihm keine eindeutige Antwort geben und erzählt statt dessen diese Parabel.

Als er zu Ende kommt, sagt der Sultan, dass die Religionen doch wohl zu unterscheiden wären, da er die Ringparabel offensichtlich noch nicht richtig begriffen hat. Nathan gibt ihm folgende Antwort: `Denn gründen alle sich nicht auf Geschichte? Geschichte muß doch wohl allein auf Treu und Glauben angenommen werden? Wie kann ich meinen Vätern weniger als du den deinen glauben? Oder umgekehrt.-`

Da endlich versteht der Sultan, worauf Nathan hinauswill und verstummt. Nathan fragt ihn später noch, ob Saladin glaubt, der versprochene Richter zu sein, der die wahre Religion `aufdecken' kann. Der Sultan gibt ihm daraufhin als Antwort: `Ich Staub? Ich Nichts?' In diesen Worten merkt man die große Ehrfurcht des Sultans vor allen drei Religionen, wenn er sich schon als Staub bezeichnet.

Obwohl Gotthold Ephraim Lessing im 18. Jhdt gelebt hat ist sein dramatisches Gedicht `Nathan der Weise' immer noch aktuell. Falls irgendwann einmal die Menschen begreifen, dass es nur auf die wahre Menschlichkeit ankommt, wird dieses großartige Werk in Vergessenheit geraten. Was ich bisher aber mitbekommen habe, werden die Menschen sich nie ändern, und wenn doch, dann bestimmt nicht alle.

Es ist todtraurig, dass irgendeine Gruppe immer auf einer anderen herumhacken muss. Hans Peter Richter schreibt am Anfang seines Buches `Damals war es Friedrich': `Damals waren es die Juden Heute sind es dort die Schwarzen, hier die Studenten Morgen werden es die Weißen, Christen oder Beamten sein ' Selbstverständlich klingt es unrealistisch, aber was wurde noch nicht alles in der Geschichte unterdrückt, verjagt, getötet, nur weil manche Menschen, oder eigentlich - jeder Mensch - anders ist als der andere?

Ich möchte mit einem Zitat Albert Camus abschließen: `Dummheit ist immer beharrlich.'

Die Aufklärung

Toleranz (religiöse, gesellschaftliche, nationale), Weltoffenheit (Weltbürgertum), Zeit der Bildung (nicht nur für die höheren Stände), der Mensch wird an sich gesehen (als menschliches Wesen), der Rechte hat => Menschenrechte; philosophische Bildung, Bildungszentren: Fürstenhöfe, Hamburg, Leipzig (Kleinparis), Zürich (Zentrum der Bildung und der Kultur), Wien

Bewegung von England aus: John Locke und David Hume: `Was ich erfahre (wahrnehme), das bringt mir Erkenntnis'; Erfahrung prägt den Menschen

`Zweck aller Menschen Tätigkeiten ist das Glück' - positives Weltbild

Fortschrittsglaube uneingeschränkt, lernfähiger Mensch

Frankreich: Vertreter des Rationalismus: René Descartes (cogito ergo sum), Voltaire, Montesquieu (beschäftigt sich mit der Gesetzgebung - Geist der Gesetze); Idee: staatliche Gewalt muß geteilt werden (Exekutive, Legislative, Jurisdiktion)

Deutschland: philosophische Seite, G. Wilhelm Leibniz (1716 +): Mensch = Zentrum Ziel der Aufklärung: die Bildung im positivsten Sinn, allseitige selbstständige Entwicklung des menschlichen Geistes; Vertreter: Immanuel Kant => Lehrsatz: `Die Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit' `sapere aude' => wage zu denken/ erkennen

Ideale: Vernunft, Tugend (Handeln nach den vernünftigen Prinzipien, sich der Vernunft unterordnen); Vernunft und Tugend schaffen eine bessere und gerechtere Welt, ohne Vorurteile und Privilegien, aber mit der Wahrung der Rechte und der Würde des Menschen.

Kritik: einseitige Betonung der Vernunft (Mensch kann nicht nur vernünftig sein); Phase: Empfindsamkeit (Pietismus)

neue Gattung im Theater: bürgerliches Trauerspiel (1755 `Miss Sara Sampson', Lessing), Emilia Galotti

Literatur der Aufklärung: Tugend wird als etwas lehrbares aufgefasst(lehrhafte Kleinformen: Satire, Fabel, Epigramm)

Durchsetzung der Prosa gegenüber dem Vers

Details

Seiten
8
Jahr
2001
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v100512
Note
Schlagworte
Lessing Nathan Weise Toleranz Aufklärung

Autor

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Titel: Lessing, G.E. - Nathan der Weise - Toleranz und Aufklärung