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Zygmunt Baumann - Flaneure, Spieler, Touristen - Eine Übersicht über die Typen

Ausarbeitung 2001 2 Seiten

Soziologie - Sonstiges

Leseprobe

Zygmunt Baumann: Flaneure, Spieler und Touristen.

- Eine Übersicht über die Typen -

I. Typisch für moderne Gesellschaft:

Der Pilger:

Baumann unterscheidet in der Reihenfolge ihres historischen Auftre- tens 3 Untertypen:

- Katholizismus-Pilger
- Protestantisch-puritanischear Pilger
- der gescheiterte Pilger in einer ungastlichen Welt

- wartet auf eine spätere Befriedigung seiner Bedürfnisse. (Befriedigungsauf- schub).

- spart für die Zukunft (Bausparvertrag, Lebensversicherung).

- dies erfordert festen Glauben an die Stabilität (der Welt/der Zukunft).

- unterliegt dem Ursache/Wirkung - Prinzip.

- braucht eine ordentliche, determinierte, sichere Welt

- hat ein festes Wertesystem.

- lebt von unerfüllter Sehnsucht.

- versucht, für die Nachkommenschaft Spuren zu hinterlassen.

- ist fremdbestimmt.

- muß in die Wüste gehen, wenn er sich selbst bestimmen will.

- hat keine Wahl: In der modernen Welt muß man zum Pilger werden. Man muß in das Wanderleben einen Zweck hineindeuten, damit es erträglich wird.

- bildet Identität durch lange Erfahrung/Wanderschaft.

- Dieser Prozeß beruht auf Gegenseitigkeit: Während er der Wüste Sinn gibt, erhält er Identität.

- leider hat er gegen Ende der Moderne ein Problem damit, die leicht gewon- nene Identität auch zu bewahren, denn

- Identitäten sind austauschbar wie Kostüme.

- Das Lebensspiel der Pilger ist eine Strategie des Fortschritts. - Regeln ändern sich während des Spiels.

- Spiele sind kurz und abwechslungsreich - kurze Beziehungen zu Menschen.

- Offenhalten von Optionen, nicht auf ein Spiel festlegen, um die Zukunft nicht einzuschränken.

- keine Beständigkeit, keine Treue, keine Auswirkungen des Vergan- genen auf die Zukunft.

- Zeit wird stete Gegenwart. "Kein Fluß, sondern Teiche und Tüm- pel."

- Bevorzugte Fähigkeit ist Vermeidung von Stillstand.

- Werte/Strategien sind auf maximale Sofort-Schock-Wirkung und auf darauffolgendes sofortiges Veralten abgestimmt.

II. Nachmoderne Typen

Der Spaziergänger (Flaneur)

- betrachtet die Welt als eine Bühne, auf der er Regisseur sein darf.
- hält sich für den Regisseur, aber in Wirklichkeit ist er Objekt einer höheren Regie.
- bewegt sich in der Menge, aber nicht als Teil von ihr.
- macht in seiner Freizeit spielerisch die Tätigkeiten der Pilger nach.
- macht damit eine Freizeitbeschäftigung zum Lebensinhalt selbst.
- hohes Lustprinzip.
- Ihm werden Lockungen als Bedürfnisse, Zwang als Absichten und Verfüh- rungen als Entscheidungen vermittelt.
- hat keine Begegnungen mehr, sondern Vergegnungen (ein Leben ohne Auswirkungen).
- lebt typischerweise in Einkaufszentren: saubere, ordentliche, abgeschlos- sene Welten, in denen Spaziergang und Konsum eins sind.

Der Vagabund

- wird eher "gestoßen" als "gezogen"
- macht unvorhersagbare Bewegungen, da er völlige Bewegungsfreiheit hat.
- ist eigensinnig.
- ist die Verkörperung des Chaos aus der Sicht der Moderne.
- hat kein festes Ziel, nur vage Hoffnungen, immer etwas besseres zu finden.
- kommt an Orte, ist aber niemals dazugehörig, da er immer der Fremde bleibt.
- Die Knappheit an besiedelten Orten macht ihn zum Vagabunden.
- Früher waren die meisten Leute seßhaft, nur wenige waren Vagabunden.
- Die Postmoderne kehrt dieses Verhältnis um.
- im Gegensatz zu den anderen 3 Typen hat dieser wohl kaum die Wahl des Lebensstils: Der Vagabund als Opfer seiner Umwelt.

Der Tourist

- wird eher "gezogen" als "gestoßen"
- bewegt sich absichtlich, "um-zu" und "infolge-von" .
- ist ein bewußter, systematischer Sammler möglichst neuer und unterschied- licher Erfahrungen.
- bewohnt eine gestaltete, domestizierte, freundliche Welt, die dazu da ist, um sich zu amüsieren.
- strukturiert seine Welt nach ästhetischen Kriterien.
- sucht den Nervenkitzel des Fremden/Bizarren, aber immer mit dem Wissen um die Rückzugsmöglichkeit.
- Dieser Zufluchtsort ist der feste Punkt in seinem Leben: die Heimat, das Zuhause.
- Aber die Grenze zwischen Zuhause-Sein und Touristenbesuch ver- schwimmt.
- Heimweh ist der Traum des Touristen, Zugehörigkeit zu einem Ort bekun- den zu können.
- hat das Problem, zwischen Heimweh und Heimatgebundenheit hin- und hergerissen zu sein.

Der Spieler

- Risiko, Intuition, Vorsorgemaßnahmen
- Es gibt nur Spielzüge. Nichts ist völlig kontrollierbar, aber auch nichts unab- änderlich.
- Zeit ist ein Ablauf einzelner Spiele.
- denn ein Spiel ist eine abgeschlossene Sache.
- Es beginnt bewußt von Anfang an und soll keine Folgen haben.
- Spiel ist wie Krieg, nur soll es nicht verletzen.
- Das Spiel der postmodernen Erwachsenen wird so rückhaltlos akzeptiert wie Kinder dies tun.

III. Anmerkungen aus dem Seminarverlauf

- Es ist zu beachten, daß der Pilger, der Tourist, etc. Idealtypen sind, die keinem realen Menschen entsprechen. Wie auch Baumann sagt, gibt es diese Typen nicht einzeln, sondern nur in anteilsmäßig ungleichen Vermi- schungen!
- Die Vermutung liegt nahe, daß der Pilger-Typus noch in den 4 postmoder- nen Typen enthalten ist, so daß man solange z.B. Tourist bleibt, bis man schließlich doch zum Pilger wird.
- Leider äußert sich Baumann nicht darüber, wie er ausgerechnet auf diese und nur auf 4 Idealtypen kommt.
- Und leider fehlt auch eine Kategorie der Ungleichheit, denn es wird nicht klar, was an den Merkmalen der Typen freiwillige Wahl und was gesellschaft- licher Zwang ist.

Details

Seiten
2
Jahr
2001
Dateigröße
331 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v100431
Note
Schlagworte
Zygmunt Baumann Flaneure Spieler Touristen Eine Typen

Autor

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Titel: Zygmunt Baumann - Flaneure, Spieler, Touristen - Eine Übersicht über die Typen