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Kästner, Erich / Hölderlin, Johann Christian Friedrich - Vergleich zweier Gedichte und Lebenslauf

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 2 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Gedichtvergleich der 2 Gedichte Lebenslauf und kurzgefasster Lebenslauf von Johann Christian Friedrich Hölderlin und Erich Kästner

Des ganzen Lebens schwarze Litanei vom Mutterleib zum Todesschrei!

Die beiden Dichter Friedrich Hölderlin und Erich Kästner lebten in Zeiten des gesellschaftlichen und kulturellen Umbruchs.

Hölderlin dichtet seinen ,,Lebenslauf" zwischen den 2 Epochen der Klassik und der Romantik.

Erich Kästner schreibt seinen ,,kurzgefassten Lebenslauf" zwischen den 2 Weltkriegen. Da sie sich beide mit ihrer Zeit auseinander setzten, stoßen sie auch an, und dadurch kommt es zu einer motivlichen Verwandtschaft zwischen den 2 Werken unterschiedlicher Ären.

Mit seiner satirischen Gebrauchslyrik und aggressiven Sarkasmus schafft Erich Kästner sein ganz eigenes reelles, erschreckendes und deshalb etwas düsteres Bild der damaligen Zeit. Nach Erich Kästner, ist das auf die Weltkommen nicht gerade ein bestrebenswertes Ereignis. Es wir deutlich, dass er früher in der Schule, die den größten Teil seiner Zeit bestritt noch angepasst war und erst viel später begriffen hat, dass das, was er dort lernte nicht seiner Denkweise entsprach und er zu spät anfing dagegen zu protestieren .

Mit reiner Ironie beschreibt er das doch schreckliche Ereignis des 1. Weltkrieges, in den er als Junge statt der großen Ferien musste, satirisch fängt er in dieser Strophe erstmals an mit pazifistischen Zügen dagegen zu opponieren und deutet an, wie es in seinem Leben auch gewesen ist, erhebliche körperliche und wahrscheinlich auch seelische Schäden davon getragen zu haben, was die Gedichtzeile: ,, Ich lebte weiter. Fragen sie nicht wie." ungemein zeigt.

Nach dem der 1. Weltkrieg zu ende war, kommt wohl der beste Abschnitt seines Lebens. Es öffneten sich ihm viele neue Wege in den verschiedensten Lebensbereichen. In dieser Strophe beschreibt er eigentlich die Blüte seines Daseins, wo er voll von Schaffenskraft und Drang nach Wissen, Arbeit und Lebensgeist ist. Letztendlich kann er sich nicht beklagen und die kleinen Ecken und Kanten in dieser Zeit, die eben immer vorhanden sind stellt er mit dem ,,regnenden Sonntag" dar. Mit Gelassenheit und Humor beschreibt er weiterhin den Lauf des Lebens und somit auch des Älterwerdens, dass seine ersten Spuren von grauen Haaren bei ihm an den Schläfen hinterlässt. Gut beobachtet er, wie die Menschen, die ihm Nahe stehen sich im Laufe der Zeit verändern und ruhiger werden, vielleicht genauso wie er ihren Platz in der Gesellschaft finden, der wie Kästner demonstriert nicht immer schnöde und auf einer Wellenlänge mit der Gesellschaft und dem System liegen muss.

Beharrlich weiter opponierend schildert er, wie er durch seine andere Einstellung gegenüber der Gesellschaft immer wieder aneckt und sich selbst ein Bein stellt, was in folgenden Versen sehr deutlich wird: ,, Ich setze mich gerne zwischen 2 Stühle. Ich säge an dem Ast, auf dem wir sitzen." Entgleisen für die Gesellschaft tut er dadurch, dass er sie, die stumpfsinnig ist, nur in eine Richtung denkt und somit tot ist, anregen will sich aus der starren Lethargie herauszureißen.

Zusammenfassend schreibt Erich Kästner in der letzten Strophe mit viel Selbstbewusstsein und dem üblichen satirischen Charme, dass er seine Last weiter tragen wird und auch damit fertig wird, ohne sich doch noch anzupassen.

Ganz anderes Friedrich Hölderlin. Da sein Gedicht in einer Art Zwischenepoche aus Klassik und Romantik geschrieben ist, hat es einen sehr hohen philosophischen Gehalt. Dazu kommt noch, sein zu der Zeit relativ ungewöhnlicher Lebenswandel, denn der einstige Theologiestudent und späterer Pfarrer entfremdete sich langsam vom Christentum, was man sehr deutlich auch in seinem Gedicht ,,Lebenslauf" bemerken kann: ,, Dies erfuhr ich. Denn nie Habt ihr Himmlischen, ihr Alleserhaltenden mich des ebenen Pfades geführt." Weiterhin bleibt er auch fern von Ironie und Satire, beschreibt sein Leben nicht wie Kästner in einzelnen Abschnitten, sonder wirkt eher wie ein Aufklärer, ein Veränderer oder Neuerer der den Sinn des Lebens allgemein, in Verknüpfung mit seiner Auffassung auszudrücken versucht: ,, Alles prüfe der Mensch dankend für Alles lern', und verstehe die Freiheit, aufzubrechen, wohin er will."

Während Hölderlin oft eine tiefe dunkle Symbolsprache benutzt und eine große Bildkraft entwickelt, verlässt sich Kästner auf seinen treffsicheren Humor mit salopper Umgangsprache, die das, was er uns nahe bringen will äußerst deutlich macht, Persiflagen und Alltagsphrasen als weitere Unterstützung zum absolut guten Verständnis. Kästner wirkt in seinem Gedicht nicht unbedingt als Neuerer, sondern mehr als Anreger.

Ein weiterer Unterschied ist die Reimform, während Kästner den Kreuzreim vorzieht, herrscht bei Hölderlin eine freie Reimform vor, trotzdem erreichen die Dichter dadurch eine Bekräftigung ihrer doch gleichen Grundpositionen. Sie wollen eine Gesellschaft bewegen, sich zu ändern und so vielleicht auch zu verbessern, das ist es, was die beiden Gedichte so eng miteinander verbindet und sie deshalb beide auch als Gedanken- oder Ideenlyrik gelten. Natürlich können dadurch Anstöße in der stumpfsinnigen, manchmal blauäugigen Gesellschaft nicht vermieden werden.

Mit dem Vers: ,, Herrscht im tiefsten Orkus nicht ein Grades, ein Recht noch auch?",

versucht Hölderlin den Menschen nahe zu bringen, dass es immer Auswege und neue Wege gibt und das im größten Chaos noch eine Gesetzmäßigkeit herrscht. Diese Auffassung koppelt er mit seiner Abneigung gegen das Christentum und erschafft so eine für ihn realere Welt, eine Welt die auf beiden Beinen steht. Eine Abneigung der Gesellschaft gegen ihn ist praktisch, wie bei Erich Kästner, vielleicht etwas deutlicher schon vorprogrammiert, denn er war im Begriff ein lang machterfülltes, abhängigmachendes starkes System damit ins Wanken zu bringen.

Der Ein oder Andere mag wahrscheinlich annehmen, dass man zwischen der Epoche der Moderne und der, der Klassik keine einzigen Verbindungen ziehen kann, weil sie so unterschiedliche Ausdrucksmittel und Sprachen haben, doch dieser Gedichtvergleich hat gezeigt, dass die Dichter, egal aus welcher Ära sich doch immer wieder mit ähnlichen Problemen befassen, nämlich Änderungen und Verbesserungen in einem starren System. Er zeigt, dass die Künstler, Dichter und Schriftsteller es sind, die mit den epochentypischen Mitteln versuchen ihre andere Auffassung der Gesellschaft ein Stück näher zu bringen und es werden auch immer die Poeten und Maler bleiben, die Anstoß zu einer neuen Form geben, ob nun mit abstrakter Kunst und Alltagsphrasen oder mit hochtrabenden Worten und höchster Sprachkunst. Sie sind es für mich, die schon viel ehr die Erkenntnis besitzen, bevor sie die starre Masse endlich begreift.

Details

Seiten
2
Jahr
2001
Dateigröße
331 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v100483
Note
Schlagworte
Kästner Erich Hölderlin Johann Christian Friedrich Vergleich Gedichte Lebenslauf

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Titel: Kästner, Erich / Hölderlin, Johann Christian Friedrich - Vergleich zweier Gedichte und Lebenslauf